Wien 1954: Berichte vom August 1954

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.8.1954: Neuartige Straßendecke auf dem Getreidemarkt

Auf dem Getreidemarkt, in dem Stück vom Laboratorium der Technischen Hochschule bis zur Lehargasse, sind gegenwärtig Straßenbauarbeiten im Gange, durch die eine neuartige Straßendecke geschaffen wird. Die Studenten des Laboratoriums der Technischen Hochschule hatten nämlich an die Magistratsabteilung für Straßenbau geschrieben und ihr Leid geklagt. Durch die Erschütterungen des Straßenverkehrs auf dem Getreidemarkt, über den vor allem der schwere Lastenverkehr rollt, wurde die Laboratoriumsarbeit empfindlich gestört. Brauste ein Lastautozug vorbei, fielen fort die Retorten von den Regalen.

Die MA 28 legt nun dort an Stelle des altmodischen, holprigen Würfelpflasters eine besonders elastische und geräuschdämpfende Straßendecke an. Durch ein spezielles Verfahren wird der Untergrund mit einem modernen Rüttelgerät verdichtet. Dann werden zwei je 10 cm starke Schotterlagen aufgebracht, die sich durch Eingießen von Asphaltmörtel, das ist feiner Sand mit Asphalt gemischt, zu einem festen Belag verbinden. Die geräuschdämpfende Wirkung von Asphalt wird auf diese Weise besonders ausgenützt. Diese für Wien neue Bauart hat sich als die am meisten geräuschdämpfende und elastischste Deckenart erwiesen.

Der neuartige Belag, der an dieser Stelle zum ersten Mal ausprobiert wird, soll auch überall dort, wo bisher Holzstöckelpflaster lag, durchgeführt werden.

2.8.1954: Jugendliche aus Hannover im Wiener Rathaus

40 Jugendliche aus Hannover, die durch eine Austauschaktion des Österreichischen Gewerkschaftsbundes zu einem einwöchigen Studienaufenthalt nach Wien gekommen sind, wurden heute von Bürgermeister Jonas im Wiener Rathaus begrüßt.

4.8.1954: Erweiterung der Landaufenthaltsaktion für Dauerbefürsorgte

Stadtrat Mandl berichtete heute im Wiener Stadtsenat über eine Erweiterung der Landaufenthaltsaktion für städtische Dauerbefürsorgte. Ab 18. August steht den Gemeindeurlaubern nunmehr auch die Hotelpension Bauer in Deutsch-Altenburg zur Verfügung. Das Haus ist neu erbaut, neu eingerichtet und modern ausgestattet. Es ist beabsichtigt, in die neue Hotelpension heuer noch vier 14tägige Urlaubsturnusse zu schicken. Die Kosten dafür betragen voraussichtlich 52.000 Schilling.

5.8.1954: Wien hat ein Blumendenkmal

Dreikant-Obelisk mit angebrachten Blumenschalen

Blumendenkmal am Engelsplatz.

Die städtischen Gärtner haben blühende Blumen auf einen hohen Dreikant-Obelisk gepflanzt. Das monumentale Kunstwerk, das vor dem rechten Flügel des Engelshofes in der Brigittenau aufgestellt wurde, präsentiert die gegenwärtige Tendenz der Gartenarchitektur: die öffentlichen Gartenanlagen genügen nicht mehr; der Garten kommt mit den Blumenschalen bis an die Hausfassaden. Am Engelsplatz setzt der Schöpfer des Obelisken, Bildhauer Mario Petrucci, diese Tendenz noch in die Höhe fort. Terrassenförmig streben die Schalen aufwärts und lassen ihre Blumenpracht wie Kaskaden herunterfallen.

Mit diesem originellen Kunstwerk ehrt die Stadt den berühmten Botaniker Johann Gregor Mendel, den Entdecker der Vererbungsgesetze, dem dieses Blumendenkmal gewidmet ist. Interessant ist auch, wie der Künstler für die Betreuung der Blumen vorsorgte, indem er im Inneren des Obelisken eine Brunnenkammer mit einer Berieselungsanlage eingebaut hat. Ein Handgriff des Gärtner genügt, um das neun Meter hohe Blumendenkmal künstlich zu berieseln.


6.8.1954: Hohe Auszeichnung für Bürgermeister Jonas

Bundeskanzler Raab überreicht Bürgermeister Jonas die Auszeichnung

Bürgermeister Jonas erhält das Große Goldene Ehrenzeichen mit Stern für Verdienste um die Republik Österreich.

Bundeskanzler Ing. Raab überreichte heute dem Landeshauptmann und Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien, Franz Jonas, das ihm vom Bundespräsidenten verliehene Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich.


10.8.1954: Prämiierte Filmidee wird verwirklicht

Der mit dem Filmpreis der Stadt Wien ausgezeichnete Filmstoff "Der weiße Schatten" von Reginald Földy wurde von der Projektograph-Film angekauft. Reginald Földy hat auch die Drehbucharbeiten übernommen. Der Film soll noch in diesem Winter in Produktion gehen. Um der Verfilmung des Streifens internationalen Charakter zu verleihen, soll der Streifen in ausländischer Gemeinschaftsproduktion gedreht werden.

12.8.1954: Bürgermeister Jonas besichtigte Hauptlager der städtischen Anstalten

Bürgermeister Jonas stattete dem Anstaltenhauptlager in der Hütteldorfer Straße einen Besuch ab. Bei seinem Rundgang besichtigte er die Lagerräume sowie die dazugehörigen Werkstätten der Weißnäherinnen, Tischler und Tapezierer.

Im Hauptlager der städtischen Anstalten sind rund 30 Beamte, Magazineure und Handwerker mit der Ausstattung der Anstalten der Gemeinde Wien beschäftigt. Für jedes der rund 30.000 Anstaltsbetten muss jährlich drei bis siebenmal die Bettwäsche erneuert werden. Gewaltige Mengen von Textilien werden laufend für die übrige Anstaltenwäsche sowie Bekleidung der Patienten, der Pfleglinge und des Anstaltenpersonals verarbeitet. Allein das Anstaltenhauptlager liefert jährlich 300.000 Stück Wäsche. Im Gebäude des Hauptlagers sind außerdem noch verschiedene Waren aufgestapelt: von Drucksorten bis zur Schädeltreparnationsfräse, steht hier alles zur Auslieferung an die Spitäler, Altersheime und sonstigen städtischen Anstalten bereit.

13.8.1954: Baubeginn an der neuen Schwedenbrücke - Stadtbahnstationen aus Glas

Mit den ersten Arbeiten zum Wiederaufbau der Schwedenbrücke wird begonnen. Ab 18. August bleibt die alte Brücke für den gesamten Verkehr gesperrt. Die Straßenbahnlinie "O" und die Autobuslinie "5" werden über die Marienbrücke umgeleitet.

Das nun in Angriff genommene Bauwerk ist die "vorletzte Brücke", die nach der vor neun Jahren erfolgten Sprengung sämtlicher Donaukanalbrücken von der Stadtverwaltung neu aufgebaut wird. Es fehlt nur mehr die Salztorbrücke, die zu einem späteren Zeitpunkt gebaut wird. Auch die Heiligenstädter Brücke und die Stadionbrücke, die in den vergangenen Jahren durch so genannte Langzeitprovisorien ersetzt wurden, werden später umgebaut.

Die neue Schwedenbrücke wird wieder eine Betonbrücke werden, die jedoch im Gegensatz zur Marienbrücke nach ganz neuartigen Baumethoden aus "vorgespanntem" Beton hergestellt wird, wodurch man besondere Tragfähigkeit erzielt. Die Baukosten der Brücke, die für die schwersten Verkehrslasten bemessen wurde, betragen rund 7,7 Millionen Schilling.

Mit der alten Notbrücke verschwinden auch die beiden Stationsgebäude der Stadtbahn, die durch moderne Glasobjekte ersetzt werden.

14.8.1954: Sportlicher Besuch aus Deutschland und Dänemark

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Frauensportvereines Danubia findet ein Handballturnier statt, zu dem auch eine deutsche und eine dänische Frauenhandballmannschaft nach Wien gekommen sind.

16.8.1954: Hochwasserschillinge in Wien erhältlich

Das Nationalkomitee hat das Münzamt beauftragt, Hochwasserschillinge zu prägen. Davon sind der Wiener Stadtverwaltung 100.000 Stück zum Verkauf zugewiesen worden.

17.8.1954: Gegen Propagandaauswüchse im Wahlkampf - Bürgermeister Jonas appelliert an die politischen Parteien

Bürgermeister Jonas hat im Hinblick auf die bevorstehenden Gemeinderatswahlen an jede der wahlwerbenden Parteien einen Brief folgenden Inhalts gerichtet:

"Sehr geehrte Herren!

Anlässlich der Nationalratswahlen im Februar 1953 richtete ich an die politischen Parteien in Wien den Appell, im Wahlkampfe von Plakatierungs- und Schmieraktionen Abstand zu nehmen, die unnützen Schaden verursachen und das Stadtbild in hässlicher Weise verunzieren. Die politischen Parteien haben sich meinem damaligen Appell in dankenswerter Weise angeschlossen. Die Bevölkerung Wiens hat mit großer Genugtuung vermerkt, dass manche Propagandaauswüchse der vorhergehenden Wahlkämpfe unterblieben sind.

Die bevorstehenden Gemeinderatswahlen am 17. Oktober dieses Jahres veranlassen mich, an die politischen Parteien neuerlich den Appell zu richten, die gesunde demokratische Auseinandersetzung im Wahlkampfe so zu führen, dass die Sauberkeit des Stadtbildes nicht beeinträchtigt wird. Es möge vor allem das Schmieren von Parolen auf Hausfassaden und anderen Objekten, das Bekleben von Geschäftsportalen, öffentlichen Licht- und Leitungsmasten und anderen Einrichtungen unterlassen werden, da hierdurch nur unnützer Schaden entsteht, der aus Steuermitteln der Bevölkerung wieder gutgemacht werden müsste.

Ich ersuche Sie, sehr geehrte Herren, mir die Stellungnahme Ihrer Partei zu meinem Appell mitzuteilen.

Mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung
Jonas".

19.8.1954: "Gully-Sauger" für die Wiener Kanäle

Die Gemeinde Wien besitzt seit kurzem ein Spezialfahrzeug zur Reinigung der Sinkkasten der Wasserläufe, das den Namen "Gully-Sauger" führt.

Bisher wurden diese Sinkstoffe aus den Wasserläufen dadurch entfernt, dass sie durch die Schächte mit einer Spezialschaufel mit langem Stiel gehoben und dann durch Handkarren weggeführt wurden. Das neue Fahrzeug saugt die Sinkstoffe auf, die vorher durch Wassereinspritzung erweicht werden. Dieser Arbeitsvorgang ist hygienischer und bedeutet eine wesentliche Arbeitssteigerung. Der Gully-Schlammsaugewagen ist das Erzeugnis einer Firma in Perchtoldsdorf.

20.8.1954: Bürgermeister Jonas besuchte den Wiener Flughafen

Bürgermeister Jonas besichtigte heute die Aufbauarbeiten auf dem Schwechater Flugplatz, der gegenwärtig unter finanzieller Beteiligung der Gemeinde Wien erweitert wird.

Mit einer Verlängerung der Startbahn von 1.500 auf 2.000 Meter und dem Ausbau der Rollbahnen wird nun der Flughafen allen internationalen Bedingungen des Flugwesens gerecht werden. Die Tragfähigkeit der Betonflächen von sieben Kilogramm pro Quadratzentimeter wird auch Flugzeugen im Gewicht bis zu 65 Tonnen das Anfliegen Wiens ermöglichen.

21.8.1954: Enthüllung des wiederaufgestellten Hanusch-Denkmals

Bürgermeister Jonas zieht Verhüllung von Statue

Enthüllung des Hanuschdenkmals.

Für die städtische Wohnhausanlage "Hanusch-Hof" in 3, Ludwig Koeßler-Platz, wurde das von Bildhauer Karl Gelles geschaffene und während des Krieges zerstörte Ferdinand Hanusch-Denkmal in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt. Es zeigt eine etwa 2,40 Meter hohe stehende männliche Figur aus Bronze. Mit der Herstellung des Ausführungsmodells nach den teilweise vorhandenen Gipsabgüssen der zerstörten Plastik wurde der akademische Bildhauer Prof. Rudolf Schmidt betraut. Den Bronzeguss haben die Vereinigten Wiener Metallwerke hergestellt.

Das Denkmal wurde von Bürgermeister Jonas in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste enthüllt.


26.8.1954: Präsident der IPU bei Bürgermeister Jonas

In Wien findet die 43. Konferenz der Interparlamentarischen Union statt. Der Präsident der IPU, Lord Viscount Stansgate und Generalsekretär Andre de Blonay statten Bürgermeister Jonas im Rathaus einen Besuch ab.

26.8.1954: Rundfahrten durch das "Neue Wien"

Stadtrundfahrten gehören zum selbstverständlichen "Repertoire" des Dienstes am Gast. Dabei werden gewöhnlich die Sehenswürdigkeiten von Wien gezeigt: Stephansdom und Prater, Oper und Schloss Schönbrunn usw. Aber auch die Schöpfungen der Wiener Gemeindeverwaltung in den letzten Jahren und Jahrzehnten, wie neue Wohnhausanlagen, Kindergärten, Bäder usw. locken immer mehr Besucher an.

Der Wiener Gemeinderat hat nun im Juli die Durchführung von regelmäßigen Besichtigungsfahrten zu städtischen Einrichtungen genehmigt. Die Aktion wird mit 1. September beginnen. Die vorgesehenen fünf Routen werden vom Rathaus ausgehen, dauern ca. zweieinhalb bis drei Stunden und kosten fünf Schilling pro Person. Die Führung obliegt sachkundigen technischen Beamten des Stadtbauamtes.

28.8.1954: Ernst Tautenhayn zum Gedenken

Portrait Ernst Tautenhayn

Ernst Tautenhayn

Auf den 30. August fällt der 10. Todestag des Operettentenors und Gesangskomikers Ernst Tautenhayn. Am 3. April 1873 in Wien geboren, entschied er sich für den Schauspielerberuf und entwickelte sich an verschiedenen Bühnen in der Operette, aber auch im Sprechstück als Charakterdarsteller zu einem hervorragenden Künstler. In Wien trat er im Raimundtheater und vor allem im Theater an der Wien auf, zu dessen besten Kräften er gehörte. In späteren Jahren wirkte er lange Zeit nur in einzelnen Gastspielen. Erst das Opernhaus der Stadt Wien beschäftigte ihn wieder in seinen früheren Glanzrollen und veranstaltete zu seinem 70. Geburtstag eine Festvorstellung der "Fledermaus", in der er zum letzten Male den Frosch spielte.


28.8.1954: Eröffnung des Liesinger Heimatmuseums

Bürgermeister Jonas und Ehrengäste bewundern Exponat

Besuch im Heimatmuseum Liesing.

Im Liesinger Amtshaus wurde das Liesinger Heimatmuseum in Anwesenheit von Bürgermeister Jonas und Mitgliedern der Wiener Stadtregierung eröffnet. Zugleich mit dem Heimatmuseum ist auch eine Ausstellung "Der Aufbau im Bezirk Liesing" eingerichtet worden.

In der Ausstellung wird mit Bildern und grafischen Darstellungen eine Übersicht über die Leistungen der Wiener Gemeindeverwaltung in Liesing gegeben. Besonders hervorgehoben sind die Ausgaben in den nun an Niederösterreich zurückfallenden Randgemeinden. Große Bedeutung für Liesing hat auch die Regulierung des Liesingbaches, der bisher 25,8 Millionen Schilling kostete. Ferner wurde die Kanalisation in diesem Bezirk weitgehend ausgebaut.

Eine traurige Bilanz vermittelt die Übersicht über die Schäden im Krieg. Allein in Liesing wurden 928 Wohnungen gänzlich zerstört, 668 schwer beschädigt. Daneben fielen den Kriegsereignissen Industriegebäude, Brücken, Schulgebäude usw. zum Opfer.


31.8.1954: Abschied von Wien

Mit 1. September tritt das Gebietsänderungsgesetz in Kraft, wodurch 80 Gemeinden wieder selbständig werden und an Niederösterreich zurückfallen. Bürgermeister Jonas hat aus diesem Anlass an die Bevölkerung dieser Gebiete folgende Abschiedsworte gerichtet:

"In einer Zeit, in der Zwang regierte, wurde die Bevölkerung von 96 niederösterreichischen Gemeinden zu Wienern gemacht, ohne gefragt zu werden. In der Folgezeit haben Sie die ganze Not und das Elend der Kriegsjahre mit den Wienern zusammen durchgemacht und mussten Hunger und Zerstörung mit ihnen teilen. Als nach dem Kriege und dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft der Zwang aufhörte, sollten Sie wieder in den Verband Ihres früheren Bundeslandes zurückkehren. Das im Jahre 1946 vom Nationalrat beschlossene Gebietsänderungsgesetz und die gleich lautenden Gesetze der Landtage von Niederösterreich und Wien konnten jedoch lange Jahre nicht in Kraft treten. Nun aber ist es soweit. Sie müssen von Wien Abschied nehmen, obwohl viele von Ihnen auch gerne weiterhin Wiener bleiben möchten.

Als Ihr bisheriger Bürgermeister möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Ich kann Ihnen heute zu Ihrer Ehre das Zeugnis ausstellen, dass Sie an der Heilung der Kriegswunden und an dem Wiederaufbau unserer Stadt Wien mit der gleichen Opferwilligkeit und mit demselben großen Verantwortungsbewusstsein herangetreten sind wie die übrigen Wiener. Ich darf aber auch zur Ehre der Gemeinde Wien sagen, dass sie zwischen den alten Wiener Bezirken und den so genannten Randgemeinden keine Demarkationslinien aufgerichtet, sondern alle Gebiete Wiens mit der gleichen Sorgfalt betreut hat und den Randgemeinden die gleichen Vorteile der Modernisierung, des Gesundheitswesens und der sozialen Fürsorge zukommen ließ. Die Gemeinde Wien hat auch keinen Unterschied zwischen den Kindern und den Müttern gemacht, sondern alle mit gleicher Liebe umsorgt.

Die Bevölkerung in den Randgemeinden hat in den ersten Jahren ihrer Zugehörigkeit zu Wien das Schicksal mit den Wienern geteilt und sie hat in den Jahren nach dem Kriege an den hoffnungsvollen Werken des Wiederaufbaues teilgenommen. Für dieses gemeinsame Tragen von Leid und Freude danke ich Ihnen im Namen aller Wiener.

Wenn Sie nun in Ihr altes Bundesland Niederösterreich zurückkehren, darf ich doch die Gewissheit aussprechen, dass wir unser gemeinsames Wirken nie vergessen und die vielen Bindungen, die zwischen uns bestehen, nicht abgeschnitten werden. Die Stunde des Abschieds soll daher nicht von den Gefühlen der Trauer und des Missmutes getrübt sein. Wir wollen vielmehr freudig, jeder auf seinem Platz und mit seiner ganzen Kraft, weiter arbeiten an einer schöneren Zukunft in unserem gemeinsamen Heimatlande Österreich!

Viel Glück und viel Erfolg für alle Zukunft!
Franz Jonas
Bürgermeister"

31.8.1954: Die Übergabe der Verwaltung in den Randgemeinden

Zwecks Durchführung der Gebietsänderungen haben die beiden Landesregierungen Wien und Niederösterreich eine Kommission von je drei Regierungsmitgliedern eingesetzt.

Nach eingehenden Verhandlungen wurden die Grundsätze der Überleitung der Verwaltungsgeschäfte von Wien und Niederösterreich festgelegt.

In der abschließenden Sitzung vom 31. August 1954 wurde im Beisein der Landeshauptleute Jonas und Steinböck folgendes Übereinkommen getroffen:

Die Verwaltung in den Randgemeinden wird von den in Dienst stehenden Organen über Auftrag der niederösterreichischen Behörden solange weitergeführt, bis die zuständigen niederösterreichischen Behörden selbst diese Verwaltung übernehmen.

Die jetzt in den Randgemeinden tätigen Amtsorgane werden solange auf ihren Plätzen oder in ihrem Wirkungskreis verbleiben, bis eine gegenteilige Weisung vom Land Niederösterreich, bzw. vom Land Wien erfolgt.

Damit ist die Kontinuität der Verwaltung gesichert.

Nach Abschluss dieser Vereinbarung haben die beiden Landesregierungen die entsprechenden Beschlüsse gefasst.

Die Konstituierung der neuen Gemeinden wird mit 1. September 1954 durchgeführt.

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