Wien 1964: Berichte vom März 1964

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.3.1964: 60. Geburtstag von Edgar Jene

Edgar Jene inszeniert als Teil eines Kunstwerkes

Edgar Jene

Am 4. März vollendet der Maler Edgar Jene das 60. Lebensjahr.

Der Künstler gehört der älteren Surrealistengeneration an. Seine Werke waren für die Weiterentwicklung dieser Kunstrichtung in Österreich seit 1945 von Bedeutung. Jene stellte 1930 in der Galerie Buck in Mannheim, 1950 in der gleichen Stadt in der Galerie Egon Günther und 1953 im Ernst Osthaus-Museum in Hagen (Westfalen) aus. Der Künstler lebt in Frankreich.


3.3.1964: Wassersparmaßnahmen aufgehoben - aber weiterhin kein Wasser verschwenden!

Die Wassersparmaßnahmen, die am 24. Jänner verfügt werden mussten, werden mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

4.3.1964: Amtseinführung von Bezirksvorsteher Dr. Bauer

Sigmund und Bauer reichen sich Hand

Amtseinführung von Dr. Bauer (rechts), links StR. Sigmund

Stadtrat Sigmund führte heute den neuen Bezirksvorsteher des 9. Bezirks, Dr. Franz Bauer (ÖVP), in sein Amt ein. Dr. Franz Bauer ist der Nachfolger von Gemeinderat Köchl, der bisher an der Spitze des 9. Bezirks gestanden war.


5.3.1964: Gustav Gugitz gestorben

Im 90. Lebensjahr ist in Wien der bekannte Heimatforscher Gustav Gugitz gestorben. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Publikationen über die Wiener Lokalgeschichte. Als sein Hauptwerk gilt die Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde über Wien.

6.3.1964: Müllverbrennungsanlage auf dem Flötzersteig in vollem Betrieb

Die Müllverbrennungsanlage der Stadt Wien am Flötzersteig hat nun, nachdem Probebetrieb und Anlaufzeit beendet sind, mit allen ihren Einrichtungen den vollen Betrieb aufgenommen.

7.3.1964: Zeppelinflieger und Bildhauer bekamen Gassen

Die Benennung mehrerer Verkehrsflächen im 22. Bezirk wurde heute im zuständigen Ausschuss beschlossen.

Eine bisher noch unbenannte Sackgasse erhielt den Namen "Mannsbarthgasse".

Franz Mannsbarth, dessen Andenken damit geehrt wird, lebte von 1877 bis 1950 und gilt als einer der österreichischen Flugpioniere. Er studierte an der Wiener Technik und wurde Berufsoffizier. Im Jahre 1900 kam er ans Äronautische Institut in Wien und begann zwei Jahre später mit seinen ausgedehnten Freiballonflügen. 1911 konstruierte Mannsbarth gemeinsam mit dem Piloten Stagl ein starres, lenkbares Luftschiff von 61 Meter Länge, das bei seinen Fahrten von den Wienern außerordentlich bejubelt wurde. Im ersten Weltkrieg war Mannsbarth Kommandant eines österreichischen Zeppelins, betätigte sich nach 1918 in der Segelflugbewegung und wurde Vizepräsident des Österreichischen Aeroclubs.

Eine weitere Verkehrsfläche wurde in "Stemolakgasse benannt.

Professor Karl Stemolak, der von 1875 bis 1954 lebte, gehört zu den hervorragendsten Bildhauern Wiens. Er studierte an der Wiener Akademie bei Eduard Hellmer und entwickelte seine Kunst zu realistischer Gegenwartsnähe, ohne dabei die aus der Antike übernommenen Richtlinien zu missachten. Von seinen großen Plastiken sind die Figuren am Justizpalast, am Amalienbad und an der Hochschule für Welthandel allgemein bekannt geworden. Von 1912 bis 1938 war Stemolak Präsident des "Hagenbundes", 1946 bis 1947 Präsident der Secession. Er war Inhaber des Staatspreises für bildende Kunst, des Ehrenringes und des Würdigungspreises der Stadt Wien.

7.3.1964: Beileid zum Ableben von Dompfarrer Dr. Dorr

Portrait Dorr

Dompfarrer Prälat Dr. Dorr

Im Namen der Wiener Stadtverwaltung richtete Vizebürgermeister Slavik heute ein Beileidsschreiben anlässlich des Ablebens von Dompfarrer Prälat Dr. Dorr an die hochwürdigen Herren der erzbischöflichen Kurie und an das Domkapitel zu St. Stephan.


7.3.1964: Vereinigung der Wiener Kommunalberichterstatter gegründet

Im Presseclub Concordia wurde heute die "Vereinigung der Wiener Kommunalberichterstatter" gegründet. "Damit tritt eine nicht parteigebundene Institution wieder ins Leben, die in der Ersten Republik als 'Vereinigung der Wiener Kommunalredakteure' einen festen Platz in der Wiener Journalistik hatte."

9.3.1964: Bürgermeister Jonas kondolierte zum Ableben des griechischen Königs

Portrait König Paul von Griechenland

König Paul von Griechenland

Bürgermeister Jonas begab sich heute in die griechische Botschaft und trug sich dort in die Kondolenzliste ein, die anlässlich des Ablebens von König Paul aufgelegt wurde.


10.3.1964: Bürgermeister Jonas eröffnet "Haus der Begegnung"

In Wien 6, Königseggasse wurde von Bürgermeister Jonas das "Haus der Begegnung" eröffnet.

10.3.1964: Privatbegräbnisstätte für die Angehörigen des Domkapitels

"Das Metropolitan- und Domkapitel von St. Stephan hat um die Erlaubnis zur Errichtung einer Privatbegräbnisstätte in den Katakomben von St. Stephan für verstorbene Angehörige des Domkapitels angesucht. In der heute unter Vorsitz von Landeshauptmann Jonas abgehaltenen Sitzung der Wiener Landesregierung stellte Stadtrat Dr. Glück einen entsprechenden offiziellen Antrag, der einstimmig angenommen wurde. Die neue Begräbnisstätte wurde in der Zwischenzeit schon zu bauen begonnen. Sie befindet sich in der Nähe der Begräbnisstätte für verstorbene Wiener Erzbischöfe. Die neue Stätte hat 18 Grabnischen, die je 2,25 Meter tief, 90 Zentimeter breit und 75 Zentimeter hoch sind.

Das Domkapitel zu St. Stephan besteht aus jeweils zwölf Mitgliedern. Der vorige Woche verstorbene Dompfarrer zu St. Stephan Prälat Dr. Dorr wird als erster dort beigesetzt."

10.3.1964: 14.000 Mitarbeiter haben einen neuen Chef - Amtseinführung des neuen Leiters der Magistratsabteilung 17 - Anstaltenamt

Heute fand die Amtseinführung des neuen Leiters der Magistratsabteilung 17 (Anstaltenamt), Senatsrat Dr. Widmayer, sowie die Verabschiedung des bisherigen Leiters, Obersenatsrat Dr. Weber, statt.

Das Anstaltenamt ist die größte Magistratsabteilung Wiens. Ihr unterstehen alle städtischen Krankenanstalten sowie die Alters- und Lehrlingsheime mit insgesamt ca. 14.000 Bediensteten.

11.3.1964: Eröffnung der Urania-Bibliothek

Die neue Bibliothek in der Wiener Urania wurde heute eröffnet. Die neue Bibliothek umfasst mehr als 6.000 Bände, darunter ca. 1.000 Exemplare als Geschenk der Stadt Kopenhagen an die Wiener Urania. Die Räumlichkeit sind auf der ehemaligen - nur selten benutzten - Terrasse errichtet worden, die dem 2. Bezirk zugewendet ist und etwas über das Ufer des Donaukanals vorspringt.

13.3.1964: Neuer Direktor und Primararzt für das Wilhelminenspital

Das nach dem Allgemeinen Krankenhaus und dem Lainzer Krankenhaus drittgrößte Spital Wiens, das Wilhelminenspital, hat seit heute einen neuen ärztlichen Direktor und einen neuen Primarius für die Kinderinfektionsabteilung. Der neue ärztliche Direktor, der an die Stelle des in den Ruhestand versetzten bisherigen Chefs Prof. Dr. Zischinsky tritt, ist Physikatsrat Dr. Heinrich Rode. Da Prof. Zischinsky auch die Primararztstelle der Kinderinfektionsabteilung innehatte, musste diese Stelle ebenfalls neu besetzt werden. Neuer Primarius der Kinderinfektionsabteilung ist Dr. Johann Radl.

Der neue Direktor wird seinen Posten hauptberuflich ausüben. Damit ist das Wilhelminenspital bereits das dritte Wiener Krankenhaus, in dem es einen hauptberuflichen ärztlichen Direktor gibt; die beiden anderen sind das Allgemeine Krankenhaus und die Krankenanstalt Rudolfstiftung.

14.3.1964: Oberbürgermeister Dr. Klüber eröffnete Ludwigshafen-Ausstellung in der Wiener Volkshalle

Klüber und Begleitung bewundern Bild

Eröffnung der Ausstellung "Deutsche Expressionisten aus dem Kunstbesitz der Stadt Ludwigshafen am Rhein"

Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Dr. Klüber eröffnete heute in der Wiener Volkshalle des Rathauses die Ausstellung "Deutsche Expressionisten aus dem Kunstbesitz der Stadt Ludwigshafen am Rhein", die einen Wert von 13,6 Millionen Schilling präsentiert. Die deutschen Gäste wurden von Bürgermeister Jonas begrüßt.


16.3.1964: Pratermuseum kommt ins Planetarium

In seiner letzten Sitzung hat der Kulturausschuss die Schenkung des Pratermuseums von Professor Direktor Hans Pemmer namens der Stadt Wien angenommen. Die Stadtverwaltung verpflichtet sich, alle übernommenen Gegenstände als geschlossene Sammlung zu erhalten und mit der Bezeichnung "Wiener Pratermuseum, gegründet von Hans Pemmer" öffentlich auszustellen. Die Stadt Wien wird einen Gebäudeflügel des neuen Planetariums am Praterstern zur Verfügung stellen, der ausschließlich den Museumsbeständen vorbehalten bleibt. In der Galerie dieses Gebäudeteils werden auch Wechselausstellungen des Leopoldstädter Heimatmuseums stattfinden können.

Der Gründer des Pratermuseums, Prof. Hans Pemmer hat alle Exponate bisher in einer Wohnung im 3. Bezirk untergebracht, wo sie der breiten Öffentlichkeit naturgemäß nicht genügend zugänglich gemacht werden konnten. Das Pratermuseum, das unter Denkmalschutz steht, stößt jedoch auf internationales Interesse und wird in den zu diesem Zweck adaptierten Räumen des Planetariums eine besondere Attraktion für in- und ausländische Besucher bieten.

17.3.1964: Glückwunsch für Prof. Autherid

Prof. Josef Autherid feiert seinen 60. Geburtstag. Autherid, der auch an der Modeschule der Stadt Wien unterrichtet, gehört zu den erfolgreichsten Plakatkünstlern Wiens.

24.3.1964: Antrittsbesuch des Wiener Kammerpräsidenten Lakowitsch

Stadtrat Lakowitsch stattete heute in seiner Eigenschaft als neuer Präsident der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Wien Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.

25.3.1964: Offizielle Wien-Ausstellungen in Finnland und in der Schweiz

Die schon in den letzten Jahren mit großem Erfolg in zahlreichen europäischen Städten gezeigte Ausstellung "Wien - Stadt der Arbeit, Stadt der Kunst" wird nunmehr in den hohen Norden wandern. Im April, Mai und Juni wird die Ausstellung in drei finnischen Städten gezeigt. Den Anfang macht die Hauptstadt Helsinki; es folgen Tampere und Turku.

Eine andere offizielle Wien-Ausstellung "Festliches Wien" wird ab 18. April bei den Österreich-Tagen in Bern zu sehen sein.

27.3.1964: Ständiger Ausschuss "Stadterneuerung" ständig in Wien

Baustadtrat Heller, Vizepräsident des Internationalen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung gab heute bekannt, dass der Ständige Ausschuss "Stadterneuerung" dieser Institution einer im Vorjahr ausgesprochenen Einladung der Stadt Wien Folge geleistet und Wien zu seinem ständigen Tagungsort erwählt hat.

Der Internationale Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung ist eine weltweite Vereinigung, zu deren Zielen die Verbesserung der Siedlungsräume und des Wohnungswesens gehören. Der Internationale Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung wird von der UN und zahlreichen Regierungen zu Konsultativzwecken herangezogen.

Der Ständige Ausschuss für "Stadterneuerung" behandelt auf wissenschaftlicher Ebene die Probleme der Erneuerung älterer Stadtteile in Theorie und Praxis; ihm gehören die bedeutendsten Experten auf diesem Gebiet an.

Verantwortlich für diese Seite:
Rathauskorrespondenz (Magistratsabteilung 53)
Kontaktformular