Wien 1948: Berichte vom September 1948

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.9.1948: Stadtsenatsmitglieder besichtigen Filmarbeit

Gegenwärtig wird in Wien der neueste G.W. Pabst-Film der Pabst-Kiba-Filmproduktion "Geheimnisvolle Tiefe" mit Ilse Werner, Paul Hubschmied, Stefan Skodler, Hermann Thimig, Maria Eis und Ida Ruska gedreht.

Während der Aufnahme einer großen Gartenszene, die vor einem orientalischen Lusthaus an einem stimmungsvollen Teich spielt, erschienen heute im Atelier Schönbrunn die Vizebürgermeister Honay und Weinberger, sowie die Stadträte Afritsch, Albrecht, Dr. Matejka und Rohrhofer, um sich vom Fortgang der Dreharbeiten zu überzeugen.

2.9.1948: "Unentschuldigte Stunden" werden nachgeholt

Viele Jugendliche wurden durch die Kriegsereignisse dem normalen Schulbesuch entrissen. Krankheiten und Umsiedelungen waren die häufigste Ursache vieler "unentschuldigter Stunden" im Laufe der Pflichtschuljahre. Sehr vielen Jugendliche konnte daher auch kein Abgangszeugnis einer Hauptschule ausgestellt werden. Die Aktion "Jugend am Werk" hat sich vor einem Jahr entschlossen, hier Abhilfe zu schaffen, und veranstaltete im 16. Bezirk einen Nachschulungskurs für 14- bis 18jährige Jugendliche, die dadurch Gelegenheit haben, ihren Abschluss nachzuholen.

2.9.1948: Zwei neue Messerestaurants

Die Wiener Herbstmesse wird sich heuer auch mit zwei neuen großen Gaststätten vorstellen, die durch ihre Ausmaße und die moderne Einrichtung mit zu den besonderen Sehenswürdigkeiten gehören werden.

Das Restaurant in der neuen Halle des Messepalastes ist für 1.400 Gäste berechnet.

Auf dem Rotundengelände entstand durch den Zusammenbau der Süd- und Nordhalle auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern ein großes Restaurant, indem bei Tischbetrieb ebenfalls 1.400 Gäste bedient werden können. Die drei Speisesäle können nach Bedarf in einen Festsaal umgewandelt werden.

3.9.1948: Zur Abreise von Oberst Stuber

Portrait Oberst Stuber

Oberst Stuber verlässt Wien.

Anlässlich der Einstellung der Schweizer Spende und der bevorstehenden Abreise ihres Chefdelegierten Oberst Stuber hat der Stadtrat für das Wohlfahrtswesen, Dr. Freund, in einem Brief an Oberst Stuber, den Dank der Stadt Wien für die geleistete Hilfe ausgesprochen.


4.9.1948: Sperrstundenverlängerung zur Messezeit

Mit Zustimmung des Wiener Interalliierten Kommandos wird die Sperrstunde für Vergnügungsstätten in Wien, während der Dauer der Wiener Herbstmesse vom 5. bis einschließlich 12. September, bis 4 Uhr früh verlängert.

4.9.1948: Der Maler O.P. Hartmann - 50 Jahre alt

Der Wiener Maler Othmar Paul Hartmann feiert dieser Tage seinen 50. Geburtstag.

Im Jahre 1898 geboren, regte sich schon früh sein Talent und obwohl ihm jede Schulung anfangs versagt blieb, weil die Eltern die Kosten für das Studium nicht aufbringen konnten, erarbeitete er sich selbständig jene Voraussetzungen, die ihn später befähigten, die Aufnahmeprüfung in die Kunstakademie zu bestehen.

Nach Beendigung des Weltkrieges wurde er als Fabriksarbeiter von Kennern entdeckt und bewogen, die Akademie zu besuchen. Prof. Tichy war sein verdienstvoller Lehrer, denn nur unter großen Opfern konnte Hartmann die Mittel zu seinem Studium aufbringen. Mehrere erste Preise waren der Erfolg. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft schilderte er die Not der frühen Nachkriegszeit. Für die Mozart-Gedenkstätte der Städtischen Sammlungen schuf er das Mozartquartett.

Gegenwärtig ist Hartmann mit der Vollendung des Gemäldes "Die Gemeinderatssitzung am 21. September 1923 unter Bürgermeister Reumann", in der das große Wohnbauprogramm der Gemeinde Wien beschlossen wurde, beschäftigt.

6.9.1948: Wiens ältester Baum: eine tausendjährige Eibe

Durch das Wiener Naturschutzgesetz werden die seltensten Naturgebilde in unserer Stadt vor Beschädigung geschützt. Gegenwärtig gibt es insgesamt 365 Naturdenkmale in Wien, deren Zahl aber in Wirklichkeit etwas niedriger sein dürfte, da gewisse Gebiete noch immer unzugänglich sind und die Kriegsverluste deshalb noch nicht vollständig übersehen werden konnten. Nach Schätzungen dürften sich die Schäden und Verluste an Naturdenkmälern auf etwa fünf Prozent belaufen.

Der älteste Baum von Wien ist die sogenannte "tausendjährige Eibe" im Garten der Österreichischen Heilmittelstelle am Rennweg. Vermutlich ist sie der letzte Rest eines von den Römern angelegten Eibenhaines. Der stärkste Baum von Wien befand sich bis vor kurzem im Park des Pötzleinsdorfer Schlosses. Es ist eine Schwarzpappel mit einem Umfang von 12,5 Metern. Leider fiel sie im August einem schweren Sturm zum Opfer. Jetzt ist der stärkste Baum gleichfalls eine Schwarzpappel mit einem Umfang von fast 10 Metern. Er steht am Ufer des Freudenauer Wassers. Der Prater ist überhaupt ein an Naturdenkmälern reiches Gebiet. Die meisten gesetzlich geschützten Naturgebilde, es sind 50 Stück, hat jedoch Döbling aufzuweisen.

Die Stadt Wien schützt aber nicht nur Naturgebilde wegen ihres Alters, ihrer Größe, ihrer Stärke, ihrer Schönheit oder Seltenheit, sondern auch solche, die mit Erinnerungen an bekannte Persönlichkeiten verbunden sind: zum Beispiel die Mozartplatane vor dem Botanischen Institut am Rennweg, den Makartbaum, einen Spitzahornbaum im Theresienbadpark in Meidling, oder die Beethovenlinde in Döbling und viele andere. Die Naturdenkmäler werden in Wien durch kleine runde Plaketten aus Leichtmetall gekennzeichnet, die mit dem Wappen der Stadt und der Aufschrift "Naturdenkmal" versehen sind.

8.9.1948: Die Orchester der Bediensteten der Stadt Wien

In Wien gab es zwischen den beiden Weltkriegen eine Anzahl von größeren und kleineren Musikvereinen, von denen viele Hervorragendes in der Musikpflege geleistet haben. Unter ihnen waren die Musikkapellen der Gemeindebediensteten immer an besonderer Stelle und hatten einen sehr guten Ruf.

Auch hier zerstörte der Krieg vieles. Nun sind die Betriebskapellen der Gemeinde Wien wieder unter den ersten, denen es gelang, ihre Orchester zu reaktivieren.

Die Bediensteten der Wiener Elektrizitätswerke und die Straßenbahner haben zusammen bereits wieder sechs Orchester. Auch die Wiener Gaswerke und die Bediensteten des Zentralfriedhofes verfügen wieder über starke Kapellen. Ebenso konnten bei der Feuerwehr der Stadt Wien die fehlenden Musiker rasch ersetzt werden. Es handelt sich in der Mehrzahl um Ensembles, deren Können weit über den gewohnten Maßstab von Amateur-Vereinigungen hinausgeht. Vielfach verfügen sie außerdem über ein ausgezeichnetes Repertoire. Das Orchester der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten befasst sich zum Beispiel fast nur mit klassischer Musik.

8.9.1948: Wiener Feuerwehr unter Wasser - Das sechzehnte Schiff wurde aus der Donau gehoben

Die Hauptfeuerwache Ottakring-Hernals auf dem Johann Nepomuk-Berger-Platz besitzt als einzige in Wien auch eine Spezialabteilung, den sogenannten Technischen Hilfsdienst. Diese Abteilung tritt überall dort in Aktion, wo Schwierigkeiten auftauchen, und die normale Ausrüstung der Wiener Feuerwehr nicht genügt. Bisher hat der Technische Hilfsdienst in vielen Notfällen geholfen. Verkehrskatastrophen, bei denen völlig demolierte Fahrzeuge weggeräumt werden müssen, gehören zu den einfachsten Vorkommnissen. Schwieriger sind schon die häufigen Pölzungsarbeiten an den beschädigten Häusern. In Erinnerung ist auch noch der Brand der Hochschaubahn im Prater, bei dem der Technische Hilfsdienst das Riesenrad vor den Flammen rettete.

Jeder Bedienstete der Wiener Feuerwehr muss ein ganzes Jahr hindurch dem Technischen Hilfsdienst in Ottakring angehören.

Erst in den letzten zwei Tagen bewältigte der Technische Hilfsdienst der Feuerwehr wieder eine außergewöhnliche Aufgabe. Im Winterhafen wurde ein versunkener 50-Tonnen-Schlepper gehoben. Die Tauchermannschaft brachte zuerst Drahtseile an dem Wrack an, mit denen dann das Schiff durch Flaschenzüge aus dem Wasser gezogen wurde. Seit 1944, als der Technische Hilfsdienst zum ersten Mal ein gesunkenes Schiff heben musste, ist es bereits der 16. Fall, bei der er für diese Arbeiten eingesetzt wurde.

9.9.1948: Wiener Künstler beteiligen sich an UNESCO-Wettbewerb

Die UNESCO hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, durch den ein Plakat gewonnen werden soll, das die Förderung sozialen Fortschritts und Schaffung besserer Lebensverhältnisse in einer größeren Freiheit veranschaulichen soll. Die Gesellschaft bildender Künstler Wiens (Künstlerhaus) hat sich mit Arbeiten von fünf Mitgliedern an diesem Preisausschreiben beteiligt. Diese Entwürfe gingen vor einigen Tagen nach Brooklyn ab.

10.9.1948: Das Lusthaus im Prater wird wieder aufgebaut

Durch einen Bombentreffer wurde das Lusthaus im Prater so schwer beschädigt, so dass die Gefahr des vollkommenen Verfalles besteht. Der Gemeinderatsausschuss für Bauangelegenheiten hat für die Instandsetzung des unter Denkmalschutz stehenden Objektes den Betrag von 350.000 Schilling genehmigt. Mit den Arbeiten soll noch im heurigen Jahr begonnen werden.

11.9.1948: Die Stadt Wien hilft beim Bau einer Schule in Wildalpen

Im Gebiet der Gemeinde Wildalpen, die im Quellschutzgebiet der Zweiten Wiener Hochquellenleitung liegt, soll ein neuer Schulbau in Hinterwildalpen errichtet werden. Durch diesen Bau werden die Kinder des Ortes einen rund 8 km langen, besonders im Winter gefährlichen Weg ersparen können. Da ein Viertel der Kinder von Forstarbeitern der Stadt Wien stammt, die in den Wäldern des Quellschutzgebietes der Wiener Wasserwerke angestellt sind, hat der zuständige Gemeinderatsausschuss eine einmalige Beihilfe von 10.000 Schilling für die Errichtung dieser Schule bewilligt. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass der Schulbau, der von der Gemeinschaft der Holzarbeiter selbst errichtet wird, bald vollendet werden kann.

13.9.1948: Der Bürgermeister empfängt Hanns Leo Reich

Heute empfing Bürgermeister Körner den bekannten Sprecher der "Wiener Radiostunde" in Chicago, Hanns Leo Reich.

Reich, der nach 13jähriger Abwesenheit zum ersten Mal wieder in Wien weilt, äußerte sich überaus anerkennend über den Wiederaufbau unserer Stadt. Der Zweck seines Aufenthaltes in Wien ist, im Auftrag der Pan American Airways für seine Hörer Reisen nach Österreich zu arrangieren. Die seit zwölf Jahren jeden Morgen stattfindende "Wiener Radiostunde" ist die einzige österreichische Sendung in Amerika, die täglich gebracht wird.

13.9.1948: Wiederaufbau in Sankt Marx

Mit den Wiederinstandsetzungsarbeiten an den schwer beschädigten Objekten des Schlachthauses Sankt Marx wird in nächster Zeit begonnen. Es ist geplant, sofort das Dach in der Kontumazanlage instandzusetzen, weiters die erste Hälfte der Schweineverkaufshalle auf dem Zentralviehmarkt und die schwer beschädigte Schweinestechhalle wieder aufzubauen. Auch die durch Bomben schwer zerstörte Schweinekühlhalle in der Kontumazanlage wird wieder aufgebaut. Für diese Arbeiten, die noch heuer durchgeführt werden sollen, wurden 1,5 Millionen Schilling bewilligt.

15.9.1948: Zwei Millionen Schilling für die Liesingbachregulierung

Um eine mögliche Hochwassergefahr für die ehemalige Ortschaft Inzersdorf endgültig zu beseitigen und geeignetes Siedlungsland durch die Anlage eines Abwässerkanalsystems in der Schwarzen Haide vorzubereiten, beabsichtigt die Gemeindeverwaltung im Verlauf der Gesamtregulierung des Liesingbaches noch heuer die Strecke vom Dachlerwehr bei der Kreuzung der Bahnlinie Wien - Pottendorf bis zur Triester Straße auszubauen.

Für die Regulierungsarbeiten des ersten Abschnittes in Inzersdorf wurden zwei Millionen Schilling genehmigt.

17.9.1948: Wiederherstellung des Republikdenkmals

Die österreichische sozialdemokratische Arbeiterbewegung hat anlässlich des zehnjährigen Bestandes der Ersten Republik auf der der Ringstraße zugekehrten Seite des Schmerlingplatzes ein Denkmal zur Erinnerung an die Ausrufung der Republik errichtet. Zur Durchführung dieses Beschlusses der Arbeiterschaft wurde damals ein Komitee unter dem Vorsitz von Stadtrat Prof. Dr. Julius Tandler eingesetzt. Das Monument zeigt die Büsten des Begründers der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, Dr. Victor Adler, des ersten sozialdemokratischen Ministers für soziale Verwaltung, Ferdinand Hanusch, und des ersten sozialdemokratischen Bürgermeisters von Wien, Jakob Reumann. Das Denkmal wurde durch Bürgermeister Seitz in den Schutz und die Obhut der Gemeinde übernommen. Im Jahre 1934 hat die autoritäre Stadtverwaltung dieses Denkmal entfernen lassen. Nunmehr soll anlässlich des 30. Jahrestages der Begründung der Ersten Republik dieses Monument wieder in seiner ursprünglichen Form hergestellt werden. Mit der Ausführung der Arbeiten wurde Bildhauer Mario Petrucci betraut. Die Büste Victors Adlers ist bereits 1945 in Bronze gegossen worden. Nun werden auch die beiden anderen Büsten wiederhergestellt. Die Enthüllung des Denkmals wird am 12. November erfolgen.

20.9.1948: "Das Wiener Kind dankt seinen Helfern" für Kapitän Podbielski

Der Wohlfahrtsoffizier der amerikanischen Armee in Wien, Kapitän Anthony Podbielski, dem es mit zu verdanken ist, dass Wiener Kinder große Spenden an Lebensmitteln aus amerikanischen Militärbeständen erhielten, kehrt in seine Heimat zurück. Der Amtsführende Stadtrat für das Wohlfahrtswesen der Stadt Wien, Dr. Freund, dankte in einem Schreiben dem amerikanischen Offizier für seinen Einsatz für das Wohl der Wiener Kinder. Als äußeres Zeichen der Anerkennung wurde Kapitän Podbielski die Plakette "Das Wiener Kind dankt seinen Helfern" überreicht.

20.9.1948: Straßenbahnzusammenstoß auf dem Lerchenfelder Gürtel

Ein Zusammenstoß zweier Straßenbahnzüge auf dem Lerchenfelder Gürtel forderte heute 13 Verletzte. Ein Zug der 118er Linie, der in Richtung Westbahnhof fuhr, stieß in voller Fahrt von rückwärts an einen in der Haltestelle Thaliastraße stehenden 8er Wagen. Durch den Zusammenprall wurden die beiden Beiwagen der Linie 8 aus dem Geleise gehoben und erheblich beschädigt.

21.9.1948: Stadtrat Jonas zur Erdäpfelversorgung

Über Fragen der Erdäpfelversorgung Wiens sprach heute Stadtrat Jonas im Sender Wien I im "Echo des Tages". Er führte dabei u.a. aus:

"Die Ernte des heurigen Jahres ist wesentlich besser ausgefallen als bisher. Die im Ernährungsplan vorgesehene Menge an Erdäpfeln - bis zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres, also bis Juni 1949 - beträgt jedoch für unsere Stadt ungefähr 160.000 Tonnen. Der Transport dieser großen Mengen ist eine außergewöhnliche Leistung für die Bundesbahnen, besonders wenn man bedenkt, dass nach der Erdäpfelernte auch die Zuckerrübenernte einsetzt. Deshalb ist es notwendig, dass die Hausfrauen jetzt schon ihre Erdäpfel für den Winter einlagern. Das Landesernährungsamt leitet die jetzt ankommenden Erdäpfel in die Spitäler, Versorgungsheime und Werkküchen, beliefert aber auch gleichzeitig den Markt, um die laufenden Aufrufe zu erfüllen. Darüber hinaus ist durch die Ausgabe der Einlagerungsscheine schon die Möglichkeit gegeben, für die 48. bis 55. Periode Erdäpfel einzulagern. Wer seine Lagererdäpfel bei einem bekannten Landwirt direkt beziehen will, kann dies mit vom Landesernährungsamt Wien ausgestellten Transportscheinen ohne weiteres tun. Außerdem können Erdäpfel bis zur 48. Periode jetzt schon eingekauft werden."

22.9.1948: Das Veterinäramt ist 50 Jahre alt

Das Veterinäramt der Stadt Wien hat sich aus bescheidenen Anfängen heraus entwickelt. Während es heute seinen Aufgaben - die Weiterverbreitung von Tierseuchen zu verhindern und dafür zu sorgen, dass nur einwandfreies Fleisch auf den Markt kommt - vollauf gerecht wird, gab es im 16. Jahrhundert in Wien nur drei Fleisch- und Fischbeschauer. Auf dem Gebiete des heutigen Hauptzollamtes befand sich der sogenannte Ochsenmarkt, der später nach St. Marx verlegt wurde. Auch ein Kälbermarkt fand wöchentlich in der Rossau statt. Diese Märkte sowie die Schlachtbänke mussten durch die Fleischbeschauer überprüft werden.

Im Jahre 1846 wurde der Rinderschlachthof in St. Marx errichtet und in den folgenden Jahrzehnten noch weitere Schlachthäuser in Wien gebaut. Damals waren die Tierärzte noch innerhalb des Marktamtes tätig. Der Umfang neuer Aufgaben machte es 1892 notwendig, sie zunächst in einer eigenen Abteilung zusammenzufassen. Das 1897 erschienene neue Lebensmittelgesetz brachte es dann mit sich, dass im folgenden Jahr das Veterinäramt selbständig erstand.

Jedes geschlachtete Tier wird durch die Tierärzte des Veterinäramtes genau untersucht. Heute allerdings haben die Tierärzte vielfach nur Räucherware, Konservenfleisch oder konservierte Fische zu beurteilen. Gegenwärtig versehen 68 Tierärzte ihren Dienst im Veterinäramt.

23.9.1948: 2.000 Schilling für die beste Deutung der Kolig-Gemälde

Die Veranstalterin der Anton Kolig-Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste (1, Schillerplatz 3), die Galerie Welz (Salzburg), honoriert die besten Deutungen der vielumstrittenen Kolig-Gemälde in der Ausstellung mit 1.000 Schilling in bar als ersten Preis, eine Originalhandzeichnung des Meisters als zweiten Preis und zehn Trostpreise von je einem Anton Kolig-Buch.

25.9.1948: Die alte und die neue Franzensbrücke

Festrede vor Menschenmenge

Eröffnung der Franzensbrücke.

Massen begehen die neue Brücke

Eröffnung der Franzensbrücke.


Die in den letzten Kriegstagen zerstörte Franzensbrücke ist in den Jahren 1898 bis 1899 erbaut worden. Sie bildete die Nachfolge einer Kettenbrücke, deren Fundamente man teilweise für die neue Brücke herangezogen hatte. Schon lange vorher war diese Stelle über den Donaukanal überbrückt gewesen. 1782 bestand hier eine Holzbrücke, die aber im Jahre 1799 einstürzte und an deren Stelle 1803 eine neue Holzbrücke dem Verkehr übergeben wurde. Diese wiederum wurde 1844 abgetragen und an ihrer Stelle eine Kettenbrücke errichtet, deren Ausführung einem Schlossermeister aus der Leopoldstadt übertragen worden sein soll. Diese Brücke wurde 1848 dem Verkehr übergeben und empfing bald ihre Feuertaufe durch eine Kanonenkugel. 1891 schließlich wurde vom Gemeinderat der Bau der in den Apriltagen 1945 zerstörten Brücke beschlossen. Ihre Tragkraft war für Wagen von 12 Tonnen und einem einzelnen Fahrzeug von 40 Tonnen bemessen. Die Fahrbahnbreite betrug 16 Meter, die Breite der beiden Gehwege je 4 Meter.

Die neue Brücke, die heute dem Verkehr übergeben wird, ist wieder eine Bogenbrücke, die die alten Widerlager verwendet. Die Montage der Hauptträger erfolgte nach einem in Wien erstmalig angewendeten Verfahren. Jeder der Hauptträger wurde schon im Werk in zwei Hälften geschweißt. Diese Halbbogen mit rund 14 Tonnen Gewicht wurden an der Baustelle von beiden Ufern aus gleichzeitig über den Kanal mit Kränen aufgehoben und in der Mitte verschraubt.

Da die Bogenform der Brücke in ihrer Durchfahrtshöhe nicht ganz den Anforderungen der Schiffahrt in der Zukunft entsprechen dürfte, wurden alle Trägerverbindungen geschraubt, so dass die Brücke, wenn es sein muss, rasch zerlegt und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden kann.

Die neue Brücke hat eine Fahrbahnbreite von 17 Metern und besitzt zwei Gehwege mit je 3,55 Meter Breite, die Länge beträgt 56 Meter.

Die Gesamtkosten für die neue Brücke belaufen sich auf 4,7 Millionen Schilling.

25.9.1948: Trauerfeier im Polizeipräsidium

Im Hofe des Polizeipräsidiums wurde heute eine Trauerfeier für die sechs im Jahre 1943 durch den Münchner Volksgerichtshof justifizierten Freiheitskämpfer der Wiener Polizei abgehalten.

27.9.1948: Ausgrabung eines Torsos auf dem Hohen Markt

Im Verlauf der Ausgrabungen auf dem Hohen Markt kamen zwei weitere Mauerreste des römischen Tribunenhauses zum Vorschein. Der überraschendste Fund war ein Marmortorso, der von einer weiblichen Gewandstatue herrührt. Die Kennzeichen dieser Statue, die vermutliche eine römische Göttin darstellt, sind ein ovaler Schild und ein Kreis. Die Statue ist rauchgeschwärzt, vermutlich von dem letzten Brand, dem Vindobona Ende des 4. Jahrhunderts nach Christi zum Opfer fiel. Der Torso ist 27 cm hoch, ca. 30 kg schwer und hat auf der Basis ein Dübelloch, mittels dessen die Statue auf einem Sockel festgehalten war, der möglicherweise noch gefunden werden kann.

28.9.1948: Rathaus und Stephansdom bekommen ihre Dächer

Die endgültige Eindeckung des im Kriege schwer beschädigten Daches über dem Festsaal des Wiener Rathauses wurde bis jetzt immer wieder wegen Beschaffungsschwierigkeiten des Schiefers verzögert. Laut Anordnung des Amtes für Denkmalschutz soll das Wiener Rathaus, wie alle anderen historischen Bauten in Wien, in seiner ursprünglichen Bauform instandgesetzt werden. Zu Beginn waren die Aussichten auf eine Eindeckung des überaus großen Daches mit dem Luxemburgischen Dachschiefer sehr gering. Die Luxemburgische Firma verlangte Devisen und man glaubte, sich für einige Jahre mit dem Provisorium aus Teerpappe begnügen zu müssen. Nun konnte dieses Baumaterial gegen österreichische Schillinge beschafft werden.

Auch beim Aufbau des Stephansdomes gelang es, die Frage der Materialbeschaffung für die Eindeckung zufriedenstellend zu lösen. Die 250.000 glasierten Dachziegel in insgesamt zehn Farbtönen wurden den tschechoslowakischen Ziegelbrennereien in Postorna an der mährisch-niederösterreichischen Grenze in Auftrag gegeben. Das tschechoslowakische Unternehmen arbeitet bereits an diesem Spezialauftrag und man hofft, den Stephansdom bis 1950 vollkommen unter Dach bringen zu können. Die Lieferungen werden ebenfalls mit österreichischen Schillingen bezahlt werden. Ein Stück dieser Dachziegel wird rund drei Schilling kosten.

28.9.1948: Ausstellung des Neuen Hagenbundes

Die 33 Mitglieder der neugegründeten Vereinigung "Neuer Hagenbund" eröffneten heute in der Zedlitzhalle in Anwesenheit von Minister Dr. Hurdes und Bürgermeister Dr. Körner ihre erste Ausstellung.

28.9.1948: Gedenktage der Ereignisse des Oktober 1848 in Wien

  • 6. Kampf an der Taborbrücke und in der Stadt. Ermordung Latours.
  • 6. bis 7. Nächtlicher Kampf um das Zeughaus
  • 7. Flucht des Hofes aus Schönbrunn
  • 12. Messenhauser wird Kommandant der Nationalgarde.
  • 14. Jellacic rückt in Schönbrunn ein. General Bem mit Oberbefehl über Wien betraut.
  • 17. Deputation der Frankfurter Linken mit Robert Blum eingetroffen.
  • 21. Windischgrätz besetzt Stammersdorf.
  • 22. Beginn der Belagerung Wiens. Erklärung des Reichstages gegen Windischgrätz.
  • 23. Ultimatum Windischgrätz' an Wien. Rede Robert Blums in der Aula.
  • 24. Brigittenau von den Kaiserlichen besetzt.
  • 26. Kämpfe um die Sophienbrücke.
  • 28. Beginn des Angriffes gegen Wien.
  • 29. bis 30. Fortsetzung der Kämpfe in den Vorstädten.
  • 31. Eintreffen der Nachricht von der Niederlage der ungarischen Armee bei Schwechat. Beschießung der Inneren Stadt. Erlöschen des Widerstandes.

29.9.1948: Instandsetzung des Zeughauses

Zerstörte Fassaden, Schutt am Platz vor Gebäude

Feuerwehr-Zentrale Am Hof

Auch der schöne Barockbau der Feuerwehr-Zentrale Am Hof wird wieder instandgesetzt. Nach der Behebung der Kriegsschäden im Inneren des Hauses wird jetzt die Hoffassade, die durch einen Bombentreffer vernichtet wurde, wieder hergestellt. Der Kostenaufwand beträgt 125.000 Schilling.

Es bleibt dann nur noch die Wiederherstellung der vorderen Front des Zeughauses, eine der interessantesten Fassaden des Wiener Barocks. Auch diese Arbeiten sollen schon nächstes Jahr begonnen werden.


30.9.1948: Wieder Wildbestand im Lainzer Tiergarten

Die Kriegsereignisse verursachten im Lainzer Tiergarten beträchtliche Schäden an den Forstkulturen. Besonders der Wildbestand wurde stark dezimiert. Auch die Tiergartenmauer wurde an vielen Stellen zerstört, so dass im Jahre 1945 insgesamt 160 zehn- bis fünfzehn Meter breite Löcher im Mauerwerk gezählt wurden. Besonders große Schäden wies der Tiergarten auf der Lainzer Seite auf. Da der Wildbestand des Tierschutzgeländes nun wieder herangezüchtet werden soll, muss zuerst die Mauer instandgesetzt werden. Für die bisherigen Arbeiten wurden bereits 120.000 Schilling genehmigt.

30.9.1948: Eröffnung des Mädchenheimes "Sängerwarte"

Das Mädchenheim "Sängerwarte" wurde in Anwesenheit der Stadträte Afritsch und Dr. Freund eröffnet. Diese Einrichtung, deren Zweck es ist, jungen Mädchen ein gesichertes Heim zu schaffen, ist das Werk der "Arbeitsgemeinschaft für Heilpädagogik", die vor einem Jahr gegründet wurde.

30.9.1948: Stockholms Stadtpräsident in Wien angekommen

Portrait Albert Anderson

Stockholms Stadtpräsident Karl Albert Anderson

Der Stadtpräsident von Stockholm, Karl Albert Anderson, kam heute in Begleitung des Sekretärs der schwedischen Europahilfe, Conny Anderson, in Tulln an und wurde von den Stadträten Afritsch und Novy am Flugplatz empfangen.

Der mehrtägige Aufenthalt der schwedischen Gäste dient u.a. der Besichtigung der Wiener Wohlfahrtseinrichtungen. Aber auch die im Entstehen begriffenen Wohnhausanlagen werden von den Gästen besichtigt, z.B. Per-Albin-Hansson-Siedlung.

Karl Albert Anderson, der im 50. Lebensjahr steht, ist aus der schwedischen Genossenschaftsbewegung hervorgegangen und hat sich als Direktor der schwedischen Konsumvereine auf diesem Gebiet große Verdienste erworben. 1942 wurde er als Kandidat für das Amt des Stadtpräsidenten nominiert. Seit dieser Zeit leitet er die Verwaltung der schwedischen Hauptstadt.


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