Wien 1946: Berichte vom Juni 1946

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.6.1946: Achtung Fleischhauer!

Der Österreichische Viehwirtschaftsverband fordert alle Fleischhauer von Wien (einschließlich Neu-Wien) auf, per 1. Juni 1946 abends, eine Warenbestandsaufnahme durchzuführen und die Meldung an den Bezirksverteiler bis längstens 4. Juni weiterzuleiten.

1.6.1946: Obstaufruf

Das Zentralernährungsamt Wien gibt bekannt: Für Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren wird auf den Abschnitt 404 des Gemüseausweises B ein Viertel Kilo Obst aufgerufen. Anspruch auf eine bestimmte Obstsorte besteht nicht.

1.6.1946: Zubereitung von Trockenfleisch

Das Marktamt der Stadt Wien gibt bekannt: Das jetzt zur Ausgabe gelangende Trockenfleisch, das auch bei der Wursterzeugung Verwendung findet, wird bei der Verwertung im Haushalt mit der doppelten Menge Wasser durch einige Stunden aufgeweicht und dann am zweckmäßigsten wie faschiertes Fleisch zu Laibchen, Gröstel, Knödelfülle, geröstetem Soßenfleisch verarbeitet.

3.6.1946: Die Ausübung der tierärztlichen Praxis

Nach einem Erlass des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft vom Mai 1946 haben alle österreichischen Tierärzte, welche in den Jahren 1939 bis Mai 1945 an einer tierärztlichen Hochschule oder gleichnamigen Fakultät des damaligen Deutschen Reiches ihr Studium abgeschlossen und die vorgeschriebenen Prüfungen bestanden haben, um zur Niederlassung oder weiteren Ausübung der tierärztlichen Praxis in Österreich berechtigt zu sein, um das Diplom der Tierärztlichen Hochschule in Wien anzusuchen und die beiden Einzelprüfungen aus gerichtlicher Veterinärmedizin und Veterinärwesen abzulegen.

Zur Niederlassung und weiteren Ausübung der tierärztlichen Praxis sind derzeit somit nur jene österreichischen Tierärzte berechtigt, die entweder vor dem 1. Jänner 1939 oder nach dem 1. Mai 1945 ihr Diplom der Tierärztlichen Hochschule in Wien erlangt haben. Eine Bestallungsurkunde des Deutschen Reiches verleiht keine Rechtsgrundlage für die Ausübung der tierärztlichen Praxis in Österreich.

4.6.1946: Aufruf an die Bevölkerung des 2. Bezirkes

Ab 11. Juni wird im 2. Bezirk begonnen, die leeren Konservendosen von Haus zu Haus zu sammeln.

Es ergeht daher an die Bewohner des 2. Bezirkes der Aufruf, keine leeren Dosen mehr auf die Straßen zu werfen, sondern im Haus neben den Müllgefäßen in Kisten oder sonstigen Behelfsgefäßen zu lagern, von wo sie abgeholt werden.

Diese Art der Doseneinsammlung soll nach den Versuchen im 2. Bezirk auch in den anderen Bezirken eingeführt werden.

5.6.1946: Empfang der Auslandshilfe im Rathaus

Über Einladung des Bürgermeisters versammelten sich die Vertreter und Mitarbeiter der ausländischen Hilfsaktionen, die in Wien derzeit tätig sind, im Rathaus. Vertreten waren:

Das Internationale Rote Kreuz, die Schweizerspende, das Schweizer Rote Kreuz und die Schweizer Kinderhilfe, die Schweizer Arbeiterhilfe, die Schweizer Caritas, die Quäker-Hilfe der Schweiz und Schwedens, eine Gruppe von Schweizer Stadträten unter der Führung der Stadt Zürich, die Schwedenhilfe, die Dänenhilfe, das Britische Rote Kreuz und das Amerikanische Friends Service Comitee.

Bürgermeister Körner dankte allen ausländischen Organisationen für die umfassenden Hilfsaktion und vor allem für die Art und Weise, wie sie ihre Hilfe anbieten.

Namens der Gäste hielt Chefdelegierter Walter Füllemann eine Ansprache und führte u.a. aus: "Wir alle sind nach Wien gekommen um der schwer heimgesuchten Bevölkerung Hilfe zu bringen. Wir alle erfüllen nur eine elementare Pflicht, besonders die Länder, die vom Krieg verschont geblieben sind, haben gewissermaßen eine Dankesschuld abzutragen. Zu dieser Dankesschuld ist vor allem die freundnachbarliche Schweiz verpflichtet. Nach den Schweizern sind auch die Dänen und Schweden auf dem Platz erschienen. Spenden für die notleidende Bevölkerung von Österreich kommen aber auch aus England, Amerika und Südafrika, welche teils von der Caritas und den jüdischen Hilfsorganisationen sowie der unermüdlichen Gesellschaft der Freunde, den Quäkern, zur Verteilung gelangen. Nicht zu vergessen ist die substantielle Irenspende, die vom irischen Volk durch das Vereinigte Hilfswerk des Roten Kreuzes in Genf dem IKvRK zur Verteilung und freien Verfügung steht."

5.6.1946: Wieder Bezirkslehrerkonferenzen!

Nach achtjähriger Unterbrechung wurden heute in Wien zum ersten Mal wieder Bezirkslehrerkonferenzen abgehalten, deren Zweck es war, über die Erziehungsaufgaben der neuen Wiener Schule zu beraten.

5.6.1946: Zürich hilft Wien

Der Stadtrat von Zürich hat den Beschluss gefasst, der Stadt Wien 11 Küchenbaracken mit vollständigem Inventar zum Geschenk zu machen. Diese 11 Küchenbaracken sind von der Zürcher Stadtverwaltung während des Krieges gebaut und eingerichtet worden, um für den Fall von Kriegsschäden für die Verpflegung eines größeren Personenkreises bereit zu stehen. Acht von diesen Baracken sind zerlegbar und leicht transportabel. Die Schweizer Arbeiterhilfe wird den Transport nach Wien organisieren. Die Baracken werden bei Durchführung von Hilfsaktionen, wie Kinderausspeisungen oder bei der Errichtung von Erholungsheimen eingesetzt.

6.6.1946: Aus den Budgetberatungen im Gemeinderat

Der Wiener Gemeinderat begann heute unter Vorsitz von Bürgermeister Körner mit der Verhandlung des Voranschlages für 1946.

Finanzreferat, Amtsführender Stadtrat Honay, leitete die Generaldebatte mit einem ausführlichen Referat ein. Er stellte u.a. einen Vergleich zwischen dem Kriegsende 1945 und dem von 1918 an. 1918 waren keine vandalischen Verwüstungen aufzuweisen, Wohn- und Betriebsstätten sind uns damals erhalten geblieben. Heute stehen wir vor einem Trümmerhaufen. Die Schäden, die allein das Vermögen der Gemeinde erfahren haben, betragen 364 Millionen Schilling. Alle europäischen Staaten sind an die USA verschuldet. Der Krieg hat auch die Währung Österreichs gestört. 1938 wurde unser Goldschatz nach Berlin entführt, und eine Notendeckung eingeführt, die keine Deckung war.

Durch das herrschende Wohnungselend müssen wir wieder zum kommunalen Wohnungsbau zurückkehren. Im Budget konnte allerdings für das heurige Jahr noch kein Betrag für den Wohnungsneubau eingesetzt werden, da nach wie vor Material, Facharbeiter und geeignete Transportmittel fehlen. 21 Prozent des Wohnungsbestandes sind durch Kriegseinwirkungen beschädigt, rund 100.000 Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden, 7,5 Prozent der Gemeindewohnungen sind zerstört. Es wurde deshalb zum ersten Mal neben dem ordentlichen Budget ein außerordentliches Budget erstellt. Es sind allein 10 ¼ Millionen Schilling für die Wiederherstellung der durch den Krieg beschädigten städtischen Wohnhäuser veranschlagt, das sind 40 Prozent des gesamten außerordentlichen Budgets. Ein Appell ergeht an die ausländischen Mächte, unsere Kriegsgefangenen endlich rückkehren zu lassen.

... die Grundsteuer und die Gewerbesteuer, die seit Jahren von der Gemeinde autonom eingehoben worden sind, müssen unbedingt als Gemeindesteuer weiter bestehen bleiben. Die Grundsteuer sollte wieder zu einer Zwecksteuer umgestaltet werden. Sie hieß früher Wohnbausteuer und hat bis zum Jahre 1933 ausschließlich dem Zwecke des Wohnbaus gedient. Sie sollte jetzt wieder als Wohnbausteuer benannt werden und ihr Ertrag ausschließlich dem Bau neuer Wohnungen zufließen.

... sämtliche Staatstheater sind von der Vergnügungssteuer befreit, was einer indirekten Förderung dieser Theater durch die Gemeinde gleichkomme.

Eine erhebliche Einbuße an Steuern erleidet die Gemeinde auch durch die Besetzung von Lokalen durch die alliierten Mächte. Nach einer amtlichen Zusammenstellung sind gegenwärtig in Wien 84 Hotels von den Alliierten besetzt.

... soll nicht verschwiegen werden, dass wir noch aus früherer Zeit bedeutende Fremdwährungsanleihen haben. Die Zentralsparkasse musste bei 965 Millionen Schilling Einlagen für 503 Millionen Reichsmark Reichsschatzanleihen nehmen, das sind 52 Prozent ihres Einlagenstandes.

... 8,3 Millionen Schilling sind dazu vorgesehen, um die zerstörten und beschädigten Schulgebäude wieder instandzusetzen. 52 Schulgebäude sind noch immer von den Alliierten besetzt.

7.6.1946: 600 gefallene Rotarmisten - Die Gemeinde widmet eine Grabanlage auf dem Zentralfriedhof

Für die bei den Kämpfen um Wien im Jahre 1945 gefallenen Soldaten der Roten Armee wird von der Gemeinde Wien auf dem Zentralfriedhof hinter der Begräbniskirche eine eigene Grabanlage errichtet. Bis jetzt sind in dieser Anlage bereits 553 Grabstellen belegt, doch wird die Gesamtzahl mehr als 600 betragen. Die Gräber werden gärtnerisch ausgestaltet und auf Dauer des Friedhofbestandes von der Gemeinde gepflegt.

Inmitten der Soldatengräber wird ein neun Meter hoher Obelisk von Figuren umrahmt, errichtet werden.

8.6.1946: Luftschutzbunker Westbahnhof als Notunterkunft

Bürgermeister Körner hat in Anbetracht des Umstandes, dass zufolge der Zerstörung oder anderweitigen Nachkriegsverhältnisse der Wiener Hotelraum für die ankommenden Reisenden nicht ausreicht, den Wiener Verkehrsverein beauftragt, für diese Zwecke in der Nähe des Westbahnhofes behelfsmäßige Unterkunftsräume zu schaffen.

Nach allen erforderlichen Überprüfungen wurde der Westbahnbunker, der ehemals Luftschutzzwecken diente, nach entsprechender Instandsetzung als geeignet empfunden.

Dieses Bauwerk war während des Krieges als bombensicherer Luftschutzraum für die Bahnhofsreisenden und Straßenpassanten in Verwendung gestanden; er war zufolge seiner besonders starken Bauart ein von der Öffentlichkeit viel in Anspruch genommener Zufluchtsraum.

Beim Kampf um Wien spielten sich auch beim Westbahnhof erbitterte Kämpfe ab, wobei auch der Bunker und seine Einrichtung starken Beschädigungen und Plünderungen war. Verschont blieb nur ein kleiner Teil des Bunkers, der in der Nachkriegszeit von der Staatseisenbahnverwaltung unter Sperre gehalten wurde, wodurch ein Teil der Einrichtung erhalten blieb.

Die Bauabteilung hat nun mit den Arbeiten begonnen. Anschließend an den Stiegeneingang wurden zunächst Räume für die Gepäcksaufbewahrung bestimmt, anschließend daran Kanzleiräume des Dienstpersonals und ein Buffetraum. Daran reiht sich eine Sitzabteilung mit vier großen Sitzräumen, eingerichtet mit Tischen, Sesseln und Bänken mit einem Fassungsraum von rund 400 Personen. Im rückwärtigsten und ruhigsten Teil des Bunkers sind getrennte Schlafräume für Männer und Frauen und kleinere Räume mit Betten für Mütter und Kinder vorgesehen.

An Liegeplätzen werden rund 100 Betten zur Verfügung stehen. Die Behelfsunterkunft wird von 18 Uhr bis 6 Uhr früh in Betrieb gehalten und dient folgenden Zwecken:

  1. Den in Wien ankommenden Reisenden, die über kein anderweitiges Quartier verfügen, als einmalige Unterkunft.
  2. Den Durchreisenden, die ihren Zugsanschluss erst am nächsten Tag finden und die Nacht daher in Wien möglichst in der Nähe des Bahnhofes verbringen müssen.
  3. Den ankommenden Bahnhofsreisenden, welche zufolge eingebrochener Dunkelheit ihre Quartiere in Wien mangels Verkehrsmöglichkeit und entsprechender Sicherheit nicht mehr aufsuchen können.
  4. Den mit den Frühzügen abreisenden Passagieren, welche die Nacht möglichst nahe dem Bahnhof verbringen wollen.

Die Gebühr für die Benützung des Bunkers: Sitzplatz 50 Groschen, Liegeplatz-Zuschlag 1 Schilling.

8.6.1946: Sicherung von Naturgebilden im Gebiete der Stadt Wien

Nach mehrjähriger durch den Krieg verursachter Unterbrechung konnte der Magistrat der Stadt Wien seine Tätigkeit als Naturschutzbehörde wieder aufnehmen. Die Wiener Naturdenkmäler haben durch das Kriegsgeschehen teilweise schwer gelitten, doch sind sie erfreulicherweise, soweit es bisher feststellbar war, im wesentlichen erhalten geblieben. So ist z. B. auf dem Ruinenfeld des Schwedenplatzes im 1. Bezirk ein stattlicher Götterbaum gänzlich unversehrt geblieben, der nun unter Naturschutz gestellt wurde. Aber nicht nur auf öffentlichen Plätzen, sondern auch in vielen Wiener Höfen und Hausgärten befinden sich oft schutzwürdige Naturgebilde. So wurden kürzlich beispielsweise wegen der besonderen Eigenart und Größe in den Höfen der Häuser 2, Franzensbrückenstraße 6 und 8, und Lenaugasse 19, ein japanischer Schnurbaum sowie eine Esche und ein Nussbaum, der seinerzeit schon die Bewunderung des Dichters Anton Wildgans erzielte, zu Naturdenkmälern erklärt. Der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegte Hofjagdallee (verläuft längs der Wientalstraße zwischen Stegtor und Pulverstampftor des Lainzer Tiergartens), sie besteht aus mehr als 200 Roßkastanienbäumen und über 20 Linden, wurde nunmehr auch gesetzlicher Schutz zuteil.

Um die Naturschätze Wiens zu erhalten, ergeht daher an die Bevölkerung, insbesondere aber an die Jugend, der Ruf zur Mitarbeit und Mithilfe bei der Bekanntgabe, Erfassung und Sicherung von Naturgebilden im Gebiete der Stadt Wien (Zuschriften an MA 7, Neues Rathaus).

11.6.1946: Aus dem Wiener Gemeinderat - Spezialdebatte städtische Unternehmungen

Forderungen an die Wiener Straßenbahndirektion:

  • Den Beginn des Straßenbahnverkehrs von 5.30 Uhr auf 5 Uhr vorzuverlegen, so dass die Werktätigen die Anschlusszüge der Eisenbahn erreichen können.
  • Verlegung des Betriebsschlusses einzelner Straßenbahnlinien, vor allem bei den Linien 10 und 11 (von 21 Uhr auf 23 Uhr), um den Besuch von Theatern usw. zu ermöglichen.
  • Einschaltung ehemaliger Haltestellen, um eine Verkürzung der zu großen Intervalle zwischen den Haltestellen zu erreichen.
  • Die Verdichtung des Verkehrs bei Geschäftsschluss am Nachmittag muss gerechter auf die verschiedenen Linien aufgeteilt werden.
  • Wiederinbetriebnahme der Linie O - deren Anlagen schon fertiggestellt sind.
  • Letzter Beiwagen der Straßenbahnzüge soll für das Rauchen freigegeben werden.

In der Debatte wurden u.a. folgende Anträge eingebracht:

  • Verbesserung der Gaslieferzeiten für berufstätige Frauen. Die Zeiten sollten auf 5 Uhr oder halb 5 Uhr früh vorverlegt werden, da bei den derzeitigen Lieferzeiten viele Berufstätige weder warmes Frühstück noch warmes Mittagessen zubereiten könnten.
  • Schaffung einer Untergrundbahn
  • Verstaatlichung der Großbetriebe der Lebensmittelindustrie und Lagerhäuser sowie der Österreichischen Energiewirtschaft

11.6.1946: Aus der Debatte "Kultur und Volksbildung":

In seinem einleitenden Referat führte StR. Matejka u.a. aus: Fast 60 Ausstellungen kultureller und künstlerischer Art wurden seit Mai 1945 in unserer Stadt veranstaltet. Die seit einem Jahr in Vorbereitung befindliche Ausstellung "Niemals vergessen", die die sieben Nazijahre dokumentarisch ins Gedächtnis ruft, ist von der Stadt angeregt und betreut. Die 173.000 Schilling für Kunstförderung werden vor allem für die Auszahlung der von der Stadt Wien gestifteten Kunstpreise für Malerei, Architektur, Bildhauerei, Graphik und angewandte Kunst eingesetzt. Ein größerer Betrag wurde auch für die Bruckner-Festwoche im Herbst dieses Jahres reserviert. Aber die Stadt fördert u.a. auch die Wiener Kirchenmusik, die Privat-Musikschulen, das Chorwesen und besondere musikalische Veranstaltungen wie z.B. die Gustav-Mahler-Feier und die Beethoven-Feier. Das Künstlerhaus, die wieder zum Leben erweckte Sezession (zuerst ohne, hoffentlich recht bald mit Haus), die Kunstgemeinschaft u.v.a. genießen die ständige Förderung und Hilfe der Verwaltungsgruppe Kultur und Volksbildung.

Über Initiative der Stadt Wien wurden aus einer Anzahl freiwilliger Mitarbeiter Arbeitsgruppen gebildet, die bei der Bergung von Kulturwerten aus den Gebäuderuinen und Schuttmassen eingesetzt wurden.

Matejka befürwortete auch eine noch weitergehende Förderung der Wiener Symphoniker sowie Subventionen für die Volkshochschulen.

Unter anderem wurden in der Debatte folgende Anträge eingebracht:

  • Schaffung einer Besucherorganisation, durch die der arbeitenden Bevölkerung der Erwerb billiger Theaterkarten ermöglicht wird.
  • Durchführung von Konzerten, Vorträgen, Kinovorführungen und künstlerischen Veranstaltungen für die Pfleglinge der städtischen Altersheime.
  • Errichtung eines antifaschistischen Museums.
  • Errichtung und Ausbau von Sport- und Spielplätzen für die Jugend.
  • Wiedererrichtung des Denkmals der Ersten Republik (wurde 1934 entfernt).

12.6.1946: Beflaggung am englischen Nationalfeiertag

Der 13. Juni ist als Geburtstag des englischen Königs in Großbritannien Staatsfeiertag. Bürgermeister Körner hat aus diesem Anlass die Beflaggung der öffentlichen Gebäude in Wien angeordnet.

12.6.1946: Wirtschaftsverhandlungen der städtischen Unternehmungen in Frankreich

Der Amtsführende Stadtrat für die Städtischen Unternehmungen, Dr. Exel und Generaldirektor Resch sind nach Frankreich abgereist, um Verhandlungen mit verschiedenen großen Firmen über die Lieferung von Material für den Wiederaufbau der Städtischen Unternehmungen, das im Inland nicht zu bekommen ist, zu führen.

12.6.1946: Aus dem Gemeinderat - Spezialdebatte Gesundheitswesen

In seinem Referat betonte Vizebürgermeister Weinberger ÖVP, unter welchen großen Schwierigkeiten das Gesundheitswesen der Stadt nach Krieg aufgebaut wurde. Gegenwärtig stünden wieder 22 Spitäler für Erwachsene, 7 Kinderspitäler, 2 Heil- und Pflegeanstalten, 6 Altersheime und 16 Erziehungsanstalten für Kinder und Lehrlinge sowie rund 11.000 Spitalsbetten zur Verfügung. Der Mangel an Wäsche ist auch jetzt noch eklatant. Die Versorgung mit Medikamenten ist dank der Alliiertenhilfe zur Zeit im allgemeinen zufriedenstellend. Besonders unangenehm wird der Ausfall von Krankenbetten empfunden, der auf die Besetzung von mehr als 2000 Betten durch alliierte Truppen zurückzuführen ist. Der Zustand unserer Röntgeneinrichtungen lasse eine Katastrophe befürchten, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird. Zur Zeit sind in Wien 73 Mutterberatungsstellen eingerichtet.

Bei den Krankheiten steht die Tuberkulose an erster Stelle. Diese Volksseuche ist in erster Linie auf die chronische Unterernährung und die verschlechterten Wohnverhältnisse zurückzuführen. Während im Jahre 1938 23.000 Personen an Tuberkulose erkrankt waren, wies das Jahr 1945 schon 27.000 Fälle auf. An Tuberkulose starben 1938 2.000 Personen, 1945 schon 3.100. Die Tuberkulosesterblichkeit hat sich seit 1938 verdoppelt und im Säuglings- und Kleinkindesalter verfünffacht. Leider haben wir noch immer zu wenig Heilstättenbetten. Von den vom 1.1.46 bis Ende Mai 1946 über 2.000 eingebrachten Heilstättenanträgen konnten nur 500 Fälle untergebracht werden.

Die Unterernährung bereitet immer mehr Sorge. Die Säuglingssterblichkeit erreichte im Sommer 1945 eine ungeahnte Höhe. 71 Todesfällen auf 1.000 Lebendgeborene im Jahre 1944 standen 377 Todesfälle im Monat Juli 1945 gegenüber. Die Kindersterblichkeit war somit in Wien auf 37 Prozent angestiegen.

13.6.1946: Aus dem Gemeinderat - Spezialdebatte "Bauwesen":

In seinem Einleitungsreferat betonte der Amtsführende Stadtrat Novy u.a., dass gegenwärtig von keiner nennenswerten Neubautätigkeit gesprochen werden kann, weil alle Kräfte darauf konzentriert werden müssen, um so rasch als möglich die Kriegsschäden zu beheben. Wobei die Beseitigung der Kriegsschäden und die Wiederaufbautätigkeit nicht nur ein finanzielles Problem sind, sondern vor allem ein Problem der Materialbeschaffung und der Bereitstellung von Arbeitskräften. Ein schwieriges Problem stellt auch die Beschaffung von Dachziegeln und von Holz dar. Wenn die Dächer nicht raschest repariert werden, würden zu den 110.000 durch den Krieg verloren gegangenen Wohnungen noch weitere 20.000 hinzukommen.

Trotz aller Schwierigkeiten konnten seitens des Stadtbauamtes sehenswerte Leistungen erzielt werden. So wurden von der Gruppe Straßenbau 4.457 Bombentrichter endgültig oder provisorisch behoben. Von 1.384 Gebrechen am Kanalnetz waren bis Ende März 1946 1.092 behoben. 97 Prozent der Gebrechen am Wasserleitungsnetz konnten ebenfalls schon behoben werden. Von den 950 km der öffentlichen Beleuchtung waren nach Beendigung der Kriegshandlungen 230 km vollständig zerstört und 330 km schwer beschädigt, der Rest außer Betrieb. Bis Ende März 1946 waren bereits wieder 340 km intakt und 250 km sollen noch im Jahre 1946 instandgesetzt werden. Von den ursprünglich berechneten 800.000 m3 Schutt auf öffentlichen Straßen und Plätzen wurden bisher 200.000 m3 abgeräumt. Die durchschnittliche Wochenleistung beträgt derzeit 8.000 m3.

Auf eine Anfrage betreffend der weiteren Verwendung der Flaktürme, antwortete Novy, dass diese Eigentum des Staates wären, aber auch dieser könnte darüber noch keine Entschlüsse fassen, weil sich die Alliierten das Verfügungsrecht vorbehalten hätten.

Auf der Tagesordnung stand u.a. noch: die städtischen Gartenanlagen, die durch die Kriegseinwirkungen stark gelitten haben, die Friedhöfe - von denen 12 sehr schwer beschädigt wurden. Am schwersten wurde der Zentralfriedhof getroffen, er weist 550 Bombentrichter auf. Es wird nicht möglich sein, noch 1946 diese Schäden zu beseitigen. Alle 77 Badeanstalten der Gemeinde Wien sind durch Bomben stark verwüstet worden. Im Sommer 1945 standen allerdings schon wieder 21 Bäder in Betrieb. Für das gänzlich zerstörte Gänsehäufel ist eine Ausschreibung für ein neues Bad vorgesehen.

Auch die Stadtforste haben schwer gelitten. Der Waldbestand ist durch Schlägerungen der alliierten Mächte sehr zu Schaden gekommen und auch das Wild ist fast zur Gänze abgeschossen.

14.6.1946: 600 Bezirksräte im Rathaus

Rund 600 provisorische Bezirksräte, deren Ernennung vor kurzem aufgrund der Vorschläge der drei politischen Parteien erfolgt ist, versammelten sich heute im Rathaus. Die Wiener Stadtverfassung sieht die Wahl von Bezirksvertretungen für alle Wiener Bezirke vor. Da am 25. November 1945 nur Wahlen zum Nationalrat und zu den Landtagen stattgefunden haben und die Wahl der Bezirksvertretungen separat nicht gut möglich ist, hat die Wiener Gemeindeverwaltung aufgrund einer Parteienvereinbarung zu dem Ausweg gegriffen, Bezirksräte provisorisch einzusetzen. Die Verteilung der Mandate erfolgte nach dem Proporz aufgrund der Wahlergebnisse vom 25. November 1945.

Die Angelobung der neuen Bezirksräte wurde heute von Bürgermeister Körner durch Handschlag vorgenommen. Der Bürgermeister hielt in seiner Ansprache fest, dass die Einsetzung der Bezirksräte einem demokratischen Bedürfnis unserer Verwaltung entspringen, weil es unmöglich ist, eine so große Stadt allein von einer zentralen Stelle aus zu verwalten und zu überblicken. Die Bezirksräte haben die Aufgabe, überall in ihrem Bereiche nach dem Rechten zu sehen, Missstände festzustellen und unter Umständen im eigenen Wirkungsbereich zu beheben, Anregungen für ihre Abstellung zu geben und die Anregungen der Zentrale aufzunehmen. Ihre Aufgabe wird es auch sein, den Willen der Verwaltung im Bezirk durchzusetzen. Bis 1934 haben die Bezirksvertretungen den ihnen gestellten Aufgaben entsprochen. Später wurde diese Institution, wie alle demokratischen Einrichtungen, beseitigt.

14.6.1946: Aus dem Gemeinderat - Verwaltungsgruppe VIII - Wohnungswesen

StR. Albrecht gab einen Bericht über den derzeitigen Stand des Wohnungswesens in Wien. Er führt u.a. aus, dass das Wohnungselend wesentlich größer als nach dem Ersten Weltkrieg sei. Menschen wohnen sogar in Häusern, die bereits baupolizeilich gesperrt wurden. Auch wurden von den Besatzungstruppen 166 Villen, 6.925 Wohnungen und 1.479 Unterkünfte belegt. Im laufenden Jahre, da an eine Neubautätigkeit nicht zu rechnen ist, werde aber mit allen Mitteln versucht, Instandsetzungen von Wohnungen durchzuführen.

15.6.1946: 300.000 kehrten zurück

Im Kriege ging die Bevölkerung Wiens ständig zurück. Bei der Volkszählung im Mai 1939 wurden in den 26 Bezirken Wiens rund 1,930.000 Menschen festgestellt. Ende des Krieges lebten nur mehr 1,520.000 Menschen in Wien. Wiens Bevölkerung sank danach, durch die Abwanderung der ausländischen Arbeitskräfte, auf 1,323.000. Dies war die niedrigste Bevölkerungszahl, die Wien seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu verzeichnen hatte. Nunmehr kehren viele, die der Krieg aus Wien vertrieben hat, wieder nach Wien zurück. Bis Mai dieses Jahres war die Wiener Bevölkerung wieder auf 1,618.000 angestiegen. Im Zeitraum von 10 Monaten kehrten demnach fast 300.000 Menschen wieder nach Wien zurück. Es fehlen allerdings noch immer über 300.000 Menschen, wenn Wien wieder zu der Volkszahl zurückfinden soll, die es vor dem Kriege gehabt hat. Vor allem fehlt es an Männern in Wien. Von den 1,618.000 Menschen, die im vergangenen Monat ermittelt wurden, zählen 674.000 zum männlichen und und 944.000 zum weiblichen Geschlecht; es gibt also um 270.000 mehr Frauen als Männer in Wien. Das Verlangen nach der Heimsendung der Kriegsgefangenen wird unter diesen Umständen zu einer brennenden Frage.

15.6.1946: Eine Frau als Bezirksamtsleiterin

Heute fand die Eröffnung eines neuen magistratischen Bezirksamtes in Liesing statt, die aus zwei Gründen besondere Beachtung verdient. Das Bezirksamt Liesing ist das erste, das nach der Befreiung Österreichs von der Gemeinde Wien neu geschaffen wurde. Es hat seinen Sitz im ehemaligen Liesinger Rathaus, dessen Kriegsschäden in überraschend kurzer Zeit beseitigt wurden.

Zum ersten Mal seit der Geschichte der Verwaltung unserer Stadt wurde an die Spitze eines Amtes eine Frau gestellt und zum ersten Mal nimmt eine Juristin eine leitende Stellung in unserer Stadt ein. Mit der Leitung des neuen Bezirksamtes in Liesing wurde Frau Dr. Hilda Borkowtz, betraut.

15.6.1946: Aus dem Gemeinderat - Spezialdebatte "Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten"

StR. Afritsch berichtete u.a. über die besonderen Schwierigkeiten bei der Verleihung von Staatsbürgerschaften. Personen, die vor 1915 in Österreich gelebt haben, können ohne weiteres die Staatsbürgerschaft erhalten, ebenso Frauen, die nach 1938 Reichsdeutsche geheiratet haben. Nicht weniger als 160.000 Ansuchen um Staatsbürgerschaft wurden eingereicht. Die Heimatrolle ist der einzige Nachweis der Staatsbürgerschaft, der glücklicherweise sichergestellt werden konnte.

Die Landesstelle für Heimkehrer und Kriegsgefangenenfürsorge hat bisher 114.000 Heimkehrer betreut, die allerdings nicht alle Wiener waren. Durch die Wohlfahrtsstellen erhalten die Heimkehrer 5 S Handgeld, einige Straßenbahnkarten und einige Zigaretten.

Zur Registrierung der Nationalsozialisten teilte Afritsch mit, dass bisher insgesamt 110.899 Personen, davon 79.138 Männer und 31.761 Frauen registriert wurden. 80 Prozent davon haben Nachsichtsgesuche eingebracht, die von den Kommissionen in 1.263 Sitzungen erledigt wurden. 12 Prozent davon wurden vorläufig mit Entregistrierung beschieden.

Im Vereinswesen wurde der Deutsche Turnverein mit 73 Zweigstellen aufgelöst, die Militärkameradschafts- und Schützenvereine würden hoffentlich nicht mehr reorganisiert werden.

Aus dem Bericht über das Feuerwehrwesen:

"Das Erbe des Nationalsozialismus auf dem Gebiete des Feuerwehrwesens war fürchterlich. Besonderer Dank müsse dem russischen Stadtkommando und der amerikanischen Militärbehörde für die Hilfe bei der Rückbeschaffung der verschleppten Löschautos und -geräte nach Wien ausgesprochen werden. Die Feuerwehr hatte im heurigen Jahr bereits über 2.660 Ausrückungen. In ihren Reihen befinden sich viele aufrechte antifaschistische Kämpfer. 6 Feuerwehrleute wurden zum Tode verurteilt, 2 sind in den KZ gestorben, 16 sind zu lebenslänglichem Kerker, 35 zu insgesamt 267 Jahren schweren Kerkers verurteilt worden."

17.6.1946: Wieder Rettungsdienst der Polizei

Die Bevölkerung wird aufmerksam gemacht, dass nunmehr wieder, wie seinerzeit bis zum Jahre 1938, bei den Polizeiwachstuben ein Rettungsdienst für Erste Hilfe bei leichteren Unglücksfällen eingerichtet ist. Bei schweren Unglücksfällen ist nach wie vor ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, bzw. die Rettung zu rufen.

17.6.1946: Hundert neue Drehstrommotore verlassen die Brown-Boveri-Werke

Die Österreichische Brown-Boveri-Werke A.G. in der Gudrunstraße hat die ersten 100 Stück 4-PS-Drehstrommotore fertiggestellt.

In den Brown-Boveri-Werke wurden durch drei Bombentreffer zwei Werkhallen vollständig vernichtet. Der unersetzliche Versuchsraum wurde ebenfalls gänzlich zerstört. Dazu kam, dass der größte Teil der 183 Werkzeugmaschinen beschlagnahmt wurde. 59 solcher Maschinen wurden aber in der Zwischenzeit wieder dazugekauft. Von ehemals 1.348 Arbeitern und Angestellten, arbeiten heute schon 905.

18.6.1946: Hilferuf des Bürgermeisters an die UNRRA

Die kritische Ernährungslage Wiens in der letzten Zeit und die Unsicherheit der Anlieferungen haben den Bürgermeister General a.D. Körner zu einem Hilferuf an den Generaldirektor der UNRRA veranlasst. Bürgermeister Körner hat an Fiorellio La Guardia, Generaldirektor der UNRRA in New York folgendes Telegramm gerichtet:

"Die Not in Wien und Umgebung hat einen Grad erreicht, der für die Zukunft zu größter Besorgnis Anlass gibt. Wenn nicht Hilfe kommt, bricht die Bevölkerung zusammen. Als Bürgermeister von Wien richte ich die dringende Bitte an Sie: kommen Sie nach Wien und überzeugen Sie sich selbst. Wir können nicht mehr weiter. gez. General Körner, Bürgermeister von Wien".

18.6.1946: Die Sechsschimmelgasse ist wieder schuttfrei

Während eines Fliegerangriffes im März des vorigen Jahres wurde die Sechsschimmelgasse und ihre Seitengassen im 9. Bezirk stark mitgenommen. Die Straßen waren mit gewaltigen Mengen von Schutt übersät. Dazu ergab sich die Notwendigkeit, dass vor fünf Wochen dort zwei große Hausruinen gesprengt werden mussten. Dadurch war die bisher schwer passierbare Straße endgültig verschüttet worden. Den Bemühungen der Bezirksvorstehung des 9. Bezirkes ist es nun gelungen eine Großaktion in die Wege zu leiten, die zur Folge hatte, dass sowohl die Sechsschimmelgasse als auch ihre Seitengassen vollkommen geräumt sind und vom Schutt nichts mehr zu sehen ist. Durch drei Wochen hindurch waren zwei amerikanische Bagger und ein Bagger einer Wiener Firma am Werk, um mit Hilfe von durchschnittlich 20 amerikanischen Lastkraftwagen und ca. 25 Arbeitskräften eine vollkommene Säuberung zu erzielen. Die abgeführte Schuttmenge aus dem genannten Straßenzug und seiner Umgebung belief sich auf ungefähr 15.000 m3.

18.6.1946: Teilstreik bei der Straßenbahn

Die Erregung, die infolge der Unsicherheit in der Ernährung der Wiener Bevölkerung innerhalb der Arbeiterschaft Wiens in der letzten Zeit vorhanden ist, hat heute vormittags bei einem Teil der Wiener Verkehrsbetriebe zu einer spontanen Arbeitsniederlegung in einigen Betriebsstätten geführt. Die Vertrauensmänner entsandten eine Deputation zum Ernährungsminister Dr. Frenzel. Die Arbeit wurde am frühen Nachmittag wieder aufgenommen.

22.6.1946: Die Rathaus-Wache wird bewaffnet!

Nach Mitteilungen der Stadtkommandantur wurde der städtischen Berufsfeuerwehr die Bewilligung erteilt, die dem Feuerwehrkommando unterstehende Rathaus-Wache im Wachdienst zu bewaffnen. Es handelt sich dabei nicht um die Bewaffnung von Feuerwehrmannschaften sondern vielmehr um die Ausstattung der Angehörigen der Rathaus-Wache mit Handfeuerwaffen, die von den Besatzungstruppen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden.

Die Rathaus-Wache bewacht das Rathaus und sonstige Amtsgebäude, die Kassenräume der Stadt Wien, von der Stadt eingelagerte Lebensmittel, die von den Alliierten der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellten Lastkraftwagen usw.

22.6.1946: Der Vertreter des Generaldirektors der UNRRA beim Bürgermeister der Stadt Wien

Der Vertreter des Generaldirektors der UNRRA, Mr. John Wraight, und der Leiter des österreichischen UNRRA-Büros, General Parminter, erschienen heute bei Bürgermeister Körner. Die Stadträte Dr. Freund und Sigmund berichteten über die Ernährungslage der Stadt Wien, insbesondere über die Schwierigkeiten in der Ernährung der Kinder und der alten Leute. Ferner, dass die Wiener Bevölkerung keine Möglichkeit hat, die von den Alliierten zugewiesenen Rationen durch zusätzliche Käufe auf dem freien Markt zu ergänzen. Auch die Möglichkeit wenigstens Kartoffel aufzutreiben, wie es in den meisten anderen Ländern Europas der Fall ist, bliebe uns versagt. Dem Vertreter der UNRRA wurde die Tagesration eines Wiener Normalverbrauchers in natura gezeigt und General Parminter erklärte hierzu, dass eine solche Lebensmittelkollektion dem Generaldirektor der UNRRA La Guardia bereits übersandt wurde. Stadtrat Sigmund zeigte auch die Backprobe eines Brotes, wie es bei dem für die nächste Zeit angeordneten Mischverhältnis, bei dem Hafer, Gerste und Mais vorherrschen und der Weizenanteil minimal sein soll, beschaffen sein wird. Er machte darauf aufmerksam, dass dieses Brot für einen großen Teil der Bevölkerung unverdaulich ist. Mr. Wraight gab seine Absicht bekannt, sich persönlich in Wiener Haushalten, in Lebensmittelgeschäften, Restaurants und auch auf dem Schwarzmarkt zu überzeugen, wie die Verhältnisse tatsächlich liegen.

Bürgermeister Körner richtete nach dieser Besprechung folgendes Telegramm an den Generaldirektor der UNRRA:

Fiorellio La Guardia, Generaldirektor der UNRRA, New York.

Die Stadt Wien dankt Ihnen für das durch die rasche Entsendung Ihres Mitarbeiters bekundete lebhafte Interesse an der tristen Ernährungslage unserer Stadt, die wir aus eigener Kraft nicht meistern können. Mr. Wraight ist mit großem Eifer bemüht, mit eigenen Augen die tatsächlichen Verhältnisse, unter denen die Wiener Bevölkerung lebt, kennen zu lernen. Die Wiener sehen dem Ergebnis dieser Untersuchung mit viel Hoffnung auf Besserung ihrer Ernährungslage entgegen.

Körner, Bürgermeister von Wien.

24.6.1946: Schülerausspeisung auch während der Ferien

Zwei Buben stehen bei den Damen der Essensausgabe an

Dank verschiedener Wohlfahrtswerke, ist die Schülerausspeisung auch in den Ferien gesichert.

Die mit der Durchführung der Schulausspeisung betrauten Stellen teilen mit, dass die Weiterführung der Schülerausspeisung auch während der Schulferien gesichert ist. Die UNRRA wird beträchtliche Beiträge für die Schülerausspeisung leisten und auch ausländische Wohlfahrtswerke, vor allem die "Schweizer Spende" und die Amerikanischen Quäker werden wieder hochwertige Nahrungsmittel beistellen.


25.6.1946: Fast 700.000 Haushalte in Wien

Nach einer Zusammenstellung der Brennstoffbeschaffungsstelle der Stadt Wien gibt es in Wien derzeit 698.450 Haushalte. Dies ist die Zahl der privaten Wirtschaftseinheiten, die in Wien für den Bezug von Brennstoffen angemeldet sind. Diese Zahl ist deshalb so hoch, weil jeder Untermieter, der in eine unterbelegte Wohnung eingewiesen ist, als selbständiger Haushalt gezählt werden muss.

29.6.1946: Aus dem Wiener Landtag:

Es wurde ein Verfassungsgesetzentwurf, betreffend die Änderung der Grenzen zwischen den Bundesländern Niederösterreich und Wien, eingebracht. Bereits am 14. Februar d. J. wurde ein Gebietsänderungsgesetz beschlossen, das nun durch einige Änderungswünsche bedingt, nochmals vorgelegt wurde. Die Änderungen: Im Westen Wiens verbleiben nunmehr Hadersdorf und Weidlingau zur Gänze bei Wien, der nördliche Teil des Kuchelauer Hafengebietes einschließlich der Chemosanfabrik fällt dagegen an Niederösterreich. Das bei Wien verbleibende Gebiet von Hadersdorf und Weidlingau hat ein Ausmaß von fast 22 km2, die Wohnbevölkerung betrug nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1939 6.440 Personen. Durch diese Grenzregulierung wird die Zerschneidung der Gemeinde Hadersdorf vermieden.

Das Gebietsänderungsgesetz wurde mit der erforderlichen Mehrheit angenommen.

29.6.1946: Aus dem Gemeinderat:

In der Debatte wurden u.a. folgende Anträge eingebracht:

Antrag auf Gründung einer Wiener Baubedarfsgesellschaft; Antrag auf Fristerstreckung für die Einbringung von Sparkassendarlehensansuchen zur Wiederherstellung beschädigter Wohngebäude; Antrag auf Neufestsetzung des Hebesatzes der Lohnsummensteuer; Antrag auf Verpachtung des Volkspraters an die Prater-Betriebsgesellschaft m.b.H.

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