Wien 1962: Berichte vom Oktober 1962

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.10.1962: Antrittsbesuch des Rektors der Technischen Hochschule

Der Rektor der Technischen Hochschule, Professor Jaro Karl Merinsky, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.

3.10.1962: Bürgermeister Jonas empfing neuen Liesinger Bezirksvorsteher

Jonas und Suttner in Gespräch

Neuer Bezirksvorsteher von Liesing, Reinhold Suttner

Der neue Bezirksvorsteher des 23. Bezirkes, Reinhold Suttner, stattete heute Bürgermeister Jonas einen offiziellen Besuch ab.


5.10.1962: Das ehemalige Londoner Stadtoberhaupt bei Bürgermeister Jonas

Der ehemalige Lord Mayor of London, Sir Rupert de la Bere, ist zu einem mehrtägigen Besuch nach Wien gekommen und besuchte Bürgermeister Jonas im Rathaus.

Sir Rupert de la Bere ist der Präsident des Aufsichtsrates eines internationalen Konzerns, dem auch die Wiener Transportgesellschaft E. Bäuml angehört. Das Wiener Unternehmen feiert dieser Tage seinen 100-jährigen Bestand.

8.10.1962: 60-jähriges Schriftstellerjubiläum von Karl Weidlich

Am 10. Oktober 1902 erschien in einer Wiener Zeitung die erste Erzählung des Wiener Journalisten und Schriftstellers Karl Weidlich. Der 82-jährige begeht also in zwei Tagen sein 60-jähriges Schriftstellerjubiläum.

Karl Weidlich wurde am 20. Februar 1880 als Sohn eines Ledergalanteriewarenerzeugers in Meidling geboren und erlernte zunächst das väterliche Handwerk. 1902 wurde seine erste Geschichte gedruckt und 1910 wandte er sich dem Journalismus zu. Neben seiner Tätigkeit als Journalist schuf er viele hundert Wiener Geschichten und schrieb mehrere Bühnenstücke.

11.10.1962: Ein unbekanntes "Mausoleum" wird demoliert

Unter den Objekten, die jetzt dem Bau des neuen Rudolfspitales weichen müssen, befindet sich auch ein der Wiener Bevölkerung völlig unbekannt gebliebenes Bauwerk. Es steht im Gebüsch des Gartens der Dermatologischen und der III. Medizinischen Abteilung der Rudolfstiftung in der Boerhaavegasse und wird in der polizeilichen Abbruchgenehmigung als "Mausoleum" bezeichnet.

Der 1945 durch Bomben beschädigte Bau wird, wie durch Umfragen zu erfahren war, irrtümlich als eine Grabstätte bezeichnet. Es handelt sich um eine Gedächtnisstätte, die von den Schülern der ehemaligen Militärakademie errichtet wurde und Kaiser Franz Josef kurz vor seinem Tode über die Niederlagen auf den Schlachtfeldern trösten sollte.

12.10.1962: Bürgermeister Jonas legte Grundstein zum "Donauturm"

Jonas legt Ziegelstein auf Mauerstück

Grundsteinlegung zum "Donauturm"

Bürgermeister Jonas legte heute den Grundstein zum 260 Meter hohen "Donauturm". Das Bauwerk soll im künftigen Donaupark entstehen, als Mittelpunkt der für 1964 geplanten großen Internationalen Gartenschau.

Mit den Bauarbeiten wurde am 31. Juli begonnen. Der fertige Turm wird 17.000 Tonnen schwer sein. Innerhalb von zwei Monaten konnte das komplizierte Fundament fertig gestellt werden. Der Turm, der auf dem 31 Meter im Durchmesser großen Fundament ruhen wird, soll aus einem sich nach oben hin verjüngenden 180 Meter hohen Stahlbetonschaft bestehen. Der untere Durchmesser beträgt zwölf Meter, der obere sechs Meter. Hergestellt wird der Turm in einem Verfahren, nach dem auch die beiden größten Pfeiler der Europabrücke in Tirol gebaut wurden. 500.000 Kilogramm Betonstahl und 3.000 Kubikmeter Beton wird der Turm verschlingen. Dazu kommen noch für die Turmkopfkonstruktion 100.000 Kilogramm Profilstahl und 32.000 Kilogramm Aluminium sowie schließlich 50.000 Kilogramm Stahl für den 81 Meter hohen Stahlrohrmast, der dem Bauwerk zu seiner Höhe von 260 Meter verhelfen wird. Die Baukosten werden voraussichtlich 60 Millionen Schilling betragen. Mit der Planung und Bauleitung des gesamten Projektes wurde Architekt Lintl beauftragt, die statischen Berechnungen führte Dr. Krapfenbauer durch.

Die Grundsteinurkunde lautet:

"Es wird hiermit beurkundet, dass am heutigen Tage der Grundstein für den "Donauturm" gelegt wurde. Im Rahmen der Wiener Internationalen Gartenschau 1964 wird der Turm seiner Bestimmung übergeben werden, um den Besuchern Wien in einer neuen Perspektive zu zeigen. Der Baugrund wurde von der Stadt Wien unter ihrem Bürgermeister Franz Jonas zur Verfügung gestellt.

Der Turm wird eine Gesamthöhe von 260 Meter haben und wird aus einem 180 Meter hohen Stahlbetonschaft, auf dem noch ein 80 Meter hoher Stahlrohrmast aufgesetzt wird, bestehen. Das Gesamtgewicht des Turmes wird rund 17.000 Tonnen betragen. Für die Herstellung des Turmes werden rund 500 Tonnen Betonstahl, 3.000 Kubikmeter Beton, für die Turmkopfkonstruktion 100 Tonnen Profilstahl und 32 Tonnen Aluminium und für den Rohrmast 50 Tonnen Stahl verarbeitet werden.

Die "Donauturm"-Aussichtsturm- und Restaurantbetriebsgesellschaft m.b.H. hat mit der Gesamtplanung Architekt Hannes Lintl, Wien, und mit den statischen Berechnungen Herrn Dr. Robert Krapfenbauer, Wien, beauftragt.

Die Grundsteinsteinlegung erfolgte in Anwesenheit der Vertreter des Bundes, der Stadt Wien und zahlreicher Festgäste."

16.10.1962: Planungskommission für den Krankenhausbau

Die Konstituierung der Planungskommission für den Krankenhausbau fand heute statt. Aufgabe der Kommission, welcher Ärzte, Architekten und Verwaltungsbeamte angehören, wird es sein, die neuen Bauvorhaben der Stadt Wien auf dem Krankenhaussektor zu koordinieren. Vor allem sollen die Ergebnisse des Generalsanierungsprogrammes zur Neugestaltung der Wiener Krankenhäuser überprüft werden, und für die nächsten Jahre die vielfältigen Bauvorhaben in den städtischen Krankenanstalten nach der Dringlichkeit eingestuft werden.

17.10.1962: Dachgleiche beim "Norbert Liebermann-Hof"

Auf der Baustelle des "Norbert Liebermann-Hofes" in der Oberen Donaustraße fand heute die Dachgleichenfeier statt. Der von der Wiener Städtischen Versicherung nach den Plänen von Architekt Prof. Boltenstern ausgeführte Bau wird nach seiner Vollendung als Bürohaus eingerichtet werden. Mit der Errichtung dieses Bürohauses sollen die großen Verdienste des verstorbenen Generaldirektors Norbert Liebermann gewürdigt werden.

18.10.1962: Die Aktion "Der gute Film" beginnt. Feierliche Konstituierung im Wiener Rathaus

Heute fand im Wiener Rathaus die Konstituierung der Landesstelle Wien der Aktion "Der gute Film" statt. Die Aktion wurde vor einigen Jahren vom Unterrichtsministerium in Zusammenarbeit mit den Bundesländern ins Leben gerufen. Die Landesstelle Wien nimmt nun am 22. Oktober ihre Tätigkeit auf. Von da ab werden 22 Wiener Kinos jeweils an einem anderen fixen Wochentag wertvolle Filme spielen, die sonst kaum in die Bezirke hinaus kämen.

19.10.1962: 65. Geburtstag von Alexander Lernet-Holenia

Am 21. Oktober feiert der Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia seinen 65. Geburtstag.

Lernet-Holenia ist einer der bedeutendsten Vertreter der modernen österreichischen Literatur und gehört zu jenen heimischen Schriftstellern, deren Wirkungskreis über Österreich hinausgeht.

19.10.1962: Ernest Bevin-Hof in Hernals

Die städtische Wohnhausanlage 17, Andergasse-Pointengasse wird in "Ernest Bevin-Hof" benannt. Diese Ehrung gilt dem 1951 verstorbenen Außenminister Großbritanniens, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg besonders für die Unabhängigkeit Österreichs eingesetzt hat.

Ernest Bevin, der am 9. März 1881 in Südwestengland geboren wurde und seit seiner frühesten Jugend als Arbeiter, Gewerkschafter, Regierungsexperte und schließlich als Kabinettsmitglied in verschiedenen Funktionen tätig war, hat die Bestrebungen Österreichs hinsichtlich eines Staatsvertrages bereits kurz nach Kriegsende außergewöhnlich unterstützt. Seiner Initiative sind zahlreiche Verhandlungen zwischen den Weltmächten in dieser Hinsicht zu danken. Bevin, der seit den Dreißigerjahren mit der österreichischen Arbeiterbewegung in Verbindung stand, war von allen Staatsmännern am ehesten geneigt, unmittelbar nach 1945 Vertrauen in die Kräfte des österreichischen Staates und seine demokratische Bewegung zu haben. Dementsprechend ergriff er die Initiative zum Abschluss des zweiten Kontrollabkommens, das die Position der österreichischen Volksvertretung entscheidend stärkte. Ebenso war das kompromisslose Festhalten an der Unteilbarkeit Österreichs sein besonderes Verdienst.

23.10.1962: Gustav Jäger-Park beim Technischen Museum

Die Parkanlage beim Technischen Museum wird in "Gustav Jäger-Park" benannt. Damit wird an den Physiker Univ.-Prof. Dr. Gustav Jäger erinnert, der von 1865 bis 1938 lebte und an der Technischen Hochschule sowie auch an der Wiener Universität lehrte. Sein fünfbändiges Werk über die "Theoretische Physik" ist noch allgemein in Gebrauch.

23.10.1962: Nobelpreisträger Professor Hahn bei Bürgermeister Jonas

Der Atomphysiker und Nobelpreisträger Univ.-Prof. Dr. Otto Hahn besuchte heute Bürgermeister Jonas.

(Otto Hahn wurde am 8.3.1879 in Frankfurt/Main geboren. Er starb am 28. 7. 1968 in Göttingen. Er studierte Chemie in Marburg und München und wurde danach Assistent an der Universität in Marburg. 1905 entdeckte Hahn ein neues radioaktives Element, das Radiothor genannt wurde. Er arbeitete gemeinsam mit Lise Meitner und 1918 entdeckten sie das Element 91. Lise Meitner musste 1938 Deutschland verlassen und Hahn vollendete mit Strassmann den Versuch der Spaltung des Uran-Kerns durch Neutronen. Diese Kernspaltung setzt unvorstellbare Mengen von Energie frei und damit sind die Voraussetzungen zur Herstellung von Atomwaffen gelegt worden. In den Jahren 1948 bis 1950 forderte Hahn als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften" immer wieder ein Atomwaffenverbot. Otto Hahn erhielt 1944 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Spaltung schwerer Atomkerne zuerkannt. Red.)

26.10.1962: Rot-weiß-rotes "Hetzendorfer Luftschiff" gestartet. Die Modeschülerinnen der Stadt Wien zum "Tag der Fahne"

Auch heuer hatten sich die Schülerinnen der Modeschule Hetzendorf etwas Besonderes zum "Tag der Fahne" ausgedacht.

Etwa 300 Modeschülerinnen - jede mit einem roten oder einem weißen großen Luftballon - nahmen von der Mitte des Rathausplatzes Besitz. Sie knoteten die Ballons zu einer rot-weiß-roten Traube, an die eine Fahne der Republik geheftet war. Das "Hetzendorfer Luftschiff" stieg dann rasch auf.

26.10.1962: Prof. Armin Kaufmann wird 60

Portrait Armin Kaufmann

Prof. Armin Kaufmann

Der Geiger und Komponist Prof. Armin Kaufmann vollendet das 60. Lebensjahr.

Kaufmann trat 1928 in den "Verband der Wiener Symphoniker" ein, dem er bis heute angehört.


27.10.1962: 64 Autobusse bekamen ein "Zuhause". Eröffnung der Garage Spetterbrücke

Der städtische Autobusbetrieb weitet sich durch die Umstellung von Straßenbahnlinien auf Autobusse immer mehr aus. Für diese neuen Busse werden auch neue Garagen notwendig. So wurde bereits im Vorjahr die Raxgarage in Betrieb genommen und heute wurde nun der erste Bauabschnitt der Autobusgarage--fr-- bei der Spetterbrücke in Ottakring von Bürgermeister Jonas offiziell in Betrieb genommen. 64 städtische Autobusse haben hier ein "Zuhause". Bei einem späteren Ausbau soll sich die Zahl der Wageneinstellplätze auf 224 vergrößern.

30.10.1962: Sechs Auerochsen kommen

Der Lainzer Tiergarten bekommt eine neue Attraktion, eine kleine Auerochsen-Herde, bestehend aus zwei Stieren und vier Kühen - aus dem Tierpark Hellabrunn in München. Die "Urviecher" kommen zunächst zur Eingewöhnung in ein ca. drei Hektar großes eingezäuntes Gebiet im Lainzer Tiergarten. Später ist die Schaffung eines großen Freigeheges beabsichtigt.

Der Auerochse oder Ur ist der Stammvater der verschiedenen Hausrinderrassen, die einzige echte Wildrindart Europas, die in der Frühzeit auf unserem Kontinent weit verbreitet war. Im Jahre 1627 starb der Ur in Europa aus. In langjähriger Rückzüchtung konnten nun wieder Auerochsen "geschaffen" werden.

31.10.1962: Am Weltspartag 1962: Grundsteinlegung der Zentralsparkasse

Bürgermeister Jonas legte heute in der Vorderen Zollamtsstraße auf dem Grundstück des ehemaligen Bürgertheaters den Grundstein für das Hauptanstaltsgebäude der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. Jonas nahm unter den symbolischen drei Hammerschlägen die Grundsteinlegung vor. Mit der Urkunde versenkte er in den Grundstein auch die heutige Ausgabe der "Wiener Zeitung", die Bilanz der Zentralsparkasse aus dem Vorjahr sowie sämtliche Münzen von einem Groschen bis zu 50 Schilling, die sich derzeit im Umlauf befinden.

31.10.1962: Bahn frei für das neue Allgemeine Krankenhaus

"Der Spitzenausschuss für den Neubau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (Universitätskliniken) trat heute im Wiener Rathaus unter Vorsitz von Bürgermeister Jonas zu seiner 10. Sitzung zusammen. An der Sitzung nahmen weiters Bundesminister Dr. Drimmel, Vizebürgermeister Slavik, die Stadträte Heller und Dr. Glück, Sektionschef Dr. Schindl in Vertretung von Bundesminister Proksch, Sektionschef Dr. Rottky in Vertretung von Bundesminister Klaus, die Vertreter der Medizinischen Fakultät sowie die Beamten des Bundes und der Stadt Wien teil.

Der Spitzenausschuss stellte fest, dass die Bauarbeiten an der Generalsanierung der II. Chirurgischen und I. Frauen-Universitätsklinik einen sehr guten Fortschritt aufweisen, so dass die Fertigstellung des ersten Bauloses im Frühjahr des kommenden Jahres erfolgen wird.

Hinsichtlich des Grundrisses des Bettenhauses für den Neubau wurde beschlossen, die Krankenstationen in Anpassung an die modernsten Erkenntnisse im Krankenhausbau in Form des Zwei-Flursystems anzulegen, wobei die Erfordernisse der Patientenbetreuung und des medizinischen Unterrichtes volle Berücksichtigung gefunden haben. Durch das Zwei-Flursystem ist es möglich, auch städtebaulichen Gesichtspunkten zu entsprechen, da das Bettenhaus durch diese Stationsanlage eine wesentlich geringere Bauhöhe aufweisen wird, als dies bei einem Einflursystem der Fall gewesen wäre. Außerdem konnte hiedurch das Raumangebot für Pflege, Unterricht und Forschung noch beträchtlich vergrößert werden. Der Pflegebereich wurde in Normal- und Sonderpflegeeinheiten (z.B. Intensivstationen für besonders Schwerkranke) unterteilt.

Der heute gefasste Beschluss für das Bettenhaus, der grundsätzlicher Natur ist, macht die Bahn frei für die Fertigstellung der Grundsatzplanung. Hiedurch ist es weiter möglich, die Detailplanung für einzelne disloziert liegende Objekte, wie Krankenpflegeschule, Schwestern- und Ärztewohnhäuser und dergleichen, so voranzutreiben, dass der Baubeginn für diese Objekte im Sommer des kommenden Jahres sichergestellt erscheint. Der Spitzenausschuss sprach abschließend dem mit der unmittelbaren Planung betrauten, aus den Architekten, Vertretern der Medizinischen Fakultät, des Bundes und der Stadt Wien zusammengesetzten Arbeitsteam für die bisherige produktive Arbeit, die die Grundlage für die heute gefassten maßgebenden Beschlüsse war, den Dank aus."

Verantwortlich für diese Seite:
Rathauskorrespondenz (Magistratsabteilung 53)
Kontaktformular