Wien 1948: Berichte vom Mai 1948

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

3.5.1948: Das Österreichische Jugendrotkreuz ist wieder erstanden

Unter Teilnahme von mehr als 500 Lehrer und Lehrerinnen aus allen Pflicht- und Mittelschulen Wiens sowie Vertretern der Fortbildungs- und Handelsschulen fand heute unter dem Vorsitz von Landesschulinspektor, Dr. Krassnigg, die erste Hauptversammlung der wiedererstandenen Landesorganisation Wien des Österreichischen Jugendrotkreuzes statt.

3.5.1948: Die Behebung der Kriegsschäden im April

Im April wurden in Wien 25 Ruinen abgetragen und 90 zum Abbruch vorbereitet. 390 Wohnungen sind wieder wohnbar gemacht worden und 732 gefährdete Wohnungen wurden in ihrem Bestand gesichert. Fünf öffentliche Gebäude wurden wiederinstandgesetzt.

Mit der Schuttabfuhr waren im vergangenen Monat im Tagesdurchschnitt 115 Lastautos und 14 Pferdefuhrwerke beschäftigt. 12.374 Kubikmeter Schutt konnten weggeräumt werden. Die Städtische Müllabfuhr kann auf eine Transportleistung von 43.062 Kubikmeter hinweisen.

3.5.1948: Medaille der Stadt Wien für Expräsident Hoover und Frau Roosevelt

Anlässlich der Übergabe von 550 Care-Paketen für die städtischen Kindererholungsheime und Kinderheime aus der Sammlung des "Stille-Gäste"-Komitees, dem u.a. die Gouverneure aller 48 Staaten der USA angehören, wurden an verschiedene Persönlichkeiten, wie an den Expräsidenten Herbert Hoover, an Frau Eleonore Roosevelt und an den Erzbischof von New York, Kardinal Francis Spellman sowie an Oberst Hynes und an Major Murry, die beiden Leiter der europäischen und Wiener Care Mission die Medaille "Das Wiener Kind dankt seinen Helfern" übermittelt. Das kleine Erinnungszeichen soll der sichtbare Dank für ihre Verdienste um die Gesunderhaltung der Wiener Kinder sein.

4.5.1948: Wieder Hygienische Müllabfuhr in Wien - Fünf neue Spezialfahrzeuge werden in Betrieb genommen

Vor dem Kriege standen in Wien für die Müllabfuhr 60 Sammelwagen, die meisten mit zwei Anhängern, in Verwendung. Im Jahre 1945 existierten nur mehr 10 solcher Fahrzeuge und auch diese waren beschädigt. Zur Müllabfuhr mussten daher offene Lastautos herangezogen werden und das Beladen spielte sich in einer Art ab, wie es noch vor 30 Jahren üblich war.

Durch Reparaturen konnte die Zahl der Spezialfahrzeuge für die Müllabfuhr wieder auf 19 erhöht werden, während daneben noch 80 gewöhnliche Lastautos verwendet werden müssen. Außerdem sind schon vor einem Jahr bei der Wiener Brückenbau- und Eisenkonstruktions-A.G. und der Österreichischen Saurer-Werke-A.G. 15 Fahrzeuge der Type "Wibro" in Auftrag gegeben worden, von denen nunmehr 5 Stück fertig sind. Die Wagen wurden nach einem Schweizer Patent aus österreichischem Material in Österreich hergestellt.

Für diese Fahrzeuge wurde ein Chassis mit einem 120 PS Dieselmotor verwendet. Um das Gewicht niedrig zu halten, besteht der Aufbau aus Aluminiumblech. Der Wagen hat ein Eigengewicht von 6,5 Tonnen und ein Ladegewicht von 5,2 Tonnen. 150 Coloniakübel mit je 90 Liter Inhalt werden von dem neuen "Wibro"-Wagen aufgenommen, was aber nur möglich ist, weil der Müll durch eine hydraulische Vorrichtung gepresst wird. Diese Menge entspricht dem Inhalt eines ganzen Coloniazuges mit zwei Anhängern. Die Kosten für einen einzigen neuen Kehrichtwagen betragen rund 300.000 Schilling.

5.5.1948: Wieder 439 CARE-Pakete für Wiener Kinder

Die Wiener CARE-Mission hat dem Amtsführenden Stadtrat für das Wohlfahrtswesen der Stadt Wien, Dr. Freund, 339 Pakete mit für Kinder und Säuglinge geeigneten Lebensmitteln sowie mit Wollstoffen und Decken übergeben, die von verschiedenen Spendern aus den Vereinigten Staaten stammen. Sie wurden hauptsächlich an Waisenkinder verteilt.

Oberst Hynes, der Leiter der europäischen und Wiener CARE-Mission, übergab weiters eine Spende von 100 Paketen aus dem "Martha Deane Radioprogramm" zur Verteilung an die städtischen Erholungs- und Kinderheime sowie an Spitäler mit kleinen Patienten nach Kinderlähmung.

5.5.1948: Wieder regelmäßige Säuberung des Wienflussbettes

Für die Ausräumung des Schuttes aus dem Wienflussbett, die Behebung verschiedener Bombenschäden und die ordnungsgemäße Räumung des Flussbettes, die wieder regelmäßig durchgeführt werden soll, wurden fast 450.000 Schilling genehmigt. Die regelmäßige Räumung ist besonders wichtig, weil die Verschlammung des unteren Teiles des Wienflusses schwere sanitäre Schäden zur Folge haben kann.

5.5.1958: "Jung Wien" beim Internationalen Jugendsingtreffen in Bern an erster Stelle

Die Chorvereinigung "Jung Wien" hatte beim Internationalen Jugendsingtreffen in Bern, von wo sie vor einigen Tagen zurückgekehrt ist, einen sehr schönen Erfolg zu verzeichnen. Während von den Professionalchören der Thomanerchor aus Leipzig und die Wiener Sängerknaben am besten abschnitten, errang von den Amateurchören "Jung Wien" den ersten Platz.

7.5.1948: General Gorder verlässt Wien

Der Wiener Stadtkommandant der Nordamerikanischen Besatzungstruppen General Gorder, kehrt in den nächsten Tagen in seine Heimat zurück. Er stattete heute in Begleitung von Oberstleutnant Lovry Bürgermeister Körner seinen Abschiedsbesuch ab.

7.5.1948: 2.500 CARE-Pakete für Wiener Wiener - die bisher größte Spende an Bürgermeister Körner übergeben

In den Vereinigten Staaten gibt es gegenwärtig zahlreiche Radio-Wettbewerbe zugunsten wohltätiger Zwecke. Die Sendung "People Are Funny" ("Sind die Menschen komisch"), die bisher größte Veranstaltung dieser Art, wurde für die Care-Aktion ausgeschrieben. Der Erlös aus diesem Wettbewerb ist für notleidende Kinder in Europa bestimmt.

Der Stellvertreter des Generaldirektors der Care-Zentrale in New York, Richard W. Reuter, und der Chef der Überseeabteilung, Tucker P. Gougelmann, sowie Oberst Hynes übergaben heute an Bürgermeister Körner und StR. Freund eine Anweisung auf 2.500 Care-Pakete, die aus dem Erträgnis dieses Radio-Wettbewerbes stammen. Diese Care-Spende ist die größte, die die Stadt Wien bisher erhalten hat.

8.5.1948: Die "Wiener Tage" in Stockholm - Die Abreise der Wiener Delegation

Zwischen dem 8. und 16. Mai finden in Stockholm die "Wiener Tage" statt. Stadtrat Afritsch, ist heute in Begleitung von Bundesrat Millwisch und der Wiener Künstler Paul Hörbiger, Hermann Leopoldi, Helly Möslein und Peter Wehle vom Tullner Flugplatz nach Stockholm abgereist.

8.5.1948: 50 Jahre Stadtbahn

Die Geschichte der Wiener Stadtbahn ist von der Geschichte der Stadt Wien nicht zu trennen. Aufstieg und Niedergang der Stadt spiegeln sich in der Entwicklung ihrer Verkehrsmittel nieder. Das Bedürfnis nach einer Stadtbahn ist bereits zur Zeit der ersten Stadterweiterung aufgetreten und wiederholt erörtert worden. Wie sehr sich der Mangel an einem leistungsfähigen Verkehrsmittel fühlbar machte, zeigt der Umstand, dass in den Jahren 1871 bis 1873 nicht weniger als 26 Projekte für den Bau einer Stadtbahn eingereicht wurden. Erst am 12. Juli 1892 wurde ein entsprechender Gesetzentwurf genehmigt. Die Gesamtkosten der Wiener Stadtbahn wurden mit rund 73 Millionen Gulden veranschlagt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. November 1892, mit den eigentlichen Bauarbeiten wurde am 16. Februar 1893 in der Station Michelbeuern begonnen.

Die hervorragende Bedeutung der Stadtbahn machte es notwendig, die Bauten auch vom künstlerischen Standpunkt aus eindrucksvoll zu gestalten. Diese Aufgabe fiel dem Architekten Otto Wagner zu.

In den Jahren 1895 bis 1897 war der Bau der Vororte- und Gürtellinie sowie der Oberen Wientallinie so weit vorgeschritten, dass am 8. November 1897 eine Besichtigungsfahrt unter Teilnahme des Wiener Gemeinderates und der Reichs- und Landtagsabgeordneten von Wien auf der Strecke Westbahnhof - Heiligenstadt - Ottakring unternommen werden konnte.

Am 9. Mai 1898 fand die feierliche Eröffnung der Stadtbahn in der Station Michelbeuern statt. Beim Eingang in der Haltestelle Alser Straße auf der inneren Gürtelseite erinnert eine Gedenktafel an diesen Akt.

Der Betrieb auf der Vorortelinie wurde am 11. Mai, auf der Gürtel- und Oberen Wientallinie am 1. Juni 1898 aufgenommen. Für den Fahrpark waren 52 Lokomotiven und 600 Personenwagen vorgesehen. Die Stadtbahnzüge bestanden aus je 8 Wagen dritter Klasse und 2 Wagen zweiter Klasse.

Der Gedanke, die Stadtbahn im Stadtverkehr elektrisch zu betreiben, ist schon während des Baues immer wieder aufgetaucht. In den Jahren 1898 bis 1900 wurde ein Probebetrieb mit Motorwagenzügen auf der Strecke Heiligenstadt - Michelbeuern durchgeführt, aber aus finanziellen Gründen wieder abgebrochen. 1905 folgte ein Versuchsbetrieb mit Gleichstrom-Hochspannungslokomotiven auf der Strecke Hauptzollamt - Praterstern, der aber keinen befriedigenden Erfolg brachte.

Die Wiener Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Reumann stellte im August 1923 an den Bund den Antrag, die Stadtbahn der Gemeinde Wien zur Einführung des elektrischen Betriebes auf 30 Jahre in Pacht zu übergeben. Erst nach langwierigen Verhandlungen ist es Bürgermeister Seitz am 1. Dezember 1923 gelungen, das Übereinkommen abzuschließen.

Am 19. April 1924 fand die Übernahme der Teilstrecke Michelbeuern - Heiligenstadt - Brigitta-Brücke - statt, und schon im folgenden Monat wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die Lostrennung vom Vollbahnbetrieb erforderte manche Veränderungen. Gleisschleifen wurden angelegt, Wagenhallen und Betriebsgebäude in den Endstationen Hütteldorf und Heiligenstadt errichtet, weiter eine Umkehrstelle in der Stadtbahnhaltestelle Hietzing und eine Verbindung von Straßenbahn und Stadtbahn für die Linie 18G am Mariahilfer Gürtel hergestellt. In Michelbeuern musste sodann eine Wagenhalle und ein Betriebsgebäude errichtet werden. Die Gleise wurden in den meisten Haltestellen um 45 cm näher an den Bahnsteig gerückt und etwas gehoben. Die Angleichung der Stadtbahn an die Straßenbahn in tariflicher Hinsicht und die Einführung der Umsteigeberechtigung zu den beiden Verkehrsmitteln machte auch den Umbau der Sperranlagen notwendig.

Die Zerstörungen auf der Stadtbahn durch den Krieg waren besonders schwer. 8 eiserne Brücken und 10 eiserne Eindeckungen wurden vernichtet, ferner 9 eiserne Brücken und 6 eiserne Eindeckungen sowie rund 2.500 m2 Eisenbetoneindeckungen zum Teil schwer beschädigt. Bei vier Gewölben des Verbindungsbogens und bei einem Gewölbe der Haltestelle Alser Straße mussten eiserne Hilfsbrücken eingebaut und nach Instandsetzung der Gewölbe wieder abgetragen werden. Die beschädigten eisernen Betoneindeckungen der Donaukanallinie mussten an 5 Stellen behelfsmäßig gepölzt werden. Ferner wurden 1,2 km Schienen ausgewechselt. Die Schäden an den meisten Haltestellen der Wiener Stadtbahn sind bereits behoben. Der Bahnhof Heiligenstadt ist leider völlig zerstört.

Im Sommer 1945 gelang es aber, auf einer Länge von 21,7 km, das sind 83 Prozent der Friedenslänge, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Im Jahre 1913 betrug die Zahl der Reisenden auf den innerstädtischen Linien der Stadtbahn rund 41,2 Millionen. Seit der Einführung der elektrischen Betriebe stieg die Zahl auf jährlich rund 90 Millionen. Einzelne Haltestellen weisen an Werktagen 20.000 bis 30.000 Fahrgäste auf.

10.5.1948: Architekt M. le Corbusier beim Bürgermeister

Portrait Corbusier

Architekt M. le Corbusier zu Besuch in Wien.

Bürgermeister Körner empfing heute den französischen Architekten M. le Corbusier, der zur Eröffnung der französischen Ausstellung "Architektur und Städtebau" nach Wien gekommen ist.


11.5.1948: Margaretner Hauptschüler korrespondieren mit South Bend

In Wien gibt es bereits einige Mittelschulen, über die die Schüler amerikanischer Lehranstalten die Patenschaft übernommen haben. Der Zweck einer solchen Patenschaft ist vor allem das gegenseitige Sichkennenlernen und das raschere Eindringen in die fremde Sprache durch eine lebhafte Korrespondenz.

Die "John Nuner School" in South Bend im Staate Indiana hat als erste amerikanische Lehranstalt gleichzeitig zwei Wiener Hauptschulen als Paten übernommen. Es handelt sich um die Mädchenhauptschule in der Embelgasse und um die Knabenhauptschule in der Bachergasse.

12.5.1948: Dienst am Kunden bei den E-Werken

Heute wurde die Beratungsstelle der Wiener E-Werke, in der Mariahilfer Straße 41, die während des Krieges geschlossen war, durch StR. Exel wieder eröffnet.

Die Ausstellungsräume, die außerdem um einige Nebenräume erweitert und neu ausgestattet wurden, zeigen eine Vielfalt von Elektrogeräten, Herde, Kühlschränke, Staubsauger, Heißwasserspeicher, aber auch Kleingeräte, wie Tauchsieder, Küchenmaschinen u.v.a.. Diese Geräte geben einen Überblick über die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Elektrizität im Haushalt, die freilich gegenwärtig noch Zukunftsmusik sind. Die Aufgabe der Beratungsstelle soll es aber sein, die Verbindung zwischen den E-Werke und ihren Abnehmern aufrecht zu halten. Dies wird durch fachliche Beratung über Elektrogeräte und Tarife, über sparsame Stromverwendung und durch Abhaltung von Schulvorträgen und Führungen geschehen. Ein eigener "Heimdienst" sorgt für die hauswirtschaftliche und technische Betreuung der vollelektrifizierten Haushalte.

13.5.1948: Der englische Gesandte beim Bürgermeister

Diener hält Gesandtem die Autotüre auf

Englischer Gesandter Sir Cecil Bertrand Jerram

Der neuernannte englische Gesandte Sir Cecil Bertrand Jerram wurde heute von Bürgermeister Körner empfangen.


14.5.1948: Das alte Haydn-Grab wird gesucht

Die Leitung des Meidlinger Heimatmuseums, 12, Bischoffgasse 10, bittet jene Wiener, die noch die Stelle des alten Haydn-Grabes im jetzigen Haydn-Park wissen oder die einen Plan des aufgelassenen Hundsturmer Friedhofes besitzen, um Mitteilung.

14.5.1948: Eine Ehrenmitgliedschaft für Bürgermeister Körner

Die Landesleitung des Bundes demokratischer Freiheitskämpfer Österreichs hat Bürgermeister Dr. Körner zum Ehrenmitglied ernannt. Eine Abordnung dies Bundes überreichte heute an den Bürgermeister die Ehrenurkunde.

18.5.1948: Fast 1,5 Millionen Schilling für den Ausbau Wiener Spitäler

Die Desinfektionsanstalt der Stadt Wien, 10, Arsenalstraße 7, wurde im Krieg zerstört. Um die Benützung dieser wichtigen Einrichtung wieder zu ermöglichen, hat der zuständige Gemeinderatsausschuss für Baumeisterarbeiten 130.000 Schilling vergeben. Mit den Arbeiten wird sofort begonnen werden.

Ferner wurde die Errichtung einer Hochdruck-Schnellsterilisierungseinheit im Rudolfsspital im 3. Bezirk in Auftrag gegeben sowie auch die Erweiterung der Telefonanlage in diesem Krankenhaus genehmigt.

170.000 Schilling wird der Wiederaufbau des Mitteltraktes des Gebäudes des Rettungsdienstes, 3, Radetzkystraße kosten. In der Poliklinik (9, Mariannengasse 10) wird eine durch den Krieg zerstörte Warmwasserheizung wieder eingebaut werden.

Für das Allgemeine Krankenhaus wurden fast 300.000 Schilling veranschlagt, geplant sind u.a.: die Erneuerung und Instandsetzung der Telefonanlage, die Ölfeuerungsanlagen und der Einbau einer Zentralheizung für die 2. Medizinische Abteilung.

Circa 40.000 Schilling werden für die Errichtung zweier Ambulanzen im Franz-Josefs-Spital für interne und Augenerkrankungen aufgewendet.

18.5.1948: Pfingsttreffen der Österreichischen Trachtenvereine

Am Pfingstsonntag fand in Wien der Festzug der österreichischen Trachtenvereine statt. An dem Festzug nahmen neben Wiener Trachtenvereinen, Vereine aus Salzburg, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten teil. Der Zug ging vom Heldenplatz über den Ring zum Rathaus, wo er von Bürgermeister Körner empfangen wurde.

19.5.1948: Kinderparadies Knödelwiese

Ab dieser Woche wird die Kindererholungsstätte der Stadt Wien bei der Knödelhütte wieder als Sommerkindergarten betrieben. 280 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren finden dort wieder Erholung.

19.5.1948: Basel spendet Liesing 80.000 kg Kartoffeln

Männer entladen Karoffeln und schnüren diese in Säcke

Männer bei der Entladung eines Güterwaggons.

Heute sind in Wien acht Waggon mit 80.000 kg Kartoffeln eingetroffen, die von der Aktion "Basel hilft Liesing" gespendet wurden.


19.5.1948: Der neue amerikanische Stadtkommandant bei Bürgermeister Körner

Der neue Kommandant der amerikanischen Zone in Wien, Generalmajor Robert T. Frederick war heute zum seinem Antrittsbesuch bei Bürgermeister Körner.

21.5.1948: Wiener Sicherheitsausschuss 1848

Am Abend des 26. Mai 1848 hielt der "Ausschuss der Bürger, Nationalgarde und Studenten Wiens für Aufrechterhaltung der Ruhe, Sicherheit und Ordnung und Wahrung der Rechte der Völker", kurz der "Sicherheitsausschuss" genannt, im Alten Rathaus seine erste Sitzung ab. Das Ministerium hatte die Bildung dieser Körperschaft gebilligt, die zeitweilig mächtiger als die Regierung selbst war. Die Sitzung begann als Gemeindeausschusssitzung und wurde von Vizebürgermeister Bergmüller eröffnet. Es wurde ein Komitee aus Deputierten des Gemeinderatsausschusses, der Nationalgarde und der Studenten gebildet. Der Sicherheitsausschuss war beratende Körperschaft, Exekutivorgan und Justizbehörde zugleich. Er befasste sich mit allen Fragen, die das öffentliche Leben Wiens betrafen.

Die in der ersten Sitzung angenommenen Anträge, die am nächsten Tag auch vom Ministerrat bestätigt wurden, beinhalteten die Bewachung der Stadttore durch die Nationalgarde, den Verbleib des zum Dienste notwendigen Militärs in Wien und die Bestrafung der für den 26. Mai Schuldtragenden. Das Ministerium machte den Sicherheitsausschuss, dessen Vorsitzender seit 1. Juni Dr. Fischhof war, unabhängig von jeder anderen Behörde und übertrug ihm die volle Verantwortung für die öffentliche Ruhe und Ordnung, sowie für die Sicherheit der Personen und des Eigentums. Der Sicherheitsausschuss bestand bis zum 25. August 1848 und übergab an diesem Tage seine Fahnen an die Universität und den Oberkommandanten des bürgerlichen Zeughauses.

Eine Gedenktafel im Alten Rathaus erinnert an die erste Sitzung des Sicherheitsausschusses, der damals permanent tagte. Ihre Inschrift lautet: "In diesem Hause trat der in den Revolutionstagen des Jahres 1848 zur Aufrechterhaltung der Ordnung vom Volke gewählte Sicherheitsausschuss am 26. Mai 1848 im Sitzungssaale zusammen".

In der Ausstellung "Wien 1848" im Wiener Rathaus sind interessante Bilder und Aufrufe des Sicherheitsausschusses zu sehen.

22.5.1948: Grundsteinlegung zur zweiten großen Wohnhaussiedlung

Bürgermeister Körner legte heute den Grundstein zu einer neuen Siedlung der Stadt Wien in 22, Hirschstetten, die 346 Wohnungen umfassen soll. Nach der schon im Bau befindlichen Per-Albin-Hansson-Siedlung, handelt es sich hierbei um die zweite große Wohnhaussiedlung seit dem Kriegsende. Die Baustelle ist die rund 105.000 m2 große Fläche zwischen der Quadenstraße, dem Ostbahndamm, der Krieger-Heimstätten-Siedlung und der Stadtrand-Siedlung. Es handelt sich um 58 zweistöckige Wohnhäuser mit je vier Wohnungen und 89 Einfamilienhäusern. Jede Wohnung wird ungefähr 60 m2 groß sein und im allgemeinen über Wohnküche, Elternschlafzimmer, Kinderschlafzimmer, Wirtschaftsraum, Badezimmer und WC verfügen. Zu jeder Wohnung gehört auch ein Nutzgarten bis zu 200 m2 und ein Kleintierstall.

Geplant ist ferner die Errichtung eines zweistöckigen Geschäfts- und Wohngebäudes mit einem Konsumvereinslokal und mit entsprechenden Magazinräumen, ein Milchgeschäft und zwei weitere Geschäftslokale. Dazu kommen noch ein Werkstätten- und Garagengebäude, eine Gaststätte und ein Kindergarten.

Die Kosten für 161 Wohnungen des 1. und 2. Bauloses betragen 12,3 Millionen Schilling. Für die Herstellung einer einzigen Siedlungswohnung muss die Stadt Wien daher durchschnittlich 76.000 Schilling aufwenden.

Im Anschluss an die Grundsteinlegung besuchte der Bürgermeister die benachbarte Krieger-Heimstätten-Siedlung, die eine der ältesten Siedlungen Wiens ist. Sie hat unter den Wirkungen des Krieges schwer gelitten, ist aber im Wiederaufbau bereits weit fortgeschritten.

22.5.1948: Festbeleuchtung des Wiener Rathauses

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird am Sonntag, dem 23. Mai, mit Beginn der Dunkelheit das Wiener Rathaus wieder festlich beleuchtet werden. Der Anlass hierzu ist ein Monsterkonzert der vereinigten Kapellen der Städtischen Unternehmungen auf dem Wiener Rathausplatz als Abschlussveranstaltung des Ersten Kongresses des Österreichischen Gewerkschaftsbundes.

Schon im Jahre 1908 wurde anlässlich eines Regierungsjubiläums eine Beleuchtung des Rathauses mit Kohlenfadenlampen versucht, doch die erste große Festbeleuchtung in der Art, wie sie allen Wienern noch in schöner Erinnerung ist, fand am 12. November 1924, anlässlich des Staatsfeiertages und der Arbeitsaufnahme im Kraftwerk Opponitz statt. Seither wurde das Rathaus in jedem Jahr mehrere Male, so an Staatsfeiertagen, während der Wiener Festwochen, bei den zahlreichen internationalen Kongressen und Jugendtreffen, bei der Olympiade und bei anderen Monsterveranstaltungen, insgesamt aber noch 97mal beleuchtet. Die Installation war anfangs nur lose angebracht, wobei jedesmal die Türme eingerüstet werden mussten. Später wurde eine ständige Beleuchtungsanlage montiert und an der Außenseite der Türme eiserne Leitern angebracht. Diese Außenarbeiten sind immer sehr gefahrvoll und werden ausschließlich vom Personal der Magistratsabteilung 34 ausgeführt.

Zur Beleuchtung wurden in früheren Jahren insgesamt 900 Soffitten und Reflektoren verwendet, die aus rund 4.000 Glühbirnen zusammengesetzt waren, deren Leuchtkraft ca. 500.000 Kerzenstärken betrug. Dazu kamen zwei Scheinwerfer mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter, die auf den Nebentürmen montiert waren und mit je 5.000 Kerzenstärken den Rathausmann anstrahlten. Dorthin sandte seinen Strahl auch noch ein großer Scheinwerfer mit 90 Zentimeter Durchmesser und 10.000 Kerzenstärken, der im Rathauspark stand. Verstärkt wurde der Lichteffekt noch dadurch, dass sämtliche Fenster der Vorderfront des Rathauses mit Leinentüchern bespannt waren, hinter denen alle Lichter der Raumbeleuchtung brannten. Die faszinierende Wirkung der Beleuchtung des Wiener Rathauses ist auch deshalb so groß, weil sie indirekt ist, und die Lichtquellen vom Betrachter nicht gesehen werden können.

Durch die Bombentreffer, die das Wiener Rathaus erhalten hat, ist auch ein großer Teil der Festbeleuchtungs-Installation zerstört worden. In einem einzigen Magazin gingen 2.000 Glühbirnen und 400 Soffitten zugrunde. Eine vollständige Wiederinstandsetzung der Anlage konnte wegen wichtigerer Arbeiten noch nicht durchgeführt werden.

Trotzdem wird die Beleuchtung am kommenden Sonntag von nicht geringer Wirkung sein. Der breite Mittelteil der Vorderfront des Rathauses wird schon friedensmäßig aussehen, wobei die riesigen Fenster des 71 Meter langen Festsaales, in dem gegenwärtig die Ausstellung "Wien 1848" untergebracht ist, statt mit Leinen bespannt, auf der Innenseite mit Kalk bestrichen werden. Dagegen werden die beiden Gebäudeflügel nicht durch Soffitten beleuchtet, sondern von Scheinwerfern der Wien-Film Gesellschaft. Die drei Rathausscheinwerfer mit zusammen 20.000 Kerzenstärken werden aber ebenso wie in früheren Jahren den Rathausmann aus der Dunkelheit heben.

Die Kosten der Beleuchtung trägt der Österreichische Gewerkschaftsbund.

25. 5.1948: Eine Möbelaktion des städtischen Wohlfahrtsamtes

Der Amtsführende Stadtrat für das Wohlfahrtswesen, Dr. Freund, berichtete heute im Wiener Stadtsenat über eine vom Wohlfahrtsamt eingeleitete Aktion, durch die minderbemittelten Haushalten, die ausgebombt oder ausgeplündert wurden, sowie Heimkehrern und Naziopfern, die Ausstattung mit einfachen Wohnungsmöbeln ermöglicht werden soll. Bisher hat das Wohlfahrtsamt solchen Bedürftigen im Rahmen der aus Nachlässen zur Verfügung stehenden Altmöbelbeständen zu helfen versucht. Der Kreis, der durch die Kriegsereignisse um ihr Inventar gekommenen Familien ist aber außerordentlich groß und die Anschaffung von Mobiliar stößt zumindest für minderbemittelte Personen derzeit noch auf außerordentliche Schwierigkeiten.

In dem eingebrachten Antrag soll die Gemeinde Wien aus den Mitteln der Haussammlung für die Armen Wiens 200 in Serienerzeugung hergestellte Schlafzimmer anschaffen und an die in Frage kommenden Personen in Form eines unverzinslichen Fürsorgedarlehens abgeben. Der Preis einer solchen Schlafzimmereinrichtung beträgt 2.500 Schilling bei Rahmenbau, 2.600 Schilling bei Vollbau. Ein Drittel des Betrages wird als Anzahlung eingehoben, der Rest ist in 36 Monatsraten zurückzuzahlen.

Der Stadtsenat hat diesen Antrag einstimmig angenommen.

25.5.1948: Konstituierung einer Bauoberbehörde in Wien

Die Bundesverfassung 1929 bestimmt, dass in Angelegenheiten des Bauwesens in Wien die Entscheidung in oberster Instanz besonderen Kollegialbehörden zusteht. Die Bauordnung für Wien hat dabei den Baumeistern eine ausreichende Vertretung eingeräumt. Das Dritte Reich hat diese demokratische Einrichtung der Mitwirkung von Fachkreisen an der obersten Entscheidung in Bausachen wieder beseitigt. Diese Verordnung des "Reichskommissars" wurde aber vom Wiener Landtag aufgehoben und gleichzeitig die vor dem Jahre 1939 geltenden Vorschriften der Bauordnung für Wien wieder in Kraft gesetzt.

Unter Vorsitz von Vizebürgermeister Honay fand heute die konstituierende Sitzung der neuen Bauoberbehörde statt. Zum ständigen Vorsitzenden der Bauoberbehörde wurde der Amtsführende Stadtrat für das Bauwesen der Stadt Wien, Novy, bestellt. Die sechs weiteren Mitglieder sind Stadtbaudirektor Dipl.-Ing. Gundacker, der Vorstand der zur Vorbearbeitung der Berufungsfälle zuständigen Magistratsabteilung, Senatsrat Dr. Halbmayr, der Vertreter des Leiters des Gesundheitsamtes der Stadt Wien, Dr. Corvin, ferner Dipl.-Ing. Müller, Baumeister Schönauer und Ziviling. Dietrich, die auf Vorschlag der Kammer für Gewerbliche Wirtschaft bestellt wurden.

28.5.1948: Gefrorenes ab 1. Juni 1948 steuerpflichtig

Das vom Wiener Landtag beschlossene Gesetz über die Gefrorenessteuer tritt am 1. Juni 1948 in Kraft. Es unterliegen damit nicht nur wie bisher die in den Kaffeehäusern üblichen Verabreichungen von Speiseeis, sondern unterschiedslos alle Sorten Gefrorenes gleichmäßig einer Abgabe von 10 Prozent des Entgeltes.

29.5.1948: Grundsteinlegung zu einer Siedlung in Stadlau

Bürgermeister Körner legte den Grundstein zu einer neuen Wohnhaussiedlung, die 302 Wohnungen umfassen wird, in Wien 22, Erzherzog-Karl-Straße. Die Anlage ist eine Fortsetzung der schon in den Jahren 1924 bis 1928 durch die Stadt Wien erbauten großen Stadlauer Siedlung. Die neue Anlage wird eine Grundfläche von 81.067 Quadratmeter haben, wovon 13.137 Quadratmeter, das sind rund 16 Prozent, verbaut werden.

Die 302 Wohnungen verteilen sich auf eine größere Zahl von ein- und zweistöckigen Reihenhäusern mit zusammen 222 Wohnungen, auf mehrere verschieden große Mehrfamilienhäuser mit zusammen 64 Wohnungen und dann noch auf 8 Häuser mit 16 Wohnungen für selbständige Berufstätige, zu denen auch je ein entsprechender Arbeitsraum gehört. Jede Wohnung wird über eine Fläche von rund 60 Quadratmeter verfügen und im allgemeinen aus Wohnküche, Elternschlafzimmer, Kinderschlafzimmer, Vorraum, Wirtschaftsraum, Bad und WC verfügen. Zu jeder Wohnung wird auch ein ca. 150 Quadratmeter großer Nutzgarten gehören. Geplant ist ferner die Errichtung eines Gebäudes mit mehreren Geschäftslokalen, eines Kindergartens und von zwei Garagengebäuden. Auch ein Straßenreinigungsdepot wird im Bereich der neuen Siedlung Platz finden.

Die Baukosten werden 12,566.000 Schilling betragen.

31.5.1948: Verkauf von Schlosseranzügen aus amerikanischen Überschussgütern

Das Hauptwirtschaftsamt gibt bekannt, dass gebrauchte Schlosseranzüge aus amerikanischen Überschussgütern nicht bezugscheinfrei und auch nicht gegen Punkte der "Karte für bezugserleichterte Textilwaren" verkauft werden dürfen, sondern weiterhin nur gegen Berechtigungsscheine des Hauptwirtschaftsamtes abgegeben werden können.

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