Wien 1955: Berichte vom Juli 1955

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.7.1955: Vizebürgermeister Weinberger eröffnet Neubau der II. Unfallstation

Weinberger und Begleiter sowie Arzt und Schwester in Behandlungsraum

Vizebürgermeister Weinberger eröffnet den Neubau der II. Unfallstation in der Spitalgasse

Vizebürgermeister Weinberger eröffnete heute den Neubau der II. Unfallstation in der Spitalgasse. Die Baukosten betrugen 1,4 Millionen Schilling, 400.000 Schilling kostete noch das Inventar. 1931, als die II. Unfallstation eingerichtet wurde, gab es 9.100 Patienten. 1954 waren es jedoch 15.000. Die Zahl der Operationen stieg von 200 im Jahre 1931 auf fast 1.000 im Jahre 1954.


4.7.1955: Eine Lagerwiese an der Alten Donau

Die "Rehlacke", ein brachliegendes, etwa vier Hektar großes Areal am Stadlauer Ufer der Alten Donau, wurde von der Gemeinde Wien als Lagerwiese ausgestaltet und dieser Tage ihrer Bestimmung übergeben. Vor der Planierung war das Grundstück eine "Mistgstetten" mit unzähligen Tümpeln, also eine ideale Brutstätte für Gelsenschwärme, die von hier aus in weitem Umkreis das ganze Erholungsgebiet der Alten Donau verseuchten.

Nun ist die Rehlacke für das "wildbadende" Publikum frei zugänglich. Die städtischen Gärtner haben sich mit der Ausgestaltung der ersten großen Lagerwiese viel Mühe gegeben. Im grünen Rasen wurden Sträucher und Schatten spendende Bäume gepflanzt. Es gibt dort auch einen eingezäunten Ballspielplatz und eine Sandgrube für Kinder.

Ähnlich wie in den städtischen Parkanlagen sind auch bei der Ausgestaltung der Rehlacke Grafiker zur Mitarbeit herangezogen worden, Tafeln mit lustigen Bildern und Versen sollen die Besucher der Lagerwiese mit der "Hausordnung" bekannt machen. Eine der Tafeln verweist auf das Vorhandensein von Abfallkörben, eine andere empfiehlt der Jugend den eingefriedeten Ballspielplatz usw. Auf einer Tafel ist ein Fahrrad mit der Mahnung abgebildet: "Falls Du eines bei Dir hast - gönne hier dem Fahrrad Rast".

Das Stadtgartenamt hat bis jetzt überall in den städtischen Parkanlagen mit ihrer "durch die Blume"-Sprache gut abgeschnitten. Es erhofft sich auch auf der Rehlacke mit seinen neuartigen Tafeln die besten Erfolge.

6.7.1955: Der Hamburger Bürgermeister im Wiener Rathaus

Politiker beim Händeschütteln

v.li.n.re.: Vbgm. Weinberger, Bgm. Dr. Sieveking, Vbgm. Honay

Der Präsident des Senats von Hamburg Bürgermeister Dr. Sieveking, stattete heute in Begleitung der Hamburger Senatoren Dr. Biermann-Ratjen und Plate, den Vizebürgermeistern Honay und Weinberger einen Besuch ab.

Die Vertreter Hamburgs und Wiens benützten diese Gelegenheit zu einer längeren Aussprache über verschiedene kommunalpolitische Fragen, die die beiden ungefähr gleich großen Städte am meisten berühren


7.7.1955: Das neue Präsidium der Wiener Tierärztekammer

Vizebürgermeister Honay hat heute Veterinärrat Dr. Josef Kern als neuen 2. Vizepräsidenten der Landeskammer der Tierärzte angelobt.

Das Präsidium der Wiener Tierärztekammer hat nunmehr folgende Zusammensetzung:

  • Präsident: Veterinärrat Dr. Richard Richter
  • 1. Vizepräsident: Dr. Franz Otto Lamatsch
  • 2. Vizepräsident: Veterinärrat Dr. Josef Kern

7.7.1955: Türkischer Unterrichtsminister besuchte Sonderkindergarten

Celal Yardimci beim Verlassen des Flugzeugs

Ankunft des türkischen Unterrichtsminister Celal Yardimci in Wien

Der türkische Unterrichtsminister Celal Yardimci und Unterstaatssekretär Oman Faruk Verimer, die gegenwärtig auf Einladung von Unterrichtsminister Dr. Drimmel in Wien weilen, besuchten heute den Sonderkindergarten der Stadt Wien "Schweizer Spende" im Auer-Welsbach-Park.

Unterrichtsminister Yardimci überreichte anschließend eine Geldspende für diese vorbildliche Einrichtung.


7.7.1955: Dreißig Entwürfe für den Flughafen Wien-Schwechat

Die Wiener Flughafen-Betriebsgesellschaft hat Ende 1954 einen Ideenwettbewerb zwecks Erlangung von Entwürfen für die Gestaltung des Flughafens Wien-Schwechat ausgeschrieben. Zu diesem Wettbewerb sind dreißig Entwürfe eingelangt, die nun von einer Jury unter dem Vorsitz von Architekt Kosina aus Frankfurt am Main beurteilt wurden. Die Jury ist aufgrund der eingehenden Beratungen und Überprüfungen zu dem einstimmigen Ergebnis gekommen, dass das schwierige Problem von keinem Bewerber befriedigend gelöst worden ist.

8.7.1955: Ballettmeister Gustav Neuber - ein Siebziger

Der Lehrer des Konservatoriums der Stadt Wien Gustav Neuber begeht am 11. Juli seinen 70. Geburtstag. Er ist seit 1945 Tanzlehrer an der Opern- und Operettenklasse des Konservatoriums der Stadt Wien.

8.7.1955: Internationales Lager für körperbehinderte Kinder

Heute wurde im Erholungsheim der Stadt Wien in Sulzbach-Ischl das erste österreichische internationale Lager für körperbehinderte Kinder eröffnet. Im Vorjahr leitete der Begründer dieser Lager, der Däne Guldberg, ein großes Lager im Wiener Hörndlwald. Ermuntert durch die ausgezeichneten Ergebnisse dieser internationalen Aktion haben sich die Arbeitsgemeinschaft für körperbehinderte Kinder, der Wiener Stadtschulrat, das Wiener Jugendamt und das Sozialministerium entschlossen, heuer invaliden Kindern aus dem In- und Ausland einen mehrwöchigen Ferienaufenthalt zu ermöglichen.

9.7.1955: Delegierte des Fleurop-Kongresses im Rathaus

Im Wiener Rathaus wurden die Delegierten des Weltkongresses der Fleurop-Interflora von Vizebürgermeister Honay und den Mitgliedern des Wiener Stadtsenats empfangen.

11.7.1955: Großer Andrang zu den Ringturm-Besichtigungen

Mehr als 500 Personen haben sich bis jetzt zu den Führungen durch den Wiener Ringturm angemeldet. Jeweils 120 Personen können an einer Führung teilnehmen.

12.7.1955: Neues Stadtgasgebläse für das Gaswerk Simmering

Im Gaswerk Simmering befinden sich zur Beförderung des Gases in die Stadt drei Turbogebläse-Aggregate. Wegen des erhöhten Verbrauches mussten im vergangenen Winter alle drei Maschinen gleichzeitig in Betrieb gehalten werden, so dass keine Reserve zur Verfügung stand. Diese Gasgebläse sind für die Gasversorgung der Bundeshauptstadt unbedingt notwendig, weil durch sie fast alle vom Gaswerk Simmering abhängigen Bezirksteile mit Gas versorgt werden. Sie konnten erst nach Absinken des Gasverbrauches, also im April, außer Betrieb genommen und einer Revision unterzogen werden. Dabei zeigte sich, dass die seit 1928 in Betrieb stehenden Maschinen in keinem guten Zustand mehr sind. Im Wiener Stadtsenat wurde heute die Anschaffung eines neuen Stadtgasgebläses für das Gaswerk Simmering beschlossen. Die Kosten dafür belaufen sich auf ca. drei Millionen Schilling.

13.7.1955: Vizebürgermeister Honay empfängt Beiruter Bürgermeister

Honay und Kneo im Gespräch an Tisch sitzend

Vizebürgermeister Honay empfängt Bürgermeister Dr. Mohamed Kneo aus Beirut

Bürgermeister Dr. Mohamed Kneo aus Beirut besuchte heute das Wiener Rathaus und wurde von Vizebürgermeister Honay empfangen. Bürgermeister Dr. Kneo hat sich in Wien besonders für die städtischen Gartenanlagen interessiert und eine Einladung für Wiener Gartenarchitekten ausgesprochen, die in Beirut die Gestaltung von neuen Gärten übernehmen sollen.


14.7.1955: Die Viehmärkte und Schlachthöfe in Sankt Marx

Der Zentralviehmarkt in Sankt Marx ist einer der wichtigsten Märkte Wiens und gleichzeitig einer der größten Lebendviehmärkte Europas. Seine Entstehungsgeschichte reicht weit zurück. Schon im 14. Jahrhundert ist in Wien das Bestehen regelmäßiger Wochenviehmärkte nachzuweisen.

Der Schweinemarkt wurde fast bis zum Ende des 17. Jahrhunderts auf dem so genannten "Saumarkt", wo sich heute der Lobkowitzplatz befindet, abgehalten. Im Jahre 1675 wurde er wegen der Missstände, welche die Abhaltung des Schweinemarktes in dem dicht bevölkerten Stadtviertel mit sich brachte, vor das Kärntner Tor verlegt.

Der Wochenviehmarkt für Rinder hingegen fand im 17. Jahrhundert außerhalb des eigentlichen Wohngebietes von Wien auf einem ehemaligen "Ochsengrieß" am linken Wienflussufer, ungefähr in der Gegend des heutigen Beethovenplatzes, statt.

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Viehmarkt in der Gegend bei der Stubenbrücke errichtet, wo er sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts hielt. Bei Erbauung des Wiener Neustädter-Kanals wurde im Jahre 1797 der Viehmarkt in das Gebiet bei der Marxerlinie verlegt, also dorthin, wo sich der Zentralviehmarkt Sankt Marx heute befindet.

Mit der Errichtung eines den Anforderungen einer Großstadt entsprechenden Zentralviehmarktes wurde im Jahre 1879 begonnen. Der größte Teil der Objekte war bis zum Jahre 1884 fertig gestellt. Doch um den Zentralviehmarkt zu jener mustergültigen modernen Marktanlage zu gestalten, wie er sich heute präsentiert, war die Arbeit von Jahrhunderten erforderlich. Ständig wird an seiner weiteren Ausgestaltung gearbeitet.

Als einziger Markt für den Verkauf lebenden Großhornviehs, lebender Kälber, Schweine, Schafe und Lämmer für Wien und Umgebung seiner Widmung nach bestimmt, umfasst der Zentralviehmarkt Sankt Marx ein Areal von 260.000 Quadratmeter, wovon 110.000 Quadratmeter verbaut sind.

Nach den Kriegszerstörungen, denen unter anderem die Kälberverkaufshalle, die Schafhalle und eine Schweineverkaufshalle vollständig zum Opfer fielen, war das Gelände des Zentralviehmarktes von den Besatzungsmächten in Anspruch genommen. Allmählich wurden erst wieder Teile freigegeben.

Mit einem Kostenaufwand von seither mehr als 60 Millionen Schilling wurde darangegangen, die erlittenen Kriegsschäden zu beseitigen und die zerstörten Anlagen wieder aufzubauen.

So wurde die Weidnerhalle anstelle der zerstörten Schafhalle mit einem Kostenaufwand von 3,291.000 Schilling neu erbaut. Anstelle der zerstörten Fettschweinehalle wurde in den Jahren 1950 bis 1952 eine moderne Verkaufshalle mit einem Kostenaufwand von rund 7,6 Millionen Schilling errichtet. Auch die neue Desinfektionshalle kostete 2,890.000 Schilling.

Ein wertvolles Nebenprodukt bildet auch der Dünger, der in den Stallungen anfällt - 1954 waren es 3,6 Millionen Kilogramm - und der an Gärtner, Landwirte usw. zum Preis von sechs Groschen pro Kilogramm weitergegeben wird.

15.7.1955: 75. Geburtstag von Otto Nahrhaft

Nahrhaft beim Verlesen eines Urteils hinter Richtertisch

Dr. Nahrhaft bei einer Urteilsverkündung 1950

Am 16. Juli vollendet der frühere Präsident des Straflandesgerichtes Wien Dr. Otto Nahrhaft sein 75. Lebensjahr.

Ein gebürtiger Wiener, trat er nach Absolvierung der juristischen Studien in den richterlichen Dienst, wurde später zur Staatsanwaltschaft versetzt und war lange Zeit als erster Staatsanwalt beim Straflandesgericht I tätig. Anschließend war er Kreisgerichtspräsident in Krems. 1938 wurde er mit gekürzten Bezügen pensioniert und brachte sich als Gelegenheitsarbeiter durch. Nach der Befreiung Österreichs übernahm er wieder seinen früheren Wirkungskreis und im gleichen Jahr die Leitung des Straflandesgerichtes und Volksgerichtes in Wien. 1946 erfolgte seine Ernennung zum Präsidenten des Straflandesgerichtes. Er sorgte für die Wiederherstellung einer geordneten Rechtspflege und führte auch in einigen großen Prozessen den Vorsitz. Ende 1950 trat er in den Ruhestand und seither als Verteidiger in Strafsachen tätig.


18.7.1955: Konservatorium der Stadt Wien bei den Ausseer Jugend-Festwochen

Zum ersten Male beteiligt sich das Konservatorium der Stadt Wien unter Leitung von Regierungsrat Prof. Lustig-Prean an den von der Gemeinde Bad-Aussee und der Akademie für Musik und darstellende Kunst veranstalteten Jugend-Festwochen.

19.7.1955: Verkehrsprobleme der Gegenwart

Prof. Marshall Miller, der Direktor der Abteilung Wohnungs- und Städtebau der Fakultät für Architektur an der Columbia Universität in New York, hielt heute im Wiener Rathaus einen Vortrag über die Verkehrsplanung in den Vereinigten Staaten.

Von Bürgermeister Jonas wurden für den Herbst zur 1. Wiener Straßenverkehrsenquete in- und ausländische Experten eingeladen.

21.7.1955: Berliner Jugendliche im Wiener Rathaus

Gruppenbild Weinberger mit Jugendlichen

Vizebürgermeiser Weinberger empfängt Berliner Jugendliche

Vizebürgermeister Weinberger empfing heute im Wiener Rathaus 42 Jugendliche vom "Haus der Jugend" in Berlin-Charlottenburg, die auf Einladung des Österreichischen Jugendherbergswerkes zu einem Besuch nach Wien gekommen sind.


22.7.1955: Gleichenfeier auf der Opernkreuzung

Aufgegrabener Platz vor Oper; Straßenbahn fährt an Baustelle vorbei

Baubeginn der unterirdischen Passage an der Opernkreuzung

Zwei mitten auf der Opernkreuzung aufgestellte Tannenbäume kündigten heute an, dass auf der städtischen Großbaustelle des Fußgängertunnels die Gleiche erreicht wurde. Stadtrat Thaller gratulierte den Bauarbeitern und Technikern.

Mit der Fertigstellung der rund 2.500 Quadratmeter großen ellipsenförmigen Platte wurden die Betonierungsarbeiten an der Opernkreuzung praktisch beendet.


23.7.1955: Drei neue Brücken

Ehrengäste spazieren über Brücke

Eröffnung der Dr. Karl Lueger-Brücke

Stadtrat Thaller übergab heute drei neue von der Gemeinde Wien gebaute Brücken im 23. Bezirk dem öffentlichen Verkehr. Es sind dies die Dr. Karl Lueger-Brücke und die Brücke über den Mauerbach in Hadersdorf und die Brücke über die Liesing in Atzgersdorf.


26.7.1955: Gasliefervertrag mit Klosterneuburg

Am 22. Juli wurde im Wiener Gemeinderat und im Gemeinderat der Stadt Klosterneuburg ein Gasliefervertrag zwischen Klosterneuburg und den Wiener Stadtwerken-Gaswerken beschlossen. Dieser Vertrag wird, wie Stadtrat Dkfm. Nathschläger mitteilte, auf die Dauer von 30 Jahren abgeschlossen und verlängert sich stillschweigend auf je weitere fünf Jahre, wenn er nicht spätestens drei Jahre vor dem jeweiligen Ablauf gekündigt wird.

27.7.1955: Mit dem heutigen Tag: Wiener Stadtverwaltung ohne fremden Einfluss

Heute stattete der stellvertretende französische Stadtkommandant von Wien, Oberstleutnant George Nicoloff Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus einen Besuch ab und überreichte ihm ein Schreiben des Hauptkommandanten der Interalliierten Kommandantur der Stadt Wien, Oberst Olle-Laprune. Mit dem Dokument wird offiziell die Einflussnahme der Alliierten Kommission auf die Verwaltung der Stadt Wien beendet. In dem Schreiben heißt es:

"Ich beehre mich, Ihnen zur Kenntnis zu bringen, dass mit dem Inkrafttreten des Staatsvertrages, das die Auflösung der Alliierten Kommission zur Folge hat, die Kommandanten der Interalliierten Kommandantur der Stadt Wien mit heutigem Tage die Ausübung aller auf die Verwaltung der Stadt bezüglichen Funktionen einstellen".

28.7.1955: Besuch einer hessischen Regierungsdelegation im Wiener Rathaus

Eine hessische Regierungsdelegation unter Führung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Franke, wurde heute von Bürgermeister Jonas im Rathaus empfangen.

Jonas kam in seiner Begrüßungsansprache auf das endgültige Inkrafttreten des Staatsvertrages zu sprechen und stellte fest, dass Wien zum Unterschied von Berlin glücklicherweise die Einheit der Stadtverwaltung bewahren konnte.

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