Wien 1959: Berichte vom August 1959

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.8.1959: Linz baut "Trauner" für Wien

Der Wiener Stadtsenat genehmigte die Anschaffung eines 100 Tonnen-Trauners aus Stahl, den die Linzer Schiffswerft bauen soll. Der neue Trauner kostet 850.000 Schilling. Das Schiff soll zusammen mit drei schon vorhandenen Traunern bei den bevorstehenden Bauarbeiten im Freudenauer Hafen eingesetzt werden.

6.8.1959: Eine indonesische Grußbotschaft an Wien

Danoewinata und Slavik in Gespräch

Legationssekretär der Gesandtschaft Indonesiens, P. Danoewinata bei Vizebürgermeister Slavik

Vizebürgermeister Slavik empfing den Legationssekretär der Gesandtschaft der Republik Indonesien P. Danoewinata, der ihm eine Grußbotschaft von Bandung und die Fahne der Stadt als Geschenk für den Wiener Bürgermeister überreichte. In der Grußbotschaft heißt es: "Eingedenk der Bedeutung der Stadt Wien als Kultur- und Konferenzzentrum und der in Bandung abgehaltenen Konferenz der afroasiatischen Staaten, soll auf die völkerverbindende Idee hingewiesen werden, die diese beiden Städte gleicherweise beseelt."


6.8.1959: Stadtrat Mandl eröffnet "Grüne Galerie" im Stadtpark

Stadtrat Mandl vor Plastik in Wiese

Eröffnung "Grüne Galerie" im Stadtpark

Die "Grüne Galerie", eine Ausstellung von Plastiken Wiener Bildhauer, wurde heute durch StR. Mandl im Stadtpark eröffnet. 1954 fand die Ausstellung im Stadtpark zum ersten Male statt. Bei der heurigen Ausstellung sind u.a. folgende Künstler vertreten: Walter Auer mit einer "Robbe", Oskar Bottoli mit "Sitzende", Gottfried Buchberger mit "Diskussion", Heinz Leinfellner mit "Entsatzheer von Wien", Josef Schagerl mit "Kinderrutsche", Elisabeth Turolt mit "Leopard", Hilde Uray mit "Ruhende".


12.8.1959: Neuerwerbungen der Europa-Bibliothek

Die Stadt Wien, von der seinerzeit die Paneuropabewegung den Ausgang nahm, wird nun in wachsendem Maße ein Zentrum des Europagedankens. Dem hat auch die Wiener Stadtbibliothek durch Errichtung einer "Europa-Bibliothek" im Rahmen ihres Gesamtbestandes Rechnung getragen. Eine Auswahl einschlägiger Neuerwerbungen wird nun in einer Ausstellung dem interessierten Publikum präsentiert.

13.8.1959: Versuchsweise in Meidling: Ein Automat verkauft Wochenkarten

Ein Automat, der Wochenkarten verkauft, wurde von den Wiener Verkehrsbetrieben zunächst versuchsweise in der Stadtbahnstation Meidlinger Hauptstraße installiert. Der Automat gibt gegen Einwurf von elf Schilling eine Fünf-Tage-Wochenkarte für die Straßenbahn aus.

13.8.1959: Die stärksten Wolkenbrüche seit 20 Jahren - Wien nach der großen Unwetterkatastrophe

Mehr als 450 Ausrückungen hatte die Feuerwehr in der Nacht von gestern auf heute zu bewältigen. Die Messgeräte des Wiener Stadtbauamtes registrierten im Verlauf der Unwetterkatastrophe an mehreren Stellen Wiens im Durchschnitt 60 bis 85 Millimeter Niederschlagsmengen, das sind 60 bis 85 Liter auf einen Quadratmeter oder rund 70.000 Kubikmeter auf einem Quadratkilometer. Aus den Aufzeichnungen der Meteorologen geht hervor, dass Wolkenbrüche von solcher Intensität im Wiener Gebiet nur einmal in 20 Jahren auftreten.

Der Wienfluss erreichte in rasender Geschwindigkeit die Höchstgrenze, es traten jedoch nur kleinere Schäden auf. Auch der Liesingbach konnte die riesigen Wassermengen aufnehmen und abführen. Dafür tobte sich diesmal der Erbsenbach in Sievering mit unvorstellbarer Wucht aus. Es stauten sich riesige Mengen von Schwemmgut an, sodass sich die Wassermassen den Weg über die Sieveringer Straße bahnten. Großer Schaden entstand auch an den Einrichtungen der Wiener E-Werke, und zwar insbesondere im 19. Bezirk. Durch Überflutung der Station entstand ein Transformatorenbrand im Sommerbad Krapfenwaldl. Die Instandsetzungsarbeiten wurden jedoch dadurch erschwert, dass die Zufahrtswege vermurt waren. Insgesamt erfolgten durch das Unwetter 14 Wassereinbrüche in Trafostationen. Die öffentliche Beleuchtung und die Stromversorgung vieler Häuser war längere Zeit unterbrochen. Auch einige Straßenbahnlinien mussten aufgrund des Unwetters vorübergehend eingestellt werden. Die Gleisanlagen der Linie D und 36 wurden bis zu Kniehöhe überschwemmt und vermurt. Ein Zug der Linie D entgleiste am Nußdorfer Platz. Feuerwehr und Verkehrsbetriebe sind nach wie vor im Einsatz, um die Schäden zu beheben.

13.8.1959: Denkwürdiger Empfang im Wiener Rathaus - Ehemalige französische Kriegsgefangene besuchen ihre österreichischen Freunde

"Stalag XVIIa, so hieß das Kriegsgefangenenlager Kaisersteinbruch, in dem viele Franzosen im Zweiten Weltkrieg als unfreiwillige Gäste Österreich, und - bei der Arbeit außerhalb des Lagers - österreichische Menschen kennen lernten. Stalag XVIIa heißt auch eine Vereinigung all dieser Kriegsgefangener, die in Frankreich alljährlich Zusammenkünfte veranstaltet. Die Mitglieder der Verbandsleitung dieser Vereinigung fuhren nun heuer mit ihren Familienangehörigen nach Österreich, um ihr ehemaliges Lager wieder zu sehen und mit ihren österreichischen Freunden zu sprechen, die sie dort in dieser schweren Zeit gefunden haben."

Bürgermeister Jonas gab heute im Wiener Rathaus einen Empfang für die französischen Gäste. An dem Empfang nahmen auch der französische Botschafter de Crouy-Chanel sowie der Stadtkommandant von Wien, Oberst Adamovich, teil.

14.8.1959: Die Eröffnung des Laaer Berg-Bades

Plan des Laaerberg-Bades an Wand

Plan Laaerberg-Bad

Nach nur knapp dreijähriger Bauzeit konnte heute das neue Laaer Berg-Bad eröffnet werden. Die Gesamtfläche des Bades beträgt 57.800 Quadratmeter, wovon 33.352 Quadratmeter als Grün- und Erholungsfläche zur Verfügung stehen. Die voraussichtlichen Gesamtkosten für die Errichtung betragen 43 Millionen Schilling.


17.8.1959: Hochwasserschäden im Quellgebiet - 1,5 Millionen Schilling

Die wolkenbruchartigen Regenfälle der letzten Zeit haben in den Quellgebieten der Wiener Wasserwerke große Schäden verursacht. Die Schadenssumme beträgt insgesamt 1,580.000 Schilling.

Im Quellgebiet der I. Hochquellenleitung wurden Uferschutzbauten auf hunderte Meter Länge weggerissen oder schwer beschädigt, Straßen weggerissen oder tief ausgeschwemmt. Einige Verbindungsstraßen wurden sogar vollständig zerstört und müssen auf einer Länge von 1,5 Kilometer auf einer neuen Trasse errichtet werden. Auch an Wirtschaftsgebäuden traten mehrfach Schäden auf.

Im Quellgebiet der II. Hochquellenleitung wurden elf Brücken oder Stege schwer beschädigt oder gänzlich weggerissen. An der Außenstrecke sind Uferschutzbauten stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

18.8.1959: Antrittsbesuch bei Bürgermeister Jonas

Portrait Baquir Hasani

Gesandter M. Baquir Hasani

Der irakische Gesandte M. Baquir Hasani stattete heute Bürgermeister Jonas einen Antrittsbesuch ab.


21.8.1959: Viktor Kaplan zum Gedenken

Portrait Viktor Kaplan

Viktor Kaplan (im Jahre 1914)

Auf den 23. August fällt der 25. Todestag des Erfinders der nach ihm benannten Schnelllaufturbine Viktor Kaplan.

Kaplan wurde am 27.11.1876 in Mürzzuschlag geboren, studierte an der Technischen Hochschule in Wien Maschinenbau und trat danach in die Leobersdorfer Maschinenfabrik ein. In der Folge fand er an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn als Konstrukteur Verwendung und beschäftigte sich mit Experimenten auf dem Gebiet der Wasserkraftmaschinen. Er ersann eine neue Turbinenform in der Art eines großen Schaufelrades, die auch bei geringem Wassergefälle eine hohe Drehzahl erreichte. Kaplan hatte seine Erfindung bereits 1912 in den Grundzügen fertig gestellt, anschließend aber eine lange Reihe von Verbesserungen vorgenommen. Trotz ihrer umwälzenden Bedeutung setzte sie sich nur sehr schwer durch und trat erst nach einem zermürbenden Kampf um Patentrechte und um Aufträge ihren Siegeszug um die Welt an. Ihr Weg vom 185 Millimeter großen Modell bis zum modernen Giganten, dessen Durchmesser oft bis acht Meter erreicht und der eine Leistungsfähigkeit von 75.000 PS hat, zeigt, welches technische Genie dieser bescheidene österreichische Ingenieur war. Kaplan hat sich auch mit den Problemen der Wasserkraftausnützung eingehend beschäftigt und deren Wichtigkeit für die Energieversorgung Österreichs erkannt.


22.8.1959: Eine Gedenktafel für Peter Mitterhofer

Zeichnung Peter Mitterhofer

Peter Mitterhofer

Aus Anlass der Maschinschreibweltmeisterschaft in Wien, wurde heute am Hause 2, Obere Donaustraße 97, eine Gedenktafel für den österreichischen Erfinder der Schreibmaschine, Peter Mitterhofer, durch Stadtrat Riemer enthüllt.


25.8.1959: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Jonas begrüßt Ameri

Bürgermeister Jonas empfängt iranischen Gesandten M. Djavad Ameri (mi.)

Der iranische Gesandte, M. Djavad Ameri, stattete heute Bürgermeister Jonas einen Antrittsbesuch ab.


25.8.1959: Gemeinde Wien errichtet ein neues Schülerinternat

Das ehemalige Brigittaspital im 20. Bezirk, das Mitte der Zwanzigerjahre von der Gemeinde Wien als Entbindungsheim gebaut worden ist, hat im Laufe der drei Jahrzehnte verschiedenen Zwecken gedient. Das im Kriege durch Bomben schwer beschädigte vierstöckige Gebäude in der Stromstraße ist als eines der letzten beschlagnahmten Objekte erst vor fünf Jahren von der russischen Besatzungsmacht geräumt worden. Für den ursprünglichen Zweck konnte das Haus nicht mehr benützt werden. Im März vergangenen Jahres beschloss daher der Gemeinderat, das Objekt in ein Schülerinternat umzubauen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres werden nun die ersten Schüler in das umgebaute Haus einziehen können. Das Internat bietet Platz für 175 Schüler und Schülerinnen, für die Schlafräume mit allen sanitären Anlagen geschaffen wurden.

Das neue Internatsgebäude wurde von der Stadtverwaltung der Führung des Vereines "Erziehungsheime" anvertraut.

29.8.1959: 80. Geburtstag von Alma Mahler-Werfel

Am 31. August vollendet Alma Mahler-Werfel das 80. Lebensjahr.

Als Tochter des berühmten Malers Emil Schindler in Wien geboren, wo sie Musik studierte, wurde sie die Gattin Gustav Mahlers. Während des Ersten Weltkrieges lernte sie Franz Werfel kennen und heiratete ihn später. Sie begleitete ihn auf seiner Flucht vor den Nationalsozialisten und schuf ihm in Kalifornien ein Heim, in dem er bis zu seinem Tode arbeiten konnte. Alma Mahler-Werfel machte ihr Haus zu einem gesellschaftlichen und geistigen Zentrum. Sie versammelte die bedeutendsten Künstler um sich und trat selbst schriftstellerisch hervor. Ihre Bücher enthalten wertvollstes biografisches und kulturhistorisches Material. 1939 erschienen ihre "Erinnerungen und Briefe", die vor allem die Zeit ihrer Ehe mit Mahler umfassen. 1949 gab sie die Briefe des berühmten Musikers in einer großen Ausgabe heraus. 1950 veröffentlichte sie in englischer Sprache ihre eigenen außerordentlich interessanten Lebenserinnerungen unter dem Titel "And the Bridge is Love". Alma Mahler-Werfel verwaltet den Nachlass Werfels selbst und hat der Wiener Stadtbibliothek eine Kollektion sämtlicher Übersetzungen seiner Werke gespendet.

29.8.1959: Ständchen für den Bürgermeister

Kapellmitglieder in Tracht

Knabenkapelle aus Dachau bringt Ständchen für Bürgermeister Jonas

Die Knabenkapelle Dachau, die sich auf einer Reise durch Österreich befindet, brachte heute Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus ein Ständchen.


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