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3.7 Interview mit Asita Sepandj, Psychosoziale Dienste in Wien (PSD-Wien)

3. Gemeinsam aktiv – für ein gesundes, langes Leben in Wien

Das Gespräch führten Ulrike Repnik und Denise Schulz-Zak.

Ihre Assoziation zu „Gesundheit“ in drei Worten?

Sepandj: Bewegung, Ernährung, Sozialkontakte.

Sie sind als Leiterin des Gerontopsychiatrischen Zentrums der Psychosozialen Dienste in Wien Mitglied des Wiener Gesundheitsziele-Forums „Ältere und alte Menschen“. Das Gerontopsychiatrische Zentrum unterstützt durch seine Tätigkeiten gleich zwei Wiener Gesundheitsziele: „Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter fördern und erhalten“ und „Psychosoziale Gesundheit der Wiener Bevölkerung stärken“. Wie kann Ihrer Meinung nach die psychosoziale Gesundheit der älteren und alten Wiener*innen am besten gestärkt werden?

Sepandj: 2024 wurden in der wissenschaftlichen Zeitschrift „The Lancet“ 14 beeinflussbare Risikofaktoren publiziert. Durch entsprechende Vorbeugung könnten damit bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert werden. Diese Liste beinhaltet Faktoren, die unsere psychische und körperliche Gesundheit auch im Allgemeinen positiv beeinflussen. Zusammengefasst sollten wir Beziehungen pflegen, wissbegierig bleiben und auf ausreichenden Schlaf achten. Sensorische Defizite sollten wir unbedingt ausgleichen, indem wir Hörgeräte und/oder Sehhilfen verwenden. Ausreichende und regelmäßige Bewegung machen, auf ausgewogene Ernährung achten und Übergewicht vermeiden gehören ebenfalls dazu, so wie mäßiger Alkoholkonsum, der Verzicht auf das Rauchen und das Tragen eines Helmes bei entsprechenden Aktivitäten, um Kopfverletzungen zu vermeiden. Körperliche Erkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, erhöhtes Cholesterin …) sollten rechtzeitig behandelt werden.

Welche Best-Practice-Beispiele fallen Ihnen in Wien ein, die diese beiden Ziele unterstützen?

Sepandj: In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass Menschen sich wünschen, gesund, selbstständig und unabhängig alt zu werden. Idealerweise sollten Menschen in ihrem Bemühen um ihre psychosoziale Gesundheit nicht allein auf sich gestellt sein. Bei den Foren der Wiener Gesundheitsziele habe ich erfreulicherweise zahlreiche Angebote und Initiativen kennengelernt, die Menschen in Wien dabei unterstützen, zum Beispiel: „Senior*innen unterwegs“ (Pensionist*innenklubs der Häuser zum Leben), „Wie schau ich auf mich?“ (Volkshilfe Wien), „Alles im Griff?“ (Wiener Programm für Frauengesundheit), „Gesund älter werden“ (WiG), „Klein & Groß – Bewegt & Gesund“ (WiG), „Klub Online – Gratisangebot der Pensionist*innenklubs“ (Häuser zum Leben), „Regenbogen überm KWP“ (Häuser zum Leben), „Generationen bewegen“ (WiG) oder die Videoreihe „Trittsicher und aktiv“ zur Sturzprävention (ÖGK).

Beim Wiener Gesundheitsziele-Forum „Ältere und alte Menschen“ kommen Fachpersonen zusammen, die für und mit Menschen im höheren und hohen Alter arbeiten. Wissen und Ideen wurden ausgetauscht. Konnten Sie in Ihre Arbeit Anregungen aus dem Forum hineintragen?

Sepandj: Der Austausch in den Foren ist immer sehr bereichernd, weil Projekte und Initiativen vorgestellt werden, die für unser tägliches Tun sehr relevant sind. Die Foren bieten eine gute Gelegenheit, sich untereinander zu vernetzen. Es werden persönliche Kontakte geknüpft und gepflegt und damit die Zusammenarbeit intensiviert und verbessert. Und es bietet sich die Möglichkeit, Neuigkeiten beziehungsweise Veränderungen von bereits bestehenden Handlungspartner*innen zu erfahren. Im Besonderen sind es Projekte im Sinne der Prävention, aber auch Initiativen wie Hospizkultur und Palliative Care in der Betreuung und Pflege zu Hause sowie Unterstützungsangebote und Broschüren für betreuende und pflegende Angehörige, die für unsere Arbeit im Gerontopsychiatrischen Zentrum sehr hilfreich sind.

Asita Sepandj ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und ärztliche Leiterin des Gerontopsychiatrischen Zentrums der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD-Wien).