Wien 1946: Berichte vom August 1946

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.8.1946: Sicherung deutschen Eigentums in der amerikanischen Zone Wiens

Die amerikanische Militärregierung in Wien ordnet die Verlautbarung der nachstehenden Bekanntmachung Nr 1, in den in Wien erscheinenden Tageszeitungen am 2. August 1946 an. Die Bekanntmachung lautet:

Militärregierung - Österreich
US Vienna Area
(Bezirke VII, VIII, IX, XVII, XVIII, XIX)
Bekanntmachung Nr. 1
Deutsches Eigentum

  1. In Übereinstimmung mit der verlautbarten Politik der Vereinigten Staaten, ehemaliges, in der Besatzungszone der Vereinigten Staaten befindliches deutsches Eigentum an die Bundesregierung von Österreich zu treuen Handen zu übergeben und um es vor Verlust oder unrechtmäßiger Aneignung während der Durchführung der Überschreibung an die Bundesregierung von Österreich zu bewahren und um ehemaliges, sich in irgendeinem der vorgenannten Bezirke befindliches, deutsches Eigentum für endgültige Regelung zu erhalten, ist verboten, ausgeschlossen wie untenstehend vorgesehen, oder wenn genehmigt, oder anderswie bevollmächtigt oder angewiesen durch das Hauptquartier, Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Österreich, oder durch die österreichische Regierung auf Grund einer Bevollmächtigung durch das Hauptquartier, Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Österreich:
    1. Auf irgendeine Weise, entweder als Hauptperson, Agent oder anderswie, an irgendeinem Verkauf, Pachtvertrag, Übergabe oder Besitzaufgabe, Schutz oder Kontrolle irgend eines Eigentums, welches sich in einer der zuvor erwähnten Bezirke befindet, und direkt oder indirekt Eigentum der Regierung des Deutschen Reiches, irgendeiner seiner Agenturen, Dienststellen oder Staatsbürger, teilzunehmen;
    2. Irgend eine Handlung oder Unterlassung, welche den Wert oder Gebrauchsfähigkeit des Eigentums vermindert, zu verursachen oder zuzulassen, oder Weisungen irgendeiner Person, betreffend solches Eigentum, anzunehmen oder darnach zu handeln oder solche Vermögenswerte oder irgendwelche Dokumente diese betreffend, an irgendeine Person zu übergeben.
  2. Irgendeine verbotene Handlung, durchgeführt ohne Genehmigung oder Bevollmächtigung der Militärregierung, und irgendeine Übergabe, Vertrag oder ein anderes Übereinkommen in der Absicht, die Verfügungen dieser Bekanntmachung zu missachten oder zu umgehen, ist null und nichtig.
  3. Die Vermögenswerte, auf die obiger Punkt 1 Bezug nimmt, unterliegen jeder Weisung, welche von dem Hauptquartier, Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Österreich, erlassen worden ist oder erlassen werden kann, unter folgenden Voraussetzungen:
    1. Eigentum der Regierung des Deutschen Reiches oder irgendeiner Abteilung oder Agentur hievon, kann bis zu dem für die Regierung und Verwaltung notwendigem Ausmasse verwendet werden;
    2. Jedes Geschäftsunternehmen kann sich mit Transaktionen, Geschäften aller Art in Verbindung mit dem Ablauf eines normalen Geschäftsganges befassen;
    3. Liegenschaften können weiterhin zu ihrem normalen Zwecke verwendet werden und jeder Eigentümer oder mit deren Kontrolle beauftragte Personen kann solche Handlungen durchführen, die zu ihrer ordnungsgemäßen Leitung notwendig sind. Es darf kein Mietvertrag von Liegenschaften abgeschlossen werden, welcher nicht eine Kündigung eines solchen Mietvertrages innerhalb von sechzig (60) Tagen vorsieht.
    4. Über Banknoten kann für normale Zwecke verfügt werden, jedoch sind sie jeder, durch die Militärregierung oder das österreichische Gesetz auferlegten Einschränkung unterworfen.
  4. Jede Person, welche irgendeine Verfügung dieser Bekanntmachung verletzt, unterliegt bei Überführung durch ein Gericht der Militärregierung, der vom Gericht verfügten gesetzmäßigen Bestrafung.
  5. Diese Bekanntmachung tritt mit dem 2. August 1946 in Kraft.

Auf Befehl des kommandierenden Offiziers, U.S. Wiener Zone
Tee. Lewis
Col. Eh
Commanding

2.8.1946: Zusatzkarten auch während des Urlaubes

Das Landesernährungsamt gibt bekannt:

Bundesminister Dr. Frenzel hat vom Versorgungsausschuss der Alliierten die Zustimmung erwirkt, dass die Lebensmittel-Zusatzkarten für Arbeiter und Angestellte auch für die Zeit des gesetzlichen Urlaubes ausgegeben werden dürfen, soweit das Beschäftigungsverhältnis weiter besteht.

3.8.1946: Unsere Dachschäden

Der Mangel an Dachziegeln hat bisher nur wenige definitive Dachreparaturen ermöglicht. Viele Dächer wurden nur provisorisch mit Brettern und Dachpappe gedeckt. Stürme haben viele dieser Dächer wieder beschädigt. Dadurch und durch verspätete Anmeldung von Kriegsschäden hat sich die Zahl der noch vorhandenen Dachschäden inzwischen auf rund 12.000 erhöht. Nicht inbegriffen sind: Dachschäden an Spitälern, Schulen, Kinderheimen, anderen öffentlichen Gebäuden und an Industriebauten.

Bei einer Mindestziffer von nur 10.000 Schäden mit durchschnittlich je 100 m2 offener Fläche ergeben sich rund eine Million Quadratmeter Dachschäden. Bei der Annahme, dass 16 Dachziegel pro Quadratmeter zur Eindeckung benötigt werden, beträgt der Bedarf allein für die Wohnhäuser 16 Millionen Stück Dachziegel. Im ersten Halbjahr 1946 wurden für Wien nur rund 191.000 keramische und 862.000 Beton-Dachziegel geliefert. Erst in den letzten Wochen ist eine Steigerung der Zuweisungen eingetreten. Im Juni wurden Wien 500.000, im Juli 720.000 Dachziegel zugewiesen. Zuzüglich der in Wien erzeugten Beton-Dachsteine ergibt sich eine monatliche Dachziegelproduktion von maximal rund einer Million. Der Bedarf von 16 Millionen Stück Dachziegeln würde also im günstigstem Falle nach 16 Produktionsmonaten gedeckt sein. Es ist also leider aussichtslos, alle beschädigten Wiener Dächer noch in diesem Jahre definitiv zu reparieren, und es wird teilweise wieder zu Notmaßnahmen gegriffen werden müssen.

Für provisorische Dacheindeckungen steht nur Dachpappe zur Verfügung, die jetzt von so schlechter Qualität ist, dass sie den Witterungseinflüssen nur kurze Zeit stand hält und immer wieder erneuert werden muss. Auch die Beschaffung des dazu notwendigen Schalholzes, der Pappe und der erforderlichen Nägel bereitet größte Schwierigkeiten. Wenn nur mit der provisorischen Eindeckung von 30 Prozent der beschädigten Dächer gerechnet wird, sind dazu rund 30.000 kg Nägel erforderlich. Die Stadt Wien konnte bisher insgesamt nur 6.000 kg Nägel beschaffen.

Die Stadt Wien hat zwei Drittel aller Kriegsschäden in Österreich. Die Zuweisung von Baustoffen erfolgt jedoch nur im Ausmaße von rund 20 Prozent der Produktion. Wien muss also höhere Baustoffkontingente als bisher bekommen.

3.8.1946: Dachstuhlbrand im Theater an der Wien

Heute nachmittag brach im Dachstuhl des vorderen Wohnhaustraktes des Theaters an der Wien aus vorerst unbekannter Ursache ein Brand aus. Zwölf Löschzüge der Wiener Feuerwehr nahmen die Löscharbeiten in Angriff. Unter Zuhilfenahme von zwei großen Magirusleitern gelang es nach kurzer Zeit, den Brand zu lokalisieren. Nach ca. einer Stunde war der Brand gelöscht. Die Feuerlöschaktion stand unter der Leitung des Branddirektors der Stadt Wien, Holaubek. Noch während des Brandes hatte sich Bürgermeister Körner mit den Stadträten Afritsch, Matejka und Sigmund eingefunden. Außer dem Dachstuhl des Vordertraktes auf der Linken Wienzeile wurde kein Teil des Theaters durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen. Zuschauer- und Bühnenraum blieben gänzlich unversehrt.

5.8.1946: Essigherstellung im Haushalt

Mit Rücksicht auf zahlreiche Anfragen aus dem Leserkreis werden zwei Rezepte zur Herstellung von Essig im Haushalt gegeben:

Nach der einen Art werden 1 dkg Germ, 2 dkg Zucker, 5 dkg Brot in 1 Liter Wasser angesetzt und durch 8 - 12 Tage stehen gelassen. In den letzten Tagen können, sofern die Möglichkeit gegeben ist, aromatische Kräuter (z.B. Estragon) zur Würzung beigegeben werden.

Nach der anderen Art, die derzeit wohl nur für Obstgartenbesitzer in Frage kommt, wird eineinhalb kg Fallobst gerieben oder faschiert und mit 2 dkg Zucker, 3 dkg Germ in 5 Liter Wasser angesetzt und vier Wochen stehen gelassen.

6.8.1946: Gleichenfeier des Floridsdorfer Bades

Wie viele andere Badeanstalten wurde auch das Floridsdorfer Bad im Verlaufe des Krieges in Mitleidenschaft gezogen. Zwei Bombentreffer richteten eine Zerstörung an, die zu beheben im ersten Augenblick unmöglich schien. Der Reservoirraum war durchschlagen, die schweren Wasserbehälter lagen unter den Trümmern, die gesamte Installation war vernichtet, vom Männer- und Knabenbrausebad blieb überhaupt nichts übrig, und die Dampf-, Wannen- und Frauenbrausebadabteilungen wiesen schwere Schäden auf. Nur die kostbare und in der jetzigen Zeit unersetzliche Kesselanlage blieb glücklicherweise unversehrt.

Bezirksvorsteher Jonas und BV-Stellvertreter Benda ließen aber nichts unversucht, und so ist es gelungen im Laufe eines Jahres das Floridsdorfer Bad wieder aufzubauen. Der russische Ortskommandant Major Schkanow zeigte für diese Bemühungen großes Verständnis und ihm ist es zu danken, dass die notwendigsten Baustoffe beschafft werden konnten. Auch die Bundesbahnwerkstätte in Floridsdorf war bei der Zustandebringung des Materials maßgeblich beteiligt. Sie stellte insbesondere Zement und Spezialrohre zur Verfügung.

Nach einem Jahr schwerer Arbeit war es nun dem Stadtbauamt möglich, die Gleichenfeier des wiederaufgebauten Floridsdorfer Bades zu begehen. In Anwesenheit von StR. Flödl fand die Gleichenfeier statt. Es ist beabsichtigt, so rasch als möglich das Dampf- und das Wannenbad und einen Teil der Brauseeinrichtungen benutzbar zu machen. Es fehlt zwar noch vieles an der Installation und der Inneneinrichtung, doch ist geplant, das Bad noch im heurigen Oktober zu eröffnen. Das Floridsdorfer Bad ist das einzige Warmbad des 21. Bezirkes und könnte nach Eröffnung aller Abteilungen täglich von 1.500 bis 2.000 Personen besucht werden.

6.8.1946: Bücher für Österreich

Der Appell des Stadtrates Dr. Matejka an das Ausland, das Werden der neuen Demokratie in Österreich durch Bücherspenden zu unterstützen, durch Werke der Weltliteratur und der Wissenschaft, hat bereits zu Erfolgen geführt.

So war es in erster Linie die Schweiz, deren Verleger über 2.000 Neuerscheinungen in Wien ausstellten, um sie dann als Spende an die städtischen Büchereien zu übergeben. Außerdem haben amerikanische, später britische und französische Stellen in Wien Bücher ausgestellt und die Möglichkeit, sie zu erwerben, geschaffen.

Derzeit finden nun in den USA und in Großbritannien Büchersammlungen für Österreich statt. In London hat sich ein Anglo-Österreichisches Komitee von Wissenschaftlern gebildet, das in einem Aufruf daran erinnert, dass Österreich, noch nicht in die UNO aufgenommen, auch noch keine Betreuung durch eine der offiziellen Körperschaften für internationale intellektuelle Zusammenarbeit erfährt. Doch wäre es von großer Bedeutung, sowohl die Wiener Akademie der Wissenschaften, wie das neugegründete "Institut für Wissenschaft und Kunst", das breiteren Kreisen zugänglich ist, mit den wissenschaftlichen Werken zu versehen, die seit fast zehn Jahren in England erschienen sind. Ein oder zwei Exemplare der wichtigsten Bücher und Zeitschriften wären unbedingt erforderlich. Da ein Handelsverkehr zwischen den Alliierten und Österreich noch nicht besteht, andererseits die britischen Verleger und Buchhändler teilweise ihre Lager eingebüßt haben, muss das britische Publikum gebeten werden, aus seinen privaten Büchereien zu spenden. Die Stelle, die die Bücher nach Wien übersendet, verpflichtet sich, dabei klar zu machen, dass die so zustandegebrachte Literatur einen Beitrag der Engländer zur Erneuerung des demokratischen Geistes in Österreich darstellt.

In den USA wird vom Austro-American Council ein Aufruf verbreitet, der unter dem Titel "Bücher für die Demokratie" die Worte Dr. Matejkas zitiert, in denen er erklärt, dass unsere Bibliotheken von faschistischer Literatur gesäubert wurden und dass es nun gilt, die Lücken mit guter österreichischer und internationaler Literatur zu füllen, wobei die großzügige Hilfe der Freunde in Amerika gebraucht wird. Der Aufruf fährt fort: "Diese Mahnung darf nicht ungehört bleiben! Soll die Demokratie wieder erstehen, so ist die Literatur eine der Hilfen dazu, die es voll einzusetzen gilt." Das Komitee, dem die Österreicher Hermann Broch, Ferdinand Bruckner, Theo Feldmann, Alfred Polgar, Prof. Hans Tietze, Berthold Viertel, Ernst Waldinger und Ernst Karl Winter angehören, hat eine Sammelstelle in New York geschaffen, der Bücher zugeschickt werden können, die aber auch auf Anruf Bücher abholt, oder Geld mit der Bestimmung, gewisse Bücher zu kaufen, entgegennimmt. Das Service-Committee der Unitarier hat die Verschiffung nach Österreich und die Übergabe an die Stadt Wien zur weiteren Verteilung an die öffentlichen Bibliotheken übernommen.

7.8.1946: Neuregelung aller Volksprater-Pachtverträge

Im Verlaufe des Krieges wurde das Gebiet des Volkspraters verwüstet und seine Einrichtungen unbrauchbar gemacht. Da der Wiederaufbau unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Interessen erfolgen soll, ist eine wesentliche Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes notwendig geworden. Aus diesen Gründen ist die Einhaltung der von der Praterverwaltung mit den einzelnen Bestandnehmern abgeschlossenen Verträge unmöglich geworden, diese gelten nun als erloschen.

Zum Zwecke des raschen Wiederaufbaus des Volkspraters erfolgte die Gründung der Prater-Betriebsgesellschaft m.b.H., der aufgrund eines Beschlusses des Wiener Gemeinderates das Gelände des Volkspraters verpachtet wurde. Diese Gesellschaft, die ermächtigt wurde, die Stadt Wien in allen den Volksprater betreffenden Rechtsangelegenheiten zu vertreten, wird die Neuregelung der Bestandverträge durchführen.

8.8.1946: Die schwedische Kinderausspeisung

Frau füttert Mädchen

Kinder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr sollen von der Hilfsaktion profitieren.

Kinder sitzen um Esstisch versammelt

Für die Ausspeisung sind derzeit 136 Ausspeisestellen eingerichtet.


Die schwedische Hilfsaktion hat die Ernährungshilfe für unsere Kleinkinder, das sind die Kinder zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr, übernommen. Den Schweden liegt daran, möglichst alle Kinder dieser Altersgruppe durch ihre Ausspeiseaktion zu erfassen. Es ist jedoch ausgeschlossen, wirklich alle Kinder gleichzeitig auszuspeisen, weil dazu weder die vorhandenen Lebensmittel noch der zur Verfügung stehende Apparat ausreicht. Es wurde daher der Ausweg gewählt, dass immer ein Drittel der Bezirke Wiens zwei Monate lang in die schwedische Kleinkinder-Ausspeisung einbezogen wird, während ein zweites Drittel der Wiener Bezirke in der gleichen Zeit mit schwedischer Trockenmilch beteilt wird, so dass nur ein Drittel der Wiener Kleinkinder zwei Monate lang pausieren muss. Für die Ausspeisung sind derzeit 136 Ausspeisestellen eingerichtet. Es sind dies die Kindergärten der Stadt Wien und eine Reihe von Sommererholungsstätten. Rund 25.000 bis 30.000 Portionen werden täglich verabreicht. Die schwedische Hilfsaktion stellt die Lebensmittel dafür bei, die Zubereitung erfolgt von der WÖK. Die Kosten für Zubereitung, Transport und Verabreichung sowie für das dafür notwendige Personal trägt die Gemeinde Wien. Diese sind dem Umfang der Aktion entsprechend nicht gering. Sie betragen für die ersten fünf Monate der Aktion, d.i. die Zeit vom 1. Februar bis 30. Juni 1946 301.400 Schilling. Im ganzen Jahr 1946 wird die Gemeinde Wien also unter diesem Titel mindestens 600.000 Schilling aufzuwenden haben.

10.8.1946: Restaurant Kobenzl wieder eröffnet

Ab 11. August nimmt das Restaurant Kobenzl seinen Betrieb wieder auf. Hotel und Restaurant waren in den letzten vier Kriegsjahren Sitz einer Flakabteilung, die sich dort häuslich eingerichtet und Gebäude und Anlagen ihren Zwecken entsprechend umgestaltet und zugerichtet hat. Darauf folgte die Einquartierung durch Besatzungstruppen und zum Schluss die Invasion des Gebietes durch volksdeutsche Flüchtlinge. Das Hotel Kobenzl ist noch von Besatzungstruppen besetzt und kann daher seiner ursprünglichen Bestimmung nicht wiedergegeben werden. Das Restaurant ist aber unter Hübners tatkräftiger Leitung in den letzten Wochen fleißig und mit Erfolg aufgeräumt und instandgesetzt worden. Küche, Speisesäle und Veranda sind wieder auf Glanz hergerichtet, die Bauschäden behoben und alles zum Empfang des Publikums vorbereitet. Noch dürfen keine hohen Ansprüche an Küche und Keller gestellt werden, aber es wird Bier und alkoholfreie Getränke sowie einen kleinen Imbiss geben.

10.8.1946: Feierliche Eröffnung des Russischen Heldenfriedhofes

Soldat steht vor einer Skulptur

Eingang zum Heldenfriedhof der Roten Armee.

Weitläufige Grabanlage mit Ehremahl

Die umfangreiche Grabanlage steht unter Obhut der Gemeinde Wien.


Heute wurde auf dem Zentralfriedhof die neue Begräbnisstätte der im Kampf um die Befreiung Wiens gefallenen Offiziere und Soldaten der Roten Armee feierlich eröffnet.

Die umfangreiche Grabanlage ist von der Gemeinde Wien hinter der Begräbniskirche errichtet und gärtnerisch ausgestaltet worden. Inmitten der Soldatengräber steht ein neun Meter hoher Obelisk, dahinter sind zwei Ehrenmale und zu beiden Seiten des Einganges sieht man zwei große Skulpturen.

Generalmajor Strugow, Generalleutnant Lebedenko und zahlreiche Offiziere der Roten Armee waren auf dem Zentralfriedhof erschienen. Mit Vizekanzler Dr. Schärf kamen die Minister Dr. Gruber und Dr. Zimmermann sowie Bürgermeister Körner und die Mitglieder des Stadtsenates.

Vizekanzler Dr. Schärf führte in seiner Rede u.a. aus: "Die Soldaten der Roten Armee, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, werden für immer in das Denken der Wiener eingeschlossen sein, wenn sie über Vergangenheit und Zukunft nachsinnen. Diese Bekundung der Trauer und das Gelöbnis der Dankbarkeit soll nicht geschlossen werden, ohne der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass alle diese Opfer nicht umsonst sein sollen. Möge am Ende des Zweiten Weltkrieges die Sehnsucht der gefallenen Helden Erfüllung finden, die Sehnsucht nach einem dauernden Frieden, der alle Nationen der Welt vereint."

Bürgermeister Körner nahm dann die Gräber in die Obhut der Gemeinde.

12.8.1946: Wiedereröffnung des Sankt Marxer Friedhofes

Nach Beseitigung der Kriegsschäden auf dem Sankt Marxer Friedhof wurde dieser am 3. August für den allgemeinen Besuch wieder freigegeben.

14.8.1946: 284.000 Schilling Reingewinn der Wiener Armenlotterie!

Die Leitung der Staatslotterie hat die Schlussbilanz der 117. Wiener Armenlotterie genehmigt. Die Lotterie schloss mit einem Reingewinn von 284.276,85 Schilling. Finanzreferent Stadtrat Honay hat verfügt, dass dieser Betrag ausschließlich für zusätzliche Unterstützungen an Hilfsbedürftige zu verwenden ist. Dabei werden vor allem jene Personen berücksichtigt, die im Rahmen der Pflichtfürsorge entweder gar nicht oder nicht im gewünschtem Ausmaße unterstützt werden können. Die Aufteilung des Reingewinnes auf die einzelnen Wiener Fürsorgeämter ist bereits erfolgt. An der Spitze stehen Favoriten und Floridsdorf mit je 22.720 Schilling, dann folgen Meidling, Ottakring und Brigittenau mit je 19.980 Schilling und Leopoldstadt, Rudolfsheim und Fünfhaus mit je 17.040 Schilling. Hernals erhielt 15.900 Schilling, Landstraße und Margareten je 11.360 Schilling, während die übrigen Bezirke mit kleineren Beträgen beteiligt wurden.

Für das Jahr 1946 sind die Vorbereitungen für die 118. Wiener Armenlotterie bereits abgeschlossen. Es werden zum ersten Male wieder neben den Geldtreffern auch Warenpreise ausgelost. Als Haupttreffer ist ein Siedlungshaus im Werte von 30.000 Schilling vorgesehen. Außerdem werden Fahrräder und Textilien verlost.

17.8.1946: Ausgabe von Zigaretten der Mischung "A" auf Abschnitte der "Karte für besondere Aufrufe"

Das Hauptwirtschaftsamt Wien und das Landeswirtschaftsamt für Niederösterreich und das Burgenland geben im Einvernehmen der Österreichischen Tabakregie den Aufruf der Abschnitte 6, 11 und 16 der "Karte für besondere Aufrufe" bekannt.

Die hierauf entfallenden Abgabemengen sind zusätzliche Sonderzuteilungen und betragen für einen Abschnitt 5 Zigarettten der Sorte "Mischung A".

Andere Tabakwarensorten dürfen auf diese Abschnitte nicht ausgefolgt werden.

19.8.1946: Rosskastanien helfen Devisen sparen

Die Wiener Parkanlagen, Alleen und vor allem der Prater verfügen über eine große Anzahl von Rosskastanienbäumen. Alljährlich im Herbst fällt eine bedeutende Menge dieser für den menschlichen Genuss leider ungeeigneten Früchte an. Bisher ließ die Stadtgartendirektion die Kastanien sammeln, um sie dann zur Wildfütterung zu verwenden. Nach der großen Dezimierung des Wildbestandes in Wien besteht nun dafür kein Bedarf mehr und so wurde die heurige Roßkastanienernte einer Wiener chemischen Fabrik überlassen, die ihrerseits einen Plan zur Erfassung und restlosen Verwertung der Früchte getroffen hat.

Die Rosskastanien enthalten eine Reihe wertvoller Rohstoffe, wie Eiweiß, Fett, Stärke, Rohrzucker und Gerbstoffe, die sonst nur mit heute fast unerreichbaren Devisen aus dem Ausland importiert werden müssten. Aus den Rückständen kann außerdem eine bedeutenden Menge hochwertigen Kraftfutters für die Schweine und Kleintierzucht gewonnen werden.

Im Laufe des Septembers wird mit einer Rosskastanien-Sammelaktion begonnen, an der sich geworbene Mitarbeiter gegen Erhalt einer Sammelprämie beteiligen werden.

19.8.1946: Säuglingswäschepaket für die in der amerikanischen Zone Wiens wohnenden Mütter und Schwangere

Die Anmeldung für das Säuglingswäschepaket für die in der amerikanischen Zone Wiens wohnenden Mütter und Schwangere erfolgt im Jugendamt des Wohnbezirkes unter Vorweis der Personaldokumente und Meldenachweis. Anmeldeberechtigt sind alle Schwangeren ab vollendetem 7. Schwangerschaftsmonat und Mütter, die nach dem 15. Juli 1946 entbunden haben.

19.8.1946: Gesetzliche Pockenschutzimpfungen für Kinder

Bekanntgabe des Gesundheitsamtes der Stadt Wien:

"Alle in den Jahren 1933, 1934, 1944 und 1945 geborenen Kinder müssen noch im Jahre 1946 eine Schutzimpfung gegen Pocken (Blattern) empfangen. Zur Durchführung finden in den Monaten September und Oktober unentgeltliche öffentliche Impfungen statt, zu denen alle in Betracht kommenden Kinder vorgeladen werden. Kinder der Geburtsjahrgänge 1944 und 1945, die bis Mitte Oktober keine Vorladung erhalten, sind ehestens der nächsten Mutterberatungsstelle des Bezirkes oder dem Bezirksgesundheitsamte zu melden.

Die Eltern (Erziehungsberechtigten) werden dringendst aufgefordert, den Vorladungen Folge zu leisten oder das Nichterscheinen mit Angabe des Grundes bekanntzugeben, da schuldhaftes Versäumen der rechtzeitigen Impfung nach dem Impfgesetz bestraft werden muss".

23.8.1946: Wettbewerb über holzsparende Dächer

Für den allgemeinen öffentlichen Wettbewerb der Stadt Wien zur Erlangung von Entwürfen für holzsparende Dächer unter Verwendung von Stahlbeton-Fertigteilen, dessen Einreichtermin der 6. August war, sind von 29 Bewerbern 39 Projekte eingereicht worden. Die Entscheidung über die eingereichten Projekte wird von einem aus Fachleuten zusammengesetzen Preisgericht getroffen.

26.8.1946: Die Gemeinde ehrt Prof. Dr. Tandler - Enthüllung einer Gedenktafel in der Kinderübernahmsstelle

Portrait Prof. Dr. Julius Tandler

Der Sozialpolitiker wurde mit einer Gedenktafel geehrt.

Heute, am 10. Todestag von Prof. Dr. Tandler, versammelten sich im Hofe der Kinderübernahmsstelle in der Lustkandlgasse die Vertreter der Regierung, der Gemeinde, der in- und ausländischen Hilfskomitees und zahlreiche Ehrengäste, um der Enthüllung einer Tandler-Gedenktafel beizuwohnen. Unter den zahlreichen Gästen und Freunden Tandlers, waren u.a. die Minister Übeleis und Weinberger, Bürgermeister Körner, Vizebürgermeister Speiser, die StRe. Afritsch, Honay, Dr. Matejka und Sigmund sowie Magistratsdirektor Dr. Kritscha.

Vizebürgermeister Speiser gedachte in seiner Ansprache u.a. der großen Verdienste Tandlers um das moderne Fürsorge- und Wohlfahrtswesen sowie der Bedeutung dieses großen Sozialpolitikers für Wien, für Österreich und für das gesamte Ausland.

Die Tandler-Gedenktafel wurde von Bildhauer Prof. Riedl geschaffen.


27.8.1946: Felle und Häute sind abzuliefern

Zur Erfassung aller Vorräte an Rindshäuten, Rosshäuten, Schweinshäuten, Ziegen-, Zickel-, Schaf-, Lamm- und Wildfellen wird amtlich verlautbart:

"Alle vorgenannten Fell- und Häutearten, auch herrenlose Rohware, deren Herkunft nicht aus Haus- und Notschlachtungen, laut Schlachtschein nachgewiesen werden kann, sind vom Besitzer oder Verwahrer, soweit es sich nicht um einen befugten Häutehändler, Großhändler oder Gerber handelt, unverzüglich über die zuständige Bezirkshauptmannschaft dem Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau, 9, Berggasse 16, innerhalb von 8 Tagen zu melden.

Gleichzeitig ist die Ablieferung dieser Häute und Felle an einen befugten Rohhaut- und Fellsammler oder -händler durchzuführen.

Die Nichtbefolgung wird nach den Bestimmungen des Bedarfsdeckungsgesetzes bestraft."

28.8.1946: Das Material kriegsbeschädigter Gebäude ist sicherzustellen

Bürgermeister Körner richtet an die Eigentümer (Verfügungsberechtigten) von Gebäuden, die durch Kriegseinwirkung zerstört oder beschädigt sind, folgenden Aufruf:

"Die Sortierung des auf Privatgrundstücken liegenden Bauschuttes nach brauchbaren Baustoffen und deren geeignete Lagerung ist bisher vielfach wegen Mangel an Arbeitskräften, Transportschwierigkeiten und aus anderen Gründen unterblieben. Es besteht die Gefahr, dass die für den Wiederaufbau so wertvollen Baustoffe verderben oder durch unbefugten Zutritt Dritter verloren gehen.

Die Eigentümer der durch Kriegseinwirkung zerstörten oder beschädigten Gebäude haben die Baustoffe, soweit es sich um solche handelt, die gemäß dem Gesetze vom 3. Juli 1945, St.G.Bl.Nr. 46/45 bewirtschaftet sind und der Kundmachung des Bürgermeisters der Stadt Wien vom 11. Mai 1945, Zl.BD. - 616/45, unterliegen, zu sortieren und in ordnungsmäßiger Weise zu lagern.

Für die Arbeiten können gemäß Kundmachung des Bundesministeriums für Handel und Wiederaufbau vom 23. April 1946, Zl. 57.009/III-II-46, beim zuständigen Arbeitsamt Arbeitskräfte angefordert werden.

Eine Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsflächen für Lagerungszwecke ist nur ausnahmsweise mit besonderer behördlichen Bewilligung möglich.

Grundeigentümer, die derartig sortierte und gelagerte Baustoffe dem Stadtbauamt - MA 25 schriftlich oder mündlich bis zum 30. Oktober 1946 zur Verfügung stellen, erhalten außer der gesetzlichen Vergütung einen Gutschein für bevorzugte Berücksichtigung bei der Baustoffzuweisung für den Wiederaufbau des Gebäudes.

Der Magistrat erwartet, dass von dieser Gelegenheit möglichst viele Hauseigentümer im eigenen Interesse Gebrauch machen werden, so dass die Anwendung gesetzlicher Zwangsmaßnahmen nicht notwendig sein wird".

30.8.1946: Die Heimkehrer- und Kriegsgefangenenfürsorge

Als nach Kriegsschluss die ersten Transporte österreichischer Kriegsgefangener in Wien ankamen, wurden sie noch von freiwilligen Helfern empfangen, die den Heimkehrern mit Rat und Tat behilflich waren. Erst nach Überwindung vieler Hindernisse kam es zur Schaffung eines verwendungsfähigen amtlichen Apparates, der seit Beginn des Jahres 1946 unter der Bezeichnung "Kriegsgefangenenfürsorge" dem Magistrat der Stadt Wien unterstellt ist. Die Organe dieses Amtes sind in der Mehrzahl ehemalige Kriegsgefangene, die somit die Voraussetzungen zum Verständnis der Sorgen und Nöte der Heimkehrer mitbringen.

Dieser Organisation, die in Wien 3, Metternichgasse 3, ihren Sitz hat, obliegt die Leitung der Heimkehrerbewegung. Sie behandelt die Gesuche zur bevorzugten Entlassung und führt die Verständigung der Angehörigen der Kriegsgefangenen aufgrund der Angaben von Heimkehrern über ihren derzeitigen Aufenthalt durch. Das Amt verfügt über eine Sanitätsstelle, eine Wirtschaftsstelle und einen Transport-Begleitdienst, außerdem über fünf Heimkehrerleit- und Entlassungsstellen und zwei Auskunftsstellen auf den Wiener Bahnhöfen. Zwei wichtige Einrichtungen sind noch die Heimkehrerentlassungsstelle in 3, Kundmanngasse 19, und die laut einem Beschluss des Wiener Stadtsenates als zentrale Heimkehrerfürsorgestelle geschaffene Wohlfahrtsstelle in Wien 1, Neutorgasse 20.

Die Tätigkeit der "Kriegsgefangenenfürsorge" ist äußerst umfangreich. Der reibungslose Ablauf der Heimkehrerbewegung, die Vorbereitung der Entlassungen, die Unterkunftsvorsorge, die Regelung des Abtransportes über die Demarkationslinien, die Beschaffung der erforderlichen Lebensmittel für die erste Verpflegung am Bahnhof, die Beratung in allen sanitären Fragen u.v.a. sind nur einige der Aufgaben, deren Lösung nicht immer leicht ist.

Die Wohlfahrtsstelle, die mit dem Wohlfahrtsamt der Stadt Wien eng zusammenarbeitet, gibt den Heimkehrern schon am Bahnhof ein Handgeld, Straßenbahnfahrscheine und Zigaretten. Bei ihr erhalten die Heimkehrer Beratung in Berufs-, Arbeits-, Invaliden- und Wohnungsfragen. Wäsche und Bekleidung der verschiedensten Art wurde, nach Erhebung bei den Fürsorgeämtern, bisher an mehr als 1.400 Heimkehrer, das sind 40 Prozent aller Antragssteller, ausgefolgt. Sie stammen aus den Beständen der amerikanischen Militärregierung. Ihre Ausgabe ist im Auftrage dieser Behörde gegenwärtig vorübergehend gesperrt. Nach Einlangen neuer Weisungen wird die Verteilung fortgesetzt werden.

Seit 1. August 1945 wurden so allein von der "Kriegsgefangenenfürsorge" 58.236 Wiener ordnungsgemäß entlassen und befürsorgt. Im gleichen Zeitraum sind von dieser Stelle 11.015 Ausländer und 82.041 Österreicher aus den Bundesländern betreut und weitergeleitet worden. Insgesamt wurde also 151.292 Heimkehrern durch die "Kriegsgefangenenfürsorge" der Stadt Wien in irgendeiner Weise geholfen.

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