Wien 1952: Berichte vom Mai 1952

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.5.1952: Neues vom unterirdischen Wien. 1,1 Millionen Meter Kanäle unter den Straßen der Stadt

In einigen Tagen wird das vierte Baulos des Alsbachkanales fertiggestellt sein. Gegen Jahresende wird dann das letzte Stück des Alsbachkanals umgebaut und damit eine der schwersten Verkehrsbehinderungen der Wiener Straßen beseitigt sein.

Der Alsbach wurde anschließend an die große Choleraepidemie im Jahre 1830 eingedeckt und bestand in der damaligen Form bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Das große Gewölbe, das man damals über den Alsbach errichtete, war den modernen Verkehrsverhältnissen keineswegs gewachsen. Es war weder möglich die Straßenbahnen auf der Linie 5 mit einem zweiten Beiwagen zu versehen, noch schwerere Fuhrwerke über die Alserbachstraße zu führen. Beim Umbau des Kanals wurde bereits auf die zukünftigen Verkehrsverhältnisse Rücksicht genommen; die neuen Gewölbe werden jedem Verkehr und auch den stärksten Ansprüchen gewachsen sein.

Dieses große Bauvorhaben erinnert an die meist unsichtbaren Arbeiten im unterirdischen Wien. Unsere Stadt besitzt derzeit eines der besten Kanalsysteme der Welt, und unsere Straßen werden von nicht weniger als nahezu 1,1 Millionen Meter Kanälen durchzogen. Dazu kommen noch nahezu 2 Millionen Meter Hauskanäle. Würde man nur einen Teil dieser Kanalstränge aneinanderreihen, dann könnte Wien durch ganz Europa direkt in das Meer entwässert werden, es blieben noch immer viele tausende Meter Rohre für die Stadt übrig.

Im Jahre 1951 wurden weitere 13.700 Meter neue Kanäle errichtet. Die größten Arbeiten waren der Liesingtal-Sammelkanal, der Siebenhirtner Sammler auf der Triester Straße, der im Bau befindliche Leopoldauer Sammler und eine Reihe großer Kanalanlagen bei den Wiener Gemeindebauten. Für 1952 sind 9.100 Meter neue Kanäle vorgesehen.

2.5.1952: 35 Jahre Uhrenmuseum

Vor 35 Jahren, am 4. Mai 1917, wurde mit Beschluss des Wiener Gemeinderates, das Uhrenmuseum der Stadt Wien, eine der größten und reichhaltigsten europäischen Uhrensammlungen, der Öffentlichkeit übergeben. Den Grundstock für die Sammlung steuerte der noch heute tätige Leiter des Museums, Rudolf Kaftan, bei. Durch Ankäufe der Stadt Wien, besonders während der Amtstätigkeit von Stadtrat Breitner, ferner durch Widmungen kamen immer neue Kostbarkeiten und Raritäten in das Haus, Wien 1, Schulhof 2, zusammen. Im Krieg wurde das Museum geschlossen und die kostbaren Stücke "verlagert". Dabei erlitt das Uhrenmuseum schwere Verluste. Trotzdem konnte es nach dem Krieg im Jahre 1948 wieder eröffnet werden und durch Neuerwerbungen seinen Bestand auffüllen.

3.5.1952: 363.583 Besucher in den Tagesheim-Stätten für Dauerbefürsorgte

Die steigende Beliebtheit der Tagesheimstätten kommt darin zum Ausdruck, dass die Zahl der Besucher gegenüber dem Vorjahr um nahezu 50.000 gestiegen ist, berichtete Vbgm. Honay in einer Vollversammlung der Fürsorgeamtsvorstände. Die Tagesheimstätten sind während der Sommermonate geschlossen. Von der Eröffnung Anfang November bis zur Schließung Ende März betrug die Besucherzahl 363.583 Personen. Auf Kosten der Gemeinde wurden 126.400 Liter Milchkaffee und 133.282 Stück Kuchen ausgegeben. Zur Beheizung der Räume waren 147.000 kg Kohle erforderlich.

3.5.1952: Einwanderungsmöglichkeit nach Australien

Fremdsprachigen Flüchtlingen aus Europa wird in Kürze die Möglichkeit geboten werden, nach Australien einzuwandern. Zunächst ist die Aufnahme von 500 Flüchtlingen vorgesehen. Auf deutschsprachige Flüchtlinge (Volksdeutsche) erstreckt sich diese Möglichkeit nicht. Auskünfte: Landesumsiedlungsstelle (Magistratsabteilung 62, 1, Rathausstraße 9).

5.5.1952: Bootsvermietung, Kleiderbügelei und Tennisplätze im Gänsehäufel. Eröffnung der städtischen Sommerbäder am 8. Mai

Die diesjährige Badesaison in den städtischen Sommerbädern beginnt am 8. Mai.

Der Wiederaufbau der durch die Kriegsereignisse zerstörten und beschädigten Sommerbäder kann heuer als abgeschlossen bezeichnet werden. Es werden 18 Sommerbäder mit 40.000 Kabinen, Kästchen und sonstigen Umkleidegelegenheiten mit einem Fassungsraum für 55.000 Personen den Badelustigen zur Verfügung stehen.

Wenn auch in diesem Jahr kein neues Sommerbad geschaffen wurde, so ist doch eine bemerkenswerte Neuschöpfung hervorzuheben - das neue Schwimmbecken im städtischen Schwimm-, Sonnen- und Luftbad Krapfenwaldl. Es wird eine Länge von 33 1/3 m, eine Breite von 12 m und eine größte Tiefe von 2,80 m besitzen. Dadurch wird dieses Bad, das mit seiner Höhenlage einen wunderbaren Ausblick über die ganze Stadt bietet, neue Anziehungskraft erhalten. Eine moderne Wasserreinigungsanlage wird für den stets hygienisch einwandfreien Zustand des Badewassers Sorge tragen. Mit Rücksicht auf die Bauarbeiten kann dieses Bad aber erst Ende Mai eröffnet werden.

Das größte und modernste Strandbad Wiens, das städtische Strandbad Gänsehäufel, hat hinsichtlich des Besuches schon im Vorjahre alle Erwartungen übertroffen. Besonderer Beliebtheit erfreute sich das Wellenbad, das auch in dieser Saison in Betrieb stehen wird.

Heuer wurde eine Gartenanlage vor der Brücke und ein staubfreier Zugangsweg von der Endhaltestelle der Straßenbahn geschaffen; der Parkplatz auf der Insel wurde erweitert und die Reihungsgeländer vor den Kassen verlängert, um ein unnötiges Gedränge zu verhindern. Grünflächen, die durch die überaus starke Benützung beschädigt wurden, wurden neu hergestellt.

Den Gästen wird außer den bereits im Vorjahr geöffneten Geschäften (wie z.B. der Restauration, dem Strandkaffee, dem Liegestuhlverleih usw.) auch eine Bootsvermietung und eine Kleiderbügelei zur Verfügung stehen. Besonders zu erwähnen sind noch die neuen Warmbrauseanlage und die Tennisplätze, die im Laufe der Saison benützungsfähig sein werden.

Die Verkehrsbetriebe werden durch verstärkten Straßenbahnverkehr und die an Sonn- und Feiertagen betriebene Autobuslinie von der Oper zum Gänsehäufel für die klaglose Bewältigung des Verkehres zum Strandbad Sorge tragen.

Weitere städtische Strandbäder sind das Strandbad "Alte Donau" in der Arbeiterstrandbadgasse und das Angelibad an der Oberen Alten Donau.

Das zweitgrößte städtische Sommerbad ist das Schwimm-, Sonnen- und Luftbad Kongressplatz im 16. Bezirk. Es besitzt das größte Schwimmbecken Wiens, mit einer Länge von 100 m, einer Breite von 20 m und einem 10 m hohen Sprungturm.

Das Schwimm-, Sonnen- und Luftbad "Hohe Warte" ist durch den parkartigen Charakter und die mannigfache Gliederung der Anlage bemerkenswert.

Das "Ottakringerbad" in der Johann-Staud-Gasse (früher Steinhofstraße) im 16. Bezirk liegt auf einer Anhöhe und zeichnet sich durch eine weite Fernsicht nach Süden aus.

Im Wiental liegt das "Baumgartnerbad" nächst der Stadtbahnstation Ober St. Veit, das "Hütteldorferbad" im Ferdinand-Wolf-Park und das Schwimm-, Sonnen- und Luftbad "Hadersdorf-Weidlingau".

In nächster Nähe der Stadtbahnstation Meidlinger Hauptstraße befindet sich das Sommerschwimmbad "Theresienbad". Auch in Verbindung mit dem Stadtbad in Mödling, Badstraße 25, und dem neuerbauten Volksbad in Liesing, Perchtoldsdorfer Straße 16, steht ein Schwimm-, Sonnen- und Luftbad in Betrieb.

An Strandbädern sind ferner noch zu nennen: das Strandbad Stadlau am Mühlwasser, das große Klosterneuburger Strandbad und das Strandbad Kritzendorf.

6.5.1952: Versicherungsprämien können gesenkt werden

In einer gestern abgehaltenen Aufsichtsratssitzung der Wiener Städtischen Wechselseitigen Versicherungsanstalt konnte berichtet werden, dass mindestens in zwei Versicherungszweigen die Schadenszahlungen in rückläufiger Bewegung sind. Es handelt sich um die Einbruch- und um die Hausratversicherung. In beiden Sparten sind im letzten Vierteljahr gegenüber dem 1. Quartal des Jahres 1951 die Schadenszahlungen um 12 Prozent zurückgegangen.

Stadtrat Thaller beantragte in der Diskussion über den Vorstandsbericht, die Direktion zu beauftragen, im Fachverband der Versicherungsunternehmungen innerhalb der Bundeswirtschaftskammer den Antrag zu stellen, ab 1. Juli 1952 die Tarife dieser beiden Versicherungszweige, auch für bereits bestehende Versicherungen, um 10 Prozent zu ermäßigen. Dieser Antrag wurde vom Aufsichtsrat einstimmig genehmigt.

Bei der Städtischen Versicherungsanstalt hätte diese Ermäßigung, wie Generaldirektor Liebermann erklärte, für deren Versicherungsnehmer eine Ersparnis von über einer Million Schilling jährlich zur Folge. Da bei dieser Anstalt ungefähr ein Fünftel aller in Österreich laufenden Versicherungen dieser Sparte besteht, würde diese Ermäßigung sämtlicher in Österreich bestehender Hausrat- und Einbruchversicherungen etwa fünf Millionen Schilling ausmachen. Dieser verhältnismäßig große Betrag könnte der Wirtschaft erspart werden, wenn der Fachverband dem Antrag der Städtischen Versicherungsanstalt Rechnung trägt.

7.5.1952: Im April: 1.356 neue Gemeindewohnungen begonnen

Während des Monats April wurden 522 Wohnungen den Benützern übergeben, davon in Fünfhaus 42, in Süssenbrunn 24, in Margareten 56 und in Ottakring 108 Wohnungen. Im Schnellbauprogramm wurden 158 Wohnungen fertiggestellt und an die Wohnparteien übergeben.

Gleichzeitig wurden nach Totalschäden 114 und nach Teilschäden 20 Wohnungen wieder hergestellt und bereits bezogen. Im selben Monat hat die Gemeindeverwaltung mit dem Bau von 620 neuen Wohnungen begonnen. Die Wohnhausanlagen werden in Simmering, in Meidling, in Ottakring und in Fünfhaus errichtet werden. Außerdem wurden als Zusatzprogramm 728 Wohnungen in Floridsdorf an der Siemensstraße zu bauen begonnen.

Unabhängig von diesem großen Bauprogramm der Gemeindeverwaltung wurden im April auch noch die Mansardeneinbauten fortgesetzt und mit dem Bau von 57 Mansardenwohnungen begonnen. Obwohl sich diese großen Arbeitsaufträge der Gemeindeverwaltung auf dem Arbeitsmarkt noch nicht auswirken, ist die Zahl der Beschäftigten auf den Baustellen der Wiener Gemeindeverwaltung im April um nahezu 800 Personen gegenüber dem März gestiegen und beträgt ungefähr 15.000.

7.5.1952: Eine Prämie, die niemanden Freude bereitet

Der Gemeinderatsausschuss für Gesundheitswesen hat in einer seiner letzten Sitzungen eine Prämie für Personen beschlossen, die eine Wasserleiche geborgen und hievon die Sicherheitsorgane verständigt haben. Diese Prämie wurde mit 40 Schilling festgesetzt und wird gegen Bescheinigung der Polizeiorgane vom Gesundheitsamt ausgezahlt.

Eine Prämie für geborgene Wasserleichen wurde in Wien zum erstenmal nach dem Ersten Weltkrieg eingeführt. Sie betrug damals, in der Inflation, 10.000 Kronen und wurde später mit 5 Schilling festgesetzt. Anspruch haben nur Privatpersonen, nicht aber Angehörige der Polizei oder der Berufsfeuerwehr.

Im Statistischen Jahrbuch der Stadt Wien wird jährlich bei etwa 50 Menschen der Tod durch Ertrinken verzeichnet. In Wien werden jährlich etwa an 10 Personen, die Wasserleichen im Bereich des Stadtgebietes geborgen haben, solche Prämien zuerkannt.

8.5.1952: Förderung künstlerischen Nachwuchses

Der Vorstand der Hugo Breitner-Gesellschaft zur Förderung künstlerischen Nachwuchses hat neuerlich an bedürftige und begabte Kunst-Studierende Monatsstipendien bewilligt.

Nach einjährigem Bestand kann die Gesellschaft feststellen, dass ihre Tätigkeit nicht nur Wien, sondern auch die Bundesländer erfasst. Zahlreiche der mit Stipendien oder einmaligen Zuwendungen bedachten Studierenden haben durch erfreuliche Erfolge bewiesen, dass ihre Förderung durchaus berechtigt ist. Auch jungen Schriftstellern und Komponisten ist nach einem strengen Kriterium mannigfache Hilfe zuteil geworden.

9.5.1952: Eine Brücke wird gebaut, um eine Brücke bauen zu können. Stadtrat Thaller besucht die Baustelle an der Marienbrücke

Der Amtsführende Stadtrat für Bauwesen, Thaller, besuchte mit dem Leiter der Brückenbauabteilung des Stadtbauamtes, Oberbaurat Dipl.-Ing. Mermon, die Baustelle der Marienbrücke. Mermon berichtete über den derzeitigen Stand der Arbeiten und über die Schwierigkeiten, die sich bisher während des Baues ergaben. Er wies besonders auf die bedeutenden Schwierigkeiten hin, die sich bei der Fundierung für die Überdeckung der Stadtbahn ergeben. Die alte Stadtbahnüberdeckung ist viel zu schwach, um denselben Belastungen zu entsprechen, denen die neue Marienbrücke zukünftig ausgesetzt sein wird. Nun muss aber nicht nur die Decke über die Stadtbahn verstärkt werden sondern auch die Fundamente. Bei den Fundamentierungsarbeiten zeigte sich aber, dass an dieser Stelle, an der ja seit vielen hundert Jahren immer wieder Brücken errichtet wurden, zahlreiche längst nicht mehr gebrauchte Fundamentpfähle vorhanden sind. Diese alten, äußerst widerstandsfähigen Pfähle verhindern eine klaglose Durchführung der neuen Fundamentierung und erschweren die Arbeit bedeutend. Dessen ungeachtet sind bereits eine ganze Reihe neuer moderner Betonpfähle tief in die Erde versenkt und bald werden auch hier die letzten Schwierigkeiten überwunden sein.

9.5.1952: Zehn Millionen Kilogramm Beton

Inzwischen geht die Arbeit im Donaukanal rüstig weiter. Eine große Anzahl von mächtigen Holzpfählen wurde in den Grund des Donaukanales geschlagen. Sie werden aber nicht die neue Brücke zu tragen haben sondern eine Stahlbrücke, die als Baubehelf dient. Die neue Brücke selbst wird eine Stahlbetonbrücke sein. Der dabei verwendete Beton wird nicht weniger als nahezu zehn Millionen Kilogramm wiegen. Dieses ungeheure Gewicht aber muss von einer Schalung getragen werden. Nun hat ja Wasser keine Balken, an denen man die Schalung abstützen könnte. Es bleibt den Brückenbauern also nur ein Weg offen: sie müssen erst eine provisorische Stahlbrücke über den Kanal bauen, um auf dieser dann die neue Betonbrücke errichten zu können. Nach Beendigung der Betonierungsarbeiten und nach vollständiger Erhärtung des Betons wird die provisorische Stahlbrücke wieder entfernt und für einen anderen Zweck bereitgestellt.

9.5.1952: Zeugen eines verklungenen Wiens

Stadtrat Thaller besichtigte während seines Besuches auch eine Reihe recht interessanter Ausgrabungen, die von den Arbeitern bei den Bohrungen entdeckt wurden. Es gibt Senftiegel aus der Napoleonischen Zeit, alte Apothekergeräte, Pillenzangen, Pfeifenköpfe, Münzen aus dem 15. Jahrhundert und vieles andere mehr. Es sind Zeugen eines längst verklungenen Wiens, das andere, gänzlich verschiedene Lebensbedingungen hatte, wie das heutige. Die relative Häufigkeit dieser Gegenstände, die ja nur aus einzelnen kleinen Bohrlöchern stammen, erzählt aber auch, dass die alten Wiener das Ufer als eine Art Mistablagerungsstätte angesehen haben müssen, da ja sonst kaum soviele Gegenstände auf einem verhältnismäßig kleinen Platz zu finden gewesen wären.

Mit der endgültigen Fertigstellung der Brücke kann im Frühling oder Sommer des nächsten Jahres gerechnet werden.

10.5.1952: Zu den Wiener Festwochen 1952: Eintrittskarten zu sechs Schilling

Wie StR. Mandl heute mitteilte, werden auch heuer die Preise zu den einzelnen Veranstaltungen für die Festwochen 1952 äußerst niedrig gehalten sein. Von sechs Schilling aufwärts, also dem Preis von einem Viertel Wein oder einer Schachtel Zigaretten, wird man zu allen Veranstaltungen der Festwochen eine Karte bekommen. Ein bedeutender Prozentsatz der billigen Kartenkategorien wird dem Österreichischen Gewerkschaftsbund zur Verfügung gestellt. Der feierliche Eröffnungsakt der Festwochen ist am Samstag, dem 17. Mai, bei freiem Eintritt auf dem Rathausplatz.

12.5.1952: Die Rathausturmuhr geht wieder

Die große elektrische Uhr auf dem Wiener Rathaus, die in der Nacht zum Sonntag nach einem Blitzschlag stehen geblieben war, geht seit heute vormittag wieder. Wie sich herausstellte, ist der Uhr selbst nichts geschehen. Durch den Blitz ist lediglich eine Sicherung des elektrischen Gehwerkes durchgeschlagen worden.

13.5.1952: Die Waschküchen der Gemeinde Wien

Im März wurden in den Wiener gemeindeeigenen Wäschereien nahezu 400.000 Kilogramm Wäsche gewaschen, davon allein 322.000 Kilogramm in der Wäscherei in Meidling. Aber auch die Zentralwaschküchen in den städtischen Wohnhäusern haben Hochbetrieb. Im März wurden sie von nicht weniger als 17.577 Wohnparteien in Anspruch genommen. In dieser Zahl sind allerdings jene Mieter nicht inbegriffen, die in neuen Gemeindebauten wohnen, in denen bekanntlich anstatt der Zentralwaschküchen kleine maschinell eingerichtete Waschküchen errichtet wurden.

Aber nicht nur die Waschküchen, sondern auch die Gemeinschaftsbäder in den Wiener Gemeindebauten haben jahraus und jahrein Hochbetrieb. So wurden allein im März 7.598 Wannen- und 26.071 Brausebäder genommen. Im selben Monat wurde in der Meidlinger Zentralwäscherei eine neue Wärmeverwertungsanlage in Betrieb genommen. Die Wohnhauswäscherei in Sandleiten erhielt drei neue Zentrifugen.

14.5.1952: "500 Jahre Spinnerin am Kreuz"

Am 16. Mai wird Vbgm. Honay in Anwesenheit von StR. Mandl und weiteren Festgästen im Rahmen der Wiener Festwochen die Sonderausstellung "500 Jahre Spinnerin am Kreuz" im Festsaal der Bezirksvorstehung Favoriten eröffnen. Die Ausstellung, die neues und in dieser Vollständigkeit bisher noch nie gezeigtes Material zur Entwicklungsgeschichte dieses Wiener Wahrzeichens bringt, wurde in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum der Stadt, dem Archiv der Stadt Wien und der Wiener Stadtbibliothek zusammengestellt.

15.5.1952: Modernisierung der Wiener Schulen

In der nächsten Zeit werden, wie heute im Gemeinderatsausschuss für Bauangelegenheiten berichtet wurde, in einigen Wiener Hauptschulen die Physiksäle dem modernen Unterricht angepasst. Sie werden vor allem neue Gas-, Wasser- und Elektroeinrichtungen erhalten und ähnlich ausgestattet sein wie in den modernen Schulen in der Schäffergasse und Stadlau-Hirschstetten.

16.5.1952: Bodennutzungserhebung 1952

Mit dem Stichtage vom 20. Mai wird nach einer Verordnung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft die Bodennutzungserhebung 1952 durchgeführt.

Jeder Inhaber, Pächter oder sonstige Bewirtschafter einer Bodenfläche von mindestens einem halben Hektar, die ganz oder teilweise land- oder forstwirtschaftlich genutzt wird, hat einen Betriebsbogen auszufüllen. Gartenbau-, Obstbau- und Weinbaubetriebe füllen diese Vordrucke aus, auch wenn die Betriebsfläche kleiner als 50 Ar ist.

In Wien wird die Erhebung von den Magistratischen Bezirksämtern durchgeführt, in den Randgebieten mit Hilfe der Amtsstellen und Ortsvorstehungen. Die Ausfüllung hat aufgrund von Dokumenten (Grundbesitzbogen, Grundbuchsauszug, Pachtverträge etc.) zu geschehen. Im Betriebsbogen sind Fragen nach Größe und Nutzungsart der bewirtschafteten Fläche sowie nach dem Anbau auf dem Ackerland enthalten. Veränderungen gegenüber der vorjährigen Wirtschaftsfläche sind gesondert nachzuweisen.

Nach dem Bundesgesetz über die Bundesstatistik besteht bei statistischen Erhebungen die Auskunftspflicht; alle bei der Bodennutzungserhebung gemachten Angaben werden jedoch geheimgehalten und dürfen nur für statistische Zwecke verwendet werden.

19.5.1952: Umfangreiches Straßenbauprogramm - Fortsetzung der Sanierungsarbeiten

Wie die Straßenbauabteilung des Wiener Stadtbauamtes mitteilt, sind für die nächste Zeit eine Reihe wichtiger Umbau- und Erneuerungsarbeiten an den Wiener Straßen geplant, u.a.:

... nach den Festwochen wird mit dem Umbau des Opernringes ab Babenbergerstraße begonnen, am Rennweg wird von der Reisnerstraße bis zur Jacquinstraße das Holzstöckelpflaster gegen Kleinsteinpflaster ausgewechselt, die Wagramer Straße (von der Schüttaustraße bis zur Kagraner Brücke - vorerst einmal auf einer Straßenseite) wird einen modernen Betonbelag erhalten, die Betonstraßenherstellungen am Gürtel werden fortgesetzt, Umbauarbeiten in der Lerchenfelder Straße und bei der Kreuzung Kaiserstraße werden vorgenommen.

20.5.1952: Rathauskeller wie vor 60 Jahren

Vor wenigen Tagen wurden in einigen Räumen des Rathauskellers umfangreiche Renovierungsarbeiten vollendet, die nun diesen repräsentativen Restaurationsbetrieb Wiens so zeigen, wie ihn nur mehr die vorige Generation gesehen hat. Bekanntlich unterliegt auch der Rathauskeller den strengen Vorschriften des Denkmalschutzes, so dass sämtliche Instandsetzungsarbeiten mit besonderer Vorsicht vor sich gehen mussten. Die Dekorationsmaler mussten zum Beispiel vor Beginn ihrer Arbeit die Ornamente kopieren um die Malerpatronen schneiden zu können. Die 15 Luster im Rittersaal wurden neu isoliert und gereinigt. Besonders schwierig gestaltete sich die Renovierung der vielen Wandmalereien, wo es galt, die Bilder vorerst von jahrzehntelangem Schmutz zu befreien. Beim Abwaschen der Wände und des Gewölbes wurden aus dem Rittersaal mehrere Hektoliter einer tabakextraktähnlichen Schmutzmasse hinausgetragen. Die großen Allegorien, wie die "Schnepfenjagd" und das "Rittertournier zu Penzing", die an den beiden Stirnwänden angebracht sind und die Wandmalereien in den Nischen leuchten wieder, entblößt von der Patina, in hellen Farben wie vor 60 Jahren. Im Grinzinger-Keller, der sich nach der erst vor kurzem stattgefundenen Wiedereröffnung zu einem beliebten Treffpunkt der Gäste aus den Bundesländern und dem Ausland entwickelt hat, bietet sich den Besuchern eine neue Sehenswürdigkeit: Orgelklänge aus dem 70.000 Liter fassenden Riesenfass.

21.5.1952: Die besten April-Plakate

Das Wertungskollegium der Plakatwertungsaktion 1952 des Amtes für Kultur und Volksbildung hat als die drei besten Plakate des Monates April "Architektur der USA seit 1947" (Entwuf Paul Kohn), "Badeartikel Semperit" (Entwurf Atelier Koszler) und das Straßenbahnplakat "Ita" (Entwurf Walter Lothka) ausgewählt. Die prämiierten Plakate werden wieder an den von der Gewista zur Verfügung gestellten Plakatwänden in der Augustiner- und Mariahilfer Straße affichiert.

21.5.1952: Eine Lebensader der Stadt wird instandgesetzt - Die Reparatur der Radetzkybrücke

Nur die wenigsten Wiener, die jahraus jahrein über die Radetzkybrücke gehen oder mit der Straßenbahn vom dritten Bezirk zur Inneren Stadt fahren, wissen, dass diese im Straßenbild kaum auffallende Brücke eine der wichtigsten Lebensadern für den ersten Bezirk ist. Unter der Brücke befinden sich nämlich mächtige Gasleitungen, die die gesamte Innere Stadt mit Gas versorgen. Nur wenn man an die traurigen Tage der Nachkriegszeit denkt, kann man ermessen, was es bedeuten würde, wenn diese Gasleitung beschädigt wäre und ein ganzer Bezirk ohne das so notwendige Heizgas auskommen müsste.

Die Brückenbauabteilung des Wiener Stadtbauamtes hat also derzeit bei der Instandsetzung der Radetzkybrücke eine recht verantwortungsvolle Arbeit. Die Brücke, die selbst keinen unmittelbaren Bombentreffer erhalten hat, ist trotzdem schwer beschädigt und war bisher nur durch eine Reihe umfangreicher Notmaßnahmen soweit instandgesetzt gewesen, dass der Verkehr ohne Gefahr darüber hinwegrollen konnte. Der Kriegsschaden entstand dadurch, dass eine Fliegerbombe unmittelbar unter die Brücke ins Wienflussbett einschlug und das Tragwerk von unten her schwer beschädigt wurde. Dazu kam noch, dass das mächtige Gasrohr zerrisssen wurde, das Gas zu brennen begann und ein Teil der Träger durch die dabei entstandene Hitze ausgeglüht wurden. Nun werden in laufender, vorsichtiger und ziemlich schwieriger Arbeit die beschädigten Tragteile der Brücke ausgewechselt und erneuert. Die Straßenbahn wurde inzwischen auf einen kleinen Teil der Brücke abgelenkt. Fertigstellung der Brücke wird voraussichtlich erst nächstes Jahr sein.

24.5.1952: Werber für Österreich

Fünfunddreißig Schweden, die von einer großen Zahl der agilsten Werber schwedischer Reisebüros mit einer Gesellschaftsfahrt nach Österreich belohnt wurden, besuchten heute das Wiener Rathaus, wo sie durch Vbgm. Honay empfangen wurden. Honay würdigte die große Hilfe des gesamten schwedischen Volkes , die das befreundete Land nach den beiden Weltkriegen den Österreichern, besonders den Wienern, angedeihen ließ.

26.5.1952: Rinderhauptmarkt vom 26. Mai

Neuzufuhren aus dem Inland: 286 Ochsen, 194 Stiege, 421 Kühe, 76 Kalbinnen, Summe 959. Neuzufuhren aus Jugoslawien: 134 Ochsen, 10 Stiere, 62 Kühe, 24 Kalbinnen, Summe 230. Gesamtauftrieb: 402 Ochsen, 204 Stiere, 483 Kühe, 100 Kalbinnen, Summe 1.189. Verkauft wurde alles. Kontumazanlage: 68 Rinder. Bei lebhafter Nachfrage trat eine durchschnittliche Verteuerung um 30 bis 50 g ein.

27.5.1952: Freigabe durch die sowjetische Besatzungsmacht

Der sowjetische Stadtkommandant hat den Bürgermeister verständigt, dass das von der sowjetischen Besatzungsmacht belegte Hotel 1, Grashofgasse 4, bestehend aus 62 Zimmern, mit dem heutigen Tage freigegeben wurde.

27.5.1952: Instandsetzung des Salze-Aquädukts der 2. Wiener Hochquellenleitung

Der Salza-Aquädukt der 2. Wiener Hochquellenleitung in Wildalpen in der Steiermark überbrückt mit sechs Bogen in einer Gesamtlänge von 98 Meter das Salzatal. Ebenso wie vor der Instandsetzung des Hopfgarten-Aquädukts in Wildalpen ist auch hier das Kalksteinquadermauerwerk stark beschädigt. Es zeigt große Risse und sonstige schwere Verwitterungsschäden. Seine Auswechslung ist dringend notwendig geworden. Als Material sind wetterfeste Quarzsandsteine an Stelle von Kalksteinen vorgesehen.

28.5.1952: Frau Vizebürgermeister aus Los Angeles in Wien

Zum Wochenende kamen Frau Albine P. Norton, Vizebürgermeister von Los Angeles, und Frau Evelyn Spaulding, Leiterin der städtischen Fürsorge von Los Angeles, nach Wien, wo sie Vbgm. Honay im Rathaus einen Besuch abstatteten. Sie besichtigten die sozialen Einrichtungen und die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt.

29.5.1952: Milchverkauf zu Pfingsten

Wie das Marktamt der Stadt Wien mitteilt, findet der Milchverkauf am Pfingstsonntag von 6 bis 8 Uhr und am Pfingstmontag von 6 bis 11 Uhr statt.

30.5.1952: Bekämpfung der Tuberkulose

Kaum eine andere Krankheit bedingt einen derart langen und kostspieligen Heilungsprozess wie die Tuberkulose.

Entsprechend groß sind auch die Kosten für ihre Bekämpfung. Viele jüngere Menschen müssen - zumindest für eine Zeit - aus ihrem Beruf genommen werden.

Um alle jene Mittel aufzubringen, die notwendig sind, um wirklich helfen zu können, wird auch heuer eine Häusersammlung durchgeführt. In der Zeit vom 1. bis einschließlich 7. Juni liegt in jedem Haus ein amtlicher Sammelbogen auf.

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