Wien 1966: Berichte vom Juli 1966

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.7.1966: Ehrungen der Stadt Wien für die Professoren Boltenstern und Kerschagl

Portrait Richard Kerschagl

Prof. DDr. Richard Kerschagl

Den beiden Hochschulprofessoren Dipl.-Ing. Erich Boltenstern und DDr. Richard Kerschagl wurde heute im Wiener Rathaus die Ehrenmedaillen der Stadt Wien in Gold überreicht.

Herr Professor Boltenstern wurde am 21. Juni 1896 in Wien geboren und studierte an der Technischen Hochschule bei Ferstel, Krauß, Theiss, Holey und Saliger. 1922 erwarb er das Ingenieur-Diplom. In den folgenden Jahren arbeitete er in Berlin, Barcelona, Wien und Linz. Von 1928 bis 1934 war er Assistent bei Professor Strnad an der Wiener Kunstgewerbeschule, gab aber auch seine Tätigkeit als selbständiger Architekt nicht auf. Anschließend war er Assistent von Professor Holzmeister an der Akademie für bildende Künste und wurde gleichzeitig mit der stellvertretenden Führung der Schule von Peter Behrens betraut. Von 1938 bis 1945 arbeitete er als privater Architekt, da er vom Hochschuldienst suspendiert war. Seit 1946 lehrt er als Professor an der Technischen Hochschule. Einige Arbeiten Boltensterns: das Kahlenbergrestaurant in Wien, Wohnhausanlagen in Wien und Niederösterreich, Industriebauten, Ausstellungs- und Messeanlagen sowie Inneneinrichtungen. Seine bedeutendste Leistung ist die äußere und teilweise nach neuen Plänen erfolgte innere Wiederherstellung der Wiener Staatsoper.

Hochschulprofessor Dr. jur. et rer. pol. Richard Kerschagl, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Hochschule für Welthandel wurde am 25. Mai 1896 in Wien geboren und erwarb an der Alma mater Rudolphina die zweifache Doktorwürde. Im Generalsekretariat der Österreichisch-Ungarischen Bank erhielt er Gelegenheit, das praktische Finanzwesen aus unmittelbarer Nähe kennen zu lernen. Später fungierte er als Konsulent der Nationalbank. Bereits in das Jahr 1921 fiel seine Bestellung zum Dozenten für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel. In der Folge wurde seine Lehrbefugnis auch auf Finanzwissenschaft ausgedehnt. 1929 wurde er Professor an der Konsularakademie. 1937 folgte er Josef Gruntzel auf dessen Lehrstuhl nach. Nach der Befreiung Österreichs kehrte Kerschagl als Ordinarius in seinen früheren Wirkungskreis zurück und wurde gleichzeitig mit der Leitung des Instituts für Volkswirtschafts- und Weltwirtschaftslehre betraut. Viermal bekleidete er die Rektorswürde. Viele Male vertrat er Österreich und die österreichische Wirtschaft auf internationalen Kongressen, unter anderem als Delegationsführer beim Europarat. Von ihm stammen 20 Bücher und mehr als 100 Beiträge für Sammelwerke. Er ist u.a. Präsident der Österreichischen UNESCO-Kommission, des Verbandes österreichischer Hochschulen.


5.7.1966: Ottakringerbad ist 40 Jahre alt

Das Ottakringerbad feiert in diesen Tagen seinen 40. Geburtstag.

Besonders seit das Wasser des Schwimmbades via Müllverbrennungsanlage erwärmt wird, erfreut sich das traditionsreiche Bad eines verstärkten Zuspruchs.

6.7.1966: Wien Mitglied des "Internationalen Arbeitskreises Sportstättenbau"

Auf Antrag von Kulturstadträtin Gertrude Sandner wurde heute der Beitritt der Stadt Wien zum Verein "Internationaler Arbeitskreis Sportstättenbau" beschlossen.

Dieser Verein mit dem Sitz in Köln, dem die Stadt Wien nunmehr als ordentliches stimmberechtigtes Mitglied angehören wird, dient ausschließlich gemeinnützigen Zwecken. Er hat unter anderem den Austausch von Erfahrungen bei der Planung, beim Bau, bei der Ausstattung und beim Betrieb von Sport-, Spiel- und Erholungsanlagen aller Art zur Aufgabe gestellt.

Mit der Sammlung, Auswertung, Weitervermittlung und Koordinierung von Forschungsergebnissen auf diesem Gebiet will der internationale Verein den Bau guter Sportanlagen fördern. Der Erfahrungsaustausch gilt dabei nicht nur allen mit dem Sport und dem Bauwesen direkt im Zusammenhang stehenden Fragen, sondern auch der Pädagogik und der Medizin. Ferner beschäftigt sich der Arbeitskreis intensiv mit der Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Film, Fernsehen, Ausstellungen), veranstaltet Fachtagungen und Lehrgänge und tritt als Berater bei der Planung und dem Bau von Sportstätten auf.

7.7.1966: Der spanische Außenminister im Wiener Rathaus

Castiella trägt sich in Gästebuch ein

Don Fernando Maria de Castiella bei Bürgermeister Marek

Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten von Spanien, Don Fernando Maria de Castiella, stattete heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus einen Besuch ab.

Der spanische Gast trug sich in das Goldene Buch der Stadt Wien ein.


7.7.1966: "Leopoldinen-Stollen" feiert 1.000-Meter-Marke

Bauarbeiter in Förderwagen

Stollen im Nasswald

Der nordseitige Vortrieb des Überleitungsstollens, durch den das Wasser der Sieben Quellen bei Neuberg an der Mürz in die 2. Hochquellenleitung fließen soll, erreichte gestern die 1.000-Meter-Marke. Zu diesem Anlass hatten sich Stadtrat Pfoch und die beiden "Taufpatinnen" des Stollens - die südliche Hälfte heißt "Elisabeth-Stollen" nach der Gattin des Bürgermeisters und die nördliche "Leopoldinen-Stollen" nach der Gattin von Stadtrat Pfoch - in Nasswald eingefunden. Frau Pfoch löste den Sprengschuss aus, durch die 1.000-Meter-Marke überschritten wurde.

Nach Überwindung gewaltiger Anfangsschwierigkeiten, wie Wassereinbrüche, brüchiges Gestein und anderes, konnte in den sieben Monaten seit Beginn der Arbeiten von den zu bewältigenden zehn Kilometern des Stollens ein Kilometer geschafft werden. Der Stollenvortrieb auf der Südseite hat nur 700 Meter erreicht. Die Arbeiten mussten dort wegen eines großen Wassereinbruchs vorübergehend eingestellt werden.


12.7.1966: "Das schönste Jazzfenster" prämiiert

Stadträtin mit Ausgezeichneter auf Bühne

Jazz-Fenster Wettbewerb - Preisverteilung durch Stadträtin Sandner

Anlässlich des Wiener Jazzfestivals wurde in Wien ein Auslagenwettbewerb unter dem Motto "Das schönste Jazzfenster" veranstaltet. Der erste Preis ging nun an die Firma "Hi-Fi" (1, Kärntner Straße).


14.7.1966: Stadt Wien widmete Grab für Georg Ehrlich

Dem Anfang Juli in Luzern im siebzigsten Lebensjahr verstorbenen Wiener Bildhauer und Graphiker Prof. Georg Ehrlich widmet die Wiener Stadtverwaltung ehrenhalber eine Grabstelle in bevorzugter Lage auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Georg Ehrlich war Träger des Preises für Bildhauerei im Jahre 1961. Ehrlichs Hauptwerk ist die Skulptur "Pax", die er 1945 zur Erinnerung an die Bombardements von Coventry geschaffen hat. Sie wurde im Garden of Rest, Coventry, aufgestellt.

16.7.1966: 80. Geburtstag von Emmerich Reimers

Am 21. Juli vollendet Kammerschauspieler Emmerich Reimers das 80. Lebensjahr.

Er wurde in Wien geboren und debütierte am Stadttheater in Eisenach als Mortimer in Maria Stuart. Weitere Stationen waren das Stadttheater Hamburg-Altona und das Stadttheater in Leipzig. 1918 erhielt er ein Engagement ans Burgtheater, an dem er seither tätig ist und viele Rollen des klassischen und modernen Spielplans eindrucksvoll verkörpert hat. Reimers ist auch durch seine Mitwirkung in zahlreichen Radiosendungen ein in weiten Kreisen bekannter Sprecher.

18.7.1966: Stadtrat a.D. Franz Koci tödlich verunglückt

Stadtrat a.D. Franz Koci, zuletzt Amtsführender Stadtrat für Öffentliche Einrichtungen (siehe auch Berichte vom Dezember 1959), kam heute im Burgenland bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Das Unglück ereignete sich im Bezirk Operpullendorf.

Franz Koci wurde am 26. Dezember 1899 in Stockerau als eines der fünf Kinder der Eheleute Josef und Maria Koci geboren. Nach Absolvierung der Volks- und Bürgerschule erlernte er das Schlosserhandwerk und besuchte gleichzeitig die Fortbildungsschule. Mit siebzehneinhalb Jahren wurde er im Ersten Weltkrieg zum Militär eingezogen.

Nach Beendigung des Weltkrieges wurde Franz Koci Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und der Freien Gewerkschaft. Seit 1927 war er Sektionsleiter der Bezirksorganisation Favoriten der Sozialdemokratischen Partei. Im Jahre 1935 wurde er wegen illegaler Betätigung für die Revolutionären Sozialisten verhaftet und zu drei Monaten Polizeihaft und einem Jahr Kerker verurteilt. Auch im Jahre 1937 war er aus politischen Gründen einen Monat lang in Untersuchungshaft.

Im Jahre 1939 wurde Franz Koci von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Dort erfolgte im Jahre 1940 seine Freilassung mit anschließender Dienstverpflichtung nach der KZ-Außenstelle Wiener Neustadt. Im Jahre 1945 verlor Koci seine Wohnung, als das Haus 10, Bürgergasse 20, durch die Kampfhandlungen vollkommen zerstört wurde. Er hatte damit sein ganzes Hab und Gut verloren.

Sofort nach dem Zusammenbruch des Krieges setzte sich Franz Koci vor allem für den Wiederaufbau des zerstörten Wohnraumes in seinem Wohnbezirk Favoriten ein, der von allen Bezirken Wiens durch die Kriegshandlungen am schwersten betroffen war. Im Jahre 1945 wurde er in den Wiener Gemeinderat gewählt. Seit dieser Zeit gehörte er bis 1964 dieser Körperschaft an. Nach der Wahl im Jahre 1949 wurde er auch zum Dritten Landtagspräsidenten und zu einem der sechs Vorsitzenden des Wiener Gemeinderates gewählt. Koci wurde am 22. Juni 1951 Stadtrat für Wohnungswesen.

Nach der Gemeinderatswahl 1954 und den darauffolgenden Änderungen im Stadtsenat wurde Koci einer neuen Aufgabe betraut. Er verwaltete seit 10. Dezember 1954 einen Teil der magistratischen Betriebe, und zwar die Wasserwerke, Kanalisation, Bäder, Zentralwäscherei und die Abteilung für Stadtreinigung und Fuhrpark in der Geschäftsgruppe "Öffentliche Einrichtungen". Mit 19. Dezember 1964 nahm Koci Abschied von der aktiven politischen Laufbahn.

Anlässlich seines 65. Geburtstages wurde Franz Koci zum Bürger der Stadt Wien ernannt.

Dem Verstorbenen wurde ein Ehrengrab der Stadt Wien gewidmet.

19.7.1966: Wiener Landesregierung verlangt: Eigenes Rundfunkstudio für Wien

"In der Sitzung der Wiener Landesregierung unter dem Vorsitz von Landeshauptmann-Stellvertreter Slavik referierte Stadtrat Heller einen Antrag des Amtes der Wiener Landesregierung, der von der Wiener Landesregierung einstimmig zum Beschluss erhoben wurde. Der Antrag lautet: Die Wiener Landesregierung gibt der Erwartung Ausdruck, dass die für die Errichtung und Führung eines eigenen Rundfunkstudios des Landes Wien erforderlichen Maßnahmen unverzüglich getroffen werden.

Der Antrag wurde, wie es in der Begründung heißt, im Hinblick darauf gestellt, dass Wien, obwohl es das volksreichste österreichische Bundesland ist, zum Unterschied von den meisten anderen Bundesländern kein eigenes Rundfunkstudio besitzt."

20.7.1966: 85. Geburtstag von Max Roden

Der Schriftsteller Max Roden feiert seinen 85. Geburtstag.

Er wurde in Wien geboren, wo er die Bauingenieurschule an der Technik und die Universität besuchte. Er wandte sich aber bald dem literarischen Schaffen zu und veröffentlichte 1906 seinen ersten Gedichtband "Frühlingsgarten". Gleichzeitig begann er die journalistische Laufbahn. Seinem Erstlingswerk folgten rund 20 Bücher voll Stimmungslyrik, als letztes die Aphorismensammlung "Spiegelungen" aus dem Jahre 1951. Max Roden leitete von 1920 bis 1938 das Kunstreferat der "Volkszeitung" und emigrierte anschließend nach Amerika, wo er seither als Schriftsteller und Korrespondent der Wiener Zeitung in New York lebt. Die Stadtbibliothek besitzt von ihm 15 Werke. Einige seiner Gedichte sind von Carl Lafite und Edmund Eysler vertont worden.

28.7.1966: Zwei amerikanische Chöre singen im Rathaus

Chormädchen im Rathaus

Singing San Diegans

Die "Singing San Diegans", ein Chor aus San Diego in Kalifornien und "The Madison Madrigal Singers" aus der Stadt Vienna in Virginia bringen Bürgermeister Marek und Stadtrat Heller ein Ständchen im Wiener Rathaus.


28.7.1966: Der Bürgermeister von Toronto zu Besuch in Wien

Vizebürgermeister Dr. Heinrich Drimmel begrüßte heute im Wiener Rathaus den Bürgermeister kanadischen Stadt Toronto, Philipp Givens.

In einem angeregten Gespräch wurden gemeinsame Probleme diskutiert. Besonders interessant waren die Ausführungen von Bürgermeister Givens über die Verkehrsregelung in der Zwei-Millionen-Stadt Toronto, die die erste Stadt der Welt ist, in der sämtliche Verkehrsampeln von einem zentralen Computersystem gesteuert werden.

28.7.1966: Amerikanische Gäste im Rathaus

Drei Ehrengäste im Rathaus

Chefredakteur Mr. Fairbairn Smith (links)

Als weitere amerikanische Gäste in dieser Woche konnte Stadtrat Kurt Heller heute den Chefredakteur der größten amerikanischen Freimaurerzeitung "The Masonic World", Mr. Fairbairn Smith, der in Begleitung des Freimaurer-Altgroßmeisters Mr. Dodge und des Präsidenten der Mozart-Gesellschaft in Detroit, Mr. Kozenn-Chajes, im Rathaus erschienen war, begrüßen.


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