Wien 1947: Berichte vom August 1947

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

2.8.1947: Weibliche Obermagistratsräte bei der Stadt Wien

Über Antrag des städtischen Personalreferenten Vbgm. Speiser, hat der Stadtsenat zwei rechtskundige Beamtinnen des Wiener Magistrates zu Obermagistratsräten befördert. Eine Beamtin leitet ein wichtiges Referat im Rekursbüro der Magistratsdirektion, die zweite Beamtin leitet das Magistratisches Bezirksamt für den 25. Bezirk.

2.8.1947: Zur Frage eines Fußball-Totos

Zur Einführung eines Fußball-Totos in Österreich teilt StR. Matejka mit, dass sich mit dieser Frage auch der Sportbeirat in seiner letzten Sitzung befasst hat. Er nahm dazu folgende Stellung ein:

An und für sich muss jede Einrichtung, die geeignet ist, die wirtschaftlich und moralisch ungesunde Leidenschaft des Spielens um Geld in den breiten Schichten der Bevölkerung zu fördern, sowie jede Verquickung des Geldverdienens mit Sportausübung abgelehnt werden.

In anderen Staaten besteht aber bereits in Fußball-Toto. Auch im Inland sind, wenn auch vorerst insgeheim, Ansätze für ein solches Sport-Toto vorhanden, und es wird ein Toto-Betrieb wohl mehr oder weniger zwangsläufig sich entwickeln. Aus diesen Gründen hat sich der Sportbeirat grundsätzlich für die Einführung eines Fußball-Totos ausgesprochen, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, dass der Toto-Betrieb nur von einer öffentlichen und gemeinnützigen Stelle geführt wird, damit der erzielte Erlös unter Ausschluss aller gewinnsüchtigen Einzelinteressen restlos für die Förderung des Sportes in Österreich nutzbar gemacht werden kann.

2.8.1947: Schuhmeier-Denkmal und Alszauber-Brunnen gesichert

Durch eine Spende der Städtischen Versicherungsanstalt wird die Wiederherstellung des Schuhmeier-Denkmals und des Alszauber-Brunnens möglich gemacht. Die Städtische Versicherung hat eine 1.560 kg schwere Bronze-Figur, die auf ihrem kriegsbeschädigten Hause auf dem Stephansplatz stand, der Stadt Wien mit der Widmung zur Verfügung gestellt, dieses Material der Wiederherstellung populärer Plastiken, die von den Nationalsozialisten zur Anfertigung von Kriegsmaterial verwendet wurden, zuzuführen.

6.8.1947: Die Wiederaufstellung des Mozart-Denkmales

Nach dem Bombenangriff auf die Staatsoper wurde das Mozart-Denkmal nach Eckertsau in Sicherheit gebracht. Nach dem Rücktransport wurde es auf der "Wasserleitungswiese" gelagert. Da nach der Stadtplanung hinter der Staatsoper ein Parkplatz entstehen soll, kommt eine Wiederaufstellung des Mozart-Denkmals auf dem alten Platz nicht mehr in Frage.

Die Wahl des neuen Aufstellungsortes wird gewissenhaft erwogen, weil er ein endgültiger sein muss. Es wird in Erwägung gezogen, ob nicht unter den Bauten und Anlagen, die auf den Freihausgründen geplant sind, ein geeigneter Platz für das Denkmal geschaffen werden soll. Mozart hat dort die "Zauberflöte" komponiert, deren Uraufführung im Theater an der Wien stattgefunden hat.

9.8.1947: Der "Internationale Zivildienst" im Wiener Rathaus

Im Jahre 1920 hat sich in einem vom Krieg verwüsteten Dorf bei Verdun eine Gruppe von Freiwilligen gebildet, die aus eigener Initiative mit dem Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Straßen begonnen hat. Amerikaner, Deutsche, Engländer, Holländer, Schweizer und Österreicher arbeiteten gemeinsam an diesem Friedenswerk. Aus dieser kleinen Gruppe entstand der "Internationale Zivildienst" (IZD), der in verschiedenen Teilen der Welt Landesorganisationen bildete. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges trat der IZD überall dort in Erscheinung, wo vor allem nach Naturkatastrophen dringend Hilfe erforderlich war. Eines der bekanntesten Ereignisse, bei dem der IZD seine internationale Hilfsbereitschaft beweisen konnte, war die Überschwemmungskatastrophe im Fürstentum Lichtenstein im Jahre 1928. Nicht weniger als 710 freiwillige Arbeiter aus 22 Ländern folgten damals dem Gebot der Stunde. Während der Luftangriffe auf London rettete der englische Zivildienst Möbel und persönliche Habseligkeiten aus bombenbeschädigten Häusern. Die englischen Gerichte waren so großzügig, dass sie einem Teil der englischen "Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen" diese Hilfsdienste als Ersatz für den Kriegsdienst anrechneten.

Nach dem Krieg setzte der IZD wieder in vielen Ländern Europas mit einer lebhaften Tätigkeit ein. Vor ungefähr drei Wochen ist von der Schweiz aus eine Gruppe des Hilfsdienstes auch nach Wien gekommen, hauptsächlich Schweizer, Engländer, Schweden und Österreicher. Sie haben sich das schwer Bombengeschädigte Preyer'sche Kinderspital der Stadt Wien in Favoriten ausgesucht, wo sie Schutt abräumen und brauchbares Baumaterial aussortieren. Die Aktion "Jugend am Werk" hat ihnen Räume ihres Jugendheimes in der Liebhartsgasse als Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Eine Abordnung des IZD wurde heute von Bürgermeister Körner empfangen, der sich eingehend über die Arbeit und die Ziele dieser Friedensorganisation informieren ließ.

9.8.1947: Die italienischen Sportlerinnen im Rathaus

Stadtrat begrüßt Gruppe von Sportlerinnen

Stadtrat Matejka empfängt italienischen Sportlerinnen

Die italienischen Leichtathletinnen wurden heute von StR. Matejka im Wiener Rathaus empfangen. Nach den ungarischen Sportlerinnen sind nun zum erstenmal auch die italienischen Sportlerinnen in Wien. Der heutige Wettkampf stellt wieder einen Beitrag zur Vertiefung der sportlichen Beziehungen zwischen Österreich und Italien dar. Bürgermeister Körner besuchte abends am WAC-Platz die Veranstaltung.


9.8.1947: Zuweisungen von Motorrädern Puch "Type 125"

Motorrad Baujahr 1947

Motorrad Puch "Type 125"

Das Hauptwirtschaftsamt gibt bekannt:

Für die große Anzahl der bereits vorliegenden Ansuchen um Zuweisung von Motorrädern Puch "Type 125" steht nur ein verhältnismäßig kleines Kontingent zur Verfügung. Bis auf weiteres können daher keine Ansuchen mehr entgegengenommen werden.


11.8.1947: Biel hilft auch unseren Uhrmacherlehrlingen

Biel ist nicht nur ein Zentrum der Hilfsbereitschaft für Wien, sondern auch die Hauptstadt der schweizerischen Uhrenindustrie. In Biel ist daher auch ein Hilferuf der Wiener gewerblichen Fortbildungsschule der Uhrmacher um Unterrichtsmaterial und Werkzeug auf Verständnis und Bereitschaft gestoßen.

Herr Lädrach, der hauptberuflich Lehrer an der Bieler Uhrmacherschule ist, hat heute Bürgermeister Körner einen Koffer mit Schweizer Uhren und Uhrenbestandteilen übergeben.

Die Uhren werden von den Schülern der Fortbildungsschule im Lehrwerkstätten-Unterricht instandgesetzt und zum Teil als Prämien für besondere Leistungen, zum Teil als Treffer der Armenlotterie Verwendung finden, zum anderen Teil aber als ständiges Unterrichtsmaterial für die Weiterbildung des Wiener Uhrmachernachwuchses wertvolle Dienste leisten. Die Tatsache, dass zwei ehemalige Schüler der Wiener Uhrmacher-Fortbildungsschule vor kurzem eine bedeutende Erfindung auf dem Gebiete der Werkzeug-Maschinen für das Uhrmacher-Handwerk gemacht haben, die der schweizerischen Uhrenindustrie zur Begutachtung und Verwertung vorgelegt wurden, zeigt, dass dieser Berufszweig in Wien nach wie vor gute Kräfte besitzt.

11.8.1947: Prof. Dr. Erwin Schrödinger 60 Jahre alt

Am 12. August jährt sich der 60. Geburtstag des Wiener Gelehrten und Nobelpreisträgers Dr. Erwin Schrödinger, einer der bedeutendsten theoretischen Physiker der Neuzeit. Schrödinger war Schüler des im Ersten Weltkrieges gefallenen Prof. Fritz Hasenöhrl, des Nachfolgers von Ludwig Boltzmann. Unter ihm arbeitete er am Technischen Institut in Wien und verdankt seinem Lehrer die Grundlagen seines Wissens. Mit 27 Jahren habilitierte er sich in Wien, wurde Assistent Franz Exners und später Max Wiens in Jena. Als Schüler Exners befasste sich Schrödinger mit der Farbenlehre und mit Experimentalphysik. 1920 wurde er außerordentlicher Professor an der Stuttgarter Universität, ein Jahr später ging er an die Universität Breslau. Im selben Jahr wurde er als Nachfolger des Nobelpreisträgers Max von Laue nach Zürich berufen. In dieser Zeit befasste er sich neben der physikalischen Statistik, die mit der Quantentheorie sein hauptsächliches Arbeitsgebiet bildet, vor allem mit der Fehlerbestimmung der Brown'schen mit der Fehlerbestimmung der Brown'schen Molekularbewegung. 1927 übernahm Schrödinger als Nachfolger des Nobelpreisträgers und Schöpfers der Quantentheorie Max Plank die Lehrkanzel für theoretische Physik an der Berliner Universität. Schön während seiner Zürcher Lehrtätigkeit hat sich der Forscher eingehend mit Fragen der Atomphysik beschäftigt und 1926 eine aufsehenerregende Arbeit über Wellenmechanik veröffentlicht und auf mathematischem Wege eine Brücke zwischen Wellenlehre und Quantentheorie geschlagen. Für dieses bahnbrechende Werk, das wertvolle Einblicke in den Aufbau der Materie gewährt und wesentlich zur Abrundung des physikalischen Weltbildes beiträgt, erhielt Schrödinger 1933 gemeinsam mit Prof. Dirae (Cambridge) den Nobelpreis für Physik und wurde als Gastprofessor nach Oxford gerufen. Die Wiener Akademie der Wissenschaften ehrte ihn durch Verleihung des Haitinger-Preises. 1935 verzichtete Schrödinger mit Rücksicht auf die durch den Nationalsozialismus in Deutschland geschaffenen Verhältnisse endgültig auf seinen Berliner Lehrstuhl und setzte seine Tätigkeit am St. Magdalenen College in Oxford fort. 1936 wurde er an die Grazer Universität berufen, wo er bis zum Einbruch des Nationalsozialismus in Österreich lehrte. Vor hier ging er nach Dublin und erhielt am "Institute for Advaneed Studies" eine Stelle mit voller Lehr- und Forschungsfreiheit ohne Lehrverpflichtung. Schrödinger führt auch derzeit noch seine Studien dort aus, hat aber zugesagt, nach deren Beendigung einer bereits ergangenen Berufung an die Wiener Universität Folge zu leisten. In den letzten Jahren hat Schrödinger auch auf dem Gebiet der Biologie bahnbrechende Forschungen durchgeführt und in seiner Schrift "Was ist das Leben" neue Wege zur Lösung der biologischen Grundprobleme bewiesen.

13.8.1947: Kampf dem Kartoffelkäfer!

Der Schutz der Ernte vor Schädlingen ist in der Zeit des Nahrungsmittelmangels unerlässlich. Das Auftreten des Kartoffelkäfers in mehreren Bundesländern bedeutet bereits eine gefährliche Bedrohung einer der wichtigsten Versorgungsgrundlagen. Es wird daher neuerlich auf die Verordnung zur Abwehr des Kartoffelkäfers aufmerksam gemacht, nach der alle Kartoffel- und Paradeispflanzen nach Kartoffelkäfern abzusuchen sind.

Der Käfer hat etwa die Größe einer Kaffeebohne, ist gelblich und hat auf den Flügeldecken zehn auffällige schwarze Längsstreifen. Die Unterseite des Käfers ist flach, die Oberseite hochgewölbt. Die Larven des Schädlings werden bis eineinhalb Zentimeter lang, sind rot oder bräunlich und haben an den Seiten je zwei Reihen schwarzer Punkte.

Verdächtige Funde sind sofort der Bundeslehranstalt für Pflanzenschutz zu übermitteln.

13.8.1947: "Jugend am Werk" fährt nach England

Heute ist eine Gruppe jugendlicher Helfer der Aktion "Jugend am Werk" in ein Austauschlager nach England abgereist. Der Zweck dieser Reise ist, den jungen Menschen die Zerstörungen und Verwüstungen zu zeigen, die durch den Krieg auch in anderen Ländern angerichtet worden sind. Diese Reise ist ein Beitrag zur Erziehung der heranwachsenden Jugend zur Friedensgesinnung und zum Verständnis fremder Völker.

13.8.1947: Der Bürgermeister auf dem Baumgartner Gasbehälter

Bürgermeister Körner besichtigte heute in Begleitung des StR. Flödl und des Generaldirektors der Städtischen Unternehmungen, Resch, mit dem Direktor der Städtischen Gaswerke, Dr. Ing. Dollinger, den Gasbehälter in Baumgarten, der wegen schwerer Kriegsschäden seit April 1945 außer Betrieb ist. Im Mai des heurigen Jahres wurde mit den Reparaturarbeiten begonnen. Bis jetzt sind 489 Schadensstellen am äußeren Behälterumfang beseitigt worden. Rund 250 Einschüsse sind noch abzudichten. Es handelt sich um Verletzungen des Behältergehäuses der verschiedensten Größen. Zumeist sind es Einschüsse aus Gewehren und Maschinengewehren, aber auch Granat- und Bombentreffer großen Ausmaßes.

Die Arbeiten werden voraussichtlich Ende September beendet sein. Der Baumgartner Behälter ist 50 m hoch, hat einen Durchmesser von 30 m und einen Fassungsraum von 30.000 m3 . Er wurde im Jahre 1932 erbaut, um eine gleichmäßige Gasversorgung in den westlichen und südwestlichen Gebieten von Wien zu ermöglichen.

Anschließend besichtigte Körner das Gaswerk Simmering. Der große Gasbehälter des Simmeringer Werkes, der 150.000 m3 Gas aufnehmen kann, ist ebenfalls durch Kriegshandlungen schwer beschädigt worden und auch jetzt in Reparatur. Auch hier kann mit der Betriebsaufnahme wieder Ende September gerechnet werden. Die Instandsetzungsarbeiten an beiden Gasbehältern werden von der Wiener Brückenbau- und Eisenkonstruktions A.G. durchgeführt.

13.8.1947: Die Kinderlähmung in Wien - Bisher kein abnormaler Verlauf

Die epidemische Kinderlähmung, die immer im Spätsommer aufzutreten pflegt, ist heuer etwas früher, nämlich schon mit dem Beginn der Reisesaison in Erscheinung getreten. Vom Beginn des heurigen Jahres bis zum 9. August sind in Wien 140 Fälle von Kinderlähmung gemeldet worden. Zum Vergleich sei angeführt, dass im Vorjahr in Wien 114 Kinderlähmungsfälle gezählt wurden. In den letzten 20 Jahren gab es fünf Mal einen Anstieg der Erkrankungsfälle. Im Jahre 1941 waren z.B. 203 Fälle zu verzeichnen.

18.8.1947: Kulturelle Zusammenarbeit mit Ungarn

Der jetzt anlaufende Dreijahresplan des ungarischen Wiederaufbaues weist an Wichtigkeit und Dringlichkeit der kulturellen Aufbauarbeit dieselbe Rolle zu, wie dem wirtschaftlichen Gebiet.

Einen der wichtigsten Faktoren seines kulturellen Wiederaufbaus sieht Ungarn in der Aufgabe, die kulturellen Beziehungen mit dem Auslande, insbesondere mit seinen Nachbarstaaten zu verstärken und auszubauen. Zu diesem Zweck begeben sich die führenden Persönlichkeiten des ungarischen Kunstlebens in das Ausland, um die Möglichkeiten des Kultur-Austausches zu fördern.

Zur Zeit ist Ferenc Hont, Direktor der staatlichen Theater-Akademie, Mitglied des künstlerischen Rates von Ungarn, in Wien, um Verhandlungen zu führen, dass noch in dieser Saison Ensemble-Gastspiele der Wiener Theater in Budapest ermöglicht werden. Gleichzeitig führt er Verhandlungen, um auch auf anderem Gebiet der Kunst die kulturellen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn zu sichern.

20.8.1947: Der Maler Theodor Allesch wieder in Wien

Theoder Allesch, der bekannte Wiener Maler und Graphiker, der aus politischen Gründen im Jahre 1938 Österreich verlassen musste, ist soeben aus Washington zurückgekehrt.

Er bringt aus der Zeit seiner Emigration zahlreiche Arbeiten mit, die er in einer Ausstellung im kommenden Herbst zeigen wird. Allesch, dessen künstlerische Entwicklung ihn in viele Länder gebracht hat, gehört zu den interessantesten Aktivisten unter den österreichischen Künstlern.

21.8.1947: Ein Aufruf des Bürgermeisters für die Heimkehrer

Der Bürgermeister und die von ihm eingesetzte Wiener Kriegsgefangenenkommission wenden sich in einem Aufruf an die Wiener Bevölkerung, den Heimkehrern mit Kleidern, Lebensmitteln und Geldspenden zu helfen. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut:

Wiener helft euren Heimkehrern!

Dank eines großzügigen Entschlusses der Sowjetunion kehren alle unsere Lieben aus oft langjähriger Kriegsgefangenschaft zurück. Wer stets daheim bei seinen Lieben war, weiß nicht, was Kriegsgefangenschaft bedeutet. Sie bedeutet Entbehrung alles dessen, was dem Gefangenen früher das Leben lebenswert gemacht hat. Dauert aber die Gefangenschaft mehrere Jahre, dann büßt der Gefangene in dieser Zeit wohl auch das wenige ein, was er oft unter unsäglichen Strapazen für sich erarbeitet hatte. Mancher unserer Heimkehrer wird aber auch zu Hause überhaupt nichts mehr vorfinden, weil der Krieg so vieles vernichtet hat.

Es gilt also, in der nächsten Zeit in vielen Fällen die Not des Augenblickes zu lindern, in vielen anderen Fällen, wo der blinde Zufall des Kriegsgeschehens doppeltes Leid gebracht hat, mit moralischer und materieller Hilfe einzugreifen und durch Geld, Lebensmittel- und Kleiderspenden diesen besonders hart getroffenen Mitbürgern den Neuaufbau ihrer Existenz zu erleichtern.

Jeder gute Mensch hat den Wunsch zu geben. Die Freude über die zehntausendfache Heimkehr wird in einer verstärkten Gebefreudigkeit der Wiener und Wienerinnen ihren Ausdruck finden. Sie soll nicht zersplittern, sondern in einer einheitlichen Aktion, die von der Gemeinde geleitet wird, zusammengefasst werden. Zur Betreuung der Heimkehrer ist eine Wiener Kriegsgefangenenkommission gebildet worden, der je zwei Vertreter der drei politischen Parteien angehören. In allen Wiener Bezirken werden Bezirkskommissionen, denen ebenfalls Vertreter der drei politischen Parteien angehören, gebildet. Diese Kommissionen übernehmen auch die Spenden. Was immer im Haushalt entbehrlich ist (Kleider, Schuhe, Konserven und andere Lebensmittel, sowie Abschnitte von Lebensmittelkarten, Geld und Rauchwaren) möge als Willkommensgruß unseren Heimkehrern gespendet werden. Die Wiener Kriegsgefangenenkommission und die Bezirkskommissionen werden diese Spenden an die Wiener Heimkehrer gerecht verteilen. Für die Entgegennahme von Sach- und Geldspenden werden Sammelstellen eingerichtet. Ihre Anschriften sind bei den Magistratischen Bezirksämtern zu erfahren und aus den Plakaten ersichtlich, die in Kürze angeschlagen werden.

Wiener, bitte helft unseren Heimkehrern! Sie verdienen Hilfe, vielleicht auch Trost und erwarten Euren herzlichen Empfang!

Wiener Kriegsgefangenenkommission
Körner Bürgermeister der Stadt Wien

Mehrere namhafte Künstler, unter ihnen Maria Eis, Hermann Thimig, Max Brod, Willy Forst und Paul Hörbiger, haben sich für Heimkehrer-Veranstaltungen spontan zur Verfügung gestellt.

22.8.1947: Ausstellung Charoux - Ehrlich - Kokoschka

Gegenwärtig ist im Rathaus, eine Ausstellung von Photos nach Werken von drei in der Hitlerzeit nach London emigrierten österreichischen Künstlern zu sehen.

Siegfried Charoux und Georg Ehrlich sind Bildhauer, Oskar Kokoschka ist Maler.

Ehrlich ist in London zum gesuchten Kinderporträtisten geworden. Aber noch während des Krieges hat der den Auftrag bekommen, das Erinnerungsdenkmal an die Opfer für den "Garden of Rest" in Coventry zu schaffen.

Charoux hat neben vielen anderen Werken, die seine künstlerische Weiterbildung zeigen, die lebensvollen Köpfe von Lord Robert Cecil und Sir Stafford Cripps gestaltet. In Wien ist er seinerzeit durch das durch die Kriegsereignisse verlorengegangene Lessingdenkmal, das durch seine Hand neu gestaltet werden soll, besonders bekannt geworden.

Oskar Kokoschka schließlich hat durch seine politischen Bilder, wie durch den 1939 entstandenen "Anschluss" seine unabweisliche Österreichverbundenheit immer wieder offen und eindringlich bekundet.

23.8.1947: Die Per-Albin-Hansson-Siedlung. - Grundsteinlegung auf dem Wiener Feld

Ehrengäste bewundern Modell der Siedlung

Grundsteinlegung für die Per-Albin-Hansson-Siedlung auf dem Wiener Feld

Symbolische Ziegelsetzung durch den Bürgermeister

Bürgermeister Körner bei der Grundsteinlegung für die Per-Albin-Hansson-Siedlung auf dem Wiener Feld


Für die erste neue Siedlungsanlage, die von der Gemeinde Wien in der Zweiten Republik geschaffen wird, fand die Grundsteinlegung statt. Die Siedlung stellt den ersten Teil eines großen Bauprogrammes dar, dessen Durchführung am Südrand der Stadt von der Gemeinde in Aussicht genommen ist.

Die neue Wohnhausanlage wird in Favoriten am sogenannten unteren Wiener Feld, westlich der Favoritenstraße, entstehen. Der dort zur Verfügung stehende Baugrund hat ein Ausmaß von 300.000 Quadratmeter und ist Eigentum der Gemeinde Wien. Die neue Wohnhausanlage wird sowohl aus Einfamilien- wie auch aus Mehr-Familien-Häusern bestehen.

Die gesamte Anlage wird nach dem Entwurf der Architekten Prof. Franz Schuster, Eugen Wörle, Stefan Simony und Friedrich Pangratz aus 854 Wohnungen bestehen und alle sonstigen Bauten, wie Schulen, Kindergärten, Gemeinschaftsanlagen usw., die für die rund 3.000 Angehörigen dieser künftigen Wohngemeinschaft im Grünen erforderlich sind, erhalten.

Für das erste Baulos (rund 300 Wohnungen) wurde nach dem derzeitigen Baukostenindex ein Betrag von 14 Millionen Schilling genehmigt. Mit der Ausführung des Baues wird die Gemeinnützige Siedlungs- und Baugesellschaft beauftragt, die schon wiederholt für die Stadt Wien Siedlungsanlagen ausgeführt hat. Als Baumaterial für diese Wohnhausanlage werden die Vibro-Bausteine verwendet, die aus dem bei der Abtragung der zerstörten Objekte des Arsenals gewonnenen Schutt erzeugt werden.

Die Siedlung wird nach dem verstorbenen schwedischen Ministerpräsidenten Per-Albin-Hansson benannt. Bürgermeister Körner nahm in Anwesenheit vieler Festgäste die Grundsteinlegung vor.

25.8.1947: Eine Viertelmillion mehr Frauen als Männer in Wien

Der Julibericht der Magistratsabteilung für Statistik verzeichnet diesmal neben einem leichten Ansteigen der Einwohnerzahl gegenüber dem Vormonat, einen Überschuss von 249.470 Frauen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1,683.370 Menschen, leben in unserer Stadt nur 716.950 Männer. Geboren wurden in Wien im Monat Juli 1.899 Kinder, das sind um 350 mehr als im Juli 1946. Dem stehen nur 1.738 Sterbefälle gegenüber. Die Säuglingssterblichkeit betrug 56 Promille, das sind um vier von tausend mehr als im Vormonat des vergangenen Jahres. Hingegen ist die Gesamtsterblichkeit von 13 Promille im Juli 1946 auf 12 Promille im Juli dieses Jahres gesunken.

26.8.1947: Der Bürgermeister bei den schanghaier Rückkehrern

Bürgermeister Körner begrüßte heute die 130 Rückkehrer aus Schanghai, die vorläufig im Wiedner Krankenhaus untergebracht sind.

Körner wies auf die vielen Schwierigkeiten hin, die sich besonders auf dem angespannten Wohnungsmarkt durch die großen Zerstörungen und durch die Beschlagnahmungen der Besatzungsmächte ergeben.

27.8.1947: Wieder 660 Wohnungen fertiggestellt

Die Instandsetzung der kriegsbeschädigten Häuser in Wien wird laufend durchgeführt. Weitere 660 schwer beschädigte Wohnungen konnten im August wieder bewohnbar gemacht werden. Damit wurde Wohnraum für 1.982 Personen geschaffen.

Die Zahl der Ansuchen auf Instandsetzungen an Häusern betrug im August 2.833. 30 Hausruinen wurden abgetragen, während 52 schon zum Abbruch vorbereitet sind. Nach den derzeitigen Erhebungen gibt es noch 316 Gebäude, die abgetragen oder gesprengt werden müssen.

28.8.1947: Ausgabe von Tabakwaren

Das Hauptwirtschaftsamt Wien und das Landeswirtschaftsamt für Niederösterreich und das Burgenland geben im Einvernehmen mit der Österreichischen Tabakregie zusätzliche Tabakwarenaufrufe bekannt:

Abschnitte 9, 10, und 11 zum ausschließlichen Bezug von je 5 Stück Zigaretten der Sorte "Austria 1" sowie Abschnitt III zum ausschließlichen Bezug von 5 Stück A-Zigaretten.

28.8.1947: General Bethouart spendet 100.000 Schilling für Wiener Kinder

Portrait Antoine Bethouart

General Antoine Bethouart spendete den Erlös des Reitturniers.

Die französische Besatzungsmacht hat Ende Juli ein großangelegtes internationales Reitturnier durchgeführt, das den Wienern Gelegenheit gab, sich ein Bild vom hohen Stand des französischen Reitsports zu machen. Die Veranstaltung, die unter dem Ehrenschutz des französischen Hochkommissärs für Österreich, General Bethouart, stand, brachte eine Einnahme von 100.000 Schilling.

General Bethouart überreichte heute an Bürgermeister Körner einen Scheck über 100.000 Schilling, mit der Bestimmung, diesen Betrag für die armen Kinder der Stadt Wien zu verwenden.


28.8.1947: Dachgleichenfeier im Sanatorium Hera

Beim letzten Fliegerangriff im Jahre 1945 wurde das Sanatorium Hera durch Bombentreffer zu 75 Prozent zerstört. Trotz der schweren Schäden fasste die Leitung der Krankenfürsorgeanstalt der städtischen Angestellten den Beschluss, das Gebäude wieder aufzubauen. Nach einer Bauzeit von elf Monaten konnte heute die Dachgleiche, im Beisein von StR. Freund, gefeiert werden.

Die völlige Instandsetzung des Sanatoriums sowie der vier angrenzenden Wohnhäuser, die gleichfalls aufgebaut werden, wird schon im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Das Sanatorium soll dann Platz für rund 150 Patienten bieten.

29.8.1947: Hermann Leopoldi dankt dem Bürgermeister

Portrait Hermann Leopoldi

Hermann Leopoldi erhielt eine Einladung nach Wien.

Bürgermeister Körner hat vor kurzem an den Wiener Künstler Hermann Leopoldi, der aus der Emigration zurückkehrte, sich derzeit in Salzburg aufhält, die schriftliche Einladung gerichtet, nach Wien zu kommen und hier seine künstlerische Tätigkeit wieder aufzunehmen. Hermann Leopoldi hat nun an den Bürgermeister folgendes Schreiben gerichtet:

"Hochverehrter Herr Bürgermeister! Aus Gastein soeben zurückkommend, habe ich Ihren beglückenden und mich so selig machenden Brief in meinen Händen, ein Schreiben des Bürgermeisters der Bundeshauptstadt Wien, der ich doch alles, was ich bin und kann, zu verdanken habe. Tausend Dank für diese Auszeichnung mit der innigsten Bitte, mich am Wiederaufbau meiner Geburtsstadt und der meiner Eltern beteiligen zu dürfen und mitarbeiten zu lassen."

Hermann Leopoldi wird seine Wiener Tätigkeit anlässlich der Wiener Herbstmesse 1947 beginnen.


30.8.1947: Zehn Wiener Bezirke spenden 140.000 Schilling für die Heimkehrer

Schon wenige Tage nach dem Aufruf des Bürgermeisters zur Spendenaktion für die Heimkehrer, kann der Vorsitzende der Wiener Kriegsgefangenenkommission, StR. Afritsch, die ersten Erfolgszahlen bekanntgeben. Obwohl vorläufig erst zehn Bezirkskommissionen und zwar die des 4., 7., 10., 11., 15., 16., 20., 21., 22. und 25. Wiener Gemeindebezirkes, die erste Rate der begonnenen Sammlung gemeldet haben, brachten diese zusammen den ansehnlichen Betrag von 140.270 Schilling. Allein über 57.000 Schilling und mehrere tausend Kilogramm Lebensmittel haben die Bevölkerung des neuen Bezirkes Donaustadt gespendet.

Unter den eingegangenen Spenden befindet sich ein Betrag von 3.000 Schilling der Berufsringer Kawan und Toberl, der aus Strafgeldern des letzten Ringkampfturnieres stammt. Die Belegschaft der Tabakfabrik Ottakring ist mit einer Spende von 2.446 Schilling, die der Niederösterreichischen Molkerei im 20. Bezirk mit 1.000 Schilling, die der Schuhfabrik Guiard & Co. im 7. Bezirk mit 500 Schilling und Kommerzialrat Otto Enders im 7. Bez. mit einer Spende von 600 Schilling hervorzuheben. Die Österreichische Vereinigung in Schweden hat vorläufig 4.000 Stück Zigaretten und 900 Dosen erstklassige Konserven gespendet.

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