Wien 1954: Berichte vom Februar 1954

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.2.1954: Frostperiode in Wien

In Wien herrschen tiefste Wintertemperaturen. Die strenge Kälte wird nach Auskunft der Meteorologen auch noch länger als eine Woche andauern. Der Winter 1954 ist damit auf dem besten Weg, den Rekord an langandauernder strenger Kälte zu brechen. Der strenge Winter wirkt sich auch ungünstig auf die städtischen Parks und Gartenanlagen aus. Das Stadtgartenamt fürchtet vor allem um die Rosenbeete.

2.2.1954: Berliner Kinder im Wiener Rathaus

99 kleine und größere Knirpse aus Berlin, die auf Einladung der Wiener Bau- und Holzarbeiter zu einem vierwöchigen Erholungsaufenthalt nach Wien gekommen sind, besuchten heute das Wiener Rathaus. Der Aufenthalt der Berliner Bauarbeiterkinder soll die Zusammengehörigkeit der Arbeiter zwischen Wien und Berlin unterstreichen.

3.2.1954: Neues Ambulatorium in der I. Universitätsklinik

In der I. Universitäts-Frauenklinik in der Spitalgasse wurde das neue Ambulatorium durch Vizebürgermeister Weinberger eröffnet. Erstmals wurden farbige Wegweiser zur besseren Orientierung angebracht. Die Kosten für den gesamten Umbau betrugen 300.000 Schilling und wurden zur Gänze von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt.

3.2.1954: Städtische Schule in der Gassergasse wird wieder aufgebaut

Das städtische Objekt, 5, Gassergasse 44-46, das ursprünglich als Schule errichtet worden war und dann als orthopädisches Spital in Verwendung stand, wurde durch die Kriegsereignisse schwer beschädigt. Der Wiener Stadtsenat hat nun den Wiederaufbau für Schulzwecke wieder beschlossen. Die Kosten dafür werden voraussichtlich sieben Millionen Schilling betragen.

5.2.1954: Halbzeit im Wiener Fasching - Die Wiener tanzen trotz der Kälte - Besucherzahlen wie im Vorjahr

Dem Referat Vergnügungs- und Getränkesteuer wurden bis einschließlich 3. Februar 1.027 Bälle angemeldet. Trotz ungünstiger Witterung tanzen die Wiener auf allen Bällen.

5.2.1954: Aus dem Wiener Landtag:

Landeshauptmann Jonas teilte mit, dass die ungünstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der letzten Zeit dazu geführt hatte, dass die Fragen der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsbeschaffung in der Öffentlichkeit besonders eingehend behandelt werden. Aus Meldungen der Arbeitsämter geht hervor, dass am 31. Jänner in Wien 81.130 Arbeitslose vorgemerkt waren; das sind um 12.089 mehr als im Dezember 1953. Die Stadt Wien investiert nun 493 Millionen für Winterarbeit.

Eingebracht wurde ein Antrag auf nachträgliche Genehmigung der Beteiligung der Stadt Wien an der Wiener Flughafenbetriebsgesellschaft mit einer Stammeinlage von 250.000 Schilling. Die Gründung der Gesellschaft wurde bereits durchgeführt, das Stammkapital beträgt eine Million Schilling, davon bezahlen 50 Prozent die Republik Österreich, Wien und Niederösterreich übernehmen je 25 Prozent. Vorläufig wird nur ein Viertel des Betrages eingezahlt. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Ebenso einstimmig wurde der Antrag auf Beteiligung der Stadt Wien an der neu zu gründenden Autobahn-Gesellschaft m.b.H. mit einer Stammeinlage von 250.000 Schilling angenommen. Die Aufgabe der Gesellschaft wird es sein, ein Projekt für den Ausbau der Autobahn auszuarbeiten, die Kosten hiefür zu berechnen und für die Finanzierung zu sorgen. Das Stammkapital soll von der Republik Österreich, den Ländern Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg, von den verstaatlichten Banken und der interessierten Privatwirtschaft aufgebracht werden.

10.2.1954: Die Ausgrabungen in der St. Jakobskirche in Heiligenstadt - Förderungsbeitrag der Stadt Wien für die Restaurierung der spätantiken Funde

Anlässlich der Restaurierung der Sankt Jakobskirche in Heiligenstadt wurden Mauerreste eines römischen Militärmagazins aus dem 2. Jahrhundert nach Christus aufgedeckt. Die Grabungen stehen unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Neumann von den Städtischen Sammlungen und unter Mitwirkung des Bundesdenkmalamtes und des Chorherrenstiftes Klosterneuburg.

Die weiteren Grabungen und Forschungen haben ergeben, dass dieser Bau im 4. Jahrhundert als Wohnhaus benützt wurde. Im 5. Jahrhundert ist dann einer dieser Räume als frühchristliche Kultstätte verwendet worden. Diese ist durch ein primitives Taufbecken mit Sickergrube und ein exhumiertes Erwachsenengrab gekennzeichnet, wobei sich aber nicht feststellen lässt, wer in diesem Grab bestattet wurde. Die Wiener Landesregierung hat nun beschlossen, 10.000 Schilling als Förderungsbeitrag für die Restaurierung zur Verfügung zu stellen.

13.2.1954: Kontrollamtsdirektor Dr. Leppa - 40 Jahre im Dienst der Stadt Wien

Kontrollamtsdirektor Dr. Franz Leppa steht mit dem heutigen Tage vierzig Jahre lang im Dienst der Wiener Stadtverwaltung. Er hat sich in den langen Jahren seiner Tätigkeit nicht nur auf dem Gebiete des Finanzwesens ausgezeichnet, sondern sich auch als versierter Fachmann für allgemeine Verwaltungsangelegenheiten erwiesen.

13.2.1954: Die Museen kommen in die Schulhäuser

Heute wurde in der neuen Hauptschule Wienerfeld-Ost die erste aus Leihgaben des Kulturamtes der Stadt Wien zusammengestellte Schulgalerie durch Stadtrat Mandl eröffnet. Die Schulgalerie umfasst 40 Aquarelle, Tempera und Zeichnungen lebender Wiener Künstler. Es ist beabsichtigt, demnächst auch in weiteren Wiener Schulen solche Galerien zu errichten.

15.2.1954: Drei neue Sportehrenzeichen

Drei Ehrengäste bei Auszeichnung in erster Reihe sitzend

Sportehrenzeichen an Fritzi Schwingl, Ludwig Hussak und Hans Fuchs.

Fritzi Schwingl in Faltboot

Fritzi Schwingl


Auf Vorschlag des Sportbeirates werden drei verdiente Wiener Sportler das Sportehrenzeichen der Stadt Wien erhalten. Es sind dies Fritzi Schwingl, Ludwig Hussak und Direktor Hans Fuchs.

Fritzi Schwingl wurde im Juli vergangenen Jahres in Meran Weltmeisterin im Faltboot-Einer, Ludwig Hussak war einer der prominentesten und populärsten Fußballer der Frühzeit dieses Sports in Wien, Rechnungsdirektor i.R. Hans Fuchs ist seit 1906 in der Turn- und Sportbewegung Österreichs aktiv tätig.

17.2.1954: Stadtbauamt ehrt Bürgermeister Jonas

Der akademische Bildhauer Ing. Rudolf Friedl, vom Modellbüro der Magistratsabteilung 18, hat von Bürgermeister Jonas eine Büste geschaffen, die heute in der Stadtbauamtsdirektion in Anwesenheit von Bürgermeister Jonas und Stadtbaudirektor Gundacker gezeigt wurde.

Gundacker erinnerte in seiner Rede an die Verdienste des Bürgermeisters, die er sich noch als Stadtrat für Bauangelegenheiten erworben hat. Viele Bauten aus seiner Amtsperiode und auch viele Anregungen, die später verwirklicht wurden, sind auf seine Tätigkeit zurückzuführen.

18.2.1954: Die Aktion "Soziale Wohnkultur" - Die Stadt Wien stellt 10 Millionen Schilling zur Verfügung

Festgäste bewundern moderne Couch

Ausstellung "Soziale Wohnkultur"

Bürgermeister Jonas eröffnete im Messepalast eine Ausstellung neuzeitlicher Mustermöbel, die bei einer Publikumsbefragung den größten Beifall gefunden haben. Mit der Eröffnung der Ausstellung beginnt zugleich die große Aktion "Soziale Wohnkultur", die mit einem neuartigen System der Absatzfinanzierung verbunden ist. Durch die Aktion wird der arbeitenden Bevölkerung die Anschaffung von zweckmäßigen und gediegenen Einrichtungsgegenständen erleichtert. Sie wird gemeinsam von der Stadt Wien, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund und der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter durchgeführt. Die SW-Möbel können ab sofort in zwanzig Wiener Möbelgeschäften auf Teilzahlung bis zu 30 Monatsraten gekauft werden. Die Anzahlung beträgt 20 Prozent des Kaufpreises. Die Verzinsung macht sechs Prozent vom fallenden Betrag aus.

Bürgermeister Jonas betonte in seiner Eröffnungsrede, die Bereitschaft der Gemeinde Wien, an dieser Aktion unterstützend mitzuhelfen. So werde ein Kredit in der Höhe von 10 Millionen Schilling zur Verfügung gestellt, um allen Wiener Familien die Möglichkeit zu geben, ihre Wohnung zu modernisieren.


22.2.1954: Geheizte Baustellen

Stadtrat Thaller besichtigte heute ein auf der städtischen Baustelle in der Waltergasse aufgestelltes Heizaggregat, eine moderne technische Einrichtung, die die Fortsetzung der Bauarbeiten auch bei strengem Frost ermöglicht. Das mit Heizöl angefeuerte Aggregat versorgt ausreichend die ganze Baustelle mit Warmluft. Ein Ventilator bläst die heiße Luft vom Hauseingang durch alle Stockwerke bis in die entferntest gelegenen Räume. In der Waltergasse, einem Objekt mit sieben Wohngeschoßen, werden noch in den Mansarden plus fünf Grad erreicht, also eine Temperatur, die die Ausführung sämtlicher Bauarbeiten ermöglicht. In wirtschaftlicher Hinsicht sind die Vorteile solcher zentralen Heizanlagen schon dadurch gegeben, dass sie fast keine Bedienung benötigen: eine Ölfüllung hält 12 bis 14 Stunden an.

Die Erprobung des Heizaggregates hat eine bedeutende Senkung der Betriebskosten ergeben. Dies wird es nun der Gemeinde Wien ermöglichen, in Zukunft auf ihren Baustellen die Herabsetzung der Winterarbeitslosigkeit noch weiter zu intensivieren.

23.2.1954: Zwölf Litfaßsäulen laden ein - Das Original Moulin Rouge-Plakat in der Wiener Plakatausstellung

Ausstellungshalle mit plakatierten Litfasssäulen

Wiener Plakatausstellung zeigt auch Plakate von Toulouse-Lautrec.

Im Österreichischen Museum für angewandte Kunst wurde die Ausstellung der besten Wiener Plakate des Jahres 1953 eröffnet. Bei dieser dritten Ausstellung der besten Wiener Plakate zeigt sich deutlich eine Steigerung des Niveaus, die auch im Ausland Anerkennung findet. So wurden die drei besten Plakate, das Meinl-Plakat "Ich bin's", das Englhofer Bonbons-Plakat und das Wiener Herbstmesse-Plakat von einem Schweizer Museum für seine Plakatgalerie ausgewählt.

Als besondere Attraktion sind eine Reihe von Originalplakaten des berühmten französischen Malers Toulouse-Lautrec ausgestellt. Besondere Aktualität besitzt gegenwärtig das Moulin Rouge-Plakat, eine grafische Kostbarkeit, die für die Ausstellungsdauer auf 20.000 Schilling versichert wurde.


24.2.1954: Bürgermeister Jonas ehrt Hausgehilfinnen - 53 Jahre in einem Haushalt - Mit 39 Jahren 25-jähriges Arbeitsjubiläum

59 Hausgehilfinnen und ein Hausgehilfe wurden heute von Bürgermeister Jonas ins Wiener Rathaus eingeladen, um ihnen für ihre langjährige Arbeit im Dienste einer Familie den Dank auszusprechen.

Den Rekord unter den Hausgehilfinnen hält die 72-jährige Susanne Tremmel, die seit 53 Jahren bei der gleichen Familie arbeitet, jetzt bereits in der zweiten Generation. Anna Rödel ist seit 51 Jahren im gleichen Haushalt tätig. Die jüngste, die trotzdem schon auf eine 25-jährige Dienstzeit zurückblicken kann, ist Maria Koller, die bereits seit ihrem 14. Lebensjahr bei dem gleichen Dienstgeber arbeitet. Michael Hartl verrichtet seit 28 Jahren in einem Kloster im 3. Bezirk Hausarbeit.

25.2.1954: Ein hochherzige Spende

Die Gattin des von Wien scheidenden belgischen Botschafters Comtesse Gobert d'Aspremont-Lynden stattete heute Bürgermeister Jonas ihren Abschiedsbesuch ab. Bei dieser Gelegenheit überreichte sie ihm im Auftrag einer ungenannt bleiben wollenden Persönlichkeit 10.000 Schilling mit der Bitte, diese Spende für wohltätige Zwecke zu verwenden. Jonas überwies die Spende an das Wohlfahrtsamt der Stadt Wien.

25.2.1954: Wiederaufbauarbeiten in Schwechat, Mannswörth und in der Josefstadt

Wiederaufbauten werden in Schwechat, Mannswörth und in der Josefstadt begonnen. In Schwechat werden 19 Wohnungen errichtet, deren Baukosten 1,700.000 Schilling betragen. Ebenfalls im 23. Bezirk, Mannswörth 9, wird ein städtisches Wohnhaus mit 8 Wohnungen errichtet. Die Kosten werden 690.000 Schilling betragen.

Im 8. Bezirk, Feldgasse 19, wird ein städtisches Wohnhaus mit 19 Wohnungen gebaut. Dieser Bau wird 1,450.000 Schilling kosten.

25.2.1954: Ehrenpreis der Stadt Wien für Briefmarkenaussteller

Im November vergangenen Jahres wurde in der Staatsdruckerei zugunsten des Wiederaufbaus der evangelischen Schule auf dem Karlsplatz unter starker in- und ausländischer Beteiligung die Ausstellung "Evangelium und Briefmarke" veranstaltet. Die Stadt Wien stiftete für den erfolgreichsten Aussteller ein kunstvoll ausgeführtes Trinkglas, das heute durch Superintendent Traar an J. F. Aumann aus Wien übergeben wurde.

27.2.1954: Abschied und Antritt - Der Wechsel in der Stadtbaudirektion

Portrait Ferdinand Hosnedl

Der neue Baudirektor Dipl.-Ing. Hosnedl

Bürgermeister Jonas schüttelt Hosnedl die Hand

Verabschiedung und Amtseinführung


Zum Abschied des scheidenden Stadtbaudirektors Dipl.-Ing. Gundacker und zum Amtsantritt des neuen Baudirektors Dipl.-Ing. Hosnedl versammelten sich heute Bürgermeister Jonas, die Stadträte Bauer, Sigmund, Thaller und Magistratsdirektor Dr. Kinzl in der Stadtbaudirektion.

In seiner Rede würdigte Jonas die Verdienste Gundackers, der bereits an den Schöpfungen des Wien der Ersten Republik maßgeblichen Anteil hatte. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Gundacker sein Amt als Baudirektor antrat, war wohl für alle Bauleute die schwerste.

In seiner Antrittsrede umriss der neue Baudirektor die nächsten Ziele des Stadtbauamtes. Vor allem gilt es, die Frage des wilden Siedelns zu klären und Maßnahmen zu treffen, um das wilde Siedeln zu verhindern. Große Schwierigkeiten sind auch auf dem Gebiet des Verkehrs zu lösen, während der soziale Wohnungsbau für die nächste Zeit keine besonderen Probleme mehr bieten wird.

27.2.1954: Ein Wiener Geschenk für Indien

Die indische Wien-Ausstellung, die seit Anfang Februar auf dem Gelände der großen internationalen Bauausstellung in New Delhi große Beachtung findet, wurde in dieser Woche von Architekt Dipl.-Ing. Schimka im Namen der Stadt Wien der indischen Regierung zum Geschenk gemacht. Bei der feierlichen Überreichung waren der Minister für öffentliche Arbeiten und der österreichische Geschäftsträger in Indien Dr. Lennkh anwesend.

Verantwortlich für diese Seite:
Rathauskorrespondenz (Magistratsabteilung 53)
Kontaktformular