Wien 1949: Berichte vom Februar 1949

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.2.1949: Vier Gemeindebauten und drei Gassen nach Februarkämpfern benannt

Anlässlich der 15. Wiederkehr des Jahrestages der Februarkämpfe 1934 wurde heute vom zuständigen Gemeinderatsausschuss u.a. die Benennung folgender städtischen Wohnhausanlagen und Verkehrsflächen nach Februarkämpfern beschlossen.

19. Bezirk:

Die Städtische Wohnhausanlage Philippovichgasse-Werkmanngasse-Fickertgasse-Peezgasse erhält den Namen "Klosehof". Der Text der Erläuterungstaffel lautet: "Viktor Klose, Februarkämpfer, 1904 - 1934".

Die Städtische Wohnhausanlage Flotowgasse 12 wird "Rebechof" heißen. Der Text der Erläuterungstafel lautet: "Ernst Rebec, Februarkämpfer, 1888 - 1934".

20. Bezirk:

Die Städtische Wohnhausanlage Stromstraße-Leystraße-Vorgartenstraße wird in "Gerlhof" umbenannt. Der Text der Erläuterungstafel lautet:"Josef Julius Gerl, Februarkämpfer, 1912 - 1934".

In Schwechat im 23. Bezirk wird die Zuggasse in Spirickgasse umbenannt. Die Erläuterung lautet: "Rudolf Spirick, Mitglied des Republikanischen Schutzbundes, Februarkämpfer, 1899 - 1934".

In Liesing, 25. Bezirk, wird die Liesinger Gasse in Fröhlichgasse umbenannt. Die Erläuterung dazu: "Johann Fröhlich, Februarkämpfer, 1911 - 1934". Die Rodauner Gasse, ebenfalls in Liesing, wird in Lehmanngasse umbenannt. Die Erläuterung dazu: "Richard Lehmann, Februarkämpfer, 1911-1934".

1.2.1949: Statt Königsgeburtstagsfeier - Geschenk für Bedürftige

Mohamed Aly Sadek Bey, der ägyptische Geschäftsträger in Österreich, übersandte an Bürgermeister Körner einen Scheck über 3.000 Schilling mit der Bestimmung, das Geld für die Bedürftigsten zu verwenden. Der Betrag war ursprünglich für eine Feier anlässlich des Geburtstages des ägyptischen Königs am 11. Februar bestimmt. König Farouk I. hat jedoch wegen des Krieges in Palästina alle Veranstaltungen absagen lassen.

3.2.1949: Zahn- und Kieferstation im Rudolfsspital

Trotz schwieriger finanzieller Verhältnisse und des Mangels an gewissen Materialien gelang es, im Wiener Rudolfsspital eine dringend benötigte Zahn- und Kieferstation einzurichten. Zwei Operationsräume und weitere Ordinations- und Nebenräume stehen nun zur Verfügung.

5.2.1949: Innerösterreichischer Wohnungstausch

Wer gezwungen war, den Wohnort zu wechseln, der hatte bisher keine Möglichkeit, in einer anderen Gemeinde einen Tauschpartner zu finden. Das Wohnungstauschreferat der Stadt Wien, das in der kurzen Zeit seines Bestandes schon 18.000 Parteien den Tausch ihrer Wohnung ermöglichte, hat sich nun hier gemeinsam mit dem Österreichischen Städtebund eingeschaltet. Wer von Wien in einen anderen Ort Österreichs übersiedeln will, kann sein Angebot im "Amtlichen Wohnungstauschanzeiger" einschalten. Durch Vermittlung der Wohnungsämter der anderen Städte und Gemeinden Österreichs können alle Wohnungsinhaber, die nach Wien oder in einen anderen Ort Österreichs übersiedeln wollen und diese Übersiedlung im Tauschwege anstreben, gleichfalls ihr Angebot und ihre Wünsche dem "Amtlichen Wohnungstauschanzeiger" in Wien übermitteln.

5.2.1949: Eine neue Schule in Favoriten

Heute wurde die Volks- und Hauptschule in 10, Knöllgasse 59, wieder eröffnet.

Die Schule, von der ein Teil auch schwer bombenbeschädigt ist, war nach Beendigung des Krieges völlig verwüstet und ausgeplündert. Die Kinder der Umgebung mussten bis zu zwei Kilometer weit in die nächste Schule gehen. Sämtliche Fenster, die gesamte Inneneinrichtung, die Installationen und die Schulmöbel mussten neu beschafft werden. Die Kosten für diese Arbeiten beliefen sich auf über eine halbe Million Schilling.

In dem Gebäude konnten jetzt 15 Klassen untergebracht werden.

5.2.1949: Wiederaufbau an der Siedlung Rosenhügel

Die große Siedlung auf dem Rosenhügel hat besonders stark unter dem Bombenkrieg gelitten. Von den 1.131 Einfamilienhäusern waren nach dem Krieg 120 unbewohnbar und 76 vollkommen zerstört. Die Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft Altmannsdorf-Hetzendorf, die vor 20 Jahren diese Siedlung aufgebaut hat, begann bereits nach Kriegsende mit den ersten Instandsetzungsarbeiten und konnte mit Unterstützung der Stadt Wien bis zum heutigen Tage auch die letzten Kriegsschäden beheben.

In Anwesenheit zahlreicher Festgäste fand heute die Feier des Wiederaufbaues statt.

7.2.1949: Benennung von zwei städtischen Wohnhausanlagen

Dem Häuserblock in der Linzer Straße 123 wurde gestern der Name des Schutzbündlers Ferdinand Blat gegeben, während die Wohnhausanlage in der Gräffergasse jetzt den Namen Holy-Hof führt.

In Anwesenheit von Bürgermeister Körner wurden die Gedenktafeln für die beiden Februarkämpfer enthüllt.

7.2.1949: Der Kürassier-Hengl ein Fünfundachtziger

Am 8. Februar 1864 wurde dem alten Kürassier-Hengl ein Sohn geboren, der weit über die Wienerstadt hinaus bekannte junge Kürassier-Hengl. Wenn er auch selbst nie wie sein Vater bei den Kürassieren diente, führte er doch lebenslang diesen Spitznamen, der in Kreisen aller Weinliebhaber zu einem Begriffe wurde.

Da der Familienname Hengl im Gebiet von Grinzing und Klosterneuburg sehr verbreitet ist, legte der Volkswitz zur leichteren Unterscheidung den Trägern des gleichen Namens Spitz- und Spottnamen zu. Wer kennt nicht den Krauterer-Hengl, den Himmelschauer-Hengl, den Quaderquaxl-, Pascha-, Christbaum-Hengl, den g'statzten Hengl und viele andere. Sie alle stammen von Johann Georg Hengl ab, der schon vor dem Jahre 1683 zu den erbansässigen Weinbauern zählte und die Türkenbelagerung glücklich überlebte. Dessen Sohn, Matthias Hengl, kaufte 1729 das Haus Grinzing Nr. 2, heute Sandgasse 8, welches durch 207 Jahre Stammhaus der Hengl blieb. Auch der alte Kürassier-Hengl wurde 1837 in diesem typischen Weinhauerhaus geboren, übersiedelte aber später ins eigene Haus nach Heiligenstadt, Grinzinger Straße 66.

Hengl ist wohl der größte Besitzer privater Mutterweingärten für amerikanische Reben und gilt seit einem halben Jahrhundert als bedeutender Weinbaufachmann. Ihm zu Ehren wurde die Leopold Hengl-Plakette geprägt; er war Träger des goldenen Ehrenzeichens, der Babomedaille für Verdienste um den Weinbau und wurde mit dem Titel Ökonomierat ausgezeichnet. In den Jahren 1905 bis 1918 fungierte er als Bezirksrat und Bezirksvorsteherstellvertreter, von 1908 bis 1918 gehörte er dem Niederösterreichischen-Landtag an, von 1921 bis 1931 war er Obmann des Heiligenstädter Kasinos.

8.2.1949: Eine Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien

Die Stadt Wien hat als Ehrung von Personen, die sich ganz besondere Verdienste um die Stadt Wien auf kulturellem, wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Gebiet erworben haben, verschiedene Auszeichnungen vorgesehen, so die Ernennung zum Ehrenbürger und Bürger der Stadt Wien, sowie die Verleihung des Ehrenringes. Diese Auszeichnungen sind aber von so hoher Bedeutung, dass sie nur ganz selten in Betracht kommen.

Um nun auch Leistungen durch eine besondere Anerkennung würdigen zu können, die für die bisherigen Ehrungen nicht ausreichen, hat heute der Wiener Stadtsenat die Stiftung einer "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien" beschlossen. Mit dieser Ehrengabe sollen jene Personen bedacht werden, die durch eine bedeutsame Tätigkeit dem Leben unserer Stadt und ihren Einrichtungen ein besonderes Gepräge geben. Über die Verleihung der neuen Medaille, die nicht zum Tragen bestimmt ist, soll der Geehrte eine vom Bürgermeister und den Vizebürgermeistern unterfertigte Urkunde erhalten. Die Verleihung der Ehrenmedaille schließt eine andere Ehrung durch die Stadt Wien nicht aus. Die Reihung der Ehrungen ist jetzt: Ehrenbürgerrecht, Bürgerrecht, Ehrenring, Ehrenmedaille.

Mit der Anfertigung von Entwürfen wurden die beiden Wiener Medailleure Prof. Oskar Thiede und Edwin Grienauer als Anerkennung für ihre anlässlich der Olympiade in London errungenen Preise betraut. Zur Ausführung wird der Entwurf Prof. Thiedes kommen. Die Medaille wird aus Bronze sein. Sie trägt auf der einen Seite das Wappen der Stadt Wien umrahmt von den Worten "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien", auf der anderen Seite in der oberen Hälfte eine Darstellung des Rathauses, in der unteren Hälfte, umgeben von einem Lorbeergeranke, die Widmungsworte "Für besondere Verdienste um Wien". Die Verleihung erfolgt durch den Gemeinderat.

9.2.1949: Französische Fechter im Wiener Rathaus

Bürgermeister Körner empfing heute die französische und österreichische Nationalmannschaft der Fechter, die in Wien ihren Länderkampf ausgetragen haben. Bürgermeister Körner beglückwünschte die französischen Fechter zu ihrem Erfolg.

10.2.1949: Ab heute: Österreichische Reisekasse

Die Österreichische Reisekasse nimmt heute offiziell ihre Tätigkeit auf. Sie ist eine auf gemeinnütziger Basis aufgebaute Genossenschaft, deren Ziel es ist, den breiten Schichten der Bevölkerung Reisen und Urlaube zu ermöglichen oder zu erleichtern. Dem Aufsichtsrat der Genossenschaft gehört auch Vizebürgermeister Honay als Präsident an.

Die Österreichische Reisekasse gibt Gelegenheit das Urlaubsgeld oder Reisegeld in kleinen Beträgen während des ganzen Jahres zusammenzusparen. Um an ihr teilnehmen zu können, ist ein einmaliger Betrag von 3 Schilling zu bezahlen. Dafür wird ein "Urlaubsführer" und ein Reisemarkenheftchen zugestellt. In diesem Heftchen werden die Reisemarken eingeklebt, die bei der Reisekasse, bei allen Banken, Sparkassen und gewerblichen Kreditgenossenschaften, aber auch bei sämtlichen Konsumgenossenschaften in ganz Österreich erhältlich sind. Auch in Reisebüros und einzelnen Trafiken werden Reisemarken verkauft. Es wird auch möglich sein, in Betrieben Reisemarken billiger abzugeben. Dadurch können Urlaubsermäßigungen bis zu 30 Prozent erreicht werden. Der Teilnehmer unterliegt dabei nicht dem geringsten Zwang und kann sein Reiseheftchen ganz nach seinem Belieben verwenden. Die Reiseheftchen sind außerdem unbeschränkte Zeit gültig. Sie können nicht nur bei der Reise selbst, sondern auch während des Urlaubs in vorläufig über 300 Hotels, Gasthöfen und Pensionen und 400 Schutzhütten eingelöst werden.

Besonders zu betonen ist noch, dass die Österreichische Reisekasse allfällig erzielte Betriebsüberschüsse einem Urlaubsfonds zuführt, der den Teilnehmern weitere Begünstigungen bringen wird.

11.2.1949: Statistische Ausweise des Marktamtes der Stadt Wien

Im Jahre 1937 wurden zum letzten Mal die Statistischen Jahresausweise des Marktamtes der Stadt Wien veröffentlicht. Nun kann sie das Marktamt der Stadt Wien zum ersten Mal nach dem Krieg wieder herausgeben. Das Heft bringt die Statistiken aus dem Jahre 1948 und enthält ausführliche Angaben, über die Zufuhren von Gemüse, Obst, Vieh, Fleisch, Fisch und anderen Lebensmitteln. Tabellen über die Preisentwicklung bei Gemüse und Obst.

14.2.1949: Der Svoboda-Hof

Bürgermeister Körner nahm die Benennung der städtischen Wohnhausanlage 19, Heiligenstädter Straße 80, vor. Die Wohnhausanlage erhielt den Namen des nach den Februarereignissen justifizierten Freiheitskämpfers und Gruppenführers des republikanischen Schutzbundes Emil Svoboda.

Eine Gedenktafel in der Wohnhausanlage erinnert an Emil Svoboda. Sie trägt die Inschrift: "Emil Svoboda - Gruppenführer des Republikanischen Schutzbundes - geboren 1898 - justifiziert 1934."

15.2.1949: Neue Wiener Straßennamen

Unmittelbar nach der Befreiung Wiens im April 1945 setzte auch die Säuberung der Wiener Straßennamen vom nationalsozialistischen Gedankengut ein. Die Rück- und Umbenennung von Verkehrsflächen, die nach Nationalsozialisten benannt worden waren, wurde noch im Laufe des Jahres 1945 abgeschlossen. Im Oktober und November 1948 befasste sich ein aus Vertretern der drei politischen Parteien und des Wiener Magistrats bestehendes Komitee unter Beiziehung der Bezirksvorsteher und Bezirksvorsteher-Stellvertreter mit der Frage der Umbenennungen.

Der zuständige Gemeinderatsausschuss hat heute die nachstehenden Neu-, Rück- und Umbenennungen von öffentlichen Verkehrsflächen und städtischen Wohnhausanlagen beschlossen.

Einige Beispiele:

2. Bezirk:

Die Reichsbrückenstraße wird in Lassallestraße rückbenannt. Der Text der Erläuterungstafel lautet: "Ferdinand Lassalle, Rechtsgelehrter und Schriftsteller, 1825 - 1864".

3. Bezirk:

Der General Krauß-Platz wird in Esteplatz rückbenannt. Erläuterung: "Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, 1863-1914".

Der Arenbergring wird in Dannebergplatz umbenannt. Erläuterungstafel: "Robert Danneberg, Präsident des Wiener Landtages, Amtsführender Stadtrat für Finanzwesen, Nationalrat, Schöpfer der Verfassung der Stadt Wien, 1885 - 1942".

5. Bezirk:

Die städtische Wohnhausanlage V U (Ziegelofengasse 12-14) wird in Aline Furtmüller-Hof neubenannt. Erläuterung: "Dr. Aline Furtmüller, Gemeinderätin und Obmännin der Sozialdemokratischen Frauenorganisation Landstraße, 1883-1941".

9. Bezirk:

Die städtische Wohnhausanlage IX A wird in Sigmund Freud-Hof neubenannt. Erläuterung: "Dr. Sigmund Freud, Professor der Neurologie an der Universität Wien, Begründer der Psychoanalyse, 1856-1939".

10. Bezirk:

Die städtische Wohnhausanlage X AD (Tolbuchinstraße 98, Migerkastraße 2-4 und Leebgasse 93) vormals Otto Planetta-Hof, wird in Maria und Rudolf Fischer-Hof umbenannt. Erläuterung: "Maria Fischer 1903-1943; Rudolf Fischer, 1905-1943; Freiheitskämpfer".

11. Bezirk:

Der Egerländer Platz wird in Albin Hirsch-Platz umbenannt. Der Text der Erläuterungstafel lautet: "Georg Albin Hirsch, Landtagsabgeordneter und Bezirksvorsteher, 1847-1918".

13.Bezirk:

Die Gustav-Gross-Gasse wird in Max-Beck-Gasse umbenannt. Erläuterung: "Max Wladimir Beck, Staatsmann, führte 1907 als Ministerpräsident das allgemeine Wahlrecht in Österreich ein, 1851-1943".

14. Bezirk:

Die Verkehrsfläche "An der Reichsschule" wird in Leischinggasse umbenannt. Erläuterung: "Eduard Leisching, Architekt und Kunsthistoriker, Direktor des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Kunstberater der Gemeinde Wien, 1858-1938".

19. Bezirk:

Der Kuhnpark wird in Heiligenstädter Park rückbenannt. Der Text der Erläuterungstafel lautet: "Zur Wahrung des Ortsnamens Heiligenstadt".

21. Bezirk:

Der Bismarckplatz wird in Hoßplatz umbenannt. Erläuterung: "Franz Hoß, Vizebürgermeister der Stadt Wien, 1866-1947".

Folgende Umbenennungen wurden nachträglich bestätigt:

  • ehemaliger Hitlerplatz in Schwechat in Schwechater Hauptplatz;
  • ehemaliger Adolf-Hitler-Platz in Mannswörth in Mannswörther Schulplatz;
  • ehemaliger Horst-Wessel-Platz in Himberg in Himberger Kirchenplatz;
  • ehemalige Luftwaffensiedlung in Kettenhofsiedlung;
  • Die ehemalige Horst-Wessel-Straße in Vösendorf in Dr.-Pertich-Straße. Erläuterung: "Dr. Johann Pertich, Arzt, 1853-1933", u.v.a.

16.2.1949: Das zweite Baulos am Alsbach vor der Vollendung

Auch das zweite Baulos bei der Neueinwölbung des Alsbachkanals, das im vorigen Herbst im Abschnitt Althanplatz-Rögergasse begonnen wurde, geht seiner Vollendung entgegen. Gegenwärtig wird noch an den letzten 13 Metern dieser zweihundert Meter langen Kanalstrecke gearbeitet. Wenn im Frühjahr der Alsbach Hochwasser führen wird, droht diesem Bauabschnitt keine Gefahr mehr. Allerdings werden die Verputzarbeiten im Inneren der beiden Kanalwölbungen und die Herstellung der Straßendecke noch einige Wochen in Anspruch nehmen, so dass mit dem normalen Straßenverkehr erst gegen Ende April zu rechnen ist. Der Umbau dieses technisch schwierigen Bauloses ist trotz der vielen Auflockerungen durch Sprengungen ohne einen einzigen Unfall vorsichgegangen.

Im August wird bereits ein weiterer Abschnitt des Gewölbes in Richtung zur Liechtensteinstraße aufgerissen. Dieser Abschnitt wird ungefähr 190 Meter betragen. Ihm wird dann im nächsten Jahr das vorletzte Baulos bis zur Markthalle folgen; und abschließend auch die kürzeste, doch verkehrstechnisch schwierigste Strecke auf der Kreuzung der Nußdorfer Straße.

16.2.1949: Lastfahrzeuge dürfen nicht durch den 1. Bezirk fahren

Im "Amtsblatt der Stadt Wien" wird eine Kundmachung veröffentlicht, die den Verkehr von Lastfahrzeugen im 1. Bezirk im Einvernehmen mit der Polizeidirektion Wien neu ordnet.

Unter anderem ist die Durchfahrt durch das von Ring und Kai begrenzte Gebiet des 1. Bezirkes mit allen Lastfahrzeugen verboten. Das Verbot gilt auch mit einer Einschränkung für die Ringstraße selbst.

Die Zufahrt ist nur auf kürzestem Weg und unter bestimmten Bedingungen gestattet. Ausnahmen können in besonderen Fällen vom Magistrat der Stadt Wien bewilligt werden. Übertretungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 1.000 Schilling oder mit Arrest bis zu vier Wochen geahndet.

18.2.1949: Gabriele Proft - Bürger der Stadt Wien

Nationalrätin Gabriele Proft wurde heute vom Wiener Gemeinderat, anlässlich der Vollendung ihres 70. Lebensjahres sowie in Würdigung ihrer besonderen Verdienste auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge, zum Bürger der Stadt Wien ernannt. Bürgermeister Körner überreichte die Ehrenurkunde. Damit wird zum ersten Mal seit 1945 wieder einer Frau das Bürgerrecht der Stadt Wien verliehen.

Gabriele Proft kam schon in jungen Jahren nach Wien und nahm hier eine Stelle als Hausgehilfin an. Die schlechte soziale Stellung dieser Berufsgruppe veranlasste sie, sich der Hausgehilfinnen im besonderen Maße anzunehmen. Sie schuf die Organisation der Hausgehilfinnen und Heimarbeiterinnen und es gelang ihrem rastlosen Bemühen so manche soziale Besserstellung zu bewirken. In der Sozialpolitik der letzten Jahrzehnte gibt es kaum eine, die weibliche Arbeiterschaft betreffende Reform, an der sie nicht maßgeblich mitgewirkt hat. Ihre politische Tätigkeit begann im Jahre 1909 als Sekretärin des Österreichischen Frauenkomitees. Sie entfaltete auch als Versammlungsrednerin, Journalistin und auf gewerkschaftlichem Gebiet eine intensive Tätigkeit. 1918 gehörte sie zu den ersten Frauen, die von der Sozialdemokratischen Partei in den provisorischen Gemeinderat entsendet wurden. 1919 wurde sie in den Nationalrat gewählt.

19.2.1949: Wieder Ferkelmarkt in Wien

Im Gemeinderatsausschuss für Ernährungsangelegenheiten wurde die Wiedereröffnung des Jungschweinemarktes in Groß-Enzersdorf genehmigt. Der einzige Ferkelmarkt Wiens wurde zu Beginn des Krieges von Floridsdorf nach Groß-Enzersdorf verlegt, wo er aber nicht von langer Dauer war.

Nächsten Mittwoch wird nun der Ferkelmarkt wieder eröffnet. Er findet dann regelmäßig jeden Mittwoch statt.

19.2.1949: Zwei instandgesetzte Feuerwachen

Die im Bauprogramm der Stadt Wien vorgesehene Instandsetzung der zum Teil schwer beschädigten Feuerwachen geht zügig voran. Das Haus der Feuerwache in Penzing, Nisselgasse 14, bekam ein Stockwerk aufgebaut und einen neuen Steigerturm. Die Simmeringer Feuerwehr auf dem Enkplatz erhielt eine größere Wagenhalle mit verbesserter Ausfahrt.

22.2.1949: Die ortsüblichen Preise:

Einige Verbraucherpreise von Gemüse und Obst (je Kilo):

  • Karotten: 0,80 bis 1,00 Schilling (ungereinigt um 20 Prozent billiger)
  • Zwiebeln: 0,70 bis 1,00 Schilling
  • Maschanzker: 1,80 bis 2,50 Schilling
  • Weinler: 2,50 bis 2,80 Schilling
  • Wirtschaftsäpfel: 1,40 bis 2,00 Schilling

22.2.1949: Bessere Verkehrsverhältnisse auf dem Schwedenplatz - Stadtsenat gibt grundsätzlich seine Zustimmung für das Regulierungsprojekt des rechten Donaukanalufers

Der Stadtsenat hat heute einstimmig einem allgemeinen Projekt der Stadtbauamtsdirektion für die Stadtregulierung eines Teiles des rechten Donaukanalufers zugestimmt. Auch wurde die Stadtbaudirektion ermächtigt, die definitive Planung des Kaiviertels, allenfalls mit den bei der Detailarbeit nötigen Abänderungen auszuarbeiten. Es handelt sich hierbei um das Gebiet des rechten Donaukanalufers zwischen Morzinplatz und Schwedenplatz, für das eine endgültige Planung äußerst dringlich ist. Da die Bestimmungen der neuen Bauordnung einen Wiederaufbau der früher bestandenen ersten Häuserblockreihen nicht möglich machen, sollen die gegenwärtig ohnehin unbebauten Gründe zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse am Kai besonders bei der Schwedenbrücke, als Parkplätze und als öffentliche Gartenanlagen Verwendung finden. Auch der Blick auf die Ruprechtskirche und auf bemerkenswerte Teile der Altstadt soll in Zukunft frei bleiben.

23.2.1949: Jede Wiener Henne muss 35 Eier legen

Der Landesaufbringungsausschuss für Wien hat in seiner letzten Sitzung die Aufteilung der Kontingente für 1949 von 630.000 Eiern und 210.000 kg Fleisch auf die einzelnen Wiener Bezirksaufbringungsbereiche einstimmig beschlossen. Dabei wurden besonders die betrieblichen Verhältnisse in den einzelnen Wiener Bezirken berücksichtigt.

Ferner werden im heurigen Jahr die Halter von nur einem Schwein zur Fleischablieferung nicht herangezogen werden. Die Aufbringung der Eier wird unter den gleichen Voraussetzungen wie im Vorjahr erfolgen. In nichtlandwirtschaftlichen Hühnerhaltungen werden zwei Legetiere von der Ablieferung freigestellt. Die Ablieferungsmenge für jedes "lieferpflichtige Legetier" wurde mit 35 Stück festgesetzt.

24.2.1949: Die Rivels spielen für arme Wiener Kinder

Charlie Rivel in Clownskostüm

Charlie Rivel ist einer der Artisten, der die Kinder unterhalten wird.

Insgesamt 800 Kinder der städtischen Wiener Erziehungsanstalten werden die berühmten Rivels und andere bekannte Artisten in einer Sondervorstellung bewundern können. Veranstalter ist die Variete-Direktion "Flottenkino" im Einvernehmen mit der zuständigen Magistratsabteilung.

Die Kinder werden auch kleine Geschenke, gespendet von Mariahilfer Firmen, erhalten.


24.2.1949: Professor Otto Prutscher gestorben

Der besonders in kunstgewerblichen Kreisen sehr bekannte Architekt Prof. Otto Prutscher ist im 69. Lebensjahr verstorben.

Prutscher hatte als Schüler der Professoren Franz Matsch und Josef Hoffmann an der Kunstgewerbeschule studiert, an welcher er, 1909 zum Lehrer bestellt, durch viele Jahre den offenen Zeichensaal für Gewerbetreibende leitete. Später wurde er zum Professor und Fachinspektor an den fachlichen Fortbildungsschulen ernannt. Als Architekt schuf Prutscher zahlreiche Villenbauten und die Volkswohnhäuser der Gemeinde Wien in der Stöbergasse, Längenfeldgasse, Harkortstraße und Güpferlinggasse. Als Kunstgewerbler lieferte er zahlreiche Entwürfe für Möbel und Textilien, Silbergerät und Schmuck. Aufgrund seiner erfolgreichen und vielseitigen Betätigung wurde ihm 1947 der staatliche Ehrenpreis für Kunsthandwerk verliehen.

24.2.1949: Architekt Franz Kaym gestorben

Der bekannte Wiener Architekt Franz Kaym verstarb im 58. Lebensjahr.

Kaym war ein Schüler Otto Wagners an der Wiener Akademie. In Gemeinschaft mit dem Architekten Alfons Hetmanek führte er in den Jahren 1920 bis 1935 zahlreiche Villen-, Wohn-, Schul- und Fabriksbauten aus. In Wien errichtete er u.a. den Karl-Höger-Hof, die Gemeindesiedlungen in der Weißenböckstraße und am Flötzersteig.

Dem Künstlerhaus gehörte Kaym seit 1922 als Mitglied an.

25.2.1949: Neuerwerbungen im Uhrenmuseum

Zu den vielen Stücken des Uhrenmuseums der Stadt Wien sind in letzter Zeit einige besonders interessante und wertvolle Uhren dazugekommen.

Unter den Neuerwerbungen befindet sich auch eine alte Empireuhr aus dem Besitz von Frau Clarisse Rothschild. Diese Uhr hat die Form einer Vase, in deren Mitte sich ein Reif mit Stunden- und Minutenziffern bewegt. Frau Rothschild schenkte diese Uhr der Stadt Wien zum Dank für die Betreuung ihrer zwanzig Uhren, die während der Kriegszeit im Museum aufbewahrt wurden.

Unter den neuen Schaustücken befindet sich auch eine moderne Pendeluhr, deren Gehäuse aus schweren Messingstücken hergestellt ist. Diese nicht allzu große Uhr wiegt über 80 Kilo und ist die schwerste unter den 3.000 Uhren des Museums.

26.2.1949: Eine Frau: Senatsrat der Stadt Wien

Der Wiener Stadtsenat hat in seiner Sitzung die Ernennung von Frau Dr. Rafaela Kikiewicz zum Senatsrat beschlossen.

Dr. Kikiewicz ist im Jahre 1917 als Fürsorgerin in den städtischen Dienst eingetreten und wurde im Jahre 1926 zur rechtskundigen Beamtin bestellt. Sie ist derzeit im Rekursbüro der Magistratsdirektion tätig.

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