Wien 1968: Berichte vom März 1968

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.3.1968: Der letzte Beton der Gürtel-Tunnelstrecke

Marek und Heller auf Baustelle

Bürgermeister Marek und Stadtrat Heller entleerten den letzten "Betonjapaner"

Unter einem Bauzelt am Margaretengürtel, das von einem bändergeschmückten Gleichenbaum überragt wurde, kippten heute Bürgermeister Marek und Bautenstadtrat Kurt Heller den Inhalt eines "Betonjapaners" in das letzte noch offene Stück Tunneldecke. Damit ist das Tunnelbauwerk (Gürtel-Tunnelstrecke) in seiner gesamten Länge von 2,7 Kilometer - gemessen am Gürtel vom Anschluss an die bereits bestehende Haltestelle Südtiroler Platz bis zum Portal bei der Fendigasse und einschließlich der abzweigenden Tunnels - eingedeckt.


111.000 Kubikmeter Beton verbaut

Wiens größtes Verkehrsbauwerk liegt in mehreren Bezirken. Den meisten Anteil haben der 4. und 5. Bezirk, die Tunnel- und Rampenstrecken erstrecken sich aber auch in den 10. und 12. Bezirk. Gewaltige Materialmengen wurden hier benötigt. Allein für die Tunnelwände, die man nach der Pfahlbau- und Schlitzwandbauweise herstellte, sind 58.000 Kubikmeter Beton aufgegangen. Weitere 53.000 Kubikmeter Beton wurden für die Stahlbetondecken, Bodenplatten und Stiegen verbraucht.

An Betonstahl hat das Verkehrsbauwerk rund 6.000 Tonnen "verschluckt". Der Erdaushub belief sich auf nicht weniger als 320.000 Kubikmeter.

Wichtigen Anteil am planmäßigen Ablauf der Bauarbeiten hatten die getroffenen Wintermaßnahmen. Bereits im Winter 1966/1967 wurde über der damals noch offenen Station Kliebergasse ein hallenartiges Zelt mit über 1.000 Quadratmeter Grundfläche errichtet, in dessen Schutz trotz Kälte und Schneefall weitergearbeitet werden konnte.

4.3.1968: Bürgermeister Marek gratulierte der Mutter von Wiens ersten Vierlingen

Bürgermeister Marek sandte heute ein Glückwunschtelegramm an die Mutter von Wiens ersten Vierlingen und wünschte Mutter und Kindern allerbeste Gesundheit.

6.3.1968: Überreichung der Kainz-Medaillen an Ursula Schult, Heinrich Schweiger und Fritz Kortner

Bürgermeister Bruno Marek überreichte heute die Josef Kainz-Medaillen der Stadt Wien für das Spieljahr 1966/67 an Ursula Schult und Heinrich Schweiger.

Fritz Kortner, der derzeit wegen Regieverpflichtung im Berliner Schiller-Theater unabkömmlich ist, wird seine Auszeichnung im Juni entgegennehmen.

Ursula Schult erhält die Kainz-Medaille für die Darstellung der Signorina Cei in dem Schauspiel "Alles zum Guten" von Pirandello im Theater in der Josefstadt, Heinrich Schweiger für die Darstellung des Othello in der Tragödie von Shakespeare im Burgtheater, Fritz Kortner für die Inszenierung des Othello im gleichen Haus.

7.3.1968: OPEC Generalsekretär beim Bürgermeister

Marek und Parra in Gespräch

OPEC-Generalsekretär Francisco Parra

Der neue Generalsekretär der OPEC, Francisco Parra, stattete heute Bürgermeister Marek seinen Antrittsbesuch ab.

In der 1960 gegründeten OPEC sind folgende Erdöl-Exportländer zusammengeschlossen: Indonesien, Iran, Irak, Kuwait, Libyen, Saudi-Arabien, Venezuela, Quatar und Abu Dhabi.


7.3.1968: Dachgleiche der AKH-Betatron-Bestrahlungsanlage

Niedriger Rohbau

Dachgleiche der AK-Betatron-Bestrahlungsanlage

Die Errichtung der Betatron-Bestrahlungsanlage des Allgemeinen Krankenhauses ist soweit fortgeschritten, dass heute die Dachgleiche in Anwesenheit zahlreicher Festgäste gefeiert werden konnte.

Die Betatron-Bestrahlungsanlage wird in Hof 13, zwischen dem Zentral-Röntgeninstitut und dem sogenannten Narrenturm, erbaut. Die Arbeiten begannen im August vorigen Jahres. Bis zur Erreichung der Dachgleiche wurde ein Betrag von mehr als 1,5 Millionen Schilling verbaut. Die reinen Baukosten betragen ca. 5,5 Millionen Schilling, wobei die Finanzierung zu 60 Prozent von der Stadt Wien und zu 40 Prozent mit Mitteln des Bundes durchgeführt wird. Zur Anschaffung des Betatrongerätes, das ca. 17 Tonnen wiegt, sind weitere 7,5 Millionen Schilling erforderlich.


7.3.1968: Blumenketten aus Benares für Erzbischof und Bürgermeister - Internationale Frühlingsblumenschau eröffnet - IKEBANA-Studiengruppe aus der Taufe gehoben

König und Marek mit Blumenketten gehen Feststiege hinauf

Eröffnung der Internationalen Frühlingsblumenschau mit Erzbischof Dr. König (links) und Bürgermeister Marek (Mitte)

In Anwesenheit Hunderter Wienerinnen und Wiener sowie zahlreicher Festgäste, darunter Erzbischof Dr. König, eröffnete heute Bürgermeister Marek die Frühlingsblumenschau im Wiener Rathaus. In seiner Eröffnungsrede dankte Marek vor allem den Holländern, die "ihren Frühling" per Flugzeug und Spezialtransportern nach Wien gebracht haben. Den letzten Teil seiner Begrüßungsansprache widmete er der Gattin des indischen Botschafters, Frau Devika Trivedi. "Sie wollen eine Kunst in Wien heimisch machen, die bisher bei uns völlig unbekannt war. Die Kunst von der lebenden Blume, dem IKEBANA, das dank Ihrer Bemühungen in Rom, Paris und London bereits heimisch wurde. Ich hoffe, dass das aus Ihrer Heimat stammende kunstvolle Arrangieren von Blumen auch bei uns in Wien weite Verbreitung findet."

Unter Anleitung von Frau Trivedi entstanden rund 30 Arrangements, die alle in Erstaunen versetzten und begeisterten.

Höhepunkt der Eröffnungsfeier war, als Erzbischof Dr. König und Bürgermeister Dr. Marek von der zwölfjährigen Inderin "Augentrost" und der wenig älteren Japanerin "Violinenkind" mit Blumenketten geschmückt wurden. Die in den Wiener Stadtfarben gehaltenen Willkommensketten hatte Air India aus Benares nach Wien geflogen.


8.3.1968: Fürsorge-Assistentin: Ein neuer Beruf

Das Jugendamt der Stadt Wien hat für Frauen und Mädchen einen neuen Beruf und eine neue Form bezahlter Umschulung ins Leben gerufen: den Beruf der Fürsorge-Assistentin, die sofort nach einer kurzen Einschulungszeit in den Arbeitsbereichen des Wiener Jugendamtes (Mutterschule, Mutterberatung, Mündelfürsorge) tätig ist. Die Umschulung muss im Zeitraum von fünf Jahren vollendet werden.

11.3.1968: Eröffnung der "Freiheitskampfausstellung"

In Wien wurde heute die Ausstellung "Der österreichische Freiheitskampf von 1938 bis 1944", die vom Stadtschulrat für Wien in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes veranstaltet wird, eröffnet.

12.3.1968: Henning Carlsen und Vera Chytilova kommen zur Viennale

Portrait Henning Carlsen

Henning Carlsen

Portrait Vera Chytilova

Vera Chytilova

Henning Carlsen, der Regisseur der dänisch/norwegisch/schwedischen Gemeinschaftsproduktion "Hunger", der Verfilmung des Romans von Knut Hamsun, die bei der Viennale 1968 zur österreichischen Erstaufführung kommt, wird nach Wien kommen und der Aufführung seines Filmes in der Wiener Urania beiwohnen. Henning Carlsen wurde bekannt durch eine Reihe von Kurz- und Dokumentarfilmen sowie durch seine Spielfilme "Dilemma", "Epilog" und "Die Katzen".

Auch die Regisseurin des tschechoslowakischen Films "Tausendschönchen", Vera Chytilova, wird zur Viennale nach Wien kommen um der Erstaufführung ihres Films beizuwohnen. "Tausendschönchen" wurde von der deutschen Zeitschrift "filmkritik" als einer "der radikalsten und modernsten Filme" bezeichnet, die aus der Tschechoslowakei bisher zu sehen waren.


16.3.1968: 60. Geburtstag von Paul Grüneis

Der Internist und Chefarzt der Poliklinik Dozent Dr. Paul Grüneis feiert seinen 60. Geburtstag.

Grüneis wurde in Wien geboren und arbeitete nach Absolvierung des Medizinstudiums als Assistent an der 2. Medizinischen Universitätsklinik. 1945 erfolgte seine Habilitierung. Seit 1946 ist er Chefarzt der Poliklinik. Vom ihm stammen zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen und Beiträge für Sammelwerke. Grüneis ist Mitglied der Wiener Gesellschaft für innere Medizin, der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin und anderer internationaler Organisationen.

19.3.1968: Bürgermeister von Triest in Wien

Stadtrat Bock begrüßt Spaccini

Bürgermeister von Triest, Ing. Spaccini (links) bei Stadtrat Bock

Anlässlich der 500. Reise des Fremdenverkehrsamtes Adriatico von Triest nach Wien, ist auch der Bürgermeister von Triest Ing. Spaccini nach Wien gekommen. Stadtrat Bock begrüßten Ing. Spaccini heute im Wiener Rathaus.


19.3.1968: Riesenrad-Gesellschaft darf Wiener Wappen führen

Die Wiener Riesenrad Ges.m.b.H wird in Hinkunft, gegen jederzeitigen Widerruf, auf ihrem Briefpapier und auf ihren Fahnen das Wiener Wappen führen dürfen.

21.3.1968: Elf Verletzte bei Straßenbahnunglück

Zu einem schweren Straßenbahnunglück, das elf Verletzte forderte, kam es heute nachmittag in Wien 20, Ecke Dresdner Straße/Stromstraße. Ein Zug der Straßenbahnlinie 331 stieß an einen in der Haltestelle stehenden Schulzug der Straßenbahn, wobei beide Triebwagen stark beschädigt wurden. Von den elf verletzten Personen mussten vier in Krankenhäuser transportiert werden. Die Ursache des Unglücks ist derzeit noch ungeklärt.

23.3.1968: Alte Gaslaternen als Wiener Souvenirs - Gaswerke geben noch rund 100 Kandelaber zum Schrottpreis ab

Freunde alter Gaslaternen haben eine letzte Gelegenheit, in den Besitz einer begehrten Gaslaterne zu gelangen. Bei den Wiener Gaswerken werden noch die letzten rund 100 Kandelaber zum Schrottpreis abgegeben. Diese Kandelaber sind die letzten Überreste der einstigen Wiener Gasbeleuchtung, wenn man von den elektrifizierten "Gas"-Laternen in Grinzing, Sievering und Nußdorf absieht.

Mit Laternen selbst können die Gaswerke allerdings nicht mehr dienen. Was noch nicht verschrottet war, hat längst Liebhaber gefunden. Den Wiener Gaslaternen erging es wie vielen anderen Gebrauchsgegenständen: erst als sie "antik" waren, begann man, sie zu schätzen. In ihrer Glanzzeit, im Jahre 1913, als in der Donaustadt (Wien 22) nicht weniger als 45.000 Gaslaternen brannten, kümmerte sich kein Mensch um sie. Für den Übergang zur elektrischen Straßenbeleuchtung, der 1920 begann, waren rein finanzielle Gründe maßgeblich. Während der Betrieb und die Erhaltung einer Gaslaterne jährlich rund 1.300 Schilling kostete, stellt sich eine elektrische Lampe - die noch dazu dreimal so hell brennt - auf nur 310 Schilling.

Das "Gaslaternensterben" ging langsam vor sich. 1957 waren es noch 4.836 Laternen, 1959 gab es nur noch 4.653. Zu "Gasinseln" zusammengefasst, fand man sie eingestreut in die elektrische Großstadtbeleuchtung. Die größten "Gasinseln" bestanden damals in Hietzing und Döbling mit je 1.400 Stück; 920 Gaslaternen brannten noch in Floridsdorf, und die kleinste "Insel" mit nur 70 Stück gab es auf dem Antonsplatz in Favoriten.

Am 27. November 1962 um 16 Uhr verlöschte Stadtrat Karl Lakowitsch in der Sauraugasse in Hietzing (13. Bezirk) die letzte Gaslaterne; gleich darauf schaltete der damalige Wiener Bürgermeister Franz Jonas eine elektrische Straßenleuchte ein. Diese historische Laterne hat das Hietzinger Heimatmuseum in Obhut genommen. Die einzige Gaslaterne, die heute noch echt - also mit Gas - betrieben wird, kann man im Wiener Technischen Museum bewundern.

Die "Jagd" auf ausgediente Gaslaternen hat gleichfalls im Jahr 1962 begonnen. Ausgelöst wurde sie durch ein Lied, das Heinz Conrads im Radio gesungen hatte. Innerhalb kurzer Zeit hatten die Wiener Gaswerke über 2.000 Stück der ausrangierten Gaslaternen verkauft. Das Kassabuch enthält unter anderen folgende bekannte Namen: Gusti Wolf, Susi Nicoletti, Hans Moser, Hugo Gottschlich.

"Die nördlichste Gaslaterne"

Aber auch in den USA leuchten auf dem Besitz von Lotte Lehmann Wiener Gaslaternen. Die Laternen, die etwa 2.000 Schilling gekostet hatten, wurden zu wertvollen Antiquitäten, die Transportkosten beliefen sich nämlich auf nicht weniger als 11.000 Schilling.

Die nördlichste aller Wiener Gaslaternen steht heute vermutlich nördlich des Polarkreises in Norwegen, die südlichste vermutet man in Südafrika. Auch nach Japan wurden Laternen exportiert. In Südamerika erinnern mehrere Stück an Wien, desgleichen in Italien, Frankreich und in Spanien.

Der ungewöhnlichste Standort einer ausgedienten Wiener Gaslaterne befindet sich ganz in der Nähe: in Stein an der Donau, innerhalb der Mauern der Strafanstalt. Wie und warum die Straßenleuchte dort hinkam, ist leider nicht überliefert.

26.3.1968: Neuer Wiener E-Werksdirektor bestellt

Dipl.-Ing. Raimund Haussmann wurde heute im Wiener Stadtsenat einstimmig zum neuen Direktor der Wiener E-Werke bestellt.

29.3.1968: Aus dem Wiener Gemeinderat

Portrait Alfred Hintschig

Stadtrat Dkfm. Alfred Hintschig

Im heutigen Gemeinderat fand heute die Verabschiedung und Wahl zweier Stadträte statt.

Der Amtsführende Stadtrat für das Wohnungs-, Siedlungs- und Kleingartenwesen Franz GLASERER (SPÖ) und der Amtsführende Stadtrat für Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten Rudolf SIGMUND (SPÖ) legten ihre Mandate als Amtsführende Stadträte zurück.

Dkfm. Alfred Hintschig (Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten) und Reinhold Suttner (Wohnungs-, Siedlungs- und Kleingartenwesen) wurden mit den Stimmen der SPÖ und ÖVP zu Amtsführenden Stadträten gewählt.

Dkfm. Alfred Hintschig wurde am 3. Juni 1919 in Wien-Favoriten als Sohn eines Berufsschuldirektors geboren. Nach dem Besuch der "Montessorischule" und des Realgymnasiums kam er zum Bundesheer und war während des ganzen Zweiten Weltkrieges Soldat.

1938/39 absolvierte er eine technische Schule; von 1946 bis 1948 war er Berufsschullehrer im Maschinen- und Kraftfahrzeugbau. Während dieser Zeit studierte er an der Hochschule für Welthandel und absolvierte sie als Diplomkaufmann. Seit 1948 ist Dkfm. Hintschig Prokurist einer großen österreichischen Papierfabrik.

Portrait Reinhold Suttner

Stadtrat Reinhold Suttner

Über die "Roten Falken" und die Sozialistischen Mittelschüler kam er zur Sozialistischen Partei. Von 1947 an übte er die Funktion einer Vertrauensperson aus, seit 1949 ist er Sektionsleiter. Auch in verschiedenen Organisationen der SPÖ erfüllt Dkfm. Hintschig Funktionen.

Dkfm. Hintschig ist seit 1964 im Wiener Landtag und Gemeinderat.

Reinhold Suttner wurde am 31. Oktober 1927 in Wien geboren. Nach dem Besuch der Pflichtschulen erlernte er den Kaufmannsberuf. 1944 wurde er eingezogen und war bis Kriegsende Soldat. 1945 trat er bei der Gemeinde Wien als Vertragsbediensteter ein, drei Jahre später wurde er als Sekretär in die Arbeiterkammer berufen. Im Jahre 1962 wurde Suttner zum Bezirksvorsteher des 23. Bezirkes gewählt und ist auch Obmann der sozialistischen Bezirksvorsteher-Fraktion.

Seine politische Heimat fand Reinhold Suttner von Jugend auf in der SPÖ. Im Jahre 1945 wurde er Mitglied der Sozialistischen Jugend und der Partei. Mehrere Jahre wirkte er als Funktionär der SJ und war auch Bildungsreferent der Bezirksorganisation Liesing.


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