Wien 1958: Berichte vom März 1958

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.3.1958: Europa rufen, nicht verschweigen! Tagung der europäischen Presse in Wien

DDr. Bruno Pittermann

Eine Woche lang waren fast 50 prominente Journalisten aus fast allen Ländern Europas in Wien bei interessanten Referaten und Diskussionen vereinigt. Die Veranstaltung ging mit einem Aufsehen erregenden Referat von Vizekanzler DDr. Bruno Pittermann unter dem Titel "Europa rufen, nicht verschweigen!" zu Ende.


3.3.1958: Jeder Wiener hat durchschnittlich 5.500 Schilling erspart. Das Sparkassenbuch ist wieder aktuell

Die Spareinlagen bei der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien haben auch im Februar einen weitere Aufwärtsentwicklung aufzuweisen. Die Spareinlagen sind in diesem Jahr bereits um 157 Millionen Schilling gestiegen. Ende 1956 waren 599.100 Sparkonten zu betreuen, 1957 war ein Zuwachs von 40.450 neuen Konten, sodass mit Ende 1957 ein Stand von 639.550 Sparkonten bei der Zentralsparkasse verzeichnet wurde.

3.3.1958: Elsa Brandström zum Gedenken

Portrait Elsa Brandström

Elsa Brandström

Auf den 4. März fällt der 10. Todestag des "Engels von Sibirien" Elsa Brandström.

"Am 26. März 1888 als Tochter des schwedischen Gesandten in Petersburg geboren, wurde sie zu Beginn des Ersten Weltkrieges Delegierte des Roten Kreuzes in Rußland und arbeitete sechs Jahre lang höchst verdienstvoll als Helferin der Kriegsgefangenen. Sie scheute keine Gefahr, um deren hartes Los zu erleichtern, und suchte selbst die entlegensten Lager auf, um Hilfe zu bringen. Besonders die Österreicher berichteten in begeisterten Worten von ihr. Als am Ende des russischen Bürgerkrieges die Rückführung der Gefangenen abgeschlossen wurde, baute sie in Deutschland ein großes Hilfswerk für Kriegerwitwen und Waisen auf. Das Geld für ihre Stiftungen trieb sie durch Vorträge auf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlegte Elsa Brandström ihre Tätigkeit nach Amerika, wo sie sich der verfolgten Juden und Demokraten in wirksamer Weise annahm."


3.3.1958: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Portrait Viktor Heller

Dr. Viktor Heller

Der Präsident des Obersten Gerichtshofes, Dr. Viktor Heller, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


6.3.1958: Wiener Tage in Nairobi

In Nairobi, der Hauptstadt der britischen Kolonie Kenya in Ostafrika, wird ein neuer Flugplatz eröffnet, der der größte afrikanische Flugplatz sein soll. Aus diesem Anlass und zugleich als Benefizveranstaltung für die Finanzierung der Errichtung eines neuen Krankenhauses, findet in Nairobi eine künstlerische Veranstaltung unter der Devise "Wiener Ball" statt. Seit Wochen wird an der Vorbereitung dieses Festes gearbeitet und Künstler fertigen Bühnenprospekte mit Wiener Ansichten an. Im Mittelpunkt des Festes werden Gesangsvorträge der Wiener Opernsängerin Alice Gross-Jiresch stehen, die sich bereit erklärt hat, ohne Gage an diesem Fest mitzuwirken, sie wird außerdem ein Wiener Konzert geben. Die "Wiener Tage" wurden vom Wiener Schauspieler und Regisseur Oswald Fischer angeregt und vorbereitet.

8.3.1958: Bürgermeister Jonas übergibt Autobus-Bücherei ihrer Bestimmung

Bücherei-Autobus

Inbetriebnahme des Bücherei-Autobusses

Bücherbus von Innen; Gäste stellen sich bei Entlehnung im Bus an

Erstaunlich viel Auswahl hat die rollende Bibliothek zu bieten


Bürgermeister Jonas übergab heute in Anwesenheit zahlreicher Festgäste, u.a. Stadtrat Mandl und Stadtschulratspräsident Dr. Zechner die erste österreichische Autobus-Bücherei ihrer Bestimmung, die für die Wiener Städtischen Büchereien in den Randgemeinden eingesetzt werden wird.

Der "motorisierte Bücherwurm" stellt eine entscheidende Ausweitung der Tätigkeit der Städtischen Büchereien dar. Das Buch wird nun direkt zum Leser gebracht. Der Bücherei-Autobus, der nach den Entwürfen von Senatsrat Diederich gebaut wurde, kostete 750.000 Schilling. Die Bücher repräsentieren einen Wert von 360.000 Schilling. Der Bus ist insgesamt 13,30 m lang.

10.3.1958: Geburtstag von Hans Knappertsbusch

Am 12. März vollendet Generalmusikdirektor Prof. Hans Knappertsbusch das 70. Lebensjahr.

In Elberfeld geboren, studierte er am Konservatorium in Köln und begann 1912 am dortigen Stadttheater seine Laufbahn als Kapellmeister. In München wurde er 1922 Nachfolger Bruno Walter als Leiter der Staatsoper und des Staatsopernchores. 1938 wurde er Leiter der Wiener Staatsoper. Vorübergehend als Dirigent des Bamberger Symphonieorchesters tätig, wählte er nach dem Krieg München zu seinem ständigen Wohnsitz.

12.3.1958: Wolkenbruchartiger Schneefall über Wien - Schneelage: 40 Zentimeter, Schneewechten bis zu zwei Meter

Über Wien ging in den gestrigen Abendstunden ein wolkenbruchartiger Schneefall mit Sturm nieder, der binnen kurzer Zeit für eine Schneedecke von 28 cm sorgte, in einigen Teilen bis zu 40 cm. Die Heftigkeit des Sturmes verursachte an manchen Stellen des Stadtgebietes Schneewechten bis zu zwei Metern Höhe. In Wien waren über 1.800 Personen die ganze Nacht mit der Schneeräumung beschäftigt.

Aufgrund der herrschenden Schneekatastrophe forderte Vizebürgermeister Honay heute den Einsatz des Bundesheeres. 1.000 Mann werden mit den Räumkolonnen der Wiener Verkehrsbetriebe für die Freimachung der wichtigsten Straßenbahnlinien sorgen.

13.3.1958: Vizebürgermeister Honay empfängt amerikanische Apotheker

Gäste stehen in Festsaal versammelt

Vizebürgermeister Honay empfängt amerikanische Apotheker

Eine Gruppe von Apothekern aus Chicago wählten als Abschluss ihrer Europareise einen Besuch in Wien, wo die Amerikaner heute von Vbgm. Honay im Rathaus empfangen wurden.


14.3.1958: Geburtstag von Paul Deutsch

Am 16. März vollendet Chefredakteur Paul Deutsch sein 85. Lebensjahr.

In Wien geboren, studierte er Jus und trat in den Staatsdienst. Von 1898 bis 1919 gehörte er der Redaktion der Neuen Freien Presse an. Deutsch gründete danach einen eigenen Wirtschaftsverlag. 1927 wurde er Chefredakteur der "Wiener Allgemeinen Zeitung", 1934 verlor er sein Amt und seit 1938 jede Möglichkeit zur publizistischen Betätigung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er seinen Beruf wieder frei ausüben. Seit dem Bestehen der Zeitung "Neues Österreich" gehört er ihrem Redaktionsstab an. Seine mit p.d. gezeichneten Artikel erscheinen bis heute in regelmäßiger Folge. Paul Deutsch steht in enger Verbindung mit der Arbeiterbewegung. Seine Beiträge zeichnen sich durch umfassende wirtschaftliche und juristische Kenntnisse sowie durch eine besondere Vertrautheit mit politischen und kulturellen Fragen aus, die er stets volkstümlich und interessant zu behandeln versteht.

20.3.1958: Jonas gratuliert Robert Schuman

Bürgermeister Jonas hat heute an Robert Schuman nach Straßburg folgendes Telegramm gerichtet: "Im Namen der Stadt Wien herzliche Gratulation zur Wahl als Präsident der Gemeinsamen europäischen Versammlung. Meine besten Glückwünsche für eine erfolgreiche Tätigkeit im hohen Amte. Möge die neue Körperschaft die Kraft zu einer hoffnungsvollen Entwicklung und zu einer Ausweitung auf ein größeres Europa finden."

21.3.1958: Ein grünes Foyer für die Stadthalle

Die städtischen Gärtner haben mit einer gründlichen Umgestaltung des Märzparkes begonnen. Diese Grünfläche wird in den nächsten Wochen zu einem grünen Foyer der Anlagen auf dem Vogelweidplatz umgewandelt und durch ihre moderne Gestaltung der Stadthalle den letzten architektonischen Akzent geben. Der Märzpark wird über einen schmalen Rasenstreifen bis zum Gürtel erweitert und so mit der umgebauten Parkanlage des Urban Loritz-Platzes ein Ganzes bilden.

Auf dem Neubaugürtel wurde zugleich mit den Vorarbeiten für die Aufstellung eines 12 Meter hohen Reklameturmes der Wiener Stadthalle begonnen. Unter dem Turm wird auch ein Verkaufskiosk errichtet.

21.3.1958: In Unter-Döbling wird eine Stiegenanlage gebaut

Gegenüber der Döblinger Pfarrkirche wird die Gemeinde Wien mit dem Bau einer großen öffentlichen Stiegenanlage beginnen. Sie wird die Hofzeile mit der Nußwaldgasse verbinden. Der zu überwindende Höhenunterschied beträgt an dieser Stelle elf Meter. Die Stiegenanlage, die von Arch. Dipl.-Ing. Schüssler entworfen wurde, wird aus sechs Stiegenarmen mit insgesamt 72 Stufen bestehen. Die Umgebung des Stiegenaufganges, dessen Baukosten eine Million Schilling betragen werden, wird gärtnerisch ausgestaltet.

21.3.1958: Amtseinführung in der Gaswerke-Direktion

Der neue Direktor der Wiener Stadtwerke-Gaswerke, Dipl.-Ing. Staufer, wurde heute von Bürgermeister Jonas in sein neues Amt eingeführt.

24.3.1958: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Dalton und Jonas in Gespräch um Tisch sitzend

Argentinische Botschafter General Dalton bei Bgm. Jonas

Der neue argentinische Botschafter General Dalton stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


27.3.1958: Wiener Beamtin fährt nach Burma

Auf Einladung der burmesischen Regierung wird Frau Dr. Erna Sailer vom Magistrat der Stadt Wien als Expertin der Vereinten Nationen für die Dauer eines Jahres nach Burma reisen, um die burmesische Regierung in Fragen des Aufbaues des Wohlfahrtswesens zu beraten. Im Rahmen ihrer Mission für die Vereinten Nationen wird Frau Dr. Sailer auch eine Studienreise nach Siam unternehmen und bei der Internationalen Wohlfahrtskonferenz in Tokio über den Stand der Fürsorgeausbildung in Europa berichten.

28.3.1958: Wiener Gemeinderat beschließt Stiftung der Kainz-Medaille

Der Wiener Gemeinderat genehmigte heute die Stiftung der "Josef Kainz-Medaille der Stadt Wien" anlässlich des 100. Geburtstages des berühmten Wiener Schauspielers. Mit der Medaille werden alljährlich am 20. September, dem Todestag von Kainz, ein Schauspieler und eine Schauspielerin für die beste schauspielerische Darstellung und ein Regisseur für die beste Regieleistung des Jahres an einer Wiener Bühne ausgezeichnet. Die Kainz-Medaille wird vom Bürgermeister verliehen. Auch ausländische Künstler können sie erhalten, doch ist die Verleihung nur einmal möglich.

28.3.1958: Aus dem Wiener Landtag:

Im heutigen Wiener Landtag wurde die Aufhebung der Überhöhungsabgabe sowie die Aufhebung der Jagdsteuer einstimmig beschlossen. Bei beiden sind die Erträgnisse so bescheiden, dass sich der Verwaltungsaufwand nicht mehr lohnt.

29.3.1958: Neues Präsidium der Auslandspresse bei Bürgermeister Jonas

Jonas in Gespräch mit Gästen

Neues Präsidium der Auslandspresse bei Bürgermeister Jonas

Das neugewählte Präsidium des Verbandes der Auslandspresse absolvierte heute bei Bürgermeister Jonas einen Antrittsbesuch. Bürgermeister Jonas hat in Anwesenheit des Leiters der Pressestelle der Stadt Wien, Chefredakteur Adametz, den Präsidenten des Verbandes Henry C.A. Baljon (Holland), den Vizepräsidenten Hubert Deacon Harrison ("Reuter", London) und den Generalsekretär Kurt W. Hampe ("Associated Press", New York) im Rathaus empfangen.


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