Wien 1967: Berichte vom August 1967

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.8.1967: 70. Geburtstag von Friedrich Wessely

Am 3. August feiert der Chemiker Univ.-Prof. Dr. Friedrich Wessely seinen 70. Geburtstag.

Er wurde in Kirchberg am Wagram (Niederösterreich) geboren und absolvierte die Fachstudien an der Wiener Universität, wo er sich 1929 habilitierte. 1948 übernahm er die Leitung des II. Chemischen Instituts, das durch ihn ein Schwerpunkt der Lehre und Forschung auf dem Gesamtgebiet der organischen Chemie wurde. Sein spezielles Arbeitsgebiet ist die organische Chemie unter besonderer Berücksichtigung der Naturstoffchemie. Von ihm stammen mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten. Wessely ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und zahlreicher ausländischer Gesellschaften, darunter der Akademie von New York, Bologna und der Deutschen Akademie in Halle. Weiters ist er Mitherausgeber der "Monatshefte für Chemie" und gehört dem österreichischen Patentgerichtshof an.

3.8.1967: Camping-Rallye im Wiener Rathaus

Camping Platz

Camping-Rallye

360 Delegierte der 28. Internationalen FICC-Rallye 1967 wurden von Vizebürgermeister Slavik im Rathaus empfangen. Die Federation Internationale de Camping & de Caravanning (FICC) ist der Dachverband aller Camping- und Wohnwagenklubs. Sie veranstaltet jährlich eine große Sternfahrt für ihre Mitglieder.

Als Ziel der heurigen Rallye wurde der Campingplatz beim Erholungszentrum Schloss Laxenburg gewählt, auf dem in diesen Tagen 2.100 Gäste aus Europa und den USA in 720 Zelten und Wohnwagen ihr Lager aufgeschlagen haben. Mehr als 50 Prozent der Teilnehmer kommen aus Großbritannien.


3.8.1967: Japanische "Wandervögel" zu Gast in Wien - Sie werben für die "EXPO 1970" in Osaka

Fünf junge Japaner der "Wandervogel"-Society an der Universität in Osaka waren heute zu Gast im Wiener Rathaus. Drei Gruppen von "Wandervögeln" aus Japan bereisen derzeit Europa. Die Studenten überbrachten einen persönlichen Brief des Bürgermeisters von Osaka an Bürgermeister Marek und luden mit der Übergabe eines Plakates die Jugend Österreichs ein, anlässlich der "EXPO 70", der nächsten Weltausstellung, die in Osaka stattfinden wird, nach Japan zu kommen.

8.8.1967: Jetzt auch amtlich: Ober-Laaer Quelle als Heilquelle bestätigt

Nun ist es auch amtlich: Die Ober-Laaer Quelle wurde heute von der Wiener Landesregierung auf Antrag von Stadtrat Dr. Otto Glück von Amts wegen als Heilquelle anerkannt. Nun wird gemeinsam mit anderen Interessenten über die zukünftige Nutzung der Quelle und die Errichtung eines Kurzentrums beraten. (siehe auch Wien im Rückblick 1.1.1965 und 1. 9.1965).

9.8.1967: Sichtbare Erfolge der Gasentgiftung. Zahl der Gasunfälle jetzt schon um die Hälfte geringer

Die Gasentgiftungsanlagen in den städtischen Gaswerken in Leopoldau und in Simmering haben bereits zu einem bemerkenswerten Rückgang der Zahl der Leuchtgasunfälle geführt. Dabei wird die Gasentgiftung erst im Winter voll wirksam werden; dann wird der Kohlenmonoxydgehalt nur mehr bei drei Prozent liegen. Derzeit enthält das Wiener Stadtgas noch 3,5 bis 4,5 Prozent CO. Im Jahr 1965 waren es noch zehn Prozent, und damals gab es in der Zeit vom Jänner bis Ende Juli 434 Gasunfälle, 1966 im gleichen Zeitraum sank diese Zahl bereits auf 306 und heuer waren es nur mehr 232 Unfälle.

10.8.1967: Neuer Leiter des Krebsforschungsinstitutes bei Bürgermeister Marek

Portrait Heinrich Wrba

Univ.-Prof. Dr. Heinrich Wrba

Der aus Deutschland als Ordinarius an der Medizinischen Fakultät und als Leiter des Krebsforschungsinstitutes der Universität Wien berufene Univ.-Prof. DDr. Heinrich Wrba absolvierte heute bei Bürgermeister Marek seinen Antrittsbesuch.

Der in Fachkreisen als namhafter Krebsforscher bekannte Wissenschaftler ist sowohl Biologe als auch Mediziner. Wrba betonte, er habe der Berufung nach Wien nicht zuletzt deshalb Folge geleistet, weil Wien für die Krebsforschung außerordentlich viel investiert. Unter anderem hat die Gemeinde Wien ein Grundstück in der Borschkegasse zur Verfügung gestellt, auf dem das Krebsforschungsinstitut errichtet wurde.

Bürgermeister Marek teilte die Ansicht von Prof. Wrba, dass auch ein kleines Land wie Österreich Beiträge zur weltweiten Krebsforschung leisten müsse.


10.8.1967: Thailändische Prinzessin besuchte Wiener Kindergarten

Prinzessin spielt mit Kindern

Prinzessin Mom Dusdee Boreephat zu Besuch im Kindergarten

Die thailändische Prinzessin Mom Dusdee Boreephat besuchte heute den städtischen Kindergarten in der Rinnböckstraße in Simmering, wo sie von StR. Heller begrüßt wurde.

Prinzessin Mom Dusdee erwies sich als sehr sachkundige Besucherin; sie ist Absolventin einer Lehrerbildungsanstalt, Präsidentin des Vorschulerziehungswesens in Thailand und kennt sich mit Kindergärten sehr gut aus, da sie selbst einen Muster-Kindergarten in Bangkok leitet. Besonderes Interesse fand sie an den hölzernen Spielgeräten. Die Stadt Wien wird eine Auswahl von Wiener Spielzeug nach Bangkok schicken.


10.8.1967: Theater an der Wien legt Abonnement auf

Erstmals wird das Theater an der Wien in der Spielzeit 1967/68 ein Abonnement auflegen. Beinhalten wird es Karten für folgende Veranstaltungen:

  • "Nicht zuhören, meine Damen" mit Hans-Joachim Kulenkampff;
  • "Das Land des Lächelns" mit Giuseppe di Stefano;
  • "Der Verschwender" mit Bruno Dallansky;
  • "Don Quixote" mit Josef Meinrad;
  • "Can-Can" mit Vico Torriani und
  • einen Ballettabend.

11.8.1967: Wien kauft Spezialgerät für U-Bahn-Vermessung

Die Stadt Wien beschloss den Ankauf eines elektro-optischen Entfernungsmessgerätes, das vor allem bei den Vorarbeiten für die U-Bahn eingesetzt werden wird. Das "Geodimeter" genannte Gerät ist ein schwedisches Erzeugnis und kostet rund 300.000 Schilling.

Die U-Bahn-Planung setzt eine exakte Bestimmung aller sogenannten Zwangspunkte und eine genaue Trassenberechnung voraus. Selbst verhältnismäßig kleine Abweichungen würden die Linienführung der U-Bahn und damit ihren wirtschaftlichen Betrieb sehr nachteilig beeinflussen. Außerdem sind die Baukosten um so kleiner, je knapper die Tunnels dimensioniert werden können. Dies stellt aber besondere Anforderungen an die Genauigkeit der Vermessung.

Der "Geodimeter" gewährleistet nicht nur die notwendige Präzision, sondern arbeitet auch dreimal so schnell wie bei konventionellen Vermessungsmethoden. Das Gerät wurde bereits von einer privaten Firma beim Bau des Schneealpenstollens für die Überleitung der "Sieben Quellen" erprobt, und auch das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, die Technische Hochschule Graz, die Hochschule für Bodenkultur Wien und die Tauernkraftwerke arbeiten damit schon seit einiger Zeit zur vollsten Zufriedenheit.

11.8.1967: Persischer E-Werks-Präsident zu Gast bei Bürgermeister Marek

Sharestani begrüßt Marek

Prof. Dipl.-Ing. Sharestani (links) bei Bürgermeister Marek

Der Präsident der Wasser- und Elektrizitätsversorgung der Provinz Khorasan in Persien, Prof. Dipl.-Ing. Sharestani, besuchte heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus.

Präsident Sharestani, der derzeit an der Universität Meshed Physik lehrt, war bis zum vorigen Jahr Bürgermeister der persischen 280.000 Einwohnerstadt Meshed. Damals errang die Simmering-Graz-Pauker-AG, gegen schwerste internationale Konkurrenz, den Auftrag für die Errichtung eines kalorischen Kraftwerkes in dieser Stadt. Prof. Sharestani kam nun als Gast der S.G.P. nach Österreich, um sich vom Fortschritt bei der Fertigstellung der Anlagenteile für das Kraftwerk zu überzeugen.


12.8.1967: Fernwärmewerk Spittelau wird "Pfahlbau"

Die Fundierungsarbeiten für das Fernwärmewerk an der Spittelauer Lände, das das neue Allgemeine Krankenhaus mit Wärme versorgen soll, sind nicht einfach. Der unregelmäßige Baugrund und der hohe Druck der geplanten stählernern Hallenkonstruktion des mittleren Bauloses erfordern eine Pfahlfundierung. Insgesamt müssen für dieses Baulos rund 8.000 Meter Beton-Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 Zentimeter hergestellt werden. Allein die Herstellung dieser großdimensionalen Bohrpfähle kosten 6,2 Millionen Schilling.

16.8.1967: Wehrturm auf dem Leopoldsberg wird repariert

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ältere Mauerreste auf dem stadtseitigen Hang des Leopoldsberges als "Heimkehrerdenkmal" ausgebaut. Der darunter befindliche "Wehrturm" wurde als kleines Ausstellungslokal hergerichtet. Für nötige Ausbesserungsarbeiten wurden nun 80.000 Schilling bewilligt. Das ganze Objekt ist Besitz der Stadt Wien; der kleine Ausstellungsraum ist an den Kahlenbergverein vermietet.

(Das Heimkehrer-Gedächtnismal ist ein Erinnerungsmal für Heimkehrer des 2. Weltkrieges, zu dem am 4.8.1948 der Grundstein gelegt wurde. Das Gedächtnismal wurde von Mario Petrucci geschaffen und am 12.9.1948 enthüllt. Redaktion)

21.8.1967: "Schmutzfink"-Plakat der Wiener Stadtreinigung preisgekrönt

Das von der Stadt Wien im Interesse der Reinhaltung unserer Strassen und Plätze affichierte "Schmutzfink"-Plakat mit dem Text "Unsere Bitte: Halte Deine Stadt rein" wurde als bestes Plakat der 1. Jahreshälfte prämiiert.

31.8.1967: Diplomatenbesuch im Rathaus

Spuy und Marek in Gespräch

Botschafter Johannes Petrus van der Spuy bei Bürgermeister Marek

Der seit kurzem in Wien akkreditierte Botschafter der Südafrikanischen Union, Johannes Petrus van der Spuy, stattete heute Bürgermeister Bruno Marek einen Antrittsbesuch ab.


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