Wien 1963: Berichte vom Dezember 1963

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.12.1963: Zehn Jahre Kinder- und Jugendbuchpreise der Stadt Wien - Bürgermeister Jonas überreichte Vera Ferra-Mikura, Fritz Habeck, Romulus Candea und Wilhelm Jaruska die diesjährigen Preise

Bürgermeister Jonas überreichte heute an Vera Ferra-Mikura für ihr Werk "Unsere drei Stanisläuse" den Kinderbuchpreis der Stadt Wien. Dr. Fritz Habeck erhielt für die historische Erzählung "Der einäugige Reiter" den Jugendbuchpreis. Der Illustrationspreis wurde zu gleichen Teilen Romulus Candea für die beste Illustration zu dem Buch "Unsere drei Stanisläuse" und Wilhelm Jaruska für die Bilder zu dem Buch "Alle meine Pferde" von Alexis Steiner zuerkannt.

Die Stadt Wien vergibt seit 1954 den Jugendbuchpreis, seit 1960 den Kinder- und Jugendbuchpreis. Karl Bruckner erhielt für sein Buch "Giovanna und der Sumpf" den ersten Preis dieser Stiftung.

Das Bundesministerium für Unterricht hat für das Jahr 1963 die Staatspreise für Kleinkinderbücher und Jugendliteratur gleichfalls an Frau Vera Ferra-Mikura und an Dr. Fritz Habeck verliehen.

2.12.1963: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Der neuernannte israelische Botschafter Dr. Michael Simon stattete heute Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus seinen Antrittsbesuch ab.

4.12.1963: Generalversammlung der Standortberatungsstelle - Umbenennung auf "Wiener Institut für Standortberatung"

Im Wiener Rathaus fand die Generalversammlung des Vereines "Standortberatungsstelle für Wien" statt. Der Obmann des Vereines, Wiens Baustadtrat Heller, erstattete den Bericht. Die Versammlung beschloss einstimmig, die Standortberatungsstelle umzubenennen in "Wiener Institut für Standortberatung".

Im Jänner 1963 wurde die Standortberatungsstelle für Wien gegründet. Die Stadt Wien hat sich mit einem Mitgliedsbeitrag in der Höhe von 500.000 Schilling an der Errichtung dieser für die Wiener Wirtschaft und damit für Wien überaus wichtigen Institution beteiligt.

Die Standortberatungsstelle hat in den zehn Monaten ihrer Tätigkeit 15 Gutachten und gutachtliche Stellungnahmen für verschiedene Firmen und Stellen fertig gestellt. Sie hat damit beratend oder gutachtlich zum Standort von rund 80 Betrieben in irgendeiner Form Stellung genommen. Die überwiegende Mehrzahl der Fälle betraf Handelsbetriebe und kleine Gewerbebetriebe. In drei Fällen handelte es sich um Industriebetriebe.

7.12.1963: Wiener Theaterarchitekten durch Gassennamen geehrt

Zwei Verkehrsflächen im 22. Bezirk, Eßling, wurden nach zwei bedeutenden Wiener Theaterarchitekten benannt.

Die Verbindung zwischen der Esslinger Hauptstraße und der Gartenheimstraße erhält den Namen "Fellnergasse" Damit wird Architekt Ferdinand Fellner geehrt, der von 1847 bis 1916 lebte und am Bau von insgesamt 48 Theatern in Mitteleuropa und den Balkanländern beteiligt war. Ferdinand Fellner vereinigte sich 1872 mit seinem Mitschüler, dem Architekten Hermann Helmer, der von 1849 bis 1919 lebte, zu gemeinsamer Arbeit. An Hermann Helmer erinnert nunmehr die "Helmergasse", östlich der Fellnergasse gelegen. Beide Architekten haben gemeinsam oder im Rahmen der von ihnen geschaffenen Firma das Deutsche Volkstheater in Wien, das Ronachergebäude, das Konzerthaus, die Wiener Sternwarte, das Palais Lanckoronski sowie mehrere Wiener Kaufhäuser und Hotelbauten errichtet.

10.12.1963: Großfeuer in Atzgersdorf

In einer Fabriksanlage in der Industriestraße entstand heute ein gefährlicher Brand. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand eine 750 Quadratmeter große Fertigwarenhalle in der 20 Tonnen Kunstharzlacke, Ölfarben und Öllacke eingelagert waren, sowie eine ungefähr 800 Quadratmeter große Fabrikationshalle für Nitro- und Kunstharzlacke in Flammen. Die Flammen schlugen auf die Dächer der anschließenden Hallen über. Die Feuerwehr hatte Großeinsatz und wurde bei der Brandbekämpfung auch von der Schulungsabteilung der Polizei unterstützt.

10.12.1963: Erste Versuche am Donaumodell

Ehrengäste um Wasserbecken versammelt

Besichtigung des "Donaumodells"

Im Freudenauer Hafen wurde ein großes Modell des Donaustroms im gesamten Raum von Wien errichtet, mit 300 Meter Länge das größte hydraulische Modell in Europa. Im Maßstab 1:100 plätschert dort die Donau zwischen Stromkilometer 1.941 bei Klosterneuburg und Stromkilometer 1.910 bei Mannswörth dahin. Es ist aber nicht mehr die Donau, sondern eine zweigeteilte Donau, wie sie nach dem Hochwasserschutzprojekt aussehen soll, das von der Stadtplanungskommission im Prinzip genehmigt wurde.

Die Zukunft, sieht ungefähr so aus: Bei Lang-Enzersdorf teilt sich der Donaustrom in das alte Strombett und in einen Hochwasserentlastungskanal, der entlang dem Hubertusdamm im heutigen Überschwemmungsgebiet ausgehoben werden soll. Das Aushubmaterial wird gleich dazu verwendet, einen ungefähr 230 Meter breiten hochwassersicheren Mittelstreifen zwischen Kanal und Strom anzulegen. Dieser Streifen soll Erholungszwecken dienen. Kurz vor der Einmündung des Donaukanals wird auch der Entlastungskanal wieder in den Strom münden.

Bürgermeister Jonas, Stadtrat Heller und Stadtbaudirektor Dipl.-Ing. Dr. Koller wohnten heute dem ersten "Probelauf" bei. Im Sommer sollen die Versuchsreihen abgeschlossen sein, bei denen alle hydraulischen Probleme untersucht werden sollen, ebenso die Probleme der Flussbettbildung, der Schifffahrt und der zukünftigen Kraftwerksstufen Klosterneuburg und Freudenau.


11.12.1963: Überreichung der Ehrenmedaille in Gold an Rosette Anday, Otto Zekert und Karl Farkas

Sitzreihe mit Ehrengästen

Ehrenmedaillenüberreichung an (v.li.n.re.) an Karl Farkas, Rosette Anday und Dr. Otto Zekert

Bürgermeister Jonas überreichte heute an Kammersängerin Rosette Anday, Univ.-Prof. Mr. ph. Dr. Otto Zekert und Karl Farkas die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold.


11.12.1963: Der rumänische Außenminister im Wiener Rathaus

Portrait Corneliu Manescu

Rumänischer Außenminister Corneliu Manescu

Der rumänische Außenminister Corneliu Manescu stattete heute Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus einen Besuch ab. Manescu erschien in Begleitung des Stellvertretenden Außenministers Pompiliu Macovei.

In seiner Ansprache unterstrich Manescu die Notwendigkeit des gegenseitigen Kennenlernens und in dieser Hinsicht wäre es wichtig, wenn das Außenministerium in Bukarest und das österreichische Außenministerium in dieser Richtung noch mehr tun würden.

Anschließend trug sich Manescu in das Goldene Buch der Stadt Wien ein.


12.12.1963: Antrittsbesuch des deutschen Botschafters

Der neue Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Wien Dr. Josef Löns absolvierte heute bei Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus seinen Antrittsbesuch.

13.12.1963: Otto Wagner-Ausstellung in Darmstadt

Im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt wird derzeit die Ausstellung "Otto Wagner, 1841 bis 1918 - Das Werk des Wiener Architekten", eine Exposition, gezeigt.

Das besondere Interesse, das Darmstadt dem Wiener Architekten Otto Wagner entgegenbringt, wird durch die dortigen Arbeiten des Wagner-Schülers Olbrich erklärt. Olbrich schuf auf der Mathildenhöhe bedeutende Bauwerke.

13.12.1963: Eröffnung des Kahlenberghotels

Das Kahlenberghotel, das jetzt eröffnet wird, hat außer dem Unter- und Erdgeschoss nur ein Stockwerk und bildet so die organische Fortsetzung des bisher schon bestehenden Kahlenbergrestaurants. Durch die Errichtung des Hotels wurde nicht ein einziger Quadratmeter des geschützten Wald- und Wiesengürtels verbaut, wie Stadtrat Schwaiger betonte.

Mit den Bauarbeiten wurde am 21. September 1961 begonnen. Architekt ist Prof. Dipl.-Ing. Hermann Kutschara. Das Hotel verfügt über 33 Zimmer mit 61 Betten und ist mit allem Komfort ausgestattet.

So wie das Kahlenbergrestaurant seit 1935, wird auch das neue Hotel von der Groeger & Lob KG unter der Leitung von Direktor Lob geführt.

16.12.1963: "Kennedy-Brücke" in Hietzing

"Auf Anregung von Bürgermeister Jonas hat der Kulturausschuss des Wiener Gemeinderates heute beschlossen, das neue Verkehrsbauwerk über den Wienfluss in Hietzing amtlich "Kennedy-Brücke" zu benennen. Die Namensgebung erfolgte im Hinblick darauf, dass Präsident Kennedy unweit von dort während seines Wiener Aufenthaltes im Jahre 1961 in der Villa des amerikanischen Boschafters seine Residenz hatte. Sein Weg führte ihn wiederholt über die alte Hietzinger Brücke.

Mit der Benennung "Kennedy-Brücke" wird auch in Wien das Andenken an John Fitzgerald Kennedy geehrt, in Würdigung der Verdienste um die Menschlichkeit und den Frieden in der Welt, die sich der amerikanische Präsident unzweifelhaft erworben hat."

16.12.1963: Antrittsbesuch des jugoslawischen Botschafters

Jonas begrüßt Prpic

Jugoslawischer Botschafter Vjekoslav Prpic bei Bürgermeister Jonas

Der neue jugoslawische Botschafter in Wien Vjekoslav Prpic stattete heute Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus seinen Antrittsbesuch ab.


17.12.1963: Schwere Schneefälle in Wien - Bundesheer half der Straßenbahn

Die in den gestrigen späten Abendstunden einsetzenden schweren Schneefälle in Wien, wozu sich ein starker Wind (Sturmspitzen bis 90 Stundenkilometer) gesellte, der starke Schneeverwehungen verursachte, erforderte den Einsatz von über 3.000 Schneearbeitern. Auch das Bundesheer stellte 776 Soldaten, die bei der Schneeräumung bei den Wiener Verkehrsbetrieben eingesetzt waren.

17.12.1963: Ein Informationszentrum für kommunale Finanzierungen - heute Gründung im Wiener Rathaus - Bürgermeister Jonas zum Präsidenten gewählt

Im Wiener Rathaus wurde heute ein Informationszentrum für kommunale Finanzierungen (IKF) gegründet. Folgende Institutionen gehören ihm als gründende Mitglieder an: der Österreichische Städtebund, die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, die Wiener Städtische Versicherung, die Österreichische Kommunalkredit AG zur Aufschließung von Industriegelände und die Wiener Hypothekenanstalt. Das Kuratorium des Vereines setzt sich aus bedeutenden österreichischen Kommunalpolitikern zusammen, unter ihnen die Bürgermeister von Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Eisenstadt und Wiener Neustadt. Zum Präsidenten des Vereines wurde Bürgermeister Jonas gewählt.

Die Aufgaben des Informationszentrums

Um auch in Österreich eine Koordinierung auf dem Gebiete des Kommunalkredits herbeizuführen, wurde nunmehr das Informationszentrum für kommunale Finanzierungen geschaffen, das die Probleme der kommunalen Finanzierung studieren und die Gemeinden in allen Belangen der Finanzierung beraten und unterstützen soll. Durch die Koordinierung der Kreditgeber soll eine bessere Versorgung der Städte und Gemeinden mit Kapitalmarktmitteln erreicht werden. Zu den wesentlichsten Aufgaben des Informationszentrums zählt auch die Erschließung neuer Finanzierungsquellen und die Verbesserung der bisher angewandten Methoden der kommunalen Finanzierung. Zur Erreichung dieses Zweckes wird sich das Informationszentrum insbesondere folgenden Aufgaben widmen: Beratung und Betreuung der Gemeinden in Fragen der kommunalen Finanzierung, Erstattung von Berichten, Gutachten und Vorschlägen, Pflege der Verbindung zwischen Gemeinden und kommunalen Finanzierungsinstituten des In- und Auslandes, Herausgabe von Publikationen, sowie Abhaltung von Fachtagungen, Kongressen, Vorträgen und ähnlichen Veranstaltungen.

19.12.1963: Stromverbrauchsrekord in Wien

Der Tagesbedarf an elektrischer Energie im Wiener Versorgungsgebiet überschritt heute erstmalig seit dem Bestehen der Wiener E-Werke die Höhe von zehn Millionen Kilowattstunden bei einer ebenfalls bisher nicht erreichten Spitzenleistung von 538.000 Kilowatt.

21.12.1963: 50. Geburtstag von Heinz Conrads

Portrait Heinz Conrads

Heinz Conrads

Der beliebte Wiener Conferencier Heinz Conrads feiert seinen 50.Geburtstag.

(Der Schauspieler, Wienerlieder-Interpret und Conferencier Heinz Conrads wurde am 21. Dezember 1913 in Wien geboren und starb am 9. April 1986 ebenfalls in Wien. Conrads schuf ab 1946 mit seiner Sendung "Was gibt es Neues?" einen Publikumsmagnet im Österreichischen Rundfunk. Ab 1955 gelang ihm mit seiner wöchentlichen Sendung im Fernsehen "Guten Abend am Samstag" ebenfalls ein großer Publikumserfolg. Conrads spielte in zahlreichen Filmen, war ein beliebter Wienerlied-Interpret und spielte auch ab 1973 oft den "Frosch" in der "Fledermaus" in der Wiener Volksoper. Redaktion)


23.12.1963: 65. Geburtstag von Professor Karl Friedl

Professor Dr. phil. Dr.h.c.mont Karl Friedl feiert seinen 65. Geburtstag.

Prof. Friedl entdeckte bei seinen Forschungen um den geologischen Aufbau des Wiener Beckens die Erdöl- und Erdgasfelder bei Zistersdorf und Matzen. Auch in nächster Zeit werden Bohrungen auf Grund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit durchgeführt werden.

27.12.1963: Stadtrat Hans Riemer gestorben - Vom Rathaus wehen Trauerfahnen

Der Amtsführende Stadtrat für Personalangelegenheiten, Verwaltungs- und Betriebsreform, Hans Riemer, ist am 26. Dezember im Lainzer Krankenhaus, im 63. Lebensjahr an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Siehe: Lebenslauf und Foto von StR. Riemer

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