Wien 1956: Berichte vom August 1956

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.8.1956: Freilichtausstellung im Stadtpark

Im Stadtpark wurde die Freilichtausstellung "Plastiken im Stadtpark" eröffnet, in der Werke bekannter österreichischer Bildhauer zu bewundern sind.

1.8.1956: Hundert Zierbrunnen in Wien

Auf den Plätzen und in den öffentlichen Anlagen Wiens plätschern zurzeit 71 städtische Kunst- und Zierbrunnen; außerdem gibt es noch etwa 25 Brunnen, die vom Bund betreut werden. In dieser Zahl, die nur die größeren Zierbrunnen und Fontänen umfasst, sind die vielen städtischen Lauf- und Trinkbrunnen auf öffentlichen Plätzen sowie auch in Privathäusern der inneren Bezirke und am Stadtrand nicht inbegriffen.

In den Nachkriegsjahren war die Gemeinde Wien bestrebt, die Zahl ihrer Zierbrunnen noch zu vermehren. In den Parkanlagen sind neue künstlerische Trinkbrunnen entstanden, meist auch als Vogel- und Hundetränken ausgestaltet. Allein 12 solcher Tränken schuf der Bildhauer Mario Petrucci. Vor kurzem wurde nun im Votivpark eine neue Vogeltränke von Prof. Frass aufgestellt.

2.8.1956: "Österreich-Rundfahrt" der internationalen Städteplaner

Im Anschluss an den Internationalen Städtebaukongress befindet sich eine große Anzahl der ausländischen Delegierten derzeit auf einer Studienfahrt durch Österreich. Fachleute aus der ganzen Welt machen sich dabei mit den städtebaulichen, aber auch anderen kommunalen Problemen vertraut.

3.8.1956: Sozialarbeiter aus USA und Kanada in Wien

Eine Gruppe von Sozialarbeitern aus USA und Kanada trafen heute in Wien ein, um die österreichische Bundeshauptstadt und deren soziale Verhältnisse kennen zu lernen. Vbgm. Honay informierte die Gäste über die sozialen Einrichtungen der Stadt Wien und über die Fürsorgeleistungen der österreichischen Bundeshauptstadt.

3.8.1956: Die Wiener städtische "Flüchtlings-Internationale"

Die Zuwanderung von Flüchtlingen aus den Nachbarländern, die nach Kriegsende einsetzte, stellte die Wiener Gemeindeverwaltung vor schwere Aufgaben.

Vizebürgermeister Honay teilte dazu mit, dass die Gemeinde Ende 1945 in 23 Lagern 23.450 Flüchtlinge aufgenommen hatte. Ein großer Teil der Flüchtlinge wurde in Schulen untergebracht. In Simmering und in Hütteldorf wurden eigene Baracken errichtet. Die aus ihrer Heimat vertriebenen Frauen und Männer haben in schwerster Zeit ihre Arbeitskraft in den Dienst des Wiederaufbaues Wiens gestellt. Abwanderung und Unterbringung in Wohnungen hat seit 1945 die Zahl der in den städtischen Lagern befindlichen Flüchtlinge stark verringert.

Gegenwärtig sind nur mehr vier städtische Flüchtlingslager mit 1.648 Insassen, davon 324 Kindern, vorhanden. Interessant ist das Ergebnis über die kürzlich vorgenommene Erhebung der Staatszugehörigkeit aller in den vier Lagern wohnenden Personen. Nicht weniger als 1.233 haben bereits die österreichische Staatsbürgerschaft erworben. Die verbleibenden 415 bilden eine kleine Internationale. An erster Stelle stehen die Volksdeutschen aus Jugoslawien mit 118 Personen, wozu noch 78 "echte" Jugoslawen kommen, 77 kommen aus Ungarn und 60 Personen sind Reichsdeutsche, 30 sind Volksdeutsche aus der Tschechoslowakei, aus Rumänien sind 28 Flüchtlinge. Schließlich befinden sich auch noch einige Flüchtlinge aus Griechenland, Bulgarien und Polen in den Lagern.

Honay kündigte ferner an, dass die Auflassung des Flüchtlingslagers in der Ottakringer-Speckbacherschule vorbereitet wird. Es werden dann nur noch in der Schule Am Hundsturm und in den beiden Barackenlagern in Simmering-Heidestraße und in Hütteldorf-Bergmillergasse, von der Gemeinde betreute Heimatvertriebene wohnen.

8.8.1956: Moderne Heizanlage für Schloss Wilhelminenberg

Der Wiener Stadtsenat bewilligte heute für die Erneuerung der Kesselanlage im Erziehungsheim Schloss Wilhelminenberg 1,300.000 Schilling.

Anstelle der vorhandenen etwa 29 Jahre alten vier gusseisernen Gliederkessel für Stückkoksfeuerung werden nunmehr drei Cerac-Niederdruckdampfkessel mit Kokserbsfeuerung aufgestellt.

8.8.1956: Neue Feuerwache der Stadt Wien in Weidlingau - Anschaffung einer 50 Meter hohen Magirus-Drehleiter

In Weidlingau soll eine kleinere Feuerwache gebaut werden. Die Kosten für das Gebäude mit anschließendem Übungsplatz werden voraussichtlich 970.000 Schilling betragen. Auf der zu verbauenden Liegenschaft befindet sich gegenwärtig das baufällige Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Weidlingau, dessen Abbruch vorgesehen ist. Die neue Feuerwache Weidlingau soll nunmehr als Berufsfeuerwache der Stadt Wien eingerichtet werden. Für die Anschaffung einer neuen 50 Meter hohen Magirus-Drehleiter wurden 850.000 Schilling veranschlagt. Die alte Leiter wurde vor einigen Wochen bei einem Verkehrsunfall so schwer beschädigt, dass ihre Wiederinstandsetzung nicht mehr möglich ist.

8.8.1956: Zwei neue Stiegen im alten Wien

Stiegen als öffentliche Verkehrsflächen kommen in Wien verhältnismäßig selten vor. Die ältesten Stiegenaufgänge gibt es im Kaiviertel und in den steilen Gassen zwischen dem Naschmarkt und der Mariahilfer Straße.

Dieser Tage wurde mit dem Umbau der alten Stiege am oberen Ende des Fleischmarktes begonnen. Die Gemeinde Wien wird hier anstelle des schmalen Aufganges zur Judengasse eine neue Treppe errichten. Der derzeit noch wenig einladende Ort rund um den Kornhäuslturm wird noch heuer in Zusammenarbeit mit den Gartenarchitekten ein völlig verändertes Gesicht bekommen und eine bequeme Verbindung zum Ruprechtsplatz herstellen, von dessen Plateau sich schon jetzt ein schöner Blick zum wieder aufgebauten Kai bietet.

Zugleich mit dem Umbau auf dem Fleischmarkt haben die Bauarbeiter in der Gumpendorfer Straße mit dem Abtragen der Corneliusstiege begonnen. Auch hier wird die Gemeinde Wien den baufälligen Stiegenaufgang durch eine völlig neue Anlage ersetzen.

10.8.1956: Blühende Donauufer

Mit der Umgestaltung der Donauufer verwirklicht die Wiener Stadtverwaltung einen beachtlichen Teil ihres bereits nach Kriegsende umrissenen städtebaulichen Programms. In den letzten Jahren wurden am linken Donauufer zwischen dem Floridsdorfer Wasserpark und der Wagramer Straße viele Hektar brachliegender Boden planiert und in eine blühende Parklandschaft umgewandelt.

Von besonderer städtebaulicher Bedeutung ist die Umgestaltung des Handelskais, die bereits im vergangenen Sommer in Angriff genommen wurde. Die etwa 5.000 Quadratmeter große Parkanlage mit schönen Baumgruppen, einem Kinderspielplatz und Ruheplätzen mit Pensionistentischen, die oberhalb der Reichsbrücke anstelle des durch baufällige Baracken verunstalteten Ufergrundstücks errichtet wurde, wird nun stromaufwärts um weitere 15.000 Quadratmeter vergrößert.

11.8.1956: Neues städtisches Sommerbad mit Unterwasserbeleuchtung - Theresienbad-Projekt restlos verwirklicht

Badegäste tummeln sich in Freibad

Sommerbad Theresienbad in Betrieb

Das Sommerbad "Theresienbad" (entworfen von Arch. Prof. Theodor Schöll), konnte fertig gestellt werden. Das große Schwimmbecken besitzt eine mit 20 Scheinwerfern ausgestattete Unterwasserbeleuchtung.


14.8.1956: 70. Geburtstag von Louise Kartousch

Louise Kartousch in jungen Jahren mit Puppe im Arm

Louise Kartousch

Am 17. August vollendet die Schauspielerin Louise Kartousch ihr 70. Lebensjahr.

Eine gebürtige Linzerin, wurde sie schon frühzeitig in Kinderrollen beschäftigt und erhielt 1902 ein Engagement am Grazer Landestheater, wo sie auch in Wagner-Opern singen musste. Von 1907 bis 1921 gehörte sie dem Theater an der Wien an und verlieh durch ihre hervorragenden Leistungen der letzten Glanzzeit der Wiener Operette eine bestimmte Note. Sie kreierte während dieser Periode in fast allen Werken Falls, Lehars, Kalmans und Eyslers den Soubrettenpart, zeigte aber auch durch ihr Auftreten am Raimund- und Josefstädter Theater, dass sie zur Charakterdarstellerin befähigt war. Nach dem Niedergang des Theaters an der Wien absolvierte Louise Kartousch Gastspiele an verschiedenen Bühnen des deutschen Sprachgebietes und der Nachfolgestaaten. Auch der Film bot ihr die Möglichkeit, Erfolge zu erringen.


20.8.1956: Ernst Jirgal gestorben

Am 17. August ist der Dichter und Pädagoge Prof. Dr. Ernst Jirgal eines plötzlichen Todes verstorben.

Ernst Jirgal ist am 8. Jänner 1905 in Stockerau geboren. Er studierte Germanistik und begann seine Lehrtätigkeit an der Bundeserziehungsanstalt in Wiener Neustadt, der er auch durch seinen Roman "Erinnertes Jahr" ein poetisches Denkmal gesetzt hat. Nach Mittelschuljahren in Wien, Linz und Baden wurde er schließlich 1947 Leiter des Tivoli-Tagesheimes, wo er für seine pädagogischen Ideen und für seine Liebe zur Jugend das richtige Betätigungsfeld fand. Seit 1954 war er wieder als Mittelschullehrer tätig.

Jirgals dichterisches Werk ist nicht sehr umfangreich und umfasst eigentlich nur einige ganz schmale Bändchen und Einzelveröffentlichungen. Die dichterische Kraft, hoher Ideengehalt und ein außerordentliches Sprachempfinden zeichnen jedoch jede einzelne seiner Arbeiten aus und geben mit der modernen österreichischen Lyrik einen charakteristischen Zug. Jirgal hat seine Stoffe nicht nur dem inneren Erleben entnommen, er hat auch sonst für die Lyrik spröde zu behandelnde Themen sprachlich und dichterisch gemeistert, wie es etwa seine Gedichtfolge über den Sport zeigt. Von seinen Lyrikbänden seien genannt: "Landschaften" (1937), "Sonette der Zeit" (1946) und "Etüden" (1953). Ferner liegen noch ein Drama "Theseus" (1950) und neben dem bereits erwähnten Schulroman "Erinnertes Jahr" ein kleines Büchlein Prosa "Roggenprosa" (1946) vor.

20.8.1956: Dipl.-Ing. Dr. Tomiczek - neuer Wiener Forstdirektor

Zum neuen Leiter der Magistratsabteilung 49 - Forstamt wurde Dipl.-Ing. Dr. Herbert Tomiczek bestellt.

20.8.1956: Internationales Kinderdorf "Hörndlwald"

Kinder beim Ausflug

Kinderheim Hörndlwald

Landschaftsidyll, Kinder sitzen in großen Kreis auf Wiese

Die Jugendlichen aus verschiedenen Nationen fühlen sich wohl im Hörndlwald


Das Kinderdorf "Hörndlwald" beherbergt seit zwei Wochen 85 Schulkinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, Angehörige von 13 Nationen, die von der Österreichischen Gesellschaft für Internationale Kinderdörfer zu einem gemeinsamen Ferienaufenthalt eingeladen wurden. Hier haben sich Kinder aus den USA aus England, Wales, Franreich, Italien, Jugoslawien, Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Westberlin zu einer Gemeinschaft zusammengefunden. Das österreichische Element in dieser Völkerfamilie ist durch Kärnten samt seiner slowenischen Minderheit vertreten. Die internationalen Kinderdörfer erwiesen sich nach fünfjährigem Bestand als eine hervorragend geeignete Einrichtung zur Förderung der Völkerverständigung.

28.8.1956: Kommandant der 2. Brigade im Wiener Rathaus

Ehrengäste mit Jonas um Tisch sitzend in Gespräch

Oberst Reichel zu Gast bei Bürgermeister Jonas

Oberst Reichel, Kommandant der 2. Brigade des Bundesheeres, stattete heute mit seinem Adjutanten Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus einen Besuch ab.


29.8.1956: LKW-"Modenschau" in Hernals - Der 100. Steyr-Lastwagen für den städtischen Fuhrpark

Mitarbeiter der Magistratsabteilung 48 posieren neben Lastwagen

100. Steyr-Lastwagen

Sozusagen eine Modeschau für Lastkraftwagen veranstaltete heute der städtische Fuhrwerksbetrieb der Magistratsabteilung 48. Anlass hiezu bot die Inbetriebnahme des 100. Lastkraftwagens der Type 380 von den Steyr-Werken. Dieser universell verwendbare Lastkraftwagen stellt eine Weiterentwicklung eines Kraftwagentyps dar, der im Zweiten Weltkrieg in Afrika seine Bewährungsprobe abgelegt hat. Heute ist dieser Diesel-Lastkraftwagen mit vier Tonnen Ladegewicht das meist gebrauchte Fahrzeug von den ungefähr 600 Wagen, die beim städtischen Fuhrpark Verwendung finden.


30.8.1956: Antrittsbesuch beim Bürgermeister

Oberst Erwin Fussenegger, Generaltruppeninspektor des Bundesheeres, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.

31.8.1956: Erfolge von Wiener Konservatoristen im Ausland - Gerti demonstriert neue Wiener Akkordeon-Schule

Bei dem soeben abgeschlossenen "Coupe Mondiale de L'Accordeon 1956", der in Biel (Schweiz), abgehaltenen Weltmeisterschaft im Akkordeonspiel, an dem 19 Kandidaten aus 13 Staaten, darunter auch aus USA, England und Südafrika teilnahmen, wurde die 15-jährige Schülerin des Konservatoriums der Stadt Wien Gertrud Winklbauer Zweite. Sieger wurde ein Amerikaner, der 3. Platz fiel an einen Teilnehmer aus Ungarn.

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