Wien 1949: Berichte vom September 1949

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.9.1949: Altbürgermeister Karl Seitz - 80 Jahre

Gruppe von Männern

Altbürgermeister Karl Seitz mit Julius Tandler, Otto Glöckl und Genossen.

Karl Seitz wurde am 4. September 1869 in Wien geboren. Er wuchs in einem Waisenhaus auf und erlernte das Schneiderhandwerk. Noch während seiner Lehrzeit wurde ihm der Besuch einer Lehrerbildungsanstalt ermöglicht. Seitz wurde Volksschullehrer. Karl Seitz war ein fortschrittlicher Lehrer. Er schloss sich der Bewegung der "Jungen" in der Wiener Lehrerschaft an, die gegen jeden Rückschritt kämpften. Zugleich wirkte er in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung des alten Österreich. Diese politische Tätigkeit musste Karl Seitz mit seiner Entfernung aus der Schule büßen. Er und einige andere sozialistische Junglehrer Wiens, wie Otto Glöckel, der spätere Schöpfer der österreichischen Schulreform, Paul Speiser, der verstorbene sozialistische Vizebürgermeister von Wien, Josef Enslein, der in der provisorischen Staatsregierung 1945 Staatssekretär für Unterrichtswesen war und einige andere wurden damals gemaßregelt und aus dem städtischen Dienst entlassen.

Seitz widmete sich nun völlig der Politik. 1901 wurde er als Abgeordneter in den Österreichischen Reichstag gewählt. Seitdem gehörte er, ausgenommen die Jahre des Faschismus, dem österreichischen Parlament an. Seitz war viele Jahre hindurch auch Mitglied des Niederösterreichischen Landtages. Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, bekleidete er die Stelle eines Staatsoberhauptes der Österreichischen Republik und zugleich des Präsidenten der Österreichischen Volksvertretung. Von 1923 bis zu seiner gewaltsamen Entfernung durch das Regime Dollfuss war Seitz Bürgermeister der Stadt Wien. Im Jahre 1934 verbrachte Seitz viele Monate in Haft. 1944 wurde Seitz von der Gestapo verhaftet und verbrachte ein Jahr in einem Konzentrationslager.

Seitz ist seit 1945 wieder Mitglied der österreichischen Volksvertretung.


2.9.1949: Eine Karl Seitz-Stiftung

Der Aufsichtsrat der Wiener Städtischen Wechselseitigen Versicherungsanstalt beschloss heute unter Vorsitz von Bürgermeister Körner die Errichtung einer Karl Seitz-Stiftung.

Zweck der Stiftung ist es, begabten Arbeitersöhnen und -töchtern durch Gewährung von Stipendien das Hochschulstudium zu ermöglichen. Die Auswahl erfolgt aufgrund schriftlicher Gesuche der Bewerber. In der Regel sollen jeweils mindestens fünf Stipendien auf die Dauer der gesamten ordnungsgemäßen Hochschulstudienzeit gewährt werden.

Zur Erfüllung des Stiftungszweckes widmet die Städtische Versicherungsanstalt einen Betrag von 100.000 Schilling.

3.9.1949: Siegelhof - Austerlitzhof - Severhof

Bürgermeister Körner nahm heute die Benennung der städtischen Wohnhausanlagen, 16, Redtenbachergasse 22-32 in "Siegelhof", 16, Lorenz-Mandl-Gasse 51-53 in "Austerlitzhof" und 16, Maroltingergasse 56-58 in "Severhof" vor.

6.9.1949: Stadtparksteg wird eröffnet

Brücke über Wienfluss

Der Stadtparksteg führt über den Wienfluss.

Der Stadtparksteg ist eine der ältesten Wienflussbrücken. Er hieß früher Karolinenbrücke. Die Konstruktion stammte aus dem Jahre 1857 und wurde im Zuge der Wienflussregulierung verstärkt und gehoben.

Die Brücke wurde im Jahre 1945 während der Kampfhandlungen zerstört. Da sie eine wichtige Verbindung des Reisnerstraßenviertels zur Inneren Stadt darstellt und die nächsten Wienflussübergänge, flussauf- und flussabwärts, je ungefähr 200 m entfernt sind, wurde die entstandene Lücke von der Bevölkerung als sehr zeitraubend empfunden.

Grundgerüst der Brücke

Bau des Stadtparkstegs.

Unter Verwendung der stehengebliebenen Widerlager wurde mit verhältnismäßig geringen Kosten ein provisorischer Übergang für Fußgänger von 3 m Gehwegbreite aus Holz errichtet. Die gesamte Bauzeit betrug 6 Wochen, die Kosten 95.000 Schilling.

Heute wurde von Bürgermeister Körner der Stadtparksteg in Anwesenheit zahlreicher Festgäste eröffnet.


9.9.1949: Der Wasserpark wird instandgesetzt

Der Wasserpark in Floridsdorf hat durch die Kriegsereignisse stark gelitten. Für die Wiederaufbauarbeiten wurde nun ein Betrag von 750.000 genehmigt. Über 12.000 Quadratmeter Wege und Plätze müssen hergerichtet, rund 88.000 Quadratmeter Grünfläche umgegraben und frisch gesät werden. 3.500 kg Grassamen sind dazu erforderlich. Außerdem wird ein Kindersandbad errichtet und 50 neue Bäume gepflanzt. 230 neue Bänke werden aufgestellt.

10.9.1949: In der Otto Glöckel-Schule: Enthüllung einer Otto Glöckel-Büste

Gedenkstein mit Bronzerelief Otto Glöckels

Die von Bildhauer Sepp Haberl gestaltete Otto Glöckel-Büste.

In der Schule 13, Veitingergasse 9, die nach Ende des Krieges den Namen Otto Glöckel erhielt, wurde heute eine Büste, ein Werk des Bildhauers Sepp Haberl, des "Schulmannes" Glöckel enthüllt. An der Feier nahm auch Bürgermeister Körner teil, der die Verdienste Glöckels würdigte.


12.9.1949: Leopoldine Glöckel-Hof - Reismann-Hof. Feierliche Benennung von zwei Gemeindebauten in Meidling

Bürgermeister Körner nahm heute die Benennung der städtischen Wohnhausanlagen Steinbauergasse und Am Fuchsenfeld in "Leopoldine Glöckel-Hof" und "Reismann-Hof" vor.

In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und der Bewohner würdigte Nationalrätin Gabriele Proft die Verdienste Leopoldine Glöckels.

13.9.1949: Arnold Schönberg - Bürger der Stadt Wien

Portrait Arnold Schönberg

Arnold Schönberg

Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde heute vom Wiener Stadtsenat Arnold Schönberg zum Bürger der Stadt Wien ernannt.

Schönberg zählt zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Er stammt aus Österreich, lebt jetzt in Amerika und ist amerikanischer Staatsbürger.


13.9.1949: 60. Geburtstag des Malers Josef Dobrowsky

Josef Dobrowsky beim Portraitmalen, im Vordergrund ein Fotograf

Mehrfach ausgezeichneter Künstler: Josef Dobrowsky

Am 22. September feiert der Maler Josef Dobrowsky, geboren in Karlsbad, seinen 60. Geburtstag. Nach der Mittelschule studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Prof. Griepenkerl, der durch seine Vorliebe für allegorische Darstellungsweise Dobrowsky beeinflusste. Die Schule seines zweiten Lehrers an der Akademie, Rudolf Bacher, der als Impressionist einen bedeutenden Namen hatte, ist bei Dobrowsky unverkennbar. Schon an der Akademie wurde er durch verschiedene Preise ausgezeichnet. So erhielt er Spezialschulpreise, den Hofpreis 1. Klasse und ein Romreise-Stipendium.

1919 wurde Dobrowsky Mitglied der Wiener Secession, der er bis heute angehört und an deren Ausstellungen er sich regelmäßig beteiligt.

Seine Anerkennung bezeugen u.a. vier österreichische Staatspreise, die Goldene Medaille der Stadt Wien und der große österreichische Staatspreis 1936. Dobrowsky ist auch Preisträger der Stadt Wien für Malerei 1949.


14.9.1949: Der 50.000 Drehstrommotor bei Siemens-Schuckert

Anlässlich der Fertigstellung des 50.000sten Drehstrommotors seit dem Wiederaufbau des Werkes wurde heute bei Siemens-Schuckert, in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der Wiener Stadtregierung, eine Betriebsfeier abgehalten.

16.9.1949: Probefahrt der neuen Triebwagen

Heute fand die Besichtigung und anschließende Probefahrt der ersten zwei instandgesetzten ehemaligen Triebwagen statt. In seiner Ansprache führte Vbgm. Honay aus, dass der Wagenpark der Verkehrsbetriebe durch den Krieg schwer gelitten hat. Nach Kriegsende waren 587 Wagen gänzlich zerstört und 1.539 schwer beschädigt. Nach einem Anbot der Third Avenue Transit Corporation, New York, wurden 45 Triebwagen überprüft und am 18. Dezember 1948 der Kaufabschluss getätigt.

Da die Triebwagen für amerikanische Verhältnisse gebaut worden sind, müssen sie für die Verwendung im Wiener Netz entsprechend adaptiert werden. Es sind guterhaltene vierachsige Großraumwagen. Sie können wegen ihrer größeren Breite von mehr als 2,5 m im Linienverkehr in Wien nur auf jenen Strecken eingesetzt werden, die früher von der ehemaligen Dampftramway befahren worden sind. Sie werden deshalb auf den Floridsdorfer Linien fahren. Sie haben 48 gepolsterte Sitze und 50 Stehplätze.

17.9.1949: Eröffnung der Marena-Brücke in Atzgersdorf und einer neuen Brücke bei Gumpoldskirchen

Im Rahmen einer kleinen Feier wurden heute die Marena-Brücke über die Liesing in Atzgersdorf und die neuerrichtete Brücke über den Wiener Neustädter-Kanal bei Gumpoldskirchen wieder eröffnet.

20.9.1949: Wieder Wannenbad und Schwitzbad im Thaliabad

Im Thaliabad (16, Friedrich Kaisler-Gasse 11) wird ab sofort wieder das russische Schwitzbad und die Wannenbadabteilung ihren Betrieb aufnehmen.

21.9.1949: Täglich werden 34 Wohnungen getauscht

Der Erfolg der Tauschvermittlung, mit der sich das Wohnungstauschreferat der Gemeinde Wien beschäftigt, ist überaus groß. So wurden im Juli 1949 992 Wohnungen getauscht. Das sind im Durchschnitt täglich 34 Wohnungen, die ihren Besitzer wechseln. Getauscht wurden vor allem Kleinwohnungen, nämlich 738.

22.9.1949: Eröffnung des Sonderkindergartens "Schweizer Spende" im Auer Welsbach-Park

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde heute der Sonderkindergarten "Schweizer Spende" im Auer Welsbach-Park durch Bürgermeister Körner eröffnet.

Mit einem Gesamtaufwand von 3,5 Millionen Schilling, die aus schweizerischen und Wiener öffentlichen Mitteln stammen, konnte dieser Kindergarten errichtet werden.

23.9.1950: Ein Veranstaltungskalender für 1950

Mitteilung des Wiener Verkehrs-Vereines:

"Zur Förderung des Wiener Fremdenverkehrs bereitet der Wiener Verkehrs-Verein einen Veranstaltungskalender für das Jahr 1950 vor, der in hoher Auflage im In- und Ausland versendet wird."

23.9.1949: "Rädda Barnen" schenkt den Wiener Kindern eine Schuhreparaturwerkstätte

Die Schuhreparaturwerkstätte in 9, Grünentorgasse wurde von der schwedischen Hilfsaktion eingerichtet, die auch dafür die Maschinen und Materialien beistellte. Nun hat die schwedische Aktion die Werkstätte einschließlich aller Maschinen und des Lederlagers der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt.

23.9.1949: Begrüßung des 49. Heimkehrertransportes in Wien

Heute begrüßten die Wiener vor dem Südbahnhof weitere Heimkehrer aus Russland, zum größten Teil aus den Lagern Charkov und Orel. Mit dem 49. Transport kamen 187 Kriegsgefangene, unter ihnen 46 Wiener.

26.9.1949: Forstnerhof - Käthe Königstetter-Hof. Feierliche Benennung von zwei Wohnhausanlagen in Fünfhaus

Die Namensgebung für zwei städtische Wohnhausanlagen in Fünfhaus fand heute durch Bürgermeister Körner statt. Der Gemeindebau in der Camillo Sitte-Gasse 12-18 heißt nun "Forstnerhof". Die Wohnhausanlage Tautenhayngasse 2-8 erhielt den Namen "Käthe Königstetter-Hof".

27.9.1949: Der Bürgermeister ehrt Professor Dr. Nüchtern

Portrait Hans Nüchtern

Prof. Dr. Hans Nüchtern wird für seine Verdienste um die Ravag ausgezeichnet.

Bürgermeister Körner empfing heute den Direktor der literarischen Abteilung der Ravag, Prof. Dr. Hans Nüchtern, um ihm zu seiner 25jährigen Tätigkeit beim Österreichischen Rundfunk zu gratulieren.

Körner betonte in seiner Ansprache, dass Prof. Nüchtern, soweit es die künstlerische und regietechnische Seite betrifft, der Pionier des österreichischen Radiowesens ist. Das literatische Programm und die Radiobühne sind sein Werk. Er war es, der seinerzeit, als viele andere Kulturschaffende für das Radio nur ein Lächeln übrig hatten, daran ging, das literarische Programm des Österreichischen Rundfunks zu gestalten.


29.9.1949: Wohnbauprogramm 1950: Dreitausend neue Gemeindewohnungen - Mit den Vorbereitungen für 43 Neubauten wird bereits begonnen

In seiner heutigen Sitzung stimmte der Bauausschuss der Stadt Wien einem von Stadtrat Novy referierten Antrag auf Beginn der Vorbereitungen für die Durchführung des Wohnbauprogrammes 1950 zu. Es handelt sich um 43 neue städtische Wohnhausanlagen mit zusammen rund 3.000 Wohnungen in fast allen Wiener Bezirken.

29.9.1949: Eröffnung des Hernalser Heimatmuseums

In Anwesenheit von Bürgermeister Körner sowie der StRe. Nathschläger und Matejka wurde heute das Hernalser Heimatmuseum eröffnet. Körner eröffnete auch die erste Sonderausstellung des Museums "101 Jahre Wahlkampf im Spiegel der historischen Ereignisse". Das Material dazu wurde aus den Beständen des Hernalser Heimatmuseums, der Städtischen Sammlungen, der Bibliothek der Stadt Wien und aus Privatsammlungen beigesteuert. Vom einschlägigen Zeitungsausschnitt über Wahllisten, Wahlaufrufe, Porträts bis zu großflächigen Plakaten und Ölgemälden wird das Thema "Wahlen" abgehandelt.

30.9.1949: Wieder Donaustrandpromenade

Die Promenade entlang des rechten Donauufers von Nussdorf nach Klosterneuburg ist infolge der Vernachlässigung während der Kriegszeit gegenwärtig in einem äußerst verwahrlosten Zustand. Die Mittel für die Wiederinstandsetzung, ca. 250.000 Schilling, wurden nun vom zuständigen Gemeinderatsausschuss genehmigt.

30.9.1949: Aus der Simmeringer Heimatforschung

Am Haus 11, Dorfgasse 50/52 wurde eine Gedenktafel für den Rosenhof, einen Herrensitz aus dem 17. Jahrhundert, angebracht. An anderen Stellen im Bezirk wurden vier weitere Gedenktafeln sowie das Pestmarterl in der Simmeringer Hauptstraße enthüllt und in die Obhut der Stadt Wien übernommen.

30.9.1949: Zwei Jahre Tierrettungsdienst

Die Feuerwehr der Stadt Wien hat vor zwei Jahren einen Tierrettungswagen in den Dienst gestellt und den Hilfsdienst zur Bergung und Beförderung erkrankter Großtiere, insbesondere Pferde, wiedereingerichtet. Der mit Spezialgeräten ausgerüstete Rettungswagen trat bis zum heutigen Tag insgesamt 350 mal in Aktion und legte bei seinen Ausfahrten eine Strecke von beinahe 12.000 km zurück.

Der in der Feuerwehrzentrale Am Hof untergebrachte Rettungsdienst hat einen beträchtlichen Aktionsradius, der sich über die Randgemeinden Wiens hinaus auf ganz Niederösterreich und Burgenland erstreckt. Nicht selten wurde der Rettungsdienst zu Hilfsleistungen in entlegene Ortschaften gerufen, so zum Beispiel sehr häufig in das österreichisch-ungarische Grenzgebiet. Die Feuerwehrmänner von Wien haben auch in den schwersten Fällen wertvolle Dienste für die Tiere und damit auch für die Landbevölkerung geleistet.

Am häufigsten handelte es sich um Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen auf der Straße oder Transporte von erkrankten Tieren ins Tierspital nach Wien. Die Feuerwehr half aber auch dann, wenn es galt, Tiere rasch, fachgemäß und ohne Gefahr auf einen bestimmten Ort zu transportieren, wie etwa zu tierärztlichen Untersuchungen, zu Ausstellungen, Rennbahnen usw.

Verantwortlich für diese Seite:
Rathauskorrespondenz (Magistratsabteilung 53)
Kontaktformular