Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 12.05.2015:
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Mailath präsentiert Studie über kulturelle Beteiligung in Wien

Hohe kulturelle Teilhabe, Jüngere partizipieren stärker als Ältere

"Die durchgeführte Untersuchung liefert neue Erkenntnisse, die unsere Sicht auf die kulturelle Teilhabe in der Stadt verändern. Besonders erfreulich ist dabei, dass die zweite Generation der Eingewanderten überdurchschnittlich kulturaktiv ist, insgesamt sogar stärker als Personen ohne Migrationshintergrund. Dies ist einerseits auf das vielfältige Kulturangebot zurückzuführen, das sich speziell an die zugezogenen Wienerinnen und Wiener richtet. Es reicht von Angeboten in unseren Theatern bis hin zu inklusiven Projekten wie der Brunnenpassage oder der Förderung von über 200 interkulturellen Initiativen. Das Ergebnis der Studie zeigt aber weiters, dass unsere jahrelangen, intensiven, kulturpolitischen Bemühungen, über Vermittlungsinitiativen und kostenlose Kulturangebote den Zugang zu Kunst und Kultur zu erleichtern, erfolgreich sind", so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

"Kultur ist für Wien ein essentielles Standortmerkmal, das für die Lebensqualität ebenso von Bedeutung ist, wie für die Wirtschaft und den Tourismus. Die kulturelle Teilhabe betrifft aber auch zentrale politische Fragen wie Chancengerechtigkeit oder demokratische Inklusion. Sie ist der Gradmesser dafür, wie demokratisch eine Gesellschaft ist. Die vorliegende Studie zeigt, dass das Kulturangebot in Wien auf hohe Zufriedenheit stößt und sehr stark genützt wird. Unsere Stadt hat kulturelle Angebote für alle Altersschichten und ist damit ein best practice Beispiel für die sozialdemokratische Grundidee, dass Kunst und Kultur für alle zugänglich sein muss", so Wiens Bürgermeister Michael Häupl.

Die vorliegende, im Auftrag der MA 7 - Kulturabteilung der Stadt Wien durchgeführte Studie zur kulturellen Beteiligung in Wien, liefert erstmals einen Überblick über die Nutzung des kulturellen Angebots der Bundeshauptstadt sowie eine detaillierte Analyse gruppenspezifischer Unterschiede in der kulturellen Teilhabe.

Die wissenschaftliche Arbeit verlief von Dezember 2014 bis März 2015 in drei Forschungsschritten. In einer Literaturrecherche wurden zunächst themenrelevante Studien und Publikationen aufgearbeitet. Im Anschluss daran erfolgte eine Auswertung der 2013 durchgeführten "Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie II" (Magistratsabteilung 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung), bei der mehr als 4.000 in Wien lebende Personen ab 15 Jahren telefonisch u.a. zu ihren kulturellen Aktivitäten befragt wurden. In einem dritten Schritt wurden schließlich zwei Fokusgruppen mit kulturinteressierten Wiener/-innen ohne Matura durchgeführt, die weiteren Aufschluss über förderliche und hemmende Faktoren für die kulturelle Teilhabe lieferten.

Die Studie im Überblick

  • Sehr hohe kulturelle Teilhabe. 94 Prozent der WienerInnen besuchen zumindest einmal im Jahr eine Kulturveranstaltung. Rund 1,4 Mio. WienerInnen nutzen die kulturelle Vielfalt der Stadt regelmäßig.
  • Sehr hohe Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot. Rund 95 Prozent der WienerInnen stellen dem Angebot an Ausstellungen, Theatern, Museen, Kinos usw. in Wien ein gutes Zeugnis aus, davon 70 Prozent die Bestnote und ein weiteres Viertel die Bewertung "Gut".
  • Junge WienerInnen und Höherqualifizierte sind besonders kulturaktiv. Die jüngere Generation nimmt stärker am Kulturleben teil, als die ältere.
  • Migranten der zweiten Generation zählen zu den kulturaktivsten Gruppen. Die Durchmischung des Kulturpublikums in Richtung "Interkulturalität" hat längst stattgefunden.
  • Kulturelle Bildung in der Schule eröffnet potentiell Zugänge und Baut Barrieren ab.
  • Kulturelle Beteiligung erhöht die generelle Bereitschaft, sich gesellschaftlich zu engagieren. Wer sich kulturell beteiligt, ist auch häufiger in Vereinen, Parteien usw. aktiv.
  • Kulturelle Beteiligung ist ein Indikator für die Lebenszufriedenheit. Wer sich kulturell beteiligt, ist mit seinem Leben, der finanziellen Situation und seinen Sozialkontakten zufriedener.

Die wichtigsten Aussagen im Detail

Die vom SORA-Institut im Auftrag der Kulturabteilung der Stadt Wien durchgeführte Studie zur kulturellen Beteiligung in Wien liefert erstmals einen Überblick über die konkrete Nutzung des kulturellen Angebots der Bundeshauptstadt sowie eine detaillierte Analyse gruppenspezifischer Unterschiede in der kulturellen Teilhabe.

Die Studie verlief von Dezember 2014 bis März 2015 in drei Forschungsschritten. In einer Literaturrecherche wurden zunächst themenrelevante Studien und Publikationen aufgearbeitet. Im Anschluss daran erfolgte eine Auswertung der 2013 durchgeführten "Sozialwissenschaftlichen Grundlagenstudie II", bei der mehr als 4.000 in Wien lebende Personen ab 15 Jahren telefonisch u.a. zu ihren kulturellen Aktivitäten befragt wurden. In einem dritten Schritt wurden schließlich zwei Fokusgruppen mit kulturinteressierten Wiener/-innen ohne Matura durchgeführt, die weiteren Aufschluss über förderliche und hemmende Faktoren für die kulturelle Teilhabe lieferten.

  • Hohe kulturelle Beteiligung Wien

Nur 6% der Wiener/-innen haben in den vergangenen zwölf Monaten keines der abgefragten kulturellen Angebote besucht. Hochgerechnet nehmen damit rund 1.4 Mio. WienerInnen ab 15 in einem Jahr an mindestens einer der abgefragten kulturellen Aktivitäten teil, seien es Kinobesuche, Theaterabende, Ausstellungen, Lesungen oder Feste bzw. Festivals. Ein Viertel aller WienerInnen besucht zwei oder drei Angebote, mehr als die Hälfte zwischen vier und sechs und 7% nehmen sogar an allen abgefragten Veranstaltungsangeboten teil. Musikveranstaltungen und Kinos werden von mehr als 70% der WienerInnen mindestens ein Mal im Jahr besucht, Theater und Ausstellungen von rund 60%, Veranstaltungen wie z.B. Film- oder Musikfestivals von rund der Hälfte.

Bezirksfeste und Lesungen werden am seltensten, aber immerhin auch noch von rund 40% der Wiener/-innen zumindest ein Mal im Jahr besucht. Auch die in den Fokusgruppen diskutierten Kulturangebote spiegeln in ihrer Breite und Vielfalt das hohe und vielseitige kulturelle Interesse der WienerInnen wider. Lediglich die Oper wurde von den Diskutanten ohne Matura mehrmals als Beispiel für eine Art von Kultur genannt, zu der man eine gewisse ästhetische und soziale Distanz empfindet.

  • Hohe Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot

Kultur ist ein wesentlicher Faktor für die eigene Lebensqualität, und das breite kulturelle Angebot der Stadt Wien wird entsprechend positiv bewertet. 70% der WienerInnen vergeben dem Angebot an Ausstellungen, Museen, Theatern und Konzerten die Bestnote, ein weiteres Viertel die Note "Gut". Kaum jemand ist mit diesen Angeboten explizit unzufrieden. Auch das Kinoangebot wird von den WienerInnen zu 60% uneingeschränkt positiv bewertet. 54% sind zudem mit dem Angebot an Veranstaltungen wie z.B. Donauinselfest, Stadtfest oder den Festen auf dem Rathausplatz sehr zufrieden.

  • Junge WienerInnen und Höherqualifizierte besonders kulturaktiv

Deutliche Unterschiede in der kulturellen Beteiligung zeigen sich auch nach Alter: So sind Unter-30-Jährige überdurchschnittlich kulturaktiv, nur 1% hat keine einzige kulturelle Veranstaltung, jede/r Zehnte hingegen alle sieben abgefragten Angebote in den vergangenen zwölf Monaten besucht. Das Ausmaß der Kulturnutzung schränkt sich mit zunehmendem Alter ein: 13% der über 59-jährigen haben kein einziges kulturelles Angebot besucht - vor allem Kinos und Film-/Musik- oder Theaterfestivals werden von älteren WienerInnen seltener besucht als von jüngeren.

Neben dem Alter erweist sich der Bildungshintergrund als wichtiger Einflussfaktor: Personen mit Matura oder Studienabschluss haben zu rund 10% an allen, zu rund zwei Drittel an mindestens vier kulturellen Angeboten teilgenommen, kaum einer zählt zu den NichtnutzerInnen. Demgegenüber fallen Menschen mit maximal Pflichtschul- oder Lehrabschluss durch eine geringere kulturelle Teilhabe auf. Dass sie jedoch vollständig ‚kulturfern‘ sind, kann nicht bestätigt werden: 89% der Personen mit maximal Pflichtschulabschluss haben mindestens ein kulturelles Angebot im letzten Jahr besucht, Personen mit Lehrabschluss sogar zu 93%.

  • MigrantInnen der zweiten Generation besonders kulturaktiv

MigrantInnen der ersten Generation nehmen etwas seltener an kulturellen Veranstaltungen teil als Befragte, deren Eltern zwar noch im Ausland, die selbst aber schon in Österreich geboren wurden. Deutlich werden die generationsbedingten Unterschiede z.B. bei Theaterbesuchen: Während zwei Drittel der Befragten ohne Migrationsgeschichte und rund 60% der migrantischen Befragten in zweiter Generation in den vergangenen 12 Monaten zumindest ein Mal im Theater waren, trifft das nur auf 49% der MigrantInnen der ersten Generation zu. Auffallend ist, dass MigrantInnen der zweiten Generation insgesamt sogar etwas kulturaktiver sind als Personen ohne Migrationshintergrund, nur 3% waren in den letzten 12 Monaten in keiner kulturellen Einrichtung, rund zwei Drittel waren in mehr als vier. Dabei haben die Fokusgruppen gezeigt, dass kulturelle Teilhabe gerade für kulturinteressierte Personen mit Migrationshintergrund eng an andere Teilhabeformen und Möglichkeiten der (informellen) Weiterbildung geknüpft ist. Der Besuch von kulturellen Angeboten wie z.B. Ausstellungen oder Theaterabenden wird von MigrantInnen als Möglichkeit, Neues kennenzulernen, den eigenen Horizont zu erweitern oder auch zur Integration im Sinne der Teilhabe an der österreichischen Kultur gesehen und genutzt.

  • Soziale Herkunft entscheidet über kulturelle Beteiligung

Die soziale Herkunft (im Sinn des höchsten Bildungsabschlusses der Eltern) erweist sich als starker Prädiktor für Art und Ausmaß der späteren kulturellen Beteiligung. Dies bestätigt den Ansatz einer sozialdemokratischen Kulturpolitik, die auf Zugang, starke Vermittlungsprogramme, ein breites Kulturangebot und öffentliche Förderung setzt. Ob jemand sehr kulturaktiv ist, ist in hohem Maße bereits durch die soziale Herkunft determiniert. Haben die Eltern beide keine Matura und gelingt kein Bildungsaufstieg, dann verringern sich die Chancen auf kulturelle Teilhabe deutlich. Umgekehrt sind Befragte, die aus einem bildungsnahen Elternhaus stammen, und jene, denen ein Bildungsaufstieg gelingt, später grundsätzlich kulturaktiver.

Hierfür gibt es in Wien zahlreiche Vermittlungsprogramme, die praktisch alle Kulturinstitutionen anbieten (Wienmuseum über Kunsthalle, bis Theater der Jugend und brut). Auch von der Stadt Wien geförderte Vermittlungsprogramme wie Hunger auf Kunst und Kultur, der Kulturpass, Cash for Culture, Go for Culture oder die KulturlotsInnen überwinden Hemmschwellen beim Zugang zu Kultur.

Die gesamte Studie steht zum Download zur Verfügung: http://www.wien.gv.at/kultur-freizeit/studie-kulturelle-beteiligung.html

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