Historischer Rückblick aus dem Jahr 1947

Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz

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September 1947

September

2.9.1947: Eine Weintraubenspende für Wiener Kinder

Der Landeshauptmann-Stellvertreter von Niederösterreich, Ing. Kargl, teilte Bürgermeister Körner mit, dass der Gemeinderat der Stadt Langenlois beschlossen hat, der Stadt Wien 10.000 kg Weintrauben für die Wiener Kinder zum Geschenk zu machen. Die Traubensendung wird nach Beginn der Weinlese erfolgen.

3.9.1947: Ab nächster Woche wieder Gaststättenverpflegung möglich

Wien ist wahrscheinlich die einzige Stadt Österreichs, in der ein Fremder nicht in jedem beliebigen Gasthaus eine Mahlzeit einnehmen kann, weil es bisher nicht möglich gewesen ist, den Gaststätten einen Lebensmittelvorrat zu geben, den sie zumindest zur Eröffnung eines solchen Betriebes benötigen. Nun sind endlich die wesentlichsten Schwierigkeiten, die in dem Mangel an Frischfleisch gelegen waren, für die nächste Zeit behoben worden, sodass von der nächsten Woche an jeder Wiener Gastwirt, der kochen will, dazu in der Lage sein wird.

Die Gastwirte, die zu kochen beabsichtigen, erhalten vom Landesernährungsamt Wien eine Anweisung auf ein den Ausmaßen ihres beabsichtigten Betriebes entsprechendes Fleischkontingent. Aufgrund dieser Anweisung können sie bei einem von ihnen frei zu wählenden Fleischhauer das für den Betriebsbeginn nötige Fleisch beziehen und die weiteren Fleischbezüge jeweils durch die eingenommenen Lebensmittelkartenabschnitte abdecken. Dieser Vorgang erfolgt ohne jede Belastung durch bürokratische Einschränkungen und Komplikationen.

4.9.1947: "Wien baut auf!" - Feierliche Eröffnung der Ausstellung

Im Arkadenhof des Wiener Rathauses fand heute die Eröffnung der Ausstellung "Wien baut auf!" statt. Zur Feier waren Bundespräsident Dr. Karl Renner, die gesamte Bundesregierung mit Bundeskanzler Ing. Dr. h.c. Figl und Vizekanzler Dr. Schärf an der Spitze, die Vertreter der alliierten Mächte, Landeshauptmannstellvertreter Popp und Landesrat Schneidmadl für die Niederösterreichische Landesregierung, die Mitglieder des Wiener Stadtsenates, des Wiener Gemeinderates, viele Nationalräte und Bürgermeister aus den Bundesländern sowie viele hunderte Festgäste erschienen.

Die Ausstellung soll die Kenntnis von der ungeheuren Arbeit vermitteln, die in und außerhalb der Großstadt in der ersten Zeit nach der Befreiung durch die Sowjet-Armee zu leisten war. All die Arbeit unter der Erde, die Kanalisation, die Wiederherstellung der Wasserleitung, die Assanierung der Stadt im weitesten Umfang, welchen Arbeiten es in erster Linie im Verein mit den Ärzten zu danken war, dass Wien von Seuchen und epidemischen Krankheiten verschont blieb, die sonst im Gefolge der Kriege immer auftreten. Die Ausstellung "Wien baut auf" berichtet von dem unauslöschlichen Behauptungswillen der Wiener, sie berichtet von der Arbeit aller am Wiederaufbau unserer Stadt.

Die Ausstellung wurde von Bundespräsident Dr. Renner eröffnet.

5.9.1947: Weitere Maßnahmen gegen Wassersünder

Der anhaltende hohe Wasserverbrauch hat die Wiener Wasserwerke auch im Monat August zu Kontrollen über die Einhaltung des Verbotes der unbefugten Wasserentnahme aus Feuerhydranten veranlaßt. Es mußten wieder zahlreiche Beanstandungen, u.a. wegen vorschriftswidrig oder ohne Genehmigung hergestellter Hydrantenanschlüsse und der Benützung von Gartenschläuchen, vorgenommen werden.

Die Übertretungen sind zumeist mit der sofortigen Absperrung der Hydranten geahndet worden. In einigen Fällen wurde gegen die Schuldtragenden die Strafamtshandlung eingeleitet.

6.9.1947: "Galerie im Arkadenhof" - Plakat und Wiederaufbau

Um das Niveau des heimischen Plakates zu heben, veranstaltet die Ausstellungsleitung "Wien baut auf" gemeinsam mit der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs im Arkaden des Rathauses eine Plakatausstellung, verbunden mit einem Wettbewerb für Firmen, die im besonderen Maße am Wiederaufbau Wiens beteiligt sind.

Eine Jury, zusammengesetzt aus namhaften bildenden Künstlern, Werbefachleuten und Vertretern der Gemeindeverwaltung entscheidet vorerst über die Zulassung der Plakatentwürfe zur Ausstellung. In der Folge werden von der gleichen Jury die drei besten Plakatentwürfe (Format ca. 130 x 180 cm, hoch) zur Prämiierung durch die Gemeinde Wien vorgeschlagen. Preise in der Höhe von 2.000 Schilling, welche von der Ausstellungsleitung für diesen Zweck gewidmet wurden, werden den entwerfenden Künstlern zuerkannt, den auftraggebenden Unternehmungen der preisgekrönten Plakate werden künstlerisch gestaltete Diplome überreicht.

6.9.1947: Die Jugend hilft den kranken Kindern

Die Aufräumungsarbeiten der Aktion "Jugend am Werk" im Preyerschen Kinderspital sind abgeschlossen. Die riesigen Berge von Schutt, die sich um das ganze Spital bis zum ersten Stock türmten, sind verschwunden. In einem fast fünfmonatigem Arbeitseinsatz haben die Helfer der Aktion "Jugend am Werk" im Verein mit freiwilligen Arbeitsgruppen des "Internationalen Zivildienstes" die Vorbereitungen zum Wiederaufbau des Kinderspitals geschaffen. Anstelle der Trümmer, des Schuttes und hunderter Fuhren Tegel, liegen Ziegel und brauchbares Baumaterial, sortiert um beim späteren Bau Verwendung zu finden.

9.9.1947: Die Gastärzte in den Spitälern

In den Wiener städtischen Krankenanstalten sind derzeit 419 Ärzte als Gastärzte tätig. Sie stehen in keinem Dienstverhältnis zur Gemeinde Wien und erhalten daher auch keine Bezahlung. Unter Gastärzten sind junge Ärzte zu verstehen, die zur turnusmäßigen Ausbildung in einer öffentlichen Krankenanstalt angemeldet sind und auf das Freiwerden eines Postens warten. Diese Wartezeit, die selbst in normalen Jahren vor dem Kriege im Durchschnitt ein Jahr betrug und jetzt 12 bis 16 Monate dauert, nützen sie als Gastärzte, um sich inihrem Beruf weiter auszubilden und um das Anrecht auf die Arbeiterzusatzkarte zu erwerben. Es kann mit Recht von einer Not der Gastärzte gesprochen werden, besonders in jenen Fällen, in denen es sich um Familienerhalter handelt, da eine Bezahlung nicht erfolgen kann. Das Anstaltenamt der Stadt Wien ist bemüht, bei der Anstellung junger Ärzte nach sozialen Gesichtspunkten vorzugehen und auch die aus der Gefangenschaft heimkehrenden Ärzte nach Möglichkeit vor jüngeren Ärzten zu berücksichtigen. Im Interesse der Gastärzte, die auf eine Ansteillung warten, ist bereits die Ausbildungszeit der Sekundarärzte von vier auf drei Jahre herabgesetzt worden, um dadurch einen rascheren Wechsel zu erzielen.

Von den 419 derzeit tätigen Gastärzte sind 186 Ärzte registrierungspflichtig. Ob sie für eine Anstellung überhaupt in Betracht kommen, hängt von der Entscheidung der im Bundesministerium für soziale Verwaltung tagenden Kommissionen ab.

10.9.1947: "Warschau klagt an - Eröffnung der Ausstellung"

Die politische Vertretung der polnischen Republik veranstaltet in der Galerie Agathon, Opernring 19, eine Ausstellung "Warschau klagt an". Die mit sparsamsten Mitteln eindurcksvoll gestaltete Schau stellt Bilder des schönen Warschau von gestern den Bildern der Zerstörungen durch den Krieg gegenüber. Eine Serie von Bildern zeigt aber auch schon den Wiederaufbau der fast vollkommen zerstört gewesenen Stadt. An der Eröffnung nahmen neben Bundeskanzler Ing. Dr.h.c. Figl, Bundesminister Dr. hc. Heinl zahlreiche Vertreter der alliierten Besatzungsmächte teil. Vizebürger Speiser betonte in seiner Eröffnungsrede die Verbundenheit Wiens mit Warschau, sowie den Willen der Bevölkerung von Warschau und Wien "Neues und Besseres an die Stelle des Vergangenen zu setzen. Warschau und Wien, die beide durch den Krieg so schwer beschädigten Städte, werden sich wieder erheben."

12.9.1947: Die Stadt Wien grüßt Frau Alma Mahler-Werfel

Auf dem Flugfeld in Tulln traf Frau Alma Mahler-Werfel, die Witwe nach Gustav Mahler und Franz Werfel, aus Amerika kommend, zu einem mehrwöchigen Aufenthalt in Wien ein.

12.9.1947: Zur Einführung des Reifenpasses

Nach einer Kundmachung des Bürgermeisters vom 21. Juni 1947, wurden die Fahrzeughalter aufgefordert, ihre Kraftfahrzeuge bei den in der Kundmachung namhaft gemachten Reifenschätzmeistern bis 30. September 1947 zur Einschätzung der Reifen zwecks Erlangung des Reifenpasses vorzuführen.

Ein Teil der Kraftfahrzeugbesitzer ist diesen Anordnungen noch nicht nachgekommen. Es wird aufmerksam gemacht, dass mit 1. Oktober 1947 die Straßenkontrollen der Polizei und der Gendarmerie sich auch auf die Reifenpässe erstrecken werden; auch erfolgt die Ausgabe von Ersatzbereifungen durch das Hauptwirtschaftsamt grundsätzlich nur aufgrund der Reifenpässe.

12.9.1947: Der erste Heimkehrertransport ist da!

Heute ist der Sonderzug mit dem ersten Heimkehrertransport aus der Sowjet-Union auf dem Südbahnhof eingetroffen. Tausende von Menschen haben sich auf dem Bahnhofsplatz versammelt, um die ersten Heimkehrer zu begrüßen und vielleicht auch von den eigenen Angehörigen eine Nachricht zu empfangen. Die Heimkehrer wurden von Vbgm. Speiser, von den Stadträten Afritsch, Dr. Exel und Rohrhofer sowie Polizeipräsident Holaubek, Gemeinderäten und zahlreichen Vertretern der Bezirke begrüßt. Vizebürgermeister Speiser in seiner Begrüßungsansprache:

"Liebe Freunde! Nun seid ihr endlich wieder bei uns in Wien, in unserem Wien. In Wiener Neustadt hat euch die Regierung empfangen, hier auf Wiener Boden wollen wir Vertreter der Stadt Wien euch herzlich begrüßen. Euch, die ihr durch viel Leid gehen mußtet bis ihr wieder zu eurer Familie zurückkehren konntet. Im Namen des Bürgermeisters, umgeben von den Stadträten und Gemeinderäten, entbiete ich euch auf Wiener Boden unseren allerherzlichsten Gruß. Jetzt ist nicht mehr viel Zeit für Zeremonien und Reden, jetzt gibt es keine Paßschwierigkeiten mehr, jetzt wollen wir euch so rasch als möglich euren Familien wiedergeben. Als wir gehört haben, dass ihr endlich zurückkommen werdet, ist ein Schrei der Freude durch Wien gegangen und draußen auf dem Bahnhofsplatz stehen die Wiener und Wienerinnen in Massen, um euch zu grüßen. Als die Wiener hörten, dass Generalissimus Stalin; dem wir für den hochherzigen Entschluß herzlichst danken, die österreichischen Kriegsgefangenen der Heimat wiedergeben will, da begannen sie für die lieben Heimkehrer zu sammeln, und einige Liebesgaben vorzubereiten. Ihr kommt in eine Stadt zurück, die zum Teil zerstört ist, aber in eine Stadt, die den Mut hat zu sagen: Nun fangen wir wieder an, nun bauen wir wieder auf! Wir brauchen dazu unsere jungen Männer, unsere Kriegsgefangenen. Wir grüßen euch in Herzlichkeit und Freundschaft. Wir haben je einen Bezirk bestimmt, dass er unsere Heimkehrer empfängt. Heute hat Floridsdorf diese Mission. Die Floridsdorfer werden euch also mit einer kleinen Liebesgabe begrüßen, die wir vor allem unseren Siedlern und Schrebergärtnern verdanken. Geht mit uns diesen Weg durch die Gassen der Liebe zu euren Frauen und Müttern, Bräuten und Kindern: Ganz Wien stimmt heute mit mir in den Gruß ein, den ich dem ersten Zug der Wiener Heimkehrer entbiete: Wir grüßen euch von ganzem Herzen!

Die Heimkehrer wurden sodann von den Vertretern des Bezirkes Floridsdorf in der Bahnhofshalle empfangen und mit Liebesgabenpaketen, die je 10 Zigaretten, Lebkuchen und zwei Kilogramm Obst enthielten, beteilt. Jeder Heimkehrer konnte dann noch ein warmes Abendessen einnehmen!

13.9.1947: Eröffnung der Ausstellung "800 Jahre Moskau"

Im Palais Coburg (1, Seilerstätte 3) fand heute durch Bürgermeister Körner die Eröffnung der Ausstellung "800 Jahre Moskau" statt. Der Präsident der Gesellschaft zur Pflege der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion, Prof. Dr. Hugo Glaser, begrüßte die zahlreichen Gäste und schilderte in anschaulicher Form die Bedeutung Moskaus.

Die Ausstellung vermittelt in zahlreichen Fotos ein Bild der russischen Hauptstadt, wie sie einmal war und wie sie sich im neuen Rußland zu einer Weltstadt entwickelt hat.

16.9.1947: Eine Million Schilling für die Rußland-Heimkehrer

Die Wiener Kriegsgefangenen-Kommission legt den dritten Spendenausweis der aufgrund des Aufrufes des Bürgermeisters durchgeführten Sammlung für die Rußland-Heimkehrer vor. Er umfaßt 24 Bezirke mit einem Gesamtergebnis von 607.778,60 Schilling. Die Sammelaktion hat an Bargeld bisher 984.307,76 Schilling ergeben.

17.9.1947: Der Zweite Rußlandtransport ist angekommen

Heute konnte der zweite Heimkehrertransport aus Rußland mit 250 Wiener, 58 Niederösterreich und 10 Zivilflüchtlingen von Bürgermeister Körner am Südbahnhof empfangen werden.

17.9.1947: Eine Spende der "Schweizer Bücherhilfe"

Die "Schweizer Bücherhilfe" hat Anfang September den Städtischen Büchereien Wiens wieder eine Spende von 655 Bänden zugehen lassen. Diese schön ausgestatteten Bücher umfassen belletristische, wissenschaftliche, technische und politische Werke bedeutender Verfasser, herausgebracht von den namhaften Schweizer Verlagen.

18.9.1947: Besuch der mährischen Landesregierung im Wiener Rathaus

Auf Einladung des Bürgermeisters ist heute der Präsident des mährisch-schlesischen Nationalausschusses, das ist die mährisch-schlesische Landesregierung, Frantisek Pisek, zu einem Besuch in Wien eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich u.a. seine beiden Stellvertreter Prof. Franz Loubal und Stanislav Sulc.

Körner gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass dieser erste Besuch offizieller mährischer Persönlichkeiten zustandegekommen ist und verwies auf die engen persönlichen Beziehungen zwischen der mährischen und der Wiener Bevölkerung.

24.9.1947: Melker Bezirkshauptmann belobt Brandrat Dipl.-Ing. Dufek

Am Nachmittag des 15. Septembers verständigte die Bezirkshauptmannschaft Melk das Wiener Feuerwehrkommando vom Bran der Kuppel der Melker Stiftskirche und bat um Hilfestellung. Zwei Stunden später war Brandrat Dipl.-Ing. Dufek mit der Mannschaft eines Rüstwagens zur Stelle und übernahm das Kommando über die zwanzig anwesenden Freiwilligen Feuerwehren. Um ein Uhr früh war der gefährliche Brand lokalisiert und die Gefahr für das übrige Stiftsgebäude gebannt. Durch das rasche Handeln der Wiener Feuerwehr konnte eines der kostbarsten Bauwerke Europas mit seiner weltberühmten Bibliothek vor der Vernichtung bewahrt werden.

Der Bezirkshauptmann von Melk dankte nun in einem Brief an Bürgermeister Körner für den vorbildlichen und mutigen Einsatz des Brandrates Dufek.

Auch der Landeshauptmann von Niederösterreich, Reither, bedankte sich in einem sehr herzlichen Schreiben an den Bürgermeister.

26.9.1947: Die Ankunft des siebenten Transportes

Fast täglich treffen Heimkehrertransporte in Wien ein und werden immer von tausenden Menschen empfangen. Auch heute konnte Bürgermeister Körner wieder 497 Wiener, 164 Niederösterreicher und 29 Staatenlose am Südbahnhof begrüßen. Es war dies der erste Transport, der mit starker Verspätung erst in der Nacht in Wien eintraf. Der Bürgermeister hatte aufgrund dieser starken Verspätung angeordnet, dass die Verkehrsbetriebe eine größere Anzahl von Wagen zur Verfügung stellten und so standen lange Kolonnen beleuchteter Straßenbahnwagen für die Heimkehrer und ihre Angehörigen bereit.

26.9.1947: Der zweite Deutsche Nachkriegsfilm

Die Gesellschaft der Filmfreunde Österreichs veranstaltet gemeinsam mit der Sov-Exportfilm in der Scala die Premiere des zweiten Filmes der Deutschen Nachkriegsproduktion "Razzia".

27.9.1947 Zum Unterrichtsbeginn an den Wiener Schulen

Montag, den 29. September, beginnt der Unterricht an den Wiener Schulen. An den Volksschulen, Hauptschulen, Mittelschulen und Handelslehranstalten ist insgesamt mit rund 140.000 Schülern und Schülerinnen zu rechnen. Dazu kommen noch ungefähr 27.000 Lehrlinge. Die Pflichtschulen erwarten für das kommende Schuljahr einen Schülerstand von über 117.000 Kinder. Dies bedeutet einen Zuwachs von 35 Prozent gegenüber dem Schuljahr 1945/46 und von 15 Prozent gegenüber dem Schuljahr 1946/47. Dabei ist die Zahl der Knaben größer als die der Mädchen. In die erste Volksschulklasse werden ungefähr 25.500 Kinder eintreten, und zwar rund 13.000 Knaben und 12.500 Mädchen.

29.9.1947: Wieder Tierrettungsdienst der Wiener Feuerwehr

Die Feuerwehr der Stadt Wien hat einen Tierrettungswagen in den Dienst gestellt und den Hilfsdienst zur Bergung und Beförderung erkrankter Großtiere, insbesondere Pferde, wieder eingerichtet.

Nach mehr als zweijähriger Unterbrechung, die auf den Verlust der Fahrzeuge zurückzuführen war, steht damit eine bewährte und häufig in Anspruch genommene Einrichtung der Wiener Feuerwehr wieder zur Verfügung.

30.9.1947: Abbruch großer Gebäude in der Kärntner Straße und auf der Fischerstiege

Der Gemeinderatsausschuß für Bauangelegenheiten hat die Abbrucharbeiten der kriegszerstörten städtischen Häuser 1, Kärntner Straße 18 und Fischerstiege 4 vergeben. Wegen der Größe der Objekte werden diese Arbeiten nicht weniger als 580.000 Schilling kosten. Gleichzeitig wurden 1,700.000 Schilling für den Wiederaufbau mehrerer städtischer Gebäude genehmigt, unter denen die Wohnhäuser 3, Rabengasse 6, 11, Hasenleiten, Block IX und 21, Frömmelgasse 30 sowie die Schule 7, Zieglergasse 21 und die Rinderverkaufshalle am Zentralviehmarkt zu nennen sind.

Die Brücke über den Johannesbach in Schwadorf wird neu gebaut und die Zufahrtsstraße zum Freudenauer Hafen und das Gilleswehr in Münchendorf sollen instandgesetzt werden. In Schwechat wird der bestehende Regenwasserkanal in der Wiener Straße verlängert. Diese Tiefbauarbeiten werden 600.000 Schilling kosten.

30.9.1947: Der größte Simmeringer Gasbehälter wieder in Betrieb

Auch das Gaswerk Simmering hatte unter den Kriegsfolgen schwer zu leiden. Besonders der größte Gasbehälter, der einen Inhalt von 150.000 m3 aufwies, wurde in den Kampftagen des jahres 1945 durch Artillerie und Bombentreffer schwer beschädigt. Ungefähr 30.000 m3 Gas verbrannten damals ohne gelöscht werden zu können. Während nun die gemauerten älteren Behälter verhältnismäßig blad wieder in Betrieb genommen werden konnten, dauerten die Arbeiten am 5. Behälter, der 1908 gebaut wurde, längere Zeit. Am 18. Dezember 1945 aber konnte er behelfsmäßig instandgesetzt und bis 3. März dieses Jahres in Betrieb gehalten werden. Durch den strengen Winter entstanden jedoch weitere Schäden, so dass sich eine Hauptreparatur nicht mehr vermeiden ließ. Vom März bis September dieses Jahres arbeiteten die Firma Wiener Brückenbau zusammen mit dem Personal der städtischen Gaswerke an der Wiederherstellung. Nun ist der Behälter wieder in Ordnung und es ist möglich, die starken Schwankungen, besonders in der Erdgaslieferung auszugleichen und eine gleichmäßigere Gasversorgung für die Wiener Haushalte zu gewährleisten.