Wien 1948: Berichte vom Februar 1948

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

3.2.1948: Wiener Stadtsenat für Bewirtschaftung der Baustoffe

In der heutigen Sitzung des Wiener Stadtsenates berichtete StR. Novy über die Auswirkungen der teilweisen Auflassung der Baustoffbewirtschaftung auf die Gemeinde Wien. Das neue Warenverkehrsgesetz(wird derzeit im Nationalrat verhandelt) sieht vor, dass Mauerziegel, Heraklith, Gips, Durnatplatten und Elektromaterial nicht mehr bewirtschaftet werden sollen. Stadtrat Novy stellte dazu fest, dass durch Instandsetzung und Inbetriebnahme von Ziegeleien wohl die Produktion von Mauerziegeln über den heurigen Bedarf hinaus gesteigert werden könnte, dem gegenüber steht aber fest, dass noch immer ein größeres Manko an anderen Baustoffen wie an Zement, Dachziegeln, Glas und Eisen bestehen bleibt. Dieses Missverhältnis müsste durch eine vernünftige Produktionslenkung ausgeglichen werden. Es würde schon genügen, durch Senkung der Kohlenzuweisungen an die Ziegeleien, die Überproduktion an Mauerziegeln zu verhindern und durch höhere Kohlenzuweisungen die Mehrproduktion jener Baustoffe zu erzielen, wo noch immer Mangel herrscht. Die bessere Versorgung mit einzelnen Baustoffen zum Anlass zu nehmen, um die Bewirtschaftung dieser Baumaterialien aufzuheben, kann nur zu unerhörten Preissteigerungen bei diesen Artikeln führen, durch die vor allem die Gebietskörperschaften, die derzeit die größten Bauherren sind, finanziell aufs Schwerste belastet würden.

Der Stadtsenat beschloss daher, die Parlamentsfraktion der beiden großen Parteien aufzufordern, den Gesetzentwurf zurückzustellen und einer neuerlichen Beratung zu unterziehen.

4.2.1948: Der Heimkehrertransport aus Jugoslawien

Tausende Menschen hatten sich wieder auf dem Südbahnhof eingefunden, um die Heimkehrer des Kriegsgefangenentransportes aus Jugoslawien zu empfangen. Es waren 38 Wiener, 27 Niederösterreicher, 15 Oberösterreicher, 4 Salzburger, 11 Tiroler, 6 Vorarlberger, 3 Staatenlose aus Wien sowie 17 Ausländer und Staatenlose aus den westlichen Bundesländern, die von Bürgermeister Körner begrüßt wurden.

4.2.1948: Die Allgemeine Viehzählung in Wien

Am 18. November 1947 fand in Wien die letzte Viehzählung statt. Sie diente außer statistischen Zwecken vor allem zur Festsetzung der abzuliefernden Fleischkontingente. Die Erhebungen wurden in den Bezirken 1 bis 26 durchgeführt.

Gegenüber dem Vorjahr war nahezu bei allen Tiergattungen eine Zunahme festzustellen. Bei den Kleintieren ist die Zurückgewinnung des Vorkriegsstandes am meisten gediehen. Bei Ziegen ist sogar eine um über 15 Prozent hinausgehende Zunahme gegenüber 1938 zu verzeichnen. Die Zahl der Milchkühe hat sich dagegen stark verringert, 1945 gingen 54 Prozent verloren und auch in den nachfolgenden Jahren behinderte der Futtermangel eine wirksame Aufzucht. Die letzte Zählung ergab 7.766 Milchkühe. Bei den Pferden war der Rückgang mit dem Jahre 1945 nicht zum Abschluss gekommen. Die Abnahme des Pferdebestandes setzte sich fort und erreicht mit 9.379 Stück den bisher tiefsten Stand in Wien. Eine umgekehrte Bewegung war in den westlichen Bundesländern festzustellen. Gute Aufzuchtergebnisse waren seit Kriegsschluss bei den Schweinen zu verzeichnen. Der Schweinebestand hat sich bereits um das 2 ¾ fache auf 53.981 Stück erhöht.

Die Kaninchenzucht hat in den Kriegsjahren einen sehr hohen Stand erreicht. 1943 wurden in Wien 321.094 Kaninchen festgestellt, gegenüber 137.757 im Jahre 1938. Auch 1945 gab es in Wien noch mehr Kaninchen als bei Kriegsausbruch. Seither ist ihre Zahl ständig zurückgegangen, derzeit gibt es noch 126.348.

Die Hühnerhaltung hat seit Kriegsende beträchtlich zugenommen. Der Hühnerbestand dürfte sogar noch höher sein, als die ermittelte Zahl von 232.096 Stück. Auch bei Gänsen, Enten, Trut- und Perlhühnern ist eine deutliche Aufwärtsentwicklung seit 1945 feststellbar.

5.2.1948: Eine Wohnungseinrichtung durch die Wiener Armenlotterie

Die 119. Wiener Armenlotterie verlost diesmal 6.150 wertvolle Preise. Der erste Treffer besteht aus einer kompletten Wohnungseinrichtung in Nussholz, der zweite Treffer ist eine Schlafzimmereinrichtung aus Eichenholz, der dritte Preis ist ein Brillantring und auf den Gewinner des vierten Preises wartet ein Puch-Motorrad.

7.2.1948: Auch die Linie "9" fährt wieder

Nachdem in den letzten Wochen ein großer Teil der restlichen noch stillgelegten Straßenbahnlinien in Betrieb genommen werden konnte, wird nun auch der als Rundlinie so wichtige "9er-Wagen" wieder fahren.

Die Linien 37 und 40 werden über den Gürtel miteinander verbunden.

9.2.1948: Entschlossenes Eingreifen der Wiener Feuerwehr verhindert Brandkatastrophe

Heute vormittag bemerkten Angestellte der Wiener Volksoper während der Probearbeit Rauch, der aus dem Dachstuhl des Volksoperngebäudes in das Bühnenhaus drang. Eine größere Fläche des Dachgehölzes über dem Schnürboden der Bühne hatte stark zu glosen begonnen. Von der Feuerwehrzentrale "Am Hof" und den Hauptfeuerwachen Döbling und Währing trafen Löschmannschaften bei der Volksoper ein. Branddirektor Dipl.-Ing. Seifert ließ vier Schlauchlinien, zum Teil über die schmalen Wendeltreppen, bis in den hohen Dachfirst hinaufleiten. Als die Dachhaut, zwischen der inneren Verschalung und der äußeren Dacheindeckung, die auf einer Fläche von ungefähr 40 bis 50 Quadratmeter gloste, aufgerissen wurde, schlugen die Flammen auf. Die verkohlten Teile des Daches mussten eingerissen werden, wodurch Mauerteile und Holzstücke zwischen den Kulissen in das Bühnenhaus stürzten. Der Brand konnte nach kurzer Zeit gelöscht werden. Bei der gesamten Löschaktion wurde niemand verletzt.

Die Ursache des Feuers konnte bisher nicht festgestellt werden. Es wird aber angenommen, dass es durch Funkenflug aus einem Kamin entstanden ist.

Die Instandsetzungs- und Aufräumungsarbeiten werden allerdings mehrere Tage in Anspruch nehmen. Bis dahin wird der Spielbetrieb eingestellt werden müssen.

9.2.1948: Plakatwettbewerb für die Ausstellung "Wien 1848"

Der Wiener Magistrat schreibt einen Wettbewerb, zur Erlangung eines Plakatentwurfes für die beabsichtige Ausstellung "Wien 1848", aus.

Für die Plakate wurde folgender Text bestimmt: "Wien 1848". Ausstellung im Festsaal des Neuen Wiener Rathauses in der Zeit von März bis Mai 1948.

Für die besten eingesandten Arbeiten werden folgende Preise festgesetzt:

  • 1. Preis: 1.000 Schilling
  • 2. Preis: 800 Schilling
  • 3. Preis: 600 Schilling
  • und sechs Anerkennungspreise zu je 100 Schilling.

Die Jury besteht aus den Stadträten Afritsch, Dr. Exel und Dr. Matejka, sowie aus den Herren Dr. Katann, Dr. Wagner, Dr. Geyer und den Professoren Gorgon, Herberth und Slama.

10.2.1948: Büchersammlung für Häftlinge

Auf Anregung von StR. Matejka, wurde bei den führenden Wiener Verlagsanstalten eine Büchersammlung eingeleitet, um den Häftlingen des Straflandesgerichtes in ihrer Freizeit gute Lektüre bieten zu können. Eine Reihe von Verlagen, u.a. Amandus Edition, Danubia-Verlag, Verlag für Jugend und Volk u.v.a., haben sich spontan bereit erklärt, diese Aktion zu unterstützen.

10.2.1948: Die Gemeinde ehrt die Märtyrer des Februar 1934

Der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Volksbildung hat in seiner heutigen Sitzung die Benennung von drei Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien nach Märtyrern der Februar-Kämpfe des Jahres 1934 beschlossen. Es werden die Wohnbauten 14, Linzer Straße 128 - Rottstraße - Felbigergasse - Marcusgasse nach dem am 12. Februar 1934 gefallenen Schutzbündler Ferdinand Blat in "Blat-Hof", Wien 17, Gräffergasse 5 - Heigerleinstraße - Halirschgasse nach dem am 12. Februar 1934 gefallenen Schutzbündler Leo Holy in "Holy-Hof" und 19, Obkirchergasse 16 - Sonnbergplatz - Leidesdorfgasse nach dem im Jahre 1934 justifizierten Schutzbündler Emil Svoboda in "Svoboda-Hof" benannt.

Der Text der Erläuterungstafeln wird lauten:

Auf dem "Blat-Hof" in Penzing: "Ferdinand Blat, Mitglied des Republikanischen Schutzbundes und der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, geboren am 17. Oktober 1888, gefallen am 12. Februar 1934."

Auf dem "Holy-Hof" in Hernals: "Leo Holy, Mitglied des Republikanischen Schutzbundes und Vertrauensmann der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, geboren am 27. Oktober 1899, gefallen am 12. Februar 1934."

Auf dem "Svoboda-Hof" in Döbling: "Emil Svoboda, Gruppenführer des Republikanischen Schutzbundes, geboren 1898, justifiziert 1934."

11.2.1948: Feierliche Eröffnung des Amalienbades

In Anwesenheit von Bürgermeister Körner, Vbgm. Honay, der StRe. Novy und Rohrhofer sowie zahlreicher Festgäste wurde heute das Amalienbad feierlich eröffnet.

Nach der Begrüßung durch Bezirksvorsteher Wrba hielt Bürgermeister Körner seine Eröffnungsrede: "Die Erbauung des Bades war das Werk des Willens einer Stadt, die die Ideale der Arbeiterbewegung erhalten wollte. Es ist damals viel von Verschwendung gesprochen worden, aber gerade weil Favoriten ein Arbeiterbezirk ist, musste dieses Bad entstehen. Die Berechtigung dieser Anlage beweisen am besten die Besucherzahlen, die das Amalienbad aufzuweisen hat. Eine Million Menschen gingen jährlich dorthin.

Als der Bau im Jahre 1926 eröffnet wurde, war es verhältnismäßig leicht gewesen, ihn zu errichten, weil Wien vom letzten Krieg her keine baulichen Schäden hatte. Heute aber ist es doppelt schwer das Bad auch nur wieder instandzusetzen, doch die Gemeindeverwaltung verfolgt noch immer denselben Gedanken wie damals und deshalb wird es zur Gänze wieder entstehen."

11.2.1948: Wiederenthüllung des Schuhmeier-Denkmals

Für Franz Schuhmeier ist im Jahre 1928 in Ottakring, in der Anlage vor dem nach ihm benannten Gemeindewohnbau, eine von Bildhauer Siegfried Bauer geschaffene Büste aufgestellt worden. Das Denkmal wurde, wie viele andere Kunstwerke aus Bronze oder Kupfer, während des Krieges entfernt und eingeschmolzen. Nur der Sockel aus Lindabrunner Stein verblieb an Ort und Stelle. Eine Gipsform der Büste ist erhalten geblieben, so dass an einen Neuguss gedacht werden konnte. Der Mangel an Rohmaterial ließ aber diesen Plan lange nicht zur Ausführung kommen. Erst durch eine Materialspende der Städtischen Versicherungsanstalt, es handelt sich dabei um einen mehr als eineinhalb Tonnen schweren Ritter aus Bronze, der auf ihrem bombenzerstörten Haus auf dem Stephansplatz stand, wurde der Neuguss und die Wiederaufstellung möglich.

Anlässlich des 35. Todestages von Franz Schuhmeier fand heute die Wiederenthüllung der Büste statt. Bürgermeister Körner übernahm das Denkmal in die Obhut der Stadt Wien.

12.2.1948: Großzügige Zuckerspende für das Personal der Wiener Sprechbühnen

Der Wiener Industrielle, Bernhard Altmann, der bei Beginn der Nazi-Ära nach Amerika emigrierte, ließ Bürgermeister Körner ein größeres Quantum Zucker für die Künstler und das Personal der Wiener Sprechbühnen zukommen.

Von dieser Aktion sollen die Bundestheater ausgenommen sein, für die eine separate Aktion läuft. Insgesamt werden 538 Personen von sechs Wiener Bühnen beteilt werden. Das darstellende Personal soll pro Kopf 6 kg, das technische Personal je 4 kg erhalten. Bei der Spende handelt es sich um rund 2.600 kg Zucker.

16.2.1948: Höchstpreise für tiefgekühltes Gemüse und Obst müssen angeschlagen werden

Die Verkäufer von tiefgekühltem Obst und Gemüse sind verpflichtet, die amtlichen Höchstpreise für diese Ware in ihrem Geschäft an deutlich sichtbarer Stelle anzuschlagen. Zuwiderhandlungen werden nach § 4 des Preisregelungsgesetzes bestraft. Die Preislisten sind bei den zuständigen Marktamtsabteilungen erhältlich.

17.2.1948: Starker Schneefall in Wien - Heute arbeiten 5.441 Schneeschaufler

Der starke Schneefall in der Nacht veranlasste die Wiener Verkehrsbetriebe, schon ab Mitternacht mit der Hauptreinigung der Straßenbahngleise zu beginnen. Aufgrund des großen Aufgebotes an "Schneeschauflern" kam es zu keinen Verkehrsbehinderungen.

17.2.1948: Cilli Wang bei Bürgermeister Körner

Die bekannte Wiener Tänzerin Cilli Wang, die nach zehnjähriger Abwesenheit wieder nach Wien zurückgekehrt ist, wurde heute von Bürgermeister Körner und StR. Matejka empfangen.

18.2.1948: Während der Nacht kein Gas mehr

Wegen Erdgasmangel und übermäßigem Gasverbrauch für Heizzwecke kann das Gasrohrnetz während der Nacht nicht weiter unter Druck bleiben. Ab sofort wird daher bis auf weiteres die Gasabgabe von 20.30 Uhr abends bis 5.30 Uhr früh vollständig gesperrt sein.

Wegen der dadurch erhöhten Unfallgefahr wird neuerdings daran erinnert, dass nach Beendigung der Gaslieferzeiten alle Gashähne sorgfältig geschlossen werden müssen.

20.2.1948: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Senatsrat Dr. Franz Leppa wurde auf die Dauer von fünf Jahren zum Direktor des Kontrollamtes der Stadt Wien gewählt.

Gemeinderat Konrad Lötsch wurde anlässlich seines 70. Geburtstages einstimmig zum Bürger der Stadt Wien ernannt.

Bürgermeister Körner überreichte ihm das Bürgerdiplom.

21.2.1948: Eva Pawlik beim Bürgermeister

Portrait Eva Pawlik

Dr. Eva Pawlik zu Besuch in Wien.

Eva Pawlik auf dem Eis

Die österreichische Meisterin in Eiskunstlauf in Aktion.


Bürgermeister Körner empfing heute die österreichischen Meister im Eiskunstlauf, Eva Pawlik und Edi Rada. Stadtrat Matejka stellte die Preisträger der Winterolympiade sowie den Vater Eva Pawliks, der Amtsrat bei den städtischen Wasserwerken ist, vor.

Eva Pawlik hat nach Beendigung der Weltmeisterschaften mehrere Angebote für Schaulaufen im Ausland erhalten. Nach einem Schaulaufen in Wien wird sie gemeinsam mit Richard Button in Budapest und Stockholm auftreten.

21.2.1948: 8.000 Wohnungstausche in einem Jahr

Das Tauschreferat des Wohnungsamt der Stadt Wien (MA 50) hat heute den 8.000sten Antrag auf Wohnungstausch einer positiven Erledigung zugeführt. Die amtliche Wohnungstauschvermittlung besteht seit März 1947.

Der "Amtliche Wohnungstauschanzeiger" umfasst derzeit 2.500 Tauschadressen. Er liegt in allen Bezirksstellen des Wohnungsamtes auf und soll in nächster Zeit in das Amtsblatt der Stadt Wien eingebaut werden.

21.2.1948: Die Konzessionsverleihungen für die Wiener Theater

Portrait Franz Stoss

Franz Stoss erhielt die Konzession für das Bürgertheater.

Die Konzessionen für die Wiener Theater wurden seit Beendigung des Krieges immer nur für ein Jahr verliehen, um den Konzessionären Gelegenheit zu geben, sich zu bewähren, so dass etwa erwünschte Korrekturen bei Neuverleihung der Konzesssionen möglich sind. Alle Theaterkonzessionen laufen mit Ende dieses Spieljahres ab. Der Magistrat als Amt der Wiener Landesregierung hat folgende Konzessionen für die nächsten zwei Spieljahre verliehen:

  • An Rudolf Steinböck für das Theater in der Josefstadt und für das Kleine Haus dieses Theaters;
  • an Franz Stoss für das Bürgertheater;
  • an Leon Epp für "Die Insel" in der Komödie;
  • an Hanns Horak für die Kammerspiele;
  • an Direktor Eckhardt für das Künstlertheater;
  • an Alois Wagner für die Renaissancebühne;
  • an Karl Schwetter für das Theater der Stephansspieler und
  • an Rudolf Marek für das Neue Schauspielhaus.

Die Konzessionen für Volkstheater und Raimundtheater werden in nächster Zeit vergeben, allerdings nur für ein Spieljahr.


23.2.1948: Heute 7.000 Schneearbeiter

Die Wiener Verkehrsbetriebe und die städtische Straßenpflege hatten heute insgesamt fast 7.000 Schneeschaufler eingestellt, um den Schneemassen den Kampf anzusagen. Sehr viele Schneeverwehungen mussten beseitigt werden, um einen ungestörten Betrieb der Straßenbahn zu garantieren.

Zum Abtransport des Schnees wurden 33 Lastwagen und 50 Pferdefahrzeuge in Dienst gestellt.

24.2.1948: Berufsvorbereitungskurse für Mädchen bis zum 18. Lebensjahr

Die Aktion "Jugend am Werk" beginnt mit einem dreimonatigen Berufsvorbereitungskurs für Mädchen bis zum 18. Lebensjahr nach Abschluss der Pflichtschule. Die Lehrgegenstände umfassen: Wirtschaftsrechnen, Rechtschreiben, Naturgeschichte, Naturlehre, Haushaltskunde, Kochen, Hygiene, Bürger- und Steuerkunde, Berufskunde und Plakatschrift.

Nach der Abschlussprüfung erhalten die Kursteilnehmerinnen ein Zeugnis. Nach Möglichkeit erfolgt für sie auch eine bevorzugte Stellenvermittlung durch das Arbeitsamt.

24.2.1948: Eine große Penicillinspende

Nach wie vor mangelt es in Wiens Spitälern an Medikamenten. Direktor Prinz von der Züricher Firma "Tracent" spendete nun für die Kranken 5.000 Phiolen Penicillin zu je 200.000 Einheiten.

25.2.1948: Bilder der Städtischen Sammlungen für "1848 Ausstellung" in Paris

Die Stadt Paris hat durch den Französischen Nachrichtendienst an die Stadt Wien das Ersuchen gerichtet, ihr für eine "1848 Ausstellung" einige Bilder zur Verfügung zu stellen. Die Städtischen Sammlungen übergaben dem Französischen Nachrichtendienst leihweise vier Kunstblätter.

25.2.1948: Die Kriegsschädenbehebung an Privathäusern

Seit Kriegsschluss bis Ende 1947 wurden bei der Magistratsabteilung 25, die für die Behebung der Kriegsschäden an Privathäusern zuständig ist, 31.226 Ansuchen um Behebung von Dachschäden eingereicht. 16.278 Dachschäden wurden bereits behoben, so dass noch rund 15.000 übrig bleiben. Diese Zahl wird sich aber noch erhöhen, weil viele Dächer nur provisorisch gedeckt werden konnten und die bisher verwendete Dachpappe noch von schlechter Qualität ist. Die durchgeführten Dachreparaturen erforderten rund 9,3 Millionen Dachziegel, 650.000 Durnatplatten anstelle von Schieferplatten, 834.500 Quadratmeter Dachpappe, 15.000 Kubikmeter Holz und 100.000 Kilo Nägel.

Insgesamt wurden bisher 137.511 Bauansuchen, davon 124.111 für Wohnhäuser und 13.400 für industrielle und gewerbliche Objekte eingebracht. Davon wurden fast 100.000 Ansuchen überprüft und für 85.634 die bauwirtschaftliche Genehmigung erteilt. Unter diesen waren 49.029 Ansuchen auf Wiederherstellung zerstörter oder schwer beschädigter Wohnungen. 13.145 solcher Wohnungen sind bereits fertiggestellt worden, ebenso 47.639 Wohnungen, die wohl zum Teil bewohnt werden konnten, aber durch Dachschäden und sonstige Gebrechen ständig gefährdet waren. Es sind auch Ansuchen auf die Wiederherstellung von 3,284.000 Quadratmeter industrieller und gewerblicher Anlagen eingegangen. Davon konnten bisher 1,464.000 Quadratmeter, das sind rund 38 Prozent wieder benützbar gemacht werden.

Die Menge des zur Behebung der Kriegsschäden in Wien erforderlichen Glases wurde mit rund 8 Millionen Quadratmeter eingeschätzt. Bisher wurden Marken für 1,197.000 Quadratmeter Glas ausgegeben.

26.2.1948: Wiener Schubertbund ehrt Vizekanzler Dr. Schärf

Portrait Adolf Schärf

Dr. Adolf Schärf, Förderer des Schubertbundes.

Der Wiener Schubertbund verlieh Vizekanzler Dr. Schärf für Verdienste um Musik und Kunst die Silberne Keldorfer-Medaille.

Dr. Schärf betonte in seiner Rede, dass er auch in Zukunft dem Schubertbund ein Förderer sein werde.


27.2.1948: 20.000 Lampen beleuchten die Wiener Straßen

Vor dem Krieg besorgten in Wien 12.000 Gasflammen und mehr als 35.000 elektrische Lampen die Beleuchtung der Straßen, Gassen und Plätze. Während der Luftangriffe gingen die meisten Schaltanlagen in Trümmer. Die auf Spanndrähten hängenden elektrischen Lampen wurden weitgehend zerstört, die Stahl- und Kupferdrähte heruntergerissen und Masten und Kandelaber zerschossen oder umgeführt. Im April 1945 stand die neue Wiener Gemeindeverwaltung ohne Material vor der zunächst unlösbar erscheinenden Aufgabe eine gänzlich erloschene, zu einem Viertel vollständig zerstörte und im übrigen schwer beschädigte Straßenbeleuchtung rasch wieder in Betrieb zu bringen.

Da von einer Neuanfertigung des notwendigen Materials für längere Zeit keine Rede sein konnte, wurden die demolierten Anlagen der Straßenbeleuchtung als Materialquelle herangezogen. Durch Umbauten konnten auch Licht- und Spannmasten, deren Bedarf sich durch häufigen Fortfall von Stützpunkten an bombenzerstörten Häusern bedeutend vergrößert hatte, in allerdings nicht ausreichender Zahl gewonnen worden. Was anfangs unmöglich erschien, hatten die zuständigen technischen Abteilungen der Stadt Wien durch viel Improvisationskunst in verhältnismäßig kurzer Zeit zustandegebracht. Ende 1945 waren in den Straßen von Wien wieder 3.967 Lampen installiert, von denen wegen der damals gespannten Energielage vorerst allerdings nur 1.438 in Betrieb genommen werden konnten.

Die letzten zwei Jahre waren von einer schwierigen Wiederaufbauarbeit ausgefüllt. Heute brennen in Wien wieder 19.222 elektrische Straßenlampen. Das entspricht bereits mehr als der Hälfte des Vorkriegsstandes. Damit leuchtet in fast allen Straßen, die vor dem Krieg elektrisches Licht hatten, durchschnittlich wieder jede zweite Lampe.

Im eigentlichen Stadtgebiet sind als schwach beleuchtete Inseln vor allem jene tiefgelegenen Viertel übriggeblieben, die früher mit Gas beleuchtet waren, z. B. Teile von Favoriten, Floridsdorf, der Landstraße und des Alsergrundes, und jene Gebiete, deren elektrische Beleuchtung viele Eisen- oder Holzmaste erfordern würde. In diesem Jahr sollen aber noch einige dieser dunklen Inseln wieder anständiges Licht erhalten, denn etwa 20 Kilometer Straßen, die früher gasbeleuchtet waren, werden auf elektrische Beleuchtung umgebaut.

27.2.1948: Ersatzansprüche gegen die Armee der Vereinigten Staaten

Eine Kundmachung der amerikanischen Militärbehörde gibt Auskunft über das Vorgehen bei Einbringung von Rechtsansprüchen an die Armee der Vereinigten Staaten. Mit Wirkung vom 1. Juli 1947 müssen alle Rechtsansprüche wie Beschädigungen, Verluste oder Zerstörungen von Eigentum, Körperverletzung usw. die unmittelbar durch Angehörige der Amerikanischen Armee verursacht wurden bei der nächsten Stelle des United States Claim Service, Rechtsanspruchsdienst der Vereinigten Staaten, eingereicht werden. Solche Ersatzansprüche müssen schriftlich innerhalb eines Jahres vorgelegt sein.

28.2.1948: Die 5-Groschen-Gutscheine werden ungültig

Die von den Wiener Verkehrsbetrieben zur Zeit des Kleingeldmangels ausgegebenen 5-Groschen-Gutscheine werden von den Schaffnern und bei den Vorverkaufsstellen nur noch bis einschließlich 13. März angenommen. Restliche Gutscheine können danach noch bis Ende März bei den Wiener Verkehrsbetrieben (6, Rahlgasse 3) eingelöst werden.

28.2.1948: Kosten für eine Woche Schneesäuberung = 20 Siedlungshäuser

Anhaltende Schneefälle, wie jene der vergangenen Woche, bedeuten nicht nur ein Verkehrsproblem sondern auch eine schwere Beeinträchtigung der Finanzen der Stadt Wien. Der Städtischen Straßenpflege sind aus dem letzten Schneefall Kosten in der Höhe von 1,5 Millionen Schilling erwachsen, und die Wiener Verkehrsbetriebe mussten bisher rund eine Million Schilling ausgeben. Der heurige Schneefall kostet also die Gemeinde Wien bereits 2,5 Millionen Schilling, ein Betrag, der ausreichen würde, um 20 neue Siedlungshäuser mit je 2 Wohnungen zu bauen.

28.2.1948: Sperrstunden bis 2 Uhr früh verlängert

Mit Zustimmung des Wiener Interalliierten Kommandos wird die Sperrstunde für alle Vergnügungsbetriebe im Wiener Gemeindegebiet ab sofort bis 2 Uhr früh verlängert.

28.2.1948: Die Konzessionen für Volkstheater und Raimundtheater verliehen

Portrait Fritz Imhoff

Direktor Fritz Imhoff erhielt die Konzession für das Raimundtheater.

Der Bürgermeister hat heute die Konzessionen für das Spieljahr 1948/49 für das Volkstheater an Direktor Paul Barnay und für das Raimundtheater an Direktor Fritz Imhoff verliehen.


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