Wien 1955: Berichte vom Mai 1955

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.5.1955: Besuch aus Südafrika

Südafrikanische Delegation versammelt um Tisch

Stadtrat Mandl empfängt Bgm. Dr. Joubert von Champagne (Südafrika) und südafrikanische Delegation

Bürgermeister Dr. Joubert, das Stadtoberhaupt von Champagne, einer kleineren Stadt in West-Ontario (Südafrika), stattete heute in Begleitung seiner Gattin und einer südafrikanischen Delegation Stadtrat Mandl einen Besuch im Rathaus ab.


3.5.1955: 420 junge Österreicher lernen Wien kennen

Auf Einladung des Theaters der Jugend sind gegenwärtig 420 junge Burschen und Mädchen aus fast allen österreichischen Bundesländern in Wien, wo sie Gelegenheit haben, die österreichische Bundeshauptstadt kennen zu lernen, Theater, Museen und Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

3.5.1955: "Gold'ne Meisterin" für alte Mütter

Die Direktion des Raimundtheaters hat aus Anlass des Muttertages auch heuer wieder 300 Freikarten für eine Sondervorstellung der Operette "Die gold'ne Meisterin" zur Verfügung gestellt. Diese Karten werden an die Mütter in den Wiener Altersheimen verteilt werden.

4.5.1955: 75. Geburtstag von Max Auer

Am 6. Mai vollendet der Bruckner-Biograph Prof. Max Auer sein 75. Lebensjahr.

In Vöcklabruck geboren, wirkte er nach Absolvierung der Lehrerbildungsanstalt in seiner Vaterstadt und betätigte sich auch als Chormeister und Dirigent. Die von ihm fortgesetzte und zu Ende geführte Bruckner-Biographie August Göllerichs ist das grundlegende Quellenwerk für die gesamte Bruckner-Forschung. Als Gründer und Präsident der Internationalen Bruckner-Gesellschaft hat Prof. Auer entscheidenden Anteil an der heutigen Weltgeltung des großen österreichischen Meisters.

5.5.1955: Arbeiten für neue Urania-Kuppel wurden vergeben

Der zuständige Gemeinderatsausschuss hat heute die Stahlbauarbeiten für die Urania-Sternwartekuppel an eine Wiener Firma vergeben. Die Gesamtkosten des Wiederaufbaues dieses kriegszerstörten Wahrzeichens von Wien werden mit 500.000 Schilling angenommen. Die in Stahl ausgeführte Kuppel wird nach ihrer Fertigstellung von mattgrauer Farbe sein.

6.5.1955: Die Gastwirtschaft im Türkenschanzpark wird demoliert - Bambi bekommt Gesellschaft

Im Dezember vorigen Jahres hat der Wiener Gemeinderat der Demolierung der bombenbeschädigten städtischen Gastwirtschaft im Türkenschanzpark zugestimmt. Die endgültige Räumung der bewohnten Objektteile durch die Mieter konnte aufgrund rechtskräftiger Urteile erst jetzt erreicht werden. Die Demolierungsarbeiten werden nun in Angriff genommen. Der Gemeinderatsausschuss für Bauangelegenheiten hat die Arbeit bereits vergeben und den hierfür notwendigen Betrag bereitgestellt.

Mit Beendigung der Frühjahrsarbeiten sind nun auch die Tiere aus den Winterquartieren in den Türkenschanzpark umgesiedelt worden. Die Teiche werden von drei schwarzen und zwei weißen Schwänen, zwei Höckergänsen, drei Pfauen, zwei Kronenkranichen und mehreren türkischen Enten bevölkert. Die städtischen Gärtner sind soeben dabei, dem vereinsamten Reh namens Bambi wieder Gesellschafter zu verschaffen. Demnächst sollen drei weitere Rehe in das Gehege des Türkenschanzparkes gebracht werden.

6.5.1955: Bahnhof Albern nimmt Stückgutsendungen entgegen

Die städtische Hafenverwaltung gibt bekannt, dass seit 1. April 1954 der Bahnhof Wien-Albern Hafen der Hafenbahn der Stadt Wien als Auf- und Abgabestelle für Stückgutsendungen in unbegrenztem Ausmaß für jedermann zugelassen wurde.

6.5.1955: Der Küniglberg freigegeben!

Heute hat das britische Besatzungselement die 19.170 Quadratmeter große Rollbahn auf dem Küniglberg in Hietzing an Beamte der österreichischen Verwaltung zurückgegeben. Somit ist das ganze Gebiet des Küniglberges von der britischen Besatzungsmacht geräumt. Die Übernahme wurde von Vertretern des Wiener Magistrates durchgeführt.

7.5.1955: Leuchtendes Wahrzeichen im Süden von Wien

Seit einigen Jahren werden zu den Festwochen und die schöne Jahreszeit hindurch, verschiedene Wiener Denkmäler beleuchtet. Diese Einführung wird heuer mit Beginn der Festwochen neuerlich erweitert. Bisher waren die Karlskirche, die Kirche am Leopoldsberg, das Republikdenkmal, der Turmhelm der Kirche Maria am Gestade, das Strauß-Denkmal im Stadtpark und der Moses-Brunnen auf dem Franziskanerplatz beleuchtet worden. Nun wird jeden Abend auch die Spinnerin am Kreuz im Scheinwerferlicht erstrahlen: ein leuchtendes Wahrzeichen im Süden Wiens. Ferner werden die Pestsäule am Graben und das Haydn-Denkmal bei der Mariahilfer Straße von Scheinwerfern angestrahlt. Der Bund wird sich an der Aktion mit der Beleuchtung der Kuppel der Hofburg und des Vermählungsbrunnens auf dem Hohen Markt beteiligen.

9.5.1955: Die "Konsumerhebung" - abgeschlossen

Die Konsumerhebung, die in allen größeren Städten Österreichs seit dem 1. April 1954 durchgeführt wurde, hat mit 31. März ihren Abschluss gefunden. Nach dem Stichprobenplan wurde in Wien jede 100., in den übrigen Städten jede 50. Haushaltung in die Erhebung einbezogen. Auf diese Weise wurden für Wien 4.039 Haushaltungen ermittelt, von denen im Monat durchschnittlich 340 von eigens geschulten Erhebungsbeamten besucht und zur Mitarbeit eingeladen wurden.

2.818 Haushalte, das sind rund 65 Prozent der insgesamt Geworbenen, erklärten sich zur Führung eines Haushaltsbuches bereit. Die von der "Forschungsstelle zur Aufstellung volkswirtschaftlicher Bilanzen" ausgesetzte Prämie von 100 Schilling für jedes einwandfrei geführte Haushaltungsbuch konnte mit einer Ausnahme an alle mitwirkenden Haushalte ausbezahlt werden. Mit Rücksicht darauf, dass eine Aktion wie die Konsumerhebung in dieser Form in Österreich noch nie durchgeführt wurde und für alle Beteiligten etwas Neues darstellte, kann der erzielte Erfolg als durchaus befriedigend bezeichnet werden.

Die Auswertung des gewonnenen Materials liegt in den Händen der "Forschungsstelle zur Aufstellung volkswirtschaftlicher Bilanzen" und des Österreichischen Statistischen Zentralamtes. Es ist beabsichtigt, die Ergebnisse in einer Publikation bekannt zu machen.

9.5.1955: Die schönste Eisenblüte für den Bürgermeister

Bürgermeister Jonas verabschiedet sich von Sänger im Arkadenhof

Donawitzer Bergwerkskapelle brachte dem Bürgermeister ein Ständchen zum Abschied

Die vierzig Mann starke Werkskapelle der Hütte Donawitz (Steiermark), die über das Wochenende als Gast der Betriebskapelle der Wiener Gaswerke zu Besuch in Wien weilte, verabschiedete sich heute mit einem Ständchen vor Bürgermeister Jonas. Kapellmeister Hans Tresohlavy übergab dem Bürgermeister eine in steirisches Steinmosaik gefasste Eisenblüte.


10.5.1955: Das Mozarteum auf Besuch im Wiener Rathaus

Studierende werden im Rathaus empfangen

Stadtrat Mandl begrüßt die Hörer des Schauspielseminars des Salzburger Mozarteums

Die Hörer des Schauspielerseminars des Salzburger Mozarteums, die zu einem mehrtätigen Studienaufenthalt nach Wien gekommen sind, wurden heute von Stadtrat Mandl im Rathaus empfangen. Die jungen Gäste werden im Reinhardt-Seminar eine Theatervorstellung geben.


11.5.1955: Neue Röntgenstation in der Universitäts-Kinderklinik

Bürgermeister Jonas und Vizebürgermeister Weinberger eröffneten heute die neue Röntgenstation in der Universitäts-Kinderklinik, die mit einem Kostenaufwand von 300.000 Schilling errichtet wurde. Allein die Apparaturen kosteten 180.000 Schilling. Die alte Röntgenstation musste mit Geräten arbeiten, die im Jahre 1925 angeschafft worden waren.

11.5.1955: Die Bühnen rüsten zu den Festwochen

Das Theater in der Josefstadt hat, wie jedes Jahr seit dem Wiedererstehen der Wiener Festwochen, einen österreichischen Autor auf dem Spielplan. Heuer hat man "Die Verlorenen", ein Maria Stuart-Drama von Hans Schubert, vorgesehen. Die Inszenierung besorgt Werner Kraut. In der Hauptrolle wird Joana Maria Gorwin vom Schiller-Theater in Berlin zu sehen sein. Weiters stehen während der Festwochen in der Josefstadt das Stück "Der Schwan" von Molnar und in den Kammerspielen "Der Schwejk" auf dem Programm.

Im Volkstheater steht als Festwochenpremiere "Ulla Wimblad" von Carl Zuckmayer auf dem Programm. In dem personenreichen Stück ist das gesamte --fr--Ensemble--´fr-- beschäftigt, in den Hauptrollen Hans Putz und Martha Wallner. Außerdem stehen auf dem Spielplan "Johannisnacht" und "Minna von Barnhelm".

Der Leiter des "Kaleidoskop" Helmut Matiasek kündigte für die Festwochen "Miles gloriosus" von Plautus an. Das Stück wird in historischen Kostümen gespielt und soll auch im Amphitheater in Carnuntum aufgeführt werden.

In einen Modesalon verwandelt der Leiter des Kleinen Theaters im Konzerthaus Friedrich Kallina seine Bühne während der Festwochen. Das Stück heißt "Mannequin" und stammt von Heinz Fischer-Karwin, der im Österreichischen Rundfunk beschäftigt ist. Der Autor behandelt den Starkult, der heute mit Schönheitsköniginnen und Fotomodellen getrieben wird, in satirischer Form.

12.5.1955: Besuch des japanischen Gesandten

Portrait Katsumi Ohno

Minister Katsumi Ohno

Der neue japanische Gesandte und bevollmächtigte Minister Katsumi Ohno besuchte heute Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus.


13.5.1955: Nobelpreisträger Prof. Kuhn bei Bürgermeister Jonas

Kuhn und Jonas im Gespräch an Tisch sitzend

Nobelpreisträger Univ.-Prof. Dr. Richard Kuhn zu Gast bei Bürgermeister Jonas

Nobelpreisträger Univ.-Prof. Dr. Richard Johann Kuhn, der Direktor des Max Planck-Institutes in Heidelberg, der sich seit einigen Tagen in Wien aufhält, um wissenschaftliche Vorträge zu halten, wurde heute von Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus empfangen. Prof. Kuhn, ein geborener Döblinger, war zuletzt vor acht Jahren in Wien. (Für seine Verdienste um die Vitaminforschung erhielt er 1938 den Nobelpreis für Chemie. Redaktion)


14.5.1955: Überreichung der Preise der Stadt Wien für das Jahr 1955

Im Wiener Rathaus wurden heute die Preise der Stadt Wien für das Jahr 1955 durch Bürgermeister Jonas verliehen. Die Preisträger sind:

Portrait Prof. Rudolf Holzer

Prof. Rudolf Holzer

Portrait Fritz Hochwälder

Fritz Hochwälder

Portrait Ernst Krenek

Prof. Ernst Krenek


Fred Hennings beim Betrachten von Diaplatten mit Lupe

Fred Hennings

Sergius Pauser vor Staffelei

Prof. Sergius Pauser

Viktor Kraft an Schreibtisch sitzend

Prof. Dr. Viktor Kraft


Karl Przibram an Schreibtisch sitzend

Univ.-Prof. Dr. Karl Przibram


  • Für Dichtkunst: der österreichische Dramatiker Fritz Hochwälder
  • Für Publizistik: Hofrat Prof. Rudolf Holzer
  • Für Musik: Prof. Ernst Krenek
  • Für Malerei und Grafik: akademischer Maler Prof. Sergius Pauser
  • Für Angewandte Kunst: Prof. Paul Kirnig
  • Für Architektur: Dipl.-Ing. Arch. Prof. Lois Welzenbacher
  • Für Volksbildung: Kammerschauspieler Fred Hennings
  • Für Geisteswissenschaften: Generalstaatsbibliothekar i.R. Prof. Dr. Viktor Kraft
  • Für Naturwissenschaften und Technik: Prof. Dr. Karl Przibram

14.5.1955: Neue städtische Wohnhausanlagen im 8. und 17. Bezirk

Schaulustige Menge vor Wohnanlage

Eröffnung der Wohnhausanlage Albertplatz

Festgäste und Schaulustige vor Wohnhausanlage

Eröffnung der Wohnhausanlage Steinmüllergasse


Bürgermeister Jonas eröffnete heute in der Josefstadt und in Hernals drei neue städtische Wohnhausanlagen mit insgesamt 237 Wohnungen.

Auf dem Bauplatz Albertplatz-Albertgasse im 8. Bezirk, auf dem das neue städtische Wohnhaus mit 52 Wohnungen errichtet wurde, befand sich noch vor wenigen Jahren eine bombenbeschädigte Volksschule. Das Nachbargebäude ist das vor 143 Jahren gebaute und unter Denkmalschutz stehende Rathaus des Breitenfelder Grundes. Auf dem vom akademischen Maler Professor Langer für den Bau geschaffenen Sgraffito wird eine figurale Gruppe mit Herzog Albert, dem Erbauer der ersten öffentlichen Wasserleitung (1803 bis 1805) dargestellt. Der Bau kostete 4,1 Millionen Schilling.

Auch der neue städtische Wohnhausbau in der Ortliebgasse nächst dem Elterleinplatz in Hernals steht auf historischem Boden. Auf dem Baugelände befand sich das baufällige städtische Althaus, im Volksmund "Maria Theresien-Schlössel" genannt. Im Neubau sind jetzt 57 Wohnungen und drei Lokale untergebracht. Die Baukosten der Wohnhausanlage betrugen 4,4 Millionen Schilling. Als künstlerische Ausgestaltung ist ein Relief von der Keramikerin Adele Stadler vorgesehen.

Eine weitere städtische Wohnhausanlage befindet sich in der Steinmüllergasse in Dornbach und umfasst 128 Wohnungen. Das Baugelände, auf dem diese Wohnhausanlage errichtet wurde, war vor der Verbauung eine Schrebergärtenkolonie. Bildhauer Bertoni schuf für die Anlage einen abstrakten Brunnen aus farbig glasierten keramischen Plastiken. Die Baupläne verfassten Dipl.-Ing. Prehsler, Dipl.-Ing. Lax und Dipl.-Ing. Arch. Dr. Sekler. Die Baukosten betrugen 10,2 Millionen Schilling. Zur Erinnerung an den Abschluss des Staatsvertrages wird die Wohnhausanlage den Namen "Freiheitssiedlung" erhalten.

15.5.1955: "Wir stehen an einem neuen Anfang" - Bürgermeister Jonas zum Abschluss des Staatsvertrages

Zum bevorstehenden Staatsvertrag hielt heute Bürgermeister Jonas eine Rede, die über alle österreichischen Sender übertragen wurde. Jonas führte u.a. aus:

"Heute ist Wien, die Bundeshauptstadt der österreichischen Republik, Schauplatz einer geschichtlichen Handlung. Das seit zehn Jahren von uns allen erwartete Ereignis wird in einem der schönsten Gebäude unserer Stadt, dem herrlichen Barockschloss des Prinzen Eugen, im Belvedere, stattfinden. Die Außenminister der vier Besatzungsmächte und der österreichische Außenminister werden den Staatsvertrag für Österreich unterzeichnen....."

"....wenn die Außenminister der vier Mächte ihre Unterschrift unter den Staatsvertrag gesetzt haben, so hat damit die Geburtsstunde unserer endgültigen Freiheit und Unabhängigkeit geschlagen. Frei und unabhängig! Das war der sehnsüchtige Wunsch unseres Landes durch lange zehn Jahre...."

In der Bundeshauptstadt wurden auf Anordnung von Bürgermeister Jonas alle städtischen Gebäude beflaggt. Auch die Straßenbahnen fuhren mit den aus der Messezeit und den Festwochen bekannten Fähnchen. Jonas hat weiters alle Wienerinnen und Wiener aufgefordert, die Häuser und die Fenster mit Fahnen und Blumen zu schmücken.

Auf der Ringstraße, von der der gesamte Verkehr über die 2er-Linie abgelenkt wurde, konzertierten zahlreiche Musikkapellen, ebenso an vielen Plätzen in der Inneren Stadt.

Am 15. Mai 1955 wurde im Schloss Belvedere der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet.

Unterschriften mit den Siegeln des Österreichischen Staatsvertrages

Die Unterschriften wurden mit dem Siegel des Staatsvertrages beschlossen


Körner an Schreibtsich sitzend unterschreibt Staatsvertrag

Ratifizierung des Österreichichen Staatsvertrages durch Bundespräsident Dr. Körner

Unterzeichner des Staatsvertrages zeigen sich Hände reichend auf Balkon des Belvedere

Erfolgreicher Abschluss des Staatsvertrages

Politiker nebeneinander auf Balkon des Belvedere stehend

Die Unterzeichner des Staatsvertrages (Belvedere)


Im Krankebett: Mutter hält Säugling im Arm

Erstes Kind nach dem Staatsvertrag

Menschenmasse im Schlossgarten vor dem Belvedere

Begeisterte Menschenmassen vor dem Schloss Belvedere

Das Markenbild zeigt auf der in geänderter blaugrauer Farbe hergestellten Wertstufe "2" (ohne Währungsbezeichnung) der Wappenserie (Bundesadler) der Ausgabe 1945 in schmaler halbfetter Groteskschrift den Aufdruck "Staatsvertrag 1955".

Sondermarke anlässlich des Staatsvertrages


Unterzeichnet wurde er, für Österreich: durch Außenminister Leopold Figl, für Frankreich: durch Außenminister Antoine Pinay, für Amerika: Außenminister John Foster Dulles, für Großbritannien: Außenminister Harold Macmillan und für die Sowjetunion: Außenminister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, außerdem trägt er die Unterschriften der vier Hochkommissäre.

Die Unterzeichnung des Staatsvertrages wurde am gleichen Abend im Schloss Schönbrunn mit einem großen Fest gefeiert.

Am 27. Juli trat der Staatsvertrag in Kraft. Am 26. Oktober wurde das Gesetz zur immerwährenden Neutralität Österreichs beschlossen. (Redaktion)

16.5.1955: Alle Welt beglückwünscht die Stadt Wien

Nach Abschluss des österreichischen Staatsvertrages gehen bei Bürgermeister Jonas zahlreiche Glückwunschtelegramme ein. Unter den ersten einlangenden Telegrammen sind folgende:

"Der Senat von Berlin übermittelt der Stadt Wien herzliche Grüße und Glückwünsche zur wiedererlangten Freiheit. Otto Suhr, Regierender Bürgermeister von Berlin".

"Wir freuen uns mit Ihnen über die historische Stunde der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs und wünschen der Stadt Wien und dem ganzen Lande Wohlergehen. Der Gemeinderat der Stadt Biel, Schweiz".

Der Bürgermeister von Rom, Rebecchini, sandte einen Gruß der römischen Bürgerschaft an die Wiener zur wiedererlangten Freiheit und Unabhängigkeit. Ebenso schickte der Präsident des Volksausschusses der Stadt Belgrad, Minic, herzliche Glückwünsche dem Bürgermeister, dem Magistrat und den Bewohnern der Stadt Wien. Erwähnenswert ist auch ein Glückwunschschreiben des Generalsekretärs des Internationalen Gemeindeverbandes, Arkema, der der Hoffnung Ausdruck gibt, dass die Stadt Wien als Hauptstadt eines freien Österreichs einen neuen Aufschwung erleben wird.

18.5.1955: Grazie, Kraft und Schnelligkeit - Sportehrenzeichen für Hanna Eigel, Franz Hölbl und Franz Wimmer

Bürgermeister Jonas überreichte das Sportehrenzeichen der Stadt Wien an Franz Wimmer

Sportehrenzeichen an Franz Wimmer

Bürgermeister Jonas überreichte das Sportehrenzeichen der Stadt Wien an Franz Hölbl

Sportehrenzeichen an Franz Hölbl

Bürgermeister Jonas überreichte das Sportehrenzeichen der Stadt Wien an Hanna Eigel

Sportehrenzeichen an Hanna Eigel


Bürgermeister Jonas überreichte das Sportehrenzeichen der Stadt Wien an Hanna Eigel, Franz Hölbl und Franz Wimmer.

Hanna Eigel hat in Budapest den Europameistertitel im Eiskunstlaufen errungen. Der Schwerathlet Franz Hölbl wurde am 10. Oktober 1954 Europameister im Schwergewicht und dritter in der Weltmeisterschaft. Der Radrennfahrer Franz Wimmer hat am 19. Dezember 1954 den Einstunden-Weltrekord für Hallenbahnen in Paris errungen.

20.5.1955: Minister Carl J. Burkhardt bei Bürgermeister Jonas

Burkhardt und Gattin in Gespräch mit Bürgermeister Jonas

Minister Carl J. Burkhardt zu Gast bei Bürgermeister Jonas

Der bekannte Schweizer Historiker, Minister a.D. Carl J. Burkhardt, stattete heute Bürgermeister Jonas - in Begleitung seiner Gattin - einen Besuch ab. Der Diplomat kennt Wien schon aus den Jahren 1918-1921, in welcher Zeit er Attache bei der Schweizer Gesandtschaft war.


21.5.1955: 662 neue Wohnungen - Bürgermeister Jonas eröffnet städtische Wohnhausanlagen im 1. und 11. Bezirk

Bürgermeister Jonas eröffnete neue städtische Wohnhausanlagen und zwar in 1, Fischerstiege 1-7, 11, Zippererstraße 14-22, Dorfgasse 68 - Krausegasse 14 und Gratian Marx-Straße 12-14.

Die Häuser des Wohnhausbaues an der Fischerstiege stehen anstelle von Althäusern, die den Kriegsereignissen zum Opfer gefallen sind. Beim Bau wurden Mauerreste aus verschiedensten Zeiten, alte Kellergänge, Brunnen, ein Stück einer alten Stadtmauer und sogar Ziegel aus der Römerzeit aufgefunden. Die Anlage wurden nach den Plänen von Prof. Niedermoser und Dr. Ing. Petermair errichtet. Drei Natursteinreliefs von Bottoli, Pillhofer und Schwaiger dienen der künstlerischen Ausgestaltung.

Die Wohnhausanlage in der Zippererstraße ist auf einem ehemaligen Sportplatz errichtet. Die Anlage wurde nach den Plänen der Architekten Dipl.-Ing. Muttonee, Dipl.-Ing. Köhler, Dipl.-Ing. Riedl und Architekt Steineder errichtet.

Anstelle des Wohnhausneubaues in der Dorfgasse stand das Polizeikommissariat von Simmering, das im Krieg zerstört wurde. Die Pläne verfasste Architekt Dipl.-Ing. Kunath.

Der an der Ecke Gratian Marx-Straße - Urschenböckgasse gelegene Bauplatz diente früher als ein Lagerplatz. Die Pläne für die Wohnhausanlage verfasste Architekt Lamprecht.

24.5.1955: Kohlmarkt und Kärntner Straße werden Einbahnen - Entlastung neuralgischer Verkehrspunkte im 1. Bezirk

Die Wiener Landesregierung beschloss heute, mehrere Straßen oder Straßenteile der Inneren Stadt zu Einbahnen zu erklären. Unter diesen befindet sich auch der Kohlmarkt und die Kärntner Straße. Diese Maßnahmen bedeuten selbstverständlich keine Lösung der Verkehrsprobleme des 1. Bezirkes, sie werden aber eine fühlbare Verbesserung des jetzigen Zustandes bewirken. Bedeutungsvoll ist dabei die Entlastung jenes Verkehrspunktes der Inneren Stadt, der wohl am meisten neuralgisch ist, nämlich die Kreuzung Tuchlauben - Bognergasse - Graben.

26.5.1955: Erste Sitzung des Gemeinderates in der freien Bundeshauptstadt. Wien - internationale Kongressstadt. Bürgermeister Jonas über die Auswirkungen des Staatsvertrages

Der Wiener Gemeinderat trat heute zu seiner ersten Sitzung nach Unterzeichnung des Staatsvertrages zusammen.

Bürgermeister Jonas eröffnete diese denkwürdige Sitzung mit folgender Ansprache:

"Meine Damen und Herren! Hoher Gemeinderat!

Unsere erste Sitzung nach Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages will ich benützen, um unserer großen Freude über die Erfüllung unserer jahrelangen Hoffnungen Ausdruck zu geben. Es zeigt sich, dass die Treue und die Festigkeit unseres Volkes in den vergangenen zehn Jahren Früchte getragen haben. Der Weg in die neue Freiheit ist jetzt offen....."

"Ich möchte die heutige Sitzung des Gemeinderates auch zum Anlass nehmen, um die Mitglieder des Gemeinderates über die Auswirkungen des Staatsvertrages für Wien zu informieren..."

Freie Gesetzgebung

Die bedeutendste Folge für Wien ist wohl die, dass der Wiener Landtag seine Gesetzesbeschlüsse nicht mehr einer alliierten Körperschaft zur Genehmigung vorlegen muss. Wenn der Staatsvertrag in Kraft ist, unterliegen die Gesetzesbeschlüsse des Wiener Landtages keiner Vorlagepflicht mehr. Sie treten in Kraft, wie es der Landtag beschließt. Damit ist die volle verfassungsmäßige Freiheit der freigewählten Volksvertretung von Wien hergestellt.

Jonas richtete folgenden Appell an die Freunde Wiens in der Welt: "Wir bitten sie, mehr als bisher wieder unsere Gäste zu sein. Unsere Stadt beherbergt nicht nur Kunstschätze aller Art, sie ist nicht nur eine bekannte Heimstätte von Musik und Theater, sondern besitzt auch eine Reihe wissenschaftlicher Forschungsstätten und Einrichtungen und wertvollste wissenschaftliche Bibliotheken. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn die Vereinten Nationen und andere internationale Körperschaften einige ihrer Einrichtungen oder Nebenorganisationen nach Wien verlegen würden. Wir haben als internationale Kongressstadt viel Erfahrung."

3.082 Objekte nach dem Abzug frei

Anschließend teilte Jonas mit, dass nach den ihm zugekommenen Informationen nach dem Abzug der Besatzungsmächte insgesamt 3.082 Objekte in Wien frei werden, und zwar 2.516 Wohnungen, 282 Untermietwohnräume, 119 Villen, 4 Hotels, 19 Cafe-Restaurants, 24 Geschäftslokale, 31 Garagen, 2 Schulen, 3 Büros, 58 andere Objekte und 24 Wohnhäuser. Von diesen 3.082 Objekten entfallen 16 auf das englische, 197 auf das französische, 494 auf das amerikanische und 2.375 auf das russische Element. Es ist selbstverständlich, dass alle Objekte, die von den Besatzungsmächten geräumt werden, von jenen bezogen werden, die von früher her einen rechtmäßigen Eigentumstitel oder einen rechtmäßigen Mietvertragstitel nachweisen. Sie werden in die Objekte mit ihren alten Rechten zurückkehren.

In diesem Zusammenhang teilte der Bürgermeister mit, dass er am 13. Mai in einem Brief die Bundesregierung ersucht hat, das Gebäude an der Bellaria wieder für die Unterbringung des Wiener Stadtschulrates zur Verfügung zu stellen.

Das Schicksal der USIA-Betriebe

Jonas weiter, in der Bevölkerung konzentriert sich das Interesse besonders auf die USIA-Betriebe und die USIA-Geschäfte. Sie haben nach österreichischem Recht keine Gewerbeberechtigung gehabt, sie waren exterritorial. Wenn jetzt der Staatsvertrag in Kraft tritt, haben sie nicht mehr die rechtliche Möglichkeit ihre Tätigkeit in Wien aufrechtzuerhalten. Sie müssen also ihre Tätigkeit einstellen. Insgesamt sind in Wien 251 USIA-Betriebe und Geschäfte mit insgesamt 17.587 Arbeitern und 5.064 Angestellten. Diese große Zahl zeigt, dass es unser Bestreben sein muss, diese Betriebe in die Wiener Wirtschaft einzugliedern. Viele dieser Betriebe werden sicher in der Lage sein, nach einer Modernisierung der Produktionsanlagen ihre Kapazität zu vergrößern.

Bevorzugte ERP-Kredite für Wien

Die besonderen Verhältnisse während des Besatzungsregimes haben es mit sich gebracht, dass Wien nicht im vollen Umfang am allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung teilnehmen konnte. Wir dürfen daher mit vollem Recht erwarten, dass wir nach Abschluss des Staatsvertrages die Möglichkeit erhalten, den Rückstand der vergangenen Jahre aufzuholen. Wir glauben daher, dass die Wiener Wirtschaft bei der Zuteilung von ERP-Krediten auf besondere Rücksichtnahme rechnen darf.

Hafenbetriebsgesellschaft und Zollfreizone

Wir rechnen auch mit dem Anwachsen des Warenverkehrs auf der Donau. Mit fast allen Donaustaaten wurden bereits Schifffahrtsverträge abgeschlossen. Ausständig ist nur mehr der Vertrag mit der Sowjetunion. Unsere Hafenanlagen in Albern und der Freudenau werden an Bedeutung gewinnen. Die Gemeinde will, dass die Hafenanlagen nach betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Grundsätzen geführt werden. Deshalb schlägt sie die Gründung einer Hafenbetriebsgesellschaft vor, an der sich die interessierten Instanzen des Bundes und der Kammer für gewerbliche Wirtschaft beteiligen sollen, da der Hafen ja nicht nur für Wien, sondern auch weit über den Umkreis Wiens hinaus von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Um die Möglichkeit des Hafens besser auszunützen und neue wirtschaftliche Tätigkeitsgebiete zu eröffnen, soll in Wien auch ein Zollfreihafen errichtet werden, für den wir zeitgerecht die Zustimmung des Nationalrates verlangen werden.

26.5.1955: Kontrollamtsdirektor Dr. Leppa tritt in den Ruhestand - Dank und volle Anerkennung durch den Wiener Gemeinderat

Der Kontrollamtsdirektor der Stadt Wien Dr. Franz Leppa wurde nach einer mehr als vierzigjährigen Tätigkeit im Dienste der Stadt Wien auf sein Ersuchen mit Beschluss des Stadtsenates vom 17. Mai in den Ruhestand versetzt. Der Wiener Gemeinderat sprach für seine mehr als vorbildliche Tätigkeit seinen Dank aus.

27.5.1955: Rechtsansprüche auf beschlagnahmte Wohnungen anmelden

Da in nächster Zeit mit der Freigabe der von den Besatzungsmächten beschlagnahmten Objekten zu rechnen ist, ruft der Wiener Magistrat alle jene auf, die Rechtsansprüche an beschlagnahmte Wohnungen und Liegenschaften haben, sich zu melden, damit die bisherigen Vormerkungen ergänzt werden können.

28.5.1955: 50 Jahre Brauhaus der Stadt Wien

Festgäste besichtigen das Brauhaus

50 Jahre Brauhaus der Stadt Wien

Festgäste vor Abfüllanlage

50 Jahre Brauhaus der Stadt Wien


Anlässlich des 50-jährigen Bestandes des Brauhauses der Stadt Wien fand im Rathaus ein Festakt statt. Im Anschluss an den Festakt nahm StR. Nathschläger mit den Festgästen eine Besichtigung des Brauhauses in Rannersdorf vor.

28.5.1955: Stadtrat a.D. Franz Fritsch gestorben

Stadtrat a.D. Franz Fritsch ist heute einem Herzschlag erlegen. Der Tod ereilte ihn am Schreibtisch an seiner Arbeitsstätte in der Gebietskrankenkasse.

Portait Franz Fritsch

Stadtrat a.D. Franz Fritsch

Franz Fritsch wurde am 5. Dezember 1895 als Sohn eines Fleischhauermeisters geboren. Er erlernte das Fleischhauergewerbe. 1913 trat er der "Freien Gewerkschaft" und 1914 der Sozialdemokratischen Partei bei. Während des Ersten Weltkrieges diente er bei der Artillerie an der italienischen Front. Nach dem Kriege übte er wieder seinen Beruf aus und betätigte sich in steigendem Maße auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiete. 1931 wurde er auf Wunsch der Gewerkschaft Beamter der Arbeiterkrankenkasse. Zwischen 1934 und 1938 machte man Fritsch große Schwierigkeiten wegen seiner politischen Gesinnung. Nach der Besetzung Österreichs wurde er für einige Zeit seines leitenden Postens enthoben, nach einigen Monaten jedoch wieder eingesetzt, weil es an eingearbeiteten Fachkräften mangelte.

Im April 1945 wurde Franz Fritsch vom damaligen Bürgermeister Körner mit der Leitung des Wiener Ernährungswesens betraut. Er hatte dieses Amt während der allerschwersten Zeit bis Ende 1945 inne. Nach den ersten freien Wahlen im November 1945 wurde der verdiente Sozialpolitiker Mitglied des Wiener Landtages und des Gemeinderates. Er übte diese Mandate bis zum Ende der Wahlperiode im November 1949 aus. Am 5. Dezember 1949 wurde Franz Fritsch neuerlich Amtsführender Stadtrat. Diesmal wurde ihm das Personalreferat übertragen, das er bis 22. Oktober 1952 leitete.


31.5.1955: Veterinäramtsdirektor Dr. Hutterer gestorben

Der Leiter der Magistratsabteilung 60, Veterinäramt der Stadt Wien, Dr. Rudolf Hutterer, ist im 55. Lebensjahr gestorben.

Hutterer war nach Vollendung seiner Studien Tierarzt in Groß-Weikersdorf. Im Dezember 1931 trat er in den Dienst der Gemeinde Wien und war als Amtstierarzt tätig. 1939 wurde er zum Militär eingezogen, 1945 kehrte Dr. Hutterer aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück und nahm seine Tätigkeit als Amtstierarzt wieder auf. 1951 wurde er nach der Ernennung zum Oberveterinärrat mit der Führung des Referates für Tierzucht und Tierschutzangelegenheiten betraut. Am 23. Jänner 1953 wurde er zum Abteilungsvorstand der Magistratsabteilung 60 bestellt. Dr. Hutterer war auch 1. Vizepräsident der Wiener Tierärztekammer.

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