Wien 1959: Berichte vom Juli 1959

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

4.7.1959: Hoheit Begum Aga Khan in Wien

Portrait Begum Aga Khan

Begum Aga Khan

Hoheit Begum Aga Khan, die für einige Tage in Wien weilt, hat Bürgermeister Jonas eine Spende von 10.000 Schilling übermitteln lassen. In dem beigefügten Handschreiben der Begum heißt es: "Zur Erinnerung an meinen sehr angenehmen Aufenthalt in Wien bitte ich, die Summe von 10.000 Schilling für Wohlfahrtszwecke Ihrer Stadt entgegenzunehmen."


6.7.1959: Stadtrat Afritsch begrüßt italienische Kinder

160 Kinder, Buben und Mädchen aus Italien, sind durch das Wiener Komitee für internationalen Schüleraustausch zu einem vierwöchigen Urlaub nach Wien gekommen. Die Kinder wurden im Hörndlwald und in einem Heim in der Rosentalgasse untergebracht. Ebenso viele Kinder verbringen dafür einen vierwöchigen Urlaub in Italien. Stadtrat Afritsch begrüßte heute im Rathaus die kleinen italienischen Gäste.

7.7.1959: Bürgermeister Jonas empfängt Bürgermeister aus Zypern

Bürgermeister Dervis von Nicosia und Bürgermeister Partassides von Limassol sind mit einer zypriotischen Delegation von Bürgermeister Jonas heute im Rathaus empfangen worden.

7.7.1959: Kreditaktion für Handels- und Gewerbebetriebe ein großer Erfolg

Die am 1. Juni angelaufene Kreditaktion zur Modernisierung von Handels-, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetrieben in Wien ist ein großer Erfolg geworden. Mit den Einreichungen vom 3. Juli wurde der ursprünglich zur Verfügung stehende Betrag von 10 Millionen Schilling bereits überschritten. Insgesamt wurden 173 Ansuchen eingereicht. Davon entfallen 81 auf Portalbauten und 92 auf die Modernisierung der Inneneinrichtungen und auf den Ankauf von Maschinen. Die Kreditansuchen kommen aus allen Berufssparten. Die Kreditaktion unter äußerst günstigen Bedingungen ist durch die Gemeinde Wien über die Zentralsparkasse ermöglicht worden.

7.7.1959: Stadtrat Riemer Präsident der Wiener Symphoniker

Zum Nachfolger des verstorbenen Präsidenten der Wiener Symphoniker, Karl Honay, wurde heute von der Generalversammlung Stadtrat Hans Riemer gewählt.

9.7.1959: Deutscher Besuch im Wiener Rathaus

Johnen und Jonas in Gespräch an Tisch sitzend

Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen Johnen bei Bürgermeister Jonas

Anlässlich der Österreichreise einer großen Gruppe von Künstlern verschiedener Sparten, die vom Deutschen Kulturkreis ein Stipendium und die Einladung zu einer Donaufahrt nach Wien erhalten haben, ist auch der Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen Johnen nach Wien gekommen. Johnen wurde heute von Bürgermeister Jonas im Rathaus empfangen.


10.7.1959: Neue Gelenkwagen für die Straßenbahn - Hervorragende Beschleunigung - Der Wagen der Zukunft

Aus den Lohner-Werken wurde heute der neue Gelenkwagen für die Straßenbahn geliefert. Dieser Wagen, der im Lizenzverfahren der Düsseldorfer Waggonfabrik gebaut wurde, ist der erste einer Serie von 70 Gelenkwagen, die bis Ende 1961 geliefert sein sollen. Er unterscheidet sich von dem Gelenkwagen, der seit einiger Zeit auf der Linie 71 fährt, vor allem dadurch, dass er auf drei Drehgestellen mit je zwei Achsen läuft, während der Gelenkwagen der Linie 71 aus zwei alten Stadtbahnwagen zusammengebaut wurde und vierachsig ist.

Der neue Wagen mit einem Fassungsraum für 110 Personen, zeichnet sich auch durch eine besonders große Auffangplattform aus und hat nicht weniger als drei Ausstiege. Ein Schaffner und ein Fahrer genügen für die Bedienung des 20 Meter langen Gefährts. Die 256 PS starken Motoren erreichen eine Beschleunigung, mit der auch "Personenautos nicht so leicht mitkommen werden".

11.7.1959: 85. Geburtstag von Ludwig Gruber

Portrait Ludwig Gruber

Ludwig Gruber

Am 13. Juli vollendet der populäre Sänger und Altmeister des Wienerliedes Prof. Ludwig Gruber das 85. Lebensjahr.

Sein Werk umfasst Opern und Operetten, Chor- und Kirchenkompositionen usw. Die ureigene Domäne seines Schaffens ist jedoch das Wienerlied, in allen Sprachen singt man "Es wird a Wein sein" und das Lied "Mei Muatterl war a Weanerin".


14.7.1959: Zwei neue Fußgängertunnel unter dem Ring - Vorarbeiten für Schottentor-Umbau

25 Millionen Schilling werden die beiden neuen unterirdischen Fußgängerdurchgänge kosten, die die Stadt Wien bei den Kreuzungen Babenbergerstraße-Ring und Bellariastraße-Ring im nächsten Jahr bauen wird. Mit den Vorarbeiten wird noch heuer begonnen. Der Wiener Stadtsenat genehmigte heute für die Vorarbeiten 200.000 Schilling.

Ferner genehmigte der Stadtsenat die Vorarbeiten für den Umbau des Schottentores. Dafür ist ebenfalls ein Betrag von 200.000 Schilling vorgesehen.

14.7.1959: Hitzewelle in Wien

Die schon seit Tagen andauernde Hitzewelle in Wien führte zu einem waren Besucherrekord in den städtischen Sommerbädern. In der letzten Woche wurden in den 13 Sommerbädern der Gemeinde Wien mehr als 200.000 Badegäste gezahlt. Das ist fast ein Fünftel der Gesamtbesucherzahl einer normalen Badesaison.

15.7.1959: 60. Geburtstag von Friedrich Schreyvogl

Portrait Friedrich Schreyvogl

Prof. Dr. Friedrich Schreyvogl

Am 17. Juli vollendet der Schriftsteller Prof. Dr. Friedrich Schreyvogl das 60. Lebensjahr. In Mauer bei Wien geboren, studierte er Staatswissenschaften und wurde 1927 als Professor für Dramaturgie und Literatur an die Staatsakademie berufen. Seit 1931 wirkte er auch als Dozent am Reinhardt-Seminar. In den Jahren 1935 bis 1938 war er Konsulent bei den österreichischen Staatstheatern. Anschließend übersiedelte er zum Film und arbeitete als Dramaturg sowie als Drehbuchverfasser. 1952 fungierte er als Chefdramaturg am Theater in der Josefstadt, seit 1954 ist er Mitdirektor des Burgtheaters. Schreyvogl hat sich als Lyriker, Epiker und Dramatiker erfolgreich betätigt und mit seinen Büchern weite Verbreitung gefunden. Seine besten Romane sind "Schicksalssymphonie" und "Der Friedländer". Am meisten aufgeführt wurde sein Lustspiel "Die kluge Wienerin".


16.7.1959: Stadtwerke planen Fernheizung für "Allgemeines". Auch E-Werk Engerthstraße soll Fernheizkraftwerk werden

Seit fast zwanzig Jahren befassen sich die Wiener Stadtwerke mit der Planung von Fernheizkraftwerken für die Wärmeversorgung im Wiener Stadtgebiet. Durch den Krieg konnten die Projekte jedoch nicht durchgeführt werden. Nun haben die Stadtwerke die Planung wieder aufgenommen. Sie arbeiten an einem besonders aktuellen Projekt, das vor allem vorsehen wird, das neue Allgemeine Krankenhaus mit Wärme zu beliefern. Nebenbei ist beabsichtigt, durch dieses Fernheizkraftwerk, das nicht nur Wärme sondern auch elektrische Energie erzeugt, mehrere in der Nähe liegende öffentliche Gebäude wie das Rathaus, die Universität und das Landesgericht im Winter mit Wärme zu versorgen. Das Fernheizkraftwerk soll am Donaukanal unmittelbar außerhalb des Stadtbahnbogens mit einem Kohlenlagerplatz von 12.000 Quadratmeter errichtet werden.

Eine weitere Planung sieht vor, an Stelle des E-Werkes in der Engerthstraße ebenfalls ein Fernheizkraftwerk zu errichten. Viele der heute im E-Werk bestehenden Einrichtungen könnten dabei verwendet werden. Dieses Heizkraftwerk soll die Beheizung der Gebäude vom Stubenring bis zum Opernring und entlang des Kai übernehmen.

17.7.1959: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Portrait Rudolf Sigmund

Rudolf Sigmund

Im heutigen Wiener Gemeinderat erfolgte die Neuwahl eines Stadtrates für die durch die Berufung des bisherigen Stadtrates der Verwaltungsgruppe XI, Josef Afritsch, zum Bundesminister für Inneres vakant gewordene Funktion. Gemeinderat Rudolf Sigmund wurde zum Amtsführenden Stadtrat der Verwaltungsgruppe XI, Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten, gewählt.

Rudolf Sigmund war vom Februar 1946 bis Ende Juni 1948 Amtsführender Stadtrat für das Ernährungswesen, wurde 1952 neuerlich Amtsführender Stadtrat, diesmal für das Personalwesen.

Der Wiener Gemeinderat beschließt die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage auf dem Flötzersteig bei der Ameisbachzeile. Voraussichtliche Kosten: 240 Millionen Schilling.

Die Müllverbrennungsanlage soll von der Züricher Firma L. Roll AG gebaut werden. Die Verbrennungsleistung innerhalb von 24 Stunden soll 600 Tonnen Müll betragen.

Beschlossen wurde auch der Verkauf des Brauhauses der Stadt Wien an eine Gruppe österreichischer Brauereien, die sich zum Zwecke des Ankaufes zu einer Kommanditgesellschaft zusammengeschlossen hat, der folgende Unternehmen angehören: Brauerei Schwechat AG, Brüder Reininghaus Brauerei AG, Gösser Brauerei AG, Hubertus-Bräu, Österreichische Brau-AG und Ottakringer Brauerei. Das Brauhaus der Stadt Wien wurde 1905 von der Stadt Wien erworben.


18.7.1959: Der japanische Ministerpräsident im Wiener Rathaus

Jonas begrüßt Ministerpräsidenten und Begleiter

Japanischer Ministerpräsident Nobusuke Kishi (re.) bei Bürgermeister Jonas

Der japanische Ministerpräsident Nobusuke Kishi stattete heute Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus einen Besuch ab und trug sich in das Goldene Buch der Stadt Wien ein.


21.7.1959: Bürgermeister Jonas eröffnet zwei neue Umspannwerke

In der Werkshalle des neuerrichteten Umspannwerkes Kaunitzgasse im 6. Bezirk fand heute die symbolische Inbetriebnahme durch Bürgermeister Jonas statt. Im Anschluss daran wurde das vollautomatische Umspannwerk in der Inneren Stadt in der Neubadgasse dem Betrieb übergeben. 72,7 Millionen Schilling kosteten die beiden Umspannwerke zusammen. Sie sind für die Versorgung von vier Wiener Bezirken sowie eines Teiles des Straßenbahnnetzes verantwortlich.

Das Umspannwerk Kaunitzgasse versorgt Teile des 4., 5. und 6. Bezirkes mit Drehstrom und die Straßenbahn in Teilen des 4., 5., 6., 7., 10., 13. und 15. Bezirkes mit Gleichstrom. Ferner ist die Versorgung einer Stadtbahnteilstrecke (Wientallinie) vorgesehen. Im Endausbau kann eine Gesamtleistung von 72.000 kVA abgegeben werden. Die Objekte des bisherigen Unterwerkes Kaunitzgasse, das 1907 aus einer seit 1890 bestehenden Dampfzentrale der Wiener Elektrizitätsgesellschaft umgebaut wurde, mussten zum Neubau des Umspannwerkes bis auf die Maschinenhalle fast zur Gänze abgetragen werden. Bauzeit war von April 1955 bis Dezember 1958.

Das Umspannwerk Neubad versorgt den Großteil des 1. Bezirkes (reine Drehstromversorgung). Im Endausbau kann eine Leistung von ca. 50.000 kVA abgegeben werden. Anstelle des neuen Umspannwerkes stand im Mittelalter eine Badeanlage. Im Jahre 1889 wurde dort eine mit Dampfmaschinen betriebene Elektrizitätszentrale der Allgemeinen Österreichischen Elektrizitätsgesellschaft errichtet, die als erste die Stromversorgung von Konsumenten aufnahm.

Die Bauzeit war von April 1955 bis Mai 1958.

24.7.1959: Gleichenfeier im Wiener Stadion

Ehrengäste versammelt vor Tribüne

Gleichenfeier im Wiener Stadion

Anfang Juli wurde nach dreijähriger Bauzeit mit der Betonierung der letzten Tribünenplatte der Ausbau des Wiener Stadions abgeschlossen. Heute begingen die 120 an dieser Baustelle durch drei Jahre beschäftigten Arbeiter im Beisein zahlreicher Ehrengäste, u.a. StR. Heller, die traditionelle Gleichenfeier.

Durch den Ausbau konnte der Fassungsraum des Wiener Stadions von 51.462 Plätzen auf 92.708 Plätze erweitert werden. Der Zubau, der nach dem Entwurf des Architekten Prof. Schöll durchgeführt wurde, passt sich an die seinerzeit von Prof. Dr. Schweizer geschaffene Architektur vollkommen an.

31.7.1959: Erbauer des Karl Marx-Hofes gestorben

In Wien wurde heute Senatsrat Arch. Karl Ehn zu Grabe getragen. Ehn verstarb vor einigen Tagen im 75. Lebensjahr. Senatsrat Karl Ehn war der Erbauer des Karl Marx-Hofes, der größten Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, die in der Ersten Republik errichtet wurde. Sein Projekt wurde in den Jahren 1927 bis 1930 von der Gemeinde Wien verwirklicht. Senatsrat Ehn trat 1908 in den Dienst der Gemeinde Wien und ging im Jahre 1950 in Pension.

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