Wien 1967: Berichte vom Jänner 1967

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

4.1.1967: Max Beckmann-Ausstellung in der Secession

Das Kulturamt der Stadt Wien bereitet eine Ausstellung von Bildern des Malers Max Beckmann (1884 bis 1950) vor, die in der Wiener Secession zu sehen sein wird. Wien übernimmt damit eine Ausstellung, die derzeit in der Schweiz und in Deutschland zu sehen ist.

Secessionsgebäude

Max Beckmann-Ausstellung in der Wiener Secession

Max Beckmann-Gemälde

Max Beckmann-Ausstellung in der Wiener Secession

Besucher vor Max Beckmann-Exponat

Max Beckmann-Ausstellung in der Wiener Secession


Max Beckmann stellte 1906 in der Berliner Sezession aus, er trat auch dieser Künstlervereinigung bei, verließ sie jedoch bereits 1911 wieder. Er wandte sicher künstlerischen Auffassungen zu, die unter dem Begriff des "Expressionismus" geläufig ist. Er gehörte jedoch auch den daraufhin orientierten künstlerischen Verbindungen wie "Blauer Reiter" oder "Brücke" nicht an. Seine künstlerische Auffassung brachte ihn mit den Anschauungen des Nationalsozialismus in Konflikt. 1933 verlor er seine Lehrstelle in Frankfurt am Main und lebte von 1938 bis 1947 zurückgezogen in Amsterdam. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in den USA, 1950 starb er in New York.

5.1.1967: Stadtplaner aus Sofia in Wien

Eine Gruppe von acht Architekten und Bauingenieuren der Stadtbaudirektion Sofia ist in Wien eingetroffen. Die bulgarischen Bautechniker, die in der Abteilung für Stadtplanung und Stadtentwicklung Sofias tätig sind, unternahmen eine Studienreise nach Wien, um vor allem die Wiener Fußgängerunterführungen und die Wiener U-Bahnplanung kennen zu lernen. Sofia baut derzeit eine Fußgängerpassage nach Wiener Muster und diskutiert auch Pläne um ein Unterpflaster-Straßenbahnnetz in der bulgarischen Hauptstadt.

Die Gäste wurden von Stadtrat Kurt Heller empfangen.

10.1.1967: Architekt Professor Josef Frank in Stockholm verstorben

In Stockholm verstarb der bekannte Wiener Architekt Prof. Josef Frank im 82. Lebensjahr. Frank, der jener Wiener Architektengeneration angehörte, die in den letzten Jahren der Monarchie und während der Ersten Republik zum Weltruf österreichischer Wohnkultur und Baukunst beitrug, hat 1960 den Preis der Stadt Wien für Architektur erhalten.

11.1.1967: UNIDO-Delegation in Wien - Empfang im Rathaus

Delegation trifft ein

Empfang für UNIDO-Delegation

Der Exekutivdirektor der neuen UN-Organisation UNIDO (United Nations Industrial Development Organisation), Dr. Ismael Abdel Rahman, hält sich gegenwärtig an der Spitze einer Delegation von vier hohen UN-Beamten in Wien auf, um Verhandlungen über die Unterbringung seiner Organisation in Wien zu führen.

Die Delegation besichtigte heute eine Reihe von Gebäuden und Grundstücken, die eventuell für die provisorische bzw. definitive Unterbringung der UNIDO-Beamten in Frage kämen. Zunächst müssen Büro- und Wohnräume für rund 400 bis 500 Beamte und Hilfspersonal gefunden werden, ehe sich entscheidet, wo sich der endgültige Sitz der Organisation mit insgesamt etwa 900 Beamten befinden wird.

Daran anschließend gab Bürgermeister Marek einen Empfang für die Delegation im Wiener Rathaus, an dem u.a. auch der ägyptische Botschafter in Wien, Hassan M. El Tohamy teilnahm.


13.1.1967: Ehrung für Polizeipräsident Josef Holaubek

Portrait Josef Holaubek

Polizeipräsident Josef Holaubek

Josef Holaubek nimmt Auszeichnung entgegen

Ehrung für Polizeipräsident Josef Holaubek


Der Polizeipräsident von Wien, Josef Holaubek, bekam heute in Anwesenheit von Bürgermeister Marek, StR. Gertrude Sandner und zahlreicher Festgäste, die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold überreicht.

14.1.1967: Nach der Hofburg-Redoute eine Rathaus-Matinee - Empfang der Stadt Wien für internationale Faschingsgesellschaft

Eine bunt gekleidete internationale Faschingsgesellschaft zog heute mit lauter Musik im Wiener Rathaus ein, um nach der gestern Nacht stattgefundenen Hofburg-Redoute gewissermaßen eine Rathaus-Matinee zu geben. Auf Einladung von Bürgermeister Marek waren die Gäste und Karnevalsgruppen, die an der von der Wiener Faschingsgesellschaft veranstalteten Hofburg-Redoute "100 Jahre "'An der schönen blauen Donau'" teilgenommen hatten, ins Wiener Rathaus gekommen, wo sie Ausschnitte aus ihrem vielbelachten nächtlichen Programm zeigten.

Damen in Gildeuniform

Empfang für die Internationale Faschingsgesellschaft

Strauß, Stolz und Marek halten Augustin-Figurine in den Händen

'Lieber Augustin 1967' an Franz-Josef Strauß, Robert Stolz, Bgm. Bruno Marek (v.li.n.re.)


Bürgermeister Marek dankte nochmals für die Verleihung des Faschingsordens "Lieber Augustin 1967", den ihm das Präsidium der Wiener Faschingsgesellschaft zuerkannt hatte. Zusammen mit dem Bonner Finanzminister Franz Josef Strauß und Wiens Operettenmeister Prof. Robert Stolz hatte Marek während der Hofburg-Redoute um Mitternacht den "Lieben Augustin" überreicht erhalten.

"Ritter wider den tierischen Ernst" beim "Ritter vom Lieben Augustin" - Der Bürgermeister von Maastricht bei Bürgermeister Marek

Der Bürgermeister der holländischen Stadt Maastricht, Baron Michiels van Kessenich, der als Ehrengast der gestrigen Hofburg-Redoute der Wiener Faschingsgesellschaft in Wien weilt, wurde heute von Bürgermeister Marek empfangen.

"Damit gab es im Wiener Rathaus gleichsam ein 'Rittertreffen', denn der holländische Gast ist Ritter des bundesdeutschen Faschingsordens 'Wider den tierischen Ernst'".

16.1.1967: UNESCO Kommission Wien-Niederösterreich gegründet

Vertreter der Kommission in Gespräch

UNESCO Kommission Wien-NÖ gegründet

Die Landesgruppe Wien und Niederösterreich der UNESCO sind in jüngster Zeit mit einer Ausstellung über modernen Schulbau im Österreichischen Bauzentrum an die Öffentlichkeit getreten, die nicht nur in Fachkreisen Aufsehen erregt hat. Auch die UNESCO-Zentralstelle in Paris hat diese hochinteressante Exposition gewürdigt.

Um die hier angebahnte Zusammenarbeit der Landesgruppen Wien und Niederösterreich zu intensivieren, beschloss man die Gründung einer gemeinsamen UNESCO-Kommission, in der Wien und Niederösterreich alternierend den Vorsitz führen werden.

Die Kommission wird wissenschaftliche Grundlagenforschung, speziell auf dem Sektor des Bildungswesens, betreiben und plant die Herausgabe einer Broschüre, welche die im Zusammenhang mit der Schulbausstellung gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst.

Die Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich, Bruno Marek und Andreas Maurer, werden das Ehrenpräsidium dieser Organisation übernehmen. Als Geschäftsführer fungiert Architekt Czernin.


18.1.1967: 90. Geburtstag von Michael Eisler-Terramare

Am 20. Jänner feiert der Pathologe Univ.-Prof. Dr. Michael Eisler-Terramare seinen 90. Geburtstag.

Er wurde in Wien geboren, wo er das Fachstudium absolvierte. Anschließend war er am Pathologisch-Anatomischen Institut und am Medizinisch-Chemischen Institut tätig. 1910 erfolgte seine Habilitierung. Seit 1916 war er Professor für allgemeine und experimentelle Pathologie. In der Folge wurde er auch Direktor des Serotherapeutischen Instituts, wo er bis weit über die Emeritierung hinaus wirkte. Eisler-Terramare ist auf dem Gebiet der Serologie und Serotherapie ein international anerkannter Fachmann. Aus seiner Feder stammen mehr als hundert wissenschaftliche Arbeiten. Das Serotherapeutische Institut verdankt im seine moderne Organisation.

19.1.1967: "Wiens Bürgermeister glaubt jetzt an Hexen...... Vier von ihnen luden ihn zum Secessionsgschnasfest ein...."

Marek mit Besen; junge Dame in Hexenkostüm

'Hexen' bei Bürgermeister Marek

"Von nun an glaube ich an Hexen!" rief heute Bürgermeister Bruno Marek spontan aus, als ihn vier Vertreterinnen dieser alten Zunft begrüßten. Die "vier Hexerln" hatten sich bei Marek im Rathaus eingefunden um ihm eine Ehreneinladung für die von den drei Akademien in der Wiener Secession veranstalteten Gschnasfeste unter dem Motto "Hexendiminuendo" zu überreichen. Gleichzeitig drückten sie dem überraschten Bürgermeister auch eines ihrer berühmten Attribute in die Hand: einen großen Besen, der jedoch nicht als Verkehrsmittel gedacht war, sondern, wie die Hexen versicherten, alle Sorgen im heurigen Jahr wegkehren soll.

Bei dem anschließenden "Hexengespräch" entpuppten sich die vier Hexen als Studentinnen der Hochschule für angewandte Kunst, die sich als "Hexenmeister" den Vorsitzenden der Hochschülerschaft der Musikakademie, Herrn Hermann Patzalt, mitgebracht hatten. Der "Hexenmeister" stellte dann dem Bürgermeister seine "Garde" vor:

"Ein großzügiges Dekollete am flammend roten Kleid kennzeichnete die 'Sexhexe', mit einem großen Silbermonokel war die 'Behexe' ausgestattet, eine riesige schwarze Spinne trug die 'Drexhexe' auf dem Kopf und ganz in Silber mit Silberhelm präsentierte sich die 'Exhexe' als "Venusberg" des Jahres 2000.


20.1.1967: Aus dem Wiener Landtag

Portrait Maria Hlawka

GR Maria Hlawka


23.1.1967: Deinleingasse im 22. Bezirk

In der heutigen Sitzung des Wiener Landtages wurde die Landtagsabgeordnete Maria Hlawka (SPÖ) zum 3. Präsidenten des Wiener Landtages gewählt.

Im 22. Bezirk wird eine Verkehrsfläche, die von der künftigen Schnellstraße zur Gotramgasse führt, in "Deinleingasse" benannt.

Im Jahre 1885 kam der spätere Ministerialrat Dipl.-Ing. R. Deinlein im nahen Bahnhofsgebäude Stadlau zur Welt. Deinlein, der 1945 starb, ist der Begründer des Österreichischen Verkehrsbüros und der Österreichischen Verkehrswerbung. Er verteidigte den österreichischen Fremdenverkehr gegen die vom dritten Reich in der Auseinandersetzung mit Österreich verhängte 1000-Mark-Sperre.

27.1.1967: Erstes Benzinauto der Welt mit Vorderradantrieb entstand in der Nußdorfer Straße - Ausstellung im Heimatmuseum Alsergrund " Oldtimer 1800 bis 1918"

Es dürfte wenig bekannt sein, dass der 9. Bezirk Ausgangspunkt großer Pionierleistungen für die Motorisierungswelle unserer Zeit war. So bauten z.B. die Gebrüder Gräf in ihrer Werkstatt in der Nußdorfer Straße in den Jahren 1895 bis 1897 das erste Benzinauto der Welt mit Vorderradantrieb. Und die Elektromobile, die Ferdinand Porsche bei der Firma Lohner im 9. Bezirk anfertigte, waren die Sensation des Pariser Automobilsalons im Jahr 1900.

Viel Interessantes über die Entwicklung des Wiener Wagenbaus ist derzeit in einer Ausstellung im Heimatmuseum Alsergrund "Oldtimer 1800 bis 1918" zu sehen.

Die Roßau war im 19. Jahrhundert ein Zentrum des Wiener Wagenbaus. Mehr als ein Drittel aller Wiener Wagenbauer hatte in diesem Bezirk die Werkstätten. Kraftfahrzeuge, Feuerwehr- und Rettungswagen wurden hier gebaut, ja sogar Land- und Wasserflugzeuge, nachdem Lohner bereits 1909 die Erzeugung eines Doppeldecker-Gleitfliegers aufgenommen hatte.

30.1.1967: Slavik und Schmitz einig: UNIDO auf Wiener Boden

"Nach intensiven Verhandlungen zwischen dem Bundesministerium für Finanzen mit den Bundesländern Wien und Niederösterreich, einigten sich Finanzminister Dr. Schmitz und Vizebürgermeister Slavik über die Schaffung eines internationalen Konferenzzentrums im Zusammenhang mit der Errichtung von Amtssitzen für die UNIDO (Organisation für industrielle Entwicklung) und für die IAEO (Internationale Atomenergieorganisation).

Zwischen dem Bund und der Gemeinde Wien konnte in folgenden Punkten Übereinstimmung erzielt werden: Das vom Bund geplante internationale Konferenzzentrum wird im Bereich der Gemeinde Wien errichtet. Die Gemeinde Wien erklärt sich im Hinblick auf die Bedeutung dieses Vorhabens für die Bundeshauptstadt bereit, für die Errichtung der so genannten UNO-City einen wesentlichen Beitrag zu leisten.

Bei der Planung und Durchführung des Vorhabens wird die Republik mit der Gemeinde zusammenarbeiten. Die für die Planung und Durchführung des Projektes notwendigen Arbeiten werden nach Durchführung eines Wettbewerbes öffentlich ausgeschrieben.

Die Gemeinde Wien wird außer der Grundbereitstellung 35 Prozent der Kosten übernehmen. Die Planung des künftigen internationalen Konferenzzentrums wird so erfolgen, dass dadurch die Voraussetzungen für die Etablierung weiterer internationaler Organisationen in Wien gegeben sind. Im Interesse einer zielführenden Zusammenarbeit wird ein ständiges Komitee zwischen Bund und Gemeinde Wien eingesetzt.

Finanzminister Dr. Schmitz und Vizebürgermeister Slavik betonten nach der Sitzung übereinstimmend, dass diese Einigung die Voraussetzung dafür sei, die Bedeutung Wiens als internationale Konferenzstadt weiter zu verstärken und die Bemühungen Österreichs zu erleichtern, noch weitere internationale Organisationen nach Wien zu bringen."

Das Zentrum für Internationale Organisationen soll zwischen Kagraner Straße und Donaupark errichtet werden, wobei Erweiterungsmöglichkeiten gegeben sind. Voraussichtliche Kosten: 500 bis 550 Millionen Schilling.

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