Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 04.10.2010:
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Bgmst. Häupl/Vbgm. Ludwig: Höchster UNO-Preis für Wiens "Sanfte Stadterneuerung"

Erneute Bestätigung von Wiens internationaler Führungsposition durch weltweit wichtigsten Preis im Bereich der Stadtentwicklung; Verleihung im Rahmen des UN-Habitat-Tags


Feierliche Verleihung der "Scroll of Honour" - v.li.n.re.: Vbgm Michael Ludwig, Yury Fedotov, GD Büro d. Vereinten Nationen Wien, Bgm. Michael Häupl und George Deikun, Direktor d. Europäischen UN-Habitat-Büros in Genf

Heute Montag, den 4. Oktober 2010, wurde an die Stadt Wien für ihre Politik der "Sanften Stadterneuerung" die wichtigste Auszeichnung der Vereinten Nationen im Bereich des Wohnens, die "Scroll of Honour 2010" der UN-Habitat (UNO-Weltorganisation für Siedlungswesen und Wohnbau), verliehen. Bürgermeister Michael Häupl und Vizebürgermeister Michael Ludwig nahmen die ehrenvolle Auszeichnung von Yury Fedotov, Generaldirektor Büro der Vereinten Nationen in Wien und George Deikun, Direktor des Europäischen UN-Habitat-Büros in Genf, entgegen.

Der Preis "Scroll of Honour" in der Kategorie "Wohnen und Stadterneuerung", der seit dem Jahr 1989 jährlich vergeben wird, geht seit 2001 erstmals wieder an eine europäische Stadt und ist der erste überhaupt für ein umfassendes städtisches Sanierungsprogramm. Die UN-Habitat begründete die Verleihung der "Scroll of Honour" an die Stadt Wien mit der Einzigartigkeit, herausragenden Nachhaltigkeit und sozialen Orientierung des Programms der "Sanften Stadterneuerung".

"Wien hat die Menschen in den Mittelpunkt seines Stadterneuerungsprogramms gestellt, indem Häuser renoviert wurden, anstatt sie abzureißen. Dadurch haben sich die Lebensbedingungen von tausenden Menschen enorm verbessert", hob Yury Fedotov, Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Wien, bei der feierlichen Verleihung der "Scroll of Honour" an die Stadt Wien hervor. "Gemeinsam mit über 100 Städten weltweit feiert Wien heute den Welttag des Wohn- und Siedlungswesens. Städte gehören zu den größten Errungenschaften unserer Zivilisation. Die Stadt Wien hat zu dieser Entwicklung in ihrer 2000-jährigen Stadtgeschichte einen wichtigen Beitrag geleistet", unterstrich George Deikun, Direktor des Europäischen UN-Habitat-Büros.

"Die 'Scroll of Honour' ist eine weitere große Auszeichnung, die unsere Stadt heuer erhält. Schließlich ist Wien heuer bereits zum zweiten Mal zur Metropole mit der weltweit besten Lebensqualität gewählt worden. Wiens Leistungen im Rahmen der ,Sanften Stadterneuerung', die mit dazu beigetragen haben, dass Wien heute die lebenswerteste Stadt der Welt ist, wird dadurch höchste internationale Anerkennung ausgesprochen", betonte Bürgermeister Michael Häupl. "Eine große Ehre und Auszeichnung für unsere Stadt und alle Bürgerinnen und Bürger, die wir mit Freude und Stolz entgegennehmen!"

"Die Stadt Wien geht den Weg der ,Sanften Stadterneuerung' - und das seit vielen Jahren in einem kontinuierlichen Prozess und sehr oft im Rahmen von Blocksanierungen. Dass dieser Weg nun durch die UN-Habitat geehrt wird, ist eine herausragende Anerkennung für das einzigartige Sanierungs-Programm der Stadt Wien. Dies umso mehr, als Wien damit in doppelter Weise ausgezeichnet wird: Für sein nachhaltiges, sozial orientiertes System der Stadterneuerung mit den Menschen im Mittelpunkt und für seine aktive Rolle bei der Weitergabe der gewonnenen Erfahrungen an andere Städte", freute sich Vizebürgermeister Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.

Jury & Auswahl

Jährlich werden mehrere hundert Projekte für die "Scroll of Honour" eingereicht. Nach einer Vorauswahl durch den World Habitat Day-Koordinator werden diese an eine ExpertInnenjury übermittelt, die ihre Empfehlung an den UN-Habitat-Direktor, derzeit Joan Clos, den früheren Bürgermeister von Barcelona, abgibt. Diesem oblag auch heuer die Endentscheidung für die Vergabe des Preises.

Die Jury entscheidet anhand der vorgegebenen Schlüsselkriterien im Gesamtzusammenhang einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Im Jahr 2010 erfolgte dies im Rahmen des Jahresthemas "Better City, Better Life". Die Schwerpunkte dabei lagen auf einer Verbesserung der Lebensverhältnisse und einer nachhaltig geplanten städtischen Umwelt. Neben der Stadt Wien wurden dieses Jahr unter anderem auch Singapur (Projekt Housing and Development Board: Öffentliches Wohnbauprogramm "Housing a Nation") und Johannesburg in Südafrika (Projekt "Social Housing Company: Verbesserung der Lebensbedingungen und der Services für arme Familien") ausgezeichnet.

"Scroll of Honour 2010" für Wiens Vorbildrolle in der Stadterneuerung

Bisher wurden von UN-Habitat fast ausschließlich Städte in Entwicklungsländern ausgezeichnet, da diese durch gute Projekte einen besonders großen Schritt nach vorne machen können. Europäische Städte - obwohl mit zahlreichen Projekten vertreten - wurden in den letzten Jahren nicht mit der "Scroll of Honour" ausgezeichnet. Dass UN-Habitat nun Wien mit diesem höchsten Preis auszeichnet, wird folgendermaßen begründet:

Wie UN-Habitat ausdrücklich festhält, wurde in Wien - im Gegensatz zu den meisten Städten der Welt - nie auf umfassende Flächensanierung gesetzt, bei der großflächig alte Stadtgebiete abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurden. Diese Strategie führt anderswo zur Vertreibung der BewohnerInnen, die sich meist die neuen Wohnungen nicht leisten konnten. Durch das Modell einer "sanften", bewohnerInnenorientierten Stadterneuerung konnten in Wien Bewohnervertreibung und Sozialgettos vermieden werden. Es gibt, wie UN-Habitat festhält, eine klare Priorität für soziale Kriterien und die aktive Einbeziehung der BewohnerInnen in die Sanierungskonzepte. UN-Habitat hebt dabei die soziale Dimension hervor, aber auch den Beitrag der im Rahmen der Wiener Stadterneuerung ausgelösten Gesamtinvestitionen von bisher rund 5,9 Milliarden Euro zur Stärkung der lokalen Wirtschaft und des Arbeitsmarkts.

Am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang die sogenannte "Sockelsanierung", bei der Wohnhäuser erhalten und verbessert werden, ohne die MieterInnen umzusiedeln. Neben einer umfassenden Verbesserung der allgemeinen Teile des Hauses können die Wohnungen im Einklang mit den individuellen Mieterwünschen im Standard angehoben werden. Für die Abwicklung der Sockelsanierung einschließlich der Mietermitbestimmung ist der stadteigene wohnfonds_wien zuständig. Heute befinden sich bereits mehr als ein Fünftel aller Wiener Wohnungen in einem mit Unterstützung aus Mitteln der Wohnbauförderung sanierten Haus. Bisher wurden Förderungen für mehr als 290.000 Wohnungen in rund 6.200 Gebäuden zugesichert. Mit den dadurch ausgelösten Gesamtinvestitionen von 5,9 Milliarden Euro (davon rund 3,7 Milliarden aus der Wohnbauförderung) hat sich, wie UN-Habitat ausdrücklich feststellt, die Wohnhaussanierung auch als wichtiges Instrument der Wirtschaftsförderung etabliert, das vor allem für die kleinteilig strukturierte lokale Bauwirtschaft und den lokalen Arbeitsmarkt von entscheidender Bedeutung ist. Lobend erwähnt werden in diesem Zusammenhang auch die Gebietsbetreuungen als lokale Plattformen für Kommunikation und Entscheidungsfindung. Zu den wichtigsten Merkmalen der Wiener Stadterneuerung, so UN-Habitat, gehören klare Entscheidungsstrukturen unter Einbindung aller Beteiligten und eine breite BewohnerInnenmitbestimmung. Ausdrücklich hervorgehoben wird außerdem, dass das Wiener Modell für andere Städte - insbesondere in Osteuropa - bereits als Modell dient und daher weiter verbreitet werden sollte.

Mit der Verleihung der "Scroll of Honour" ist Wien die einzige europäische Stadt, deren gesamtes Wohnhaussanierungsprogramm mit diesem Preis - seit seinem Bestehen - ausgezeichnet wurde.

Wien als internationale und europäische Drehschreibe für das Know-how-Transfer in der Stadtentwicklung und Stadterneuerung

Wien bringt sich mit seinen Erfahrungen auf dem Gebiet einer nachhaltigen, sozial orientierten Stadtentwicklung und Stadterneuerung immer wieder aktiv in internationale Projekte ein. So hat das Wohnbauforschungsreferat der Stadt Wien derzeit sowohl den Vorsitz in der Arbeitsgruppe Wohnen von EUROCITIES - der europäischen Großstädtevereinigung - als auch im Wohnbauausschuss (Committee on Housing and Land Management) der UNECE. Außerdem gibt es seit Jahren eine sehr fruchtbringende Zusammenarbeit mit UN-Habitat. Am 27. Juni 1999 unterzeichneten Bürgermeister Dr. Michael Häupl und der damalige Executive Director von UN-Habitat, Dr. Klaus Toepfer ein Memorandum of Understanding, das die Zusammenarbeit zwischen UN-Habitat und Stadt Wien zum Ziel hatte. Als Schwerpunkt der 1996 ratifizierten Habitat-Agenda wurde 1999 in Wien der "UN-Habitat Best Practices Hub" eingerichtet. Der "Best Practices Hub - Wien" ist das regionale Zentrum des UN-Habitat Best Practices Programms in Mittel- und Osteuropa. Er soll in dieser Region lokale Verwaltungen, NGOs und andere mögliche Projektbetreiber durch die Vermittlung von Erfahrungen aus Programmen, durch die Vermittlung regionaler Experten und durch direkte Kontakte zu Projektbetreibern unterstützen. Als zweite Aufgabe nimmt der "Best Practices Hub - Wien" die Funktion eines thematischen Zentrums für städtische Umwelttechnologien weltweit wahr. Auf diesem Gebiet steht er lösungssuchenden Gemeinden durch die Vermittlung von Expertise, Finanzierungsoptionen und Partnern innerhalb des Best Practices Netzwerks zur Verfügung.

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