Wien 1964: Berichte vom Februar 1964

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

3.2.1964: Silberne Medaille im Eiskunstlauf für Regine Heitzer

Bei der Winterolympiade in Innsbruck gewann Regine Heitzer die Silbermedaille. Bürgermeister Jonas übersandte heute ein Glückwunschtelegramm.

4.2.1964: Reparatur von Straßenbaugeräten zentralisiert - Bürgermeister Jonas besichtigte neue Werkstättenhalle im 14. Bezirk - "Rolltreppen-Museum"

Bürgermeister Jonas besichtigte heute den fertiggestellten Hallenzubau der Straßenwalzen-Werkstätte in der Heinrich Collin-Straße im 14. Bezirk. Während bisher für die in den Wintermonaten durchzuführenden Reparaturen und Überholungen der städtischen Straßenwalzen und Straßenbaugeräte drei Werkstätten zur Verfügung standen, was sich vor allem durch erhöhte Verwaltungsarbeit auf den Betrieb sehr ungünstig auswirkte, konnten nunmehr durch den Erweiterungsbau in der Heinrich Collin-Straße die Arbeiten zentralisiert werden.

In den Werkstättenhallen werden nunmehr alle 28 städtischen Straßenwalzen (darunter zwei Gummiradwalzen), fünf Straßenreparaturwagen, zwei Motorräder und 13 weitere Straßenbaugeräte überholt und repariert.

Die Kosten der gesamten Zubauten betrugen 5,1 Millionen Schilling.

Ein "Rolltreppen-Museum"

Auch eine seltsame und wirklich einmalige Sammlung gibt es in der Straßenwalzenwerkstätte zu sehen: eine Sammlung von "Souvenirs", die unfreiwillig in den Wiener Rolltreppen hinterlassen wurden.

Die Werkstätte ist nämlich auch für die Reparaturarbeiten an den 45 Rolltreppen in Wien zuständig. Die Zahl der notwendig gewordenen Reparaturen ist so gewachsen, dass Maschinenmeister Pillar alle jene Dinge zu sammeln begann, die in fast allen Fällen die Reparaturen notwendig machen. Den größten Teil seiner Sammlung, die der Maschinenmeister mit der Zeit gleichsam zu einem ganzen "Rolltreppen-Museum" ausbauen will, nehmen die schon "berühmt" gewordenen Bleistiftabsätze von Damenschuhen ein. Jeder dieser steckengebliebenen Absätze kostet die Stadtverwaltung bis zu 400 Schilling an Reparaturkosten. Aber nicht nur Bleistiftabsätze gibt es in dieser Sammlung, sondern auch Münzen, Schlüssel, Schirm- und Stockspitzen, Schuhe und als Glanzstück sogar einen ganzen Regenschirm.

5.2.1964: Bürgermeister Jonas besucht Djakarta

In Begleitung von Stadtrat Maria Jacobi und Stadtrat Dr. Glück bricht Bürgermeister Jonas in einigen Tagen zu einem Besuch, der auf Einladung des Gouverneurs der Stadt Djakarta, Dr. Soemarno Sosroatmodjo erfolgt, nach Djakarta auf.

6.2.1964: Kosmonaut Popowitsch im Wiener Rathaus: "Wir könnten in jedem beliebigen Wiener Bezirk landen"

Popwitsch und Hostess

Kosmonaut Popowitsch bei der Olympiade in Innsbruck mit Österr. Hostess

Popowitsch und Begleiter in Gespräch mit Jonas

Kosmonaut Popowitsch (Mitte) bei Bürgermeister Jonas


Der sowjetische Kosmonaut Oberstleutnant Popowitsch traf heute zu einem Besuch im Wiener Rathaus ein, wo er von Bürgermeister Jonas empfangen wurde. Popowitsch betonte, dass sich die Weltraumfahrt durchaus noch im Stadium des Experimentes befinde. Immerhin, meinte er aber, wäre man technisch schon so weit, dass er - selbstverständlich nur mit Erlaubnis des Wiener Bürgermeisters - in jedem beliebigen Wiener Bezirk landen könne. Popowitsch trug sich mit folgenden Worten in das Gästebuch des Bürgermeisters ein: "Ich wünsche allen Bewohnern der Stadt Wien Glück und gute Gesundheit. Ich danke für den herzlichen Empfang. - Flieger-Kosmonaut der SSSR Popowitsch".

(Pawel Romanowitsch Popowitsch wurde am 5. Oktober 1930 in Usin/Ukraine geboren. Er war der Kommandant von zwei Raumflügen; 1. Wostok 4 - 12. bis 15. August 1962; 2. Sojus 14 - 3. bis 19. Juli 1974. Popowitsch war Absolvent der Luftwaffenakademie und Pilot der Luftwaffe. Er wurde am 7. März 1960 als Kosmonaut ausgewählt. Redaktion)

6.2.1964: Bürgermeister Jonas gratuliert den "Medaillen-Mädchen"

Hecher, Haas und Zimmermann mit Schi bei Siegerehrung

v.li.n.re.: Traudl Hecher (3.), Christl Haas (1.) und Edith Zimmermann (2.)

Bürgermeister Jonas hat heute an die Mitglieder des österreichischen Damenteams Christl Haas, Edith Zimmermann und Traudl Hecher Glückwunschtelegramme gerichtet:

" Herzlichen Glückwunsch zu Ihren einmaligen und hervorragenden Leistungen, mit denen Sie die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen für Österreich erringen konnten. - Franz Jonas, Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien".


7.2.1964: Antrittsbesuch des französischen Botschafters

Portrait Louis Marie Emile Roche

Französischer Botschafter in Wien, Louis Marie Emile Roche

Der neue französische Botschafter in Wien, Louis Marie Emile Roche, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


10.2.1964: Nach Tagen vernünftigem Verbrauch - Wasserkrise behoben

In seiner Radiorede konnte Bürgermeister Jonas das Ende der Wasserknappheit in Wien bekannt geben.

10.2.1964: Telegramm an Pepi Stiegler

Pepi Stiegler in Schigewand

Pepi Stiegler

Bürgermeister Jonas hat dem Olympiasieger im Herrenslalom Pepi Stiegler zu seinem großartigen Erfolg gratuliert.


10.2.1964: Marmorrelief für eine städtische Wohnhausanlage

Für die städtische Wohnhausanlage in Wien 2, Vorgartenstraße-Offenbachgasse-Engerthstraße, wird der akademische Bildhauer Rudolf Schwaiger ein Natursteinrelief anfertigen.

Die Plastik aus Untersberger Marmor wird eine Figurengruppe unter dem Motto "Karneval" darstellen.

11.2.1964: Ein süßer Besuch im Rathaus: "Miß Bonbon 1964" bei Bürgermeister Jonas

Jonas erhält Pralinenschachtel von Miss Bonbon

Brigitte Rottenbacher bei Bürgermeister Jonas

Der Wiener Bürgermeister hatte heute "süßen" Besuch im Wiener Rathaus. Anlässlich des bevorstehenden Valentinstages überreichte die Miß Bonbon 1964, Brigitte Rottenbacher, eine riesige Luxusbonbonniere im Namen des Süßwarenkleinhandels.


12.2.1964: Bürgermeister Jonas gab Auftrag zur Projektierung einer Gasentgiftungsanlage

Stadtwerke-Generaldirektor Dipl.-Ing. Dr. Horak und der Direktor der Gaswerke, Dr. Jorde, berichteten heute Bürgermeister Jonas über die Fortschritte bei den Experimenten zur Herabsetzung der Giftigkeit des Wiener Stadtgases.

Die Wiener Gaswerke machen in Leopoldau bereits seit dem Jahre 1958 derartige Versuche. Dabei wurden wichtige Erfahrungen gesammelt. Auch Berichte über Erfahrungen in anderen Städten wurden studiert. In München zum Beispiel ist eine solche Entgiftungsanlage bereits seit Mitte 1962 in Betrieb. Die Zahl der tödlichen Unfälle ist dort im vergangenen Jahr von bisher durchschnittlich 40 bis 80 Menschen auf drei zurückgegangen.

Die Fachleute meinen, dass eine solche Entgiftungsanlage den bisherigen Monoxyd-Gehalt von rund zehn Prozent auf drei Prozent heruntersetzen müsste. Die Kosten dafür sind allerdings sehr beträchtlich, umso mehr, als eine solche Anlage eine Kapazität haben müsste, die auch zu den Spitzenverbrauchszeiten das gesamte Gas entgiftet. Der Verbrauch schwankt nämlich in Wien zwischen Sommer und Winter im Verhältnis von 1:6,5. Für die Gaswerke Leopoldau und Simmering zusammen würden die Entgiftungsanlagen etwa 150 Millionen Schilling kosten.

Wie Jonas meinte, sind so hohe Kosten durchaus gerechtfertigt, wenn es um die Sicherheit geht. Man müsse dabei bedenken, dass es in den letzten fünf Jahren in Wien 1.995 Gasunfälle gab, von denen 778 tödlich ausgingen. Die Zahl der Selbstmordversuche ist dabei nicht mitgerechnet. Im Jahre 1963 betrug die Zahl der Gasunfälle 362 mit 135 Toten.

Bürgermeister Jonas gab nun den Auftrag, einen Projektsentwurf für eine Gasentgiftungsanlage dem Wiener Gemeinderat in kürzester Zeit vorzulegen, aus dem sowohl die technischen Daten als auch die Kosten hervorgehen.

13.2.1964: Ein Globus vor dem Wiener Planetarium

Der akademische Bildhauer, Josef Seebacher, wurde mit der Anfertigung eines 3,18 Meter großen Globus aus Polyester beauftragt, der vor dem Planetarium im Wiener Prater aufgestellt werden soll. Der tiefste Punkt dieser physikalischen Erdkugel wird ca. 25 Zentimeter vom Boden entfernt sein. Die Achse des Globus besteht aus Stahl. Das ganze Gerät wird auf Kugellagern montiert und ist drehbar. Der Globus wird so ausgewuchtet, dass er in jeder Stellung stehen bleibt. Seine Oberfläche wird reliefartig gestaltet und bemalt.

Um den halben Umfang der Erdkugel ist der Bau einer Treppe vorgesehen, die es ermöglichen soll, auch die obere Hälfte eingehend zu betrachten.

17.2.1964: Wien erobert Amerika - Zur Amerika Tournee der Wiener Symphoniker: "Tag der Stadt Wien" in acht Staaten und 20 Städten

Mit einem Paket von Proklamationsurkunden und begeisterten Pressestimmen kehrte Vizebürgermeister und Kulturstadtrat Mandl aus Amerika zurück. Mandl hatte die Wiener Symphoniker zu Beginn ihrer Amerika-Tournee begleitet.

Schon die ersten Tage dieser Tournee gestalteten sich zu einem großen Erfolg für die Wiener Symphoniker. Mit den Urkunden wurden in verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten und Städten fast alle Tage der Konzerttournee zu "Tagen der Stadt Wien" proklamiert.

In folgenden US-Bundesstaaten wird ein "Tag der Stadt Wien" abgehalten: Kentucky, Illinois, Ohio, Pennsylvania, Rhode Island, Massachusetts, New Jersey und Connecticut.

Auch in 20 Städten wird ein "Tag der Stadt Wien" auf dem Programm stehen, u.a. in New York, Cincinnati, Detroit, Cleveland.

17.2.1964: Ehrengeschenke der Stadt Wien für Österreichs Olympia-Sieger

Die österreichischen Olympia-Sieger 1964 und die Bestplatzierten unseres Olympia-Teams werden in Wien eintreffen und feierlich empfangen werden. Es kommen nach Wien: Christl Haas, Regine Heitzer, Edith Zimmermann, Traudl Hecher, Helene Thurner, Josef Stiegler, Egon Zimmermann, Josef Feistmantl, Manfred Stengl, Karl Schranz, Reinhold Durnthaler, Adolf Koxeder, Josef Nairz, Erwin Thaler, Reinhold Senn, Helmut Thaler, Emmerich Danzer und Gerhard Nenning.

Die 18 Sportler werden im Bundeswohnheim im 3. Bezirk untergebracht. Sie werden außerdem ein Ehrengeschenk der Stadt Wien aus Augartenporzellan und ein Glückwunschschreiben der Wiener Stadtverwaltung erhalten.

Auf Anordnung von Bürgermeister Jonas wird der Weg der Olympia-Sieger an den markantesten Stellen vom Westbahnhof bis zur Blattgasse (3. Bezirk) festlich beflaggt sein.

25.2.1964: Modeschule Hetzendorf erringt wieder ersten Preis in St. Gallen

Gegen drei Uhr früh wurde heute im Schweizer Textilzentrum St. Gallen die große Wettbewerbsvorführung des "Recontre der jungen Mode" beendet. Wie im Vorjahr gelang es auch diesmal wieder der Modeschule der Stadt Wien, den ersten Preis zu erringen.

26.2.1964: Die drei besten Plakate des Jahres 1963

Für die drei besten Plakate des Jahres 1963 wurden heute die Preise überreicht.

Es sind dies:

  • "Humanic auf allen Pisten" (Entwurf Maria Mitiska und Karl Naubacher, Graz)
  • "Bouchet-Old Splendor, das Spitzenprodukt von Bouchet" (Entwurf Rudolf Ferch, Salzburg)
  • "Lehmbruck Skulpturen und Gemälde" (Entwurf Georg Schmid, Wien).

26.2.1964: Musikinstrumente für Skoplje

Um 300.000 Schilling werden Musikinstrumente für ein komplettes Orchester für die jugoslawische Erdbebenstadt Skoplje angekauft. Diese Musikinstrumente wird Skoplje als Spende der Stadt Wien erhalten.

Die Wiener Stadtverwaltung hatte sich unmittelbar nach der Erdbebenkatastrophe im Juli 1963 bereiterklärte, Kinder aus Skoplje einige Wochen in Wien aufzunehmen. Da jedoch die Kinder nicht ausreisen durften, konnte die Hilfsaktion nicht durchgeführt werden. Nun hat der Bürgermeister von Skoplje, der vor kurzem in Wien weilte, gebeten, anstelle der ursprünglich vorgesehenen Einladung für die Kinder, der Stadtverwaltung von Skoplje eine Unterstützung in der Form zukommen zu lassen, dass die Musikstadt Wien die Musikinstrumente für ein Orchester zur Verfügung stellt. Da das seinerzeitige Hilfsangebot der Stadt Wien nach wie vor aufrecht war, hat man sich entschlossen, diese etwas ungewöhnliche Subvention zu genehmigen.

Auch der Österreichische Bundes-Feuerwehrverband kommt einer Bitte aus Skoplje nach und spendet ein komplett ausgerüstetes Löschfahrzeug. Die Kosten dafür wurden durch Spendenanteile der Landes-Feuerwehrverbände und Städte mit Berufsfeuerwehren aufgebracht. Auch hier ist die Stadt Wien mit einem namhaften Betrag beteiligt.

28.2.1964: Das ärgste Schadenfeuer in Wien seit dem Brand der Börse

Rauch dringt aus Fabrik

Brand in den Vereinigten Eisfabriken

Heute vormittag um 10.41 Uhr langte in der Hauptfeuerwache Am Hof eine Meldung über einen Kabelbrand im Kühlhaus der Vereinigten Eisfabriken in der Brigittenau, Pasettistraße76, ein. Zunächst fuhr ein Bereitschaftszug mit fünf Fahrzeugen aus. Wegen der Stärke des Brandes fuhren weitere drei Bereitschaftszüge und Tanklöschwagen zur Brandstelle. Die ersten Meldungen sprachen auch von zwei vermissten Personen. Bei der Brandbekämpfung waren schließlich vier komplette Bereitschaftszüge der Feuerwehr am Brandort vertreten. In den frühen Nachmittagsstunden stand fest, dass es sich um das ärgste Schadenfeuer in Wien seit dem Brand der Börse handelt.

Erst in den frühen Morgenstunden wurden die Leichen der beiden vermissten Personen im 4. Stock des Gebäudes gefunden. Beide waren Arbeiter in den Vereinigten Eisfabriken.

Bei den Löscharbeiten zogen sich mehrere Feuerwehrleute Verletzungen und Rauchgasvergiftungen zu.


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