Wien 1949: Berichte vom Juni 1949

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.6.1949: Ausstellung der Westbahnhof-Projekte

Heute wurde im Kunstgewerbemuseum eine Ausstellung von preisgekrönten Projekten zum Aufbau des Westbahnhofes eröffnet.

Menschenmasse vor zerstörtem Westbahnhof

Zerstörter Westbahnhof

Zur Erlangung von Entwürfen für diesen Neubau hat die Generaldirektion der ÖBB zusammen mit dem Wiener Stadtbauamt und der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung einen allgemeinen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. Dieser Tage hatte sich das Preisgericht mit der Beurteilung von insgesamt 55 Entwürfen beschäftigt. Die Beurteilung der Entwürfe erfolgte vom Standpunkt des Gesamteindruckes, des funktionellen Charakters, der städtebaulichen Lösung, der architektonischen Gestaltung und der Konstruktionen. Die Teilnehmer an diesem Wettbewerb hatten sich unter anderem auch mit der Verbindung zur Stadtbahn und zum Westbahnhofbunker zu beschäftigen.

Dreizehn von diesen Projekten gelangten zur engsten Beurteilung. Das Preisgericht konnte sich jedoch nach wiederholten und eingehenden Überprüfungen zur Verleihung des ersten Preises nicht entschließen. Der zweite Preis von 12.000 Schilling wurde der Arbeitsgemeinschaft Architekt Dipl.-Ing. Robert Hartinger, Architekt Dipl.-Ing. Sepp Wöhnhart, Dipl.-Ing. Franz Xaver Schlarbaum zugesprochen. Den dritten Preis erhielt Alfred Rinesch. Das Preisgericht hat weiters 11 Entwürfe zu je 4.000 Schilling angekauft. Sechs von diesen Projekten erhielten noch eine zusätzliche Prämie von je 2.000 Schilling.


2.6.1949: Gemeinderat Mistinger - Leiter des Koordinations-Komitees Österreichs

Portrait Herr Mistinger

Gemeinderat Mistinger

Gemeinderat Mistinger wurde von der UNESCO zum Leiter des Koordinationskomitees Österreich für internationale freiwillige Arbeitslager und Jugendaustausch bestellt.


2.6.1949: Liebenbergdenkmal wird instandgesetzt

Das Liebenbergdenkmal, das im Krieg durch den Luftdruck einer Bombe schwer beschädigt wurde, wird nun wieder instandgesetzt. Der Gemeinderatsausschuss für Bauangelegenheiten hat heute dafür einen Betrag von 97.000 Schilling bewilligt.

2.6.1949: Freut euch des Lebens - Eröffnung der Johann Strauss-Festwoche im Wiener Stadtpark

Vor dem Strauss-Denkmal im Stadtpark wurde heute die Johann Strauss-Festwoche in Anwesenheit von Bundeskanzler Dr. Figl, Bürgermeister Körner und zahlreicher Festgäste eröffnet.

Eröffnungsrede vor Johann-Strauss-Denkmal

Das Johann-Strauss-Denkmal im Stadtpark wurde festlich eröffnet.

In seiner Rede betonte Bundeskanzler Figl, dass es ein seltenes Zusammentreffen sei, dass gerade in diese für unser Land so schicksalschwere Tage das Gedächtnis eines Mannes fällt, der die Welt so überreich mit seinen Werken beschenkt hat.

Bürgermeister Körner führte u.a. aus, dass Johann Strauss mit seiner Person eine ganze Epoche kennzeichnete. Mit seinen unsterblichen Melodien begleitet er einen Abschnitt wechselvoller österreichischer Geschichte. Heute, im Gedenken an seinen 50. Todestag, dankt das Volk von Wien dem großen Meister für sein Lebenswerk.


3.6.1949: Ein botanischer Reservegarten in Wien

Der Verein für den Wiederaufbau der österreichischen Flora, der sich die Wiederanpflanzung ausgerotteter oder selten gewordener Pflanzen in der Umgebung Wiens und in den österreichischen Alpen zum Ziele setzt, benötigt für diesen Zweck jährlich große Mengen Samen und Jungpflanzen der in Frage kommenden Pflanzenarten. Diese Sämereien stammen aus Mutterpflanzenbeständen, die sich derzeit in verschiedenen Samenzuchtanlagen befinden.

Diese Bestände werden nun im Pötzleinsdorfer Schlosspark in großen Gruppen angepflanzt und in den nächsten Jahren nach Art und Zahl so erweitert, dass für den Bedarf an Samen und Jungpflanzen der gefährdeten Arten für spätere Zeiten gesorgt ist. Schon heuer werden dort große Bestände der schönen Türkenbund-Lilie, des früher am Kahlenberg so häufigen Diptam, der verschiedenen Schwertlilien, Akelei, Fingerhut, Blaustern, um nur ein paar Arten zu nennen, gepflanzt.

Von diesen und anderen Pflanzenarten wurden übrigens schon wieder nennenswerte Bestände, die jährlich vergrößert werden, in der Umgebung Wiens ausgesetzt.

Die Bestrebungen des Vereines, der von Professoren des Botanischen Institutes der Hochschule für Bodenkultur (Prof. Dr. Kisser) wissenschaftlich beraten und vom Forstmeister der Städtischen Forste, Dr. Hagen, in jeder Weise gefördert wird, müssen aber auch, sollen sie Erfolg haben, durch Mitarbeit der Bevölkerung unterstützt werden.

4.6.1949: Abschluss ausländischer Hilfsaktionen

Anlässlich des Abschlusses der Hilfsaktionen Rädda Barnen, des Schweizerischen Roten Kreuzes und der COBSRA, fand heute ein Empfang in Anwesenheit von Bürgermeister Körner und zahlreicher Ehrengäste auf dem Kahlenberg statt.

Die Aktion Rädda Barnen übte ihre Tätigkeit vom 4. Februar 1946 bis 9. April 1949 aus. Rund 28.000 Kinder wurden zwei Monate lang ausgespeist und rund 40.000 Kinder erhielten jeweils durch vier Monate Trockenmilch. Von einer Ausspeisung für Tbc-Gefährdete und unterernährte Studenten wurden etwa 4.500 Studenten erfasst. Rädda Barnen leitete außerdem vier Patronats-Kinderheime, davon eines in Wien und eines für Wiener Kinder in Spital am Semmering. Durch die Schuhreparaturaktion gingen über 48.000 Paar Schuhe. 1.100 Kinder in Wien und Niederösterreich erhielten 19.000 Patenschafts-Pakete, Rädda Barnen spendete auch 6.900 kg Medikamente und 27.600 kg Lebertran.

Das Schweizerische Rote Kreuz (Kinderhilfe) begann mit seiner Tätigkeit im November 1945. 12.747 Kinder waren in der Schweiz auf Erholung. Außerdem wurden an Kinder von vier bis 14 Jahren 11.768 Patenschafts-Pakete ausgegeben.

Die COBSRA-Aktion begann im Juli 1947. Durch sie wurden an Kinder von ein bis drei Jahren 20.000 Patenschaftspakete ausgegeben. Daneben beschäftigte sich die COBSRA mit der Flüchtlingsfürsorge

9.6.1949: Weitere Römerfunde auf dem Hohen Markt

Beim Bau des neuen Gebäudes, das auf dem Grund des von Bomben getroffenen und abgetragenen Hauses Hoher Markt 4 errichtet wird, wurden weitere Teile des römischen Legionslagers Vindobona gefunden. Es zeigt sich immer wieder, dass sowohl im Mittelalter wie auch in der Neuzeit bei Bauten die Lagerruinen nicht restlos zerstört, sondern oft sogar weiter verwendet wurden. Auch bei dem alten Haus Hoher Markt 4 sind bei der Anlage des Kellers verschiedene Architekturstücke aus der römischen Zeit mit eingebaut worden.

Besonders ergebnisreich erweist sich die Ausgrabung der alten Camesinagasse, die durch den Neubau überdeckt werden wird. Hier konnte ein weiterer Teil jenes zweiten Tribunenhauses freigelegt werden, dessen Außenmauer bereits bei der Grabung unter dem Haus Hoher Markt 3 zum Vorschein kam. Es handelt sich um drei Räume, deren gegossener Fußboden ebenfalls aus Kalk- und Ziegelsplittern besteht. Unter den Funden ist ein Kanalabflussstein besonders interessant.

Mit der Aufgrabung, die derzeit nur einen Teil der Gasse umfasst, ist die Firma Rella-Neffe betraut. Die archäologische Auswertung der Funde wird von der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Historischen Museums der Stadt Wien durchgeführt.

10.6.1949: Richard Strauß und Wien

Am 11. Juni vollendet Richard Strauß sein 85. Lebensjahr. Richard Strauß wurde am 11. Juni 1864 in München geboren. Sein Vater Franz Josef Strauß war als Waldhornist ein hervorragendes Mitglied des Münchner Hofopernorchesters und wirkte auch bei vielen Kammermusikabenden mit. Er bevorzugte die Werke von Haydn, Mozart und Beethoven, der Romantiker und von Johannes Brahms. Die Frühwerke seines Sohnes Richard Strauß, dessen Musikbegabung sich unter der Obhut tüchtiger Lehrer rasch entwickelte, sind vom Stil dieser Meister beeinflusst.

1882 kommt Richard Strauß, 18jährig, zum erstenmal nach Wien, um mit seinem Vetter, dem Violinisten Benno Walter sein Violinkonzert op. 8 zur Aufführung zu bringen. Dann führte ihn die Dirigentenlaufbahn 1885 als Hofmusikdirektor nach Meiningen, wo er nach dem Ausscheiden Hans von Bülows allein die Hofkapelle leitete und durch Alexander Ritter für die neue Musik eines Richard Wagner und Franz Liszt begeistert wurde. 1886 wirkte er als Kapellmeister am Münchner Hoftheater, ging 1889 als Großherzoglich Sächsischer Kapellmeister nach Weimar, kehrte 1894 als Hofkapellmeister nach München zurück und kam 1898 als Hofkapellmeister an die Berliner Oper. Vom Mai 1919 bis zum November 1924 führte er gemeinsam mit Franz Schalk die Direktion der Wiener Staatsoper.

Das soeben von Roland Tenschert erschienene Buch "Richard Strauß und Wien" gibt über die engen Beziehungen von Richard Strauß zum Kulturkreis der Stadt Wien Aufschluss.

13.6.1949: Abschied von Maria Cebotari

Im Foyer der Wiener Staatsoper fand heute die Trauerfeier für die verstorbene Kammersängerin Maria Cebotari statt.

Trauerzug mit schwarzem Leichenwagen

Trauerzug für Kammersängerin Maria Cebotari.

Im Namen des Stadtsenates und der Wiener Bevölkerung nahm Bürgermeister Körner Abschied von der beliebten Künstlerin. Er würdigte in seiner Ansprache die erfolgreiche künstlerische Tätigkeit Maria Cebotaris, die seit ihrem ersten Auftreten bei den Salzburger Festspielen im Jahre 1931 und in den letzten zwei Jahren als Mitglied der Wiener Staatsoper die Herzen aller Wiener restlos gewonnen hat. "Ihre Erfolge in Wien waren es", sagte der Bürgermeister, "die dieser gottbegnadeten Künstlerin auch den Weg zum internationalen Ruhm freimachten. Nun ist dieser strahlende Stern am Himmel der Kunst erloschen und die Wiener stehen trauernd an ihrer Bahre."


17.6.1949: Verlegung eines Teiles des Seeweges auf der Rax - Einwandfreies Trinkwasser für Wien wird gesichert

Wie das Gesundheitsamt und die Wasserwerke mitteilen, sind schon lange vor 1938 Bedenken wegen der Verschlechterung des Wassers der 1. Hochquellenleitung in bakteriologischer Hinsicht geäußert worden. Seit der Verkehr auf die Rax und den Schneeberg angestiegen ist, war dies in zunehmenden Maß der Fall. Die Bemühungen zur Sicherung eines einwandfreien Trinkwassers für die Wiener Bevölkerung verlangen es nun, dass ein Teil des Seeweges verlegt wird. Es handelt sich lediglich um jenes Stück des Seeweges, das entlang der geologischen Störungslinie verläuft, die das Höllental bis hinunter zur großen Höllentorquelle begleitet und erfahrungsgemäß den schnellen und unfiltrierten Durchtritt von Oberflächenwasser zu den Quellen vermittelt, wodurch es an den nachgewiesenen Verschmutzungen der Quellen, in diesem Fall der Höllentalquelle, Anteil hat.

18.6.1949: Der ungarische Schriftsteller Bela Illes beim Bürgermeister

Portrait Bela Illes

Bela Illes zu Gast in Wien.

Bürgermeister Körner und StR. Matejka empfingen heute den bekannten ungarischen Schriftsteller Bela Illes, der in Begleitung von Frau Blanka Pechy, dem ungarischen Kulturattache, erschienen war. Bürgermeister Körner unterhielt sich mit den Besuchern über die kulturellen Beziehungen zwischen Wien und Budapest. Anschließend besuchten die Gäste die Johann-Strauss-Ausstellung.


20.6.1949: Abschiedsbesuch des sowjetischen Stadtkommandanten

Der sowjetische Stadtkommandant von Wien, Gardegeneralmajor Abakumow, der aus Gesundheitsgründen Österreich verlässt, stattete heute Bürgermeister Körner einen Abschiedsbesuch ab.

21.6.1949: Die Damenringkämpfe im Zirkus Rebernigg

Der Zirkus Rebernigg hat aus wirtschaftlichen Gründen um eine Konzession für die Durchführung von Damenringkämpfen angesucht und, um allen fachlich interessierten Kreisen die Möglichkeit zu bieten, sich durch Augenschein ein Bild von diesen Darbietungen zu machen, am 11. Juni eine Probevorführung im Zirkus abgehalten. Hierbei waren Vertreter des Gemeinderatsausschusses Kultur und Volksbildung, des Sportbeirates der Stadt Wien, des Österreichischen Gewerkschaftsbundes - Sektion Artistik usw. anwesend.

Nach der Probevorführung wurde gegen die Konzessionserteilung kein Einwand erhoben. Gestützt auf diese Stellungnahme hat der Wiener Magistrat die Konzession zur Durchführung von Damenringkämpfen im Freien Stil probeweise für 14 Tag erteilt. Übereinstimmend wurde festgestellt, dass es sich bei dieser Veranstaltung nicht um sportliche, sondern ausschließlich um artistische Schaunummern handelt.

22.6.1949: Großzügige Grünflächenpolitik der Stadt Wien - Programmatische Rede des Bürgermeisters bei der Eröffnung des Pötzleinsdorfer Parkes

Menschenansammlung im Park

Eröffnung des Pötzleinsdorfer Schlossparks.

Mit einer kleinen Feier wurde heute in Anwesenheit von Bürgermeister Körner sowie zahlreicher Festgäste der Pötzleinsdorfer Schlosspark (ca. 330.000 m2) eröffnet.

Bürgermeister Körner in seiner Eröffnungsrede:..."Mit der Übergabe dieses Parkes an die Öffentlichkeit soll eine großzügige Grünflächenpolitik der Gemeindeverwaltung auf weite Sicht eingeleitet werden, die Wien im Laufe mehrerer Generationen zu einer wirklichen, echten "Gartenstadt" machen soll, in der nicht die Parks und Gärten in den Wohnvierteln eingestreut liegen, sondern umgekehrt - die Wohnungen in den Parks und Gärten liegen sollen!"


24.6.1949: Die erste Gleichenfeier im 3. Bezirk

Im 3. Bezirk, in der Hainburger Straße, konnte heute die Dachgleiche am neuerrichteten städtischen Wohnhaus gefeiert werden. Es ist dies das erste Bauvorhaben im dritten Bezirk, das bereits so weit gediehen ist. Das fertige Haus wird aus 44 Wohnungen bestehen. Auch eine Tbc-Fürsorgestelle wird dort untergebracht werden. Bis zum Herbst sollen die Arbeiten beendet sein.

25.6.1949: Vier der amerikanischen Triebwagen nach Wien unterwegs

Vier von den für Wien bestimmten amerikanischen Treibwagen passierten vor einigen Tagen die holländisch-deutsche Grenze. Die Wiener Verkehrsbetriebe haben zwei Ingenieure nach Salzburg entsandt, die die Wagen übernehmen und den weiteren Transport überwachen werden.

Nach Einlangen in Wien müssen die Wagen in der Hauptwerkstätte überholt und mit den notwendigen Ersatzteilen versehen werden. Die Wagen sollen auf der Strecke Eßlinggasse - Stammersdorf zum Einsatz kommen.

27.6.1949: Gedenkstein für Siegfried Marcus enthüllt

Gedenkstein mit Büste

Gedenkstein für Siegfried Marcus

Im Zentralfriedhof auf dem Ehrengrab von Siegfried Marcus, dem Erfinder des Automobils, wurde von Bürgermeister Körner ein Gedenkstein enthüllt und in die Obhut der Stadt Wien übernommen. Der Stein wurde im Auftrag des Österreichischen Patentinhaber- und Erfinderverbandes von Mario Petrucci errichtet.


28.6.1949: Dr. Kallir vom Bürgermeister empfangen

Bürgermeister Dr. Körner empfing in Anwesenheit von StR. Matejka, Dr. Otto Kallir, der aus New York kommend, nach zehnjähriger Abwesenheit seine Vaterstadt zum ersten Mal wieder besuchte.

Dr. Kallir, der Inhaber der Neuen Galerie in Wien, hat in New York die Gallery St. Etienne gegründet, die zahlreiche Ausstellungen veranstaltet. Mit den Bildern der amerikanischen Bauernmalerin Grandma Moses hat sie ihren größten Erfolg erzielt.

Kallir plant für Wien zunächst eine Ausstellung der besten Originale von Walt Disney, dessen Originalarbeiten er in den USA in über zweihundert Ausstellungen gezeigt hat.

29.6.1949: Brotgetreidekontingent für Wien: 2.800 Tonnen

Unter dem Vorsitz von StR. Jonas beschäftigte sich heute der Landesaufbringungsausschuss Wien mit der Umlegung des Landeskontingentes für Brotgetreide auf die einzelnen Wiener Bezirke. Die ablieferungspflichtige Menge wurde für Wien mit 2.800 Tonnen festgesetzt. Weizen und Roggen werden zu gleichen Teilen angebaut.

Anschließend berichtete Jonas über die Ablieferung an Körner- und Hackfrüchten im Wirtschaftsjahr 1948/49 und über die Fleisch- und Milchablieferung für 1949. Das heurige Fleischkontingent für Wien wurde bis Ende Mai bereits mit 75,3 Prozent, für Schweine mit 51,1 Prozent erfüllt. Besonders hervorgehoben wurde das Ergebnis der Milchablieferung. Vom Jahreskontingent von 3.000 Tonnen wurden bis 31. Mai bereits 1.800 Tonnen abgeliefert, was einer 60prozentigen Erfüllung gleichkommt.

30.6.1949: Autobusgesellschaftsfahrten von Wien nach Niederösterreich

Heute wurde in der Fahnengasse, gegenüber dem Hochhaus, das Niederösterreichische Landesreisebüro eröffnet. Das Lokal ist mit einem ca. 30 m langen Duraluminiumportal in Vollkonstruktion ausgestattet, eines der wenigen Portale dieser Art in Wien. Neben einem großen repräsentativen Kundenraum verfügt das Reisebüro über einen Warteraum, eine Gepäcksaufbewahrung und die notwendigen Büro- und Manipulationsräume. Die Einrichtung entspricht den modernen Erfordernissen.

Wie Landeshauptmann-Stellvertreter Ing. Kargl mitteilte, ist beabsichtigt, Autobusfahrten auch von der Inneren Stadt aus abzufertigen. Mit dieser Bequemlichkeit sollen die Schönheiten Niederösterreichs den Wienern nahegebracht werden.

30.6.1949: Eröffnung der Anton Hanak-Ausstellung

Portrait Anton Hanak

Die Ausstellung ist dem Bildhauer Anton Hanak gewidmet.

Bürgermeister Körner eröffnete heute in Anwesenheit von Str. Afritsch und zahlreicher Ehrengäste die Anton Hanak-Ausstellung, die zugleich die erste große Ausstellung in der zum Teil neuaufgebauten Secession ist. Der Eröffnung wohnten auch die Witwe und der Sohn des verstorbenen Meisters Hanak bei.

In seiner Ansprache würdigte Körner die Bedeutung des großen Bildhauers, eines Brünner Landsmannes, der in seinen Jugendjahren nach Wien kam und es vom Tischlerlehrling bis zum bedeutendsten expressionistischen Meister brachte. "Hanaks Werke spiegeln die geistigen Strömungen seiner Zeit", sagte der Bürgermeister. "Nicht minder deutlich sehen wir in den Werken dieses Arbeiterkindes die Verbundenheit mit der Arbeiterbewegung, der Hanak seine größten Aufträge verdankte. Er hat für das neue Wien nach 1918 das den Opfern des Ersten Weltkrieges geweihte Denkmal geschaffen, mit der großartigen Figur der Magna Mater, der großen Mutter, ein Werk von ergreifender Menschlichkeit. Für eine Reihe von Gemeindebauten hat er Figuren geschaffen und das Republikdenkmal im Aufbau ist sein Werk; auch die Büste Viktor Adlers für dieses Denkmal stammt von ihm. Unaufhörlich plante er monumentale Schöpfungen, die leider infolge der Not der Zeit, nicht wie er es wollte, Wien schmücken. Manche Entwürfe dieser Art zeigt uns nun diese Ausstellung."

Abschließend dankte der Bürgermeister besonders den 120 Schülern der Gewerbeschule Schellinggasse, die sich freiwillig für die Wiederaufbauarbeiten am Secessionsgebäude zur Verfügung stellten - für Arbeiten, die mangels der erforderlichen Mittel undurchführbar gewesen wären.


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