Wien 1969: Berichte vom September 1969

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.9.1969: 250.000 VOEST-Türstöcke für Wiener Gemeindewohnungen

Seit dem Jahre 1959 liefert die VOEST an die Gemeinde Wien stählerne "Türzargen". Es handelt sich dabei um Türstöcke, die in den Gemeindewohnungen eingebaut werden. Diese Türzargen werden im niederösterreichischen Konzernbetrieb der VOEST, der Hütte Krems, hergestellt. (Die Hütte Krems ist der größte blechverarbeitende Betrieb Österreichs.)

Nun wurde die 250.000. Türzarge an die Gemeinde Wien ausgeliefert. Die Viertelmillion Türstöcke entstand aus Stahlbändern, die in 23 Biegevorgängen zu Zargen geformt werden. Doch auch Wiener Arbeitskräfte sind damit beschäftigt: Die Türzargen werden in Stangenform nach Wien geliefert und hier von einer Vertragswerkstätte in "Türform" gebracht.

1.9.1969: Im Winter 1969/1970: Fünf neue Pensionistenklubs

6,670.000 Schilling wurden heute für die Gründung von fünf neuen Pensionistenklubs und die Weiterführung der bereits 112 bestehenden vom Wohlfahrtsausschuss genehmigt.

2.9.1969: Beethoven-Film unter der musikalischen Leitung von Prof. Boskovsky

Im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Wien wird ein Film über Ludwig van Beethoven hergestellt, der im Beethoven-Jubiläumsjahr 1970 aufgeführt werden soll.

Nun ist es dem Regisseur des Filmes, Kurt Dieman, gelungen, Professor Willi Boskovsky für die musikalische Leitung des Filmes zu gewinnen. Er wird das Bläserensemble dirigieren, das die als musikalische Unterhaltung vorgesehenen "Mödlinger-Tänze" zur Aufführung bringt.

Das B-Dur-Trio op. 97, dessen Aufführung im Film im Pasqualati-Haus erfolgt, wird vom international angesehenen Geiger Professor Eduard Melkus, von der jüngsten Lehrkraft der Wiener Musikakademie, der Pianistin Ulrike Wagner (sie interpretierte auch die große Klaviersonate X im Franz Schubert-Film) und vom jungen Wiener Cellisten Gerhard Sonneck, gespielt. Als Instrumente werden ausschließlich solche aus der Beethoven-Zeit (daher auch ein Hammerklavier) verwendet. Als Untermalung für den "Spaziergang zu den Beethoven-Gedenkstätten in Wien" wurden die Eroica-Variationen gewählt, denen ein walzerartiges Thema zugrundeliegt.

2.9.1969: Neue Attraktion für Wien: "Club West"

Mitte November wird in Wien das modernste Kino Österreichs eröffnet. Mit einem Kostenaufwand von 1,5 Millionen Schilling hat die Wiener Stadthalle-Kiba Betriebs- und Veranstaltungs-GesmbH. das frühere Wochenschaukino "Weltkamera" umgebaut. Das neue Kino weist zwar nur einen Fassungsraum für 250 Personen auf, wird jedoch hinsichtlich Programmierung und der Ausgestaltung der Räumlichkeiten höchstes internationales Format erreichen. Der Saal ist durchwegs mit Fauteuils ausgestattet und bietet dadurch eine echte Club-Atmospähre. Eine Snack-Bar mit kleinen Speisen, ein Kaffeehaus und ein modern eingerichteter Warteraum runden das Angebot ab. Gezeigt werden die neuesten Sprechfilme, und zwar durchlaufend von 9.00 bis 24.00 Uhr.

3.9.1969: Die Stadt Wien auf der Wiener Messe: Beratungsstand für die Wirtschaft

Auch heuer wird sich die Stadtverwaltung auf der Wiener Herbstmesse vorstellen. Thema einer sehenswerten Ausstellung wird die Wirtschaftsförderung der Stadt sein.

Die Ausstellung bildet den Rahmen für eine Beratungsstelle, in der sich Gewerbetreibende über die Förderungsmaßnahmen der Stadt bei Betriebsumstellungen und Neuansiedlungen vor allem aber über die verschiedenen Kreditaktionen der Stadt Wien informieren können.

3.9.1969: Großfeldsiedlung wächst weiter

Die Großfeldsiedlung wächst weiter: Im zuständigen Bauausschuss wurde heute ein Betrag von 175 Millionen Schilling für den fünften Bauteil dieser Anlage, die einen Schwerpunkt des transdanubischen Siedlungsraums bilden wird.

Der fünfte Bauteil besteht aus 39 Wohnhäusern, die in drei Baublöcken angeordnet sind und 725 Wohnungen enthalten werden. Zunächst werden 223 Pkw-Abstellplätze geschaffen, Erweiterungsmöglichkeiten durch das Palettensystem sind gegeben. Insgesamt werden in der Großfeldsiedlung sechs Bauteile errichtet, die zusammen 4.600 Wohnungen enthalten werden.

3.9.1969: Abschiedsbesuch des amerikanischen Botschafters

Der amerikanische Botschafter in Österreich, Douglas McArthur, stattete heute Bürgermeister Mark seinen Abschiedsbesuch ab. McArthur, der seit 35 Jahren im US-Außenministerium tätig ist, wurde von Präsident Nixon zum Botschafter im Iran ernannt. Bürgermeister Marek würdigte die großen Verdienste der Vereinigten Staaten von Amerika am Wiederaufbau der Republik Österreich. "Ohne Marshall-Plan-Hilfe hätte Österreich seine Probleme nie lösen können", betonte Marek. Botschafter McArthur erklärte, dass kein Land, das von den Vereinigten Staaten mit Marshall-Plan-Geldern versorgt wurde, einen so erfolgreichen Wiederaufbau wie Österreich bewerkstelligen konnte.

Zur Erinnerung an seine Zeit als Missionschef in Wien überreichte Marek dem amerikanischen Diplomaten einen Abguss des ältesten Stadtsiegels von Wien aus dem Jahre 1221.

4.9.1969: Eröffnung der Ausstellung "Sofia grüßt Wien"

Die Ausstellung "Sofia grüßt Wien", die bis Mitte September in der Volkshalle des Wiener Rathauses zu sehen ist, wurde heute durch die Vizepräsidentin des Volksrates von Sofia, Boshana Andonova, eröffnet. Die Begrüßung der Gäste erfolgte durch Bürgermeister Marek, der unter anderem ausführte: "... durch das Schauen und Einander-Besuchen kommen die Menschen sich näher und entdecken, was sie verbindet. Die Ausstellung 'Sofia grüßt Wien' ist ein solcher freundschaftlicher, gutnachbarlicher Besuch. Wenn auch Österreich und Bulgarien nicht unmittelbar aneinander grenzen, so sind sie doch Nachbarn an der Donau. Der Strom und seine Geschichte, und die wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten, die er mit sich bringt, haben den Ländern an der Donau stets verwandte Merkmale aufgeprägt ... ". Wien ist für Bulgarien uralter Kulturboden. Bulgaren ließen hier ihre Bücher in bulgarischer Sprache drucken. Viele junge Bulgaren erhielten nach der Befreiung ihres Landes von fast 500jähriger Fremdherrschaft in Wien ihre Ausbildung. Der Gelehrte und bulgarische Unterrichtsminister Konstantin Jiricak richtete an der Wiener Universität eine reichhaltige Bibliothek für das Studium der südost-europäischen Geschichte ein und übte hier seine wissenschaftliche Tätigkeit aus. Die Stadt Wien benannte nach dem großen Wissenschaftler eine Straße und brachte damit die Bedeutung zum Ausdruck, die sie der bulgarisch-österreichischen kulturellen Gemeinsamkeit beimisst.
Die Ausstellung besteht zum größten Teil aus einer repräsentativen Fotomontage, zum geringeren Teil aus Kopien wertvoller Wandmalereien und Gemälden. In instruktiver Form bringen die Fotos das Sofia von heute dem Beschauer nahe: Sportstadien, Erholungsräume in und rund um die Stadt, die Kunstdenkmäler - wie die Basilika Heilige Sofia aus dem 15. Jahrhundert, nach der die Stadt benannt ist -, die Rotunde St. Georg aus dem vierten Jahrhundert sind ebenso vertreten wie Reproduktionen aus dem Archäologischen Nationalmuseum und dem Museum altbulgarischer Kunst. In der Demonstration der Stadt Sofia fehlt natürlich auch die Nationaloper nicht, die sowohl als Bauwerk wie auch als Schaubühne von Opernwerken dargestellt ist. Schulen, Kindergärten, neue Wohnhausanlagen und Szenen aus dem Alltagsleben der Hauptstadt Sofia von heute komplettieren die Ausstellung.
Der Wahlspruch im Wappen von Sofia: "Es wächst, doch es altert nicht" gibt beredtes Zeichen von der stürmischen Entwicklung dieser Stadt.

5.9.1969: Das Cranium Ferdinand Raimunds wird beigesetzt

In Anwesenheit von Vizebürgermeisterin Gertrude Sandner, einem Vertreter des Unterrichtsministeriums und Mitgliedern der Ferdinand Raimund-Gesellschaft wurde das Cranium (Schädeldecke) des am 5. September 1836 verstorbenen und in Gutenstein beigesetzten Volksschauspielers und Dichters Ferdinand Raimund beigesetzt.

Ferdinand Raimund verübte Selbstmord aus Angst, durch einen erfolgten Hundebiss an Tollwur erkrankt zu sein, in Pottenstein. Der zuständige Kreisphysikus, Landgerichtsarzt Dr. Rollet, der die Obduktion vorgenommen hatte, nahm die durchschossene Schädeldecke mit nach Hause. Nach einem langwierigen Prozess wurde sie der Freundin und Universalerbin Toni Wagner zugesprochen. Diese vermachte knapp vor ihrem Tod die ihr so teure Reliquie dem Leiter der Wiener Städtischen Sammlungen, Hofrat Dr. Karl Glossy, der sie allerdings nicht den Sammlungen einverleibte, sondern in seinem Privatbesitz behielt. Von ihm erbte Tochter Blanka die Schädeldecke. Sie starb lange vor ihrem Mann, dem Arzt Dr. Hans Schwarz-Glossy, der sich später wieder verheiratete. Die Schädeldecke schenkte Dr. Schwarz-Glossy dem Museum der Stadt Wien, unter der Auflage, dass sie erst dann in die Sammlungen eingereiht werde dürfe, bis er selbst nicht mehr am Leben sei. Als Dr. Schwarz hochtbetagt 1968 verstarb, konnte seine zweite Frau das an die Stadt vermachte Cranium erst nach langem Suchen in einem Geheimfach eines Sekretärs entdecken. Am 14. Jänner 1969 wurde es in die Obhut des Museums der Stadt Wien übergeben, das sich knapp ein halbes Jahr später bereit erklärte, die durchlöcherte Schädeldecke im Grab Raimunds in Gutenstein beisetzen zu lassen. Die abschließenden Verhandlungen über diese endliche Vereinigung der sterblichen Überreste des großen Volksdichters Ferdinand Raimund führte der Präsident der Raimund-Gesellschaft, Hofrat Dr. Pichler, mit der Stadt Wien.

8.9.1969: Lübecker Bürgermeister im Rathaus

Der Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, Max Wartemann, der anlässlich der Wiener Herbstmesse nach Wien gekommen ist, besuchte heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus.

8.9.1969: Unfallchirurgie im Wilhelminenspital - 80 Millionen Schilling

Für die Einrichtung des neuerbauten Unfallchirurgischen Pavillons im Wilhelminenspital wurden heute 33 Millionen Schilling genehmigt. Schon im April 1967 hat der Wiener Gemeinderat die Errichtung der Unfallchirurgie mit 80 Millionen Schilling genehmigt.

Der Bau der Unfallchirurgie (Architekt: Dipl.-Ing. Josef Fleischer) soll bis Oktober 1970 vollendet sein. Mit der Einrichtung wird man bereits im Juni 1970 beginnen können. Die volle Inbetriebnahme ist dann für Mitte 1971 vorgesehen. Eine Novität für Österreich wird die spezielle Station für alkoholisierte Unfallverletzte sein. Eine eigene, beheizbare Zufahrtstraße ermöglicht auch im Winter den klaglosen Antransport der Patienten. Auch ein Hubschrauberlandeplatz ist vorgesehen. Ebenfalls genehmigt wurde die Schaffung einer kardiologischen Universitätsklinik und einer Strahlentherapeutischen Klinik der Universität Wien im Garnisonspital des Allgemeinen Krankenhauses. Von der Stadt Wien werden 60 Prozent der Gesamtkosten von rund 50 Millionen Schilling getragen. Die Mittel für die baulichen Arbeiten betragen insgesamt 31,5 Millionen Schilling, die für die Einrichtung 10,3 Millionen Schilling. Die Kosten für die medizinisch-wissenschaftlichen Geräte in der Höhe von 8,2 Millionen werden zur Gänze vom Bund übernommen.

9.9.1969: In Graz entsteht ein Bundesländer-Freilichtmuseum

Als Gemeinschaftswerk aller österreichischen Bundesländer entsteht in Graz-Stübing ein Freilichtmuseum, in dem historische Haus- und Hofformen ausgestellt werden sollen. Bis Mai 1969 konnten insgesamt 34 erhaltungswürdige Häuser und Höfe gekauft und nach Stübing gebracht werden, 25 von ihnen wurden dort bereits wieder aufgebaut. Gleichfalls fertiggestellt wurde ein Museumsgebäude. Die Stadt Wien stellt für dieses Projekt 100.000 Schilling zur Verfügung.

11.9.1969: Istvan Szöts produzierte Klimt-Film

Der aus Budapest stammende Istavn Szöts führte heute seinen Klimt-Film ausgewählten Gästen vor. Der angesehene, mit zwei Staatspreisen ausgezeichnete Spiel- und Dokumentarfilm-Regisseur Szöts, der im Jahr 1956 Budapest verließ und nach Wien flüchtete, hat diesen Streifen im Auftrag des Kulturamtes der Stadt Wien produziert, geschrieben und inszeniert; Sprecher ist Fred Liewehr. Der zwanzig Minuten dauernde Film "Gustav Klimt und sein goldener Stil" wird in der Kleinen Galerie anlässlich der Übergabe der "Förderungspreise der Freunde der Kleinen Galerie" uraufgeführt werden.

11.9.1969: West-Ost Kontakte im Rathaus: Vertreter aller europäischen Fernsehanstalten beim Bürgermeister

Die Vertreter der "Eurovision" und der "Intervision" wurden von Bürgermeister Marek in das Wiener Rathaus zu einem Arbeitsgespräch eingeladen. Es war das erste Mal, dass die leitenden Fernsehjournalisten aus Ost und West zu einem direkten Kontakt zusammenkamen.

Die Mittlerrolle des österreichischen Fernsehens dürfte nicht zuletzt dafür ausschlaggebend gewesen sein, dass dieses Treffen, das sich "Tagung der Studiengruppe für Fernsehnachrichten" nennt, zustandekam.

Bei der Arbeitstagung zwischen den west- und osteuropäischen Vertretern der Fernsehstationen wird auch die Möglichkeit eines verstärkten Programmaustausches zwischen den beiden Gemeinschaften diskutiert werden.

12.9.1969: Britische Ausstellung eröffnet

Im Museum für Völkerkunde in der Neuen Burg wurde heute die große britische Ausstellung "Zwei Jahrhunderte britischer Malerei Hogarth bis Turner" eröffnet.

12.9.1969: Rettungsring für die Wohlfahrtsstadträtin

Zum 20. Male startete heute die "Donaufahrt für Altersheimbewohner" mit einem Schiff der DDSG von Wien über Tulln, Dürstein,Weißenkirchen und zurück. Als Bürgermeister Marek und Wohlfahrtsstadträtin Maria Jacobi bei der Anlegestelle des Dampfers erschienen, kam der Kapitän in Begleitung seiner Mannschaft zur Stadträtin und überreichte ihr einen funkelnagelneuen Rettungsring. Er trug die Aufschrift "10 Jahre - 20. Fahrt 1959 - 1969 , DDSG - MA 12".

Die Donaufahrten für die Bewohner der Altersheime Lainz, Baumgarten, Liesing und St. Andrä gehen auf eine Initiative der Wohlfahrtsstadträtin zurück. Seit der Einführung dieser Fahrten konnten sich 11.357 ältere Mitbürger der Stadt Wien an einer solchen Fahrt beteiligen.

12.9.1969: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Die wichtigsten Beschlüsse, die im heutigen Wiener Gemeinderat gefasst wurden:

Hochbaustadtrat Kurt Heller referierte über das vom Stadtbauamt ausgearbeitete Projekt für den Donau-Hochwasserschutz. Seit dem Katastrophenhochwasser des Jahres 1954 beschäftigt man sich damit. 20 Projekte wurden ausgearbeitet. Das Land- und Forstwirtschaftsministerium erklärte den Hochwasserschutz am 26. April 1968 zum "bevorzugten Wasserbau". Der Bund hat sich bereit erklärt, von den 3.380 Millionen 680 Millionen Schilling als Beitrag in zehn Jahresraten zu leisten.

Nach ausführlicher Debatte führte Heller in seinem Schlusswort aus: "Das Projekt nimmt auf den späteren Kraftwerksbau Rücksicht. Wir bauen äußerst billig, wie schon daraus hervorgeht, dass der Erdaushub gleich für die Errichtung einer 20 Kilometer langen Erholungsinsel verwendet wird. Gleichzeitig liefert das Projekt der Stadt Wien einen Kanal, der den 21. und 22. Bezirk entwässert. Der Antrag wurde mit den Stimmen von SPÖ und FPÖ angenommen.

Einstimmig angenommen wurde der Antrag auf den Bau einer neuen Radrennbahn in der Engerthstraße. Die Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Sportvereinigungen und internationalen Sportexperten. Ebenfalls einstimmig angenommen wurde der Antrag auf Neubau des Schafbergbades mit voraussichtlichen Kosten von 39 Millionen Schilling.

13.9.1969: Neue "Schwester Claudia" erschienen

Die zweite Nummer der "Schwester Claudia" ist soeben erschienen. Auf 32 Seiten dieser neuen Zeitschrift "für Patienten und Gesunde", die in allen Wiener Spitälern kostenlos verteilt wird, wird eine Fülle Unterhaltung und Information geboten. Einige Themen: "Mode im Spital - ein Tabu?", "Wiens Geschichte hat zwei Anfänge", ein umfangreicher Bericht "Land aus der Donau?". Zwei Bildseiten, die über Persönlichkeit und Aufgabenbereich des Bürgermeisters und der vierzehn amtsführenden Stadträte informieren, sind aktuell zu Beginn der Herbstsession des Gemeinderates. Zwei Seiten dienen Ratschlägen für die Gesundheit. Auch Sport wird geboten. Dazu Kurzgeschichten, Rätsel, Witze und sogar ein von Altmeister Hitchcock ausgewählter Krimi. "Schwester Claudia" erscheint dann ab 1970 vierteljährlich und kann auch kostenlos im Pressedienst der Stadt Wien bezogen werden.

16.9.1969: Empfang für den Fußballmeister

Die Stadt Wien gab den traditionellen Empfang für den österreichischen Fußballmeister. Funktionäre und Spieler von Austria Wien wurden im Rathaus begrüßt. Die Austria-Mannschaft erhielt sodann als Geschenk der Stadt Wien eine Kristallschale, die der Kapitän der Mannschaft, Ernst Fiala, entgegennahm. Geschäftsführer Joschi Walter revanchierte sich mit einem Teddybären im Austria-Dress und mit einem Wimpel.

19.9.1969: Die Stadt Wien bei den Budapester Kunstwochen

Bei der Eröffnung der "Budapester Kunstwochen" wird Vizebürgermeisterin Gertrude Sandner die Stadt Wien repräsentieren. Die Einladung dazu erfolgte durch den Bürgermeister (Vorsitzenden des Exekutivrates der Hauptstadt) von Budapest, Istvan Sarlos. Mit dem Besuch sollen die Beziehungen zur Nachbarstadt an der Donau und die kulturellen Kontakte vertieft werden.

22.9.1969: Auszeichnung für Fritz Muliar

Bürgermeister Bruno Marek überreichte heute das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien an Fritz Muliar. Marek hob dabei hervor, dass die Ehrung dem Wiener Volksschauspieler und pointensicheren Kabarettisten ebenso gelte wie dem großen Menschendarsteller. Unter den Wiener Volkstypen hat Muliar den unverwüstlichen Optimismus des Bockerer, der Herz und Zunge auf dem rechten Fleck hat, zu neuem Leben erweckt. Muliar hat uns diesen Kritiker, der seinen Mund nicht halten kann, auch persönlich vorgelebt: Der überzeugte Österreicher Fritz Muliar wurde während des Krieges wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt und zu einer Strafkompangie verschickt.

Muliar hat einen Grundzug seines Wesens, das Humoristische, im Laufe seiner Entwicklung ins Besinnliche und Philosophische überhöht. Am besten läßt sich dies an seinem Verhältnis zum jüdischen Witz veranschaulichen. Muliar zählt heute zu den größten und prominentesten Interpreten des jüdischen Witzes. Er hat ihn als erster nach dem Krieg auf das Vortragspodium zurückgeholt, zu einer Zeit, als dazu noch sehr viel Mut und sehr viel Takt gehörte. Wenn der jüdische Witz heute wieder populär geworden ist und Sympathie für das Schicksal des jüdischen Volkes erweckt, so ist dies unbestritten Muliars Verdienst, so Marek abschließend. In seiner Dankansprache betonte Muliar seine Verbundenheit mit Wien und erinnerte an den Tag im Jahr 1942, als er in Paris in einem Rothschild-Palais von einem Feldgericht wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt wurde. Damals ließ man ihn nach der Urteilsverkündung für einige Minuten allein bei offenem Fenster, wie wenn man sich den Vollzug des Urteils ersparen wollte. Er habe damals an Wien gedacht und wollte dieses Land als freies Land wiedersehen und seine Vaterstadt Wien.

"Als ich nach dem Krieg nach Hause kam", sagte Muliar weiter, "hatte ich ein ganz neues Verhältnis zu Wien, das Verhältnis eines Wiedergeborenen. Und damals habe ich mich zum zweiten Mal in diese Stadt verliebt und diese Liebe wird ewig dauern."

23.9.1969: 12.800 Wiener Betten für Rotary-Kongress

"Die Stadt Wien gibt die schriftliche Garantie für das Vorhandensein von 12.800 Betten anlässlich des vom 6. bis 10. Mai 1973 in Wien stattfindenden Rotary-Kongresses", erklärte Bürgermeister Marek heute dem Vertreter von Rotary-International Gerald C. Keeler aus Lake Placed im Staate New York anlässlich einer Unterredung im Wiener Rathaus. Mister Keeler wurde von den österreichischen Rotary-Funktionären Wolf in der Maur und Generalmajor Emil Spanocchi begleitet. Für den Rotary-Kongress, es handelt sich dabei um den größten Kongress, den Wien je beherbergt haben wird, werden neben den 10.000 Hotelbetten noch 2.800 Betten in Privatquartieren in Wien zur Verfügung stehen.

23.9.1969: Karl Honay-Hof in Ottakring

Einem der verdientesten Wiener Kommunalpolitiker wird, zehn Jahre nach seinem Tod, ein bleibendes Denkmal gesetzt: Die städtische Wohnhausanlage in der Gablenzgasse in Wien-Ottakring (16. Bezirk) wird nach dem ehemaligen Vizebürgermeister und Wohlfahrtsstadtrat Karl Honay benannt.

Honay wurde nach Erlernung des Feinmechanikergewerbes von Dr. Viktor Adler in die Wiener Arbeiterkrankenkasse berufen, wo er im Referat Sozialpolitik arbeitete. Nach dem Zusammenbruch der Habsburg-Monarchie wurde Honay mit der Organisation des kommunalpolitischen Büros und der Rathaus-Korrespondenz betraut und im Jahr 1920 in den neugebildeten gemeinsamen Landtag von Wien und Niederösterreich entsandt. Er wirkte als Sekretär des Österreichischen Städtebundes, als Redakteur der "Österreichischen Gemeinde-Zeitung" und erwarb sich in diesen Jahren jene gründlichen Kenntnisse der Wiener Verwaltung und aller kommunalpolitischen Fragen, die ihn zu einen der führenden Kommunalpolitiker Österreichs machten. Im September 1933 wurde er mit der Leitung des städtischen Wohlfahrts- und Gesundheitswesens betraut, die er bis zum 12. Febraur 1934 innehatte.

Nach leidvollen Stationen in Wöllersdorf, Buchenwald und Dachau übernahm Honay nach 1945 das Amt des Finanzreferenten der Gemeinde Wien und wurde 1947 zum Vizebürgermeister gewählt. Gleichzeitig wurde er zum Personalstadtrat berufen. Vom Jahr 1949 bis zu seinem Tod war er Amtsführender Stadtrat für das Wohlfahrtswesen, wobei er grundlegende Reformen in der Jugend- und Altersfürsorge durchführte.

24.9.1969: Große Italien-Tournee der Wiener Symphoniker

Mit ihrem Dirigenten Professor Wolfgang Sawallisch begeben sich die Wiener Symphoniker auf eine längere Konzert-Tournee durch Italien. Die ersten drei Konzerte finden an der Mailänder Scala statt. Anschließend nehmen sie in Perugia an der "Sagra Musicale Umbra" teil und bringen in der Basilika di San Pietro sowie in der Petrus-Basilika die d-moll-Messe und die f-moll-Messe von Bruckner zur Aufführung. Im Teatro Communale Morlacchi präsentieren sie abschließend die konzertante Fassung von Webers "Euryanthe". Anschließend bereisen sie weitere acht italienische Städte, in denen sie insgesamt 13 Konzerte mit Werken Beethovens, Schuberts, Schumanns und Pizzetti's spielen werden.

An der Tournee nehmen insgesamt 83 Musiker teil; am ersten Streicherpult spielt der Erste Konzertmeister Michael Schnitzler.

24.9.1969: Kindergärtnerinnen-Ausstellung im Rathaus eröffnet. 2.000 gebastelte Spielsachen warten auf Käufer

Dreitausend Puppen, Kasperln, Bilder, Kindermöbel und Bastelarbeiten aller Art wurden zu einer großangelegten Ausstellung "Kindergärtnerinnen schaffen und werken für die Kinder" zusammengestellt, die heute im Wiener Rathaus eröffnet wurde. 2.000 Ausstellungsstücke dieser Schau, die erstmals einen Blick in die Berufsarbeit der städtischen Kindergärtnerinnen vermitteln will, können käuflich erworben werden. Der Ertrag kommt sozialen Zwecken zugute. Fast alle der mehr als 1.200 städtischen Kindergärtnerinnen haben an der Gestaltung der Ausstellung mitgearbeitet. Die künstlerische Leitung lag in Händen von Malerin Professorin Trude Diener-Weixler.

24.9.1969: Heute im Donaupark: Preise in UNO-City-Wettbewerb vergeben

In der Zelthalle im Donaupark veröffentlichte heute der Präsident der Jury für den Wettbewerb um die UNO-City (Amtssitz Internationaler Behörden) im Donaupark das Ergebnis der Beratungen. Der erste Preis (500.000 Schilling) geht an Cesar Pelli, Los Angeles, USA; Pelli hat das Projekt mit sieben Mitarbeitern erstellt.

Den zweiten Preis (450.000 Schilling) erhielt die Building Design Partnership, London; der dritte Preis (350.000 Schilling) geht an die deutschen Architekten S. Novotny und A. Mähner in Offenbach. Den vierten Preis (250.000 Schilling) erhält der Österreicher Johann Staber, Wien.

Zusätzlich zu den vier vergebenen Preise hat die Jury für die beabsichtigten fünf Ankäufe (je 150.000 Schilling) die Projekte folgender Architekten ausgewählt:

Roger Boyer (San Francisco); J. Dahinden (Zürich); Charles Egbert (Washington), Andre Gomis (Paris) und Guy Rande (New York).

In seinen Ausführungen betonte der Präsident der Jury, P. Vago (Frankreich), besonders zwei Umstände: bei der Vergabe aller vier Preise ist die Entscheidung mit der denkbar knappsten Mehrheit innerhalb der siebenköpfigen Jury, nämlich mit 4:3 gefallen. Außerdem ist die Jury zu der übereinstimmenden Meinung gekommen, dass die derzeit keines der eingereichten Projekte zur Ausführung empfehlen kann.

Die preisgekrönten Projekte enthalten noch eine Reihe unklarer Elemente, die studiert und analysiert werden müssen. Die siebenköpfige Jury hat in zwei Beratungsphasen getagt, es wurden insgesamt 280 Projekte begutachtet. Insgesamt wurden von 656 Architekten aus 50 Staaten der Welt die Unterlagen angefordert.

Die prämiierten Entwürfe zur Gestaltung der UNO-City sollen öffentlich begutachtet werden. Es wird eine Ausstellung in der Donauparkhalle geben, wo alle Projekte zu besichtigen sein werden.

26.9.1969: Floridsdorf-Liesing: Hallo Nachbar! Die Bezirksbewohner lernen einander näher kennen

Eine neue Aktion startet mit dem morgigen "Tag der offenen Tür": Rund 120 Floridsdorfer fahren in drei Autobussen nach Liesing, um sich mit den Problemen und Sehenswürdigkeiten dieses Bezirks näher bekannt zu machen. Eine gleich starke Delegation von Liesingern kommt nach Floridsdorf, um sich dort umzuschauen. Diese Sonderfahrten im Rahmen des Programms "Neues Wien" sind für alle Teilnehmer kostenlos.

26.9.1969: Bürgermeister Marek gratuliert Europameister Orsolics

Anlässlich seines Sieges in der Wiener Stadthalle hat Bürgermeister Bruno Marek an Johann Orsolics ein Glückwunschtelegramm gerichtet:

"Mit ganz Wien freue ich mich über Ihre Erringung des Europameistertitels, wozu ich aus ganzem Herzen gratuliere".

27.9.1969: Der "Tag der offenen Tür" 1969

Um 9.30 Uhr öffneten sich heute die Rathaustüren für die vielen tausenden Wienerinnen und Wiener, die sich bereits auf dem Rathausplatz befanden. Die Eröffnung des "Tages der offenen Tür" 1969 wurde von Bürgermeister Marek und den Mitgliedern der Wiener Stadtregierung vorgenommen. Ein überaus zahlreiches Programm, nicht nur im Rathaus, erwartet heute die Besucher. Hier nur einige Beispiele:

In den Wappensälen des Wiener Rathauses präsentiert das Kulturamt seine Neuerwerbungen zeitgenössischer Kunst. Besondere Glanzpunkte: Plastiken von Wotruba und Bertoni, Tafelbilder von Eisler und Janschka.

Im Festsaal stehen Konzerte unter anderem des Wiener Lehrer-a-capella-Chores auf dem Programm. Des weiteren sind fast alle Räume des Rathauses zugänglich, so kann jeder zum Bürgermeister, Vizebürgermeister usw. kommen und wird begrüßt. Interessant für Philatelisten: das traditionelle Sonderpostamt im Arkadenhof. Für Jazzfreunde konzertiert am Nachmittag im Rathauspark die Barrelhouse Jazzband. Volkstanzgruppen sorgen am Rathausplatz für gute Unterhaltung und laden zum Tanz ein. Im Arkadenhof wurde heuer erstmals ein "Wiener Kaffeehaus" mit rund 400 Sitzplätzen errichtet. Dort wird neben anderen Erfrischungen auch eine Original Wiener Jause serviert: Schale Melange mit Gugelhupf ...

"Diese typisch wienerische Kaffehaus-Spezialität hat ihren Namen von der "Gugel", einer in der Rokoko- und Biedermeierzeit üblichen weiblichen Kopfbedeckung, in der zu festlichen Anläßen Geschenke mitgebracht wurden. Wenn man die vier Zipfel der "Gugel" öffnete, "hupfte" das Geschenk aus der "Gugel". Und dieses Geschenk war oft eine Mehlspeise ..."

Rund um das Rathaus steht der Wagenpark der Wiener Feuerwehr und Rettung zur Besichtigung. Hier ist auch der Bücherbus aufgebaut. Die Feuerwehrautos starten hier auch zu den beliebten Rundfahrten mit Kindern.

Der Fußballklub "Vienna" wird auf der Hohen Warte fünf Tore aufbauen, die von international bekannten Torhütern "bewacht" werden. Jeder Fußballfan hat hier die Möglichkeit, sein Können als Torschütze unter Beweis zu stellen. Zwei prominente Künstler werden beim abendlichen Höhepunkt und Ausklang des "Tages der offenen Tür" in der auf dem Rathausplatz über die Bühne gehenden Show "Rendezvous mit dem Rathausmann" die Hauptrollen verkörpern: Josefstadt-Schauspieler Alfred Böhm einen Wiener Optimisten und der Kabarettist Felix Dvorak einen notorischen Wiener Raunzer. Regie führt Fred Iversen, das Drehbuch schrieb Heinrich Jelinek.

29.9.1969: Wien hat einen neuen Stadtschulratspräsidenten

Hofrat Dr. Hermann Schnell wurde heute zum neuen Stadtschulratspräsidenten bestellt, er tritt damit die Nachfolge von Dr. Max Neugebauer an.

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