Wien 1948: Berichte vom April 1948

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.4.1948: Was am Wiener Rathaus repariert werden musste

Das Wiener Rathaus erhielt während des Krieges 15 Bomben- und mehrere Artillerietreffer. Knapp neben dem Rathausturm explodierten zwei Bomben auf der Stahlkonstruktion des hohen Mittelteiles des Hauptdaches und zerstörte sie zum Teil. Auch die Dachhaut wurde durch den Luftdruck weggerissen.

Zuerst wurde die Stahlkonstruktion wiederhergestellt. Nach Überwindung großer Beschaffungsschwierigkeiten konnte das neue Dach provisorisch mit Pappe gedeckt werden. Die endgültige Eindeckung mit Luxemburger Naturschiefer kann aus devisentechnischen Gründen vorerst nicht durchgeführt werden. Da das Wiener Rathaus als markantes Bauwerk der Gründerzeit unter Denkmalschutz steht, war bei den Arbeiten am Dach auf die Originalpläne Rücksicht zu nehmen. 70 zum Teil übermannsgroße Dachfenster mussten in Treibarbeit wiederhergestellt werden. Durch die Bombenwirkung wurden auch rund 3.000 m2 des Blechdaches abgerissen, das neu gelegt werden musste. Die Arbeiten wurden dadurch erschwert, dass die handgeschmiedeten Gitter, die die Dächer umsäumen, abmontiert werden mussten.

Unter dem Schutz des neuen Daches begannen die Instandsetzungsarbeiten im Großen Festsaal. 20 Konsolen waren gebrochen und die gewölbte Decke wies viele Beschädigungen auf. Mit Hilfe eines eigens konstruierten fahrbaren Turmgerüstes wurden die Dachschäden in 19 m Höhe behoben.

Um den Dienstbetrieb im Rathaus aufrecht erhalten zu können, mussten 1.500 Fenster und 400 Türen wiederhergestellt und 130 Fuhren Schutt abgeführt werden. Auch außerhalb des Gebäudes, auf der großen Freitreppe am Rathausplatz, wurden die Schäden behoben. Dazu waren umfangreiche Steinmetzarbeiten notwendig. Die Schäden sind aber so groß, dass bis zu ihrer endgültigen Beseitigung noch mehrere Jahre vergehen werden.

Die zwei zerstörten gusseisernen Kandelaber auf der Freitreppe wurden nach dem Original gegossen und werden gegenwärtig aufgestellt.

Um die Kriegsspuren auch im Innern des Rathauses zu verdecken, mussten 30.000 m2 Wände und Decken frisch gemalt werden. Während der Kriegs- und Nachkriegshandlungen sind auch rund 6.000 Türschlüssel abhanden gekommen, die nachgefertigt werden mussten.

Die bisherigen Kosten betrugen 1,075.000 Schilling. Zur endgültigen Behebung aller Schäden werden noch weitere 1,125.000 Schilling erforderlich sein.

1.4.1948: Große Anschaffungen für die Wiener Schulen

Für die 435 Pflichtschulen wurden im vergangenen Jahr 14.500 Schulbänke, 2.400 Schultafeln, 1.900 Tafelgestelle, 2.000 Tische, 1.300 Kasten, 64 Nähmaschinen, 51 Klaviere und Harmonien und 4.000 Sessel repariert. Neu angeschafft wurden 850 Schulbänke.

In diesem Jahr wird die Stadt Wien für ihre Schulen weitere 5.000 Bänke, 800 Tafeln, 400 Tische, 500 Kasten sowie rund 3.000 Sessel ankaufen und die Klassenlesestoffe um 600.000 Bände ergänzen.

1.4.1948: Einkaufsgenehmigung für Ferkel und andere Tiere

Das Landesernährungsamt Wien teilt mit, dass nach den bestehenden Vorschriften nichtlandwirtschaftliche Tierhalter für den Erwerb (auch Tausch sowie jeder andere - auch unentgeltliche - Erwerb) von Ferkeln und Läufern sowie Schafen im Bereiche von Wien der Genehmigung des Landesernährungsamtes Wien bedürfen. Diese wird grundsätzlich von einem Nachweis der eigenen und ausreichenden Futtergrundlage abhängig gemacht.

Der Erwerb von Schweinen und Schafen durch Nichtlandwirte ohne diese Genehmigung wird nach dem Bedarfsdeckungsstrafgesetz bestraft.

2.4.1948: Zum 65. Geburtstag des Dramatikers Dr. Frieberger

Portrait Kurt Frieberger

Prof. Dr. Kurt Frieberger

Am 4. April begeht Dr. Kurt Frieberger seinen 65. Geburtstag. Zu den literarischen Kreisen um Bahr und Schnitzler gehörend, macht sich Frieberger mit den Gedichtbänden "Barocke Monologe" und "Sieveringer Sonette" einen Namen. Im Jahre 1907 errang er mit seinem Drama "Das Glück der Vernünftigen" den Raimundpreis. Seitdem hat er mit den Bühnenwerken "Hendrickje" und "Die Braut und das scharlachrote Tier" beachtliche Erfolge erzielt und sich mit der freien Bearbeitung der "Beiden Klingsberg" und mit Romanen, von denen kürzlich ein Ghega-Roman "Bahnbrecher" erschienen ist, auf der Höhe seines Schaffens erwiesen. In nächster Zeit wird das Burgtheater eine freie Goldoni-Bearbeitung von ihm bringen.

Frieberger war jahrelang Presseattache in Rom, wurde später Senatspräsident des Verwaltungsgerichtshofes und ist Präsident der Genossenschaft dramatischer Schriftsteller und Komponisten. Auf dem im Juli d.J. in Brüssel stattfindenden Kongress für die Revision der Berner Übereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst wird Sektionschef Frieberger Österreich als Delegierter des Bundesministeriums für Unterricht vertreten.


3.4.1948: Osterpakete für kranke Heimkehrer

Zu Ostern wurden von der Kriegsgefangenenfürsorge der Wiener Landesregierung wieder jene Heimkehrer betreut, die in Spitälern liegen. Die Aktion erstreckte sich auf 323 Heimkehrer in 19 verschiedenen Krankenhäusern. Jeder erhielt ein Paket mit Kondensmilch, Zucker, Feigen und anderen hochwertigen Lebensmitteln, ferner mit Rasierseife, Waschseife, Waschpulver und je 20 amerikanischen Zigaretten.

3.4.1948: Beileidswünsche Bürgermeister Körners zum Tode von Egon Erwin Kisch

Kisch an Brücke lehnend

Egon Erwin Kisch in New York

Anläßlich des Ablebens des bekannten Journalisten Egon Erwin Kisch hat Bürgermeister Körner an den Informationsminister der Tschechoslowakischen Republik, V. Kopetzki, folgendes Telegramm gerichtet:

"Zum Tode Egon Erwin Kisch entbiete ich als Bürgermeister der Stadt Wien aufrichtiges Beileid. Kisch ist durch sein Lebenswerk mit Wien eng verbunden. Sein Tod bedeutet auch für die Wiener einen schmerzlichen Verlust".


3.4.1948: Vizebürgermeister Honay bei Edmund Eysler

Edmund Eysler mit Gattin

Das Ehepaar Eysler feiert Goldene Hochzeit.

Der Meister der Wiener Operette, Edmund Eysler, feiert Goldene Hochzeit. Vizebürgermeister Honay überbrachte heute die Glückwünsche der Stadt Wien an den Jubilar und seine Gattin.


5.4.1948: Kinderzug nach Holland

Die "Volkshilfe" hat heute den ersten Kinderzug nach Holland abgefertigt. 500 erholungsbedürftige Kinder aus Wien, Niederösterreich und Burgenland, sind mit einem holländischen Sonderzug vom Franz-Josefs-Bahnhof abgereist.

7.4.1948: Erholungsaufenthalt für Naziopfer

Politische und rassische Opfer im Kampf für ein freies Österreich, die erholungsbedürftig sind, können jeweils drei Wochen im Erholungsheim Hochegg bei Grimmenstein, Niederösterreich, gegen einen kleinen Unkostenbeitrag Aufnahme finden.

7.4.1948: Mitarbeiter von "Zürich hilft Wien" im Rathaus

Eine Delegation der Aktion "Zürich hilft Wien" wurde heute von Bürgermeister Körner, Vizebürgermeister Honay sowie den Stadträten Novy, Resch, Afritsch und Polizeipräsident Holaubek im Rathaus empfangen. Der Delegation gehören ausschließlich Funktionäre und Angestellte der Züricher Stadtverwaltung an, die sich als Hauptträger der Aktion "Zürich hilft Wien" besonders verdient gemacht haben.

Stadtrat Afritsch verwies auf das langjährige Wirken des Schweizerischen Arbeiterhilfswerkes, dessen hilfreiche Hand nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien wirksam geworden ist, sondern das sich schon an der großen internationalen Hilfsaktion beteiligte, die für die politischen Opfer des Februar 1934 errichtet wurde. Der Gedanke der internationalen Solidarität und Hilfsbereitschaft ist von den Schweizern in die Tat umgesetzt worden.

8.4.1948: 28.922 Jahre werden im Rathaus geehrt

Ehepaar hält Auszeichnung in den Händen

Goldene Hochzeit im Wiener Rathaus.

In den letzten drei Tagen lud die Gemeinde Wien wieder Goldene Hochzeiter aus den Bezirken 1 bis 22 ins Rathaus, um sie anläßlich ihres Jubiläums zu ehren. Insgesamt waren 10 Diamantene und 181 Goldene Hochzeitspaare versammelt, denen Bürgermeister Körner und die Vertreter der Stadtregierung gratulierten.

An die Jubelpaare, von denen die Männer zusammen 14.699 Jahre und die Frauen zusammen 14.223 Jahre alt sind, wurden Lebensmittelpakete und Geldspenden verteilt.


8.4.1948: Konstituierung des Wiener Landes-Sanitätsrates

In Anwesenheit von Bürgermeister Körner und Magistratsdirektor Dr. Kritscha fand heute im Gesundheitsamt der Stadt Wien die Konstituierung des neuernannten Landes-Sanitätsrates für Wien statt. Der Amtsführende Stadtrat für das Gesundheitswesen, Vizebürgermeister Louis Weinberger, eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er auf die Unterbrechung der Tätigkeit des Landes-Sanitätsrates seit dem Jahre 1938 hinwies und die Bedeutung dieser wichtigen Körperschaft für das Gesundheitswesen der Stadt hervorhob.

In geheimer Wahl wurde Dozent Dr. Alfred Schneiderbaur, Direktor und Primararzt des Krankenhauses der Stadt Wien in Lainz, zum Vorsitzenden, Dozent Dr. Paul Grüneis, Direktor und Primararzt an der Wiener Allgemeinen Poliklinik, zum Vorsitzenden-Stellvertreter berufen.

8.4.1948: Das Lichtbildarchiv der Wiener Urania

Eingerüstetes Urania-Gebäude

Die Wiener Urania nimmt langsam wieder ihren Betrieb auf.

Das Lichtbildarchiv der Wiener Urania, das wegen der Zerstörungen am Uraniagebäude im Jahre 1945 vorübergehend in das Volksheim Ottakring geschafft wurde, ist nunmehr in sein altes Haus zurückgekehrt. Das Archiv, das über 50.000 Lichtbilder und 940 Lichtbildvortragstexte umfaßt und unter der Leitung des Archivars Keischar steht, wird nun wieder seinen volksbildnerischen Zwecken zugeführt.


9.4.1948: Ferdinand Bruckner beim Bürgermeister

Der Schriftsteller und erfolgreiche Dramatiker, Ferdinand Bruckner, der nach Jahren der Emigration, die er in Amerika verbrachte, vor kurzem nach Wien gekommen ist, wurde heute von Bürgermeister Körner empfangen. Der Bürgermeister brachte seine Freude zum Ausdruck, dass Ferdinand Bruckner, der auf den Wiener Bühnen vor dem Einbruch des Nazifaschismus heimisch war, in seine Vaterstadt wieder heimgekehrt ist.

9.4.1948: Neue Kindergärten und Jugendhorte

Obwohl die Gemeinde Wien derzeit mehr Kindergärten besitzt und betreibt als jemals zuvor, ist ihre Zahl noch immer ungenügend. 1947 konnten nach Beseitigung von Kriegsschäden 25 Kindergärten und zwei Kinderkrippen eröffnet werden. Das Bedürfnis nach einer Vermehrung der städtischen Kindergärten in den Arbeiterbezirken ist außerordentlich groß. Der Gemeinderatsausschuß für Wohlfahrtswesen beschloss daher, durch Neuerrichtung bzw. Erweiterung von baulich bereits instandgesetzten Kindergärten noch in diesem Jahr 27 Kindergartengruppen, 18 Jugendhortgruppen, 5 Krabbelstuben und zwei Kinderkrippen, die Aufnahmemöglichkeiten für zusammen rund 1.500 Kinder bieten werden, zu schaffen. Die Gesamtkosten werden mit 588.000 Schilling veranschlagt.

10.4.1948: Überreichung des CUP-Pokals

Die Gemeinde Wien hat für den heuer erstmals durchgeführten Wiener Cup einen Wanderpokal gestiftet, der heute dem Fußballverband durch Vizebürgermeister Honay überreicht wurde. Der Pokal, betonte Honay, soll ein Symbol für die Bereitschaft der Gemeinde Wien sein, den Sport zu fördern.

10.4.1948: Römergrab im Votivpark

Bei Kanalisierungsarbeiten, die die Gemeinde Wien seit einiger Zeit im Votivpark vornehmen läßt, kamen kürzlich auch Teile von menschlichen Skeletten zum Vorschein. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Stadt Wien (früher Römisches Museum), stellte eine eingehende Untersuchung an und konnte aufgrund verschiedener Anhaltspunkte mehrere Grabanlagen feststellen. Eine durchgeführte Probegrabung führte zu der Freilegung eines römischen Grabes aus dem 3. Jahrhundert nach Christi. Von den Beigaben ist bloß die Gewandschließe vollständig erhalten, während ein Tonlämpchen und ein Gefäß nur in Bruchstücken vorhanden sind. Das Grab gehört dem Gräberfeld an, das sich beiderseits der hier vorbeiführenden Straßen in römischer und frühmittelalterlicher Zeit ausdehnte. Ein aus der Franzosenzeit stammender Degen dürfte auf eine Zufallsbeerdigung zurückzuführen sein. Es ist beabsichtigt, die Grabungen im kommenden Herbst fortzusetzen.

12.4.1948: Wien hat 120.000 Alleebäume

Die Gesamtfläche der Städtischen Gartenanlagen beträgt 10,322.143 Quadratmeter. Dazu kommen noch 680.379 Quadratmeter Wohnhausgärten. In den Parkanlagen stehen derzeit 6.361 Gartenbänke gegenüber 12.373 im Jahre 1944. Zur gärtnerischen Verschönerung der Stadt Wien tragen auch 119.500 Alleebäume bei.

Im vergangenen Jahr wurden 300.000 Quadratmeter Gartenanlagen instandgesetzt und rund 1.000 Alleebäume nachgepflanzt.

Aber nicht nur der Schönheit allein dienen die Städtischen Gartenanlagen, sondern auch der Ernährung der Wiener Bevölkerung. So wurden im vergangenen Jahr im städtischen Reservegarten für Ernteländler und Kleingärtner fünf Millionen Gemüsepflänzchen herangezogen und in den Parkanlagen 156.000 Kilogramm Gemüse für die Wohlfahrtsanstalten gebaut.

12.4.1948: Die Spatzen vermehren sich zu stark

Die Spatzen haben sich in der letzten Zeit in einem solchem Maß vermehrt, dass sie besonders in den ländlichen Bezirken Wiens empfindlichen Schaden in Obst- und Gemüsegärten verursachen. Auch die heimischen Singvögel werden durch sie verdrängt. Aus diesem Grund hat der Wiener Magistrat eine Kundmachung erlassen, die im Amtsblatt der Stadt Wien veröffentlicht wurde. Danach müssen Nester von Sperlingen, ihre Eier und die Jungtiere vernichtet werden. Bei Nichtbefolgung der Anordnungen können die Bekämpfungsmaßnahmen auf Kosten der Verpflichteten durchgeführt werden.

12.4.1948: Wien gedenkt der gefallenen Befreier

Volksgarten

Volksgarten

Kranzniederlegung am Zentralfriedhof

Zentralfriedhof


Zum Jahrestag der Befreiung Wiens haben Vertreter der Gemeindeverwaltung heute an den Gräbern im Volksgarten, auf dem Stalinplatz und auf dem Zentralfriedhof sowie bei den Denkmälern, der in den Befreiungskämpfen gefallenen Sowjetsoldaten, Kränze niedergelegt.

13.4.1948: Zum Ausbau der Wiener Hafenanlagen

Für den Ausbau des Freudenauer Hafens, der für die wirtschaftliche Entwicklung Wiens in Zukunft von großer Bedeutung sein wird, hat der Gemeinderatsausschuß für Bauangelegenheiten den Bau eines Zugschiffes für den Wassertransport großer Mengen von Baustoffen beschlossen. Auch die Imprägnierung von neu angeschafften Schwellen für die städtische Hafenbahn wurde genehmigt. Der Ausbau des Wiener Hafengebietes wird in den nächsten Jahren zu einem wichtigen Teil des Wiederaufbaues der Stadt werden, um sie im internationalen Wettbewerb im Donauraum an führender Stelle zu halten.

14.4.1948: Neuaufbau einer Betondachziegel-Industrie in Wien

Mit einem Kostenaufwand von über 1,5 Millionen Schilling wird in Wien eine neue Betondachziegelerzeugung eingerichtet, um noch mehr von diesen wichtigen Baumaterialien in Wien zu produzieren. Dadurch wird Wien von der übrigen österreichischen Produktion weiter unabhängig werden. Die Anlage soll in Wien 3, Drorygasse aufgestellt werden. Die Maschinen stammen aus England, die Gussformen und sonstige schwere Bestandteile werden aber in Wien hergestellt, um Devisen, Frachtspesen und Transportraum einzusparen, aber auch um für inländische Erzeugungsfirmen Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. So sind allein 33.000 Stück Gussformen für die Anlage notwendig.

16.4.1948: Kanalinstandsetzung, Granitwürfel und andere wichtige Dinge in Wien

Der Gemeinderatsausschuß für Bauangelegenheiten hat für die 26 Gemeindebezirke die Neubestellung von sieben Firmen für die laufenden Erd- und Baumeisterarbeiten zur Erhaltung der Kanäle und Wasserläufe der Stadt Wien genehmigt.

Ebenfalls genehmigt wurde der Umbau des Hauptunratkanals im 15. Bezirk, Diefenbachgasse, mit einem Betrag von 50.000 Schilling.

48.000 Granitwürfelsteine und beinahe ½ km Granitrandsteine werden von der Stadt Wien dem städtischen Granitwerk in Mauthausen in Auftrag gegeben. Hierdurch wird sowohl eine bessere Ausnützung des anfallenden Rohsteines ermöglicht und außerdem eine genügende Reserve für die Wiederinstandsetzung und Erhaltung der Wiener Granitstraßen erreicht. Die Kosten betragen ca. 220.000 Schilling.

1.000 Holzmaste zum Betrag von ca. 60.000 Schilling (mit Imprägnierung) sind erforderlich, um den Ausbau der öffentlichen elektrischen Beleuchtung, der durch die Kriegsereignisse verhindert wurde, weiter zu führen.

6.600 Wassermesser müssen wieder instandgesetzt werden! Durch den Krieg bedingt, war es durch viele Jahre nicht möglich, eine gleichmäßige und regelmäßige Reparatur im Wiener Gemeindebereich durchzuführen. Drei Firmen haben hier den Auftrag bekommen, für einen Betrag von 300.000 Schilling die Instandsetzung vorzunehmen.

16.4.1948: Das Friedrich-Schmidt-Denkmal wird wieder aufgebaut

Als im Jahre 1943 der große unterirdische Luftschutzbunker hinter dem Rathaus gebaut wurde, musste auch das Denkmal des Dombaumeisters Friedrich Schmidt, des Erbauers des Wiener Rathauses, von seinem bisherigen Standort verschwinden. Es wurde während des Krieges in einem Hof des Rathauses gelagert.

Beim Wiederaufbau der Wiener Gärten wird nun die Grünanlage hinter dem Rathaus links und rechts der Lastenstraße wieder hergestellt; dabei soll auch das Denkmal wieder aufgestellt werden. Es soll aber diesmal nicht auf den gleichen Platz kommen, auf dem es sich früher befand, denn an dieser Stelle stand es verkehrt; das Standbild wies mit seiner Rückseite gegen die Lastenstraße. Nunmehr soll es in der kleinen Gartenanlage vor der großen Hausfront auf dem Schmidt-Platz seinen endgültigen Standort bekommen. Die veraltete Gartenanlage beiderseits der Lastenstraße wird in eine Grünfläche mit Blumen, Buschwerk und Gartenbänken umgewandelt.

19.4.1948: Neue Straßen und bessere Kanalisation im Volksprater

Anläßlich des Wiederaufbaues des Volkspraters ist es notwendig, neue Verkehrsflächen zu planen und eine Instandsetzung von bestehenden Straßen und Plätzen vorzunehmen. Um einen raschen Praterbetrieb zu ermöglichen, wird eine provisorische Herstellung dieser Verkehrswege durch Beschlackung und Bewalzung vorgenommen. Es besteht dadurch auch während dieses Provisoriums die Möglichkeit, dass alle Anrainer ihre Anschlüsse für Wasser, Strom und Kanal herstellen lassen können, ohne dass zunächst hohe Beträge für die Wiederherstellung von Straßendecken ausgeworfen werden müssen.

Durch den Bau eines ca. ein Kilometer langen Hauptunratkanals im Volksprater, werden ungefähr 90 Prozent der geplanten Kanalisation ausgeführt sein.

19.4.1948: Schulfunkanlage in einer Wiener Volksschule

In der ältesten Schule Favoritens, der Knabenvolksschule in der Keplergasse, die 1871 erbaut wurde, konnte eine Schulfunkanlage, finanziert durch Spenden der Elterngemeinschaft, errichet werden. Sie ist die zweite dieser Art in Wien. Innerhalb einer Woche montierten die Eltern selbst die Anlage und opferten einen Teil ihrer Freizeit, um diese Einrichtung so bald als möglich fertigzustellen. Sie besteht aus einer Hauptempfangsanlage, an die in jedem Klassenzimmer ein Lautsprecher angeschlossen ist.

Heute wurde die Anlage mit der Schulfunksendung der Ravag in Betrieb genommen.

19.4.1948: Neuguss von Denkmälern

Die Gemeindeverwaltung ist bemüht, zunächst die künstlerisch wertvollsten der vielen Denkmäler und Denkmalbrunnen, die von der nationalsozialistischen Verwaltung von ihren Plätzen entfernt worden waren, um sie der Kriegsführung zu opfern, wiederherzustellen. Der Neuguss verschiedener Denkmäler ist bereits eingeleitet. Die Gemeindeverwaltung hat nun die Nachricht erhalten, dass in Hamburg ein größeres Lager abgetragener Denkmäler festgestellt wurde, die zur Einschmelzung bestimmt waren, aber nicht mehr eingeschmolzen wurden. Es wird vermutet, dass sich darunter auch Wiener Denkmäler befinden. Daher wurde Auftrag gegeben, mit dem eingeleiteten Neuguss des "Lieben Augustin" und des "Alszauber-Brunnens" vorläufig zuzuwarten, bis feststeht, ob und welche Wiener Denkmäler sich in dem Hamburger Lager befinden.

21.4.1948: Wiener Parkanlagen wie im Frieden

Wien ist eine der größten Gartenstädte Europas. Die öffentlichen städtischen Parkanlagen und die Wohnhausgärten haben zusammen eine Fläche von mehr als 11 Millionen Quadratmetern. Allein im vergangenen Jahr wurden 92 Parkanlagen mit rund 300.000 m2 Fläche in Ordnung gebracht. Darunter waren der Anzengruberpark, der Modenapark, der Hamerlingpark, der Schönbornpark, der Arne-Carlsson-Park sowie weitere Anlagen im 13., 18. und 19. Bezirk. Mehr als 1.000 Alleebäume wurden nachgepflanzt, Splittergräben und 17 Löschwasserteiche wurden entfernt, die restlichen werden noch heuer ausgeräumt.

Eine große Arbeit ist vom Stadtgartenamt im Prater zu leisten, wo durch den Krieg 5.000 Bäume zugrunde gegangen sind. Mehr als 700.000 m2 Boden sind dort als Ernteland zur Verfügung gestellt worden.

In diesem Jahr sollen noch der Börseplatz, Schillerplatz, Friedrich-Schmidt-Platz, Klieberplatz, Johann-Strauß-Park, Arthaberplatz, Hyblerpark, Rohrauerpark, Stillfriedplatz und Hartäckerpark instandgesetzt werden.

23.4.1948: Aus dem Wiener Gemeinderat

In der Debatte wurde der Antrag auf Verbilligung der Wochenkarten einstimmig angenommen, ebenso die Anträge über einen Wasserlieferungsvertrag mit Scheibbs sowie die Aufnahme von Sachkrediten für Investitionen und Anschaffungen in verschiedenen Werksanlagen der Städtischen Elektrizitätswerke.

Eingebracht und zur Diskussion gelangte ein Dringlicher Antrag auf Einführung geeigneter Maßnahmen, um die hohe Zahl von Leuchtgasunfällen zu verringern. Allein während der Osterfeiertage starben neun Menschen an Leuchtgasunfällen. Im Jahr 1947 ereigneten sich 1.702 Leuchtgasunfälle, von denen 600 tödlich endeten.

23.4.1948: Die Gemeinde ehrt Wiener Komponisten

Der Wiener Gemeinderat beschloß, dem Komponisten Hofrat Dr. Rudolf Sieczynski den Ehrenring der Stadt Wien zu verleihen. Hofrat Sieczynski ist der Komponist und Textdichter des Liedes "Wien, Wien nur Du allein".

23.4.1948: Bürgermeister General A.D. Dr. H.C. Körner - Ehrenbürger der Stadt Wien

In der Sitzung des Wiener Gemeinderates wurde auf gemeinsamen Antrag aller drei Parteien Bürgermeister Dr. Theodor Körner in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um Wien zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt.

24.4.1948: Der 75. Geburtstag des Bürgermeisters

Bürgermeister Dr. Körner vollendet das 75. Lebensjahr. Aufgrund seines derzeit angegriffenen Gesundheitszustandes wird von aufwendigen Feiern Abstand genommen. Jedoch fanden sich heute im Rathaus viele Kinder aus den städtischen Kindergärten ein, um dem Bürgermeister zu gratulieren.

24.4.1948: Erde vom Grab eines Freiheitskämpfers

Die Stadt Wien hat in Erfüllung des Wunsches der Stadt Leipzig dieser eine Urne mit Erde vom Grabe Robert Blums, der, in Leipzig geboren, im Jahre 1848 im Wien im Kampfe um Recht und Freiheit fiel, übersandt.

27.4.1948: "Angelibad" abgebrannt

Heute nach Mitternacht ist das städtische Strandbad "Angelibad" an der Alten Donau abgebrannt. Bei Eintreffen der Feuerwehr mit sechs Zügen, standen die zwei Hallen mit 1.500 Umkleide-Kästchen und die 60 Kabinen im Gesamtausmaß von etwa 800 m2 in Vollbrand. Die Brandursache war vorerst nicht feststellbar.

27.4.1948: Warnung vor hantieren mit Sprengkörpern

Wegen der zunehmenden Zahl von Unfällen, in denen Kinder und Jugendliche durch unvorsichtiges Handeln mit Sprengkörpern zu Schaden kommen, wurde den Schulleitungen aufgetragen, für entsprechende Aufklärung und Warnung der Schuljugend zu sorgen.

29.4.1948: Weitere Kriegschädenbehebung an den Wohnhausbauten der Stadt Wien

Zerstörte Wohnhausanlage

Auch die Wohnanlage Fuchsenfeld soll wieder instandgesetzt werden.

Beinahe 1,5 Millionen Schilling hat die Gemeindeverwaltung wieder zur Kriegschädenbehebung an Wohnhäusern zur Verfügung gestellt. So sollen u.a. die Schäden an den Wohnbauten 3, Baumgasse 37 (Stiegen 26 und 28), 12,Fuchsenfeld/Hohenbergstraße 34 und 12, Zeliborgasse 7 behoben werden. Auch sollen in der von Bombentreffern schwer beschädigten Wohnhausanlage 14, Penzinger Straße 150-166 die Stiegen 14, 15 und 21 wieder instandgesetzt werden. 57 Wohnungen werden danach wieder zur Verfügung stehen.


29.4.1948: Zu wenig Schulräume in Wien

Die jährlich um ca. 10.000 Kinder anwachsende Schülerzahl und die Folgen der Kriegsschäden führen zu einer immer stärker fühlbar werdenden Schulraumnot. Die Folge davon ist, dass an vielen Schulen zwei Klassen abwechselnd ein Schulzimmer benützen müssen. Die schon 683 instandgesetzten Klassenzimmer reichen nicht aus, um den jährlichen Schülerzuwachs aufzunehmen. Der Wiener Stadtschulrat drängt jetzt besonders darauf, dass Schulgebäude, die derzeit anderen Zwecken dienen, freigemacht werden.

29.4.1948: Internationale Skisprungschanze auf dem Kobenzl

Zur Erlangung eines Projektes für die Wiedererrichtung einer Internationalen Skisprungschanze auf dem Kobenzl veranstaltete der Wiener Arbeiter-Turnverein einen Wettbewerb. Ein Jury, der prominente Architekten und Sportfachleute angehörten, verlieh heute im Wiener Rathaus den 1. Preis in Höhe von 2.500 Schilling dem Wiener Architekten Adolf Hoch. Das Projekt wurde auch schon beim Olympischen Architektur-Wettbewerb in Wien mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Es wird daher auch an der Konkurrenz in London teilnehmen. Der Entwurf sieht eine Schanze mit 60 mSprungweite vor. Die Plätze für die Zuschauer werden amphitheatralisch, ähnlich wie im Stadion, angeordnet sein und 25.000 Besucher aufnehmen können. Die Anlage wird über die modernsten Einrichtungen einer Sportarena verfügen. Sie kann auch zu allen anderen Jahreszeiten zu großen Freilichtaufführungen, Boxveranstaltungen und Monsterkonzerten verwendet werden.

30.4.1948: 1. Mai - Monsterkonzert auf dem Rathausplatz

Am Nachmittag des 1. Mai, findet auf dem Rathausplatz ein Monsterkonzert der vereinigten städtischen Musikkapellen bei freiem Eintritt statt.

Es dirigieren: Willy Bradac, Friedrich Bruckner, Gustav Gaigg, Julius Kastner, Adolf Vancura und Otto Wacek.

30.4.1948: Maifeier bei Waagner-Biro

Die Waagner-Biro Eisen- und Stahlwerke in Stadlau, veranstalteten heute eine Feier aus Anlass des 1. Mai, an der auch Bürgermeister Körner teilnahm. Im Rahmen dieser Feier wurde eine Gedenktafel zu Ehren eines im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Arbeitskollegen enthüllt und der wiederinstandgesetzte Elektro-Schmelzofen in Betrieb genommen. Außerdem war mit der Feier die Aufnahme der Erzeugung von Kolbenringen nach einer zum Patent angemeldeten neuen Herstellungsmethode verbunden.

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