Wien 1947: Berichte vom November 1947

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

3.11.1947: Zwei Millionen Straßenbahnfahrgäste am 1. November

Der Friedhofs-Straßenbahnverkehr erreichte am 1. November seinen Höhepunkt. An diesem Tag standen schon seit den frühen Morgenstunden 1.724 Trieb- und Beiwagen in Verwendung, die nicht nur zum Zentralfriedhof, sondern auch in Richtung der anderen Wiener Friedhöfe bis zum Einbruch der Dunkelheit stark benützt wurden. Am Allerheiligentag zählten die Wiener Verkehrsbetriebe rund zwei Millionen Fahrgäste. Trotz der starken Beanspruchung ereignete sich kein einziger Unfall.

4.11.1947: Eröffnung des städtischen Volksbades auf dem Einsiedlerplatz

Das städtische Volksbad auf dem Einsiedlerplatz in Margareten wird wieder eröffnet. Dieses Bad ist eines der ältesten Volksbäder in Wien. Es wurde im Jahre 1945 durch Bombentreffer schwer beschädigt und mußte vollkommen instandgesetzt werden. Diese Arbeiten sind nun so weit gediehen, daß das Bad der Benützung übergeben werden kann.

4.11.1947: Architekt Karl Schartelmüller gestorben

Der bekannte Wiener Architekt und Mitarbeiter an den baulichen Schöpfungen der Wiener Gemeindeverwaltung in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, Senatsrat Dipl.-Ing. Karl Schartelmüller, ist im Alter von 63 Jahren gestorben. Er war zuletzt Leiter der Magistratsabteilung für Stadtplanung und als solcher auch einer der hervorragendsten Siedlungsarchitekten. Seine bekanntesten Arbeiten sind die Freihof-Siedlung und die Siedlung Lockerwiese.

Nach einer Assistentenzeit an der Technischen Hochschule trat er im Jahre 1913 bei der Gemeinde Wien als Bauaspirant ein und betätigte sich sofort nach Beendigung des Ersten Weltkrieges führend auf dem Gebiete des Siedlungsbaus. Die von ihm geschaffene Freihof-Siedlung erlangte Weltruf. Auch er wurde während der Zeit des Nationalsozialismus beiseite geschoben, doch im Jahre 1945 sofort mit der Leitung der wichtigen Abteilung für Stadtplanung betraut. Unter seinem Einfluß sind die großen städtebaulichen Ausschreibungen für den Karlsplatz, den Stephansplatz und für die Ausgestaltung der Donaukanalufer erfolgt.

5.11.1947: 42 Wärmestuben mit Suppenabgabe in diesem Winter

In Kürze wird die Stadt Wien wieder die Wärmestuben eröffnen. Wegen der allgemeinen Brennstoffknappheit hat die Stadtverwaltung in dieser Hinsicht schon während der Sommermonate vorgesorgt. Dem Wohlfahrtsamt ist es überdies gelungen, Lebensmittel für die Zubereitung von Suppe zu beschaffen.

Obgleich die Bereitstellung von Lokalen heuer sehr schwierig war, wird es dennoch möglich sein, bei Eintritt der kalten Witterung 42 Wärmestuben zu eröffnen. Jedem Hilfsbedürftigen ist dadurch Gelegenheit geboten, sich täglich während der Zeit von 14 bis 20 Uhr in einem geheizten Raum aufzuhalten und ½ Liter gute Suppe markenfrei und kostenlos zu konsumieren.

Die Eröffnung der Wärmestuben hängt von den Witterungsverhältnissen ab.

5.11.1947: Eine österreichische Sonderausstellung in Philadelphia

Der Initiative des Wiener Arztes Dr. Igho Kornblueh, der vor etlichen Jahren als Emigrant in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist und seit längerer Zeit in Philadelphia lebt, ist das Zustandekommen der ersten österreichischen Sonderschau in den Vereinigten Staaten zu danken. Dr. Kornblueh und seine Mitarbeiter sind seit einigen Monaten mit der Sammlung des Ausstellungsmaterials beschäftigt. Die Ausstellung sollte schon in den Herbstwochen eröffnet werden. Die Schwierigkeiten und die lange Dauer des Transportes der Ausstellungsgegenstände haben jedoch eine Verschiebung der Eröffnung herbeigeführt. Die Ausstellung will nicht nur der amerikanischen Öffentlichkeit Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse Österreichs geben, sondern vor allem durch Werke der Kunst Freunde für Österreich werben. In der Ausstellung werden neben Fotos des Wiener Stadtbildes und kunstgewerblichen Gegenständen, Ölbilder, Aquarelle, Radierungen und Federzeichnungen von Wiener Künstlern, wie Tucek, Czernig, Luetzenburger, Pollak, Nowak, Benoni, Buergel, Schorbar u.a. gezeigt werden.

6.11.1947: Dänische Hilfe gegen die Tuberkulose

Der Amtsführende Stadtrat für das Gesundheitswesen, Vizebürgermeister Weinberger, empfing heute den Leiter der Tuberkulosen-Abteilung des dänischen staatlichen Seruminstitutes in Kopenhagen, Dr. Johannes Holm, der bedeutendster Fachmann für Calmette-Schutzimpfungen in Europa und Amerika anerkannt ist. Dr. Holm ist mit der Absicht nach Wien gekommen, um die, insbesondere in den skandinavischen Staaten, aber auch in Nordamerika mit größtem Erfolg eingeführte vorbeugende Impfung gegen die Tuberkulose auch in Österreich, insbesondere also in Wien, zu ermöglichen. Das von ihm geleitete dänische Seruminstitut wird das Impfserum und alle sonstigen, für eine Massenimpfung erforderlichen technischen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Es wird einige Wiener Ärzte zu einem dreimonatigen Instruktionskurs nach Kopenhagen einladen und zur Durchführung und Überwachung der Impfungen dänische Ärzte und Sanitätspersonal nach Österreich entsenden. Es handelt sich also um eine Aktion von großer gesundheitlicher Bedeutung für die Wiener Bevölkerung, weil durch die Schutzimpfung der in unserer Zeit besonders starken Anfälligkeit der Bevölkerung gegen die Tuberkulose wirksam entgegengetreten werden kann.

6.11.1947: Ehrung der gefallenen Sowjetsoldaten durch die Stadt Wien am Jahrestag der Oktoberrevolution

Blick über Soldatengräber

Russengräber

Soldaten legen Kranz vor Befreiungsdenkmal nieder

Kranzniederlegung zum Jahrestag der Oktoberrevolution


Anläßlich des 30. Jahrestages der Oktoberrevolution in Rußland fanden heute vor dem Befreiungsdenkmal auf dem Stalinplatz und bei den russischen Soldatengräbern auf dem Zentralfriedhof offizielle Feiern durch die Stadt Wien statt, an der zahlreiche Vertreter der Wiener Stadtregierung teilnahmen.

8.11.1947: Vizebürgermeister Speiser heute früh gestorben

Vizebürgermeister Paul Speiser ist heute um 8 Uhr früh in seiner Wohnung einem Herzschlag erlegen.

Portrait Paul Speiser

Vizebürgermeister Paul Speiser erlag einem Herzschlag.

Paul Speiser wurde am 19. Juli 1877 in Sankt Pölten geboren. Er besuchte die Volksschule, sowie das Untergymnasium, und absolvierte danach die Lehrerbildungsanstalt. Er trat bereits mit 19 Jahren in den Schuldienst ein. Speiser schloß sich der sozialdemokratischen Lehrergruppe um Karl Seitz an, die um die Jahrhundertwende unter der Bezeichnung "die Jungen", die Umgestaltung der damaligen Autoritätsschule im Sinne moderner Unterrichtsprinzipien forderte.

1901 kam Speiser nach Wien, um einen Dienstposten bei der Eisenbahner-Unfallversicherung anzutreten. Speiser blieb sein ganzes Leben aufs engste mit der Wiener Organisation der Österreichischen Sozialdemokratie und ab 1919 mit der von dieser geleiteten Wiener Stadtverwaltung verknüpft. Er gründete eine Gewerkschaftsgruppe der Eisenbahner und übernahm, obwohl er erst 25 Jahre alt war, die Redaktion der Floridsdorfer sozialdemokratischen Wochenschrift "Der Volksbote" (1902 - 1907). 1907 wurde er Sekretär des Vereines "Freie Schule".

1918 wurde Speiser in das Zentralsekretariat der Partei berufen, Ende 1918 wurde er in den provisorischen Gemeinderat der Stadt Wien delegiert und von da an während der Dauer der demokratischen Ära immer wieder in die Wiener Gemeindevertretung gewählt. Er gehörte von Ende Mai 1919 bis Februar 1934 dem Stadtrat an und hatte seit 1920 fast 14 Jahre das Referat "Personalangelegenheiten und Verwaltungsreform" inne. Speiser gehörte von 1922 bis 1930 auch dem Bundesrat an. Neben seinen politischen Funktionen blieb er auch mit der sozialdemokratischen Schul- und Erziehungsorganisation "Freie Schule - Kinderfreunde" eng verbunden, seit 1918 war er ihr Wiener Landesobmann und nach dem Rücktritt Max Winters ihr Reichsobmann.

Am 12. Februar 1934, als das autoritäre System die freigewählte Wiener Gemeindevertretung auflöste, wurde Paul Speiser zusammen mit Bürgermeister Seitz, Breitner und Honay im Rathaus verhaftet und bis zum Spätherbst dieses Jahres im Polizeigefangenenhaus, Landesgericht und im Anhaltelager Wöllersdorf festgehalten. Zu einem politischen Prozeß gegen Paul Speiser kam es nicht. Von 1934 bis 1945 lebte er sehr zurückgezogen in Wien. Im Jahr 1944 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, jedoch später wegen schwerer Erkrankung entlassen. Im April des Jahres 1945 wurde der 68jährige buchstäblich vom Spitalsbett weg ins Rathaus geholt. Trotz Krankheit half er von den ersten Tagen der Befreiung Wiens an der sozialistischen Bewegung sowie am Wiederaufbau einer demokratischen Gemeindeverwaltung. Als Stadtrat und danach ab August 1945 als Vizebürgermeister erwarb er sich unter den schwierigsten Verhältnissen nach Kriegsende großen Verdienst um das rasche Wiederingangsetzen der Städtischen Unternehmungen. Nach Bewältigung dieser Aufgabe übernahm er wieder sein altes Referat, das Personalwesen.

Paul Speiser wurde im November des Jahres 1945 Ehrenbürger der Technischen Hochschule und erhielt anläßlich seines 70. Geburtstages am 19.7.1947 das Bürgerrecht der Stadt Wien verliehen.


8.11.1947: 48er-Wagen wieder bis Bellaria

Folgende Verkehrsverbesserungen treten in Kraft:

Die Linie 48 wird an allen Werktagen in den Früh- und Abendstunden (von Betriebsbeginn bis 7,27 Uhr und von 15,14 bis 19,31 Uhr ab Dornbach) und an Sonn- und Feiertagen ganztägig bis Bellariastraße-Burgring verlängert.

Auch die Linie D wird an allen Werktagen vom Schwarzenbergplatz über die Prinz-Eugen-Straße bis Wiedner-Gürtel (Südbahn-Ankunft) verlängert.

9.11.1947: Erziehungsheim Tivoli

Am Rande von Meidling in unmittelbarer Nachbarschaft von Schönbrunn liegt in einem wunderschönen Park, der Eigentum der Springerschen Güterverwaltung ist, die sogenannte "Springer-Villa". Park und Villa wurden durch den Krieg stark beschädigt. Dutzende Bombentrichter haben das Erdreich aufgewühlt, das Dach der Villa wurde abgedeckt, große Schäden an der Holztäfelung sind entstanden. Devastierungen und Plünderungen haben das Zerstörungswerk vervollständigt.

Am Wiederaufbau hat sich der Verein "Erziehungsheime" besonders beteiligt. Die Springersche Gutsverwaltung hat den gesamten Komplex mit allen Gebäuden dem Verein zur Errichtung eines Erziehungsheimes für die studierende Jugend zur Verfügung gestellt. Seit einigen Wochen beherbergt die "Springer-Villa" 100 junge Menschen, Mittelschüler und Hochschüler aller Kategorien, die aus irgendeinem Grund Familienanschluß und Familienerziehung entbehren müssen. 3.000 Arbeitsschichten waren notwendig, um die Kriegsschäden zu beseitigen.

Heute fand die offizielle Eröffnungsfeier in der Halle der "Springer-Villa" statt, an der neben den StR. Honay, Sigmund und Albrecht zahlreiche Festgäste teilnahmen.

Der Präsident des Stadtschulrates Dr. Zechner erinnerte in seiner Ansprache daran, daß die Anregung zur Schaffung von Erziehungsheimen von Vizebürgermeister Speiser ausgegangen ist. Die Einrichtung des Hauses, so Zechner, ist mit sparsamsten Mitteln und unter Zuhilfenahme vieler privater Spender erfolgt. Die "Schweizer Spende" ist auch hier wieder, wie überall, wo es um die Jugend geht, helfend eingesprungen.

9.11.1947: Die Ankunft des 20. Heimkehrertransportes

Der zwanzigste Transport, der heute am Südbahnhof ankam, brachte 383 Wiener, 112 Niederösterreicher und 12 Staatenlose nach Wien. Die Heimkehrer wurden von Vizebürgermeister Weinberger, den StRe. Afritsch und Rohrhofer und Polizei-Präsident Holaubek empfangen. Die Betreuung der Heimkehrer hat der Bezirke Rudolfsheim-Fünfhaus übernommen. Die Heimkehrer wurden, so wie die Transporte in den letzten Wochen, von tausenden Wienern erwartet. Der 21. Heimkehrertransport befindet sich bereits auf der Fahrt durch Ungarn und wird voraussichtlich schon morgen in Wiener Neustadt eintreffen.

11.11.1947: Die Neuwahl des Wiener Vizebürgermeisters

Portrait Karl Honay

Neu gewählter Vizebürgermeister Karl Honay.

In der heutigen Sitzung des Gemeinderates stand als einziger Punkt die Ersatzwahl für den verstorbenen Vizebürgermeister Speiser auf der Tagesordnung. Die Sozialistische Fraktion hat als Kandidaten für das Amt des Vizebürgermeisters den amtsführenden Stadtrat für Finanzwesen Karl Honay nominiert. Dieser wurde einstimmig zum Vizebürgermeister gewählt.

(Lebenslauf von Karl Honay siehe RK-Februar 1946)


12.11.1947: Sturm über Wien fordert Todesopfer

Heute früh hat der herrschende Sturm einen noch stehengebliebenen Kamin einer Hausruine in Ottakring zum Einsturz gebracht. Durch herabstürzende Mauerteile wurden zwei Personen verschüttet, die nur mehr tot geborgen werden konnten. Auch in Wien-Favoriten forderte der Sturm ein Todesopfer. Durch ein herabgerissenes 15 m breites Mauergesims wurde ein Frau tödlich getroffen.

13.11.1947: Schwere Kesselexplosion in Gumpoldskirchen

In einem Teil der Hydroxigen-Werke Aktiengesellschaft in Gumpoldskirchen ereignete sich heute eine schwere Kesselexplosion, bei der ungefähr 200 Quadratmeter der Fabriksanlage zerstört wurde. Vier Geräte der städtischen Feuerwachen Mariahilf und Liesing sowie eine größere Anzahl von Freiwilligen Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden beteiligten sich an der Brandbekämpfung. Zwei Arbeiter konnten nur noch tot geborgen werden.

14.11.1947: Holland spendet Blumenzwiebeln für die städtischen Gärten

Der holländische Blumenzwiebel-Exportverband hat der Stadt Wien 50.000 Tulpenzwiebeln zur Ausgestaltung ihrer Gartenanlagen kostenlos zur Verfügung gestellt.

17.11.1947: Baustoffbezugscheine sind öffentliche Urkunden

Vom Amt des Wiener Landesinspektors für die Baustoffwirtschaft wird verlautbart:

Baustoffbezugscheine sind öffentliche Urkunden. Jede eigenmächtige Abänderung ihres Inhaltes, nicht nur des Quantums sondern auch des eingetragenen Bezugslandes oder des Datums, durch Radieren oder Ausbessern stellt einen Betrugsfall dar und wird dem Gericht zur Anzeige gebracht.

18.11.1947: Die Gemeinde Wien baut eine Siedlung in Donaustadt

Der Wiener Stadtsenat hat die Errichtung einer neuen städtischen Siedlung in Hirschstetten im neuen Bezirk Donaustadt beschlossen, die insgesamt 321 Wohnungen umfassen wird. Die Anlage ist im Anschluß an die schon seit der Vorkriegszeit bestehende private Genossenschaftssiedlung der Kriegerheimstätten und an die dortige Stadtrandsiedlung der Gemeinde Wien geplant. Auch die Schaffung entsprechender Geschäftslokale, Werkstättenräume und Garagen sowie die Errichtung eines Kindergartens sind geplant.

Die Pläne für die neue Siedlung wurden von einer Arbeitsgemeinschaft ausgearbeitet, der die Privatarchitekten Emil Dietrich, Florian Omasta, Fritz Sammer und Fritz Zügner angehören. Nach ihrem Vorschlag werden neben 89 einstöckigen Siedlungshäusern, die in vier Reihen angeordnet sind, noch 10 geschlossene Wohnhausgruppen gebaut werden. Diese Gruppen setzen sich aus 58 ebenfalls einstöckigen Häusern zusammen, deren jedes im Erdgeschoß zwei und im Obergeschoß zwei Wohnungen enthält. Jede Wohnung wird einen eigenen Nutzgarten von ungefähr 200 m2 haben. Jede Wohnung hat eine Wohnfläche von rund 60 m2.

Das rund 100.000 m2 umfassende Grundstück ist Eigentum der Stadt Wien.

18.11.1947: Die Milchversorgung der Wiener Kinder gefährdet

Wegen des starken Rückganges der Anlieferung mußten die Milchrationen der Kinder gekürzt werden. Der Stadtsenat hat beschlossen, an die verantwortlichen Stellen mit der Forderung heranzutreten, die Ausgabe von Milch an Erwachsene in den Bundesländern solange einzustellen, bis die Milchversorgung der Wiener Kinder wenigstens im bisherigen Ausmaß gesichert ist.

19.11.1947: Die Stadt Wien errichtet zwei neue Dauerkleingartenanlagen

Die Errichtung von zwei neuen Dauerkleingartenanlagen wurde im zuständigen Gemeinderatsausschuß beschlossen. Die größere der beiden umfaßt das Gebiet südlich der Holzknechtstraße und westlich der Laaer Straße im 10. Bezirk, das während des Krieges für Notwohnungen in Aussicht genommen war. Da geplant ist, die an der Südbahnstrecke gelegenen Gebiete von der Philadelphiabrücke an durch eine 40 Meter breite Straße mit dem Simmeringer- und Albener Industrie- und Hafengebiet zu verbinden, mußte bei der Projektierung der Anlage darauf entsprechend Rücksicht genommen werden.

Eine zweite Kleingartenanlage wird im 23. Bezirk an der Straße von Ebergassing nach Gramatneusiedl errichtet werden.

19.11.1947: Ein Donausteg für die Lobaufreunde

Im Wiener Stadtsenat wurde der Bau von drei wichtigen Brücken beschlossen. Gleichzeitig mit der Kriegsschädenbehebung an der Stadlauer Eisenbahnbrücke soll ein zwei Meter breiter Fußgängersteg über die Donau errichtet werden. Damit geht ein langgehegter Wunsch jener Wiener in Erfüllung, die im Sommer in der Lobau und im Inundationsgebiet den Badefreuden nachgehen und dort Erholung suchen. Künftig kann man in kürzester Zeit von der Haltestelle Lusthaus aus zu Fuß an das linke Donauufer gelangen. Der Steg wird 1,2 Millionen Schilling kosten.

Weiter wird eine aus Verkehrsgründen dringend benötigte Brücke über den Mühlbach in Ober-Lanzendorf im 23. Bezirk gebaut werden. Die Kosten betragen 280.000 Schilling.

Ebenso wird die während der Kampfhandlungen zerstörte Brücke über den Jodlgraben in Enzersfeld im 21. Bezirk durch eine Stahlbetonbrücke ersetzt werden. Die Kosten werden sich auf 100.000 Schilling belaufen.

19.11.1947: Drillingsgeburt in Gersthof

In der Städtischen Frauenklinik in Gersthof gab es ein freudiges Ereignis: eine Drillingsgeburt. Eine Schneidermeistersgattin wurde von drei gesunden Kindern, einem Mädchen und zwei Knaben, entbunden. Mutter und Kinder sind gesund und wohlauf.

20.11.1947: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Die Hauptpunkte der Tagesordnung waren die Wahl eines neuen Stadtrates anstelle des verstorbenen Vizebürgermeisters Paul Speiser und die Neubesetzung der Verwaltungsgruppen für das Personalwesen und das Finanzwesen. Für den Posten des neuen Stadtrates hatte die SPÖ den Generaldirektor der Städtischen Unternehmungen Johann Resch vorgeschlagen. Seine Wahl wurde mit der erforderlichen Mehrheit angenommen. Sodann wurde Vizebürgermeister Honay, der bisher den Posten eines amtsführenden Stadtrates für das Finanzwesen bekleidete, einstimmig zum amtsführenden Stadtrat für das Personalwesen gewählt. Sodann wurde der neugewählte Stadtrat Resch zum Finanzreferenten der Stadt Wien bestellt.

20.11.1947: Johann Resch, Amtsführender Stadtrat für Finanzwesen

Stadtrat Johann Resch wurde am 11. November 1890 in Pottschach geboren. Resch ist aus der städtischen Beamtenschaft hervorgegangen. Seit 1910 steht er in den Diensten der Gemeinde Wien. In der Ersten Republik zählte Resch zu den engsten Mitarbeitern des Stadtrates Breitner. Im Jahre 1927 wurde Resch in die Direktion der Städtischen Straßenbahnen berufen mit der Aufgabe, sie wirtschaftlich und personell neu zu organisieren. 1930 wurde Resch zum Direktor der Städtischen Unternehmungen ernannt. Im Jahre 1934 wegen seiner politischen Einstellung aus dem Dienste der Stadt Wien entfernt, betätigte sich Resch bis 1945 in der Privatindustrie in leitender Position.

Nach Kriegsende war Resch sofort wieder für die Städtischen Verkehrsbetriebe tätig. Bei Errichtung der Generaldirektion der Städtischen Unternehmungen im Jahre 1946 war seine Berufung an die Spitze dieser neuen Zentralstelle daher eine Selbstverständlichkeit. Resch gehörte seit seiner frühesten Jugend der Sozialistischen Arbeiterbewegung an. Nach dem Ersten Weltkrieg war er Obmann des Arbeiterrates von Meidling und hat gemeinsam mit dem im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten Gemeinderat Reismann die Sozialdemokratische Unterrichtsorganisation des 12. Bezirkes wieder aufgebaut.

Im Jahre 1945 wurde Stadtrat Resch von der Sozialistischen Partei in die Kreditlenkungskommission der Bundesregierung entsendet. Er ist auch Mitglied des Finanzbeirates der SPÖ, Obmann der Verkehrssektion der Handelskammer und Vizepräsident der Österreichischen Verbundgesellschaft.

21.11.1947: Verläßliche Hauskrankenpflege

Der Verein "Wiener Hauskrankenpflege", der seine Tätigkeit erst im März dieses Jahres begonnen hat, leistete mit seinen bescheidenen Mitteln bisher 7.486 Pflegestunden. Der Verein bezweckt, hilfsbedürftigen Kranken statt der Spitalspflege, Krankenpflege in der Wohnung zu gewähren, wenn die Aufnahme in ein Krankenhaus nicht möglich ist. In Betracht kommen solche Erkrankungen, die eine Pflege durch diplomierte Krankenschwestern erfordern, sofern sie auf ärztliche Anordnung auch außerhalb einer Anstalt durchgeführt werden kann. Auch zur Verrichtung häuslicher Arbeiten kann in einem solchen Fall eine Haushaltshilfe beigestellt werden. Diese wird gleichfalls für eine bestimmte Anzahl von Tagen und Stunden bewilligt. Der Verein entschädigt die Schwestern nach den Tarifen des Pflegepersonals der Stadt Wien. Das Wohlfahrtsamt der Stadt Wien bedient sich bei der Gewährung von Krankenhauspflege dieses Vereines aufgrund eines besonderen Übereinkommens. Die Hauskrankenpflege ist beim zuständigen Fürsorgeamt zu beantragen.

Der Verein "Wiener Hauskrankenpflege" bemüht sich gegenwärtig nicht nur um die Vermehrung seines Pflegepersonals und Errichtung eines eigenen Schwesternheimes, sondern auch um die Beschaffung von Medikamenten und Reinigungsmittel für hilfsbedürftige Patienten.

24.11.1947: Gedenktafelenthüllung für justifizierte Straßenbahner

In der Straßenbahnhauptwerkstätte Siebeneichengasse wurde eine Gedenktafel für zwei im Kampfe gegen den Nationalsozialismus gefallene Straßenbahner enthüllt. Vizebürgermeister Honay nahm die Enthüllung der Marmorgedenkstätte vor. An der Feier nahmen auch die Angehörigen der hingerichteten Freiheitskämpfer Josef Lengauer und Franz Mager teil.

25.11.1947: Eröffnung des Meidlinger Heimatmuseums

Das von Schulrat Karl Hilscher gegründete Meidlinger Heimatmuseum, das älteste dieser Art in Wien, konnte trotz Verlusten durch Bombenschaden und Verlagerung, sowie Mangel an Material und Arbeitskräften nun von StR. Matejka wieder eröffnet werden. Matejka wies auf das vorbildliche Zusammenwirken aller hin, die diese Eröffnung ermöglicht haben, sowie darauf, daß entstandene Lücken wieder aufgefüllt wurden, wie z.B. die urzeitlichen Sammlungen durch wertvolle Leihgaben von Dr. Karl Kriegler.

Dem Museum stehen statt der früheren vier Räume jetzt leider nur drei zur Verfügung. In Photokopien wird die Geschichte Meidlings von der ersten Nennung (1246) bis zum Großstadtbezirk aufgezeigt. Bilder und Stiche bringen verschwundene und noch bestehende interessante oder wichtige Stätten in Erinnerung, wie die beiden Heilquellen Theresien- und Pfann'sches Bad, aber auch Vergnügungsstätten wie Weigl's Dreherpark, das Meidlinger Theater und schließlich auch noch die verschiedenen Industrien. Ein eigener Raum ist den Künstlern gewidmet, die in Meidling lebten und arbeiteten.

28.11.1947: Der Votivpark wird entrümpelt

Die schweren Schäden, die durch den Krieg, an den Wiener Parkanlagen und Grünflächen entstanden sind, werden nun auch beseitigt. Im Zuge eines weitreichenden Wiederaufbauprogrammes der Wiener Parkanlagen wurden nun für die Wiederinstandsetzung des Votivparks 129.000 Schilling bewilligt. Bald werden dort die Löschwasserteiche, Splittergräben und die Schuttablagerungsstätten verschwunden sein.

29.11.1947: Tschechische Sportkegler beim Bürgermeister

Die tschechischen Sportkegler, die heute einen Städtekampf Prag - Wien und in wenigen Tagen einen Länderkampf mit Österreich austragen werden, wurden heute von Bürgermeister Körner empfangen.

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