Wien 1959: Berichte vom Mai 1959

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

4.5.1959: Ein "Freundschaftsbaum" wird in Hernals gepflanzt

In vielen Ländern der Erde wird der Tag des Baumes festlich begangen. Dieser Tag fällt nicht überall auf das gleiche Datum. In den USA ist er immer am letzten Freitag im April. Der Bürgermeister von Olmsted Falls, Ohio, ist ein besonderer Verfechter des Gedankens, so viel Parks und Alleen wie nur möglich anzulegen. Auch als Freundschaftsgeschenke verteilt er gerne Bäume. Er hat den Chefredakteur der Forst- und Gartenzeitschrift "Trees-Magazine" mit einer Weißbuche in Pyramidenform nach Wien geschickt. Der Baum wird in der Parkanlage im 17. Bezirk, Lidlgasse, eingepflanzt.

5.5.1959: Gemeinde Wien baut Internationales Studentenhaus - Ausschreibung eines Wettbewerbes für Architektur-Studenten

Die Stadtverwaltung wird ein Internationales Studentenhaus errichten. Der Ideenwettbewerb, den die Stadt Wien unter dem Motto "Studenten planen für Studenten" ausgeschrieben hat, richtet sich an alle österreichischen Staatsbürger, die an den Architekturabteilungen der Technischen Hochschulen in Wien oder Graz, bzw. an den Meisterschulen für Architektur an der Akademie der bildenden Künste und der Akademie für angewandte Kunst in Wien inskribiert sind. Das Studentenhaus soll im 19. Bezirk, Ecke Billrothstraße - Peter Jordan-Straße errichtet werden.

6.5.1959: Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses tagte in Wien

Der Jüdische Weltkongress, in dem Organisationen aus 62 Staaten vertreten sind, hielt in Wien eine Tagung seiner europäischen Exekutive ab.

6.5.1959: Dänische Sänger im Wiener Rathaus

Der Männerchor der Universität Kopenhagen, der "Studenter Sangforeningen", der älteste Gesangsverein Dänemarks, wurde heute von Vbgm. Honay im Rathaus empfangen.

7.5.1959: Verkehrsbauwerk Südtiroler Platz eröffnet

Heute wurde die Eröffnung des Verkehrsbauwerkes Südtiroler Platz durch Bürgermeister Jonas vorgenommen.

8.5.1959: Wien hat eine Flugverbindung mit Montreal - Bürgermeister Jonas begrüßte im Rathaus die ersten Fluggäste

Die Canadian Airlines erweiterten ihr Verkehrsnetz um die direkte Fluglinie Wien - Montreal. Bürgermeister Jonas begrüßte heute im Wiener Rathaus die ersten Flugpassagiere.

9.5.1959: Edinbourgher Fachleute für Stadtreinigung besichtigen Wien

Mitglieder der Stadtverwaltung von Edinbourgh - einer davon trägt Schottenrock - im Stadtratsbüro

Stadtrat Koci empfängt Mitglieder der Stadtverwaltung von Edinbourgh

Stadtrat Koci empfing heute eine Delegation der Stadtverwaltung von Edinbourgh, Schottland, die sich gegenwärtig in Wien aufhält, um hier Einrichtungen der Stadtreinigung und des Fuhrparkes zu besichtigen. Der Delegation gehören u.a. der Vorsitzende des Edinbourgher Gemeinderatsausschusses für die Stadtreinigung Mr. Russel, der Finanzexperte Mr. Richards und der Chef des Stadtreinigungsdepartements Dipl.-Ing. Wilson an.


10. Mai 1959: Nationalratswahl 1959

Bei der heute stattgefundenen Nationalratswahl entfielen 44,19 Prozent auf die ÖVP, 44,79 Prozent auf die SPÖ, 7,70 Prozent auf die FPÖ, 3,27 Prozent auf die KLS und 0,05 Prozent auf die BDS. (Redaktion)

12.5.1959: Neunzig Jahre Reichsvolksschulgesetz

"Am 14. Mai 1959 werden es neunzig Jahre her sein, seit das Reichsvolksschulgesetz in Kraft getreten ist. Mit seinem Beginn ist eine Periode der österreichischen Schulgeschichte beendet worden, die man ihrem Geist und ihren Gesetzen nach nur als kurios bezeichnen kann. Die Schulen befanden sich in einem trostlosen Zustand. Völlig unzureichend war auch die Ausbildung der Lehrer. Dem machte das Reichsvolksschulgesetz ein Ende. Das Bildungsziel der Volksschule wurde gehoben, Erdkunde, Geschichte, Naturlehre, Naturgeschichte und Geometrie wurden als neue Lehrgegenstände in den Lehrplan aufgenommen. Die Schulpflicht wurde auf acht Jahre erhöht. Die Lehrerbildung dehnte man auf vier Jahre aus und verlegte sie auf eigene Lehrerbildungsanstalten. Die materielle Stellung der Lehrer wurde verbessert. Sie brauchten nunmehr ihren Lebensunterhalt nicht mehr fast ausschließlich aus Nebeneinkünften bestreiten, sondern erhielten ein bescheidenes Gehalt und eine Pension zugesichert.

Da es auf dem Gebiete des Schulwesens und der Bildung immer um die Gestaltung der Zukunft geht, darf man behaupten, dass das Reichsvolksschulgesetz zweifellos eine gewaltige Leistung darstellt. Das Reichsvolksschulgesetz wurde in einem harten parlamentarischen Kampf errungen. Zwischen dem Auftrag des Abgeordnetenhauses an die Regierung, ein neues Schulgesetz zu schaffen und der endgültigen Beschlussfassung lagen sechs Jahre. Zwanzig leidenschaftliche Proreden und sechzehn ebenso stürmisch gehaltene Kontrareden gingen der Abstimmung voraus und es bedurfte des Geschickes und der Umsicht des damaligen Unterrichtsministers Dr. Leopold Hasner, das Gesetz unter Dach und Fach zu bringen."

12.5.1959: Bürgermeister Jonas empfing Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees

Jonas schüttelt Stoytchev die Hand

Bürgermeister Jonas empfängt bulgarischen Generaloberst Stoytchev

Das Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, der bulgarische Generaloberst Stoytchev, wurde heute von Bürgermeister Jonas empfangen. Stoytchev hat seinerzeit in Wien die Militärakademie besucht. In einem längeren Gespräch wurden die Chancen Wiens bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele erörtert.


12.5.1959: Gemeinde Wien subventioniert Handball-Weltmeisterschaft

Mit 50.000 Schilling subventioniert die Gemeinde Wien die Durchführung der Handballweltmeisterschaften in Wien im heurigen Juni.

13.5.1959: Gewerkschaftspräsident Böhm gestorben

Portrait Johann Böhm

Johann Böhm

Trauergäste in Trauerzug; am Rand Menschenmenge

Begräbnis Johann Böhm


Der zweite Präsident des Österreichischen Nationalrates und Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Johann Böhm ist heute im 74. Lebensjahr gestorben. Für den Verstorbenen wird ein Ehrengrab der Stadt Wien gewidmet.

Johann Böhm wurde am 26. Jänner 1886 in Stögersbach im Waldviertel geboren. 1926 wurde er Mitglied des Wiener Gemeinderates. 1930 erfolgte seine Wahl in den Nationalrat. Nach dem Zweiten Weltkrieg legte er den Grundstein zum Bau eines einheitlichen überparteilichen Gewerkschaftsbundes. Nach der Wahl des Nationalrates im Jahre 1945 wurde er dessen zweiter Präsident. Johann Böhm wurde 1958 Ehrenbürger der Stadt Wien.

14.5.1959: Österreich-Woche in Düsseldorf und Duisburg

Während der Österreich-Woche, die in Düsseldorf und Duisburg vom 16. bis 24. Mai stattfindet, werden zwei Ausstellungen "Wiener Kleinplastiken und Gobelins von heute" und "Zeitgenössische Baukultur in Wien" in Düsseldorf gezeigt.

15.5.1959: Nepomuk-Statue an der Kahlenberger Straße restauriert

Kapelle mit hohen Rundbogenöffnungen an drei Seiten; die Figur des Heiligen in klassischer Darstellung auf Steinsockel

Die Nepomuk-Statue wurde neu errichtet

In Döbling steht bei der Einmündung des "Weißen Weges" in die Kahlenberger Straße eine Barockstatue des St. Johann von Nepomuk. Seit mehreren Jahren wurde sie von Gebüsch umwuchert und verdeckt, stürzte schließlich um und blieb beschädigt liegen. Das Kulturamt der Stadt Wien veranlasste kürzlich die Restaurierung der Nepomuk-Statue und ließ sie etwas oberhalb ihres alten Standortes an gut sichtbarer Stelle wieder errichten.


16.5.1959: Erhebung von Grundbesitz österreichischer Staatsbürger in der 20 Kilometer-Grenzzone in Ungarn

"In Wien wohnende österreichische Staatsbürger, die Eigentümer von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken oder Bauflächen in der 20 Kilometer-Grenzzone in Ungarn sind, sollen sich nach einer Bekanntmachung des Wiener Magistrats wegen Aufnahme der Besitzdaten ....in der Magistratsabteilung 62 melden."

16.5.1959: 60. Geburtstag von Egon Hilbert

Portrait Egon Hilbert

Sektionschef Dr. Egon Hilbert

Am 19. Mai vollendet der Leiter des Österreichischen Kulturinstitutes in Rom Sektionschef Dr. Egon Hilbert das 60. Lebensjahr.

Er studierte an der Universität Wien Jus und Philosophie, trat in den Staatsdienst und wurde dann vom Bundespressedienst übernommen, wo er das Kulturreferat bearbeitete. 1935 wurde er als Presseattache an die österreichische Gesandtschaft in Prag versetzt. Von 1938 bis 1945 befand er sich im KZ Dachau. 1946 übernahm er die Leitung der Bundestheaterverwaltung. Trotz schwerster Bedingungen gelang es ihm, einen Opernbetrieb im Theater an der Wien aufzubauen und ein Ensemble zusammenzustellen, das schon nach kurzer Zeit Gastspielreisen unternehmen konnte. 1954 wurde er mit der Führung des neugegründeten Österreichischen Kulturinstitutes in Rom betraut.


22.5.1959: Bürgermeister Jonas eröffnet Edvard Munch-Ausstellung

Festgäste und Jonas vor Munch-Gemälde

Bürgermeister Jonas eröffnet Edvard Munch-Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste

Die große Ausstellung von Werken des norwegischen Malers Edvard Munch wurde heute in der Akademie der bildenden Künste von Bürgermeister Jonas eröffnet.

Die Ausstellung ist nach längerer Vorbereitungsarbeit durch das Entgegenkommen in- und ausländischer öffentlicher und privater Sammlungen zustande gekommen. Die Kommunes Kunstsamlinger Oslo sind mit 16 Gemälden und 68 Grafiken, die Nasjonalgallerist in Oslo mit sechs Gemälden, das Kunstmuseum Basel mit zwei, das Kunsthaus Zürich mit vier, die Galerie des 20. Jahrhunderts Berlin-Charlottenburg mit einem, die Städtische Galerie im Landesmuseum Hannover mit einem, das Wallraf-Richartz-Museum in Köln mit einem, die Museen der Hansestadt Lübeck mit einem, die Staatsgalerie Stuttgart mit einem, das Museum Boymans-Van Beunigen in Rotterdam mit einem und die Narodni Galerie in Prag mit zwei Gemälden vertreten. Vier Gemälde des Kunsthistorischen Museums in Wien und 14 Grafiken aus der Albertina ergänzen neben namhaften Werken aus norwegischem und Schweizer Privatbesitz diese 61 Gemälde und 82 Grafiken umfassende Schau.


26.5.1959: Ministerdelegation aus Ghana in Wien

Heller und Gäste aus Ghana am Flugfeld

Stadtrat Heller begrüßt Ministerdelegation aus Ghana

Stadtrat Heller empfing die auf Besuch in Wien weilende Kontaktdelegation der neugegründeten Republik Ghana (ehemals Goldküste), welche unter der Führung des Ministers für Öffentliche Arbeiten und das Wohnungswesen Bensha steht.


26.5.1959: Polizisten aus zehn Staaten im Wiener Rathaus

Stadtrat Afritsch begrüßte heute Polizeiangehörige aus zehn Staaten, die zur Austragung der Polizei-Europameisterschaften im Fechten nach Wien gekommen sind.

26.5.1959: Romeo und Julia übersiedeln nach Graz

Romeo und Julia, ein junges australisches Schwanenpärchen aus dem Floridsdorfer Wasserpark ist heute in den Grazer Rosensteinpark übersiedelt.

Wien scheint ein bevorzugter Ort für die Zucht dieser kostbaren schwarzen Vögel zu sein. Das erst vor wenigen Jahren aus Australien nach Wien importierte Schwanenpaar blickt bereits auf eine stattliche Zahl von Nachkommen zurück. So konnte dem Grazer Wunsch leicht entsprochen werden.

27.5.1959: Festsitzung des Wiener Gemeinderates anlässlich der Überreichung des Europapreises

Bürgermeister Jonas übernimmt von Jakob Altmaier Urkunde

Bürgermeister Jonas nimmt den Europapreis entgegen

Der Wiener Gemeinderat trat heute unter dem Vorsitz von Bürgermeister Jonas zu einer Festsitzung zusammen, um die Urkunde des Europapreises zu übernehmen, der für das Jahr 1958 gemeinsam der österreichischen Bundeshauptstadt und dem niederländischen Regierungssitz Den Haag verliehen worden ist.

Der Präsident des Verleihungskomitees für den Europapreis, der deutsche Bundestagsabgeordnete Jakob Altmeier, überreichte die Urkunde.


30.5.1959: Eröffnung der Wiener Festwochen

Bundespräsident Dr. Adolf Schärf eröffnete vor dem Wiener Rathaus die Wiener Festwochen 1959. Die Festwochen stehen im Haydn-Gedenkjahr.

30.5.1959: Rosenstein-Gruft in Hernals restauriert

Im Hof der städtischen Wohnhausanlage 17, Hernalser Hauptstraße 96-100, befindet sich die Gruft des Stephan Leopold Häckel Reichsritter von Rosenstein. Im Jahre 1821 vermachte dieser bekannte Wohltäter mittels Testamentstiftung sein Grundstück der ehemaligen Gemeinde Hernals unter der Bedingung, dass es für Zwecke der Allgemeinheit verwendet werden sollte. Die Gemeinde Wien errichtete 1950 auf dem unter dem Namen "Rosensteinpark" bekannten Grundstück eine Wohnhausanlage und ließ nun in den vergangenen Wochen die Rosenstein-Gruft wieder in einen würdigen Zustand versetzen.

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