3.6 Interview mit Alexandra Weilhartner, ÖSB Consulting
Das Gespräch führten Ulrike Repnik und Denise Schulz-Zak.
Ihre Assoziation zu „Gesundheit“ in drei Worten?
Weilhartner: Freie Entscheidungen, positive Zukunftsperspektive und Zufriedenheit.
Sie sind Mitglied des Wiener Gesundheitsziele-Forums „Menschen im Erwerbsalter“, das sich dem Gesundheitsziel 2 „Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt stärken“ widmet. Wie hat sich die Arbeitswelt in den letzten zehn Jahren verändert und was bedeutet dies für eine berufliche Gesundheitsförderung?
Weilhartner: In den letzten zehn Jahren hat sich die Arbeitswelt stark verändert: Digitalisierung und Automatisierung prägen den Alltag, flexible Arbeitsmodelle sind selbstverständlicher geworden, und durch demografische Entwicklungen sowie mehr Diversität treffen unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse aufeinander. Betriebe müssen auf eine ganzheitliche, innovative und strategisch eingebettete Gesundheitsförderung setzen und sich mit Stressbewältigung, mentaler Gesundheit, digitalem Wandel und alternsgerechter Arbeitsgestaltung auseinandersetzen. Digitale Angebote wie Apps oder Online-Beratung schaffen dafür neue Möglichkeiten, hilfreich sind auch Coaching- und Therapieangebote für Mitarbeiter*innen im Rahmen eines Employee Assistance Program. Gesundheit muss als fester Unternehmenswert in der Führungskultur verankert werden und Themen wie Nachhaltigkeit berücksichtigen. Nur so bleibt die Arbeitswelt langfristig gesund und zukunftsfähig.
Als Expertin haben Sie bei der Gruppendiskussion über die Wirkungsziele „Psychosoziale Gesundheit von erwerbstätigen Personen stärken“ sowie „Gesundheit von Bezieher*innen der Mindestsicherung sowie beschäftigungslosen Menschen unter Berücksichtigung jugendlicher Arbeitsloser stärken“ für den Update-Bericht Indikatorenmonitoring der Wiener Gesundheitsziele 2025 teilgenommen. Welche Handlungsempfehlungen haben Sie in Hinblick auf diese beiden Wirkungsziele?
Weilhartner: Um die psychosoziale Gesundheit von Erwerbstätigen zu stärken, braucht es ein konsequentes betriebliches Gesundheitsmanagement mit Maßnahmen zur Stressprävention, Verbesserung der Führungs- und Teamkultur und Förderung einer guten Work-Life-Balance. Gleichzeitig sollte der Zugang zu psychologischen Unterstützungsangeboten ausgebaut und in den Betrieben ein offener, entstigmatisierter Umgang mit psychischer Gesundheit gelebt werden. Die Ausweitung der Teilnahme am Gütesiegel-Programm für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) dient als guter Anreiz für Unternehmen, systemische Präventionsmöglichkeiten zu etablieren und deren Wirksamkeit in Kombination mit einem Fehlzeitenmanagement messbar zu machen.
Bei Menschen in der Mindestsicherung und bei Erwerbsarbeitslosen geht es vor allem darum, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu sichern – durch niederschwellige, kostenlose Angebote, Vorsorgeuntersuchungen und psychologische Beratung. Gleichzeitig sollen die soziale Teilhabe und die psychosoziale Unterstützung gestärkt werden, um Isolation und Armut entgegenzuwirken: durch Peer- und Gruppenangebote, präventive Hausbesuche, sozialpsychiatrische Beratungsstellen und Projekte, die Selbstwert und Lebenskompetenzen fördern.
Inhaltlicher Austausch, Entwicklung von Projektideen und Vernetzung sind bei den Wiener Gesundheitsziele-Foren zentrale Aspekte. Was konnten Sie sich von der Teilnahme am Wiener Gesundheitsziele-Forum „Menschen im Erwerbsalter“ mitnehmen?
Weilhartner: Besonders relevant war die Vernetzung von unterschiedlichen Organisationen mit verschiedenen Beratungszugängen. Dabei wurde sehr deutlich, dass mit dem Fokus auf vulnerablen Gruppen Herausforderungen auch in anderen Bereichen besser gelöst werden können (beispielsweise Abwanderung von Humanressourcen, stille Reserven am Arbeitsmarkt). Health in All Policies bedeutet Sicherstellung einer zukunftsfähigen und resilienten Gesellschaft.
Alexandra Weilhartner ist Geschäftsführerin der ÖSB Consulting GmbH und der ÖSB Social Innovation GmbH sowie Prokuristin der itworks Personalservice & Beratung gemeinnützige GmbH.