Wien 1962: Berichte vom Jänner 1962

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.1.1962: 70. Geburtstag von Prof. Enzinger

Der österreichische Literarhistoriker und Stifter-Forscher, Univ.-Prof. Dr. Moriz Enzinger, feiert seinen 70. Geburtstag.

3.1.1962: Neuer Generalinspektor der Sicherheitswache

Portrait Generalinspektor Lipovitz

Generalinspektor Dr. Lipovitz

Bürgermeister Jonas empfing heute den neuen Generalinspektor der Wiener Sicherheitswache, Sektionsrat Dr. Lipovitz.


4.1.1962: Van Swieten als Gartenarchitekt

Bei der Planung einer neuen Wohnhausanlage in Mauer wirkte der berühmte Leibarzt Maria Theresias Van Swieten mit.

Das 12.000 Quadratmeter große Grundstück war einst ein Teil des ausgedehnten Sommersitzes, das dem berühmten Arzt von der Kaiserin in Anerkennung seiner Verdienste geschenkt wurde. Van Swieten ließ um 1750 nach eigenen Plänen einen großen Naturpark anlegen, dessen Baumbestand größtenteils noch gut erhalten blieb. Bei der Planung der neuen Wohnhausanlage wurden nun die schönsten Baumgruppen in die gärtnerische Ausgestaltung der Grünflächen miteinbezogen.

4.1.1962: "Wiener Kulinarisches Festival" in Frankfurt

Die Fremdenverkehrsstelle der Stadt Wien und der Bund österreichischer Gastlichkeit veranstalten gemeinsam mit der Direktion des Hotels "Frankfurter Hof" in Frankfurt am Main ein "Wiener Kulinarisches Festival".

Das Hotel "Frankfurter Hof" hat eine "Wiener Kochbrigade" und eine "Restaurant-Brigade", die von bekannten Wiener Fachleuten geleitet werden, engagiert. Eine aus Wiener Spezialitäten zusammengestellte Menükarte wird 2.000 Stammgästen des Hotels "Frankfurter Hof" zugesandt.

Es handelt sich um das erste Wiener Festival dieser Art, das im Ausland stattfindet. Man wird nun auch in Frankfurt nach bewährtem Wiener Vorbild das Diplom eines "Gourmet Viennois" erwerben können.

5.1.1962: Die "Heiligen Drei Könige" im Wiener Rathaus

Kinder im Kostüm der Heiligen Drei Könige im Stadtratbüro

Sternsingergruppe bei Stadtrat Lakowitsch

Eine Sternsingergruppe von der Piaristenkirche wurde heute von Stadtrat Lakowitsch im Wiener Rathaus empfangen. Die "Heiligen Drei Könige" sammeln wie alle Sternsingergruppen in Wien für afrikanische Missionen.


10.1.1962: Wien in Karlsruhe

Die große Wiener Ausstellung "Wien - Stadt der Arbeit, Stadt der Kunst" wird nun auch in Karlsruhe gezeigt. Die Ausstellung wurde zuletzt in Stuttgart gezeigt.

11.1.1962: Die Zentralsparkasse als Mäzen: 20-mal "Lumpazivagabundus" für Wiens Hauptschüler

Anlässlich des heurigen Nestroy-Jahres widmete die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien 10.000 Wiener Hauptschülern 20 Vorstellungen des "Lumpazivagabundus" mit prominenten Burgschauspielern. Die Hauptdarsteller sind Wolfgang Gasser (Leim), Michael Janisch und Erich Auer alternierend (Knieriem) und Fritz Lehmann (Zwirn).

11.1.1962: 60. Geburtstag von Prof. Dr. Otto Croy

Der Bahnbrecher der wissenschaftlichen Fotografie in Österreich, Prof. Dr. Otto Croy, feiert seinen 60. Geburtstag.

11.1.1962: Bezirksvorsteher von Margareten zurückgetreten

Der Bezirksvorsteher des 5. Bezirkes, Franz Grubeck (SPÖ), hat heute aus gesundheitlichen Gründen seine Funktion als Bezirksvorsteher und Mitglied der Bezirksvorstehung von Margareten zurückgelegt.

12.1.1962: Ernst Arnold gestorben

Portrait Ernst Arnold mit Zylinder

Ernst Arnold

Der bekannte Künstler Ernst Arnold ist am 5. Jänner in Wien gestorben. Die Stadt Wien widmet dem Verstorbenen ehrenhalber eine Grabstätte in bevorzugter Lage auf dem Zentralfriedhof. (Ernst Arnold, Pseudonym für E. Jeschke, wurde am 12.2.1890 in Wien geboren. Er war Komponist und ein bekannter Wienerliedertexter und -sänger. Arnold komponierte rund 800 Lieder. Er erlebte 1920 mit "Da draußen in der Wachau" und mit "Du, nur Du" Welterfolge als Komponist. Arnold war der Bruder von Fritz Imhoff. Red.)


13.1.1962: Übergabe der Rennerpreise

Im Wiener Rathaus wurden heute zum zehnten Male die Rennerpreise an folgende Personen verliehen:

  • Josef Hanns
  • Johann Heilmann
  • Dr. Erwin Ringel
  • Dr. Hans Rotter
  • Dr. Alexander Hryntschak
  • Prof. Dr. Jellinek (wird den Preis zu einem späteren Zeitpunkt in Empfang nehmen)

16.1.1962: 50. Geburtstag von Bundesminister Dr. Drimmel

Portrait Heinrich Drimmel

Bundesminister Dr. Heinrich Drimmel

Bundesminister Dr. Heinrich Drimmel feiert seinen 50. Geburtstag.

(Drimmel Heinrich (ÖVP), geb. 16.1.1912 in Wien, gestorben 2.11.1991 in Wien. Heinrich Drimmel trat 1936 in den Staatsdienst ein. Er absolvierte ab 1941 Kriegsdienst und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Drimmel war von 1954 bis 1964 Bundesminister für Unterricht, von 1964 bis 1969 Amtsführender Wiener Stadtrat und Vizebürgermeister von Wien. Red.)


16.1.1962: Antrittsbesuch des griechischen Botschafters

Georges Christodoulo in Gespräch mit Jonas

Griechischer Botschafter, Georges Christodoulo, bei Bürgermeister Jonas

Der neue griechische Botschafter Georges Christodoulo stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


17.1.9162: 85. Geburtstag von Michael Eisler-Terramare

Am 20. Jänner vollendet Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Eisler-Terramare das 85. Lebensjahr.

In Wien geboren, absolvierte er hier die medizinischen Studien und habilitierte sich 1910. 1916 wurde er Professor für allgemeine und experimentelle Pathologie. Gleichzeitig war er als Direktor des Serotherapeutischen Institutes tätig, dessen moderne Organisation ihm zu danken ist. Nach der Emeritierung wirkte er noch lange Zeit am Institut und an der Universität als Honorarprofessor. Eisler-Terramare ist auch als selbständiger Forscher, vor allem auf dem Gebiet der Serologie, hervorgetreten. Von ihm stammen mehr als 100 Fachschriften über serologische und serotherapeutische Themen, die internationale Anerkennung fanden.

18.1.1962: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Sir Malcom Henderson in Gardeuniform

Sir Malcom Henderson

Der neue britische Botschafter Sir Malcolm Henderson stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


19.1.1962: Bürgermeister Jonas besichtigte die Strahlentherapie in Lainz

Bürgermeister Jonas stattete heute der Abteilung Strahlentherapie des Krankenhauses Lainz einen Besuch ab, um sich vom Leiter dieser Sonderabteilung, Prim. Dr. Wasserburger, über die dort angewendeten modernsten Methoden der Bestrahlungstechnik unterrichten zu lassen. Lainz kann in der Strahlentherapie auf eine beachtliche und ruhmreiche Tradition hinweisen, die seinerzeit von Stadtrat Prof. Tandler gegründet wurde. Lainz hat als eines der ersten Institute Europas vor mehr als 30 Jahren Radium in der Bestrahlungstherapie angewendet. Die fünf Gramm Radium, die damals von Prof. Tandler für Wien erworben werden konnten, waren eine gewaltige Menge. Neben der "Tandler'schen Radium-Kanone", wie das Bestrahlungsgerät in Fachkreisen heute noch genannt wird, wird jetzt in Lainz auch mit dem modernsten Kobalt 60-Gerät bestrahlt. Die Strahlen des Kobalt 60 haben gegenüber der üblichen Radiumbehandlung viele Vorteile. Sie sind ungefähr genauso stark wie die des Radiums, sie schonen aber bei intensiverer Behandlung besser das gesunde Gewebe und können Knochen leichter durchdringen. Auch die Dauer der Bestrahlung kann jetzt wesentlich verkürzt werden, sodass täglich im Durchschnitt 30 Krebspatienten behandelt werden.

19.1.1962: Baudirektor i.R. Dipl.-Ing. Gundacker gestorben

Heute ist im Sanatorium Hera der ehemalige Baudirektor von Wien, Dipl.-Ing. Johann Gundacker, im 75. Lebensjahr gestorben.

Gundacker trat im Jahre 1913 in den Gemeindedienst ein und war vor allem in jenen Abteilungen des Bauamtes beschäftigt, die sich mit dem kommunalen Wohnbau befassten. Im Mai 1945 wurde er zum Baudirektor bestellt; dieses Amt übte er bis zu seiner Pensionierung im März 1954 aus.

20.1.1962: Ehrenzeichen für Maria Jacobi, Karl Lakowitsch und Anton Schwaiger

Bundespräsident Dr. Schärf hat den Amtsführenden Stadträten Maria Jacobi, Karl Lakowitsch und Anton Schwaiger Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Bundesminister Afritsch nahm heute in Anwesenheit von Bürgermeister Jonas und Stadtrat Sigmund die Überreichung vor.

23.1.1962: Hohe Auszeichnungen für die Wiener Vizebürgermeister

Jonas überreicht Slavik und Mandl je eine Auszeichnung

Ehrenzeichenüberreichung durch Bürgermeister Jonas an Vizebürgermeister Slavik (Mitte) und Vizebürgermeister Mandl (rechts)

Bürgermeister Jonas überreichte heute an die beiden Vizebürgermeister Felix Slavik und Johann Mandl das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich.


24.1.1962: Glückwünsche für zwei Wiener Künstlerinnen

Anlässlich des 50.Geburtstages der Bildhauerin Maria Bilger-Biljan-Perz und des 65. Geburtstages der bekannten Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky übermittelte Vizebürgermeister Mandl die Glückwünsche der Wiener Stadtverwaltung.

Maria Bilger-Biljan, die zu den Hauptrepräsentantinnen zeitgenössischer Kunst in Wien gehört, greift in ihren Arbeiten auf die versunkenen Kulturen vorgeschichtlicher Zeit und längst vergangener Völker zurück. (Bilger-Biljan war Mitbegründerin des Wiener Art-Clubs und von 1978 bis 1982 Prof. für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Sie starb am 1. Mai 1997 in München. Red.)

Margarete Schütte-Lihotzky, geb. 23.1.1897 in Wien, gestorben am 18.1.2000 in Wien. Von 1915-1919 Architekturstudium als erste Frau in Österreich. Ab 1920 arbeitete sie u.a. bei Adolf Loos. Sie entwarf die "Frankfurter Küche", heiratete 1927 den Architekten W. Schütte. Wien verdankt ihr eine Reihe beispielgebender Wohnhausanlagen. Red.)

25.1.1962: 75. Geburtstag von Heinrich Kralik

Am 27. Jänner vollendet der Musikschriftsteller Prof. Dr. Heinrich Kralik das 75. Lebensjahr.

Kralik studierte in Wien bei Guido Adler Musikwissenschaft, am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde bei Hermann Grädener Theorie. Nach dem Kriegsdienst wirkte er 20 Jahre lang beim Wiener Tagblatt, bis ihn die Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten zur Einstellung seiner publizistischen Tätigkeit zwang. Seit 1946 gehörte er dem Redaktionsstab der Tageszeitung "Die Presse" an. Gleichzeitig hatte er die Direktion der Musikabteilung der Ravag inne. Prof. Kralik war schon in jungen Jahren durch seine Opern- und Oratorien-Einführungen bekannt geworden, die als Textbücher der Wiener Tagblattbibliothek weite Verbreitung fanden. Auch seine anderen Musikbücher werden viel gelesen. Von ihm stammen u.a. "Beethoven, eine Skizze seines Lebens und Schaffens", "Schuberts Liederzyklen", "Die Wiener Philharmoniker". Auch die Festschrift zur Eröffnung der wieder aufgebauten Staatsoper stand unter seiner redaktionellen Leitung.

26.1.1962: Vorstellung der neuen Verkehrsbetriebe-Direktoren

Der Amtsführende Stadtrat für die Städtischen Unternehmungen Schwaiger stellte heute die neuen Direktoren der Wiener Verkehrsbetriebe der Presse vor:

Zum Technischen Direktor wurde Dipl.-Ing. Ernst Görg bestellt, der 1904 in Wien geboren ist und im Jahre 1935 bei den Verkehrsbetrieben eintrat. 1952 wurde er technischer Vizedirektor und 1957 verantwortlicher Betriebsleiter gegenüber der Aufsichtsbehörde.

Als Kaufmännischer Direktor fungiert Dr. Dkfm. Ing. Carl Mauric. Er wurde 1913 geboren und ist 1947 bei den Verkehrsbetrieben eingetreten. 1956 wurde er Leiter der betriebswirtschaftlichen Abteilung und 1959 Vorstand der kaufmännischen Gruppe.

Der Technische Vizedirektor Dr. Dipl.-Ing. Erich Körber wurde 1910 ebenfalls in Wien geboren und trat 1937 in den Dienst der Verkehrsbetriebe. 1957 wurde er Leiter der bautechnischen Gruppe.

26.1.1962: Univ.-Prof. Dr. Erwin Stransky gestorben

Der Neurologe und Psychiater Univ.-Prof. Dr. Erwin Stransky ist im 85. Lebensjahr in Wien gestorben.

(Stransky trat nach dem Medizinstudium in die damalige I. Psychiatrische Universitätsklinik am Allgemeinen Krankenhaus unter Julius Wagner von Jauregg ein und nahm weitere neurologische Ausbildung bei Heinrich Obersteiner und Lothar von Frankl-Hochwart. 1908 habilitierte er für Neurologie und Psychiatrie. 1906 wirkte er als psychiatrischer Sachverständiger beim Handelsgericht in Wien, ab 1915 war er auch für die Wiener Militärgerichte zuständig. 1938 legte Stransky seine Lehrtätigkeit an der Universität aus politischen Gründen nieder. Nach seiner Wiedereinsetzung im Jahre 1945 beschäftigte er sich mit dem Wiederaufbau der Nervenheilanstalt Rosenhügel., deren Leitung er auch übernahm. Stransky war Mitbegründer der modernen Schizophrenielehre. Red.)

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