Wien 1949: Berichte vom Dezember 1949

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.12.1949: Wiener Schulzahnkliniken

Trotz aller Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit wurden im Schuljahr 1948/49 die durch die Stadt Wien betriebenen Schulzahnkliniken wieder weitgehend in Ordnung gebracht. Von den 22 seinerzeit bestehenden Schulzahnkliniken gingen vier stabile Stellen sowie die fahrbare Station durch die Kriegsereignisse verloren. Von den 17 übriggebliebenen Stellen mussten vier nahezu ganz neu eingerichtet werden. Die Schulzahnkliniken Simmering, Mödling und Liesing konnten in den alten Räumen belassen werden, während Floridsdorf bis zum Wiederaufbau des Jugendamtes provisorisch in einem Schulgebäude untergebracht wurde. Von den restlichen 13 Stellen blieben nur 5 unbeschädigt, während 8 Stellen mehr oder minder schwere Beschädigungen erlitten, aber in kürzester Zeit wieder betriebsfähig gemacht wurden.

In den bestehenden 17 Stellen wurden im Schuljahr 1948/49 insgesamt 71.176 Kinder der öffentlichen Pflichtschulen Wiens untersucht.

Neben der zahnärztlichen Behandlung werden in den Schulzahnkliniken aber auch prophylaktische Maßnahmen durchgeführt. Die Kinder werden in der richtigen Zahn- und Mundpflege unterrichtet. Eine große Zahl von Zahnbürsten wird alljährlich gratis von der Stadt Wien den Kindern zur Verfügung gestellt.

2.12.1949: Der Krampusrummel in Wien

Insgesamt 249 Krampusfeiern wurden für die nächsten Tage bei der zuständigen Magistratsabteilung angemeldet, darunter 18 mit einer Kartenauflage von mehr als 500 Stück, von über 1.000 Kartenauflagen wurden fünf Veranstaltungen gemeldet.

3.12.1949: Bürgermeister Körner zum Jubiläum des Gewerbevereines

Anlässlich des 110jährigen Bestandes des Gewerbevereines wurde heute in dessen Räumen eine Festversammlung abgehalten. Bürgermeister Körner und Vizebürgermeister Weinberger nahmen für die Stadt Wien an dieser Veranstaltung teil.

In seiner Ansprache betonte Körner die großen Verdienste, die sich der Gewerbeverein um den technischen Fortschritt und um das Zustandekommen vortrefflicher Einrichtungen während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit erworben habe.

5.12.1949: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Heute fand die konstituierende Sitzung des neuen Wiener Gemeinderates statt.

Bürgermeister Körner dankte in seiner Wortmeldung für seine Wiederwahl zum Bürgermeister der Stadt Wien. Körner gab weiters das Ausscheiden einiger Mitglieder des Stadtsenates bekannt:

Stadtrat Dr. Freund scheidet aus der Leitung der Geschäftsgruppe Wohlfahrtswesen. Die Geschäftsgruppe wird von Vizebürgermeister Karl Honay übernommen.

Aus seinem bisherigen Amt scheidet auch Stadtrat Jonas. Die Geschäftsgruppe Ernährungswesen, die er seit eineinhalb Jahren geleitet hat, hat durch die fortschreitende Liquidierung der Bewirtschaftung einen namhaften Teil ihrer Agenden eingebüßt, so dass ihr Weiterbestand als selbständige Geschäftsgruppe nicht mehr gerechtfertigt wäre. Stadtrat Jonas übernimmt die Leitung der Verwaltungsgruppe Bauwesen.

Körner: "Aufrichtig will ich aber auch Herrn Stadtrat Dr. Matejka danken, der mit dem heutigen Tage von der Leitung der Geschäftsgruppe für Kultur und Volksbildung scheidet."

Die Zahl der Mitglieder des Stadtsenates wurde mit 11 festgesetzt.

Die beiden neuen Stadträte:

Franz Fritsch - Personalangelegenheiten, Verwaltungs- und Betriebsreform

Portrait Franz Fritsch

Stadtrat Franz Fritsch

Franz Fritsch wurde am 5.12.1895 in Wien als Sohn eines Gewerbetreibenden geboren. Er erlernte das Fleischhauerhandwerk. Seit seinem 13. Lebensjahr ist er in der Gewerkschaftsbewegung und als Vertrauensmann der Sozialdemokratischen Partei tätig. 1931 trat er als Angestellter in die Krankenkasse ein. 1945 wurde Franz Fritsch in den Wiener Gemeinderat gewählt und mit dem Posten eines Amtsführenden Stadtrates für das Ernährungswesen betraut. Zuletzt war der neue Stadtrat für Personalangelegenheiten, Verwaltungs- und Betriebsreform Finanzreferent der Wiener Gebietskrankenkasse.

Hans Mandl - Kultur und Volksbildung

Hans Mandl hinter Rednerpult

Stadtrat Hans Mandl

Hans Mandl wurde am 28.9.1899 geboren. Er war Volks- und Hauptschullehrer und zwischen den Jahren 1926 und 1934 Direktor der größten städtischen Jugendhorte. Ab 1934 ist Hans Mandl wieder Lehrer. Im Jahre 1943 wurde er verhaftet und nach Polen abgeordnet. Im Mai 1945 wurde er Bezirksschulinspektor für den 16. Bezirk und organisierte den Wiederaufbau der Schulen in Ottakring. Im September 1945 wurde Hans Mandl in die Abteilung III des Stadtschulrates berufen, um den Aufbau des Wiener Berufsschulwesens durchzuführen. 1947 wir er Leiter der Abteilung III und im Jahre 1948 Landesschulinspektor. Als solcher lag ihm die Neuordnung des Schulwesens und die Errichtung der Schulgemeinden sehr am Herzen. Seine Arbeiten auf diesen Gebieten waren besonders erfolgreich.

Der neugewählte Stadtrat für Kultur und Volksbildung war bis 1934 Bundesführer der Roten Falken. Seit 1945 beschäftigt er sich mit dem Aufbau der Kinderfreundeorganisation und ist seit 1946 deren Bundesobmann.

Beschlossen wurde folgende Einteilung der elf Geschäftsgruppen sowie die Amtsführenden Stadträte als Leiter dieser Gruppen:

  • Geschäftsgruppe I: "Personalangelegenheiten, Verwaltungs- und Betriebsreform": Stadtrat Franz Fritsch
  • Geschäftsgruppe II: "Finanzwesen": Stadtrat Johann Resch
  • Geschäftsgruppe III: "Kultur und Volksbildung": Stadtrat Hans Mandl
  • Geschäftsgruppe IV: "Wohlfahrtswesen": Vizebürgermeister Karl Honay
  • Geschäftsgruppe V: "Gesundheitswesen": Vizebürgermeister Lois Weinberger
  • Geschäftsgruppe VI: "Bauangelegenheiten": Stadtrat Franz Jonas
  • Geschäftsgruppe VII: "Baubehördliche und sonstige technische Angelegenheiten": Stadtrat Anton Rohrhofer
  • Geschäftsgruppe VIII: "Wohnungs-, Siedlungs- und Kleingartenwesen": Stadtrat Leopold Thaller
  • Geschäftsgruppe IX: "Wirtschaftsangelegenheiten": Stadtrat Dkfm. Richard Nathschläger
  • Geschäftsgruppe X: "Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten": Stadtrat Josef Afritsch
  • Geschäftsgruppe XI: "Städtische Unternehmungen": Stadtrat Dr. Erich Exel

6.12.1949: Widmung von Gemälden für die Städtischen Sammlungen

Professor William Victor Krausz, New York, der bekannte Wiener Porträtmaler, dessen Bildnis von Jarmila Novotna in der Ausstellung "Die Wienerin" zu sehen ist, hat dem Historischen Museum der Stadt Wien eine Widmung zuteil werden lassen.

Durch glückliche Umstände konnte das Museum während der Okkupationszeit einen Teil der Arbeiten von William Victor Krausz, die in Wien zurückgeblieben waren, vor der Vernichtung und Verschleuderung bewahren. Dem Wunsche von Bürgermeister Körner auf Überlassung gewisser Bilder für das Museum hat der Künstler nun entsprochen und u.a. Bilder und Zeichnungen folgender Persönlichkeiten gestiftet: Maria Eis, Nora Gregor, Gerhart Hauptmann, Maria Kramer, Werner Krauss, Lili Marberg, Richard Strauss.

Überdies hat Professor Krausz eine eigenhändige Kopie seines Porträts von Sigmund Freud für das Museum angefertigt und gleichfalls gestiftet.

8.12.1949: Auslandserfolge eines Wiener Geigers

Der Wiener Geiger Anton Fietz, dem beim internationalen Musikwettbewerb in Genf 1946 der erste Preis für Violine zuerkannt wurde und der längere Zeit Konzertmeister der Wiener Symphoniker war, hat in Holland und der Schweiz als Solist große Erfolge errungen. Derzeit wirkt der junge Künstler als Konzertmeister des Radio-Orchesters Beromünster (Schweiz).

9.12.1949: Sonderaufführung des "Dibbuk" von Anski

Von der Österreichisch-Israelischen Kulturgesellschaft wird in der Wiener Urania zu Ehren des israelischen Staatspräsidenten Dr. Chajim Weizmann zum erstenmal in deutscher Sprache der "Dibbuk" von Anski (Salomon Rappaport) aufgeführt.

Der "Dibbuk" gehört neben dem "Golem" zu den bekanntesten und interessantesten Werken der jüdischen Literatur und wurde vor Jahren von der berühmten Bühne "Habimah" in jiddischer Sprache auch in Wien gespielt.

Das Ensemble des Studios der Hochschulen unter der Regie von Walter Davy hat dieses schwierige Werk einstudiert, die Bühnenbilder sind von Wolfram Skalicki.

12.12.1949: Tschechische Weltmeisterinnen beim Bürgermeister

Bürgermeister Körner empfing heute die Weltmeisterin im Eiskunstlauf Aja Vrzanova und die akademische Weltmeisterin Dagmar Lerchova.

Beide Sportlerinnen werden in Wien bei Schaulaufen antreten.

13.12.1949: Drei Christkindlmärkte in Wien

Schon am ersten Sonntag konnten auf dem Christkindlmarkt am Neubaugürtel rund 80.000 Menschen gezählt werden. Nach Aussagen der Geschäftsleute ist der Christkindlmarkt 1949 der beste seit vielen Jahren.

An zwei Stellen wurden bereits von den Marktfahrern, die in den neuaufgebauten Verkaufsläden auf dem Neubaugürtel keinen Platz mehr gefunden haben, "Filialen" errichtet: auf dem Viktor Adler-Platz in Favoriten und in der Niederhofstraße in Meidling, wurden dieser Tage zwei kleinere Christkindlmärkte mit etwa 50 Verkaufshütten eröffnet.

14.12.1949: 2,500.000 Schilling für die Kriegsgefangenen - Bericht der Wiener Kriegsgefangenenkommission

Von der Kriegsgefangenenkommission wurden 82 Heimkehrertransporte mit 25.590 Heimkehrern empfangen. Jeder der Heimkehrer, unter denen sich 16.872 Wiener befanden, bekam ein Liebesgabenpaket. Bei der Spitalsbetreuung erkrankter Heimkehrer wurden insgesamt 3.618 Lebensmittelpakete verteilt. An Kriegsgefangene in Russland, Jugoslawien, Polen und Albanien wurden 4.880 Pakete mit Lebensmittel, Textilien und Gebrauchsartikeln abgesandt.

Die Ausgaben für Sach- und Geldaushilfen betragen bisher insgesamt rund 2,5 Millionen Schilling.

17.12.1949: 300.000 Schilling Kredite für Kleingärten

Für die Ausgestaltung von Kleingartenanlagen wurden heute 46.000 Schilling bewilligt. Damit hat die Stadt Wien im heurigen Jahr insgesamt 300.000 Schilling Kredite an Kleingartenvereine genehmigt.

Diese Kredite werden für Wasserversorgungsanlagen, Elektrifizierungsarbeiten, Herstellung von Außeneinfriedungen und andere wichtige Vorhaben verwendet.

17.12.1949: Der Weihnachtstisch für Wien ist gut gedeckt

Für die leiblichen Genüsse der Wiener zu Weihnachten ist diesmal reichlich vorgesorgt. Wie das Marktamt der Stadt Wien feststellen konnte, zeigen erfreulicherweise die Preise der verschiedenen Lebensmittel zumindest keine steigende Tendenz. Die Anlieferungen sind in vielen Sparten überaus reichlich.

Beim Geflügel ist genügend Inlandware an Gänsen, Poularden und Hühnern vorhanden, nur Enten sind etwas knapp. Der Verbraucherpreis beläuft sich bei Gänsen auf 18 bis 25 Schilling, Hühner kommen auf 20 bis 24 Schilling pro Kilogramm.

Aus Polen und Ungarn werden noch Lieferungen mit Gänsen und Hühnern erwartet. Aus Rumänien sind bereits Hühner, Gänse und Truthähne eingetroffen.

Bisher sind auch 136 Schweine aus Ungarn und 10 Waggons aus der Tschechoslowakei eingetroffen. Auf dem Zentralviehmarkt sind ferner in dieser Woche 513 Rinder aus dem Inland, aus Jugoslawien und Ungarn eingetroffen.

Im Kühlhaus Sankt Marx wurden 190 t Schweinehälften aus Bulgarien und zwei Waggon Schweinehälften aus der Tschechoslowakei ausgeladen.

Ferner wird eine Lieferung von 65.000 Kilogramm Rindfleisch aus Frankreich, 340.000 Kilo Rindfleisch aus Jugoslawien und Rumänien, 800.000 Kilo Rindfleisch und ca. 80.000 Kilo Lebendschweine aus Bulgarien erwartet.

Fische gibt es ebenfalls genug. Gegenwärtig lagern in Wien 170.000 Kilogramm Karpfen.

Auch für ausreichend Obst, Gemüse und vor allem Kartoffeln ist vorgesorgt.

22.12.1949: UNICEF schenkt 38.000 Paar Schuhe

Der Chef der UNICEF-Mission in Österreich, General Dr. Arene, überreichte heute im Rathaus, in einem symbolischen Festakt an 200 Schulkinder Schuhe. Insgesamt kommen im Rahmen dieser Aktion in der Vorweihnachtszeit 38.000 Paar Schuhe zur Verteilung.

24.12.1949: Rosa Albach-Retty - 75 Jahre alt

Portrait Rosa Albach-Retty

Die Burgschauspielerin feiert Ihren 75. Geburtstag.

Am 26. Dezember begeht Kammerschauspielerin Rosa Albach-Retty ihren 75. Geburtstag. Die Jubilarin, 1874 in Hanau (Hessen-Hanau) geboren, entstammt einer Schauspielerfamilie und wurde schon in ihrem Elternhaus in Musik und darstellender Kunst ausgebildet. Von Josef Kainz empfohlen, debutierte sie mit 17 Jahren am Deutschen Theater in Berlin, von wo sie nach dreijähriger Tätigkeit ans Berliner Lessingtheater kam. Sodann wurde sie ans Deutsche Volkstheater in Wien engagiert, nachdem sie sich bereits anlässlich der "Theater- und Musikausstellung" im Rahmen des Ensembles des Deutschen Theaters dem Wiener Publikum vorgestellt hatte. Am 2. März 1895 trat sie zum erstenmal mit großem Erfolg im Volkstheater auf und gewann bald die Liebe der Wiener. Direktor Schlenther verpflichtete die Künstlerin im Jahre 1903 ans Burgtheater, dessen Verband sie nunmehr seit 46 Jahren angehört.

Rosa Albach-Rettys künstlerische Bedeutung beruht vor allem auf ihrer unvergleichlichen Komik, die alle Skalen der subtilsten bis zur drastisch-komischen Ausdrucksgestaltung umfasst. Doch nicht dieses Fach allein beherrscht - sie meisterhaft, ihre Vielseitigkeit beweisen vielmehr zahlreiche klassische und moderne Stücke, von denen als Glanzleistungen ihrer Darstellung u.a. "Wildfeuer", "Jüdin von Toledo", "Faust", "Frau vom Meere", "Minna von Barnhelm", "Figaros Hochzeit", "Nora", "Klein Dorrit", "Peer Gynt", "Alt Heidelberg", "Käthchen von Heilbronn" erwähnt seien. Auch der Film erschloss ihrer künstlerischen Tätigkeit ein erfolgreiches Gebiet.


27.12.1949: Die Infektionskrankheiten in Wien

Laut einem Bericht des Gesundheitsamtes überwiegen im Monat November in Wien die Scharlacherkrankungen. 1.130 waren es im November (Oktober: 955). Nur ein einziger der vielen Erkrankungsfälle endete tödlich.

31.12.1949: Ein Film vom Hera-Sanatorium

Mit dem Wiederaufbau des Hera-Sanatoriums im 9. Bezirk hat das Gesundheitswesen Wiens einen weiteren bedeutenden Schritt zu seiner modernen Entwicklung getan. Die Krankenfürsorgeanstalt der Angestellten und Bediensteten der Stadt Wien hat vor einem halben Jahr den neuaufgebauten Häuserkomplex in der Lustkandlgasse ihren Mitgliedern sowie auch Privatpatienten zur Verfügung gestellt.

Die schwierigen Instandsetzungsarbeiten wurden auch im Film festgehalten. Der 350 m lange Streifen aus dem Filmatelier Alfred und Karl Kotlik veranschaulicht nicht nur die einzelnen Phasen im Aufbau, sondern auch die vielen medizinisch-technischen Errungenschaften dieses mustergültigen Krankenhauses, die auch in fachlichen Kreisen volle Anerkennung gefunden haben.

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