Wien 1968: Berichte vom Jänner 1968

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.1.1968: Wiener Fasching 1968

Der heuer besonders lange Fasching beschert den Wienerinnen und Wienern wieder zahlreiche Bälle und Tanzveranstaltungen. Der veröffentlichte Ballkalender enthält rund 285 Faschingsveranstaltungen, darunter den ersten Teenager-BeatBall, den Blumenball, den Zuckerbäckerball, den Ball der Wiener Philharmoniker, den Ball des Verbandes der Auslandspresse u.v.a. Auch viele Gschnasfeste stehen heuer auf dem Programm. Das große Ballereignis - der Wiener Opernball - findet am 22. Februar statt.

2.1.1968: Jahresbilanz des Städtischen Rettungs- und Krankenbeförderungsdienstes 1967

Im Jahre 1967 legte der Städtische Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst insgesamt 393.427 Kilometer zurück. Aus der Jahresbilanz geht ferner hervor, dass es 1967 31.901 Ausfahrten gab, bei denen 32.721 Patienten betreut wurden. Das sind um 275 Ausfahrten und 406 Patienten mehr als 1966. Außerdem wurden in den Sanitätsstationen 5.854 Personen behandelt, die sich hier Erste Hilfe leisten ließen und entweder in häusliche Pflege entlassen oder in ein Spital eingewiesen wurden. Das bedeutet, dass die Wiener Rettung im Tagesdurchschnitt 106 Patienten betreut hat.

8.1.1968: Vizebürgermeister Slavik als Fernsehreporter

Vizebürgermeister Felix Slavik war mit einem Aufnahmeteam unterwegs, um die Wienerinnen und Wiener zur neuen Wohnbauförderung zu befragen. Die Interviews startete Slavik in der Operngasse, wo er bald von einer Menschenmenge umringt war, danach ging es in den 10. Bezirk weiter.

8.1.1968: Wiener Weihnachtsbaum wird Totem-Pfahl

Der Dreikönigstag bedeutet das Ende der Weihnachtsbäume. Die Lichter werden ein letztes Mal entzündet - so will es der Brauch - dann beginnt das große Abräumen. Auch für den Wiener Weihnachtsbaum vor dem Rathaus ist das Ende gekommen. Nun werden seine tausend elektrischen Lichter abmontiert, anschließend schneiden Rathausarbeiter den einbetonierten Baum um. Aber der Stamm der 25 Meter hohen Fichte wird nicht zu Brettern verarbeitet, ihm bleibt das Schicksal der bisherigen Wiener Weihnachtsbäume erspart. Aus seinem Stamm wollen Bildhauer eine Holzskulptur nach Art eines Totem-Pfahls schnitzen.

Wenige Tage nachdem die aus dem städtischen Forst Stixenstein stammende, 130 Jahre alte Fichte vor dem Rathaus aufgestellt worden war, ersuchte der Bildhauer Prof. Alexander Besenyö um Überlassung des Weihnachtsbaumes. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Maler Stefan Pazmandy, wolle er aus dem Stamm ein Schnitzwerk gestalten.

Besenyö wies darauf hin, dass er bereits ein ähnliches Kunstwerk geschaffen habe, das in Kanada aufgestellt worden sei. Die Skulptur wird die Entwicklung der Menschheit versinnbildlichen, die Spitze soll die Form einer Rakete erhalten. Die Stadt Wien wird den beiden Künstlern den ehemaligen Weihnachtsbaum in Form eines entasteten Stammes zur Verfügung stellen. Für den Abtransport müssen Besenyö und Pazmandy selbst sorgen.

11.1.1968: Baubeginn für neues Radstadion im Frühjahr

Freiluft-Stadion

Altes Radstadion

Sobald es das Wetter zulässt, soll mit dem Neubau des Wiener Radstadions im Prater am Ende der Engerthstraße begonnen werden. Der Neubau wird an jener Stelle errichtet, wo die frühere, gänzlich veraltete Radrennbahn stand, die bereits abgebrochen ist. Die Kosten für den Neubau werden ca. 30 Millionen Schilling betragen.


Schräge Radrennbahn in Freiluft-Stadion

Altes Radstadion

Das Radstadion wird eine 250 Meter lange Bahn aus einem amerikanischen Spezialholz haben. Die Tribünen - alle überdacht - werden 8.000 Zuschauern Platz bieten. Die eigentliche Rennbahn wurde von Architekt Schürmann entworfen.


13.1.1968: 60. Geburtstag von Franz Brücke

Univ.-Prof. Dr. Franz Brücke

Der Pharmakologe Univ.-Prof. Dr. Franz Brücke feiert seinen 60. Geburtstag.

Er leitete ab 1946 das Pharmakologische Institut der Universität Wien, 1948 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius für Pharmakologie, Toxikologe und medizinische Vorschreibung. Neben seiner Lehrtätigkeit ist Brücke vielfach als wissenschaftlicher Autor hervorgetreten. Er ist wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der New Yorker Akademie der Wissenschaften und gehört dem Obersten Sanitätsrat des Sozialministeriums und dem Sanitätsrat der Stadt Wien an.

(Brücke starb am 24. März 1970 in Wien. Red.)


15.1.1968: Professor Anton Grzywienski Wiens Hochwasserschutz-Konsulent

Prof. Anton Grzywienski

Einen der international bedeutendsten Fachleute auf dem Gebiet des Wasserschutzbaues, Professor der Technischen Hochschule Wien Dr. Dr. h. c. Anton Grzywienski, hat das Stadtbauamt der Stadt Wien als Konsulenten für die Verbesserung des Donauhochwasserschutzes in Wien gewonnen.

(Prof. Grzywienski starb am 9. April 1982 in Wien. Red.)


18.1.1968: Israelische Handballmannschaft im Rathaus

Im Wiener Rathaus wurde heute die israelische Handballmannschaft Hapoel Petach-Tikwa, die im Verlauf einer Tournee in Wien Station macht, begrüßt. Die Mannschaft, die Handballmeister von Israel ist, kam aus Oslo und wird heute in der Wiener Stadthalle gegen die Handballer der "Postsportvereinigung" antreten.

24.1.1968: 50. Geburtstag von Gottfried von Einem

Gottfried von Einem

Der Komponist Gottfried von Einem feiert heute seinen 50. Geburtstag.

Gottfried von Einem wurde am 24. Jänner 1918 in Bern (Schweiz) geboren. Er absolvierte sein Musikstudium bei Boris Blacher. Praktische Erfahrungen im Bühnenbetrieb erwarb er sich als Volontär und Korrepetitor an der Berliner Staatsoper sowie als Assistent bei den Bayreuther Festspielen. Internationale Erfolge errang von Einem mit seiner Oper "Dantons Tod", die 1947 im Rahmen der Salzburger Festspiele uraufgeführt wurde. 1948 wurde der Künstler in das Direktorium der Salzburger Festspiele berufen. In der Folge übertrug ihm die Wiener Konzerthausgesellschaft das musikalische Lektorat. 1953 wurde in Salzburg seine Oper "Der Prozeß" uraufgeführt, nach deren Erfolg von Einem seinen ständigen Wohnsitz nach Wien verlegte und als Nachfolger von Joseph Marx zum Präsidenten der AKM gewählt wurde. Gottfried von Einem zählt zu den bedeutendsten Komponisten im 20. Jahrhundert. Sein Gesamtwerk fand durch mehrfache Auszeichnungen Anerkennung, u.a. durch die Verleihung des Musikpreises der Stadt Wien und des österreichischen Staatspreises für Musik.

(Gottfried von Einem starb am 12. Juli 1996 in Oberdürnbach/Gemeinde Maissau, Niederösterreich. Red.)


24.1.1968: Empfang für die Wiener Eisrevue

Bürgermeister Marek mit Prof. Stolz und Gattin

Anlässlich des 10. Gastspieles der Wiener Eisrevue in der Wiener Stadthalle wurden die Mitwirkenden und der Regisseur Will Petter sowie Professor Robert Stolz mit Gattin heute von Bürgermeister Marek und Mitgliedern der Wiener Landesregierung im Rathaus empfangen.


Jacobi in Gespräch mit Petter

Regisseur Will Petter mit Stadträtin Jacobi

Bürgermeister Marek erinnerte in seiner Begrüßungsansprache daran, dass der Gedanke der Eisrevue von Wien ausgegangen sei: 1936 wurde beim Engelmann das "Fest der Nationen" erstmals in Kostümen vorgeführt, als Regisseur zeichnete schon damals Will Petter. 1938 startete die Schäfer-Eisrevue in Wien, 1940 wurde erstmalig ein Eisballett geboten.


Eisläufer in imposanten Kostümen

Wiener Eisrevue

Der Anfang der Wiener Eisrevue im Jahre 1945 sei noch mehr als bescheiden gewesen. Da das Programm auf einem offenen Eislaufplatz abrollte, mussten die Besucher gebeten werden, wärmende Getränke und Decken mitzubringen. Aber aus diesen kleinen Anfängen habe sich ein Unternehmen entwickelt, das seit 1961 mit zwei Produktionen reist, und stets sei die Wiener Eisrevue untrennbar mit dem Namen eines großen Wiener Künstlers verbunden gewesen: Professor Robert Stolz.

Die Wiener Eisrevue hat seit 1945 in mehr als 200 Städten Gastspiele veranstaltet, wobei sie von über fünf Millionen Menschen bewundert wurde.


25.1.1968: New Yorker "Festival-Königin" im Rathaus

New Yorker-Festival-Königin Cathy French bei Bürgermeister Marek

Bürgermeister Bruno Marek empfing heute "New York's 1968 Summer Festival Queeen" im Wiener Rathaus. Es ist dies die alljährlich gekürte Repräsentantin der New Yorker Sommerfestspiele, die heuer ihr 15. Bestandsjahr begehen. Die 23jährige Cathy French ist von Beruf Fotomodell und besucht auf einer dreiwöchigen Good-will-Tour zahlreiche große Städte Europas. Sie überbrachte Bürgermeister Marek ein persönliches Schreiben und ein Freundschaftsgeschenk des New Yorker Bürgermeisters Lindsay.


25.1.1968: Antrittsbesuch des argentinischen Botschafters

Botschafter Carlos Ortiz (rechts) bei Bürgermeister Marek

Botschafter Carlos Ortiz (rechts) bei Bürgermeister Marek

Der neu akkreditierte Botschafter der Republik Argentinien, Carlos Ortiz de Rozas, stattete heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus seinen Antrittsbesuch ab. In einem längeren Gespräch wurde über die Möglichkeiten einer Intensivierung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Argentinien und Österreich gesprochen.


26.1.1968: Überreichung der Preise aus der Dr. Karl Renner-Stiftung

In Anwesenheit von Bundespräsident Dr. Franz Jonas überreichte heute Bürgermeister Bruno Marek die Preise aus der Dr. Karl Renner-Stiftung an folgende drei Personengemeinschaften:

  • Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien;
  • Wiener Konzerthausgesellschaft und an den
  • Verband österreichischer Volksbüchereien.

26.1.1968: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Im heutigen Wiener Gemeinderat referierte StR. Heller (SPÖ) über den grundlegenden Antrag für die weitere Entwicklung Wiens: den Bau der ersten Wiener U-Bahn-Linien. Dem Einführungsreferat folgte danach eine ausführliche Debatte über die U-Bahn. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

27.1.1968: Gräberpflege in Ungarn

Ähnlich wie vor kurzem mit der Tschechoslowakei wurde nunmehr auch mit den zuständigen Stellen in Ungarn eine Vereinbarung getroffen, wonach Österreicher in Ungarn liegende Grabstellen durch ungarische Gärtnereien pflegen lassen können.

30.1.1968: Rathaus-Informationsstelle für Wohnungssuchende

Eine Informationsstelle für Wohnungssuchende nimmt in Wien 1, Bartensteingasse 7 ihren Betrieb auf. Interessenten werden hier über die Voraussetzungen für die Zuweisung einer Gemeindewohnung, über die Möglichkeiten des Erwerbs einer Genossenschaftswohnung und über die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Wohn- und Mietzinsbeihilfen kostenlos informiert.

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