3.5 Interview mit Helene Haidl, Kinder- und Jugendhilfe
Das Gespräch führten Ulrike Repnik und Denise Schulz-Zak.
Ihre Assoziation zu „Gesundheit“ in drei Worten?
Haidl: Körper, Seele, Geist.
Sie sind als Vertreterin der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) Mitglied des Wiener Gesundheitsziele-Forums „Kinder und Jugendliche“. Die Kinder- und Jugendhilfe ist die zentrale Anlaufstelle für Eltern und Kinder in Wien. Gesundheitliche Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche zu erhöhen (Gesundheitsziel 1), ist der Stadt Wien ein großes Anliegen. Wie kann dies Ihrer Meinung nach am besten gelingen?
Haidl: Die Kinder- und Jugendhilfe schützt Kinder und Jugendliche und stärkt das familiäre System – durch Beratung und Unterstützung während der Schwangerschaft, im Kleinkindalter bis zur Adoleszenz mit dem ganzen Spektrum an Herausforderungen. Mit sozialarbeiterischen, sozialpädagogischen und klinisch-psychologischen Angeboten wird der Komplexität der Problemlagen von Familien entsprochen. Durch unterschiedliche Hilfestellungen, von Unterstützung bei der Alltagsstrukturierung über Erziehungsberatung bis zur psychotherapeutischen Begleitung soll Kindern und Jugendlichen eine gesundheitsförderliche Entwicklung ermöglicht beziehungsweise diese gewährleistet werden. Ziel ist auch die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe der Familien, die gemeinsam mit den genannten Maßnahmen zur gesundheitlichen Chancengerechtigkeit der Kinder und Jugendlichen in Wien beitragen soll.
Von Teilnehmer*innen der Wiener Gesundheitsziele-Foren wurde insbesondere der Vernetzungscharakter der Foren positiv hervorgehoben. Wie haben Sie das Wiener Gesundheitsziele Forum „Kinder und Jugendliche“ erlebt?
Haidl: Als Teilnehmende von Anfang an erinnere ich mich zunächst an die positive Stimmung bei den Treffen – viele Themen, viele Interessent*innen, viele Stakeholder*innen, die an einem Tisch sitzen respektive an einem Veranstaltungsort zusammenkommen. Die Motivation, für die in Wien lebende Bevölkerung für jedes Lebensalter und unterschiedliche Lebenssituationen – von Schüler*innen über Arbeitnehmer*innen/Arbeitgeber*innen, geflüchtete Personen bis zu Pensionist*innen – gesundheitspolitische Ziele zu definieren und in konkrete Maßnahmen zu gießen, war und ist bis heute deutlich spürbar und in unterschiedlichen Arbeitsformaten zu erleben. Die Möglichkeit, sich mit anderen Stakeholder*innen aus unterschiedlichsten Institutionen auszutauschen und zu vernetzen, schätze auch ich als besonderen Vorteil des Wiener Gesundheitsziele-Forums 1.
„Fred, der Exbärte“, der Videoratgeber für Eltern der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt das Wirkungsziel „Elternkompetenz stärken“. Können Sie uns bitte noch weitere aktuelle erfolgreiche Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe nennen, die das Wiener Gesundheitsziel 1 unterstützen?
Haidl: Microsoccer – das Spiel ist eine besondere Art, Fußball zu spielen, auf kleinem Raum und mit großem Tempo. Gedacht für Anfänger*innen und Könner*innen, geeignet für jede Altersgruppe, für Burschen und Mädchen. Die Regeln sind einfach und daher schnell gelernt, womit ein fast sofortiger Spielspaß ermöglicht wird. Durch das schnelle Erzielen von Toren (= Erfolgen) im Spiel werden Kinder und Jugendliche motiviert und erleben Selbstwirksamkeit. Sowohl Aufbau als auch Einsatz des Spiels sind einfach handzuhaben. Aktuell werden Jugendliche zu Coaches ausgebildet, um die Spiele anzuleiten, und erhalten zum einen eine kleine monetäre Vergütung, zum anderen machen sie die Erfahrung, für andere Verantwortung zu übernehmen. Eingesetzt wird Microsoccer unter anderem in Wohngemeinschaften der Kinder- und Jugendhilfe.
Helene Haidl ist Klinische Psychologin und stellvertretende Leiterin des Fachbereichs „Psychologischer Dienst und Inklusion“ der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien (MA 11).