Wien 1960: Berichte vom Februar 1960

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.2.1960: Gasexplosion auf dem Fleischmarkt

Heute früh ist es im Hause Fleischmarkt 24 in einer mit Gas gefüllten Wohnung zu einer schweren Explosion gekommen, die zwölf Verletzte forderte. Als die Feuerwehr am Fleischmarkt ankam, war die schmale Drachengasse mit Glassplittern übersät. Im dritten Stiegenhaus des Wohnhauses Fleischmarkt 24 lagen Türen und Fenster zwischen abgesprengtem Mauerwerk wüst durcheinander.

Zu der Explosion kam es, als ein Hausbewohner in selbstmörderischer Absicht die Gashähne geöffnet hat und auch den Tod fand. Ein Hausbewohner, der um acht Uhr früh Gasgeruch verspürte und an der Tür der mit Gas erfüllten Wohnung die elektrische Klingel drückte, löste die Explosion aus.

2.2.1960: Gartenanlage bei der Ruprechtskirche - Der freie Blick auf Wiens älteste Kirche bleibt erhalten

Der freie Blick auf Wiens älteste Kirche bleibt erhalten und der einheitliche Grünflächenzug des Franz Josefs-Kais wird optisch bis zur Stützmauer der Ruprechtskirche herangebracht. Vorgesehen ist eine einfache Terrassierung, sodass in mittlerer Höhe der Stützmauer ein Platz für Sitzbänke entsteht. Auch ein Wandbrunnen soll errichtet werden, dessen Wasserüberlauf unterhalb der Konsolen in der Art einer offenen Wasserrutsche wieder zutage tritt und in einem ein- bis zwei Quadratmeter großem Wasserbecken mündet. Die Kosten dieser Gartenanlage werden ca. 800.000 Schilling betragen.

3.2.1960: Gemeinde Wien schafft Ateliers für Bildhauer

Die Gemeine Wien beabsichtigt, in Simmering Bildhauerateliers für freischaffende Künstler zu errichten. Der Neubau soll vier Ateliers, eine Werkstätte mit Garderobe sowie ein Flugdach mit Lagerräumen umfassen. Alle Gebäude sind in Massivbauweise mit Vibromauerwerk geplant. Das Ateliergebäude wird unterkellert und soll ein Betonflachdach mit vier Glasoberlichten erhalten. Stadtrat Heller beantragte heute einen Betrag von 2,2 Millionen Schilling für die Errichtung des Ateliers.

Die Ateliers werden von einer Wirtschaftsgenossenschaft der bildenden Künstler verwaltet werden. Die Vermietung erfolgt für den Zeitraum, der die Ausführung von Aufträgen erfordert.

5.2.1960: Ein Wiener Landeskomitee für das Weltflüchtlingsjahr

Briefmarke mit Darstellung einer flüchtenden Familie

Sondermarke anlässlich Weltflüchtlingsjahr

Unter dem Vorsitz von Stadträtin Maria Jacobi fand heute die Konstituierung eines Wiener Landeskomitees im Rahmen des Weltflüchtlingsjahres statt. Österreich und vor allem Wien haben durch die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen nach 1945 und im Jahre 1956 zu jenen Ländern Europas gehört, die am aktivsten die Flüchtlingsnot gelindert und den Flüchtlingen eine neue Heimat geboten haben. Mehr als 140.000 Personen haben seit 1945 in Wien die Staatsbürgerschaft erworben.

Aber nicht nur die Stadtverwaltung, sondern jede einzelne der Hilfsorganisationen (z.B. Caritas, Evangelisches Hilfswerk, Volkshilfe) haben maßgeblich dazu beigetragen, Flüchtlingsnot zu lindern.


8.2.1960: 70. Geburtstag von Alfred Viktor Frisch

Univ.-Prof. Dr. Alfred Viktor Frisch feiert seinen 70. Geburtstag.

Als Spross einer alten Medizinerfamilie in Wien geboren, wurde er nach Absolvierung der Fachstudien Assistent am Pharmakologischen Institut in Würzburg und nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg Assistent an der 2. Medizinischen Wiener Universitätsklinik. 1927 erfolgte seine Habilitierung für innere Medizin, 1945 seine Bestellung zum Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung im Wilhelminenspital, 1947 die Berufung zum ordentlichen Mitglied des Obersten Sanitätsrates und des Wiener Landessanitätsrates. Er ist auch Leiter der Tuberkulosestation. Von ihm stammen auch über 100 Aufsätze. Sein Hauptwerk ist das 1951 erschienene umfangreiche Lehrbuch "Die Klinik der Tuberkulose Erwachsener". Frisch ist Ehrenmitglied der van Swieten-Gesellschaft, Vorstandsmitglied der Wiener Medizinischen Akademie für ärztliche Fortbildung und Ehrenpräsident der Österreichischen Tuberkulosegesellschaft.

12.2.1960: Bürgermeister Jonas empfing Sonderbeauftragten für Weltflüchtlingsjahr

Claude de Kemoularia an Schreibtisch sitzend

Claude de Kemoularia

Der heute in Wien eingetroffene Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für das Weltflüchtlingsjahr, Claude de Kemoularia, wurde heute von Bürgermeister Jonas im Rathaus empfangen. Der Vertreter Dag Hammarskjölds erläuterte den Zweck des Weltflüchtlingsjahres, der in erster Linie darin besteht, die Öffentlichkeit aufzurütteln und auch noch jene Länder, die bisher abseits gestanden sind, für die vorhandenen Flüchtlingsprobleme zu interessieren. Nicht weniger als 72 Staaten in allen fünf Erdteilen beteiligen sich am Weltflüchtlingsjahr.


16.2.1960: Hans Albers bei Bürgermeister Jonas

Hans Albers verewigt sich mit Unterschrift an Wand

Hans Albers bei Ankunft in Wien

Staatsschauspieler Hans Albers, der gegenwärtig in Wien wieder ein längeres Gastspiel abhält, wurde heute von Bürgermeister Jonas empfangen.


18.2.1960: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Ministerehepaar mit Zipfelmützen verkleidet beim Tanz

Minister Sigvald Kristensen mit Gattin

Der neue dänische Geschäftsträger in Wien, Minister Sigvald Kristensen, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


20.2.1960: Wien ehrt Frederic Chopin

Die städtische Wohnhausanlage in Wien 2, Taborstraße 82-88 wird anlässlich des 150. Geburtstages von Frederic Chopin "Chopin-Hof" benannt.

20.2.1960: Dänischer Ministerpräsident Hansen verstorben

Portrait H.C. Hansen

H.C. Hansen

Bürgermeister Jonas kondolierte namens der Wiener Stadtverwaltung zum Ableben des dänischen Ministerpräsidenten Hansen.


23.2.1960: Der Geschäftsführende Präsident des Wiener Stadtschulrates tritt in den Ruhestand - Nachfolger Dr. Zechners ist Nationalrat Dr. Max Neugebauer

Portrait Max Neugebauer

Dr. Max Neugebauer

Der Geschäftsführende Präsident des Wiener Stadtschulrates, Dr. Zechner, hat in einem Schreiben an Bürgermeister Jonas seinen Rücktritt bekannt gegeben. Als Nachfolger wurde Hauptschuldirektor Dr. Max Neugebauer, Abgeordneter zum Nationalrat, bestimmt. Er wird sein Amt am 1. März antreten.

Dr. Max Neugebauer wurde am 8. September 1900 in Barzdorf (Schlesien) geboren. Er besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Troppau, maturierte 1919 und trat 1922 in den Schuldienst des Bundeslandes Niederösterreich. Er war zunächst als Volksschullehrer und seit 1927 als Hauptschullehrer tätig. Von 1935 bis 1939 besuchte er die Universität Wien. Er studierte Philosophie und Geschichte und promovierte 1939. Seit 1945 ist er Abgeordneter zum Nationalrat. Er wirkte mit an der Errichtung des Sozialistischen Lehrervereines, dessen Bundesobmann er ist.


23.2.1960: Wiener Soldaten dürfen 60.000-mal gratis fahren!

Die Wiener Verkehrsbetriebe haben den jungen Soldaten der Wiener Garnison 60.000 Vorverkaufsfahrscheine zur Verfügung gestellt als nachträglichen Dank und Anerkennung für den Einsatz der Bundesheersoldaten bei den starken Schneefällen im Jänner dieses Jahres.

24.2.1960: Abschiedsbesuch des sowjetischen Botschafters

Portrait Lapin

Sowjetischer Botschafter Lapin

Der aus Wien scheidende sowjetische Botschafter Lapin stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Abschiedsbesuch ab.


24.2.1960: Automatische Kegelbahnen bei der Wiener Stadthalle

Direktor Eder (Wiener Stadthalle) und der Präsident der AMF (American Machine and Foundry Company), F. Chapuisat, teilten heute mit, dass zwischen den beiden Unternehmen ein Abkommen über die "Schaffung einer 12bahnigen Kegelbahn geschlossen wurde, bei der die Kegel automatisch aufgestellt und die Kugeln zugebracht werden. Diese so genannte 'Bowling-Bahn' wird in einem eigenen Gebäude an der Hütteldorfer Straße errichtet werden. Diese Sportart soll in Amerika sehr verbreitet sein. Von der AMF, die über 42 Anlagen und 13 Forschungs-, Entwicklungs- und technische Laboratorien verfügt, stammt auch die Einrichtung des Atomreaktors in Seibersdorf."

25.2.1960: Der erste Bauabschnitt der Stadionbrücke vor der Fertigstellung

Stahldeckelblech wird an Kran hängend in Brücke niedergelassen

Stadionbrücke: Letztes Stahldeckblech wird eingesetzt

Im Beisein von Stadtrat Heller wurde heute in das Tragwerk des ersten Bauloses der neuen Stadionbrücke das letzte Stahldeckblech eingesetzt. Stadtrat Heller griff nach altem Brauch der Brückenbauer zum Presslufthammer und trieb einige Nieten in das Tragwerk.

Die neue Stahlbrücke wird nach ihrer Fertigstellung 26 Meter breit sein, also um fast 15 Meter breiter als die alte Stadionbrücke. Ihr Gesamtgewicht wird 550 Tonnen betragen.


25.2.1960: Karl Seitz-Denkmalverein gegründet

Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Jonas fand die erste Sitzung des Proponenten-Komitees für die Errichtung eines Karl Seitz-Denkmales in Wien statt. Es wurde die Gründung eines Vereines beschlossen, der es sich zur Aufgabe macht, dem vor zehn Jahren verstorbenen Wiener Bürgermeister Karl Seitz ein würdiges Denkmal zu setzen.

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