Wien 1966: Berichte vom März 1966

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.3.1966: Wertvolle Brahms-Sammlung der Wiener Stadtbibliothek geschenkt

Die Wiener Stadtbibliothek kam durch eine großzügige Schenkung in den Besitz einer umfangreichen Brahms-Sammlung, die für die Brahmsforschung und die Musikgeschichte sehr wertvoll sein wird. Die darin enthaltenen Briefe, Partituren und Erinnerungsstücke werden zweifellos neue interessante Aufschlüsse über den Menschen und Komponisten Johannes Brahms geben.

Der Spender dieser Sammlung ist Hofrat Ing. Leo Truxa, dessen Mutter, Celestine Truxa, Johannes Brahms in den letzten zehn Jahren seines Lebens, von 1887 bis 1897, die Wirtschaft geführt hat. Von ihr hat Hofrat Truxa, der 13 Jahre alt war, als Brahms starb, die Sammlung geerbt.

2.3.1966: Bürgermeister Marek eröffnet Gesellenheim der Stadt Wien

Bürgermeister Bruno Marek eröffnete heute das, in einer Bauzeit von 23 Monaten und mit einem Kostenaufwand von 7,450.000 Schilling, errichtete Gesellenheim der Stadt Wien im 10. Bezirk (Favoriten), Zohmanngasse 28. Damit erhält das bereits bestehende Gesellinnenheim in Meidling sozusagen ein "männliches Pendant ". Diese beiden Institutionen sind für alle jene "Gesellen aus den Jugendheimen der Stadt Wien gedacht, die auch nach Beendigung ihrer Lehre kein geeignetes Zuhause haben. Sie sollen hier wie in einer Familie untergebracht sein und noch einige Zeit betreut werden."

3.3.1966: Antrittsbesuch des bulgarischen Botschafters

Stojanov und Marek in Gespräch

Bulgarischer Botschafter bei Bürgermeister Marek

Der neue bulgarische Botschafter in Wien, Dr. Luben Stojanov, stattete heute Bürgermeister Marek seinen Antrittsbesuch ab.


4.3.1966: Bundesrat Alfred Porges - neuer Direktor der Wiener Messe-AG

Portrait Alfred Porges

Direktor Alfred Porges

Der Aufsichtsrat der Wiener Messe-AG hat heute Bundesrat Alfred Porges, den bisherigen Prokuristen dieses Unternehmens, zum neuen Direktor der Wiener Messe bestellt.

Alfred Porges wurde am 16. März 1902 in Wien als Sohn eines Buchdruckers geboren. In Wien besuchte er auch die Schulen und absolvierte die Handelsakademie mit der Reifeprüfung. Er studierte außerdem an der Hochschule für Welthandel und an der Wiener Universität Staatswissenschaften.

Schon neben dem Studium hatte Porges verschiedene Stellungen in der Privatwirtschaft. Bereits 1919 trat er in die Sozialistische Partei ein und war 1932 bis 1934 Sekretär der Bezirksorganisation Fünfhaus sowie Mitglied der Bezirksvorstehung Mariahilf.

Im Jahr 1934 wurde er zweimal inhaftiert. In den Jahren danach bis Kriegsende war Porges Disponent einer Lebensmittelfirma. 1945 kandidierte er für den Nationalrat und wurde nach dem Tode von Vizebürgermeister Paul Speiser im Jahr 1947 Abgeordneter. Seit März 1953 ist er Mitglied des Bundesrates. Im November 1959 wurde er zum Vizepräsidenten des Freien Wirtschaftsverbandes Österreichs gewählt. Seit Oktober 1960 ist Porges Kammerrat der Landeskammer Wien der Gewerblichen Wirtschaft und Mitglied der Sektion Fremdenverkehr. Seit Mai 1946 war Porges der Leiter des Pressebüros der Messe; im April 1965 wurde er Prokurist der Wiener Messe-AG.


7.3.1966: Nationalratswahl 1966

Wiener Ergebnis der am 6. März 1966 stattgefundenen Nationalratswahl:

  • SPÖ: 49,4 Prozent
  • ÖVP: 37,9 Prozent
  • FPÖ: 4,0 Prozent
  • DFP: 7,0 Prozent

Wahlbeteilung: 90,1 Prozent

Österreich-Ergebnis:

  • SPÖ: 43,56 Prozent
  • ÖVP: 47,00 Prozent
  • FPÖ: 5,77 Prozent
  • DFP: 3,21 Prozent

Wahlbeteilung: 93,50 Prozent

8.3.1966: Vier neue Gassennamen in Aspern

In Aspern gibt es nunmehr eine Gerlichgasse, mit der an den Eisenbahnbauer und Techniker Rudolf Gerlich (1836 bis 1904) erinnert wird. Die neue Terzaghigasse gemahnt an Karl von Terzaghi (1883 bis 1963), der Professor an der Technischen Hochschule in Wien war und als Begründer der neuzeitlichen Bodenmechanik gilt. Auch die Czubagasse und die Machegasse sollen dem Gedenken an hervorragende Wissenschaftler dienen. Der Mathematiker Emanuel Czuba (1851 bis 1925) und der Physiker Heinrich Mache (1876 bis 1954) lehrten ebenfalls an der Wiener Technischen Hochschule.

9.3.1966: "Die süße Irma auf dem Naschmarkt"

Das Musical "Irma la Douce" (Buch: Alexandre Breffort, deutsche Fassung: Ivo Kohorte, Lied-Texte: Hanns Bernhardt) mit der Musik von Marguerite Monnot hat heute im Theater an Wien Premiere. Die Inszenierung erfolgte durch Direktor Rolf Kutschera. Es spielen und singen u.a.: Violetta Ferrari, Ernst Stankovski, Franco Steinberg und Erich Padalweski. Die Choreographie stammt von Willy Dirtl, es spielt das Orchester Johannes Fehring.

10.3.1966: Städtebaulicher Ideenwettbewerb für Karlsplatz-Gestaltung

Der Bauausschuss des Wiener Gemeinderates beschloss heute, einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Neugestaltung der Flächen zwischen der Karlskirche und dem Historischen Museum der Stadt Wien beziehungsweise für den Bereich vor der Karlskirche auszuschreiben.

11.3.1966: Rumänische Riesenhirsche im Lainzer Tiergarten

Hirsche in Gehege

Rumänisches Hochwild (Hirsche)

Dem Wiener Stadtforstamt ist es gelungen, wahre Prachtexemplare von Hirschen und Hirschkühen für den Lainzer Tiergarten zu bekommen. Es sind insgesamt neun Stück, die aus den weltberühmten Hochwildbeständen Rumäniens in den Karpaten stammen. Zum erstenmal hat Rumänien aus diesen Beständen, die als qualitativ wertvollstes Hochwild Europas gelten, einige Tiere für den Export freigegeben. Der Lainzer Tiergarten hat sie im Austausch gegen 27 Stück seiner nicht minder berühmten Mufflons erworben.


12.3.1966: Neue Straßennamen in Wien-Donaustadt

In Wien-Donaustadt wurde eine Straße, die von der Wagramer Straße zur Lorenz Kellner-Gasse führt, nach der Schauspielerin Ida Roland, "Rolandgasse" benannt. Ida Roland, die von 1881 bis 1951 lebte, hat sich als große Tragödin des Wiener Burgtheaters einen besonderen in der Wiener Geschichte erworben. Sie war mit Graf Coudenhove-Kalergi, dem Pionier des Europagedankens verheiratet. Sie musste deshalb nach Amerika flüchten, wo sie das österreichische Hilfswerk "American Relief to Austria" gründete und damit viele Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte.

15.3.1966: "Stadtrat Gertrude Sandner neuer Präsident der Wiener Symphoniker"

"Der Amtsführende Stadtrat für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung, Gertrude Sandner, wurde zum neuen Präsidenten des Vereines 'Wiener Symphoniker' gewählt."

17.3.1966: Film-Welturaufführung in Wien. Starparade im Rathaus - Galapremiere im Apollo-Kino

Paul Meurisse und Begleiterin am Flugplatz

Ankunft Paul Meurisse

Curd Jürgens und Gattin Simone

Curd Jürgens mit Gattin Simone

Page vor Eingang zu Kinosaal

Premiere "Der Kongreß amüsiert sich"


Im Wiener Apollo-Kino fand heute die Uraufführung des von der "Wien-Film" produzierten Streifens "Der Kongreß amüsiert sich" statt.

Bürgermeister Marek gab für die Darsteller im Wiener Rathaus einen Empfang, an dem u.a. Regisseur Radvanyi, Curd Jürgens mit Gattin Simone, Paul Meurisse, Ulla Moritz und der Choreograph des Films Fred Mastair teilnahmen. Das jüngste Mitglied des Filmteams, Helga Anders, bedankte sich für die Gastfreundschaft der Stadt Wien.

18.3.1966: Antrittsbesuch des tschechoslowakischen Gesandten

Novotny und Marek in Gespräch

Dr. Pavel Novotny bei Bürgermeister Marek

Der neue tschechoslowakische Gesandte in Wien, Dr. Pavel Novotny, stattete heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus seinen Antrittsbesuch ab.


24.3.1966: 70. Geburtstag von Hans Lauda

Portrait Hans Lauda

Dr. Hans Lauda

Der Großindustrielle Dr. jur. Dr. mont. h.c. Hans Lauda feiert seinen 70. Geburtstag. Er wurde in Wien geboren und trat nach Abschluss seiner Studien in den Dienst der Veitscher Magnesitwerke, der spätereren Österreichisch-Amerikanischen Magnesitwerke Radenthein, deren Generaldirektor er wurde. Lauda tritt seit Jahrzehnten als Sprecher der österreichischen Industrie hervor. Er ist der Gründer der Vereinigung Österreichischer Industrieller und gilt als einer der besten Kenner der österreichischen Wirtschaft.


25.3.1966: Stadtpark-Wetterhäuschen macht Ringturm Konkurrenz

Turmhäuschen mit Uhr und Meßgeräten

Wetterhäuschen - Stadtpark

Das beliebte Stadtparkwetterhäuschen wird schon bald mit einer besonderen Attraktion aufwarten können, mit der es sozusagen dem Ringturm und seiner leuchtenden Wettervorhersage-Säule eine kleine Konkurrenz machen wird. In das Wetterhäuschen wird eine Apparatur eingebaut, durch die auf telefonisches Kommando der jeweilige aktuelle Wetterbericht gerufen werden kann. Durch farbige Symbole wird dann beim Wetterhäuschen angekündigt, ob wir einen Regenschirm brauchen werden oder ob Sonnenschein zu erwarten ist usw. Die telefonischen Aufträge werden direkt von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik erteilt. Auf der Hohen Warte wählt man die den Wettersymbolen entsprechenden Nummern, worauf die Wettervorschau hinter Glas erscheint.


28.3.1966: Viennale-Empfang im Wiener Rathaus

Bürgermeister Marek gab heute anlässlich der Viennale 1966, der Internationalen Festwoche des heiteren Filmes, einen Empfang im Wiener Rathaus, an dem auch viele Mitglieder der Stadtregierung teilnahmen. Unter den mehr als 200 Gästen befanden sich auch Amerikas Starkomiker Groucho Marx, die ungarische Schauspielerin Eva Ruttkay und ihre tschechoslowakische Kollegin Dana Syslova.

Aussenansicht Uraniakino

Viennale 1966

Besucher betrachten Filmplakate

Ausstellung in der Urania anlässlich der Viennale 1966

Ausstellungsraum mit Filmplakaten und Fotos

Ausstellung in der Urania anlässlich der Viennale 1966

Geschmückter Straßenbahnwaggon

Älteste noch diensttaugliche Straßenbahn im "Einsatz" für die Viennale

Groucho Marx und Festgäste in Zuschauerreihen sitzend

Groucho Marx mit Gattin bei Eröffnung in der Urania


30.3.1966: Große Neuigkeiten in Laxenburg - Erholungszentrum mit Waldbad - Cafemeierei auf der Franzensburg

Noch vor Pfingsten werden die Besucher von Laxenburg mit einer Reihe von interessanten Attraktionen Bekanntschaft machen können. 1962 wurde die Laxenburg Betriebsgesellschaft gegründet, mit dem Ziel Schloss und Park von Laxenburg zu einem großen Erholungsgebiet auszubauen. Mehr als 50 Jahre lang waren die weiten Anlagen praktisch dem Verfall preisgegeben. So hat es langwieriger und sorgfältiger Arbeit bedurft, das 278 Hektar große Gebiet - fast so groß wie die ganze Innere Stadt - für die Besucher wieder attraktiv zu machen.

Schloss Laxenburg am See

Erholungszentrum Laxenburg

Besucher auf Parkbank vor Schlossteich

Erholungszentrum Laxenburg

Restaurant mit Gastgarten

Erholungszentrum Laxenburg


Einige dieser Attraktionen: Auf der Parapluiwiese wurde ein großes Erholungszentrum erricht. Ein Restaurantgebäude wurde dort errichtet mit großen Terrassen, daneben eine Selbstbedienung für den großen Campingplatz, der 2.000 Personen fassen wird. Auch eine Minigolfanlage wurde errichtet. Auf der anderen Seite wird noch an der Fertigstellung eines Waldbades gearbeitet, für ungefähr 1.000 Badegäste.

In der Franzensburg haben die Restauratoren des Bundesdenkmalamtes besonders viel Arbeit geleistet. Neben interessanten Gemälden in prachtvollen Räumen gibt es u.a. alte Waffen, Turnierlanzen und Mauerbüchsen zu bewundern. Im Hof wird eine Cafemeierei eingerichtet.

Einige Sorge bereitet der Laxenburg Betriebsgesellschaft das Schloss selbst. Zwar hat man mit einem Kostenaufwand von 7,5 Millionen Schilling den sogenannten Blauen Hof wieder instandgesetzt, doch konnte bisher für die weiten Räume der Burg kein passender Verwendungszweck gefunden werden. Das Bundesdenkmalamt hat ein Musterzimmer, das sogenannte Elisabethzimmer, sorgfältig restauriert. Die Kosten allein für diesen einen Raum betrugen 150.000 Schilling.

31.3.1966: Vereinsfahne für die Wiener und Niederösterreicher in Tirol

Rudolf Seibt nimmt Fahne entgegen

Übergabe der Fahne

Die Landeshauptleute von Wien und Niederösterreich, Bruno Marek und Dipl.-Ing. Eduard Hartmann, überreichten heute im niederösterreichischen Regierungsgebäude dem Obmann des Vereines der Wiener und Niederösterreich in Tirol, Rudolf Seibt, eine von den beiden Bundesländern Wien und Niederösterreich gemeinsam gestiftete Fahne.

Nach kurzen Ansprachen der Landeshauptleute, die die auf gemeinsamen Beschluss der beiden Landesregierungen gestiftete Fahne als Symbol der Einigkeit und des Zusammengehörigkeitsgefühls der Wiener, Niederösterreicher und Tiroler bezeichneten, wurde die Fahne Obmann Rudolf Seibt übergeben. In Tirol leben insgesamt 2000 Wiener und Niederösterreicher.

Die Fahne trägt die Wappen der Stadt Wien und des Landes Niederösterreich und die Widmungen der beiden Bundesländer.


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