Wien 1948: Berichte vom Oktober 1948

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.10.1948: Sportfest in Schönbrunn

Die Feuerwehr der Stadt Wien, die Wiener Polizei und die Britische Besatzungsmacht veranstalten auf dem Murrayfield-Platz in der Schönbrunner-Kaserne ein Sportfest, bei dem leichtathletische Wettkämpfe, ein Handballmatch, ein Tauziehen und sportliche Darbietungen am Rhönrad gezeigt werden.

2.10.1948: Festliches Johann Strauß-Konzert

Die Johann Strauß-Gesellschaft hat wieder ihre Tätigkeit aufgenommen und gibt im Großen Musikvereinssaal ihr 1. großes Konzert. Auf dem Programm stehen zum Teil bekannte Werke von Johann Strauß Sohn. Das Konzert wird von den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Prof. Rudolf Moralt aufgeführt.

4.10.1948: Ausländische Freiheitskämpfer bei Bürgermeister Körner

Bürgermeister Körner empfing im Rathaus eine Delegation ausländischer Freiheitskämpfer, die zu der Generalversammlung des Verbandes österreichischer antifaschistischer Freiheitskämpfer in den Ehrbarsälen, nach Wien gekommen waren. Unter den Delegierten konnte der Bürgermeister den Gründer der Internationalen Brigade, Franz Dahlen, den Polizeichef von Brandenburg, Richard Steimer und die Führer des tschechischen und slowakischen Partisanenverbandes, begrüßen.

5.10.1948: Vertreterin des Britischen Roten Kreuzes im Rathaus

Bürgermeister Körner empfing heute die neue Leiterin des Britischen Roten Kreuzes in Österreich, Frau Oberst Vivian Daniell. Die neue Leiterin dieser Institution ist eine der wenigen Frauen, die in England den Rang eines Oberst erreichen konnte.

Oberst Daniell kennt Wien noch aus den Vorkriegsjahren und wird nun ständig die Aktionen des Britischen Roten Kreuzes in Österreich durchführen.

5.10.1948: Preis für die Rindfleischkonserven

Der Verbraucherpreis für die aufgerufenen Fleischkonserven beträgt 4,15 Schilling je 16-Unzen-Dose, bzw. 9,15 Schilling je kg. Dieser Preis hat nur für Ware mit der Bezeichnung "Stewed Steak" Geltung.

Für die stellenweise statt Pferdefleischkonserven zur Ausgabe gelangenden Rindfleischkonserven (Beef and Gravy, Meat and Gravy) beträgt der Verbraucherpreis 6,00 Schilling je kg.

6.10.1948: Wien erwartet die Basler Gäste

In den nächsten Tagen wird wieder ein Sonderzug mit Schweizer Freunden in Wien eintreffen. Mit den 270 Gästen kommt auch die Basler Knabenmusik und eine Abordnung der Hilfsaktion "Basel hilft Liesing" unter der Führung ihres Leiters Edi Schmuck und der Gattin des Basler Großrates Frau Steffen.

Die Basler Hilfsaktion hat sich in der Nachkriegszeit mit ihren Spenden von Lebensmitteln und Medikamenten, Kleidungsstücken und nicht zuletzt durch die Aufnahme der Liesinger Schulkinder in der Schweiz besonders verdient gemacht. Die Basler Knaben werden während ihres Aufenthaltes in Wien vor dem Liesinger Rathaus ein Festkonzert veranstalten.

6.10.1948: Eine neue Rettungsstation in Inzersdorf

In der Draschestraße in Inzersdorf wurde die neue Rettungsstation, die erste, die nach dem Krieg eingerichtet werden konnte, eröffnet. Damit verfügt der Rettungsdienst zusammen mit seinen Zweigstellen in Mariahilf, Penzing, Ottakring, Floridsdorf und der Zentrale in der Radetzkystraße über insgesamt sechs Rettungsstationen. Die neue Station ist besonders notwendig, da sich in diesem Teil Wiens, an der Ausfallstraße nach dem Süden, häufig Unfälle ereignen.

Mit dieser neuen Station hat der Wiener städtische Rettungsdienst wieder eine erfreuliche Erweiterung gefunden. Wie sehr diese Erweiterung berechtigt ist, zeigt ein Überblick über die Leistungen des Rettungsdienstes.

So wurde im Jahre 1945, obwohl im April von 29 Ambulanz- und 52 Krankentransportwagen nur ein einziger übrig geblieben war, vom Kriegsschluss bis Ende des Jahres 7.771 Ausfahrten gemacht. Damals mussten die Angestellten der Rettung oft nur mit Tragbahren oder Handwagen ihren schweren Dienst verrichten. Auch Verbandzeug und andere unbedingt erforderliche Einrichtungen und Materialien fehlten vollkommen. Aber bereits Ende 1945 standen dem Rettungsdienst sechs Wagen und für den Krankenbeförderungsdienst sieben Wagen zur Verfügung. Ende des nächsten Jahres waren es 16 Rettungs- und 39 Krankenwagen. Mit diesen 16 Wagen wurden 15.534 Ausfahrten gemacht.

Derzeit stehen beim Rettungsdienst 21 und beim Krankenbeförderungsdienst 41 Wagen in Betrieb, so dass der Friedensstand annähernd erreicht wurde. Freilich sind es nicht moderne und allen Anforderungen entsprechende Autos, wie vor dem Krieg, sondern zu einem guten Teil englische und amerikanische Armeefahrzeuge. Seit Kriegsende wurden vom Rettungsdienst 42.000 Ausfahrten gemacht und im gleichen Zeitraum 77.162 Personen behandelt.

7.10.1948: Das Wohnbauprogramm der Stadt Wien 1949

Die Stadt Wien beabsichtigt im Jahre 1949, mit den Arbeiten für die Errichtung von rund 3.000 neuen Wohnungen zu beginnen. Der genaue Umfang des Wohnbauprogrammes wird noch von den Budgetverhandlungen abhängig sein. Der Bauausschuss hat aber heute das Stadtbauamt ermächtigt, sowohl die Baupläne wie auch die Regelung der entsprechenden Grundstücksangelegenheiten in Angriff zu nehmen. Insgesamt handelt es sich um 55 Projekte, die auf alle Wiener Bezirke verteilt sind.

Das Bauprogramm des nächsten Jahres unterscheidet sich in seiner Ausführung gegenüber den Bauvorhaben der letzten zwei Jahre dadurch, dass nicht Siedlungen sondern Hochbauten vorgesehen sind. Diese sollen im allgemeinen vorhandene Baulücken füllen und somit auf Gründen errichtet werden, auf denen die Kanalisation und die Anschlüsse für Gas, Wasser und elektrisches Licht schon vorhanden sind. Der Siedlungsbau in Wien wird aber nicht zu kurz kommen, weil im nächsten Jahr doch noch die heuer begonnenen Siedlungen fertig und weiter gebaut werden, wie z.B. der zweite Teil der Per Albin-Hansson-Siedlung. Ferner sind Verhandlungen mit dem Siedlerverband im Gange, um die Voraussetzungen für den Bau von Siedlungen auf genossenschaftlicher Basis zu prüfen.

8.10.1948: Vier Millionen Schilling für Schulbücher

Seit Errichtung der neuen Stadtverwaltung sogt die Stadt Wien wieder für die unentgeltliche Beistellung der Lernbücher an den Wiener Pflichtschulen. Vom zuständigen Gemeinderatsausschuss wurde die Anschaffung von 128.800 Büchern für die Pflichtschulen beim Verlag Jugend & Volk genehmigt, die mehr als eine Million Schilling kosten werden. Es handelt sich dabei um Rechen-, Religions-, Naturgeschichte-, Naturlehre und Englischbücher. Auch eine kleine Verkehrsfibel ist dabei.

Insgesamt wurden seit Kriegsende (einschließlich dieser letzten Anschaffung) rund 667.800 Bücher gekauft, die fast vier Millionen Schilling gekostet haben.

9.10.1948: "Die Geistinger und ihre Zeit"

Maria Geistinger in barocken Kostüm

Schauspielerin Maria Geistinger.

Am 11. Oktober findet im Wiener Bürgertheater die Welturaufführung der Marischka-Operette "Die Walzerkönigin" statt, die Episoden aus dem Leben der Sängerin und Schauspielerin Maria Geistinger zur Darstellung bringt.

Die Städtischen Sammlungen haben eine Reihe von Ausstellungen in verschiedenen Wiener Theatern zusammengestellt, die zum Ziel haben, an Hand von Bildern und Kulturdokumenten interessante Aufführungen kulturhistorisch zu illustrieren. Nun zeigen sie im Balkonfoyer des Bürgertheaters eine Schau "Die Geistinger und ihre Zeit".

Die Ausstellung bringt eine Auswahl zeitgenössischer Bildnisse, Rollenbilder, Ansichten, Karikaturen und illustriert die künstlerische Wirksamkeit der Geistinger als Soubrette in den Operetten Johann Strauß' (Sohn), Offenbachs, Suppes und Millöckers, als Volksschauspielerin Anzengrubers und als Tragödin bei Laube. Karikaturen aus den bekannten Witzblättern jener Zeit (Floh, Bombe, Figaro) zeigen die volkstümliche Bedeutung der Geistinger. Tableaux, wie "Die Geistinger und ihre Bühnenpartner", "Operettensängerinnen der Geistinger-Zeit", "Theaterdirektoren der Geistinger-Zeit" und "Autoren von Geistinger-Stücken" richten den Blick auf die Zeitgenossen der berühmten Schauspielerin. Bilder aus dem Wiener Volksleben und Ansichten des Wien der Geistinger-Zeit ergänzen die Schau.


12.10.1948: Rührender Empfang der Heimkehrer

Der über ein Jahr erwartete Heimkehrertransport, der nun endlich das Lager Marmaros-Sziget verließ, traf heute gegen Mitternacht in Wiener Neustadt ein, und wurde gegen 8 Uhr früh auf dem Südbahnhof von einer riesigen Menschenmenge stürmisch begrüßt. Der Heimkehrerzug mit 284 Wienern, 76 Niederösterreichern und 12 Zivilinternierten, unter ihnen auch die in einem russischen Lager geborene zweijährige Ilona mit ihrer Mutter, wurde von Bürgermeister Körner und Mitgliedern der Stadtverwaltung in Empfang genommen.

Das letzte militärische Kommando gab General Körner an die Heimkehrer: "Rechts schwenken - in die Arme der wartenden Mütter, Gattinnen und Kinder!"

13.10.1948: Wiedereröffnung des Pferdemarktes

Das Marktamt der Stadt Wien gibt bekannt:

Der städtische Pferdemarkt, der bis zur Besetzung durch die Alliierten im Jahre 1945, im 5. Bezirk auf der Siebenbrunnenwiese (Siebenbrunnenfeldgasse 3) abgehalten worden war und als einziger Markt in Wien für den Verkauf von Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln diente, wird wieder in Betrieb genommen. Die Marktzeiten: 8 bis 14 Uhr.

Der Pferdemarkt wird wöchentlich einmal und zwar jeden Dienstag stattfinden. Den Verkäufern ist es gestatten, auch die mitgebrachten Wagen und Geschirre zu verkaufen. Der Eintritt ist nur Käufern und Personen gestattet, die Tiere auf den Markt bringen, oder dort beschäftigt sind.

Die bestehende Marktordnung für den Pferdemarkt, die Kundmachungen für das Hilfspersonal und über den Markthelfertarif sowie die Gebührenordnung der Wiener städtischen Vieh- und Schlachthöfe treten wieder in Kraft.

Seit der Gründung im Jahre 1881 hat der Pferdemarkt zwei Weltkriege überdauert und kann nun nach einer Unterbrechung von mehr als drei Jahren seine preisregulierende Tätigkeit wieder aufnehmen.

15.10.1948: Aus dem Wiener Landtag:

Über den einzigen Punkt der Tagesordnung, das Wiener Wiederverlautbarungsgesetz, referierte StR. Afritsch:

Afritsch betonte u.a. die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit, Landesgesetze unter Berücksichtigung ihrer oft zahlreichen Ergänzungen und Änderungen in einer Neuverlautbarung zusammenzufassen. Er wies ferner darauf hin, dass die für die Landesregierung in der Vorlage vorgesehenen Befugnisse, unzutreffende Behördenbezeichnungen und fremde Ausdrücke zu ersetzen, Rechtsvorschriften richtigzustellen, die Bezeichnung der Paragraphen und Absätze zu ändern und Ergänzungen einzubauen, sich streng an die der Bundesregierung im analogen Bundesverfassungsgesetz gegebene Ermächtigung halten und nur formeller Natur sind.

15.10.1948: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Nach einer Festansprache von Bgm. Körner anlässlich der hundertsten Wiederkehr des Tages, an dem die erste, aus freier Wahl gebildete Gemeindevertretung in Wien zusammengetreten ist, standen u.a. folgende Punkte auf der Tagesordnung:

Bericht über den derzeitigen Stand der Ernährungsversorgung Wiens, besonders mit Frischfleisch und Erdäpfel sowie das Wohnbauprogramm der Stadt Wien für 1949.

16.10.1948: Neue Triebwagen in Bau

Zur Erneuerung und Modernisierung des Wagenparks der Wiener Verkehrsbetriebe, der durch die Kriegsereignisse besonders stark gelitten hat, wird in erster Linie der Triebwagenbau forciert. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich diesem Vorhaben in den Weg stellen, sind derzeit 50 neue zweiachsige Triebwagen im Bau. Nach Vollendung dieser Serie sollen in den Simmeringer Pauker-Werken weitere in Angriff genommen werden.

16.10.1948: Eröffnung des Floridsdorfer Marktes

Der alte Floridsdorfer Markt, Am Spitz, der nur aus transportablen Ständen bestand, die täglich nach Marktschluss weggeräumt werden mussten, wurde im Jahre 1927 aus verkehrstechnischen Gründen auf den Platz vor dem "Schlingerhof" verlegt. Der neue Platz war sehr geräumig und vor allem auch Gelegenheit, in dem Wohnbau ausgedehnte Kelleranlagen für Marktzwecke einzubauen und Büroräume unterzubringen.

Mit Beschluss des Gemeinderates vom 9. Juli 1926 wurde daher dieser Platz als Marktfläche gewidmet, von der Stadt Wien instandgesetzt, die Kelleranlagen und die Büroräume ausgebaut und die Markthütten, die Eigentum der Markthändler sind, von diesen auf eigene Kosten errichtet. So entstand hier schon im Jahre 1927 ein Markt mit stabilen Ständen, der schon damals als einer der schönsten und modernsten Detailmärkte Wiens galt.

Während des Krieges wurden 80 Marktstände vollkommen zerstört und die übrigen mehr oder weniger schwer beschädigt. Die Standinhaber wurden notdürftig, teils in Geschäftslokalen, teils in Kojen der städtischen Marktkelleranlage "Schlingerhof" untergebracht, wo sie, so gut es eben ging, ihr Geschäft weiterführten. Im Herbst 1945 wurde beschlossen, die Marktstände nicht mehr aus Holz herzustellen sondern in massiver Bauweise. Mit dem Bau wurde im Juli 1946 begonnen. An Baukosten wurden durch die Marktparteien 1,200.000 Schilling aufgebracht. Die Stadt Wien stellte ein Darlehen von 208.000 Schilling zur Verfügung, und die Bundesregierung 364.000 Schilling.

Weiters übernahm die Stadt Wien die Instandsetzung der Marktfläche und der Sockeln der Marktstände, baute einen weiteren Sammelkanal, wodurch es auch möglich wurde, in die Marktstände Wasser einzuleiten. Die den Markt umsäumenden Straßen und Zufahrtswege wurden ausgebessert. Auch sämtliche Elektroinstallationen wurden neu eingeleitet. Für alle erforderlichen Instandsetzungsarbeiten mussten von der Stadt Wien 290.000 Schilling aufgewendet werden.

Der Floridsdorfer Markt besteht derzeit aus 100 stabilen und zwei transportablen Marktständen, die von 64 Marktparteien benützt werden.

Im Rahmen einer kleinen Feier wurde heute der Markt von Bgm. Körner, StR. Jonas, Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht, Marktamtsdirektor Nechradola und zahlreichen Ehrengästen eröffnet.

16.10.1948: Die Woche des Kinderhilfsappells begann auf dem Rathausplatz

Die Woche des Kinderhilfsappells der Vereinten Nationen wurde heute durch ein Monsterkonzert vor dem Rathaus von neunzehn Wiener Musikkapellen mit mehr als fünfhundert Musikern eingeleitet.

In seiner Festansprache betonte Vizebürgermeister Honay, dass sofort nach Kriegsende verschiedene Länder in hochherzigster Hilfsbereitschaft daran gegangen sind, die Not und den Hunger, vor allem der Kinder in Österreich zu lindern. Die Österreicher können und wollen aber nicht auf die Dauer ein in der ganzen Welt bettelndes Volk sein, und es ist zu hoffen, dass die Zeit kommt, wo die Selbsthilfe Selbstverständlichkeit wird. Es ist erfreulich, dass nach Einstellen der UNRRA-Tätigkeit eine neue Internationale Hilfsaktion ins Leben gerufen wurde, die zum Ziel hat, den Kindern zusätzliche Nahrung zu bieten, Kleidung und Schuhe zur Verfügung zu stellen und eine großzügige Erholungsfürsorge einzuleiten.

In Österreich wurden schon mehr als zehn Millionen Schilling von arbeitenden Menschen für den Kinderhilfsappell gespendet. Auch die Arbeiter und Angestellten Wiens haben sofort ihr Beitrag zum Ausbau dieser Organisation geleistet.

19.10.1948: Am 22. und 23. Oktober Hochstrahlbrunnen

Am 23. Oktober jährt sich zum 75. Mal der Tag der Eröffnung der I. Wiener Hochquellenleitung. Aus diesem Anlass wurde damals der eigens für diesen Zweck errichtete Hochstrahlbrunnen in Betrieb genommen. Als Initiator dieses großen Werkes gilt der bedeutende Geologe und Gemeinderat Univ.-Prof. Eduard Suess, der als Mitglieder der hiefür eingesetzten Wasserversorgungskommission den Schlussbericht ihrer Arbeit an den Gemeinderat der Stadt Wien verfasste.

Zur Feier dieses Tages werden am 22. und 23. Oktober der Hochstrahlbrunnen und die beiden Rathausbrunnen in Betrieb gesetzt.

Das seinerzeit beim Hochstrahlbrunnen aufgestellte Denkmal des Prof. Eduard Suess soll, seiner Bedeutung entsprechend, vor der Geologischen Bundesanstalt, 3, Rasumofskygasse, nach Behebung der Bombenschäden des Gebäudes, aufgestellt werden.

19.10.1948: Instandsetzungsarbeiten am Schutzengelsbrunnen

An dem Schutzengelsbrunnen vor der Paulanerkirche, der durch die Kriegsereignisse schwer beschädigt wurde, werden derzeit Renovierungsarbeiten durchgeführt. So konnte die vor kurzem gefundene vierte Drachenfigur an der Kirchenseite des Brunnens wieder angebracht werden.

19.10.1948: Englische Filmkünstler beim Bürgermeister

Der englische Regisseur Carol Reed, der Schöpfer des Filmes "Der Gehetzte", wurde von Bürgermeister Körner und StR. Matejka empfangen.

Reed, der in Begleitung seiner engeren Mitarbeiter gekommen war, berichtete dem Bürgermeister, dass er in Wien mit einer Herstellungsgruppe von vierzig Personen die Außenaufnahmen zu seinem Film "The Third Man" (Der dritte Mann) drehen werde. Sowohl englische als auch österreichische Schauspieler werden bei diesen Wiener Außenaufnahmen, die mehr als ein Drittel des Filmes ausmachen, mitwirken. Die interessantesten Stellen Wiens sollen dabei im Film Platz finden. "The Third Man" ist eine Alexander Corda Produktion. Sir Alexander Corda selbst, der ja in den Zwanziger Jahren eine Reihe von österreichischen Großfilmen in Wien drehte, wird voraussichtlich selbst nach Wien kommen.

Bürgermeister Körner sagte dem englischen Filmteam, die volle Unterstützung durch die Stadt Wien zu.

20.10.1948: Auflösung der Baustoffabtransport- und Verwertungsgesellschaft m.b.H.

Um nach Beendigung des Krieges geordnete Verkehrsverhältnisse und die Voraussetzungen für den Wiederaufbau zu schaffen, mussten vorerst die riesigen Schuttmassen beseitigt werden.

Da damals die Einzelunternehmungen durch die Kriegsereignisse schwer in Mitleidenschaft gezogen waren, wurde im Juli 1945, unter Beteiligung von 20 namhaften Wiener Baufirmen die Baustoffabtransport- und Verwertungsgesellschaft m.b.H., 1, Schottengasse 1, mit dem Ziel gegründet, die Schuttbeseitigung durchzuführen.

Im Auftrag und unter der Aufsicht der Gemeinde Wien wurden von der Gesellschaft bis Ende 1947 unter Verwendung von Baggern, Feldbahnen, Straßenbahnen, Lastkraftwagen der öffentlichen Hand und privater Fuhrwerksunternehmen, Fahrzeugen und Räumgeräten der Besatzungsmächte, freiwilliger und dienstverpflichteter Arbeitskräfte etc., die öffentlichen Verkehrsflächen restlos freigelegt und im Anschluss daran private Liegenschaften vom Schutt befreit. Daneben wurde die für den Wiederaufbau wertvolle Schuttaufbereitungsanlage am Morzinplatz gebaut und betrieben.

Die dem Unternehmen bei der Gründung gestellten Aufgaben sind damit erfüllt. Mit Rücksicht auf die Konsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse besteht daher für diese zweckgebundene Zusammenfassung von Baufirmen weiterhin keine Notwendigkeit mehr. Die Gesellschaft wird im vollen Einvernehmen zwischen allen Beteiligten und der Gemeinde Wien mit Ende 1948 aufgelöst. Für alle Arbeiter und Angestellten konnten andere Arbeitsplätze gesichert werden.

21.10.1948: Der Wiederaufbau des Gänsehäufels

Mit Schluss der Badesaison ist an der Alten Donau eines der größten Bauvorhaben der Nachkriegszeit in Angriff genommen worden - der Wiederaufbau des Gänsehäufels. Dieses größte Strandbad Wiens wurde durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse vollkommen zerstört. Der Bombenhagel demolierte sämtliche Baulichkeiten, so dass nicht einmal mehr an eine provisorische Instandsetzung zu denken war. Auf der Insel wurden 130 Bombentrichter gezählt.

Das alte städtische Strandbad Gänsehäufel hätte im vorigen Jahr schon sein 40jähriges Bestehen feiern können. Im Jahre 1907 wurde hier zum ersten Mal der Badebetrieb aufgenommen. Die Anlage mit Umkleidegelegenheiten für 1.280 Personen, einer Fläche von ca. 50.000 Quadratmetern und einer Strandlänge von 300 Metern war für die damaligen Verhältnisse eine Sehenswürdigkeit. Die Besucherzahl wurde seit dieser Zeit immer größer. Zum Begriff wurde der Name Gänsehäufel aber erst durch die großzügigen Erweiterungen der Gemeinde Wien nach dem Ersten Weltkrieg. Der sprunghaft wachsende Zustrom der Badelustigen machte fortwährende Zubauten von Kabinenräumen und Stranderweiterungen notwendig. Im Jahre 1926 wurde anstelle eines hölzernen Steges und einer Fähre für Fuhrwerke eine Eisenbetonbrücke errichtet. Vor dem Krieg wurden hier bereits 12.000 Umkleidegelegenheiten mit einem Fassungsraum für 20.000 Personen gezählt. Die höchste Besucherzahl von 430.000 Personen wurde im Jahre 1943 erreicht.

Die großen Pläne für den Wiederaufbau des Gänsehäufels sind nun endgültig fixiert und können verwirklicht werden. Die neue Badeanlage wird nach ihrer endgültigen Fertigstellung 25.000 Personen eine Badegelegenheit bieten. Es wird keine getrennten Männer-, Frauen- und Familienbadeabteilungen mehr geben, sondern nur ein sich über die ganze Insel erstreckendes Familienbad mit einer Fläche von 330.000 Quadratmetern und einer Strandlänge von nahezu zwei Kilometern. Nur eine getrennte Badeabteilung soll geschaffen werden, ein Kinderfreibad.

25.10.1948: Ereignisse im November 1848 in Wien

  • 1. Weiße Fahnen auf dem Stephansturm. Innere Stadt abgesperrt.
  • 2. Einzug Jellacic's in Wien. Massenverhaftungen. Standgerichte beginnen zu arbeiten.
  • 4. Wiener Zeitung erscheint wieder. Alle anderen Zeitungen bleiben verboten.
  • 8. Beschluss des Reichstages nach Kremsier zu übersiedeln.
  • 9. Robert Blum erschossen.
  • 10. bis 17. Zahlreiche Erschießungen
  • 16. Messenhauser erschossen
  • 21. Bildung des Ministeriums Schwarzenberg
  • 23. Die Journalisten und Freiheitskämpfer Dr. Becher und Jellinek erschossen.
  • 27. Regierungserklärung Schwarzenbergs.

26.10.1948: Dr. Max Euwe im Rathaus

Max Euwe am Schachbrett grübelnd

Schachweltmeister Dr. Max Euwe.

Der berühmte Schachspieler Dr. Euwe, der zur Zeit in Wien einige Exhibitionen in den Wiener Schachvereinigungen veranstaltet hat, wurde von Bürgermeister Körner empfangen.

Dr. Euwe, ein Amsterdamer Mittelschulprofessor, zählt zu den Spitzenspielern. Es gelang ihm als einzigen, 1935 Aljechin zu besiegen, und Weltmeister zu werden.


26.10.1948: Bürgermeister Körner zum Tode Franz Lehars

Portrait Franz Lehar

Verstorben: Franz Lehar

Bürgermeister Dr. h.c. Körner richtete heute an General a.D. Anton Lehar, den Bruder Franz Lehars ein Schreiben, in dem er seine tiefe Anteilnahme zum Tode des Meisters ausdrückte.


28.10.1948: Das stärkere Bier findet guten Absatz

Das stärkere Bier, das vor zwei Wochen den Konkurrenzkampf mit dem Wein aufnahm, findet überall lebhaften Anklang. Nach einer Mitteilung aus dem Wiener Stadtbräu, dem zweitgrößten Brauhaus Österreichs, wurde in den ersten Tagen, besonders beim dunklen Bier, ein überraschend hoher Absatz verzeichnet. Da auch das helle Bier bei den Konsumenten volle Anerkennung gefunden hat, kann von einer erheblichen Steigerung des Bierkonsums gesprochen werden.

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