Wien 1971: Berichte vom Mai 1971

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

4.5.1971: Erdarbeiten für Schlachthalle

Für den Bauabschnitt, der die Errichtung der Schlachthalle des neuen Fleischzentrums St. Marx bis zur Rohbaugleiche vorsieht, wurden heute die Erd-, Baumeister- und Stahlbetonarbeiten mit Gesamtkosten von 24,5 Millionen Schilling an eine Arbeitsgemeinschaft der Porr AG, des Baurings Wien - WIBEBA vergeben.

4.5.1971: Stadt Wien tritt der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft bei

Die Stadt Wien tritt der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft bei. Der Verein veranstaltet regelmäßig Versammlungen und Sitzungen, in denen wissenschaftliche Vorträge und Besprechungen abgehalten werden. Ferner gibt die Gesellschaft Druckschriften heraus und macht Exkursionen, um so eine Verbindung zwischen Praxis und Wissenschaft herzustellen.

4.5.1971: Altfassadenaktion 1971

Für die seit 1965 mit großem Erfolg praktizierte Altfassadenaktion werden auch heuer wieder im Gesamtausmaß von 910.000 Schilling bei insgesamt 25 Projekten Fassadenrestaurationen durchgeführt. Zwei Objekte befinden sich im 8., acht Objekte im 1. und 15 Objekte im 19. Bezirk.

5.5.1971: Neugestaltung des Stephansplatzes

Eine städtebauliche Neuordnung für das Gebiet Stephansplatz-Graben wird von der Wiener Stadtplanung anvisiert, wobei dieses Vorhaben selbstverständlich mit den Planungen für die Wiener U-Bahn koordiniert wird. Dazu gehört vor allem die Anordnung der überaus wichtigen U-Bahn-Station Stephansplatz. Von der Stadtplanung wurden dazu umfangreiche Vorarbeiten geleistet und in diesem Zusammenhang von mehreren Architekten-Gruppen Vorschläge eingeholt. Aus diesen wurde nun das Projekt des Architekten-Ehepaares Traude und Wolfgang Windbrechtinger zur Grundlage der städtebaulichen Neugestaltung ausgewählt.

6.5.1971: Empfang für Teilnehmer der ipa-Festwoche

Wien steht im Zeichen einer friedlichen "Invasion": 700 Polizeibeamte aus Europa und Übersee feiern den zehnjährigen Bestand der Landesgruppe Wien der "international police association". Der internationale Verband, dem rund 65.000 Exekutivbeamte angehören, ist als nichtstaatliche Organisation in der UNESCO registriert und sieht seine Hauptaufgabe vor allem darin, durch die Anbahnung zwischenmenschlicher Kontakte zur Völkerverständigung beizutragen. Seit 1950 werden deshalb alljährlich ähnliche "Freundschaftswochen", die den Kontakt zu anderen Staaten herstellen sollen, veranstaltet.

Für die Teilnehmer wurde heute im Wiener Rathaus ein großer Empfang gegeben.

7.5.1971: Ankauf von Spezialapparaturen für Wiener Spitäler

Der zuständige Ausschuss hat heute beschlossen, für verschiedene Wiener Spitäler hochqualifizierte Apparaturen anzukaufen. Genehmigt wurde der Ankauf einer Bildverstärker-Fernseheinrichtung für das Sophienspital um mehr als eine halbe Million Schilling, die in der Röntgenabteilung dringend benötigt wird. Der Einbau dieser "Fernsehkette" bringt eine bedeutende Verbesserung in der Diagnosestellung mit sich. Auch für das Kaiser-Franz-Josef-Spital wurden 350.000 Schilling für eine Verbesserung der Röntgendiagnostikanlage genehmigt; und für den Ausbau der Isotopenstation im Wilhelminenspital wird ein Betrag von zirka 460.000 Schilling zur Verfügung gestellt.

7.5.1971: Drei Elefantendamen werben für Festwochenputz

Die 28jährigen Elefantendamen Toni, Milli und Romi starten heute von der Zentrale der Stadtreinigung (5., Einsiedlergasse) einen Werbemarsch durch belebte Straßen von Wien, um auf die in der nächsten Woche beginnende Sonderaktion der Stadtreinigung hinzuweisen. Die drei Dickhäuter marschieren mit Stofftransparenten, die die Aufschriften "Wien sauberhalten!" und "Festwochenputz 1971" tragen.

7.5.1971: Olympisches Jubiläum im Rathaus

In Anwesenheit von Bundespräsident Franz Jonas sowie der Bundesminister Erwin Frühbauer, Leopold Gratz und Karl Lütgendorf fand im Wiener Rathaus der Festakt zum 25jährigen Bestehen des Österreichischen Olympischen Komitees statt.

ÖOC-Präsident Dr. Pruckner überreicht bei diesem Festakt die Ehrenmitgliedschafts-Urkunde des ÖOC an Bundespräsident Franz Jonas.

8.5.1971: "Internationales Chorfest" im Juli in Wien - 20.000 bis 30.000 Teilnehmer werden erwartet

Der österreichische Sängerbund, der als Dachorganisation aller österreichischen Landessängerbünde mehr als tausend heimische Chorvereinigungen betreut, veranstaltet im Juli in Wien sein 5. Österreichisches Sängerbundfest als internationales Chorfest. Ehrenschutz: Bundespräsident Jonas.

Der Österreichische Sängerbund hat sein Chorfest auf internationaler Basis aufgebaut. Es werden zwanzig- bis dreißigtausend Teilnehmer erwartet.

11.5.1971: Erster "Temporärer Markt": Per Albin Hansson-Siedlung

Die Per Albin-Hansson-Siedlung wird als erste den Hausfrauen einen "temporären Markt" bieten. An zwei Wochentagen wird hier die Gelegenheit gegeben, die Einkäufe zu erledigen. Das Marktamt hat für die Hansson-Siedlung 25 Verkaufsstände eingeplant, rund die Hälfte wird Gemüse und Obst führen. Aber auch zwei Stände für Fleischwaren, zwei für Geflügel und je einen für verschiedene Lebensmittel werden angeboten.

11.5.1971: Tunesischer Außenminister im Wiener Rathaus

Der tunesische Außenminister Mohamed Masmoudi wurde heute von Bürgermeister Felix Slavik im Wiener Rathaus empfangen. Nach der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Wien lud Masmoudi Bürgermeister Slavik nach Tunis ein.

11.5.1971: Wimberger in der Wiener Kammeroper

Die Wiener Kammeroper bringt in der kommenden Saison wieder ein Werk eines zeitgenössischen Komponisten. Es handelt sich um die österreichische Erstaufführung der Oper "Die Schaubudengeschichte" des in Salzburg lebenden österreichischen Komponisten Gerhard Wimberger. Es wird übrigens die erste Aufführung einer Wimberger-Oper in Wien überhaupt sein.

12.5.1971: Hanusch-Hof wird generalsaniert

Die 1925 errichtete, 479 Wohnungen umfassende große städtische Wohnhausanlage Hanusch-Hof im 3. Bezirk, Ludwig-Kössler-Platz, mit 28 Stiegenhäusern, wird generalinstandgesetzt. Die Kosten für diese Arbeiten betragen 5,9 Millionen Schilling.

12.5.1971: Trixi Schuba beim Bürgermeister

Österreichs Eiskunstlauf-Weltmeisterin Trixi Schuba wurde von Bürgermeister Slavik im Rathaus empfangen.

12.5.1971: Theater an der Wien: Premiere für "Leben der Insekten"

Im Theater an der Wien im Zyklus "Theater der offenen Form" erlebt das Stück von Josef und Karel Capek "Aus dem Leben der Insekten" seine österreichische Erstaufführung. Die Hauptrolle des Landstreichers gestaltet Heinz Conrads. In weiteren Rollen spielen Ariana Calix, Eva Gaigg, Grita Kral, Edith Picha und Dany Sigel sowie Felix Dvorak, Peter Göller, Hollmuth Hron, Ferdinand Kaup, Karl Kritl, Bertram Mödlagl, Heinz Nick, Eugen Stark und Gerald Waldegg. Regie: Ulrich Baumgartner.

13.5.1971: Ein Museum im Dienst der Sicherheit - Elektropathologisches Museum eröffnet - Einzigartig in der ganzen Welt

Das Elektropathologische Museum, das einmalig auf der ganzen Welt ist, hat in einem ehemaligen Schulgebäude im 15. Bezirk, ein neues Heim bekommen und kann nun - nach der Adaptierung des Gebäudes und der Einrichtung der Ausstellungssäle - wieder eröffnet werden, damit steht die wertvolle Sammlung der Fachwelt und der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung.

"Das Museum enthält reichhaltiges Anschauungsmaterial über die Ursachen und die Folgen von Elektrounfällen, über Sicherheitsmaßnahmen und Hilfeleistungen. Es wird vor allem dem Unterricht der Schuljugend und der Nachwuchskräfte der einschlägigen Berufszweige sowie der wissenschaftlichen Arbeit dienen."

Die Sammlung hat bereits eine mehr als siebzigjährige Geschichte. Im Jahre 1899 begann der damalige Assistenzarzt im Wiedner Krankenhaus und spätere Universitätsprofessor Dr. Stephan Jellinek mit seinen Forschungsarbeiten über Elektrounfälle und mit der Zusammenstellung von Demonstrationsobjekten. Das war im gleichen Jahr, in dem mit einem Beschluss des Wiener Gemeinderates über die Errichtung des Kraftwerkes Simmering die Geschichte der kommunalen Stromversorgung begann.

Prof. Dr. Jellinek hat mit seiner Tätigkeit eine Pionierleistung im internationalen Maßstab vollbracht. Wien verdankt ihm eine führende Stellung auf diesem Berührungsgebiet von Medizin und Technik, das erst in unserem Jahrhundert Bedeutung erlangte.

Im Jahre 1930 führten die Mitarbeiter des Wiener E-Werkes eine ungewöhnliche Aktion durch. Unter dem Motto "Arbeiterspende für die Wissenschaft" sammelten sie den für die damalige Zeit beachtlichen Betrag von 1.000 Schilling, der dazu beitragen sollte, die Sammlung Prof. Jellineks in ein öffentlich zugängliches Museum umzuwandeln. Mit Hilfe des E-Werkes gelang es schließlich tatsächlich, 1936 im Allgemeinen Krankenhaus dieses Museum mit 4.000 Schaustücken einzurichten.

1939 musste Prof. Jelinek Wien verlassen. Nach seiner Rückkehr reaktivierte er das Museum, das 1947 im ehemaligen Garnisonsspital wiedereröffnet wurde.

Prof. Dr. Jellinek starb 1968 im Alter von 97 Jahren. Seither steht die Sammlung in der Obhut von Direktor Ing. Franz Maresch, der viele Jahrzehnte als Techniker mit dem Arzt Dr. Jellinek zusammengearbeitet hat."

Nach einiger Zeit - in der alle Schauobjekte in Kisten verpackt gelagert waren, da das Museum seinen ursprünglichen Standort verloren hatte - gelang es nun in der Selzergasse im 15. Bezirk zwei Stockwerke für das Elektropathologische Museum zu erhalten.

Um den Bestand des Museums nun zu sichern, wurde im Österreichischen Verband für Elektrotechnik eine eigene Sektion Elektropathologisches Museum gegründet.

Die Wiedereröffnung des Elektropathologischen Museums fällt mit dem 100. Geburtstag von Prof. Dr. Jellinek zusammen. Sie bildet einen Teil des Programms für das "Internationale Colloqium über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten durch Elektrizität", das korrespondierend mit dem 6. Weltkongress für die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten in Wien statt findet.

Anlässlich der Eröffnung führte Ing. Franz Maresch durch das Museum, dessen erster Raum der Erinnerung an Professor Jellinek dient. Hier befindet sich auch eine historisch, tote Maus. Dieses Tierchen hatte sich während des Ersten Weltkrieges in eine Sendeanlage der in Rumänien vormarschierenden deutschen Armee geschlichen und dort einen Draht angeknabbert. Die Maus verlor dabei ihr Leben - und das Armeekommando die Verbindung mit den vorrückenden Truppen. Der Vormarsch kam dadurch zum Stillstand.

Der zweite Raum ist jener Erscheinungsform der Elektrizität gewidmet, mit der sich schon der Neandertaler konfrontiert sah - dem Blitz. In weiteren Räumen sind Verletzung durch Elektrizität und ihre Heilung dargestellt. Breiten Raum nimmt auch die Gerichtsmedizin ein.

Es gibt jährlich etwa 60 Stromtote in Österreich. In vielen Fällen sind schadhafte Geräte daran schuld. Im Museum sind solche Geräte ausgestellt.

Den Abschluss der Schau bilden modernste Hochspannungsanlagen, die einen eindrucksvollen Kontrast zu den Ausstellungsstücken aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bilden, mit denen Dr. Jellinek die Sammlung gegründet hat.

17.5.1971: Kongress für Handel und Städtebau in Versailles: Europäische Citys dürfen nicht sterben

Einer der wichtigsten Beschlüsse beim dritten internationalen Kongress der Vereinigung "Städtebau und Handel", der in Versailles stattfand und an dem auch unter anderem Institute und Beamte der Wiener Stadtverwaltung teilnahmen, sollen in Zukunft in den europäischen Städten die Initiativen verstärkt werden, den Kern der Städte attraktiv zu erhalten und dem Sterben der City Einhalt zu gebieten.

Alle 600 Teilnehmer dieses Kongresses waren sich darüber einig, dass den europäischen Metropolen das Schicksal amerikanischer Städte erspart bleiben soll. Die Innenstadt darf auch in Zukunft nicht nur Büros vorbehalten bleiben, soll sie nicht außerhalb der normalen Arbeitszeit veröden und zugrunde gehen. Bedenkliche Anzeichen einer negativen Entwicklung sind bereits in nahezu allen westeuropäischen Hauptstädten zu beobachten.

Fußgängerzentren und Fußgängerstraßen wurden im Kampf um die künftige Attraktivität der City oder der Nebenzentren bei diesem Kongress eine wichtige Funktion zuerkannt.

17.5.1971: Hamburger Bürgermeister im Wiener Rathaus

Der Hamburger Bürgermeister Dr. Herbert Weichmann, der derzeit mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Handelskammer und des Hafens zu einem Besuch in Wien weilt, besuchte heute Bürgermeister Felix Slavik im Wiener Rathaus. Hamburgs Bürgermeister und die Vertreter der Hamburger Stadtverwaltung interessieren sich besonders für die Wohnbautätigkeit der Stadt Wien und für das Projekt des Hochwasserschutzes.

17.5.1971: Ehrengrab für Karl Farkas

Nach Bekanntwerden des Ablebens von Österreichs Altmeister des Kabaretts, Prof. Karl Farkas, verfügte Bürgermeister Felix Slavik, dass dieser in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt wird. Das Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof, in unmittelbarer Nähe der letzten Ruhestätte von Hans Moser.

19.5.1971: Eine Million Telefone in Österreich - Minister Frühbauer dankt Wien

Im Allgemeinen Krankenhaus wurde heute Verkehrsminister Erwin Frühbauer begrüßt. Der Minister war gekommen, um in einem Personalwohnhaus den einmillionsten österreichischen Telefonanschluss in Betrieb zu nehmen. Der Anschluss gehört einer Bediensteten des Krankenhauses.

Das erste Gespräch vom neuen Apparat führte der Minister. Er dankte in dem Telefonat Vizebürgermeisterin Fröhlich-Sandner für die Vorfinanzierung durch die Stadt Wien für 17.100 Telefonanschlüsse in Wien mit einem Betrag von 82 Millionen Schilling.

22.5.1971: Eröffnung der 21. Wiener Festwochen

Mit einem festlichen Eröffnungsakt, die Wiener Symphoniker spielten den Aquarellenwalzer von Josef Strauss, begannen heute auf dem Wiener Rathausplatz die 21. Wiener Festwochen, die vom 22. Mai bis 20. Juni dauern.

Nach den Polkas "Eingesendet" und "Feuerfest" sowie der "Jockeypolka" - alle von Josef Strauss eröffnete Bundespräsident Franz Jonas die Wiener Festwochen 1971.

22.5.1971: Die Stadthalle präsentiert: Joe Frazier, der singende Weltmeister

Joe Frazier, Weltchampion im Schwergewicht, Bezwinger von Cassis Clay, kommt nach Wien. Er tritt in der Wiener Stadthalle zwar nicht als Boxer, sondern als Sänger und Bandleader auf. Begleitet wird er von seiner Band "the knockouts" und vier gogo-girls. Nach seiner Ankunft in Europa stellte Frazier seine Revue im deutschen Fernsehen vor und erntete viel Beifall. Eindeutige Meinung des ZDF-Sportstudios "Joe ist sein Geld wert".

Der Boxmeister aller Klassen muss für seine Traumgage auch etwas bieten. Für jeden seiner Auftritte erhält er 280.000 Schilling - und dies, ohne auch nur eine Hand zu rühren, denn jede sportliche Tätigkeit ist ihm seitens seiner Boxmanager streng untersagt.

25.5.1971: Ehrung für Adrienne Gessner, Richard Eybner und Hans Lauda

Bürgermeister Felix Slavik überreichte heute an Kammerschauspielerin Adrienne Gessner, Kammerschauspieler Richard Eybner und Generaldirektor Dr. Lauda das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

25.5.1971: Antrittsbesuch des neuen koreanischen Botschafters

Der neue Botschafter der Republik Korea, Sung-Ga Lee, stattete heute Bürgermeister Felix Slavik im Wiener Rathaus seinen Antrittsbesuch ab.

26.5.1971: Das Modell des Wiener U-Bahn-Waggons vorgestellt

Im Simmeringer Werk der SGP wurde heute das Modell des künftigen Wiener U-Bahnwagens präsentiert. Dieses Modell im Maßstab 1:1 umfasst etwa ein Drittel des Wagens und besteht aus dem "Kopf" samt Fahrerstand, einem Sitzabteil und einer Einsteigplattform. Zugleich mit diesem Modell wurde auch die gesamte Konstruktionsarbeit des Wagenkastens und der Drehgestelle so gut wie abgeschlossen. Allein für den Wagenkasten wurden rund 25.000 Konstruktionsstunden aufgewendet. Mit der Fertigung des ersten Rohbau-Wagnkastens wurde bereits Anfang Mai begonnen.

Bei der Gestaltung des künftigen Wiener U-Bahn-Waggons, mit der Architekt Prof. Franz Drbal beauftragt worden ist, hat man eine möglichst dynamische Form anvisiert, die freilich keine modische "Eintagsfliege", sondern ein zeitlos-gültiges Design darstellt. Der "Kopf" des Doppeltriebwagens weist eine gewölbte Stirnfläche mit einer leichten Neigung nach rückwärts auf.

Der Wiener U-Bahn-Waggon wird ein "Silberpfeil" sein. Es ist nämlich beabsichtigt, das Aluminium, aus dem der Waggon bestehen wird, auch optisch voll zur Geltung kommen zu lassen. Freilich wird es aus Gründen der Wartung notwendig sein, die Aluminiumhaut mit einem Anstrich zu versehen, der jedoch dem Farbcharakter des Aluminiums voll entsprechen wird.

Das Fassungsvermögen eines Doppeltriebwagens wird unter der Annahme von vier Stehplätzen pro Quadratmeter 186 Stehplätze und 98 Sitzplätze betragen. Bei einer noch zumutbaren Ausnützung von sechs Stehplätzen pro Quadratmeter erhöht sich das Fassungsvermögen auf insgesamt 382 Fahrgäste.

Zunächst werden insgesamt sechs Prototyp-Doppeltriebwagen fertiggestellt, deren erster im November 1972 von der SGP ausgeliefert werden soll. Diese sechs Wagen sollen nach einer umfassenden Erprobung voraussichtlich im Spätherbst 1973 im Abschnitt Heiligenstadt - Friedensbrücke im Linienbetrieb eingesetzt werden.

26.5.1971: Sportzentrum West: Erdbauarbeiten beginnen im Juli

Die Erd-, Baumeister- und Stahl-Betonarbeiten für das Sportzentrum West in Penzing (14.Bezirk) wurden heute vergeben. Dafür wurden Kosten in der Höhe von 17,9 Millionen Schilling veranschlagt. Mit den Bauarbeiten soll im Juli begonnen werden.

27.5.1971: Schenkung aus Hamburg: der letzte Bleistift von Johann Strauss Sohn

Eine interessante Schenkung erhielt die Wiener Stadtbibliothek aus Hamburg: Frau Renate Scheffler überließ der Stadt Wien den künstlerischen Nachlass des Hamburger Kapellmeisters und Komponisten Otto Faster (Künstlername: Oskar Fetras). Es handelt sich dabei ausschließlich um Objekte, die mit der Familie Strauss im Zusammenhang stehen.

Unter den Objekten befinden sich Teile der Originalpartitur des "Zigeunerbarons", 20 Mappen mit Briefen und Autographen, weiter Studienköpfe von Josef Strauss aus der Zeit seines Architekturstudiums sowie der letzte Bleistift, den Johann Strauss Sohn zum Komponieren verwendete.

Otto Faster war selbst Walzerkomponist "Mondnacht auf der Alster" und ein großer Verehrer der Familie Strauss. Bei Konzerten trat er auch oft in der Maske von Johann Strauss Sohn auf.

27.5.1971: Puppenfilme im Museum des 20. Jahrhunderts

Während des "Weltfestivals der Puppentheater" im Museum des 20. Jahrhunderts werden jeden Sonntag im Rahmen der Wiener Festwochen drei Puppenfilme vorgeführt.

Es handelt sich dabei um Filme über den Wiener Puppenspieler Richard Teschner, über das japanische Puppentheater "Bunraku" sowie um Rudi Böhms Streifen "So, nun beginnen wir", einen Puppenfilm aus der jüngsten Zeit.

28.5.1971: Wiens erste funkgesteuerte Uhr beim Heumarkt in Betrieb

Auf der Kreuzung am Heumarkt/Ungargasse (3. Bezirk) zeigt eine Uhr die Zeit an, die sich nur bei genauem Hinsehen durch eine kleine Antenne vom optischen Bild der öffentlichen Zeitmesser unterscheidet: Wiens erste funkgesteuerte Uhr hat den Betrieb aufgenommen.

Über Sprechfunk gab heute Stadträtin Dr. Maria Schaumayer das Einsatzsignal an die Uhrenzentrale der Magistratsabteilung 33 in der Senngasse, worauf von dort ein Impuls gesendet und vom Empfänger der auf einer Verkehrsinsel stehenden "Würfeluhr" aufgenommen wurde.

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