Wien 1951: Berichte vom November 1951

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.11.1951: Dichterlesung in einer städtischen Bücherei

Franz Hiesel am Schreibtisch

Franz Hiesel las aus eigenen Werken.

Portrait Christine Busta

Christine Busta stellte ebenfalls ihre Werke vor.


Die Städtische Bücherei in Meidling (12, Egger-Lienz-Gasse) veranstaltete eine Dichterlesung, an der zahlreiche Gäste teilnahmen. Es lasen: Christine Busta (Trägerin des Förderungspreises für Lyrik des Staatspreises 1950) und Franz Hiesel aus eigenen Werken!

2.11.1951: Generalversammlung des Vereines Österreichischer Chemiker

Der Verein Österreichischer Chemiker in Wien hält seine jährliche Generalversammlung ab. Der Verein, der im Jahr 1897 gegründet, 1938 aufgelöst und 1946 wiedererstanden ist, umfaßt gegenwärtig 1.400 Mitglieder in ganz Österreich. Er gehört zu den größten wissenschaftlich-technischen Gesellschaften in unserem Lande. Der Verein repräsentiert auch die Österreichische Chemie nach außen bei der UNESCO.

2.11.1951: Vizebürgermeister Honay empfängt Amerikas Stemmerelite

Heute empfing Vizebürgermeister Honay im Wiener Rathaus die amerikanische Stemmermannschaft, die gestern den Länderkampf gegen Österreich im Wiener Konzerthaus bestritt und siegreich beendet hat.

5.11.1951: Sowjetische Gäste im Rathaus

Schachweltmeister Bronstein

Vbgm. Honay empfing heute im Beisein von Stadtrat Mandl sowjetische Schachspieler und Stemmer, die auf Einladung der Österreichisch-sowjetischen Gesellschaft nach Wien gekommen sind. Unter ihnen befand sich auch der berühmte Schachspieler, Weltmeister Bronstein, der Vertreter der sowjetischen Sportbehörde Galaktionow und der ständige Vertreter für kulturelle Beziehungen in Österreich Porkajew.


6.11.1951:Internationale Güterzugfahrplankonferenz im Rathaus

Im Rathaus findet die Internationale Güterzugfahrplankonferenz, an der Vertreter aus 21 europäischen Staaten teilnehmen, statt. Zweck der Konferenz ist es, die internationalen Beziehungen im Güterverkehr für das kommende Jahr zu regeln und die Fahrpläne der einzelnen Länder miteinander zu koordinieren.

9.11.1951: 40 Tagesheimstätten in diesem Winter

Auch in diesem Winter werden die von der Gemeinde Wien nun seit mehreren Jahren während der Wintermonate eingeführten Tagesheimstätten für alte Leute wieder in Betrieb genommen. Im Vorjahr wurden rund 317.000 Besuche gezählt. Die 40 Tagesheimstätten sind auf alle Wiener Bezirke aufgeteilt.

10.11.1951: Schweizer Turner im Rathaus

Vizebürgermeister Honay empfing heute eine Gruppe von Arbeiterturnern aus der Schweiz, die zu einem Länderkampf nach Wien gekommen sind.

10.11.1951: Plan einer zentralen Unfallstation für Vergiftungen

Primarius Dozent Dr. Dal Bianco, der Leiter der II. Neurologischen Abteilung der Wiener städtischen Heil- und Pflegeanstalt Rosenhügel, hat dem Amtsführenden Stadtrat für das Gesundheitswesen, Vizebürgermeister Weinberger, einen Plan zur Errichtung einer eigenen Unfallstation für Vergiftungen unterbreitet, der nun vom Gesundheitsamt geprüft werden wird. Dr. Bianco befaßt sich schon seit Jahren mit dem Spezialgebiet der Vergiftungen undhat die Zweckmäßigkeit einer derartigen Einrichtung gerade in Wien ausführlich begründet.

Nach der Unfallstatistik des Wiener Städtischen Rettungs- und Krankenbeförderungsdienstes wurden allein für das Jahr 1950 in Wien 1.141 Leuchtgas- und 397 andersartige Vergiftungsfälle gezählt. Wenn solche Fälle einer modernen Sonderbehandlung zugeführt würden, ließen sich die Behandlungserfolge wesentlich verbessern. Da wieder mehr als die Hälfte aller Vergiftungsfälle Selbstmordversuche betreffen, wäre die Behandlung und Beratung durch einen Psychiater im allseitigen Interesse gelegen.

13.11.1951: Eine neue Liesingbrücke bei Kledering

Das anstelle der zerstörten Brücke über die Liesing bei Kledering errichtete, bereits schadhaft gewordene Langzeitprovisorium soll nun gleichzeitig mit der Liesingbachregulierung durch eine definitive Brücke ersetzt werden. Die neue Brücke wird aus Stahlbeton hergestellt und von 60 t Fahrzeugen befahren werden können. Die senkrechte Stützweite beträgt 13,5 Meter. Die Brücke wird 10 Meter breit sein. Davon entfallen sieben Meter auf die Fahrbahn und je 1,5 Meter auf zwei Gehwege. Die Gesamtkosten betragen voraussichtlich 450.000 Schilling.

15.11.1951: Die Gemeinde Wien sorgt für Vollbeschäftigung - Riesenauftrag an die Textilindustrie

Der zuständige Gemeinderatsausschuß hat in seiner letzten Sitzung das Beschaffungsamt zu großen Bestellungen an die österreichische Textilindustrie beauftragt. Eine Anzahl von Textilfabriken in Niederösterreich, Oberösterreich und Vorarlberg erhielten Bestellungen, die in die hunderttausende Meter Textilien gehen. So wurden allein rund 240.000 m verschiedener Rohmollino bestellt. Bestellt wurden u.a. auch 25.000 Stück Säuglingsflanelleinlagen, 60.000 Stück Doppelwindel, 3.000 Stück Wolldecken, 2.000 m Dirndlstoff, usw.

Der Gesamtwert beträgt rund sechs Millionen Schilling. Es ist dies die größte Bestellung, die in den letzten Jahren von der Stadtverwaltung getätigt wurde.

15.11.1951: Ehrenring für Prof. Dr. Tschermak-Seysenegg

Bürgermeister Jonas überreichte heute an den berühmten Wissenschaftler Prof. Hofrat Dr. Tschermak-Seysenegg den Ehrenring der Stadt Wien.

Tschermak-Sysenegg ist am 15. November 1871 in Wien als Sohn einer Gelehrtenfamilie geboren. Mit der Wiederentdeckung der Mendelschen Vererbungslehre erwarb er sich mit einem Schlag Weltruf.

15.11.1951: Hundertjahrfeier in der Psychiatrischen Klinik

Vor hundert Jahren wurde das auf dem Brünnlgrund errichtete Gebäude der heutigen Psychiatrisch-neurologischen Klinik der Universität Wien seiner Bestimmung übergeben. Die Anstalt verfügte über 560 Betten. Damals galt es als ein modernes, der großen medizinischen Tradition Wiens durchaus würdiges Haus. Bis dahin waren die Nervenkranken in unzulänglichen Gebäuden, im Lazarett und im Narrenturm untergebracht und behandelt.

16.11.1951: Wiederaufbau der Mollardschule vollendet

Festgäste beim Betrachten eines Modells der Schule

Bürgermeister Jonas und Stadtrat Thaller besichtigen die wiederaufgebaute Mollardschule.

Das Zentralberufsschulgebäude in der Mollardgasse, das während des Krieges von der Rüstungsindustrie beschlagnahmt war, erhielt später bei einem der vielen Bombenangriffe mehrere Volltreffer, die verheerende Schäden anrichteten. Der Wiederaufbau wurde noch im Jahre 1945, vorerst von den Bediensteten der Magistratsabteilung 56 in Angriff genommen. Später, mit der fortschreitenden Konsolidierung im Bauwesen, hat das Stadtbauamt den Instandsetzungsarbeiten besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Nun wurden auch die restlichen Objekte fertiggestellt. Im obersten Stockwerk des Wienzeiletraktes stehen den Berufsschülern wieder der Festsaal und eine geräumige Halle für Aufführungen zur Verfügung. Bürgermeister Jonas stattete heute der Schule einen Besuch ab, um sich über die Vollendung der Bauarbeiten zu informieren.


17.11.1951: Die besten Plakate im Oktober

Das Wertungskollegium der Plakatwertungsaktion des Amtes für Kultur und Volksbildung hat die Plakate "Schmoll Pasta" (Entwurf Wettach), "Rainerdiele auf der Wieden" (Entwurf Fabigan) und "Rezepte? Ja, Rezepte" (Straßenbahnplakat, Entwurf Willrab) als die besten Plakate des Monates Oktober bestimmt. Die Plakate werden wieder auf der Plakatwand in der Augustinerstraße gegenüber der Albrechtsrampe affichiert.

17.11.1951: Wo man die Kinder in den Himmel hebt - Eröffnung des neuen Dachkindergartens in Ottakring

Ehrengäste und Kinder posieren für Foto

Eröffnung des Dachkindergartens in Wien 16.

Der neue städtische Kindergarten in 16, Reinhartgasse 26-28 wurde heute von Bürgermeister Jonas eröffnet. Der Dachkindergarten stellt ein Experiment dar. Die Kindergartenräume sind im 3. und 4. Stock untergebracht und durch einen Aufzug erreichbar. Die Errichtungskosten beliefen sich auf 800.000 Schilling.


19.11.1951: "Gemeindeheuriger" in Grinzing

Von Stadtrat Dkfm. Nathschläger wurde die neue Buschenschenke Cobenzl des Landwirtschaftsbetriebes der Stadt Wien in Grinzing eröffnet. Nathschläger führte aus, dass der Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien, der über insgesamt 4.000 Hektar Boden verfügt, in Grinzing die größten Weingärten besitzt. Der dort wachsende Wein soll nun von den Landwirtschaftsbetrieben in eigener Regie in der Buschenschenke Cobenzl ausgeschenkt werden.

19.11.1951: Wien ehrt Thomas Edison

Bürgermeister Jonas nahm die von der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft gestiftete und am Gebäude des Parkhotels in Hietzing enthüllte Gedenktafel für Thomas Alva Edison in die Obhut der Stadt Wien. Die Tafel erinnert an den Besuch des großen amerikanischen Erfinders in Wien im September 1911. Damals wohnte Edison mit seiner Familie im Parkhotel

20.11.1951: Die Überschwemmungskatastrophe in Italien: Hilfeangebot der Gemeinde Wien - Städtische Feuerwehr und Rettungsdienst zum Einsatz bereit

Bürgermeister Jonas beantragte heute im Wiener Stadtsenat, dass sich die Wiener Stadtverwaltung, so weit es in ihrer Macht steht, an den Bergungs- und Rettungsarbeiten im oberitalienischen Katastrophengebiet beteiligt. Der Stadtsenat hat diesem Vorschlag zugestimmt. Jonas hat dem italienischen Gesandten in Wien das Angebot unterbreitet, dass die hier entbehrlichen Teile der Feuerwehr der Stadt Wien und des städtischen Rettungsdienstes eingesetzt werden, falls die italienische Regierung dies wünsche.

21.11.1951: Hausmusiknachmittag beim Bürgermeister

Gäste beim Musizieren in Wohnzimmer

Hausmusik beim Bürgermeister.

Bürgermeister Jonas hat heute mit seiner Gemahlin die Mitglieder des Stadtsenates, des Gemeinderatsausschusses für Kultur und Volksbildung und die Bezirksvorsteher sowie deren Stellvertreter zu einem Hausmusiknachmittag in seine Wohnung im Rathaus eingeladen.

Im Gedenken an den Todestag Franz Schuberts wurde der Nachmittag mit einem Trio in S-Dur für Violine, Violoncello und Klavier eingeleitet.

Jonas hielt eine Begrüßungsansprache an seine Gäste, in der er auf die Bemühungen, die Hausmusik wieder populär zu machen, verwies. Er begrüßte es, dass das Konservatorium der Stadt Wien daran geht, den Hausmusikgedanken zu pflegen und zu verbreiten.


22.11.1951: Bruckner-Ring für Vizebürgermeister Honay. Wiener Symphoniker gratulieren ihrem Präsidenten zum 60. Geburtstag

Vizebürgermeister Honay nimmt Ring entgegen

Überreichung des Bruckner-Ringes an Vizebürgermeister Honay.

Die Wiener Symphoniker bereiteten ihrem Präsidenten, Vizebürgermeister Honay, heute eine besondere Geburtstagsüberraschung. Der Vorstand des Orchesters, Fenz, überreichte im Rahmen einer Feier Vbgm. Honay den Bruckner-Ring, die höchste Auszeichnung, die die Symphoniker sonst ausschließlich an verdiente Orchestermitglieder vergeben. Den Ring haben außerdem nur der verstorbene Bundespräsident Dr. Renner, der jetzige Bundespräsident Dr. h.c. Körner und Minister Dr. Hurdes erhalten.


22.11.1951: Fischfang in Laxenburg

Heute wurde in Laxenburg das "Petri-Heil" zum heurigen Fischfang gegeben. Nach dem Auslassen des zum Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien gehörenden etwa sechs Hektar großen Teiches versammelten sich die Fischer beim Wehrrechen, wo sie die bis zu drei Kilogramm schweren Karpfen mittels Fangnetzen ans Ufer förderten. Die Laxenburger Karpfen werden bis in die Vorweihnachtswoche in Behältern weiterleben müssen, wo sie dann dem Fischmarkt zugeführt werden.

In normalen Zeiten vor dem Krieg ergab der Fischfang in Laxenburg jährlich 8.000 bis 10.000 Kilogramm ausgewachsene Karpfen.

23.11.1951: Der Bundespräsident besichtigt Stadtbahnstation Westbahnhof

Ehrengäste besichtigen den Bahnsteig

Besichtigung des Westbahnhofes

Bundespräsident Dr. h.c. Körner besuchte heute in Begleitung von Bundesminister Waldbrunner, Bürgermeister Jonas, Stadtrat Thaller u.v.a. den neuen Bahnhof, der morgen zum Teil in Betrieb genommen wird.


27.11.1951: Instandsetzung von zwei städtischen Wohnhäusern in Simmering

Der Wiener Stadtsenat hat heute die Instandsetzung der städtischen Wohnhäuser 11, Landwehrstraße 3 und 5 beschlossen. Die beiden Wohnhäuser wurden von der Besatzungsmacht freigegeben.

Bei der Besichtigung wurden äußerst umfangreiche Beschädigungen und Zerstörungen festgestellt. Die gesamten sanitären Einrichtungsstücke, Schalter, Fassungen, Schlösser und Beschläge der Eingangstüren fehlen. Zwischenmauern sind eingestürzt und schwere Beschädigungen am Verputz wurden verursacht. Durch Beschädigungen der Kanalstation sind die Keller bis zu einem Messer unter Wasser. Die Wiederherstellung der Wohnhausanlage überschreitet weit eine normale Instandsetzung, sie kommt fast einem Wiederaufbau gleich. Die Kosten werden mit ca. 1,800.000 Schilling angenommen.

30.11.1951: Sieben Wohnungen und eine Villa von den Russen freigegeben

Wie der sowjetische Stadtkommandant Garde-Generalmajor Borejko in einem Schreiben Bürgermeister Jonas mitteilte, wurden aufgrund eines Beschlusses des Hochkommissars der UdSSR in Österreich im 2. und 10. Bezirk insgesamt sieben Wohnungen und eine Villa freigegeben.

30.11.1951: Bundesminister Waldbrunner besichtigte die Aspernbrücke

Portrait Waldbrunner

Minister Waldbrunner

Ehrengäste versammeln sich am Donaukanalufer

Besichtigung der Aspernbrücke.


Der Bundesminister für Verkehr und Wiederaufbau, Dipl.-Ing. Waldbrunner besichtigte heute, begleitet von Bürgermeister Jonas und Mitgliedern der Stadtregierung, die wiederaufgebaute Aspernbrücke.

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