Wien 1974: Berichte vom März 1974

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.3.1974: Wien-Film erhielt in Berlin "Goldenen Kompass"

Der in Österreich mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" ausgezeichnete Film "Wien - zum Beispiel ...", den Axel Corti und Max Vrecer im Auftrag des Wiener Fremdenverkehrsverbandes produziert haben, ist nun auch im Ausland sehr erfolgreich. Beim Filmwettbewerb der Internationalen Tourismusbörse in Berlin erhielt er den ersten Preis, den "Goldenen Kompass". Am Wettbewerb hatten 40 Filme aus 20 Ländern teilgenommen.

Der 15-Minuten-Film, der in Wien bei der "Viennale" zu sehen sein wird, kommt ohne Begleittext aus: Max Vrecer synchronisierte seine stimmungsvollen Aufnahmen meisterhaft zur Filmmusik, Axel Corti Interviews in Paris, New York, Berlin und Rom bleiben in den Originalsprachen.

2.3.1974: Zehn Jahre Müllverbrennungsanlage Flötzersteig

Vor zehn Jahren, im März 1964, nahm die Müllverbrennungsanlage Flötzersteig mit allen ihren Einrichtungen den vollen Betrieb auf. Sie war damals die erste Anlage dieser Art in Österreich. In der Zwischenzeit wurde eine noch größere Müllverbrennungsanlage an der Spittelauer Lände gebaut.

In Wien mussten voriges Jahr 403.000 Tonnen Müll entsorgt werden. 33,3 Prozent davon, das sind rund 134.000 Tonnen, und außerdem 563 Tonnen ölverseuchter Erde wurden am Flötzersteig verbrannt. Damit ist die Anlage voll ausgelastet. In der Müllverbrennungsanlage Spittelauer Lände wurden 156.000 Tonnen (38,6 Prozent Müll) vernichtet. Die restlichen 113 Tonnen wurden zu Biomull verarbeitet oder zu Müllablagerungsplätzen gebracht.

In den zehn Jahren seit Bestehen der Anlage am Flötzersteig konnte man 2,340.000 Tonnen Dampf gewinnen (allein 1973 waren es 296.000 Tonnen). Ein Teil davon wurde zur Stromerzeugung und für den Eigenbedarf benötigt, rund 1,806.000 Tonnen Dampf aber wurden dem Wilhelminenspital, dem Psychiatrischen Krankenhaus am Steinhof, der Zentralwäscherei der Stadt Wien, dem Ottakringer Bad, dem Pensionistenheim Thaliastraße und einer Wohnhausanlage zugeführt.

2.3.1974: U-Bahn-Aufzüge für Station Karlsplatz

Die erforderlichen Kosten von 2,3 Millionen Schilling für die Lieferung und Montage von drei Personenaufzügen mit einer Tragkraft von je 1.200 Kilogramm für die neue U-Bahn-Station Karlsplatz wurden heute genehmigt.

4.3.1974: "Run" auf Giftzentrale im Allgemeinen Krankenhaus - Anrufe kommen aus ganz Österreich

Rasche Hilfe bei Vergiftungen kann lebensrettend sein. Dies ist aber nur möglich, wenn die Art des Giftes rasch erkannt wird. Österreichs erste Vergiftungs-Informationszentrale in der 1. Universitätsklinik (Prof. Dr. Erwin Deutsch) des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien, die im vergangenen November ihren Dienst aufnahm, wird im zunehmenden Masse von Ratsuchenden aus ganz Österreich frequentiert. Einer ersten Bilanz zufolge wurde die Notrufeinrichtung - Wiener Telefonnummer 43 82 00 - seit ihrer Inbetriebnahme von insgesamt 450 Personen in Anspruch genommen. Bei 384 Fällen handelte es sich um akute Vergiftungserscheinungen. Etwa zehn Prozent der Hilferufe kamen aus den Bundesländern, darunter auch Anrufer aus Vorarlberg und Tirol.

Der 24-Stunden-Telefondienst sorgt dafür, dass der Anrufer binnen kürzester Zeit über die notwendigsten Sofortmaßnahmen bei jeder Art von Lebensmittelvergiftung beziehungsweise bei chemischer und pflanzlicher Vergiftung informiert werden kann. Dafür stehen 40.000 Karteikarten zur Verfügung, in denen von den zahlreichen "Helfern der Hausfrau", den Haushaltsartikeln, über verschiedene Schachtelhalme und Pilze, bis zu Medikamenten und Parfüms so ziemlich alles registriert ist.

Als zweite Stufe ist mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums und der Stadt Wien die Errichtung eines eigenen Behandlungszentrums für Vergiftungsfälle in der 1. Universitätsklinik geplant.

5.3.1974: Viennale 1974: 29 Spielfilme und 22 Kurzfilme aus 26 Ländern - Eigenes Kinder- und Familienprogramm

Die Beteiligung an der ab 14. März stattfindenden Viennale 1974 im Gartenbau-Kino ist heuer stärker denn je und hat besonders im Ausland starkes Echo gefunden. Mit 29 Spielfilmen und 22 Kurzfilmen aus 26 Ländern ist das diesjährige Filmangebot besonders dicht. Im Interesse einer möglichst breiten Publikumswirkung wird die diesjährige Filmfestwoche auch durch ein eigenes Kinder- und Familienprogramm ergänzt.

Bei der Auswahl der Filme hat man heuer besonders darauf geachtet, wieder Werke von Regisseuren anzubieten, die für das Wiener Publikum besonders attraktiv sind. Zum Beispiel: Orson Welles ("question mark" - das Fragezeichen), Juan bunuel ("au rendezvous de la mort joyouse") und Ingmar Bergmann ("Schrei und Geflüster"). Der Eröffnungsfilm "Verstehst, Alter?" stammt von Vanca Kljakovic, der Abschlussfilm "Avanti" von Billy Wilder.

Die Retrospektive (37 Filme) beschäftigt sich diesmal mit dem Thema "Der amerikanische Gangsterfilm 1927 - 1960". Die Filme stammen von den bekannten Regisseuren, wie z.B. Curtis, Huston, Siegel, Siodmak, Walsh und Wyler.

Das Französische Kulturinstitut in Wien veranstaltet im Rahmen der Viennale im Studio Moliere eine Retrospektive Claude Chabrol. Aus diesem Anlass wird der Regisseur nach Wien kommen und der Galavorstellung seines Films "la decade prodigieuse" beiwohnen.

5.3.1974: Siegerehrung am Hochkar - mehr als 4.500 Teilnehmer an der "Fahrt zum Schnee"

Zum Abschluss der diesjährigen Jugendaktion "Fahrt zum Schnee" fand ein Torlauf-Wettbewerb mit 321 Teilnehmern statt. Die Sieger sowie die Zweit- und Drittplatzierten werden zum Abschlusstreffen auf das Hochkar fahren.

Insgesamt konnte heuer die "Fahrt zum Schnee" an acht Sonntagen stattfinden. 4.513 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis vierzehn Jahren nahmen an dieser Aktion des Wiener Landessportamtes teil. Die Ziele waren jeweils Sankt Aegyd, Wienerbruck, Steinhaus am Semmering und Lassingtal.

6.3.1974: Österreich-Werbung: Von der Schweiz bis Brasilien

Österreich und die Bundeshauptstadt Wien werden heuer in zahlreichen Ländern, in Europa und Übersee, in Ausstellungen und Veranstaltungen des Wiener Fremdenverkehrsverbandes präsentiert. Unter anderen wird die große Wien-Ausstellung "vienna gloriosa" heuer in Brasilien in Sao Paulo gezeigt. In Schweden werden zwei Veranstaltungen stattfinden: So wird es in Göteborg "Österreich-Wochen" geben und in Stockholm eine Veranstaltungsreihe "Wien grüßt Stockholm". Weitere Stationen auf dem Programm sind Zürich und Berlin. In Zürich ist eine Beteiligung des Fremdenverkehrsverbandes an der Veranstaltung "Zürich grüßt Europa - Europa grüßt Zürich" vorgesehen. In Berlin ist Wien an der derzeit stattfindenden Tourismus-Börse vertreten.

Zur Finanzierung dieser Auslandsveranstaltungen genehmigte heute der Kulturausschuss fünf Millionen Schilling.

6.3.1974: Kommission für moderne Familienfürsorge konstituiert

Im Wiener Rathaus fand heute die konstituierende Sitzung der Kommission für Fragen der modernen Familienfürsorge statt.

Die Kommission wurde über Initiative des Jugendamtes der Stadt Wien gegründet. Sie besteht aus anerkannten Fachleuten des soziologischen, sozialpsychiatrischen, sozialpädagogischen und juridischen Gebietes. Vorsitzender der Kommission ist Univ.-Prof. Dr. Walter Spiel. Als Mitarbeiter konnten unter anderem die Universitäts-Professoren Dr. Hans Asperger, Dr. Peter Berner, Dr. Leopold Rosenmayr, Dr. Hans Strotzka sowie Ministerialrat Dr. Herbert Ent vom Bundesministerium für Justiz, gewonnen werden.

6.3.1974: Von Schönbrunn bis zum Marchfeld: Kulturamt zeigt Druckgraphiken, die 1973 erworben wurden

Im Ausstellungsraum des Kulturamtes der Stadt Wien fand heute die Vernissage der Ausstellung "Neuerwerbungen 1973 - Druckgraphik" statt. Insgesamt werden 52 Graphiken, hauptsächlich Holzschnitte und Radierungen von neun Künstlern gezeigt. Von Heinrich Heuer ist die Radierung "Böses Ende" zu sehen. Karl Korab ist mit einer Lithographie und einer Radierung vertreten. Von Auguste Kronheim ist das Blatt "Hell wie der lichte Tag", aus einem Holzschnittzyklus ausgestellt. Je zwei Radierungen werden von Helmut Krumpel, Gotthard Muhr und Ernst Skricka gezeigt. Von Alexander Wahl werden fünf Tierdarstellungen (Holzschnitte) präsentiert. Besonders reich ist die Holzschnittauswahl aus dem Schönbrunn-Zyklus Johannes Wankes sowie die Auswahl aus den Stadtansichten Herwig Zens', Radierung und Aquatinta, mit Blättern aus den Zyklen "1010 Wien" und "Marchfeld". Die Ausstellung komplettiert die öffentliche Präsentation von neuerworbenen Ölbildern und Aquarellen, die im Februar schon im Kulturamt zu sehen war.

9.3.1974: 2,3 Millionen für öffentliche Uhren

Für die öffentlichen Uhren Wiens hat der zuständige Gemeinderatsausschuss (Verkehr und Stadtgestaltung) heute rund 2,3 Millionen Schilling genehmigt, die für den Umbau, den Betrieb und die Instandhaltung benötigt werden. Derzeit sind bereits rund 20 Uhren an das Funknetz angeschlossen, sodass sie zentral gesteuert werden können.

11.3.1974: Kurzentrum Ober-Laa eröffnet - ein Zentrum der Rheumabekämpfung und Rheumaforschung

Bürgermeister Leopold Gratz eröffnete das Kurmittelhaus Ober-Laa, das Herzstück des neuen Kurzentrums im Süden Wiens. In diesem Gebäude, das am Rande des Geländes der WIG 74 gelegen ist, werden täglich mehr als 3.000 Menschen behandelt werden können.

Gratz unterstrich in seiner Eröffnungsrege die besondere Bedeutung der Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen: Fachleute schätzen, dass 20 bis 25 Prozent aller erwachsenen Österreicher unter Rheumatismus leiden. Die Forderung, in denen die optimale Behandlung der Kranken mit der wissenschaftlichen Forschung verbunden wird, ist in Ober-Laa erfüllt. Neben dem Kurzentrum befindet sich das neue Ludwig Boltzmann-Institut für Rheumatologie und Balneologie. Die dritte Säule in diesem Komplex der Rheumabekämpfung ist die hochspezialisierte Rheumastation in Lainz.

Gratz dankte der Wiener Städtischen Wechselseitigen Versicherungsanstalt, die mit fünf Millionen Schilling - zwei Millionen Schilling Zuschuss und einem Forschungsauftrag in der Höhe von drei Millionen Schilling - die Schaffung des Boltzmann-Instituts erst ermöglicht hat.

Das sechsstöckige Gebäude, das von Architekt Prof. Ing. F.F. Grünberger konzipiert wurde, enthält im Erdgeschoß neben den Empfangsräumen und einem Buffet das Bewegungsbecken für Damen und ein Spezialbecken für Behinderte, im ersten Stock das Bewegungsbad für Herren, die Schlammabteilungen und Universalwannen, im zweiten Stock die Räume des Boltzmann-Instituts, im dritten Stock die Schwefelwannenabteilung, im vierten Stock Hydrotherapie und einen Teil der Beautyfarm, im fünften Stock den zweiten Teil der Beautyfarm und die Heilgymnastikräume, im sechsten Stock schließlich ebenso wie im Kellergeschoß die technischen Anlagen.

Zur Behandlung im Kurmittelhaus dient die Ober-Laaer Schwefelquelle. Mit einer Temperatur von 53,5 Grad Celsius überschreitet sie den für eine Thermalquelle geforderten Mindestwert von 20 Grad erheblich. Auch die Voraussetzungen für die Erklärung zur Heilquelle werden mit 3.600 Milligramm gelösten Mineralstoffen (gefordert mindestens 1.000 Milligramm) und 58,3 Milligramm Schwefel (gefordert mindestens ein Milligramm) pro Kilogramm Wasser weit übertroffen.

Die Quelle spendet pro Sekunde 32,7 Liter Wasser, das sind rund 120 Kubikmeter pro Stunde.

Schon im 18. Jahrhundert

Die Chronik berichtet, dass bereits im 18. Jahrhundert in Ober-Laa, vor allem in der Nähe der Kirche, bei Brunnenbohrungen Thermalschwefelwasser gefunden und bei rheumatischen Erkrankungen für warme Fußbäder verwendet wurde. Später geriet das heilende Wasser in Vergessenheit.

1934 bohrte eine Privatfirma im Raum Ober-Laa nach Erdöl. Dabei stieß man in 364 Meter Tiefe auf Thermalschwefelwasser. Das Wasser wurde zwar untersucht, die Quelle jedoch wieder zugeschüttet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerte sich die Stadt Wien, zu der Ober-Laa seit 1938 als Teil des 10. Bezirks gehört, wieder an die Quelle und gab 1965 den Auftrag zur Erbohrung und Fassung der Quelle. Die Arbeiten wurden am 26. März begonnen und am 17. September bei einer Tiefe von 418,5 Metern abgeschlossen. Zur Verwertung wurde die Heilquelle Ober-Laa Kurbetriebsgesellschaft mbH gegründet. Sie nahm 1969 am rechten Ufer des Liesingbaches eine provisorische Kuranlage in Betrieb. In ihr wurden von Oktober 1969 bis April 1973 mehr als 336.000 Behandlungen durchgeführt. Die provisorische "Quellstation" wurde mit Inbetriebnahme des Kurmittelhauses geschlossen.

Die zentralen Einrichtungen des Kurzentrums Ober-Laa - Kurmittelhaus, Personalgebäude, Zuleitung des Quellwassers und Verkehrsanlagen - haben rund 150 Millionen Schilling gekostet. Ein weiterer Ausbau des Kurzentrums ist bereits in Vorbereitung, unter anderem wird hier die Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter eine Sonderheilanstalt bauen.

Primarius Dr. Eberl, der ärztliche Leiter des Kurzentrums, unterstrich den engen Kontakt mit dem Atomversuchszentrum Seibersdorf. Die Fachkräfte und Einrichtungen in Seibersdorf werden so für das Kurzentrum und seine wissenschaftliche Arbeit genützt. Das Ludwig Boltzmann-Institut in Ober-Laa ist das erste seiner Art in Europa, das mit einem Computer ausgerüstet ist.

Kurdirektor Ing. Auer teilte mit, dass mit sämtlichen Krankenkassen bereits Verträge über die Benützung der Anlagen in Ober-Laa auf Kassenkosten abgeschlossen wurden.

12.3.1974: Die besten Plakate des Jahres 1973

Als beste Plakate des Jahres 1973 wurden folgende drei Plakate prämiiert:

  • "Dachstein Concord - Giganten der Piste". Entwurf von Stefan Liewehr. Druck: Druckerei Gistel, Wien. Auftraggeber: Dachstein International, Molln, Oberösterreich.
  • "Eskimo Mississippi Queen - 100 Klappfahrräder zu gewinnen". Entwurf: Karl Hanisch/Alfons von Heusden. Druck: F. Adametz, Wien. Auftraggeber: Eskimo-Iglo GmbH.
  • "Daaaaa ist der Campari". Entwurf: Hager Atelier. Druck: F. Adametz, Wien. Auftraggeber: Th. Und G. Mautner Markhof.

14.3.1974: "Kuratorium Wiener Pensionistenheime" und "Kuratorium Wiener Jugendheime" konstituiert

Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Leopold Gratz fanden die konstituierenden Vorstandssitzungen des "Kuratoriums Wiener Pensionistenheime" und des "Kuratoriums Wiener Jugendheime" statt.

Zur Geschäftsführenden Präsidenten beider Kuratorien wurde einstimmig Gemeinderätin Maria Jacobi gewählt. ÖVP-Stadtrat Walter Lehner wurde ebenfalls einstimmig zum Vizepräsidenten der beiden Institutionen bestellt.

Dem Vorstand des "Kuratoriums Wiener Pensionistenheime" gehören ferner die SPÖ-Gemeinderäte Herbert Dinhof, Franz Gawlik, Stadtrat Dr. Alois Stacher, Maria Szoelloesi, Anton Windhab und Dr. Kurt Zemann sowie die ÖVP-Gemeinderäte Dr. Maria Flemming, Gertrude Haertel und Kommerzialrat Heinrich Matza an.

Der Vorstand des "Kuratoriums Wiener Jugendheime" setzt sich aus den SPÖ-Gemeinderäten Johanna Dohnal, Erika Hanke, Ing. Walter Hofstetter, Herbert Mayr, Franz Schreiner und Leopold Wiesinger sowie den ÖVP-Gemeinderäten Dr. Maria Flemming, Gertrude Haertel und Leopold Traindl zusammen.

14.3.1974: Georg Strnadt - 65. Geburtstag

Am 18. März feiert Georg Strnadt seinen 65. Geburtstag. Er wurde 1909 als Sohn eines Antiquitätenrestaurators geboren und wuchs in Perchtoldsdorf auf. In Mödling lernte er Maschinenbau und war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Antiquitätenhändler tätig.

Strnadt begann erst im 52. Lebensjahr Gedichte zu schreiben, zeigte diese gelegentlich der Burgschauspielerin Käthe Gold, die wiederum Richard Eybner darauf aufmerksam machte. 1964 fand die erste öffentliche Vorlesung in Perchtoldsdorf statt. 1965 erschien die Sammlung "Aus da mitlan Lod", der 1967 "Geschimpft, gredt und graunzt", 1969 "Wossa und Wein" und schließlich 1970 "Waunzn, Flee und Laeus" folgten. Die Illustrationen wurden jeweils von dem bekannten Graphiker Wilfried Zeller-Zellenberg beigesteuert. Mehrmals wurden Gedichte Strnadts auch in Wiener Zeitungen abgedruckt. Im Zentrum seiner Gedichtsammlungen steht die Stadt Wien mit ihren Bewohnern.

15.3.1974: Konzerttournee der Wiener Symphoniker in die Sowjetunion und nach Amerika

Im Rahmen des sowjetisch-österreichischen Kulturabkommens absolvieren die Wiener Symphoniker Ende März eine Tournee durch die Sowjetunion. Anschließend gastiert das Orchester in Pasadena, USA, wo es in Los Angeles mit Beethovens Egomont-Ouverture eine neue Konzerthalle am Ambassador-College, eröffnen wird.

Insgesamt nehmen an dieser Reise 97 Musiker teil.

16.3.1974: Goldenes Ehrenzeichen für Bischof May

Der frühere Bischof der Evangelischen Kirche in Österreich Gerhard May erhielt von Bürgermeister Leopold Gratz das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien überreicht.

18.3.1974: Altstadterhaltung: Seltene Jugendstilfassade bleibt erhalten - "Wiener Taschen" für Stammersdorf

Für die Altstadterhaltung stellte der Kulturausschuss des Wiener Gemeinderates einen Betrag von mehr als 2,6 Millionen Schilling zur Verfügung. Damit können 28 Objekte finanziert werden. Unter anderem wird die Fassade des Gebäudes 4, Argentinierstraße 2/Karlsgasse 1, renoviert. Dieses Gebäude stellt einen integrierten Bestandteil der Umbauung des Karlsplatzes dar und weist eine charakteristische secessionistische Bauweise auf.

Eine Fassadenrenovierung ist auch für das Haus Schönborngasse 13 vorgesehen. Dieses Haus hat eine Jugendstilfassade mit ornamentalen Metallaufsätzen, die bereits Seltenheitswert besitzen.

In der Schutzzone Stammersdorf werden die Dächer zweier Häuser instandgesetzt. Die Dächer werden mit sogenannten "Wiener Taschen" eingedeckt.

18.3.1974: Römische Säule beim U-Bahn-Bau gefunden

Ein für Wien erstmaliger Fund wurde im Zuge des U-Bahn-Baues am Beginn der Kärntner Straße gemacht: Eine römische Halbsäule, die aller Wahrscheinlichkeit nach an der Außenmauer des römischen Lagers neben einem Tor angebracht gewesen ist, wurde etwa in einem Meter Tiefe im Straßenbereich vor dem Haus Kärntner Straße 3 entdeckt und geborgen. Die Halbsäule ist etwa einen Meter hoch, aus Kalk aus dem Leithagebirge gearbeitet und dürfte aus der Zeit um 100 nach Christus stammen. Es handelt sich dabei um jenen Teil der Säule, der direkt auf der Basis aufgesessen sein muss.

Der Fundort ist selbstverständlich nicht mit dem seinerzeitigen römischen Verwendungsort identisch. Vielmehr deuten zwei ziemlich tiefe Furchen an der Außenseite der Säule darauf hin, dass sie im Mittelalter als Prellstein bei einem Haus Verwendung gefunden hatte. Diese Furchen sind von den Radnaben vorbeifahrender Fahrzeuge geschürft worden. Noch später ist das rund 1.200 Kilo schwere Säulenstück aller Wahrscheinlichkeit nach beim Fundamentieren eines Hauses in der Kärntner Straße benützt worden. Die Kärntner Straße war früher nicht so breit wie heute, sodass der Fundort mit dem eines alten Fundaments durchaus in Einklang zu bringen ist.

In Wien wurden zwar schon viele römische Funde gemacht, noch nie aber ein Säulenrest dieser Dimension geborgen. Die Archäologen wissen überdies, dass so große Säulen lediglich an der Umfassung des Lagertores üblich waren. Die ins Depot des Historischen Museums gebrachte Halbsäule weist noch ganz deutlich die Zapfen auf, die notwendig waren, um die einzelnen Säulenstücke miteinander zu verbinden respektive an die dahinterliegende Lagermauer befestigen zu können.

20.3.1974: Goldenes Verdienstzeichen für Pressefotografen

Bürgermeister Leopold Gratz überreichte heute dem Wiener Pressefotografen Kommerzialrat Franz Blaha das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien.

21.3.1974: 46 Teilnehmer am Wettbewerb Donauraum

An dem städtebaulichen Ideenwettbewerb für den Wiener Donauraum haben 46 Architekten beziehungsweise Architektengruppen teilgenommen. Die Sitzungen der Jury finden Ende Mai und Ende Juni statt.

23.3.1974: Ehemaliges Höpflerbad wird modernes Sommerbad

Im Rahmen des Bäderkonzepts der Stadt Wien wird auf dem Gelände des ehemaligen Höpflerbades in Wien-Atzgersdorf ein modernes Sommerbad errichtet. Mit den Vorarbeiten, Erdaufschüttungen und Nivellierung des Geländes, wurde bereits begonnen.

Das moderne Sommerbad wird neben einem Sportbecken ein unregelmäßig angelegtes Schwimmbecken und ein kreisförmiges Kinderbecken haben. An Umkleidemöglichkeiten werden rund 1.300 Kästchen, 288 Kabinen und 48 Saisonkabinen zur Verfügung stehen. Im Bad wird es ein Restaurant, eine Trafik und eine Parfümerie geben. Ein Minigolfplatz ist geplant sowie eine Sauna.

26.3.1974: Frühjahrsputz in Wiens Gärten

Für die Erhaltung, Instandsetzung und Verschönerung von Grünflächen in städtischen Wohnhausanlagen werden in nächster Zeit ca. 22 Millionen Schilling ausgegeben.

So werden allein für gärtnerische Herstellungsarbeiten an der linken und rechten Seite des Donaukanalufers eine Million Schilling aufgewendet.

26.3.1974: Rundturnhalle in Wien-Simmering fertiggestellt

Durch die guten Erfahrungen mit der Rundturnhalle in der Großfeldsiedlung - sie wird von rund 130 aktiven Sportlern frequentiert und steht etwa 60 Stunden in der Woche den Amateursportlern zur Verfügung - werden in Wien vier weitere Hallen gebaut.

Die erste der vier Rundturnhallen in der Kaiser-Ebersdorfer-Straße in Simmering (11. Bezirk) ist fertiggestellt. Mit einem Basketballmatch der ungarischen Nationalmannschaft gegen einen südfranzösischen Klub wird die Halle Anfang Mai eröffnet werden. Die zweite Rundturnhalle - in der Per Albin-Hansson-Siedlung - soll Anfang September, rechtzeitig zu Schulbeginn, fertiggestellt sein. In der Steinergasse in Wien-Atzgersdorf (23. Bezirk) wird derzeit an einem Tunnel zwischen Schule und Turnhalle gebaut. Sie wird auch noch heuer den Betrieb aufnehmen. Mit der Fertigstellung der vierten Rundturnhalle in der Meissnergasse, im 22. Bezirk, ist 1975 zu rechnen.

27.3.1974: Künstler helfen Kindern

Begabten, gefährdeten und behinderten Kindern möchte die "Aktion Osterhase" helfen, die von mehreren Wohlfahrtsorganisationen durchgeführt wird. Sie wird von Studenten der Hochschule für Angewandte Kunst auf ungewöhnliche Art und Weise unterstützt: Durch selbstgestaltete Plakate wollen die jungen Künstler die Öffentlichkeit auf diese Aktion aufmerksam machen.

Die "Aktion Osterhase" wird heuer zum fünften Mal durchgeführt.

29.3.1974: Aus dem Wiener Gemeinderat

Für die Durchführung der großen Anton Maulbertsch-Ausstellung genehmigte der Wiener Gemeinderat einstimmig weitere 2,280.000 Schilling. Mit Stimmenmehrheit wurde die Subventionsliste mit einem Gesamtbetrag von 13,3 Millionen Schilling angenommen. Darin sind u.a. Subventionen in der Höhe von 2,2 Millionen Schilling für den Sozialdienst des Österreichischen Komitees für Sozialarbeit, zwei Millionen Schilling für den Verein Schülerheime und 6,950.000 Schilling für den Fonds zur Beratung und Betreuung von Zuwanderern nach Wien enthalten.

Nach Abschluss der Tagesordnung stand eine dringliche Anfrage an Bürgermeister Gratz zum Thema Bauring am Programm.

30.3.1974: Dank des Gemeinderates für scheidenden Tiefbauchef

Der Tiefbauchef des Wiener Stadtbauamtes, Obersenatsrat Dipl.-Ing. Richard Kojetinsky ist in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlass sprach ihm der Wiener Gemeinderat einstimmig den Dank aus.

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