Wien 1947: Berichte vom Oktober 1947

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.10.1947: Wirksame Schuttbeseitigung im Monat September

Im Monat September wurden wieder 53.300 Kubikmeter Schutt aus öffentlichen Anlagen entfernt und abtransportiert. Daneben sind auch 39.171 Kubikmeter Mist aus den Häusern abgeholt und abgeführt worden. Dazu waren täglich durchschnittlich 154 Lastautos, 5 Straßenbahnwagen und 23 Pferdefuhrwerke in Verwendung.

2.10.1947:Fast 1.000 wiederhergestellte Wohnungen im September

Im Monat September ist in Wien die Bautätigkeit stark angestiegen. Während im August 660 schwer beschädigte Wohnungen wiederhergestellt wurden, waren es im September 939 Wohnungen. Damit können durch die Wiederaufbauarbeiten allein in einem einzigen Monat 2.781 Personen wieder in eigenen Wohnungen untergebracht werden. Daneben wurden noch 2.325 leicht beschädigte Wohnungen ungefährdet gemacht und in ihrem Bestande gesichert. Auch sieben öffentliche Gebäude wurden im September instandgesetzt. Mit diesen Arbeiten waren insgesamt 2.183 Firmen beschäftigt.

2.10.1947:Ein Jahr dänische und amerikanische Hilfsaktionen

Anlässlich der Vollendung des ersten Jahres der Hilfsaktionen des Dänischen und des Amerikanischen Roten Kreuzes sowie der ersten Million von den Amerikanischen Quäkern in Wien ausgegebenen Lebensmittelpakete hat Bürgermeister Körner die leitenden Persönlichkeiten dieser Hilfsaktionen ins Rathaus eingeladen. An dem Empfang nahmen u.a. auch Vizekanzler Dr. Schärf und Bundesminister Maisel teil. Der Bürgermeister konnte ferner den dänischen Gesandten Exzellenz Hassen, den dänischen Generalkonsul Broch, sowie als Vertreter der UNRRA Franz Courts begrüßen.

Das Dänische Rote Kreuz hat am 1. Mai 1946 mit einer Kinderausspeisung in Sankt Pölten begonnen. Seit Ende Juli 1946 betreibt es die Kinderausspeisung in den Wiener Randbezirken, wo täglich 20.000 Portionen ausgegeben werden, und gleichzeitig Ausspeisungen in Niederösterreich und Salzburg.

In den Wiener Randbezirken hat das Dänische Rote Kreuz bis jetzt 19.000 Lebensmittelpakete an alte Leute verteilt, 800 Tuberkulosekranke bekommen gleichfalls jeden Monat ein Paket. Für Tausende Kinder in Heimen in Wien und Niederösterreich stellt es regelmäßig Lebensmittelzubußen bei. Zwei Kinderheime, davon eines in Mariazell, führt das Dänische Rote Kreuz zur Gänze. Bis Ende August dieses Jahres hat allein diese Hilfsaktion 1,100.000 kg hochwertigster Lebensmittel, darunter Speck, Fleisch und Fett an die Bedürftigen verteilt.

Das Amerikanische Rote Kreuz zeichnet sich durch die Vielfalt seiner Aktionen und durch den großen Kreis der von ihm Beteilten aus. Es erfasst Kleinkinder und Schulinder, Greise und Kranke sowie politisch und rassistisch Geschädigte. Die größte Popularität hat in Wien wohl die Milchaktion des Amerikanischen Roten Kreuzes erreicht. In ihrem Rahmen wurden nicht weniger als 9 Millionen Portionen Milchcreme und 250 Tonnen Trockenmilch ausgegeben. Die ehemals politisch Verfolgten der amerikanischen Zone Wiens haben 110.000 Lebensmittelpakete erhalten.

Auch Bekleidungsstücke wurden in großer Zahl zur Verteilung gebracht. Nicht weniger als 16.000 Säuglingswäschepakete und 22.000 Gummisauger wurden ausgegeben. Aber auch Medikamente, Spitalswäsche, ca. 90 Tonnen Seife, ein Ambulanzwagen, usw. vervollständigen den umfangreichen Katalog der Amerikanischen Roten Kreuz-Hilfe.

3.10.1947: Schule und Hort - Ein Haus und ein Geist

In Ottakring, in einem alten Schulgebäude, ist durch Zusammenarbeit des Stadtschulrates und des Städtischen Wohlfahrtsamtes ein neuer Schultyp entstanden. Der alte Gedanke des Halbinternats ist hier auf neuer Basis und mit neuem Ziel aufgegriffen worden. Die Schule Seitenberggasse 12 ist eine vierklassige Volksschule, verbunden mit einem städtischen Jugendhort. Zum erstenmal wird hier der Versuch der vollkommenen Einheit von Schule und Freizeitbeschäftigung zusammen mit Fürsorge und pflegerischer Betreuung unternommen.

3.10.1947: "Kinder fahren nach Frankreich"

Auf Einladung französischer Pflegeeltern fuhren im August durch Vermittlung der "Volkshilfe" 102 Kinder nach Frankreich. Unter Führung des städtischen Jugendamtes und des Sekretärs der "Volkshilfe", Direktor Zvieger, wurden die Kinder zunächst nach Paris gebracht. Durch Funktionäre französischer Organisationen erfolgte die Weiterführung der Kinder in die Umgebung von Chartres, Montauban, nach Cairon sur Mer, Coco - Plag und Chateau Beauchchamp. Jetzt kamen die Kinder braun gebrannt und mit Gewichtszunahmen bis zu 5 kg zurück.

4.10.1947: Schweizer Wassersportler bei Bürgermeister Körner

Im Dianabad finden die Länderkämpfe Schweiz - Österreich für Herren und Tschechoslowakei - Österreich für Damen im Schwimmen, Springen und Wasserball statt. Bürgermeister Körner empfing die Schweizer Mannschaft im Rathaus und übergab jedem Schweizer Sportler ein mit eigenhändiger Widmung versehenes Exemplar des Buches "Wien baut auf".

4.10.1947: Wien dankt Biel

Die Schweizer Stadt Biel hat neben den anderen großen schweizerischen Hilfsaktionen eine eigene Hilfsaktion für Wien durchgeführt und ihre Hilfe auf den durch Kriegseinwirkung besonders schwer getroffenen Bezirk Floridsdorf konzentriert. Viele Tausende Kilogramm Lebensmittel und Kleidungsstücke hat die Bevölkerung von Biel gesammelt und den Floridsdorfern gespendet. Hunderte unterernährte Floridsdorfer Kinder sind von Bieler Familien zu Gast geladen und aufgefüttert worden.

Um diesem großzügigen Hilfswerk ein dauerndes Denkmal zu setzen hat der Gemeinderatsausschuss für Kultur- und Volksbildung in seiner letzten Sitzung den Beschluss gefasst, die städtische Wohnhausanlage in Floridsdorf, Kinzerplatz 10, den Namen "Bieler Hof" zu geben. Der Text der Erläuterungstafel lautet:

"Zu Ehren der schweizerischen Stadt Biel, welche nach dem Zweiten Weltkrieg eine großzügige Hilfsaktion für die Bevölkerung von Floridsdorf durchgeführt hat."

6.10.1947: Care-Paket-Lotterie in der Ausstellung "Wien baut auf"

Eine Woche lang erhält jeder Besucher der Ausstellung "Wien baut auf" beim Kauf der Eintrittskarte gleichzeitig auch ein Gratis-Los ausgefolgt. Von diesen Losen werden nach Abschluss der Woche insgesamt fünf große Care-Pakete ausgespielt. Der 1. Preis beträgt ein ganzes Care-Paket, der 2. und 3. Preis je ein halbes Care-Paket und der 4. bis 7. Preis je ein Viertel Care-Paket.

7.10.1947: Der wiedererstandene städtische Fuhrwerksbetrieb im Film

Der steinige Weg, der der städtische Fuhrwerksbetrieb von den elf armseligen betriebsfähigen Lastkraftwagen, die der Stadt Wien nach Kriegsende verblieben sind, bis zu seinem heutigen Stand von 1.400 Fahrzeugen zurückgelegt hat, wurde im Film festgehalten. Dieser Film wird täglich mehrmals in der Ausstellung "Wien baut auf" vorgeführt. Er zeigt ein besonders eindrucksvolles Kapitel des Wiederaufbaues der städtischen Verwaltung. Aus Wracks wurden in improvisierten Werkstätten mit Ersatzmaterial betriebsfähige Spezialfahrzeuge angefertigt oder wiederhergestellt, wie die die Gemeinde zur Erfüllung ihrer vielen Aufgaben benötigt. Der städtische Fuhrwerksbetrieb ist einer jener Verwaltungszweige, deren klagloses Funktionieren eine wesentliche Voraussetzung für die Versorgung und für die Aufrechterhaltung der sanitären Einrichtungen der Großstadt ist.

8.10.1947: "40 Jahre Steinhof"

Heute beging die Wiener Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke "Am Steinhof" ihr 40jähriges Bestandsjubiläum. An dem Festakt nahmen u.a. Bürgermeister Körner, die StRe. Flödl, Dr. Matejka und Sigmund, Mag.-Dior. Dr. Kritscha sowie zahlreiche Festgäste teil. Die Festrede hielt der derzeitige Anstaltsleiter Dr. Pawlicky.

Dr. Pawlicky erinnerte an das große Hungersterben während des Ersten Weltkrieges, durch das der Anstaltsbelag um 2.000 Patienten herabgesetzt wurde. Er gedachte dann der 3.200 Patienten, die während des Zweiten Weltkrieges von der nationalsozialistischen Verwaltung ins Altreich verschickt wurden, von wo keiner mehr zurückgekehrt ist. Sie galten als "hoffnungslose, lebensunwerte Fälle".

Dr. Pawlicky hielt dann einen ausführlichen Rückblick auf die Entwicklung der "Irrenheilkunde und der Irrenpflege und -behandlung". Erst unter Kaiser Josef II. wurde den Geisteskranken die Spitalspflege zuerkannt. Zugleich mit dem Allgemeinen Krankenhaus wurde ein Objekt für Geisteskranke errichtet. Wegen seiner runden Bauart erhielt es im Volksmund den Namen "Narrenturm". Es war die erste europäische Krankenanstalt für Geisteskranke. Ihr folgten weitere Anstalten in Wien und Niederösterreich, darunter auch die psychiatrische Universitätsklinik. Sie alle aber erwiesen sich dank der besseren Pflege und dadurch verlängerten Lebenszeit der Kranken bald als zu klein, so auch die Anstalt "Am Steinhof". Sie wurde am 8. Oktober 1907 nach einer 2 1/2-jährigen Bauzeit eröffnet und war damals die modernste Anstalt. Auch heute noch steht sie an der Spitze gleichartiger Einrichtungen. Schon während des Baus musste eine Erweiterung des projektierten Belagraumes von 2.000 auf 2.400 Betten vorgenommen werden. Im Jahre 1938 hatte die Anstalt mit 4.275 Kranken den höchsten Belag aufzuweisen. Die radikalen Evakuierungen während des Krieges schufen zwar auf grausame Weise Platz, doch beträgt heute die Zahl der Kranken schon wieder fast 2.000.

Ein Teil der Anstalt, das damalige Sanatorium für Geisteskranke, wurde im Jahre 1922 von Stadtrat Prof. Dr. Tandler in die Lungenheilstätte Baumgartner Höhe umgewandelt und versieht diese Funktion heute noch. Während des Krieges waren auch andere Wohlfahrtseinrichtungen in der Anstalt untergebracht, wie z.B. die Erziehungsanstalt für schwer erziehbare Kinder und das Infektionsspital der Stadt Wien, das in Favoriten ausgebombt wurde. Die "Nazi" errichteten dort aber auch ein Anhaltelager für Frauen.

Die Anstaltsleitung hofft, dass die eingewiesenen fremden Anstalten vom "Steinhof" bald abgezogen werden, so dass sie dann dem eigentlichen Zweck ihrer Bestimmung zugeführt werden kann. Dadurch wäre eine Auflockerung des Patientenstandes möglich und den Patienten könnte wieder mehr Ruhe, ein wesentliches Mittel der Therapie, verschafft werden.

9.10.1947: Schwedische Spende für die Heimkehrer

Die schwedische Hilfsaktion "Rettet die Kinder" hat der Heimkehrerwohlfahrtsstelle der Stadt Wien 100 Stück Strohsäcke, 250 Stück Polsterüberzüge, 500 Stück Leintücher, 500 Handtücher und 30 Stück Decken unentgeltlich für die Heimkehrerheime zur Verfügung gestellt.

9.10.1947: Bauaufträge für vier Millionen

Im zuständigen Gemeinderatsausschuss wurden u.a. folgende neue Bauaufträge genehmigt:

Der Wiederaufbau der Wohnhäuser 2, Zirkusgasse 5; 12, Tannbruckgasse 33 und 21, Schüttaustraße 35, ferner die Behebung von Kriegsschäden in der Heilanstalt Ybbs an der Donau, im Auer-Welsbach-Park und auf dem Jugendspielplatz Ecke Linke Wienzeile/Margaretengürtel, die Regulierung der Liesing in Rodaun, die Behebung von Uferschäden an der Liesing in Inzersdorf und die Beseitigung der Kriegsschäden am Petersbach in Siebenhirten. Ein namhafter Betrag wurde für die Schaffung von Fördereinrichtungen im Hafen Freudenau gewidmet. Insgesamt sind rund vier Millionen Schilling für die Durchführung dieser Arbeiten erforderlich.

10.10.1947: Ausbau der Zweiten Hochquellenleitung

Seit vielen Jahren kann in wasserarmen Monaten, vor allem bei langanhaltenden Frostperioden, die errechnete Wassermenge der Zweiten Hochquellenleitung von zweihundert Millionen Liter täglich aus den bisher eingeleiteten Quellen nicht gedeckt werden. Es ergeben sich täglich Fehlmengen bis zu 60 Millionen Liter. Im Zuge der bisherigen Planungen zur Abhilfe wurde bereits im Jahre 1932 die Seisensteinquelle und im Jahre 1946 Tiefquellen in Brunngraben eingeleitet. An der Nachfassung der Höllbachquellen wird bereits gearbeitet. Nunmehr werden ähnliche Arbeiten bei den Kläfferquellen vorbereitet.

Die Fassung der Kläfferquellen erfolgte beim Bau der Zweiten Hochquellenleitung zu Anfang dieses Jahrhunderts durch den Vortrieb von Sammelstollen. Es konnten jedoch die in den Felsklüften verästelten Quelladern nicht zur Gänze erfasst werden, so dass noch immer kleinere Wasseraustritte am Salzaufer unterhalb der Fassungsstellen erfolgen. Die Mindestergiebigkeit dieser tiefgelegenen Quellen, deren Zusammenhang mit den Kläfferquellen einwandfrei feststeht, beträgt 15 bis 20 Millionen Liter täglich. Es ist nun geplant, diese Quellen mittels eines 50 Meter langen Sammelkanales zu erfassen.

Die Vorarbeiten sind bereits so weit gediehen, dass die provisorische Einleitung der Quellen schon im kommenden Winter und die endgültige Fertigstellung im ersten Halbjahr 1948 erfolgen wird. Die Kosten betragen 340.000 Schilling.

10.10.1947: Brand bei Waagner-Biro

Aus ungeklärter Ursache brach auf dem Fabriksgelände, der unter russischer Verwaltung stehenden Firma Waagner-Biro, Erzherzog-Karl-Straße 127, ein Brand aus. Die eintreffende Feuerwehr fand einen fünfstockhohen Wasserturm in Flammen. Das Feuer konnte rasch gelöscht werden. Der Brand ist im ersten oder zweiten Stock des Turmes, in dem ein Archiv untergebracht war, entstanden. Er vernichtete Kartenmaterial, wertvolle Konstruktionspläne und Akten.

10.10.1947: Betriebssperre bei Preistreiber

In letzter Zeit nehmen die Übertretungen des Bedarfdeckungs- und des Lebensmittelgesetzes wieder stark zu. Hierdurch wird ohnehin schwierige Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Nahrungsmitteln weiter verschlechtert. Das Marktamt der Stadt Wien sieht sich daher im Einvernehmen mit der Preisüberwachungsstelle der Polizeidirektion veranlasst, gegen unbelehrbare Sünder schärfstens vorzugehen.

Über Betriebe, die sich einer solchen Übertretung schuldig machen, wird nunmehr sofort und unnachsichtig die Betriebssperre verhängt werden. Markthändler haben überdies nach erfolgter Bestrafung mit dem Standentzug zu rechnen.

Die Letztverteiler werden nachdrücklichst darauf aufmerksam gemacht, dass auch "freie Ware" nicht zur eigenen Verwendung, sondern, mit Ausnahme einer angemessenen Eigenbedarfdeckung, ordnungsgemäß an die Verbraucher weiterzugeben ist.

11.10.1947: Beseitigung von Tierkadavern

Es kommt immer wieder vor, dass Tierbesitzer verendete Tiere in Gärten oder auf unverbauten Plätzen eingraben. Es wird neuerlich darauf aufmerksam gemacht, dass diese Tierkadaver nicht vergraben werden dürfen, sondern unbedingt den Wasenmeistern übergeben werden müssen. Die Meldung zur Abholung übernimmt das nächste Wachzimmer, bzw. Polizeikommissariat.

Es liegt im Allgemeininteresse, dass der Wasenmeister die Kadaver bekommt, weil Tierseuchen nur durch die tierärztliche Obduktion sofort erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können. Wer Tierkadaver nicht dem Wasenmeister übergibt, macht sich nach dem Tierseuchengesetz strafbar. Die Vorschrift gilt sowohl für Wien als auch für die Randgebiete.

13.10.1947: Ausgabe von UNRRA-Textilwaren

Das Hauptwirtschaftsamt der Stadt Wien gibt bekannt:

In nächster Zeit gelangen UNRRA-Textilbekleidungsstücke in beschränktem Ausmaße zur Ausgabe. Anspruchsberechtigt sind jene Personen, die nachweisbar durch die Kriegsereignisse geschädigt worden sind und seit dem Kriegsende (April 1945; bei Kindern ab 1947) das beantragte oder gleichwertige Kleidungsstück noch nicht bezogen haben

16.10.1947: Die Gemeinde Wien fördert die Wiener Filmproduktion

Der Stadtsenat hat in seiner letzten Sitzung die Übernahme einer Bürgschaft für einen Betriebskredit beschlossen, den die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien einer Filmproduktionsgesellschaft gewährt, die von der KIBA unter Mitwirkung des bekannten erfolgreichen Filmregisseurs G. W. Pabst ins Leben gerufen wurde. An der KIBA ist auch die Stadt Wien finanziell beteiligt. Dieses Unternehmen führt eine Reihe von Großkinos in Wien und anderen österreichischen Städten und ist aufgrund ihres Gesellschaftsvertrages auch zur Herstellung von Filmen berechtigt. Die neue Filmproduktionsgesellschaft plant im Produktionsjahr 1947/48 die Herstellung von drei großen Spielfilmen, sowie von Kultur- und Lehrfilmen und Fremdenverkehrspropaganda-Filmen. Die Beteiligung des Filmkünstlers G.W. Pabst und die Mitwirkung der Stadt Wien an der neuen Gesellschaft bietet die Gewähr dafür, dass das neue Unternehmen nur künstlerisch hochwertige Filme erzeugen wird, die imstande sind, auch das Ansehen des österreichischen Films im Ausland wieder herzustellen.

17.10.1947: Eröffnung des Museums der Reproduktionen

Die Bemühungen Wiens, seine kulturelle Geltung wieder zu erlangen und seine kulturellen Einrichtungen in einem modernen, demokratischen Sinn auszubauen, haben zur Schaffung einer in Europa bisher noch nirgends bestehenden Institution geführt: eines Museums der Reproduktionen. An einer Zentralstelle, die sich derzeit in Wien 8, Neudeggergasse 8, befindet, werden hochwertige, farbige und womöglich original große Abdrucke von Meisterwerken der bildenden Kunst aller Länder und Zeiten gesammelt. Sie sind gerahmt, gefirnist und beschriftet. Was in alle Museen der Welt verstreut und oft völlig unzugänglich in Privatgalerien eingeschlossen ist, das soll hier für Forschung, Unterricht und Selbsterziehung in Abbildern, die den Eindruck des Originals möglichst getreu wiedergeben, zugänglich gemacht werden. Ein Teil des Bestandes wird fortlaufend in, nach bestimmten Themen zusammengestellten Ausstellungen gezeigt. Außerdem können durch Bildabonnements einzelne Bilder oder Bildserien von Schulen, Volksbildungsstätten, Betrieben oder Privatpersonen entlehnt werden. Es werden auch Vorträge, Führungen und Kurse veranstaltet und den Besuchern steht eine kunstwissenschaftliche Bibliothek und ein Zeitschriftenleseraum zur Verfügung.

18.10.1947: Preise der aufgerufenen Lebensmittel für die kommende Woche

Für die in der Woche vom 20. bis 26. Oktober 1947 aufgerufenen Lebensmittel gelten zum Beispiel folgende Verbraucherpreise:

Lebensmittel

Schilling/kg

Bohnen

1,50

Erbsen

1,20

Normalkristallzucker

1,84

Teebutter

12,80

Schmalz

9,00

Erdäpfel

0,36

21.10.1947: Viel begehrter Heimatschein

Das Geschehen der letzten Jahre spiegelt sich in der Tätigkeit der verschiedenen Abteilungen der kommunalen Verwaltung jetzt noch wider. Das Hitlerregime und sein Ende haben gewaltige Veränderungen der staatlichen Struktur Europas herbeigeführt und in ihrem Gefolge Bevölkerungsverschiebungen ungeheuren Ausmaßes verursacht. Millionen Menschen wurden aus der Heimat vertrieben, sie haben ihre staatliche Zugehörigkeit verloren und suchen jetzt, soweit sie bereits Boden unter den Füßen gefunden haben, auch rechtlich die Zugehörigkeit zu ihrer neuen Heimat zu erlangen. Sie bemühen sich begreiflicherweise, die Staatsbürgerschaft ihrer neuen Heimat zu bekommen. Andere Tausende der einheimischen Bevölkerung brauchen den Nachweis ihrer Staatsbürgerschaft im Zusammenhang mit vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen oder mit der Heimbeförderung der Kriegsgefangenen, zur Erlangung von Reisedokumenten und aus anderen Gründen. Zehntausende andere wieder haben durch Kriegshandlungen, Bombenangriffe usw. ihre Dokumente verloren und müssen sie jetzt ersetzen. Sie wenden sich ebenfalls an die zuständige Magistratsabteilung um einen Auszug aus der Heimatrolle. Wie umfangreich diese Ansprüche sind, zeigen einige Zahlen. In den Monaten Jänner bis August 1937 wurden im Wiener Rathaus 31.000 Heimatscheine ausgestellt. In den ersten acht Monaten des Jahres 1946 mussten dagegen 85.000 Auszüge aus der Heimatrolle, die anstelle der Heimatscheine getreten sind, ausgestellt werden. Diese Ansprüche sind zwar im laufenden Jahre bereits zurückgegangen, betrugen aber mit 55.000 Heimatrollen-Auszügen in den ersten acht Monaten 1947 noch immer um 70 Prozent mehr als im letzten Friedensjahr. Der Wiener Magistrat hatte also im Durchschnitt des heurigen Jahres täglich 220 Auszüge aus der Heimatrolle auszufertigen. Die Zahl der verlangten Nachweise der Staatsbürgerschaft ist zwar wesentlich geringer, doch ist damit im Einzelfalle weit mehr Arbeit verbunden.

Der Arbeitsanfall ist auch in dieser Abteilung saisonmäßig verschieden groß. In der Reise- und Urlaubssaison ist der Andrang größer. So mussten im August dieses Jahres an den meisten Tagen je 500 Parteien abgefertigt werden. Jedes Dokument muss, bevor es dem Bürger ausgehändigt wird, auf seine Richtigkeit überprüft werden. Diese Revision wird durch eine zweite Unterschrift beurkundet. Trotzdem erfolgt die Abfertigung der vorsprechenden Personen sehr rasch.

23.10.1947: Vollendeter Wiederaufbau im Konservatorium der Stadt Wien

Das Konservatorium der Stadt Wien, aus den früheren Musikschulen der Stadt Wien hervorgegangen, ist heute neben der staatlichen Musikakademie die bedeutendste und größte Lehranstalt für Musik in Wien. Seine Schülerzahl beträgt nahezu 1.000, dem Lehrkörper gehören eine Reihe Mitglieder der Wiener Staatsoper und viele andere angesehene Fachleute an. Das Zentralgebäude des Konservatoriums in der Johannesgasse hat einige schwere Bombentreffer abbekommen. Nun ist der Wiederaufbau abgeschlossen. Die Anstalt besitzt eine reichhaltige Fachbibliothek und eine große Zahl wertvoller Instrumente. Ein 200 Personen fassender Konzertsaal dient den Veranstaltungen des Instituts.

23.10.1947: "Wiener Herold" wirbt für den Wiener Fremdenverkehr

Der offizielle Fremdendienst der Stadt Wien "Wiener Verkehrsverein" gibt zu Werbezwecken ab Dezember monatlich das Mitteilungsblatt "Wiener Herold" heraus, das sämtliche Veranstaltungen kultureller, gesellschaftlicher und sportlicher Art enthält und kostenlos in die Bundesländer und in das Ausland verschickt wird.

25.10.1947: Die Neugestaltung des Stephansplatzes

Gegenwärtig kann der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für den Stephansplatz im Rathaus eingesehen werden. Dazu einige Erläuterungen: Man hat sich nunmehr, nach langen und sorgfältigen Beratungen über die Form der notwendigen Umgestaltung geeinigt. Weil mit Ausnahme der Haas-Hausecke kein Gebäude um den Stephansplatz so zerstört ist, dass es abgerissen werden müsste, werden die alten Baulinien in der Hauptsache nur beim Haas-Haus und bei der Einmündung in die Rotenturmstraße verändert werden.

Die Haas-Hausfront soll zurückverlegt werden und der neue Platz ein wirksames Mittelstück zwischen Graben und der Hauptverkehrslinie vor dem Dom bilden. Damit ergibt sich ein neuer Blickwinkel auf die Südseite des Domes mit dem steil aufragenden Turm. Später soll dort auch einmal eine Stiege aus der Untergrundbahn münden, für deren stoßweise Menschenansammlungen dann genügend Platz sein wird. Um dem Graben zu diesem neuen Stock-im-Eisen-Platz einen städtebaulichen Abschluss zu geben, wird der Südteil des Haas-Hauses risalitartig über den Grabengehsteig vorgezogen, so dass man, durch den dadurch entstehenden kurzen Laubengang kommend, überraschend vor dem Dom steht. Mit der Neugestaltung der Architektur des Singerhauses wird dieser Teil des Platzes dann die endgültige Fassung gefunden haben.

Bei der Einmündung der Rotenturmstraße soll eine unbedingt notwendige Verbreiterung der Verkehrsfläche dadurch erzielt werden, dass man den Gehsteig in Form eines Laubenganges in die Erdgeschosse der Häuser zurückverlegt. Mit einer kleinen Verschwenkung der Baulinie des Hauses von Schellhammer & Schattera, die die starre Linienführung vor dem Westportal des Domes lebendiger gestalten soll, hat die geplante Neugestaltung des Stephansplatzes ihren Abschluss gefunden.

27.10.1947: Die Theaterdirektoren beim Bürgermeister

Eine Abordnung des Verbandes der Theaterdirektoren sprach heute beim Bürgermeister vor, um auf die unhaltbare Situation ihrer Betriebe aufmerksam zu machen. Wenn die Betriebe auch im November nicht mit Brennmaterial versorgt werden, stellt sich die Existenzfrage nicht nur für die Wiener Theater sondern auch für viele Tausende Künstler, Handwerker und andere Angestellte.

Bürgermeister Körner verwies auf die äußerst schwierige Brennstoffsituation der Stadt Wien. Der Stadtsenat wird morgen darüber entscheiden, ob und in welchem Ausmass eine Zuweisung von Brennstoffen an die Wiener Bühnen möglich sein wird.

29.10.1947: Schloss Tribuswinkel Eigentum der Gemeinde Wien

Stadtrat Flödl berichtete über eine Schenkung der Frau Gertrude Urban (Großindustriellenwitwe), die der Stadt Wien das Schloss Tribuswinkel in Niederösterreich, samt Park und Wirtschaftsgebäude zum Geschenk gemacht hat. Der Wert der Liegenschaft beträgt 250.000 Schilling. Im Schenkungsvertrag wurde die Bedingung gestellt, dass das Schloss als Erholungsheim verwendet wird. Der Stadtsenat hat beschlossen, die Schenkung anzunehmen und das Schloss, sobald es von den Besatzungstruppen geräumt wird, im Sinne der Widmung zu einem Kindererholungsheim auszugestalten.

29.10.1947: Die Ankunft des 16. Transportes

Heute konnte der 16. Heimkehrertransport mit 309 Wienern und 139 Niederösterreichern durch Bürgermeister Körner in Wien begrüßt werden. Für die Betreuung sorgte diesmal der 12. Bezirk.

30.10.1947: Grundsteinlegung für das Denkmal der Naziopfer auf dem Zentralfriedhof

Am 1. November wird Bürgermeister Dr. h.c. Körner auf dem Wiener Zentralfriedhof den Grundstein zu einem Denkmal für die Opfer des Faschismus legen. Für die Schaffung dieser Anlage wurde seinerzeit von der Stadt Wien ein Wettbewerb ausgeschrieben und ein von Prof. Cremer unter Mitarbeiter von Architekt Schütte geschaffener Entwurf zur Ausführung bestimmt. Zu der Anlage werden sieben niedere Stufen, die die schweren Jahre von 1938 bis 1945 versinnbildlichen sollen, hinaufführen. Links, auf der untersten Stufe, steht die Figur der Trauer, während sich rechts, auf der höchsten Stufe, die Gestalt der Anklage erhebt. Als Abschluss steht hochaufgerichtet im Hintergrund die Gestalt der Befreiung, eine 3,50 Meter hohe nackte Männerfigur. Sieben über die Stufen verteilte Granitplatten, in denen das Wappen der Stadt Wien eingelassen ist, sollen an die Opfer erinnern, die der Krieg in jedem Jahr gefordert hat.

31.10.1947: Lehrerstellen für russische Sprache

An den Wiener städtischen Handelsakademien und städtischen Kaufmännischen Wirtschaftsschulen gelangen mehrere nebenberufliche Lehrerstellen für Kurse in russischer Sprache ab sofort zur Besetzung.

31.10.1947: Komitee für den Wiederaufbau der Staatsoper in Chicago

In Chicago hat sich ein Komitee gebildet, das zum Wiederaufbau der Staatsoper beitragen will. Zu Vorsitzende des "Reconstruction Commettee of the Vienna Opera" wurde das Ehepaar Senia Greve und Maria Hussa-Greve gewählt. Frau Maria Huss war Mitglied der Wiener Staatsoper, wo sie bis zum Jahre 1937 auftrat.

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