Wien 1967: Berichte vom April 1967

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.4.1967: Budapest grüßt Wien - Ein Spaziergang durch Budapest im Wiener Rathaus

Marek bewundert Exponat

Eröffnung der Budapest-Ausstellung im Wiener Rathaus durch Bürgermeister Marek

Besucherinnen vor Exponat

Städtebau Ausstellung Budapest in der Volkshalle im Rathaus


In der Volkshalle des Wiener Rathauses wurde heute die große Budapest-Ausstellung eröffnet, mit der sich die ungarische Hauptstadt für eine im Vorjahr in Budapest durchgeführte Wien-Ausstellung revanchiert.

Zur Ausstellungseröffnung kamen aus Budapest der Oberbürgermeister Istvan Sarlos und die Vizebürgermeister Jajos Kelemen und Janos Hantos angereist und wurden von Bürgermeister Marek begrüßt.

Marek betonte in seiner Begrüßungsrede die gemeinsame historische Entwicklung, die jahrhundertelange geschichtliche Verbundenheit und die Freundschaft zwischen Budapest und Wien. Marek würdigte auch die großartigen Aufbauleistungen der ungarischen Hauptstadt.

Auch Bundespräsident Franz Jonas ließ sich von den ungarischen Hostessen die Ausstellung erläutern.

5.4.1967: Schweizer Ständchen im Rathaus

Schweizer Musiker mit Alphorn

Schweizer Ständchen

Eine Sing- und Spielgruppe aus dem eidgenössischen Toggenburg brachten heute im Wiener Rathaus den Mitgliedern der Stadtregierung ein "alpenländisches" Ständchen.


6.4.1967: Filmdokumente über Wotruba und Wessely

Das Kulturamt der Stadt Wien geht unter die "Filmproduzenten". Über bedeutende Persönlichkeiten des Wiener Kulturlebens werden 20-Minuten-Filme gedreht. Es ist beabsichtigt eine dokumentarische "Filmothek" anzulegen. Zunächst sollen Kurzfilme über Fritz Wotruba, Gottfried von Einem, Käthe Gold und Paula Wessely hergestellt werden. Für einige Filmvorhaben wurden insgesamt 1,5 Millionen Schilling bereitgestellt:

  • Farbfilm über Johann Strauß und seinen Donauwalzer
  • Farbfilm über den Wienerwald, bei dem die Probleme des großstädtischen Erholungsgebietes behandelt werden
  • ein 40-Minuten-Streifen "Schrittmacher des Lebens" beschäftigt sich mit den medizinischen Einrichtungen der Wiener Spitäler
  • für die Beteiligung an den Farbabschnitten der Austria-Wochenschau sind schließlich die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften 1967, die Max Beckmann-Ausstellung, die Eishockey-Weltmeisterschaft, das Wiener Verkehrskonzept, ein Floridsdorfer Stadtporträt anlässlich der Eröffnung des Hallenbades, der Weihnachtsbaum für Wien, die Festwochen und andere kleine Themen vorgesehen.

7.4.1967: Adaptierungsarbeiten für das AKH

Der Spitzenausschuss für den Neubau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses hat im Zusammenhang mit der Durchführung der Neubauten auch eine Reihe von Adaptierungsarbeiten beschlossen, die zur Weiterführung des klinischen Betriebes bis zur Fertigstellung der neuen Anlage notwendig sind. Die Adaptierungsarbeiten an II. Universitäts-Frauenklinik und an der Hals-Nasen-Ohrenklinik werden insgesamt 5,5 Millionen Schilling kosten, die Hälfte dieses Betrages wird von der Stadt Wien bestritten.

10.4.1967: Flakkaserne am Küniglberg wird Fernsehstudio - Garantie für den Schutz des Landschaftsbildes

Der Gebäudekomplex der im Juni 1938 errichteten Flakkaserne am Küniglberg, deren Besitzverhältnisse lang umstritten waren, soll nun der Österreichischen Rundfunk Ges.m.b.H.. zur Errichtung von Fernsehstudios übertragen werden. Der zuständige Gemeinderatsausschuss war schon mit den diesbezüglichen Vertragsentwürfen befasst, die nun noch an den Wiener Gemeinderat zugeleitet werden.

In den Verhandlungen ging es der Stadt Wien vor allem darum, den Küniglberg vor einer städtebaulich unerwünschten Bebauung zu schützen. Ursprünglich wollte das Verteidigungsministerium den Kasernenkomplex als Radarstation ausbauen. Aus Gründen des Landschaftsschutzes wurde aber die Errichtung einer zentralen, modernen Fernsehstudioanlage - für die keine so großen Gebäudehöhen notwendig sind, wie für eine Radarstation - befürwortet.

Die deutsche Wehrmacht hat seinerzeit mit der Erbauung der Kaserne begonnen, bevor noch die Verkaufsverhandlungen für das gemeindeeigene Grundstück abgeschlossen waren. Es ist auch in der Folgezeit nie mehr zu einem rechtsgültigen Kaufvertrag gekommen, sondern nur zu einer Akkontozahlung von 250.000 Reichsmark an die Gemeinde Wien. Dies entsprach dem Kaufpreis für die bebauten Teile des Areals, die unbebaut belassenen Parzellen blieben nach wie vor im Besitz der Stadt Wien. Nach langwierigen Verhandlungen mit den zuständigen Bundesdienststellen hat man sich darauf geeinigt, die Eigentumsrechte an den 72.086 Quadratmeter umfassenden verbauten Flächen ohne weiteres Entgelt der Österreichischen Rundfunk Ges.m.b.H. zu übertragen, während die unbebauten Grundstücksteile vom Bund nicht beansprucht, durch die Stadt Wien gärtnerisch ausgestaltet und in den Landschaftspark Küniglberg einbezogen werden.

Die Österreichische Rundfunk Ges.m.b.H. erhält dadurch die Möglichkeit, ihre derzeit sehr unrationell über mehrere Bezirke verstreuten Fernsehabteilungen hier zu konzentrieren. Die Kaserne soll nach und nach abgetragen werden. Die Rundfunkgesellschaft hat für die Absiedlung von Gewerbebetrieben im westlichen Kasernenflügel bereits zehn Millionen Schilling aufgewendet, sodass dieser Trakt bereits heuer abgetragen werden kann. Der Ostflügel bleibt einstweilen noch zur provisorischen Unterbringung einiger Fernsehabteilungen stehen.

Architekten-Wettbewerb für neues Fernsehstudio

Für den Neubau der zentralen Fernsehstudioanlagen soll ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Die Rundfunkgesellschaft hat der Stadt Wien vertraglich ein Mitspracherecht bei der Auswahl des zu verwirklichenden Projektes eingeräumt. Sie hat sich ausdrücklich verpflichtet, bei dem Neubau die Bestimmungen des inzwischen vom Gemeinderat für dieses Gebiet beschlossenen Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes einzuhalten.

11.4.1967: Teilnehmer an Swiss-Air-Eröffnungsflug im Rathaus

Anlässlich des Eröffnungsfluges der direkten Linie Basel-Zürich-Wien der Swiss Air gab die Stadt Wien heute einen Empfang für die Teilnehmer an diesem Erstlingsflug.

12.4.1967: 70. Geburtstag von Johannes Kretz

Portrait Johannes Kretz

Prim. Dr. Johannes Kretz

Der bekannte Internist und Krebsforscher Prim. Dr. Johannes Kretz feiert seinen 70. Geburtstag.

Kretz wurde in Wien geboren, absolvierte hier auch sein Studium und seine Ausbildung zum Facharzt für innere Medizin. Von 1930 bis 1938 war er Direktor des Allgemeinen Krankenhauses in Linz. 1952 wurde er von der Stadt Wien in das Gesundheitsamt berufen. Dr. Kretz hat sich vor allem um die Erforschung der Krebskrankheit und um deren Verhütung besondere Verdienste erworben. Bereits bei der Neugründung der Österreichischen Krebsgesellschaft erfolgte seine Wahl in deren Vorstand.


13.4.1967: U-Bahn: Die Geometer haben das Wort - 4,5 Millionen Schilling für ober- und unterirdische Vermessungsarbeiten

Umfangreiche Vermessungsarbeiten müssen dem Baubeginn der Wiener U-Bahn vorangehen. Für diese Arbeiten wurden heute 4,5 Millionen Schilling bereitgestellt.

Im Zusammenhang mit den U-Bahn-Plänen steht auch die Absicht, die geologische Bundesanstalt mit der Erstellung einer neuen geotechnischen Karte der Wiener Innenstadt zu betrauen. Das Stadtbauamt wird aus seinen Archiven dazu Baugrundprofile, Bodenproben und bodenmechanische Untersuchungsergebnisse bereitstellen.

13.4.1967: 65. Geburtstag von Leopold Breitenecker

Portrait Leopold Breitenecker

Univ.-Prof. Dr. Leopold Breitenecker

Am 14. April begeht der Gerichtsmediziner Sektionschef a.D. Univ.-Prof. Dr. Leopold Breitenecker den 65. Geburtstag.

Er wurde in Wien geboren, wo er das Fachstudium absolvierte und sich 1939 an der Universität habilitierte. 1956 erfolgte seine Bestellung zum Leiter des Volksgesundheitsamtes im Bundesministerium für soziale Verwaltung. Seit spezielles Forschungsgebiet ist gerichtliche, soziale und Arbeitsmedizin. Von ihm stammen mehr als 50 Arbeiten auf dem Gebiete der Pathologie des plötzlichen Todes, des gewaltsamen Todes, der Kohlenoxyd- und Alkoholintoxikation, der ärztlichen Kunstfehler, der Silikose, der ärztlichen Fortbildung sowie zahlreiche medizinhistorische Artikel. Breitenecker ist Herausgeber der "Beiträge zur gerichtlichen Medizin", Mitherausgeber der "Deutschen Zeitschrift für gerichtliche und soziale Medizin", Mitglied des Obersten Sanitätsrates, des Wiener Landessanitätsrates, der internationalen Akademie für gerichtliche und soziale Medizin, der österreichischen Studiengesellschaft für Atomenergie und Mitarbeiter Internationaler Organisationen. Auf Vorschlag des UNO-Generalsekretariats wurde er 1961 in den Kongo berufen, als dort Rotkreuzangehörige ermordet wurden. Prof. Breitenecker ist Träger zahlreicher Auszeichnungen.


(Prof. Breitenecker starb am 22. November 1981 in Wien. Redaktion)

13.4.1967: Eröffnung der Viennale 1967 in der Wiener Urania

Bundespräsident Franz Jonas und Bürgermeister Bruno Marek eröffneten heute die "Viennale 1967".

Auf dem Programm der Eröffnungsvorstellung standen ein hervorragender englischer Zeichentrickfilm "Palm Court Orchestra", der viel Beifall fand und die italienische Filmkomödie: "Sind Sie dafür oder dagegen?" mit Alberto Sordi, Anita Ekberg, Silvana Mangano und Giulietta Masina in den Hauptrollen.

17.4.1967: 20.000 sahen die Budapest-Ausstellung

Fast 20.000 Besucher konnten bei der Budapest-Ausstellung gezählt werden. Die Ausstellung war in der Volkshalle des Wiener Rathauses zu sehen. Die nächste Städteausstellung in der Volkshalle wird Nürnberg zur Verfügung stellen.

18.4.1967: Besuch des tunesischen Botschafters

Der tunesische Botschafter in Bern, Zouhir Chelli, zu dessen Amtsbereich auch Österreich gehört, besuchte heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus.

19.4.1967: Schweizer Staatsbesuch im Rathaus

Portrait Willi Spühler

Schweizer Außenminister Dr. Willi Spühler

Der Schweizer Bundesrat, Dr. Willi Spühler, besuchte heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus. Dr. Spühler, der in seiner Heimat die Funktion eines Außenministers ausübt, kam in Begleitung seiner Gattin und des Schweizer Botschafters in Österreich, Dr. P. Micheli.

Bürgermeister Marek dankte in seiner Begrüßungsansprache Dr. Spühler für die große Hilfe seines Landes - die Hilfe in den Kriegsjahren, in denen die Schweiz zur rettenden Zuflucht für viele bedeutende Geister Österreichs wurde. In der Notzeit nach 1945 haben die Schweizer Lebensmittelspenden vielen über das Ärgste hinweggeholfen und zahlreiche österreichische Kinder fanden in der Schweiz die dringend benötigte Erholung.

Auch die erste Kulturausstellung, die es in Wien nach dem Krieg gab, kam aus der Schweiz und war dem Schaffen Obrichts gewidmet.

Bundesrat Dr. Spühler trug sich in das Goldene Buch der Stadt Wien ein.


26.4.1967: Favoriten hat einen neuen Groß-Sportplatz

Bürgermeister Marek eröffnete heute eine Groß-Sportanlage in Wien 10, Nothnagelplatz.

Der neue Groß-Sportplatz wurde anstelle von drei kleineren Bezirkssportanlagen, die aus städtebaulichen Gründen aufgelassen werden mussten geschaffen. Er umfasst 59.000 Quadratmeter. In der Anlage stehen ein Hauptspielfeld (70 x 100 Meter) mit insgesamt 400 Meter Laufbahnen, davon sechs Rundbahnen und acht geraden Bahnen, ferner ein Trainingsfeld, ein Platz für Basket- und Volleyball, ein Faustballspielfeld, eine Gymnastikwiese und acht Tennisplätze zur Verfügung. Spezialanlagen für Hochsprung, Stabhochsprung, Weitsprung, Dreisprung, Speerwurf, Diskuswurf, Kugelstoßen und eine 3.000 Meter Hindernisbahn sind vorhanden.

27.4.1967: Wien setzt dem "Vater des Vaterlandes" ein Denkmal

Kreisky und Festgäste im Rathauspark

Dr. Bruno Kreisky bei Enthüllung des Renner-Denkmals

Marek zieht Tuch von Renner-Büste

Enthüllung Renner-Denkmal durch Bürgermeister Marek


In Anwesenheit von Bundespräsident Franz Jonas, des 1. Präsidenten des Nationalrates Dr. Alfred Maleta, Bundeskanzler Dr. Klaus und zahlreichen Ehrengästen wurde heute das Dr. Karl-Renner-Denkmal im Rathauspark, Ecke Ring-Stadiongasse, feierlich enthüllt.

Der Grundstein zum Dr. Karl Renner-Denkmal wurde am 20. Jahrestag der Gründung der Zweiten Republik, am 27. April 1965, gelegt. Das Monument wurde nach einem Entwurf von Dipl.-Ing. Architekt Josef Krawina gestaltet. Im Zentrum eines Steinpodiums, das von einer Stufenanlage umgeben ist, steht ein Steinpostament mit dem Porträtkopf Dr. Renners.

Dieser wurde vom akademischen Bildhauer Alfred Hrdlicka geschaffen. Der 80 Zentimeter hohe Kopf ist ein Stahlguss, ausgeführt von der Firma Schoeller-Bleckmann. Auch die sechs Meter hohe Stahlrahmenkonstruktion stammt von dieser Firma. Die Steinteile des Monuments sind aus grünem Labrador.

28.4.1967: Dachgleichenfeier für neue Zentralwäscherei

Die Dachgleichenfeier für die neue Zentralwäscherei der Stadt Wien (14, Steinbruchstraße) wurde heute begangen.

Die Zentralwäscherei sorgt für die Reinigung des überwiegenden Teiles der stadteigenen Wäsche aus Krankenhäusern, Erziehungs- und Altersheimen, Kindergärten, Betrieben und verschiedenen anderen Wohlfahrtseinrichtungen.

29.4.1967: Die neuen Preisträger für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung der Stadt Wien

Die Stadt Wien hat mit Gemeinderatsbeschluss vom 19. Juni 1947 alljährlich zu vergebende Preise für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung gestiftet. Die Verleihung erfolgt als Anerkennung für ein Lebenswerk oder ein einzelnes Werk, das geeignet ist, die Bedeutung Wiens und Österreichs als Pflegestätten der Kunst, Wissenschaft und Volksbildung hervorzuheben. Die heurigen Preisträger sind:

Portrait Albert Paris Gütersloh

Dichtkunst: Prof. Albert Paris Gütersloh

Portrait Alfred Magaziner

Publizistik: Redakteur Alfred Magaziner

Portrait Otto Siegl

Musik: Prof. Otto Siegl

Portrait Gustav Hessing

Malerei: Prof. Gustav Hessing

Portrait Alfred Hrdlicka

Bildhauerei: Alfred Hrdlicka

Portrait Fritz Riedl

Kunst: Fritz Riedl

Portrait Eugen Wachberger

Architektur: Prof. Arch. Eugen Wachberger

Portrait Alfred Verdroß-Droßberg

Geisteswissenschaft: Univ.Prof. Dr. Alfred Verdroß-Droßberg

Portrait Marietta Blau

Naturwissenschaften: Prof. Dr. Marietta Blau

Portrait Hans Pemmer

Volksbildung: Prof. Hans Pemmer


  • Für Dichtkunst: Prof. Albert Paris Gütersloh
  • Für Publizistik: Redakteur Alfred Magaziner
  • Für Musik: Prof. Otto Siegl
  • Für Malerei: a.o. Hochschulprof. Gustav Hessing
  • Für Bildhauerei: akademischer Bildhauer Alfred Hrdlicka
  • Für Angewandte Kunst: akademischer Maler Fritz Riedl
  • Für Architektur: a.o. Prof. Architekt Eugen Wachberger
  • Für Geisteswissenschaften: emer. Univ.-Prof. Dr. Alfred Verdroß-Droßberg
  • Für Naturwissenschaften: Prof. Dr. Marietta Blau
  • Für Volksbildung: Prof. Hans Pemmer
Verantwortlich für diese Seite:
Rathauskorrespondenz (Magistratsabteilung 53)
Kontaktformular