Wien 1956: Berichte vom Mai 1956

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.5.1956: Eine 102-jährige Margaretnerin

Die älteste Bewohnerin des 5. Bezirkes, Frau Magdalena Rupprecht, feierte ihren 102. Geburtstag. Bezirksvorsteher Grubeck überreichte ein Ehrengeschenk der Wiener Stadtverwaltung.

3.5.1956: Wiener Programmspiegel "Was ist los in Wien"

Um den Besuchern Wiens die Orientierung in der Stadt zu erleichtern, wird der bisher monatlich erscheinende Wiener Programmspiegel "Was ist los in Wien" ab Juni im Auftrag der Fremdenverkehrsstelle der Stadt Wien wöchentlich erscheinen und über Hotels und Informationsstellen, Reise- und Theaterkartenbüros den Besuchern zur Verfügung stehen.

3.5.1956: Stadtrat Mandl eröffnet Schulgalerie in der Aderklaaer Straße

Stadtrat Mandl zeigt Schülerinnen Galerie

Eröffnung der Schulgalerie Aderklaaer Straße

Vor einiger Zeit wurde in der städtischen Hauptschule 22, Aderklaaer Straße, eine Schulgalerie mit Werken von Künstlern der Wiener Secession eingerichtet. Heute konnte nun Stadtrat Mandl eine neue Schulgalerie in dieser Schule, die Werke von Malern, Grafikern und Bildhauern des Künstlerhauses zeigt, eröffnen.

Nach den Mitgliedern des Künstlerhauses sollen in der Galerie Werke der Künstlervereinigung "Der Kreis" gezeigt werden.


4.5.1956: Belgische Handelsschülerinnen im Wiener Rathaus

Vizebürgermeister Honay empfing heute im Wiener Rathaus 30 Handelsschülerinnen der Ecole Ernest Richard aus der Brüsseler Ortsgemeinde Etterbeek, die zu einem einwöchigen Studienaufenthalt nach Wien gekommen sind.

4.5.1956: Aktiver Wiener Fremdenverkehrsverband - Stadtrat Mandl eröffnete 1. Konferenz im Westbahnhof

Im Festsaal des Westbahnhofes wurde heute durch Stadtrat Mandl die erste Wiener Fremdenverkehrskonferenz, die vom Fremdenverkehrsverband für Wien veranstaltet wird, eröffnet.

5.5.1956: Österreichs Schriftsteller bei den Wiener Festwochen

Die österreichischen Schriftsteller werden bei den "Wiener Festwochen 1956" mit zahlreichen Veranstaltungen vertreten sein. Der Österreichische Schriftstellerverband hat u.a. eine Dichterlesung von fünf österreichischen Schriftstellerinnen angesetzt, in der charakteristische Abschnitte und Proben aus den Werken von Imma Bodmershof, Alma Holgersen, Paula Ludwig, Erika Mitterer und Martina Wied zu Gehör gebracht werden. Außerdem werden viele Lesungen in Städtischen Büchereien und Wiener Schulen stattfinden.

5.5.1956: Vier weitere Wohnhausanlagen eröffnet

Heute konnten wieder vier neue Wohnhausanlagen im 17. und 21. Bezirk mit zusammen 1.791 Wohnungen eröffnet werden.

5.5.1956: Ein neues Wienfluss-Sperrwerk in Hadersdorf

In Hadersdorf konnte heute das von der Gemeinde Wien umgebaute Wienfluss-Sperrwerk dem Betrieb übergeben werden. Ihm fällt die wichtige Aufgabe zu, die manchmal überraschend einsetzenden Hochwässer des Wienflusses so zu teilen, dass nur maximal 270 Kubikmeter pro Sekunde in das Umlaufgerinne abfließen, während der Überschuss in die Rückhaltebecken gedrängt wird. Dies ist eine gewaltige Leistung, wenn man bedenkt, dass hier an der Einmündung des Mauerbaches bei Hochwasser 610 Kubikmeter pro Sekunde zusammenfließen.

Das frühere Sperr- und Verteilungswerk war schwerfällig im Betrieb und wies verschiedene Mängel auf. Die veraltete Verschlusskonstruktion mit 12 Windwerken erforderte zur Bedienung 24 Männer und bei raschem Eingreifen oft die Assistenz der Feuerwehr. Die neue Schützenanlage wird jetzt durch Betätigung eines Druckknopfes durch einen Mann bedient. Die Baukosten des Sperrwerkes betrugen 750.000 Schilling.

7.5.1956: Ehrung von Pflegemüttern

Menge an Festgästen, Bürgermeister Jonas begrüßt zwei ältere Damen

Feier zu Ehrung der Pflegemütter

Der Wiener Gemeinderat hat kürzlich beschlossen, jenen Frauen, die durch mindestens zehn Jahre ohne Unterbrechung ein Pflegekind des Wiener Jugendamtes vorbildlich betreuen, ein Anerkennungsdiplom und eine Ehrengabe von 500 Schilling zu widmen. Insgesamt werden gegenwärtig 1.143 Kinder von Pflegemüttern behütet. Davon sind 195 bereits länger als zehn Jahre in derselben Familie.

Bürgermeister Jonas hat an die in Wien wohnhaften 105 Pflegemütter im Rahmen einer kleinen Feier die Übergabe der Diplome und Ehrengaben vorgenommen.


8.5.1956: Florian Berndl zum Gedenken

Auf den 10. Mai fällt der 100. Geburtstag des Entdeckers des Gänsehäufels Florian Berndl.

In Groß-Haselbach geboren, brachte er sich in Wien als Pedikeur fort und gründete als begeisterter Freund der Natur auf einer Insel in der Alten Donau eine Kolonie, die "Neu-Brasilien" genannt wurde. Der herrliche Strand bewog die Stadtverwaltung, an dieser Stelle ein großes Bad zu errichten, das 1907 unter dem Namen "Gänsehäufel" eröffnet wurde. Florian Berndl übersiedelte auf den Bisamberg, wo er als Einsiedler lebte und von der Gemeinde später eine Ehrenpension erhielt. Er starb am 30. November 1934.

8.5.1956: Zur Sicherung der Gasversorgung: Ein neues großes Projekt der Wiener Stadtwerke - 31 Millionen für eine Wassergasanlage mit Methanspaltung

Der Wiener Stadtsenat genehmigte heute die Errichtung einer Wassergasanlage mit Methanspaltung im Gaswerk Leopoldau mit einem Kostenaufwand von 31 Millionen Schilling. Diese neue und besonders leistungsfähige Anlage wird dazu beitragen, zu Zeiten des Spitzenbedarfes die Gasversorgung der Bundeshauptstadt zu sichern. Bei dieser Wassergasanlage handelt es sich um ein Verfahren, bei dem in Koks-Wassergas-Generatoren durch thermische Spaltung des Methans ein normgerechtes Stadtgas erzeugt werden kann. Sie wird täglich bis zu 500.000 Kubikmeter Stadtgas erzeugen und kann vom kalten Zustand innerhalb 24 Stunden auf volle Leistung gebracht werden. Die neue Wassergasanlage soll im Winter 1958/59 den Betrieb aufnehmen können.

9.5.1956: Die Witwe Per Albin Hanssons im Wiener Rathaus

Jonas schüttelt Hansson die Hand

Sigrid Hansson zu Gast bei Bürgermeister Jonas

Die Witwe des schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson, Frau Sigrid Hansson, die sich seit einigen Tagen zu einem privaten Besuch in Wien aufhält, wurde heute von Bürgermeister Jonas und StR. Afritsch im Rathaus empfangen.


11.5.1956: Der argentinische Botschafter bei Bürgermeister Jonas

Munoz und Jonas an Tisch sitzend in Gespräch

Der argentinische Botschafter Pablo Tulio Santos Munoz zu Gast bei Bürgermeister Jonas

Der argentinische Botschafter, Pablo Tulio Santos Munoz, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


12.5.1956: Großes Ehrenzeichen für Obersenatsrat i.R. Dipl.-Ing. Steinwender

Ehrenzeichenüberreichung durch Jonas an Steinwender

Dipl.-Ing. Steinwender erhält das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Bürgermeister Jonas überreichte heute dem ehemaligen Leiter der Wiener Wasserwerke, Obersenatsrat i.R. Dipl.-Ing. Steinwender, das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.


12.5.1956: Internationaler Städtebau-Filmwettbewerb der Gemeinde Wien

Die Gemeinde Wien schreibt anlässlich des 23. Internationalen Kongresses für Wohnungswesen und Städtebau, der im Juli in Wien von der International Federation for Housing and Town Planning (IFHTP) abgehalten wird, einen internationalen Wettbewerb für den besten Film über Wohnungswesen und Städtebau aus.

18.5.1956: Kongresse in Wien

In Wien werden einige große Kongresse abgehalten, u.a. der Internationale Rauchfangkehrerkongress, die 49. Generalversammlung des Internationalen Luftfahrtsverbandes, der Dermatologenkongress und der Ornithologische Kongress.

22.5.1956: Der Lord Mayor of London in Wien

Jonas empfängt den Lord Mayor der eine Tracht mit Spitzenhalskrause und Spitzenmanschetten trägt

Empfang für den Lord Mayor of London

Lord Ackroyd und Mitglieder der Wiener Stadtregierung

Lord Ackroyd verliest die Botschaft des Common Council


Der Lord Mayor of London, Alderman Cuthbert L. Ackroyd, ist heute zu einem offiziellen Besuch in Wien eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich seine Gattin, die Lady Mayoress, der Sheriff W. G. Allen und dessen Gattin, der Chief Commoner C. F. Glenny und der Schwertträger und Erste Esquire W. T. Boston.

Die englischen Gäste wurden von Bürgermeister Jonas und Mitgliedern der Wiener Stadtregierung im Rathaus empfangen. Bei dieser Gelegenheit trugen die Gäste ihre "Old Bailey"-Tracht. Es handelt sich dabei um eine Art Cutawey mit Spitzenhalskrause und Spitzenmanschetten.

Lord Ackroyd verlas die Botschaft des Common Council, einer demokratischen Einrichtung, die seit dem Jahre 1215 besteht. Die Botschaft lautet:

"Der Common Council hat in seiner am Donnerstag, dem 10. Mai 1956, in der Guild Hall in London abgehaltenen Sitzung den einstimmigen Beschluss gefasst, dass aus Anlass des Besuches der Stadt Wien durch den höchst ehrenwerten Lord Mayor und die Lady Mayoress, begleitet vom Sheriff, Herrn William Gilbert Allen und Frau Allen sowie vom Chief Commoner, Herrn Charles Frederic Glenny, Esu., M.V.O., es der Wunsch dieses Hauses ist, im Namen der Bürger von London den Bürgern von Wien freundliche Grüße zu überbringen.

Es ist der aufrichtige Wunsch jedes Mitgliedes dieses Hauses, dass die Stadt Wien, gesegnet mit Frieden und Glück, weiterhin blühe und dass die herzlichen Beziehungen zwischen unseren Bürgern erhalten bleiben und vertieft werden mögen.

Dem Herrn Bürgermeister und den Mitgliedern des Gemeinderates von Wien sendet dieses Haus seine besten Wünsche und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass deren Arbeit durch Wohlstand und Erfolg belohnt werde".

Lord Ackroyd übergab dem Bürgermeister als Geschenk einen großen goldenen Pokal.

Die englischen Gäste trugen sich in das Goldene Buch der Stadt Wien ein.

24.5.1956: 19 Tote bei schwerem Autobusunglück in Bozen

Ein Autobusunfall in Bozen fordert 19 Todesopfer. Der Autobus war fast ausschließlich mit Wiener Urlaubern besetzt. Bürgermeister Jonas richtet Beileidstelegramme an die Angehörigen. Aus vielen Staaten Europas treffen Beileidstelegramme ein.

28.5.1956: Elefantenbesuch im Rathaus - "Moni" überreichte Zirkuskarten für die städtischen Befürsorgten

Beamte und Besucher streicheln Elefanten

Elefantenbesuch im Rathaus

Ein Elefant im Rathaus, noch dazu erst 10 Monate alt, brachte es zuwege, dass der Betrieb einige Zeit stockte. Beamte und Besucher liefen zusammen, um das Elefantenbaby "Moni" zu bewundern, das sich Direktor Wacker vom Zirkus Apollo als Botengänger ausgesucht hatte. Stadtrat Mandl empfing seinen ungewöhnlichen Gast zusammen mit den StRe. Lakowitsch und Thaller im Arkadenhof. "Moni" überreichte ihm in einem fliedergeschmückten Körbchen einen kompletten Kartensatz für die allererste Vorstellung, die der Zirkus Apollo in Wien geben wird, für die städtischen Befürsorgten.


28.5.1956: Ein Ständchen für den Bürgermeister

Musikkapelle und Jonas in Arkadenhof

Die Bad Ausseer Musikkapelle bringt Bürgermeister Jonas ein Ständchen

Die Bad Ausseer-Musikkapelle, in ihrer Landestracht, brachte heute Bürgermeister Jonas im Arkadenhof ein Ständchen.


28.5.1956: Abschied von den Toten aus der Eggenschlucht - Tausende Wiener an den 19 Bahren in der Siemensstraße

In einer Trauerfeier nahmen heute die Stadt Wien mit den Hinterbliebenen und tausenden Wienerinnen und Wienern Abschied von den 19 Opfern der Autobuskatastrophe in Eggental bei Bozen. Die Trauerfeier fand vor dem Volksheim in der Siedlung an der Siemensstraße statt.

29.5.1956: Neueröffnung der Mozart-Räume

Anlässlich des Mozart-Jahres hat das Kulturamt der Stadt Wien die Räume im so genannten "Figaro-Haus", 1, Domgasse 5, wiederhergestellt, in denen Mozarts "Hochzeit des Figaro" entstanden ist.

30.5.1956: Wien - die Stadt der Kinderfreibäder

Mit der Eröffnung von zwei neuen städtischen Kinderfreibädern in der Leopoldstadt und in Rodaun wird sich die Zahl dieser Badeanlagen auf 28 erhöhen.

Das erste Wiener Kinderfreibad entstand schon vor beinahe 40 Jahren im Hütteldorfer Staubecken. Im Jahre 1919 wurde ein Kinderfreibad am Wiener Neu-städter-Kanal in Simmering und ein weiteres im Schönbrunner Vorpark, dem jetzigen Auer-Welsbach-Park errichtet. Die ersten Anlagen waren sehr einfach. Sie bestanden aus einer zerlegbaren Holzbaracke. Als Badebecken dienten vorhandene Gerinne oder Zierbecken. Der Beifall, den diese ersten Kinderfreibäder bei der Bevölkerung auslösten, hat die Wiener Gemeindeverwaltung bewogen, vom Jahre 1923 angefangen, weitere solche Badeanlagen in verschiedenen Bezirken, vor allen in den dicht bevölkerten, zu bauen.

Bis zum Jahre 1944 waren 23 städtische Kinderfreibäder in Betrieb. Sieben davon wurden durch die Kriegsereignisse vollkommen zerstört, zwei weitere mussten aufgelassen werden. Seit 1945 wurden alle Kinderfreibäder wieder aufgebaut und außerdem neue Anlagen errichtet. Die neuesten Kinderfreibäder entstehen im Gegensatz zu den älteren, die als Holzobjekte ausgeführt wurden, in massiver Bauweise.

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