Wien 1964: Berichte vom September 1964

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.9.1964: Ägyptische Kommunalpolitiker in Wien

Die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Republik entsandte ihr Stadtoberhaupt zu einem mehrtägigen Besuch nach Wien. Der Gouverneur von Kairo - so lautet dort der Titel des Bürgermeisters - Salah Dessouki, dessen Rechtskonsulent M. Taher und einige Beamte weilten auf Einladung der Stadt Wien in der Donaumetropole.

Gouverneur Dessouki teilte heute bei seinem Besuch im Wiener Rathaus mit, dass die Stadt Kairo im November 1965 die Bürgermeister der größten Städte Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas zu einer internationalen Städtekonferenz einzuladen beabsichtige.

2.9.1964: Wien "exportiert" seine Verkehrs-Lösungen

Das Kantonale Parlament der Stadt Basel hat eine Großratskommission damit beauftragt, einen Gesamtverkehrsplan für Basel auszuarbeiten. Ihre erste Studienreise in dieser Angelegenheit unternimmt die Kommission nach Wien. Die Delegation besteht aus etwa 30 Kommunalpolitikern. Die Schweizer Gäste werden die Verkehrsbauwerke am Schottentor und am Südtiroler Platz, die Albertina- und Opernpassage und die Baustellen an der Zweierlinie und am Matzleinsdorfer Platz besichtigen. Sie werden dabei von Fachleuten der Stadtbaudirektion begleitet, die bei der Errichtung der einzelnen Projekte maßgeblich mitgewirkt haben. Die Baseler interessieren sich für die Fußgängerpassagen, die Pläne der Unterpflasterstraßenbahn und die dabei verwendete Schlitzbauweise bzw. das Betonitverfahren.

4.9.1964: Bezirksvorsteher-Stellvertreter Pinter gestorben

Der Bezirksvorsteher-Stellvertreter des 9. Bezirkes, Josef Pinter, ist heute in seinem Arbeitszimmer einem Herzinfarkt erlegen.

Josef Pinter wurde am 13. Jänner 1897 in Wien geboren. 1915 ist er der Sozialdemokratischen Partei beigetreten. Während der Ersten Republik war er Mitarbeiter der Kaufmännischen Krankenkasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum Bezirksrat gewählt und wurde Abteilungsleiter in der Gebietskrankenkasse. Diese Funktion übte er bis zu seinem 60. Lebensjahr aus. Seit 1952 war er Erster Vorsitzender des Österreichischen Arbeitersängerbundes. Er war maßgeblich am Wiederaufbau des Bezirkes Alsergrund beteiligt und wurde 1959 zum Bezirksvorsteher-Stellvertreter gewählt.

8.9.1964: Leiter des Statistischen Amtes Mitglied der UN-Bevölkerungskommission

Der Leiter des Statistischen Amtes der Stadt Wien, Obermagistratsrat Ludwig S. Rutschka, wurde zum Mitglied der Bevölkerungskommission der Vereinten Nationen gewählt.

9.9.1964: Gesamtausgabe der Aufzeichnungen Abraham Lincolns als Geschenk

Botschaftsrat Lawrence E. Norris überreichte heute Stadtrat Dr. Heinrich Drimmel eine Gesamtausgabe der schriftlichen Aufzeichnungen des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln zum Geschenk. Vor einem Jahr, zum 100. Jahrestag der Gettyburg-Rede Lincolns, hatte Dr. Drimmel in einer Feierstunde im Burgtheater Lincolns in der Festrede gedacht. Die Feier stand im Zeichen des tragischen Todes von Präsident John F. Kennedy.

9.9.1964: "Das Internationale Messeplakat" im Künstlerhaus

Im Wiener Künstlerhaus wurde die Ausstellung "Das Internationale Messeplakat" eröffnet.

Aus Anlass der 80. Wiener Internationalen Messe hat die Leitung der Wiener Messe-AG Prof. Leopold Schmid die Aufgabe gestellt, im Wiener Künstlerhaus eine Ausstellung von Plakaten internationaler Messen zu gestalten.

Im Rahmen der Ausstellung findet die Verleihung der "Julius-Klinger-Medaille" an Persönlichkeiten statt, die sich um das wirtschaftliche Werbewesen und die Graphik Verdienste erworben haben.

Ein eigener Raum ist der "Sonderausstellung Julius Klinger" vorbehalten. Bei Gründung der Wiener Messe im Jahre 1921 erhielt Julius Klinger den Auftrag, das erste Plakat zu entwerfen und das Symbol der "Wiener Internationalen Messe" - der drei übereinandergestellten Buchstaben W-I-M- zu gestalten. Dieses Symbol hat die Wiener Messe bis heute beibehalten und verwendet es bei allen Drucksachen.

Alle von Julius Klinger bis 1938 für die Wiener Messe entworfenen Plakate sind in dieser Sonderausstellung vereint, die aber auch darüber hinaus 30 andere seiner Plakate und Entwürfe zeigt.

11.9.1964: Bürgermeister Jonas eröffnete Wiens breiteste Brücke - die Kennedy-Brücke

Jonas vor Namenstafel vor Brücke

Eröffnung der "Kennedy-Brücke"

Jonas passiert Kassenhäuschen

Eröffnung der "Kennedy-Brücke"


Zu einem Volksfest gestaltete sich heute die Eröffnung der neuen Hietzinger Brücke, die gleichzeitig den Namen "Kennedy-Brücke" erhielt. Tausende Zuschauer waren zu dem großen Verkehrsbauwerk gekommen, um bei der Eröffnung durch Bürgermeister Jonas dabei zu sein. Auch fast alle Angehörigen der amerikanischen Kolonie in Wien hatten sich eingefunden. Ehrengast war der amerikanische Geschäftsträger in Wien, Robert M. Brandin.

Mit der Benennung der Brücke nach dem verstorbenen Präsidenten Kennedy ist es nun das vierte Mal, dass Wien berühmte amerikanische Staatsmänner ehrt. In Favoriten gibt es den Washington-Hof, vor der Votivkirche befindet sich der Rooseveltplatz, erst vor zwei Jahren wurde in der Donaustadt eine neue Wohnhausanlage nach George Marshall in "Marshall-Hof" benannt.

14.9.1964: Kommission für Wiener Rundfunkstudio eingesetzt

"Im Zusammenhang mit der Forderung nach einem eigenen Rundfunkstudio für Wien hat der Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft Otto Probst an Bürgermeister Franz Jonas in dessen Eigenschaft als Landeshauptmann ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, dass der Vorstand der Österreichischen Rundfunk-Gesellschaft mbH beschlossen hat, eine Kommission mit der Prüfung der Errichtung eines eigenen Studios für Wien zu beauftragen. Die Kommission steht unter der Leitung des Technischen Direktors, Generaldirektor-Stellvertreter Dipl.-Ing. Wilhelm Füchsl, und des Programmdirektors Prof. Dr. Alfons Überhör.

16.9.1964: Eine unerwartete Attraktion: Donaupark-Kücken geschlüpft

Gewissermaßen im Schatten des Donauturms werden die jüngsten Bewohner des WIG-Geländes aufwachsen. Die bisher aus acht Mitgliedern bestehende Nandu-Familie zeigt die Geburt von fünf kräftigen Sprösslingen an, deren Geschlecht allerdings noch nicht feststeht.

21.9.1964: Zweiter städtischer Bücherbus geht auf die Reise

Noch viel "wurmartiger" als der erste "Bücherwurm auf Rädern", so sieht der zweite städtische Bücherbus aus, der heute seiner Bestimmung übergeben wurde.

Neben der Bibliothek für Erwachsene führt der Bus auch eine Kinderbücherei mit sich. Auch im zweiten Bus sind 2.600 Bücher untergebracht.

Der neue Bus ist 16,5 Meter lang, Breite 2,5 Meter und hat eine Höhe von 3,26 Metern. Der neue "Bücherwurm", der von Firma Gräf & Stift gebaut wurde, ist um drei Meter länger als der erste Bus und hat einen Sechszylinder-Unterflurmotor von 160 PS. Er wird auch nach dem neuesten Büchereisystem als Freihandbücherei geführt. Damit ist er überhaupt die erste fahrbare Freihandbücherei, die es gibt.

Diese zweite fahrbare Bücherei wird die Randgebiete des 10., 13., 14., 17., 18., 19. und 23. Bezirks betreuen. Der Bus bleibt bei insgesamt 22 Ausgabestellen stehen.

22.9.1964: Olympiateilnehmerin Ulrike Pachowsky zu Besuch beim Bürgermeister

Im Sprung: Ulrike Sindelar-Pachowsky

Ulrike Sindelar-Pachowsky

Bürgermeister Jonas begrüßte heute im Wiener Rathaus die 21jährige Ulrike Sindelar-Pachowsky, die als Kunst- und Turmspringerin an den Olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio teilnimmt.


22.9.1964: Jacqueline Kennedy dankt Wien

"Der amerikanische Geschäftsträger in Wien, Robert M. Brandin, übermittelte Bürgermeister Jonas eine Dankbotschaft von Jacqueline Kennedy anlässlich der Benennung der Kennedy-Brücke in Hietzing. In der Botschaft heißt es:

Im Namen der Familie Kennedy möchte ich Ihnen und der Wiener Bevölkerung unsere Dankbarkeit für die reizende Geste ausdrücken, die schöne Hietzinger Brücke nach meinem verstorbenen Gatten zu benennen. Präsident Kennedy hat Wien ebenso geliebt, wie ich es liebe, und ich bin tief gerührt darüber, dass Sie daran gedacht haben."

24.9.1964: Schwedens Blumenkönigin kommt nach Wien

Die schwedische Blumenkönigin 1964 wird die Internationale Gartenschau 1964 besuchen. Die "Königin" wird alljährlich bei der großen Rosenschau in Skane (Südschweden) gewählt. Es gehört zur Tradition der schwedischen Blumenköniginnen, dass sie alljährlich nach ihrer Wahl eine Auslandsreise antreten, um für ihr Land zu werben. Die aus hunderten Schwedenmädeln ausgewählte junge Dame wurde von der Ausstellungsleitung der WIG nach Wien eingeladen. Sie wird im "Schwedischen Garten" der WIG Blumen ihres Landes verteilen und Autogramme geben.

25.9.1964: "Eduard Pantucek-Hof" in Simmering, "Schöffelhof" in Währing

Die städtische Wohnhausanlage im 11. Bezirk, Simmeringer Hauptstraße 93 - Dorfgasse 10 - Huttererweg, hat nach einem Beschluss des Kulturausschusses des Wiener Gemeinderates den Namen "Eduard Pantucek-Hof" erhalten. Eduard Pantucek (1887 bis 1961) war von 1921 bis 1934 sowie einige Monate im Jahr 1945 Bezirksvorsteher von Simmering.

Ferner wird die städtische Wohnhausanlage 18, Wielemansgasse 13-23, den Namen "Schöffelhof" erhalten. Damit wird der Retter des Wienerwaldes, Josef Schöffel (1832 bis 1910) geehrt.

26.9.1964: Erstes Wiener Pensionistenheim heißt "Sonnenhof"

Zahlreiche Festgäste fanden sich heute zur Namensgebung für Wiens 1. Pensionistenheim ein. Das Heim im 22. Bezirk wird den Namen "Sonnenhof" tragen.

28.9.1964: Vizebürgermeister Mandl feiert seinen 65. Geburtstag

Unter den zahlreichen Glückwünschen die Vizebürgermeister Mandl anlässlich seines 65. Geburtstages erhielt, befand sich auch ein Telegramm von Karl Farkas.

"Lieber verehrter Herr Vizebürgermeister! Zum unglaublichen Fünfundsechziger alles erdenklich Schöne und Erstrebenswerte und auch weiterhin Erfolg und Beliebtheit für die restlichen vier Jahrzehnte wünscht Ihnen in aufrichtiger Zuneigung und Freundschaft Ihr Ihnen in der Verkalkung rüstig Voranschreitender Karl Farkas."

28.9.1964: Johann Pölzer gestorben

Johann Pölzer, einer der volkstümlichsten Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre der Nachkriegszeit, ist nach längerer Krankheit im 62. Lebensjahr gestorben.

Johann Pölzer wurde am 5. August 1903 in Wien geboren. Er war schon mit jungen Jahren politisch und gewerkschaftlich tätig. 1959 wurde er Zentralsekretär der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Österreichs. Von 1951 bis 1963 war er Erster Vorsitzender dieser Gewerkschaft und seit 1963 ihr Ehrenvorsitzender. Zwischen 1949 und 1953 gehörte er der Fraktion der sozialistischen Gemeinderäte Wiens an, von 1953 bis 1963 war er Abgeordneter in den Nationalrat.

29.9.1964: Warschauer Bürgermeister zu Besuch bei Bürgermeister Jonas

Janus Zarzycki hinter Rednerpult vor Zuschauermenge

Janus Zarzycki bei einer Versammlung in Warschau

Der Vorsitzende des Stadtrates von Warschau, der Bürgermeister der polnischen Hauptstadt, Janusz Zarzycki, traf heute zu einem offiziellen Besuch in Wien ein und wurde von Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus empfangen.


29.9.1964: Wien rettet einen seiner ältesten Stadtteile

Die Häuserblocks im sogenannten Blutgassen-Viertel im 1. Bezirk, zwischen Singerstraße-Blutgasse-Grünangergasse und Domgasse gehören zu den ältesten von Wien. Ihre Fundamente datieren mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die darauf errichteten Gebäude stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Eines von ihnen wurde durch einen Bombentreffer völlig zerstört, die anderen schwer beschädigt und boten bis vor kurzem das Bild eines verfallenden, abbruchreifen Althausbestandes. Im reizvollen Fähnrichs-Hof hinter dem Hause Singerstraße 11, in dem eine uralte Platane steht, verschandelten abbröckelndes Mauerwerk und Schutthaufen das Bild altertümlicher Schönheit.

Die Stadt Wien hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen romantischen Winkel der Altstadt zu erhalten. Nach sorgfältiger Prüfung aller Möglichkeiten wurde die Aufgabe der Sanierung der EKAZENT der Zentralsparkasse übertragen, die zu Beginn des Jahres 1963 mit der Restaurierung begann. Die Stadt Wien hat nach schwierigen Ablöseverhandlungen die Grundstücke in ihren Besitz gebracht und sie als Baurechtsgründe an die EKAZENT weitergegeben. Nach den Plänen von Architekt Prof. Euler werden die Häuser Blutgasse 3-11 und Singerstraße 11 a - c nach alten Plänen, Fotografien und Zeichnungen stilgetreu renoviert. Eines der Häuser ist ein besonders schönes Beispiel eines Alt-Wiener "Pawlatschenhauses" mit Wandelgängen im Innenhof. Das Innere der Häuser wird nach Möglichkeit in aller Ursprünglichkeit wiedererstehen, aber in Belichtung, Beheizung, sanitären Einrichtungen und dergleichen jeden modernen Komfort erhalten. Eines der Häuser bekommt sogar einen Lift. Das durch Bomben zerstörte Haus wird nach alten Plänen neu errichtet.

Die 29 hier entstehenden Wohnungen in der Größe von 40 bis mehr als 300 Quadratmeter Wohnfläche, sowie die zehn geplanten Geschäftslokale werden an Interessenten vermietet, die 50 Prozent der effektiven Renovierungskosten als Mietvorauszahlung leisten müssen und den Rest in monatlichen Teilbeträgen zurückzahlen.

Im Rahmen der Sanierung des Blutgassen-Viertels ist auch geplant, eine Fußgeherpassage zu errichten, die vom Stephansplatz durch das Deutsche Haus hindurch, die Blutgasse überquerend durch das Pawlatschenhaus bis zur Kumpfgasse und von dort bis zum Parkring führen soll. Entlang dieses Fußgängerdurchganges werden Lokale für Geschäfte und Boutiquen errichet.

Die Gesamtkosten dieses Projektes belaufen sich auf etwa 19 Millionen Schilling. Ein Teil der Häuser soll noch heuer fertig werden, die anderen im Laufe des nächsten Jahres.

30.9.1964: Thailands Königspaar im Wiener Rathaus

Jonas und thailändische Gäste im Rathaus

Empfang im Wiener Rathaus

Ankunft des Königspaares am Flugplatz

Empfang für das thailändische Königspaar am Flughafen Wien-Schwechat


König Bhumibol Adulyadej von Thailand und seine Gattin Königin Sirikit statteten heute dem Wiener Rathaus einen offiziellen Besuch ab und wurden von Bürgermeister Jonas begrüßt. Die thailändischen Gäste trugen sich in das Goldene Buch der Stadt Wien ein.

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