Wien 1965: Berichte vom Juli 1965

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.7.1965: Neues Hebewerk am Hungerberg in Betrieb genommen

Zur Verteilung des Wassers wurde Wien in 38 Zonen eingeteilt, die sich über eine Tiefzone, eine Mittelzone und eine Hochzone erstrecken. Dabei ist es klar, dass die höher gelegenen Gebiete nur mit Hilfe von Pumpen versorgt werden können. Eine der wichtigsten Anlagen dieser Art ist die Station Hungerberg, die im Zuge der seit Jahren im Ausbau befindlichen Hauptverteilungsanlagen zu einem der bedeutendsten Knotenpunkte der Großlastverteilung geworden ist. Zu dem dort im Jahr 1950 erbauten Hebewerk Hungerberg I kam nun ein zweites Hebewerk hinzu, das in dreijähriger Bauzeit und mit einem Kostenaufwand von rund zehn Millionen Schilling errichtet wurde.

5.7.1965: Altgemeinderat Karl Fürstenhofer gestorben

Marek und Gäste in Wasserwerk

Besichtigung des Wasserwerks Hungerberg mit Bürgermeister Marek

Karl Fürstenhofer, der von 1946 bis 1964 Wiener Gemeinderat (SPÖ) war, ist im Krankenhaus Lainz gestorben. Mit ihm verliert Wien einen profilierten Kommunalpolitiker. Sein spezielles Fach war das Kleingartenwesen. Durch seine langjährige Tätigkeit als Präsident des Zentralverbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter Österreichs war er vielen Menschen gut bekannt. Darüber hinaus war er Vizepräsident der sogenannten Grünen Internationale, die ihren Sitz in Luxemburg hat.


Bezirksvorsteher Franz Pospisil gestorben

Der Bezirksvorsteher von Neubau, Kommerzialrat Franz Pospisil, ist am vergangenen Wochenende überraschend gestorben. Franz Pospisil wurde erst bei der letzten Wahl im Oktober 1964 in diese Funktion berufen.

6.7.1965: Haussammlung des Wiener Jugendhilfswerkes ergab fast 900.000 Schilling

Die Wiener Bevölkerung hat bei der Haussammlung des Wiener Jugendhilfswerkes vom 1. bis 7. April mehr als 895.000 Schilling gespendet und damit den Betrag vom Vorjahr um 37.000 Schilling überboten.

7.7.1965: Bürgermeister-Besuche

Heute empfing Bürgermeister Bruno Marek in seinem Arbeitszimmer den Superintendenten der Evangelischen Kirche, Georg Traar, und den Präsidenten des Oberlandesgerichtes Wien, Dr. Wilhelm Malaniuk.

8.7.1965: Ateliergasse im 22. Bezirk

Eine neu entstandene Verkehrsfläche im 22. Bezirk, die von der Wagramer Straße durch Grünland zur Kratochwillstraße führt, erhält nunmehr den amtlichen Namen "Ateliergasse". Damit wird auf das dort befindliche Studentenheim der Akademie der bildenden Künste hingewiesen, in dem sich auch Arbeitsräume befinden.

8.7.1965: Simmering erhält neue Feuerwache

Die Feuerwachen "Simmering" und "Kaiser-Ebersdorf" im 11. Bezirk, Enkplatz 2 beziehungsweise Kaiser-Ebersdorfer-Straße 310, sind die beiden letzten Anlagen dieser Art, die noch aus dem Ersten Weltkrieg stammen. Da sie schon seit langem nicht mehr den Erfordernissen entsprechen, die man an moderne Feuerwachen stellt, wurde heute die grundsätzliche Genehmigung für den Neubau einer Feuerwache "Simmering", die die beiden alten Feuerwachen ersetzen soll, erteilt.

12.7.1965: Antrittsbesuch des irakischen Geschäftsträgers im Rathaus

Der Geschäftsträger des Irak in Wien, Adman El Nagib, stattete heute Bürgermeister Marek einen Antrittsbesuch im Rathaus ab. Der irakische Diplomat erörterte in einem längeren Gespräch die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Irak und der österreichischen Bundeshauptstadt.

13.7.1965: Albanischer Gesandter bei Bürgermeister Marek

Marek und Nesho in Gespräch

Albanischer Gesandter, Gaqo Nesho, bei Bürgermeister Marek

Der in Wien akkreditierte Gesandte der Volksrepublik Albanien, Gaqo Nesho, besuchte heute Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus.


14.7.1965: Ferienkinder-Austausch Hamburg-Wien

Gegenwärtig verbringen im städtischen Kinderheim Tribuswinkel 50 Buben und Mädchen aus der Hansestadt Hamburg auf Einladung der Stadt Wien einige Ferienwochen. Umgekehrt hat die Stadt Hamburg 50 Wiener Schulkinder zu einem Erholungsaufenthalt auf die Insel Sylt eingeladen. Es ist dies die zweite Austausch-Ferienaktion zwischen den Städten Hamburg und Wien.

14.7.1965: Bürgermeister Marek empfing den Gouverneur von Djakarta

Marek mit Gästen in Gespräch

Gourverneur von Djakarta, Henk Ngantung (Mitte), bei Bürgermeister Marek

Der Gouverneur der indonesischen Hauptstadt Djakarta, Henk Ngantung, der sich auf einer privaten Reise in Wien aufhält, war heute bei Bürgermeister Marek im Wiener Rathaus zu Besuch. In Begleitung des Gouverneurs befand sich der erste Sekretär der indonesischen Botschaft in Wien, A. Kobir Sasradipoera.


17.7.1965: 65. Geburtstag von Leo Lehner

Am 20. Juli vollendet der Gründer und Leiter der Chorvereinigung "Jung Wien" Prof. Leo Lehner das 65. Lebensjahr.

19.7.1965: Besuch des finnischen Botschafters

Portrait Otso Wartiovaara

Finnischer Botschafter Otso Wartiovaara

Heute fand sich der finnische Botschafter in Wien, Otso Wartiovaara, im Wiener Rathaus ein, um sich Bürgermeister Bruno Marek offiziell vorzustellen.


20.7.1965: Bürgermeister Marek gratuliert Hans Thimig - Ein großer Wiener Schauspieler feiert seinen 65. Geburtstag

Portrait Hans Thimig

Prof. Hans Thimig

Kammerschauspieler Professor Hans Thimig feiert seinen 65. Geburtstag. Bürgermeister Marek richtete an den beliebten Künstler ein Glückwunschschreiben.


20.7.1965: Eröffnung der Gymnaestrada auf dem Rathausplatz

Bundespräsident Franz Jonas eröffnete heute die 4. Gymnaestrada auf dem Rathausplatz in Wien.

In seiner Ansprache betonte der Wiener Bürgermeister Marek das große Engagement der Veranstalter der 4. Gymnaestrada.

"Mehr als 10.000 Sportlerinnen und Sportler aus 31 Nationen, aus Ländern des Westens und des Ostens, sind mit ihren Funktionären hier zusammengekommen, um in den folgenden vier Tagen ihre Fähigkeiten und Leistungen im friedlichen internationalen Wettstreit unter Beweis zu stellen.

20.7.1965: Weiterer Ausbau der Wiener Gasversorgung - Ein "Schraubengasbehälter" in Simmering - Auch Gasnetz wird immer leistungsfähiger - Sechs Prozent Wiener Gas nach Niederösterreich

Der Gasverbrauch in Wien steigt ständig, denn jährlich kommen etwa 10.000 Abnehmer hinzu. Die Stadtwerke sind ebenso ständig bemüht, die Produktion entsprechend zu steigern und das Versorgungsnetz auszubauen. Auch das älteste Gaswerk von Wien, in Simmering, wird fortlaufend modernisiert und erweitert. Aber gerade das Erweitern macht dort besondere Schwierigkeiten wegen der räumlichen Enge. In vielen Fällen können dort neue Anlagen nur dann entstehen, wenn man vorher alte wegreißt. Gegenwärtig sind im Gaswerk Simmering Projekte mit einem Gesamtaufwand von etwa 100 Millionen Schilling in Ausführung.

Das bedeutendste unter den neuen Projekten für Simmering ist die Aufstellung eines in Österreich vollkommen neuartigen Behälters. Es handelt sich um einen sogenannten Schraubengasbehälter, der kein Gerüst beziehungsweise keine aufrecht stehenden Schienen braucht, sondern sich selbst je nach Inhalt entweder hochschraubt oder sich wieder zurückdreht. In leerem Zustand wird dieser Schraubenbehälter, der so wie die beiden anderen Großbehälter in Leopoldau und auf dem Wienerberg 300.000 Kubikmeter fassen wird, nur 15 Meter hoch sein, gefüllt aber 60 Meter. Diese neuartige Konstruktion, die vom städtebaulichen Standpunkt sehr zu begrüßen ist, bedeutet gleichzeitig mehr Sicherheit im Hinblick auf den wachsenden Flugverkehr. Die Herstellung des Behälters - ein kleinerer dieser Type ist in Berlin zu sehen - erfolgt durch österreichische Firmen.

Die gegenwärtig in Wien betriebenen Gasbehälter - Simmering, Leopoldau, Wienerberg, Brigittenau und Baumgarten - haben einen Gesamtfassungsraum von 1,540.000 Kubikmeter, wobei jetzt die Tagesspitze 4,2 Millionen Kubikmeter beträgt.

Es schließen sich auch immer mehr niederösterreichische Randgemeinden an das Wiener Gasnetz an. Seit dem Inkrafttreten des Gebietsänderungsgesetzes im Jahre 1954 wurden sämtliche Gaslieferungsverträge mit niederösterreichischen Gemeinden überprüft und erneuert, wobei immer neue hinzukommen. Die meisten Verträge haben eine Laufzeit, die im allgemeinen erst um das Jahr 2000 endet. Rund sechs von 100 Abnehmern des Wiener Stadtgases sind in Niederösterreich.

21.7.1965: Marianne und Oskar Pollak-Hof in Wien

Die städtische Wohnhausanlage in Wien 21, Prager Straße 31 wird in "Marianne und Oskar Pollak-Hof" benannt.

22.7.1965: Neuer Botschafter der UdSSR

Boris Podzerob in Uniform

Boris Podzerob

Bürgermeister Marek begrüßte heute den neuen Botschafter der UdSSR in Österreich, Boris Podzerob.


23.7.1965: 60. Geburtstag von Elias Canetti

Portrait Elias Canetti

Elias Canetti

Am 25. Juli feiert der Schriftsteller Elias Canetti seinen 60. Geburtstag.

Canetti ist am 27.Juli 1905 in Rustschuk (Bulgarien) geboren. 1913 kam Canetti nach Wien, wo er Naturwissenschaften studierte und als freier Schriftsteller lebte. Hier entstanden auch seine dramatischen Werke und der Roman "Die Blendung", der ihm den Welterfolg und den Ruf eines der bedeutendsten Autoren der Gegenwart brachte. Canetti musste 1938 Österreich verlassen und begründete in England seinen dauernden Wohnsitz.

(Canetti erhielt 1981 den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 14. August 1994 in Zürich. Einige seiner Werke: "Hochzeit" (1932), "Komödie der Eitelkeit" (1950), "Die Befristeten" (1964). Red.)


29.7.1965: Gemeinderat Dr. Josef Jakl gestorben

Nach langer schwerer Krankheit ist Gemeinderat Dr. Josef Jakl gestorben.

Dr. Jakl stand im 66. Lebensjahr. Er erlernte den Beruf eines Buchdruckers, legte während der Zeit der großen Arbeitslosigkeit im Jahre 1935 als Externist die Reifeprüfung ab, inskribierte anschließend an der Universität Wien und wurde 1940 zum Doktor der Rechte promoviert. Dr. Jakl trat bereits 1919 der damaligen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei. Nach 1945 beteiligte er sich am Aufbau der Bezirksorganisation Josefstadt der SPÖ. 1952 wurde er in den Wiener Gemeinderat gewählt, dem er bis zuletzt angehörte.

30.7.1965: Mainzer Stadtväter besichtigen Wiener Verkehrsbauten

Fuchs in Gespräch mit Marek

Oberbürgermeister Fuchs von Mainz bei Bürgermeister Marek

Oberbürgermeister Fuchs von Mainz mit zehn seiner Mitarbeiter, darunter der Mainzer Baustadtrat und der Baudirektor, trafen heute auf dem Flughafen Schwechat in Wien ein. Die deutschen Gäste wurden von Bürgermeister Marek im Rathaus empfangen. Bei dieser Gelegenheit teilte Oberbürgermeister Fuchs mit, dass die Stadt Mainz vor schwierigen Verkehrsproblemen stehe. Der gute Anklang, den die Wiener Straßenkreuzungsbauwerke in der ganzen Welt finden, habe sie bewogen, diese an Ort und Stelle zu studieren.

Die Bauführung für die deutschen Gäste begann bei den Baustellen an der Zweierlinie und ging über die Schottentorpassage, Albertina-Passage, Opernpassage, Baustelle der Unterpflasterbahn Matzleinsdorfer Platz zur Gürtelbrücke und zur Nordbrücke.


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